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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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| Aus: Martin R. Textor (Red.): Elternmitarbeit: Auf dem Wege zur Erziehungspartnerschaft. München: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit 1996, S. 6-28
Elternmitarbeit: Auf dem Wege zur Erziehungspartnerschaft Martin R. Textor und Brigitte Blank
Inhalt
1 Warum Elternmitarbeit so wichtig ist Familie und Kindergarten sind gemeinsam für das Wohl von Kindern verantwortlich. Sie prägen beide die kindliche Entwicklung in entscheidendem Maße. Familie und Kindergarten sind prägende Lebenswelten von Kindern. Das Verhältnis der beiden Sozialisationsfelder zueinander kann in der Realität unterschiedliche Formen annehmen. Im Extrem lassen sich unterscheiden:
Andere Gründe, die den Dialog mit Eltern und eine Erziehungspartnerschaft sinnvoll erscheinen lassen, sind:
Ursachen für kindliche Verhaltensauffälligkeiten liegen zumeist in der familiären Situation, können aber auch im Kindergarten oder in anderen Sozialisationsfeldern liegen. Eine Abklärung der Ursachen sowie positive und dauerhafte Verhaltensänderungen können in der Regel nur von Eltern und Erzieherinnen gemeinsam erreicht werden. 2 Wie Erziehungspartnerschaft entstehen kann Erziehungspartnerschaft kann sich nur in einem längeren Prozess entwickeln: Sowohl Eltern als auch Erzieherinnen müssen ihr Verhalten ändern und den Weg zueinander suchen. Wichtige Voraussetzungen für einen solchen Prozess der Annäherung und zunehmenden Zusammenarbeit sind Grundhaltungen wie:
3 Bedürfnisse und Wünsche von Eltern Ein zentraler Wunsch von Eltern ist, dass sich die Kindergartenarbeit an der Lebenssituation und den Bedürfnissen ihres Kindes ausrichtet: Sein Wohl soll im Mittelpunkt stehen. Deshalb legen Eltern großen Wert auf Gespräche mit den Erzieherinnen über ihr Kind. Darüber hinaus haben sie persönliche Wünsche und Bedürfnisse, die vom Kindergarten durchaus ernst genommen werden sollten. Tabelle 1 zeigt Erwartungen von Eltern an den Kindergarten bzw. dessen Elternarbeit, die bei einer Befragung von 423 Müttern und 351 Vätern aus Bayern durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik ermittelt wurden (Fthenakis et al. 1995). Hier wird deutlich, dass die Eltern der Elternarbeit eine große Bedeutung beimessen - selbst wenn nur ein Teil der Veranstaltungen besucht wird. So ergab eine von uns durchgeführte Umfrage bei 269 Eltern aus Passau (Textor 1994), dass drei Fünftel der Eltern die Elternarbeit des Kindergartens für sehr wichtig oder wichtig hielten. Drei Viertel bezeichneten das Kindergartenpersonal als sehr kompetent oder kompetent in Erziehungsfragen. Dies zeigt, dass sie deren Professionalität schätzen und sie als potentielle Berater sehen. Nicht ignoriert werden kann, dass es auch eine große Gruppe von Eltern gibt, die wenig Interesse am Kindergartengeschehen zeigen. Diese Personen nehmen nur selten an Veranstaltungen im Rahmen der Elternarbeit teil. In der Regel sind sie nicht zu einer Mitarbeit in der Kindertagesstätte bereit. Ein Teil dieser Eltern kann eventuell durch neue Formen der Elternarbeit oder die direkte Ansprache aktiviert werden. Viele sind aber aufgrund ihrer Lebensumstände und Einstellungen kaum durch Elternarbeit zu erreichen. Tabelle 1: Inhalte der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Eltern
Tabelle 2 verdeutlicht, welche Formen der Elternarbeit von den befragten 258 Passauer Eltern gewünscht wurden (Textor 1994), wobei zu beachten ist, dass eine derartige Befragung in einer anderen Stadt oder im ländlichen Raum durchaus zu anderen Ergebnissen führen könnte. Es fällt auf, dass der Kindergarten von Eltern auch als Kommunikations-, Elternbildungs- und Beratungszentrum wahrgenommen wird. Elternabende waren bei Eltern weniger gefragt als andere Angebote. Eltern erwarteten vor allem (a) eine Öffnung des Kindergartens, (b) Ratschläge für die Beschäftigung von Kindern, (c) Hilfe bei Erziehungsschwierigkeiten und (d) Elternbildung. Eine solche Auflistung von Elternwünschen wie in Tabelle 2 sollte aber nicht dazu führen, dass Erzieherinnen nun alle diese Formen der Elternarbeit anbieten. Ganz wichtig ist zu sehen, dass die Zeit der meisten Eltern sehr knapp bemessen ist: So ergab die vorgenannte Umfrage, dass die befragten Eltern im Durchschnitt nur ein- bis zweimal im Monat an Elternveranstaltungen teilnehmen konnten. Als günstigster Zeitpunkt wurde zudem der Samstagvormittag bezeichnet, an dem Erzieherinnen natürlich nur im Ausnahmefall arbeiten möchten (als zweitgünstigster Zeitraum wurde "an Werktagen nach 19.00 Uhr" angegeben). Auch hier ist zu beachten, dass diese Befragungsergebnisse in Passau gewonnen wurden und somit eine Umfrage in einer anderen Stadt oder Gemeinde zu anderen Elternwünschen führen könnte.
Tabelle 2: von den Eltern gewünschte Formen der Elternarbeit
Und was ist mit den Bedürfnissen der Erzieherinnen? Auch die Fachkräfte haben Erwartungen an Eltern und Wünsche hinsichtlich der Zusammenarbeit mit ihnen. Sie bevorzugen bestimmte Formen der Elternarbeit, während sie anderen skeptisch oder auch ängstlich gegenüber stehen. Außerdem wollen sie im Zusammenhang mit ihren Angeboten in erster Linie positive, befriedigende Erfahrungen machen.
Erst in einem "Aushandlungsprozess", in dem die Bedürfnisse, Erwartungen, Wünsche und Beschränkungen von Eltern und Erzieherinnen geäußert werden, kann zu einer kunden- und mitarbeiterorientierten Elternarbeit gefunden werden. Es ist offensichtlich, dass es hier zu Kompromissen kommen wird. Zwei wichtige Prinzipien sind somit: "Wir können es nicht allen gerecht machen!" (sich nicht selbst überfordern) und "Wir müssen lernen, mit unerfüllten Wünschen und Erwartungen zu leben!" (weniger negative Konsequenzen für Berufszufriedenheit und Selbstwertgefühl).
4 Zieldimensionen zeitgemäßer Elternarbeit Die "neue" Elternarbeit - die gegenüber der klassischen Elternarbeit viel mehr als einige Elternabende (mit Referenten) sowie Tür- und Angelgespräche umfasst - ist ein sehr komplexes Tätigkeitsfeld geworden. Dies wird deutlich, wenn man sich die verschiedenen Zieldimensionen verdeutlicht: Öffnung/Transparenz von Kindertageseinrichtung und Familie:
Abstimmung von privater und öffentlicher Erziehung:
Elternbildung zur Verbesserung der Familienerziehung:
Mitarbeit von Eltern:
Mitbestimmung der Eltern:
Beratung bei Erziehungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten:
Vermittlung von Hilfsangeboten:
Förderung von Kontakten zwischen Familien sowie von Selbsthilfe:
Nicht alle Ziele der Elternarbeit können auch nur annähernd erreicht oder gar zur Zufriedenheit aller erfüllt werden (z.B. Problematik der Familienergänzung bei Vielzahl der Familienformen, widersprüchliche Elternerwartungen, mangelnde Zeit der Eltern, fehlendes Interesse). Eine Schwerpunktsetzung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Eltern und Erzieherinnen sowie der örtlichen Gegebenheiten ist durchaus anzustreben. 5 Formen der Elternarbeit - eine Übersicht Wie Tabelle 3 verdeutlicht, gibt es eine Vielzahl von Formen der Elternmitarbeit. Allerdings sollten Erzieherinnen nicht möglichst viele verschiedene Angebote machen (Gefahr sinkender Teilnehmerzahlen und einer Verschlechterung der Qualität der Angebote), sondern sich auf einige Formen beschränken, die den eigenen Bedürfnissen und denjenigen der Familien entsprechen - qualitative Verbesserungen sind wichtiger als eine quantitative Ausweitung.
