Rezension

Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy: Mit Kindern Technik entdecken. Ein Vorlese-, Mitsing- und Experimentierbuch. Mit CD-ROM. Weinheim, Basel: Beltz 2010, 112 Seiten, EUR 24,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Heute ist ein Leben ohne Technik nicht mehr vorstellbar. Auch die (frühe) Kindheit wird durch sie geprägt: (Klein-) Kinder sind von technischen Geräten umgeben und nutzen sie mit zunehmender Kompetenz. So ist es nicht verwunderlich, dass die Bildungs- und Lehrpläne der Bundesländer "technische Bildung" für den Elementar- und Primarbereich vorsehen. Zumeist wird sie mit der naturwissenschaftlichen zur "naturwissenschaftlich-technischen Bildung" verknüpft. Das bedeutet laut Gerhard Friedrich und Viola de Galgóczy aber nicht nur eine unzulässige Vermischung von zwei in Forschung, Lehre und Praxis getrennten Bereichen, sondern die technische Bildung komme auch meistens zu kurz und würde auf einen "einfachen Bastelunterricht" reduziert. Das sei bedauerlich, da Technik im Gegensatz zu den meisten in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen untersuchten naturwissenschaftlichen Phänomenen Teil der Lebenswelt der Kinder ist und im Gegensatz zu den abstrakten Naturgesetzen konkret (an-) fassbar wäre.

Laut dem Buch von Gerhard Friedrich und Viola de Galgóczy sollte (Klein-) Kindern ein Einblick in die sie umgebende Welt der Technik, ein altersgemäßes Technikverständnis und "Freude an der Mitgestaltung dieser technischen Welt und der damit verbundenen Mitverantwortung zum Wohl der Menschen und unserer Umwelt" vermittelt werden (S. 7 f.). "Die Kinder erfahren, dass ein Großteil der sie umgebenden Welt von Menschen geschaffen wurde. Somit vermittelt technische Bildung die Geschichtlichkeit unseres Daseins und leistet einen Beitrag zur Werteorientierung" (S. 8).

Aufgrund dieses Lebensweltbezugs unterscheiden Gerhard Friedrich und Viola de Galgóczy sechs verschiedene Lernfelder - alltägliche Handlungssituationen, in denen Technik Kindern im Alltag begegnet. Dazu gehören Werkzeugkunde, Transport und Verkehr, Bauen und Wohnen, Produkt und Produktion, Information und Kommunikation, Haushalt und Freizeit. Für diese Lernfelder werden nicht nur relevante Aktivitäten aufgelistet - wie in vielen anderen Büchern -, sondern sie werden auch durch eine Rahmengeschichte verbunden: Die Kinder Leonie und Lutz, ihre Großeltern Liesel und Willi sowie die Krähe Rabine begeben sich gemeinsam auf eine "Planetenerkundung". Innerhalb des Handlungsverlaufs stoßen sie immer wieder auf technische Problemsituationen, die es zu lösen gilt (z.B. Herstellen eines "Robomobils", Brückenbau, Kerzenziehen, Papierschöpfen, Fließbandproduktion, Wasserreinigung, Konstruktion einer Zitronenbatterie, Dosentelefon, Fahrradflicken). Ferner gibt es viele "Forscherfragen", die zu beantworten sind. Aber auch das Musizieren und Singen kommen nicht zu kurz: Zu den Geschichten gibt es entsprechende Lieder mit Noten. Die acht Songs sind auch auf der beigefügten CD-ROM zu finden - inklusive von Karaoke-Versionen.

Diesem Praxisteil, der etwa zwei Drittel des Buches umfasst, ist noch ein Grundlagenteil vorangestellt, in dem die Bedeutung der technischen Bildung erörtert, verschiedene Kompetenzbereiche unterschieden und methodische Aspekte behandelt werden. Gerhard Friedrich und Viola de Galgóczy fordern eine gendersensible Didaktik ein. Ferner listen sie für die sechs vorgenannten Lernfelder weitere relevante Aktivitäten auf - aber nur in der Form reiner Aufzählungen.

Das mit vielen Abbildungen, lustigen Bildern und Fotos versehene Buch ist vor allem für die pädagogische Arbeit mit Vorschul-, Grundschul- und Hortkindern geeignet. Es lässt sich als Grundlage für ein sich über mehrere Wochen erstreckendes Projekt verwenden - das mit ein wenig Fantasie beliebig lang ausgeweitet werden kann. Dann können Fach- und Lehrkräfte mit Berechtigung sagen: "Bei uns wird auch großer Wert auf technische Bildung gelegt!"

Martin R. Textor