Vorschulische Erziehung aus Sicht der Eltern

Martin R. Textor


In vielen Ländern wie z.B. den USA, Großbritannien oder Australien gibt es keine Schulpflicht. Alleine in den USA besuchen 150.000 bis 300.000 Kinder keine Schule, sondern werden von ihren Eltern unterrichtet. Diese Situation wurde von Lehrern und anderen Personen kritisiert. Daraufhin führten Wissenschaftler viele Untersuchungen durch, bei denen sie die Leistungen und das Sozialverhalten der betroffenen Kinder mit denjenigen von Schulkindern verglichen. Alle Untersuchungen überraschten mit demselben Ergebnis, das von dem Salzburger Pädagogikprofessor Krumm (1995) wie folgt zusammengefasst wurde: "Im Durchschnitt gleichen die Schulleistungen der von ihren Eltern unterrichteten Schüler den Leistungen von Schülern öffentlicher Schulen und zwar in allen Fächern und in allen Klassenstufen. Wenn die Leistungen ... vom Durchschnitt abweichen, dann häufiger nach oben als nach unten" (S. 7). Keinerlei Unterschiede wurden hinsichtlich des Selbstkonzepts, der psychischen Gesundheit, der sozialen Kompetenz, der Stellung der Kinder in der Gruppe usw. ermittelt.

Ähnlich überraschend sind andere Forschungsergebnisse, die auch in Deutschland gesammelt wurden: Es wurde festgestellt, dass Kinder - familienbedingt - mit einem unterschiedlichen Ausgangszustand eingeschult werden. Obwohl dann - zumindest in den ersten vier Jahren - alle Kinder dieselbe Schule durchlaufen, gelingt es den Lehrern nicht, diese Unterschiede auszugleichen. Professor Krumm (1995) kommentiert diese Forschungsergebnisse wie folgt: "Die Differenzen in den kognitiven oder affektiven Lernvoraussetzungen zu Beginn der ersten Klasse werden im Verlauf der Schulzeit nicht kleiner, sondern größer. Das heißt natürlich nicht, dass in der Schule nicht viel gelernt wird. Es heißt lediglich, dass Kinder, die vor und während der Schulzeit von den Eltern viel Förderung erhalten, die Lernchancen in der Schule besser nutzen können..." (S. 8). Die Schulleistungen von Kindern lassen sich also eher durch Bedingungen in der Familie als durch solche in der Schule erklären (bis zu zwei Dritteln der Varianz).

Alle diese Untersuchungen verdeutlichen die große Bedeutung der Familie für das Kind. Offensichtlich ist, dass in der Familie extrem viel gelernt wird, vor allem aber Kompetenzen und Einstellungen, die im ganzen Leben wichtig sind. Dazu gehören Sprachfertigkeiten, Grob- und Feinmotorik, Lernmotivation, Neugier, Leistungsbereitschaft, Interessen, Werte, Selbstkontrolle, Selbstbewusstsein, soziale Fertigkeiten usw.

Dies gilt natürlich auch für den Kindergarten. Die Leistungen der Eltern dürfen keinesfalls von den Erzieherinnen unterschätzt werden: Sie haben den Kleinkindern erfolgreich z.B. das Gehen und Laufen, das Sprechen und den Umgang mit anderen gelehrt. Sie verbringen ein Vielfaches an Zeit mit ihrem Kind, als sozialpädagogische Fachkräfte dem einzelnen Kind in ihren oft recht großen Gruppen widmen können. Auch sind sie wichtigere "Liebesobjekte" als Erzieherinnen, wobei solche Gefühle Modellernen bzw. Nachahmung fördern. Zugleich sind Eltern "Spezialisten" für ihr Kind: Sie kennen es länger und aus unterschiedlicheren Situationen als Erzieherinnen - und Kinder können sich dort ganz anders als im Kindergarten verhalten.

Plädoyer für eine Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Erzieherinnen

Die letzten Abschnitte verdeutlicht, wie wichtig der Austausch zwischen Kindergarten und Familie über das Kind, seine Lebenssituationen und seine Erziehung ist. Erzieherinnen und Eltern haben Wissenslücken - die einen über die Familiensituation sowie das Verhalten und Erleben des Kindes außerhalb der Einrichtung, die anderen über den Erziehungsalltag und die Entwicklung des Kindes in der Tagesstätte. Nur in einem Dialog, bei dem die Partner gleichberechtigt sind und einander als Person akzeptieren, können beide Seiten erfahren, wie sich das Kind in der jeweils anderen Lebenswelt verhält. Dieser Gesprächsaustausch ist die Grundlage für eine Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Erzieherinnen, d.h. für eine offene, vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten beim gemeinsamen "Geschäft" der Erziehung und Bildung von Kindern (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit 1996). Eine solche Erziehungspartnerschaft stellt am ehesten das Kindeswohl sicher. So ist es nicht überraschend, dass sie den Kindertageseinrichtungen vom Bundesgesetzgeber aufgetragen wird. Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) heißt es: "Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sollen die in den Einrichtungen tätigen Fachkräfte und anderen Mitarbeiter mit den Erziehungsberechtigten zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten" (§ 22 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII).