Das Einlassen auf neue Formen der Elternarbeit bedeutet also nicht, dass den Eltern viel mehr geboten werden müsse. Es geht um die Suche nach Aktivitäten, die für Familien und Erzieherinnen interessant und befriedigend sind, durch die möglichst viele der vorgenannten Ziele erreicht werden können. Dies kann nur durch Experimentieren herausgefunden werden: Warum soll nicht einmal ein Markttag zu Erntedank, ein Kartoffelfeuer, ein Zirkusfest, eine Wanderung mit Picknick, eine Maibaumfeier oder eine Vernissage mit Kinderbildern das traditionelle Sommerfest ersetzen? Weshalb sollen nicht einmal Eltern im Gruppenraum kochen, mit den Kindern Nistkästen bauen, im Garten einen Teich anlegen oder Gemüsebeete bepflanzen? Warum kann nicht einmal eine Mutter mit ihrem Säugling einen Vormittag in der Gruppe verbringen, sodass die Kinder beim Wickeln und Füttern zuschauen oder assistieren können? Kann nicht ein Elternstammtisch oder eine Elterngruppe zu einem bestimmten Thema von den Eltern selbst organisiert werden? Kann nicht ein schwarzes Brett mit Informationen über Babysitterdienste, psychosoziale Einrichtungen oder zu verschenkende Kinderkleidung Eltern Entlastungsmöglichkeiten erschließen? Hier sind der Kreativität und Phantasie von Erzieherinnen und Eltern keine (oder nur "zeitliche") Grenzen gesetzt. Tabelle 3: Formen der Elternarbeit
An dieser Stelle soll nur die ganze Vielfalt von Formen der Elternarbeit verdeutlicht werden. In der pädagogischen Praxis wurden alle diese Formen erprobt, zum Teil allerdings nur an ganz wenigen Kindergärten. Dies sollte zum Experimentieren motivieren - vielleicht entspricht gerade eine der unbekannteren Formen den individuellen Bedürfnissen der Erzieherinnen und Familien vor Ort! Viele der genannten Formen der Elternarbeit ermöglichen eine Elternmitarbeit und -mitbestimmung. Wenn Eltern den Kindergarten als eine Einrichtung erleben, die den Dialog sucht, ihre Kompetenzen anerkennt, ihre Lebenserfahrung schätzt und ihre Unterstützung wünscht, sind sie erfahrungsgemäß zu einer Mitarbeit bereit. Die in Tabelle 4 dargestellten Ergebnisse unserer Umfrage verdeutlichen, dass die befragten 269 Eltern durchaus bereit waren, sich in die Kindergarten- und in die Elternarbeit einzubringen, jedoch je nach Aktivität in höchst unterschiedlichem Maße. Aber auch hier ist es wichtig, dass Erzieherinnen auf die Eltern zugehen und um ihre Mitarbeit bitten - selbst motivierte Eltern benötigen manchmal einen "Anstoß".
Tabelle 4: Bereitschaft von Eltern, sich an Angeboten für Eltern und Familien aktiv zu beteiligen
6 Planung der Elternarbeit Die Elternmitarbeit soll sich harmonisch in das pädagogische Konzept des Kindergartens einfügen. Dies bedeutet, dass jeder Kindergarten seine eigene, der Situation der Einrichtung und des Umfeldes entsprechende Form der Zusammenarbeit mit den Eltern entwickeln muss. Es genügt dabei nicht, viele unterschiedliche Möglichkeiten einer Zusammenarbeit anzubieten. Hinter den einzelnen Aktivitäten muss ein "roter Faden" erkennbar sein, der den einzelnen Aktivitäten einen Sinnzusammenhang gibt. Die Planung der Elternarbeit sollte aber dennoch als "offene Planung" verstanden werden, die Raum und Möglichkeiten zu spontanen, situationsorientierten Aktivitäten, Begegnungen, Gesprächen und Veranstaltungen lässt. Die Vorteile einer Planung sind:
Wie kann nun Elternarbeit effektiv geplant werden? Während die eigentliche Planung für das gesamte Kindergartenjahr erst einige Wochen nach den Sommerferien stattfinden sollte, ist es zweckmäßig, den Kindergartenbeginn schon am Ende des alten Kindergartenjahres zu planen. Dabei sollte die voraussichtliche Situation im Herbst Berücksichtigung finden:
Anregungen für die erste Zeit im Kindergarten finden Sie im nächsten Kapitel. Die Planung der Elternarbeit sollte vom Gesamtteam übernommen werden, damit jedes Mitglied seine Vorstellungen einbringen kann und dann auch das Arbeitsergebnis mitträgt. Der Planungsvorschlag des Teams kann dann Grundlage für weitere Planungsgespräche mit dem Träger, den Eltern (z.B. bei einem Gruppenelternabend) und/oder dem Kindergartenbeirat werden. Die Einbeziehung der Eltern in die Planung ist bereits Teil einer aktiven Zusammenarbeit mit den Eltern. Bei welchem der folgenden Planungsschritte allerdings die Eltern einbezogen werden sollen, muss jedes Team selbst entscheiden, da dies wiederum von der konkreten Situation des jeweiligen Kindergartens abhängig ist. Grundlagen der Planung Grundlegend für die Planung der Elternarbeit sollte eine Analyse der Situation und des Bedarfs vor Ort sein, wie sie auch für die Entwicklung und Fortschreibung einer Konzeption notwendig ist. Sowohl die Alltagsrealität der Einrichtung als auch die Situation der Familien am Ort sind die Basis der weiteren Planungsschritte. Bei der konkreten Planung helfen die folgenden Fragen:
zu 1. Wo stehen wir? Unter dieser Fragestellung werden die für die Zusammenarbeit mit den Eltern relevanten Fakten, Daten und Bedürfnisse erarbeitet und bewusst gemacht. Dabei spielen sowohl die momentane Situation des Teams und des Trägers als auch die Realität der Familien vor Ort eine Rolle.
