|
- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
||
|
Rezension John Taylor Gatto: Verdummt noch mal! Dumbing Us Down. Der unsichtbare Lehrplan oder Was Kinder in der Schule wirklich lernen. Bremen: Genius Verlag 2009, 125 Seiten, EUR 12,80 - direkt bestellen durch anklicken
In diesem schulkritischen Buch beschreibt John Taylor Gatto, der 30 Jahre lang als Lehrer in New York arbeitete, mehrfach für seine pädagogischen Erfolge ausgezeichnet wurde und trotzdem im Jahr 1991 kündigte, weil er nicht länger "Kindern Schaden zufügen" wollte, welche sieben "Lektionen" den Unterricht prägen würden:
Durch diese sieben Lektionen verhindert das Schulsystem systematisch die Selbstentfaltung, die Unabhängigkeit und das kritische Denken von Kindern (und späteren Erwachsenen): "Die Monopolschule ist die Dressureinrichtung der Bienenstockgesellschaft" (S. 93). Sie bringt Menschen dazu, widerspruchslos ihre Position im "Kastenwesen" zu akzeptieren, sich in die Hierarchie am Arbeitsplatz einzugliedern, unkritisch und eilfertig die erteilten Aufträge abzuarbeiten sowie eine zentrale Kontrolle der Gesellschaft zu akzeptieren. John Taylor Gatto glaubt nicht, dass das Schulsystem reformiert werden könne. Er fordert den freien Wettbewerb im Bildungswesen, sodass Eltern neben den Staatsschulen zwischen alternativen Privat-, Handwerk- und Landwirtschaftsschulen wählen könnten - aber auch zwischen Angeboten einzelner Menschen: Jeder, der Freude am Unterrichten hat, sollte dies auch tun können. Besonders positiv sieht Gatto das Homeschooling, da es hier "wirkliche Kommunikation" in einer "echten Gemeinschaft" gäbe. Lernen sollte "im richtigen Leben" erfolgen und von selbst verwalteten lokalen Gemeinschaften organisiert werden: "An der Bildung der nächsten Generation sollten sich in jedem Gemeinwesen alle beteiligen: Firmen, Institutionen, alte Menschen und Familien" (S. 95). In seinem provokanten Buch verdeutlicht John Taylor Gatto somit, dass das Schulsystem die kindliche Entwicklung eher negativ beeinflusst, der Anpassung dient und dadurch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zementiert. Er betont die große Bedeutung der Familie, deren Bildungsfunktion gestärkt werden solle. Martin R. Textor |