zu 2. Wo wollen wir hin? Auf der Grundlage der unter Punkt 1 gesammelten Informationen können dann die Ziele der Elternarbeit geklärt werden. Um lange Zieldiskussionen zu vermeiden und um dennoch die Meinung aller Mitarbeiterinnen (und auch die der Eltern) in die Zielfindung einbeziehen zu können, empfiehlt sich ein methodisches Vorgehen. Folgendes Verfahren hat sich hierbei bewährt: Jede Mitarbeiterin erhält drei Kärtchen. Auf das erste Kärtchen schreibt sie ein bis drei Ziele (je nach Größe des Teams und Ausführlichkeit der Planung), die ihr in der Zusammenarbeit mit den Eltern, bezogen auf den gesamten Kindergarten, am wichtigsten sind. Auf das zweite bzw. dritte Kärtchen werden in der gleichen Weise Ziele für die Zusammenarbeit mit den Eltern in der Gruppe und für die Zusammenarbeit mit einzelnen Eltern notiert. Die Karten werden in drei Stapeln eingesammelt und von der Gesprächsleitung unter die entsprechenden Rubriken an ein Plakat bzw. eine Wandtafel geklebt. Dabei ergeben sich meist einige Zielschwerpunkte, die dann noch ergänzt, bewertet, begründet und diskutiert werden. zu 3. Welche Wege gibt es? Der nächste Schritt in der Planung der Elternarbeit ist die Frage nach den Methoden, die geeignet sind, die gewonnenen Erkenntnisse aus der Situations- und Bedarfsanalyse und der Zieldiskussion umzusetzen. Dieser Planungsschritt kann in Form eines Blitzlichts erfolgen oder in der gleichen Weise wie oben angegangen werden, indem die Ideen auf Kärtchen geschrieben werden. Spätestens jetzt sollten auch die Eltern ihre Wünsche und Vorstellungen sowie konkrete Ideen zur Zusammenarbeit mit dem Kindergarten einbringen, wobei die genannten Arbeitsmethoden wieder hilfreich sein können. zu 4. Welche Formen und Methoden wählen wir aus? Auf dem konzeptionellen Hintergrund der Einrichtung und konkret der Elternarbeit kann die Auswahl der Formen und Methoden erfolgen. Hier sind Experimentierfreude und Kreativität von Eltern und Erzieherinnen gefragt. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl sollte sein, dass Angebote für den gesamten Kindergarten, die Gruppe und einzelne Eltern Berücksichtigung finden. Auch die eine oder andere tradierte Veranstaltung bzw. Gewohnheit sollte auf diesem Hintergrund kritisch hinterfragt werden. Erfahrungsgemäß sind gerade traditionelle Feste wie St. Martin, Muttertagsfeiern und Sommerfeste reformbedürftig: Müssen alljährlich noch kompliziertere Martinslaternen gebastelt werden? Bringt möglicherweise die liebevoll geplante Muttertags- oder Vatertagsfeier für die Familien mehr Probleme als Freuden? Ist es notwendig, in die Reihe der Dorf-, Stadtteil-, Vereins- und Straßenfeste auch noch ein Kindergarten-Sommerfest einzureihen? Gibt es Möglichkeiten der Kooperation? zu 5. Wann und wie setzen wir die ausgewählten Formen um? Da nicht nur das Zeitbudget der Erzieherinnen, sondern auch das der Eltern beschränkt ist (Textor 1994), sollte eine Ballung von Aktivitäten vermieden werden. Besonders die Vorweihnachtszeit und das Ende des Kindergartenjahres werden leicht mit Veranstaltungen überfrachtet. Die konkrete Jahresplanung orientiert sich an den gesammelten Vorschlägen. Kriterien wie Arbeitsaufwand, Übereinstimmung mit den sonstigen Zielen, erwartete Wirkung und die Erkenntnisse aus der Situations- und Bedarfsanalyse sollten zugrunde gelegt werden. Bei der Jahresplanung ist ferner zu berücksichtigen, dass neben Veranstaltungen und Aktionen das gezielte Elterngespräch mit in die zeitliche Planung integriert wird, denn diese wichtige Form der Zusammenarbeit darf auf keinen Fall hinten anstehen. Im Jahresverlauf gibt es allerdings Zeiten, zu denen die Elternarbeit mehr Engagement fordert, wie z.B. die erste Zeit im Kindergarten. Kindergärten, die bisher nur die traditionellen Formen der Elternarbeit angeboten haben, werden mehr Zeit in die Elternarbeit investieren müssen. Dabei ist zu fragen, welche Möglichkeiten der Zeitersparnis es für die Mitarbeiterinnen gibt. Die Überprüfung des Tagesablaufs, Entlastungsmöglichkeiten bei Verwaltungstätigkeiten, weniger zeitaufwendiges Basteln und Dekorieren sowie die Delegation von Aufgaben sollen hier nur als Beispiele genannt werden. zu 6. Sind wir auf dem richtigen Weg? Eine Überprüfung, ob die Elternarbeit den Bedürfnissen der Eltern, Erzieherinnen und Kindern entspricht, ist jederzeit möglich. Der in Anhang 1 abgedruckte Reflexionsbogen zur Elternarbeit kann hier hilfreich sein.
7 Elternarbeit im Jahresverlauf Wir alle wissen, wie stark der erste Eindruck eine Beziehung beeinflusst. Auch in der Beziehung zwischen Kindergarten und Familie ist diese Anfangszeit besonders prägend. Ausführliche Aufnahmegespräche und Termingespräche zu Beginn des ersten Kindergartenjahres bilden deshalb eine gute Basis für die gesamte Kindergartenzeit. Sie lassen einen kontinuierlichen Dialog zwischen Eltern und Erzieherinnen entstehen, der auch eventuell später auftretende Konflikt- und Problemgespräche erleichtert. Ob das Aufnahmegespräch von der Kindergartenleiterin oder der künftigen Gruppenleiterin geführt wird, muss im Team diskutiert und entschieden werden. Wichtig ist jedoch, dass genügend Zeit zum Gesprächsaustausch über die Familiensituation und die Entwicklung des Kindes sowie über die pädagogische Arbeit der Einrichtung, über Ängste, Wünsche und Erwartungen zur Verfügung steht. Im Team ist auch zu klären, ob zusätzlich ein Einführungsabend für die Eltern der künftigen Kindergartenkinder angeboten werden soll, bei dem die praktische Arbeit der Einrichtung vorgestellt wird, auf Ängste der Eltern eingegangen werden kann und deren Fragen beantwortet werden. Einen Einblick in den Kindergartenalltag vermitteln ferner Schnuppertage oder Besuchsnachmittage. Da die Eingewöhnungsphase mit der (ersten längeren) Trennung von Mutter und Kind besonders belastend ist, können Erzieherinnen den Eltern die Anwesenheit in der Gruppe ermöglichen. Um den Kontakt zwischen "alten" und "neuen" Eltern in den ersten zwei, drei Wochen des Kindergartenjahres oder in der Woche vor der Beiratswahl zu fördern, kann ein Elterncafé (oder Stehcafé) eingerichtet werden. Zur Bring- oder Abholzeit (örtliche Gegebenheiten berücksichtigen!) werden Kaffee oder Tee gereicht. Der Kindergartenbeirat und/oder engagierte Eltern übernehmen die Organisation und stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Sind dann zwei bis drei Wochen vergangen und haben die Eltern der "neuen" Kindergartenkinder auf ihre Frage "Was habt Ihr denn heute gemacht?" immer wieder die Antwort "Nix!" erhalten, ist es an der Zeit für einen (Gruppen-) Elternabend. Anhand von Dias oder Videoaufnahmen können die Eltern über den Tagesablauf und die dahinter stehenden pädagogischen Überlegungen informiert werden und ihre Kinder in der Gruppe erleben. Außerdem können gegenseitige Erwartungen und Wünsche erfragt werden. Darüber hinaus sollten den Eltern der Neulinge Termingespräche angeboten werden, die dem Gesprächsaustausch über den Verlauf der Eingewöhnungsphase und die (soziale) Entwicklung des Kindes in der Gruppe dienen. Zugleich kann darüber gesprochen werden, was sich in der Familie durch den Kindergartenbeginn verändert hat. Solche Gespräche sind in der Regel für Eltern und Erzieherinnen eine positive Erfahrung. Auch verdeutlichen sie, dass Fachkräfte nicht nur bei Problemen und Konflikten Elterngespräche führen. Gemeinsame Aktivitäten mit den Familien der "alten" und "neuen" Kinder wie Ausflüge und Wanderungen, aber z.B. auch Drachensteigen, Herbstmarkt oder Kartoffelfest, fördern die Kontaktaufnahme und Kommunikation der Eltern miteinander. Die Erzieherinnen lernen die ganze Familie kennen und können interessante Beobachtungen über die Familienverhältnisse und das erzieherische Verhalten der Eltern sammeln. Zugleich sind informelle Gespräche möglich.
Haben sich alte und neue Eltern durch die genannten Aktivitäten kennen gelernt, ist es Zeit für die Wahl des Kindergartenbeirats. Damit möglichst viele Eltern zu dieser Veranstaltung kommen, sollte die Wahl mit einem attraktiveren Angebot verknüpft werden, z.B. mit einer Ausstellung von Bilderbüchern und Kassetten, eventuell in Verbindung mit einem Gespräch über Medienerziehung. Auch könnte ein Stehempfang mit leiser Hintergrundmusik folgen, bei dem Dias mit Szenen aus dem Kindergartenalltag kommentarlos gezeigt werden. Wenn die Eltern eingeladen werden, für den St. Martin-Umzug Laternen für ihre Kinder zu basteln, werden fast alle zu dem Bastelabend/-nachmittag kommen. Bei dieser Gelegenheit können die Erzieherinnen informelle Gespräche über die Kinder führen und Fragen der Eltern beantworten. Auch können Martinslieder eingeübt werden, die beim Umzug von den Eltern vorgesungen werden. Beim Laternenbasteln kann auch die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Planung der Adventsfeier angeregt werden. Es spricht nichts dagegen, diese Veranstaltung von den Eltern gestalten zu lassen - mit Krippenspiel, Liedern, Kerzenreigen, selbst gebackenen Plätzchen usw. Zu Beginn des neuen Jahres ist dann ein Elternabend zum Thema "Schulreife" sinnvoll. Erzieherinnen und Lehrer/innen können ihn gemeinsam gestalten. Erstere sprechen über die schulvorbereitende Arbeit des Kindergartens, Letztere über den Schulbeginn und darüber, wie Eltern ihren Kindern den Übergang erleichtern können. Dabei sollte von beiden Seiten deutlich gemacht werden, dass bei Kleinkindern schulisches Lernen weder in Kindergarten noch im Elternhaus Platz hat. In den folgenden Wochen können dann Einzelgespräche zur Schulreife mit den Eltern der Kinder geführt werden, die sich im letzten Kindergartenjahr befinden. Hier gilt es, deren Entwicklung (-sstand) anhand genauer Beobachtungen zu reflektieren und Wege zu suchen, wie eventuell noch bestehende Defizite ausgeglichen werden können. In den folgenden Monaten sind Angebote der Elternarbeit weniger festgelegt. Je nach Interesse und Bedarf können Eltern-Kind-Aktivitäten, thematische (Gruppen-) Elternabende, Hospitationen u. Ä. erfolgen (vgl. Tabelle 3). Außerdem können sich Erzieherinnen intensiver besonderen Gruppen von Eltern widmen, wie beispielsweise Ausländern, Aussiedlern oder Alleinerziehenden. Nun sind die meisten neuen Eltern integriert, sodass auch intensivere Aktivitäten wie Gesprächskreise oder Projekte durchgeführt werden können. Ferner kann sich die Einrichtung zur erweiterten Familie hin öffnen und z.B. die Großeltern in den Kindergartenalltag einbeziehen. Gegen Ende des Kindergartenjahres findet zumeist ein Sommerfest statt - wobei in dieser Zeit der Dorf-, Stadt- und Vereinsfeste durchaus überlegenswert ist, ob immer ein Kindergartenfest sinnvoll ist (z.B. kann sich die Einrichtung an anderen Festen beteiligen oder Feiern zu anderen Anlässen durchführen). Wird das Sommerfest durch eine Arbeitsgemeinschaft von Eltern und Erzieherinnen vorbereitet, werden erstere von Anfang an eingebunden und Letztere entlastet. Dann ist es auch wahrscheinlicher, dass das Fest nicht zu einer "Leistungsschau des Kindergartens" wird, sondern zu einer Feier der und für die Kinder. So können die Eltern Spiele und Wettbewerbe für Kinder-Erwachsene-Teams, Theater- oder Marionettenvorführungen, Tänze u. Ä. vorbereiten. In den letzten Tagen des Kindergartenjahres kann noch ein Abschiedsfest für die (und nur für die) Schulanfänger durchgeführt werden. Zusammen mit deren Eltern findet ein gemeinsames Abendessen statt. Es werden Dias aus der Zeit der Kinder im Kindergarten angeschaut und von diesen kommentiert. Zum Schluss werden die Kinder von den Eltern und Erzieherinnen aus dem Kindergarten "hinausgeschaukelt". 8 Tipps für Elternabende Elternabende als eine klassische Form der Elternarbeit sind im Laufe des Kindergartenjahres weiterhin von Bedeutung. Allerdings finden Vortragselternabende mit einem Referenten, die der Elternbildung dienen sollen, immer weniger Interesse. Diese Veranstaltungen gehen häufig an den Bedürfnissen der Eltern vorbei und lassen ihrem Wunsch nach Austausch zu wenig Raum. Unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen ist es also angebracht, Elternabende durchzuführen?
Bei der konkreten Erarbeitung eines Elternabends können die in Kapitel 6 aufgeführten Planungsfragen helfen, Klarheit hinsichtlich der Auswahl des Themas und der Methoden zu finden. So muss zunächst die örtliche Situation berücksichtigt werden: Beispielsweise ist in größeren Kindergärten (ab drei Gruppen) ein Gruppenelternabend häufig einem Gesamtelternabend vorzuziehen, da eine zu große Veranstaltung wenig Möglichkeit zum Gespräch bietet. Eventuell ist aber auch nach einem gemeinsamen Veranstaltungsteil die Bildung von Klein- bzw. Gesprächsgruppen sinnvoll. Außerdem muss die Situation im Team Berücksichtigung finden: Ist z.B. eine jüngere Kollegin dabei, die vom Team noch Unterstützung und Tipps benötigt? Anregungen für die Planung und Gestaltung von Elternabenden
Die Durchführung von Elternabenden soll nun an zwei Beispielen verdeutlicht werden: Ein Gruppenelternabend Dem nachfolgend beschriebenen Elternabend ging bereits ein Gruppenelternabend voraus, bei dem die Eltern anhand von Dias über den Tagesablauf in der Gruppe informiert wurden. Dabei wurde ihnen auch die situationsorientierte Arbeitsweise der Einrichtung näher gebracht. Nun wollen die Fachkräfte den Bereich der Kreativitätserziehung vorstellen, da ein Malatelier und ein größerer Werkbereich im Kindergarten eingerichtet werden sollen. Das Thema des Abends lautet: "Basteln, werken, malen - Kreativitätserziehung im Kindergarten". Nach einer kurzen Begrüßung lädt die Erzieherin die Eltern zu einem kleinen Experiment ein: Eine Teilgruppe der Eltern verlässt mit der Erzieherin den Raum und wird nach einer kurzen Einführung zum Ausschneiden von Vögeln anhand einer Schablone angeregt. Es soll daraus ein Mobile entstehen. Stifte, Buntpapier und Glitzer stehen zum Ausschmücken zur Verfügung. Die zweite Teilgruppe erhält eine ähnliche Aufgabe: Hier soll ein fliegendes Phantasietier entstehen. Neben vielerlei "wertlosem" Material stehen Farben, Federn, unterschiedliche Papiere, Stoff, Wolle usw. zur Verfügung. Bei leiser Hintergrundmusik machen sich beide Gruppen an die Arbeit... Nach etwa 20 Minuten treffen sich die Eltern mit ihren "Werken" wieder und tauschen ihre Erfahrungen aus. Welche Gruppe war wohl kreativer? Kindergartenbeiratswahl - einmal in einem anderen Rahmen In einem Kindergarten planen die Erzieherinnen zusammen mit dem Elternbeirat, die Neuwahl des Kindergartenbeirates mit einem Familienerntedankfest zu verbinden. Die Veranstaltung soll an einem Freitagnachmittag stattfinden. Am Vormittag dieses Festtages bereiten Erzieherinnen, Kinder und einige Eltern das Fest vor. Eine Gruppe schmückt die Kirche, andere kochen, dekorieren und bereiten leckere Sachen für das Fest zu (z.B. Müsli, Gemüsesuppe, Obstsalat). Eine Mutter nimmt einige Kinder mit zu sich nach Hause, um dort Brot zu backen. Nachmittags versammeln sich alle Kinder, die Eltern und das Team zu einer Erntedankandacht in der Pfarrkirche. Anschließend treffen sich alle im Kindergarten zum gemütlichen Teil (Stärkung am Erntedankbüfett). Nach dem Schmaus werden die Eltern zur Neuwahl des Kindergartenbeirates geladen, die vom Träger und dem amtierenden Beiratsvorsitzenden geleitet wird (Jahresrückblick zur Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kindergarten; Bekanntgabe der Richtlinien zur Neuwahl). Die Betreuung der Kinder während dieser Zeit übernehmen einige Mitarbeiterinnen. Während der Stimmenauszählung haben die Eltern noch Gelegenheit, Fragen zum Kindergartenalltag zu klären; dabei sind einige Dias hilfreich. Ein "Gemüsetheater", das ein Elternpaar für die Kinder vorbereitet hat, beendet die Veranstaltung. 9 Elterngruppen und Elterngesprächskreise Im Gegensatz zu Elternabenden handelt es sich bei Elterngruppen und Gesprächskreisen um ein mittel- oder langfristig angelegtes Angebot: Eltern treffen sich regelmäßig, um einander besser kennen zu lernen, Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen, Erziehungsfragen und andere interessante Themen zu diskutieren oder bestimmte Aktivitäten durchzuführen. Elterngruppen und Gesprächskreise können in ganz unterschiedlichen Formen erfolgen, die für Erzieherinnen mit mehr oder weniger Arbeit verbunden sind:
Schließlich lassen sich Elterngruppen und Gesprächskreise noch danach unterscheiden, ob parallel eine Kinderbetreuung stattfindet oder nicht. Ist dies der Fall, kann in der Regel von höheren Teilnehmerzahlen ausgegangen werden. Manche Teilgruppen wie z.B. Alleinerziehende können auch nur erreicht werden, wenn die Betreuung ihrer Kinder sichergestellt ist. Insbesondere wenn die Erzieherinnen selbst Elterngruppen oder Gesprächskreise gründen wollen, ist es wichtig, im Team u.a. folgende Fragen zu klären:
Für den Umgang miteinander während der Treffen von Elterngruppen und -gesprächskreisen haben sich folgende sieben Regeln bewährt:
10 Arbeit mit besonderen Gruppen von Eltern Die Vielzahl heutiger Familienwirklichkeiten fordert von Erzieherinnen die Bereitschaft, sich mit der jeweiligen, sehr individuellen Situation der Kindergartenfamilien auseinander zu setzen. Es gilt, die Bedürfnisse und Interessen der Eltern zu erfassen und entsprechende Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. All zu leicht werden sonst die Lebenslagen und Wünsche vor allem von besonderen Gruppen wie ausländischen oder Aussiedlerfamilien, sozial benachteiligten Familien oder Alleinerziehenden übersehen. Gerade diese Gruppen werden oft auch mit Vorurteilen belegt: So wird z.B. fälschlicher Weise die geringe Teilnahme solcher Eltern an Aktivitäten des Kindergartens als Desinteresse eingestuft. Doch verhalten sich diese Familien oftmals aus Erfahrungen des Zurückgestoßenseins heraus eher abweisend und leben zurückgezogen. Deshalb ist es notwendig, dass vonseiten des Kindergartens langfristig ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Es erweist sich als besonders wichtig, nicht bei den Defiziten dieser Familien anzusetzen, sondern nach ihren Fähigkeiten zu schauen und ihnen zu helfen, ein Gefühl der Sicherheit als Basis für die Kommunikation mit anderen Eltern und den Mitarbeiterinnen des Kindergartens zu entwickeln. Hier ist das Einzelgespräch mit der Erzieherin - sofern dies sprachliche Barrieren nicht verhindern - von besonderer Bedeutung, da auf solche Weise am besten das Vertrauen der Eltern gewonnen werden kann. Daneben sollen die folgenden Anregungen Wege aufzeigen, wie diese Familien stärker in den Kindergarten integriert werden können und wie eventuell über den Kindergarten Hilfen vermittelt und Kontakte aufgebaut werden können. Bei Ausländern, aber auch bei Aussiedlerfamilien, kann neben sprachlichen Barrieren die uns fremde Kultur des Herkunftslandes zu Verständigungsschwierigkeiten führen. Es ist daher notwendig, im Kindergarten ein Klima aufzubauen, das dem Kind und seinen Eltern vermittelt, dass sie angenommen werden, dass Interesse an ihnen und ihrer Herkunft besteht. Gerade die Einbeziehung der Eltern in den Kindergartenalltag bietet hier vielerlei Möglichkeiten wie beispielsweise: Eltern studieren mit der Kindergruppe einen ausländischen Tanz ein, kochen mit oder für die Kinder eine Spezialität aus ihrem Herkunftsland oder singen ein fremdsprachiges Kinderlied vor. Auch die Instrumente aus anderen Ländern üben auf Kinder eine große Faszination aus. Bilder aus der Heimat der einen Kinder sind die Urlaubsfotos der anderen. Ein polnischer Abzählvers, ein griechisches Gedicht oder ein türkisches, französisches oder russisches Märchen werden von den Kindern begeistert aufgenommen. Auch kann es beim traditionellen Sommerfest anstatt der üblichen Würstchen Kebap, Pizza und Suflaki geben, können Spiele aus aller Welt eingesetzt werden. Durch derartige Aktionen lassen sich nicht die Probleme der Eingliederung lösen, aber sie können durchaus zu mehr Verständnis und einer besseren Verständigung führen. Trotz der erwähnten Schwierigkeiten sollte nach Möglichkeit das Gespräch mit allen Eltern gesucht werden, wobei die in Kapitel 13 beschriebenen Regeln beachtet werden sollten. Vor allem bei schwierigen Familiensituationen gilt es, bei Termin- sowie bei Tür- und Angelgesprächen positive Kommunikationserfahrungen zu ermöglichen. Der kontinuierliche Kontakt zwischen Erzieherin und Eltern ist gerade bei Kindern aus unterprivilegierten Schichten sehr wichtig, denn es kann nicht darum gehen, die Erziehungsvorstellungen des Kindergartens überzustülpen, sodass das Kind aus seinem gewohnten sozialen Umfeld "herausgefördert" wird. Vielmehr ist hier der fortlaufende Austausch und das Einbeziehen der Eltern in den Kindergartenalltag notwendig, denn: "Je intensiver die Eltern für eine Mitwirkung gewonnen werden können, desto stabiler sind die Fortschritte der Kinder" (Nordt/ Piefel 1987). Zielgruppenspezifische Gesprächskreise oder Treffs ermöglichen es, zu einem bestimmten Teil der Eltern Kontakt aufzunehmen. In diesen Gruppen können durch spezielle thematische Angebote, aber auch durch gemeinsame Unternehmungen Kontakte aufgebaut und Hilfen vermittelt werden. Solche Angebote, die von den Eltern selbst organisiert und durchgeführt werden können, müssen die besondere Situation und die Bedürfnisse der jeweiligen Elterngruppe aufgreifen. Diese können in einer Gruppe von "Gleichgesinnten" über Erfahrungen und Probleme reden und so eventuell aus der eigenen Isolation heraustreten. Außerdem können beispielsweise zu den Treffen einer Gruppe von Alleinerziehenden verschiedene Fachleute eingeladen werden wie z.B. die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt bzw. des Kreises oder ein Psychologe, der zur Trennungsproblematik befragt werden kann. Bei derartigen Gesprächskreisen sollte die Kinderbetreuung sichergestellt werden. Ein Elterntreff für eine spezielle Gruppe von Eltern bietet die Möglichkeit, das Selbstwertgefühl dieser Eltern allmählich zu stabilisieren und sie dann in andere Angebote des Kindergartens zu integrieren. Bei der Jahresplanung der Elternarbeit ist daher unbedingt auf ein breit gefächertes Angebot zu achten. Oftmals werden die ausländischen Eltern, Aussiedler, Alleinerziehenden oder unterprivilegierten Familien nämlich eher zu Familienwanderungen, Eltern-Kind-Nachmittagen, Bastelangeboten, einem Gartenprojekt für Eltern und Kinder sowie gemeinsamen Festen und Feiern kommen als zu einem Elternabend. Durch die Vielfalt der Angebote, kontinuierliche Elterngespräche und das Einbeziehen in den Kindergartenalltag ist es somit möglich, den vielfältigen Familienwirklichkeiten entgegenzukommen, sodass niemand ausgegrenzt wird. 11 Einbindung von Eltern in die Kindergartenarbeit Sowohl die "Binnen"-Öffnung des Kindergartens als auch die Öffnung zum Wohnumfeld hin, wie sie der Situationsansatz fordert, machen die Einbeziehung von Eltern in den Kindergartenalltag als eine Form der Elternmitarbeit immer nötiger und zugleich eher möglich (siehe auch Kapitel 12). Unter welchen Umständen lassen sich nun Eltern in den Kindergartenalltag einbeziehen? Welche Konsequenzen und Möglichkeiten ergeben sich daraus für den pädagogischen Alltag? Zunächst ist es sicherlich notwendig, die Eltern zur Mithilfe aufzufordern. Es ist daher von Vorteil, wenn die Erzieherin über Berufe, Hobbys und besondere Fähigkeiten von Eltern gut informiert ist, sodass sie einzelne Eltern gezielt ansprechen kann (siehe auch Kapitel 10). Beispielsweise kann ein Vater, der von Beruf Masseur ist, durchaus seine beruflichen Fertigkeiten in die Kindergruppe einbringen. Er zeigt den Kindern einige Massagegriffe, leitet sie bei einer Partnermassage an und führt sie hin zu einer entspannten Körperhaltung und Atmung. Zu einer Mutter dürfen die Kinder in die Arztpraxis kommen, ein anderer Vater lädt die Gruppe zur Besichtigung seiner Bäckerei ein, eine weitere Mutter ist bereit, ihr Baby in der Gruppe zu baden, zu wickeln und zu füttern. Den fachgerechten Umgang mit den Werkzeugen an der Werkbank zeigt der Großvater eines Kindergartenkindes, der früher als Schreiner gearbeitet hat. Um die Eltern zur Mitarbeit zu motivieren, kann auch die Kindergruppe an sie herantreten. Dies kann beispielsweise so geschehen: An der Tür des Gruppenraumes hängt eine von den Kindern gefertigte Collage, die einen Wald zeigt. Darunter steht geschrieben: "Wir beschäftigen uns zurzeit mit dem Wald. Wer kann uns zu diesem Thema Bücher, Bilder und andere Materialien mitbringen? Da wir demnächst mit der Gruppe eine Walderkundung machen wollen, würden wir uns auch über 'fachkundige' Begleitpersonen freuen". Dieses Beispiel zeigt wie die vorgenannten, dass durch die Unterstützung der Eltern sachorientiertes Lernen und realitätsnahe Erfahrungen für die Kinder möglich werden. Auch die Auseinandersetzung mit einem Thema bei einem Elternabend kann zur Aktivierung der Eltern führen. So hat beispielsweise in einer Einrichtung die Beschäftigung mit dem Thema Ernährung dazu beigetragen, dass einige Mütter einmal pro Monat ein Frühstücksbuffet für die Kinder herrichten. Besonders interessant für Eltern, Kinder und das Team sind gemeinsame Projekte, die sich am Kindergartenalltag orientieren. Hier ist bereits die Einbeziehung der Eltern in die Planung sehr wichtig. Die gemeinsame Umgestaltung von Spielbereichen in den Gruppenräumen und im Gang oder die gemeinsame kindorientierte Garten(um)gestaltung seien als Beispiele genannt. Projekte unter Beteiligung der Eltern können auch die Erkundung der Gemeinde, das Leben in der Vergangenheit, Besuche in Museen, Theatern, Redaktionen oder Druckereien u. Ä. umfassen. Eine Vielzahl von Beispielen findet sich in dem Buch "Projektarbeit im Kindergarten: Planung, Durchführung, Nachbereitung" (Textor 2009). Eltern können auch am Kindergartenalltag teilhaben, ohne dass dies mit "großen" Aktionen verbunden ist. So treffen sich z.B. die Eltern einer Gruppe alle sechs Wochen, um gegen Ende der Öffnungszeit gemeinsam mit den Kindern die Lieder, Fingerspiele oder Reime aus den vergangenen Wochen zu lernen. Die Beispiele ließen sich noch weiter fortsetzen. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass diese Form der Elternmitarbeit nicht nur den Kindergartenalltag bereichert, sondern auch die Kooperation zwischen Eltern und Kindergarten begünstigt und sich auf die Berufszufriedenheit der Erzieherinnen auswirkt. 12 Elternmitbestimmung Eine Anzahl von Kindergärten orientiert sich heute am Situationsansatz. Jedoch fällt auf, dass dieser oftmals in einer verkürzten Form umgesetzt wird - z.B. was die Beteiligung von Eltern betrifft: Der Situationsansatz in seiner klassischen Form, wie er z.B. von Professor Jürgen Zimmer und den Mitarbeiter/innen des Deutschen Jugendinstituts (München) entwickelt wurde und weiterhin vertreten wird, sieht die Einbindung der Eltern bei der Bestimmung pädagogisch relevanter Situationen und von den Kindern benötigter Kompetenzen vor. Die Eltern werden hier als "Sachverständige" für die Lebenswelt und die Entwicklung ihrer Kinder gesehen. Darüber hinaus sollen Eltern und Erzieherinnen in einen Dialog über die Ziele und Werte der Erziehung sowie über Inhalte und Methoden eintreten. Es ist offensichtlich, dass die korrekte Umsetzung des Situationsansatzes höchste Anforderungen an die Kooperation von Erzieherinnen und Eltern stellt - nicht nur bei der Konzeptionserstellung, sondern auch bei der Rahmen- und Wochenplanung. Nur im ständigen Dialog können die Lebenswirklichkeit von Kindern, Schlüsselsituationen und relevante gesellschaftliche Tendenzen erfasst und hinsichtlich ihrer Bedeutung und Konsequenzen für die Kindergartenarbeit reflektiert werden. Gemeinsam müssen die bei den Kindern bereits vorhandenen und die noch zu erwerbenden Fähigkeiten ermittelt sowie die entsprechenden Tätigkeiten und Aktivitäten geplant und durchgeführt werden. Der Situationsansatz hat von Anfang an die Bedeutung der Erforschung der natürlichen und der von Menschen gestalteten Umwelt des Kindergartens (z.B. Wald und Flur, Ortsteil mit Geschäften und kulturellen Einrichtungen) betont. Solche "Exkursionen" sind in der Regel nur bei Einbindung von Eltern möglich. Dasselbe gilt für die vom Situationsansatz betonte Projektarbeit. Das bereits erwähnte Buch "Projektarbeit im Kindergarten: Planung, Durchführung, Nachbereitung" (Textor 2009) zeigt an vielen Praxisbeispielen, wie bildend und entwicklungsfördernd Projekte sind und wie Eltern einbezogen werden können. Aktive Eltern bringen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten ein, was zur Erweiterung des Spektrums der Kindergartenarbeit führt. Mitarbeits- und Mitbestimmungsmöglichkeiten können den Eltern natürlich auch bei der Orientierung an anderen pädagogischen Ansätzen als dem Situationsansatz eingeräumt werden. Gerade in von Elterninitiativen getragenen Kindergärten, aber z.B. auch in Waldorfkindergärten, werden mit Elternmitarbeit positive Erfahrungen gemacht (Gerzer-Sass/ Pettinger 1993). In Einrichtungen des "Netzes für Kinder" wird in den Gruppen sogar eine ständige Mitarbeit von Eltern realisiert (Becker-Textor 1995). Auch der Modellversuch "Orte für Kinder" zeigte, wie hilfreich die Einbindung von Eltern in den Alltag der Kindertageseinrichtung und die Öffnung nach außen sind (Deutsches Jugendinstitut 1995).
13 Gesprächsführung mit Eltern Der Kontakt zwischen Eltern und Fachkräften ist oft auf beiden Seiten von großer Unsicherheit geprägt. Erzieherinnen fühlen sich im Hinblick auf Elternarbeit mangelhaft ausgebildet. Ungenügende Kenntnisse und Erfahrungen in der Gesprächsführung verunsichern sie vor allem bei Problemgesprächen und führen häufig zu einer Abwehrhaltung gegenüber solchen Besprechungen. Aber auch viele Eltern haben Angst, eine Erzieherin anzusprechen und um ein Termingespräch zu bitten. Diese Broschüre kann natürlich keine Fortbildung über Gesprächsführung mit Eltern ersetzen. So sollen nur einige Tipps bezüglich des Umgangs mit Eltern gegeben werden. Detaillierte Ausführungen befinden sich z.B. im "Handbuch der Gesprächsführung: Problem- und Konfliktlösung im Kindergarten" (Leupold 1995). In Tür- und Angelgesprächen, durch die Mitwirkung von Eltern im Kindergartenalltag, durch Elternaktivitäten usw. kann eine tragfähige Grundlage für intensivere Gespräche gelegt werden. Finden Termingespräche häufiger statt - auch zu positiven Anlässen (z.B. zur Reflexion der Eingewöhnungszeit, als "Halbjahresgespräch" mit den Eltern aller Kinder) - und werden sie ebenfalls von den Erzieherinnen initiiert, sind sie weniger "angsterzeugend". Mit Eltern, die nicht in den Kindergarten kommen (z.B. weil sie weiter entfernt wohnen und nicht über ein Transportmittel verfügen), können alternativ längere Telefonate geführt werden. Auch können sie zu Hause besucht werden. Bei allen Elternkontakten, insbesondere aber bei Termin- bzw. Problemgesprächen, sollten Erzieherinnen möglichst die folgenden Haltungen bzw. Verhaltensweisen zeigen, die zu einem positiven Gesprächsverlauf beitragen:
Trotz aller Bemühungen der Erzieherinnen wird es immer Eltern geben, die schwierig zu erreichen sind, die sich ablehnend, feindselig oder besserwisserisch verhalten, die Ratschläge nicht annehmen oder Angst vor der Einrichtung haben und diese deshalb nicht betreten. Tabelle 5 enthält einige Vorschläge, wie Erzieherinnen mit solchen Eltern umgehen können. Tabelle 5: Zum Umgang mit besonderen Verhaltensweisen von Eltern
14 Elternberatung und Vermittlung Wichtige Gespräche mit Eltern sollten nicht in Form von Tür- und Angel-Gesprächen erfolgen. So groß deren Bedeutung auch im Kindergartenalltag ist, es fehlen doch Grundvoraussetzungen für einen positiven Gesprächsverlauf, wie z.B. Ruhe, Konzentration und eine angenehme Atmosphäre. In solchen Fällen ist deshalb die Vereinbarung eines Besprechungstermins angezeigt. Dies gilt erst recht, wenn es um Erziehungsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten oder Familienprobleme geht. Da Kindergärten häufig mit solchen Schwierigkeiten konfrontiert werden, dürfen sie sich nicht nur als familienergänzende, sondern müssen sich auch als familienunterstützende Jugendhilfeeinrichtungen verstehen. Die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten liegen bei Kleinkindern zumeist und bei älteren Kindern häufig in der familiären Situation, lassen sich durchaus aber auch im Kindergarten finden. Ferner können Familienprobleme Kinder stark belasten. Den Kindern kann in der Regel nur geholfen werden, wenn das Personal die Zusammenarbeit mit den Eltern sucht, sie berät und geeignete Hilfsangebote vermittelt. Das setzt zum einen Beratungskompetenzen und zum anderen die Vernetzung der Kindertagesstätten mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen und psychosozialen Diensten voraus. Falls genügend Zeit vorhanden ist, sollten Termingespräche gründlich vorbereitet und eventuell im Team vorbesprochen werden. Dabei ist zu klären, weshalb das Gespräch notwendig geworden ist, wer an ihm teilnehmen soll, was mit ihm erreicht werden soll (Ziele als Orientierungslinien), mit welchen Schwierigkeiten und Widerständen zu rechnen ist und wie auf diese reagiert werden kann. Oft ist es nötig, noch weitere Beobachtungen über das Kind, sein Verhalten, seine Familienverhältnisse und das Umfeld des Kindergartens zu sammeln, Notizen zu sichten oder andere Fachkräfte zu konsultieren. Besonders schwierige oder angsterzeugende Gespräche können auch im Rollenspiel geübt werden. Das Beratungsgespräch sollte in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden. Die Erzieherin verhält sich wie eine Gastgeberin, begrüßt die Eltern (und das Kind), setzt sich beim Zweiergespräch über Eck oder wählt bei mehreren Gesprächspartnern eine kreisförmige Sitzordnung. Sie bringt das Thema ein und stellt sicher, dass im Verlauf des Gesprächs bei ihm geblieben wird. Die Erzieherin versucht, positive Aspekte zu betonen, also möglichst auf Vorwürfe und Kritik zu verzichten. Zusammen mit den Eltern reflektiert sie die jeweilige Situation bzw. das Problem, bleibt dabei sachlich und bemüht sich um Einsicht. Immer bedenkt sie, dass sie die Eltern nicht verändern kann - diese müssen das selbst wollen. Bei Problemgesprächen gelten ebenfalls die im vorausgegangenen Kapitel beschriebenen Grundsätze der Gesprächsführung. Ansonsten bietet es sich an, folgende von Leupold (1995, S. 47-48) genannte Haltungen zu zeigen:
Generell ist es sinnvoll, in Beratungsgesprächen analog zum Problemlösungsprozess vorzugehen, also folgenden Schritten zu folgen:
Eventuell sind weitere Gespräche nötig, um Probleme bei der Umsetzung der Lösungsstrategie zu diskutieren, eine andere, Erfolg versprechendere Alternative auszusuchen oder neu aufgetretene Schwierigkeiten zu besprechen.
Wird also bei der Problemdefinition (Schritt 1) oder spätestens bei der Suche nach den Ursachen (Schritt 2) deutlich, dass die Erzieherinnen nicht weiterhelfen können, müssen sie entsprechende Hilfsangebote vermitteln und die Eltern zu deren Nutzung motivieren. Das setzt voraus, dass sie relevante Einrichtungen und Leistungen kennen, dass der Kindergarten mit Ämtern, Beratungsstellen und anderen psychosozialen Diensten vernetzt wird. Hilfreich sind z.B. Beratungsführer und Broschüren mit der Darstellung familienpolitischer Leistungen, die es entweder vor Ort oder bei Ministerien und anderen Institutionen erhältlich sind (Beratungsführer speziell für den Kindertagesstättenbereich könnten auch von mehreren Kindergärten einer Stadt oder eines Landkreises gemeinsam erstellt werden). Noch besser sind persönliche Kontakte - so ist es immer leichter, z.B. Eltern zum Besuch einer Erziehungsberatungsstelle zu bewegen, wenn die Erzieherin sagen kann: "Ich kenne dort Frau X persönlich. Sie ist eine sehr freundliche Person und hat schon oft geholfen. Sie arbeitet so: ...". Wichtige Beratungsstellen und andere Einrichtungen, an die Familien weitervermittelt werden können, werden an anderer Stelle genannt (siehe "Hilfsangebote für Familien" und "Hilfsangebote für Kleinkinder und ihre Familien"). Hilfsangebote können auch indirekt vermittelt werden, indem z.B. entsprechende Hinweise am "schwarzen Brett" angebracht oder relevante Informationsmaterialien im Kindergarten ausgelegt werden. Eltern in besonderen Belastungssituationen können sich dann unbeobachtet informieren - ohne den Erzieherinnen gegenüber ihre Notlage eingestehen zu müssen. Das ausliegende bzw. ausgehängte Informationsmaterial sollte immer aktuell sein. Wird es häufiger ergänzt (z.B. um Veranstaltungstermine, Zeitungsausschnitte usw.), bleibt der Neuigkeitswert erhalten. Die Eltern werden dann häufiger vor dem schwarzen Brett stehen bleiben oder die Broschüren sichten. Generell kann es hilfreich sein, wenn der Kindergarten Elternratgeber ausleiht (eventuell neben Kinderbüchern, Kassetten usw.) und Elternzeitschriften auslegt. 15 Schlusswort Zum Abschluss sollen noch einige zentrale Gedanken aus dieser Broschüre schlagwortartig zusammengefasst werden:
16 Anhang 1: Reflexionsbogen zur Elternarbeit Auch in einer Erziehungspartnerschaft zwischen Kindergarten und Familie ist es wichtig und notwendig, von Zeit zu Zeit die Zusammenarbeit zu reflektieren. Dieser Fragebogen soll Ihnen diese Reflexion erleichtern. Was erlebte ich in der Zusammenarbeit mit den Eltern als besonders hilfreich? Wobei fühlte ich mich besonders wohl? Wobei nicht? Welche Formen der Elternarbeit bevorzugten die Eltern? Entsprachen die Aktivitäten den Bedürfnissen und Wünschen der Eltern? Konnten die Eltern am Kindergartenalltag und an Angeboten der Elternarbeit mitwirken und mitbestimmen? Planten und führten die Eltern eigene Aktivitäten durch? Wie verlief meine Zusammenarbeit mit dem Kindergartenbeirat? Was förderte und was hemmte die Zusammenarbeit mit den Eltern? Fühlten sich die Eltern im Kindergarten wohl? Wie viel Einblick habe ich in die Familiensituation der Kinder gewonnen? Inwieweit konnte ich Eltern und Kindern bei Verhaltensauffälligkeiten, Erziehungsschwierigkeiten und anderen Problemen helfen? Konnten die Jahresziele bzw. Schwerpunkte der Elternarbeit realisiert werden? Was könnte ich im Bereich der Elternarbeit noch verbessern? Schlussfolgerung: Für mich ergibt sich aus dieser Reflexion: 17 Anhang 2: Literatur Weiterführende Literatur ist mit einem * gekennzeichnet. * Becker-Textor, I.: Der Dialog mit den Eltern. München: Don Bosco 1992 Becker-Textor, I. (Hrsg.): Netz für Kinder. Wie Eltern Kindergruppen auf die Beine stellen können - Erfahrungen, Anregungen, Leitlinien. Freiburg: Herder 1995 Boutte, G.S., Keepler, D.L., Tyler, V.S., Terry, B.Z.: Effective techniques for involving "difficult" parents. Young Children 1992, 47 (3), S. 19-22 * Bröder, M.: Gesprächsführung im Kindergarten. Freiburg: Herder, 2. Aufl. 1993 Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Orte für Kinder. Auf der Suche nach neuen Wegen in der Kinderbetreuung. München: DJI-Verlag 1995 Fthenakis, W.E. et al.: Neue Konzepte für Kindertageseinrichtungen: eine empirische Studie zur Situations- und Problemdefinition der beteiligten Interessengruppen. Endbericht, Band 3, Teil A: Tabellarische Ergebnisdarstellung für die geschlossenen Fragen. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 1995 * Gernert, W.: Jugendhilfe. Einführung in die sozialpädagogische Praxis. München, Basel: Reinhardt (UTB), 4. Aufl. 1993 Gerzer-Sass, A., Pettinger, R.: Kinderbetreuung in Selbsthilfe. In: Becker-Textor, I., Textor, M.R. (Hrsg.): Handbuch der Kinder- und Jugendbetreuung. Neuwied: Luchterhand 1993, S. 119-145 Haberkorn, R., Hagemann, U., Seehausen, H. (Hrsg.): Kindergarten und soziale Dienste. Praxisberichte zu ausgewählten Aspekten der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten sowie zur Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatung. Freiburg: Lambertus 1988 * Haefele, B., Wolf-Filsinger, M.: Aller Kindergarten-Anfang ist schwer. Hilfen für Eltern und Erzieher. München: Don Bosco 1985 * Leupold, E.M.: Handbuch der Gesprächsführung. Problem- und Konfliktlösung im Kindergarten. Freiburg: Herder 1995 * Merz, C.: Im Kontakt mit Eltern. Ratschläge für die Elternarbeit. Freiburg: Herder 1981 Nordt, G., Piefel, G.: Zusammenarbeit mit Eltern aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten in Tageseinrichtungen für Kinder. Berichte aus der Praxis. Stuttgart: Kohlhammer 1987 Seehausen, H.: Familie - Arbeit - Kinderbetreuung. Berufstätige Eltern und ihre Kinder im Konfliktdreieck. Leverkusen: Leske + Budrich 1995 * Textor, M.R.: Kind, Familie, Kindergarten. München: Don Bosco 1992 Textor, M.R.: Familien: Soziologie, Psychologie. Freiburg: Lambertus, 2. Aufl. 1993 * Textor, M.R. (Hrsg.): Elternarbeit mit neuen Akzenten. Reflexion und Praxis. Freiburg: Herder 1994 * Textor, M.R.: Projektarbeit im Kindergarten. Planung, Durchführung, Nachbereitung. Norderstedt: Books on Demand, 2. Aufl. 2009 18 Autor/-in Brigitte Blank, geboren 1953, studierte nach der Ausbildung zur Erzieherin an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München Sozialpädagogik. Seit 1989 ist sie beim Caritasverband für die Diözese Passau e.V. angestellt. Sie war zunächst im Passauer Modellprojekt "Familienunterstützende Maßnahmen im Kontext des Kindergartens" tätig und arbeitet derzeit im Modellprojekt "Intensivierung der Elternarbeit". "Bei meiner Tätigkeit in verschiedenen sozialen Bereichen war mir die Zusammenarbeit mit den Eltern der jeweiligen Klientel immer besonders wichtig. Die Arbeit in der Drogentherapie und in einem sozialen Brennpunkt machte mich besonders auf die Belange und Schwierigkeiten von Familien aufmerksam. Dabei konnte ich auch erfahren, dass durch die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen und durch psychosoziale Beratung Veränderungen in der Familiensituation möglich sind. Seit über sechs Jahren beschäftige ich mich nunmehr mit neuen Formen der Elternarbeit am Kindergarten. Dabei ermöglichen mir meine beiden Töchter, Kindergartenrealität auch als Elternteil zu erfahren und so bisweilen einen Perspektivenwechsel vorzunehmen." Dr. Martin R. Textor, geboren 1954, studierte Erziehungswissenschaften, Beratung und Sozialarbeit an den Universitäten Würzburg, Albany (New York) und Kapstadt. Er ist seit 1986 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. "Für die Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und Eltern sowie die Vernetzung des Kindergartens mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen interessiere ich mich von Beginn meiner beruflichen Tätigkeit an. Aus meiner Beschäftigung mit Familienwandel und Familienberatung weiß ich, dass viele Eltern heute hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder verunsichert und oftmals hilfsbedürftig sind; sie erhoffen sich auch vom Kindergarten Unterstützung. Bei Fortbildungen mit Erzieherinnen habe ich erfahren, wie belastend "Problemkinder" in Kindertagesstätten sein können, dass Verhaltensauffälligkeiten zumeist nur in Kooperation mit den Eltern verringert werden können und dass Erzieherinnen auch der Beratung und Unterstützung durch andere Jugendhilfeeinrichtungen bedürfen. Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und Vernetzung mit psychosozialen Diensten sind deshalb für mich zwei zentrale Aspekte einer zeitgemäßen, guten Kindergartenarbeit". |