Erziehungspartnerschaft geht aber noch weiter: Sie umfasst auch den wechselseitigen Austausch über Erziehungsziele und -methoden. Nur wenn sich Eltern und Erzieherinnen abstimmen und "am gleichen Strang ziehen", kann es zu einer entwicklungsfördernden Kontinuität von privater und öffentlicher Erziehung kommen. Hier muss sich der Dialog zwischen beiden Seiten bewähren, da oft unterschiedliche Erziehungsvorstellungen und -stile vertreten werden. Dies gilt in besonderem Maße für Familien aus anderen Kulturkreisen. "Abstimmung" kann somit nicht heißen, dass die eine Seite die andere "bekehrt" und ihr den eigenen Erziehungsstil überstülpt. Vielmehr geht es um das wechselseitige Kennenlernen und Respektieren von Erziehungszielen und -praktiken. Dann wird die Gefahr gebannt, dass Kindergarten und Elternhaus gegeneinander arbeiten und einander vor dem jeweiligen Kind schlecht machen. Ansonsten belegen viele Forschungsergebnisse, dass sich Kinder - auch Drei- bis Sechsjährige - an verschiedene Erziehungsstile und Normen anpassen können. Ihre Entwicklung wird also nicht geschädigt, wenn sie sich im Kindergarten anders als in der Familie verhalten müssen - vorausgesetzt, Erzieherinnen und Eltern achten einander und zeigen dies auch deutlich dem jeweiligen Kind.

Besonders wichtig sind der Austausch über das eigene erzieherische Verhalten und die Abstimmung von Erziehungsmaßnahmen, wenn ein Kind verhaltensauffällig oder "schwierig" ist. Nach schon etwas älteren wissenschaftlichen Untersuchungen lassen sich bei 13 bis 20% aller Kleinkinder psychiatrisch relevante Auffälligkeiten feststellen (Detzner/ Schmidt 1988, S. 328); Erzieherinnen nennen heute Zahlen von 25% und mehr. Die Ursachen lassen sich größtenteils in den Familien finden - zum einen mangelnde Kenntnisse über kindliche Entwicklung, altersgemäße Verhaltensweisen, geeignete Erziehungsmethoden und Beschäftigungsmöglichkeiten, oftmals verbunden mit Erziehungsunsicherheit und Überforderung, zum anderen Erziehungsfehler, problematische Erziehungsstile, pathogene Familienstrukturen und -prozesse, Krisensituationen oder andere Belastungen von Familien. In diesen Fällen muss der dialoghafte Gesprächsaustausch zwischen Erzieherinnen und Eltern zur praktischen Erziehungspartnerschaft erweitert werden (Textor 1996). Diese umfasst die gemeinsame Reflexion des Verhaltens des jeweiligen Kindes, die Abklärung der Ursachen von Problemen und die Suche nach geeigneten Lösungsmöglichkeiten, die Beratung der Eltern über ein besseres Erziehungsverhalten und die Abstimmung erzieherischer Maßnahmen vonseiten des Kindergartens und der Familie. Hier übernehmen die sozialpädagogischen Fachkräfte eine familienunterstützende Funktion, die sich u.U. auch darin zeigt, dass Hilfsangebote psychosozialer Dienste vermittelt werden (Textor 1996). Dies macht zugleich deutlich, dass Kindertageseinrichtungen außerdem präventiv tätig werden und Fehlentwicklungen frühzeitig entgegenwirken müssen. Erziehungspartnerschaft umfasst aufseiten der Erzieherinnen also ebenfalls elternbildende Elemente, d.h. die Aufklärung über eine normale kindliche Entwicklung und einen positiv wirkenden Erziehungsstil.

Auch für die Planung der pädagogischen Arbeit ist der Gesprächsaustausch mit den Eltern letztlich unverzichtbar. Erzieherinnen können nur den familienergänzenden Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen erfüllen, wenn sie die familiale Lebenswelt der ihnen anvertrauten Kinder kennen. Nur dann können den Kindern "ergänzende" Erfahrungen vermittelt werden, z.B. durch eine Öffnung der Tagesstätte zum Umfeld hin, durch Kontakte zu Senioren, durch religiöse, Sozial- oder Medienerziehung.

So wie aus den gerade genannten Erwägungen heraus Eltern den Erzieherinnen die familiale Lebenswelt transparent machen sollten, müssten umgekehrt die Fachkräfte die Eltern über ihre Arbeit und das Verhalten der einzelnen Kinder informieren. Eltern von Kleinkindern sind in der Regel viel interessierter als Eltern von Schulkindern an Informationen über den pädagogischen Alltag. Zudem wollen sie wissen, wie sie "kindergartenergänzend" tätig werden können, wie sie die dortige kindliche Entwicklung fördern und das Lernen ihres Kindes in der Tageseinrichtung unterstützen können.

Ferner bedeutet Erziehungspartnerschaft, dass Eltern auch Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten im Kindergarten erhalten. Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) heißt es: "Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtung zu beteiligen" (§ 22 Abs. 3 Satz 2 SGB VIII). Ihre Rechte sind zumeist in den Ländergesetzen geregelt. Über diese Rechte hinaus können sie aber durchaus auch an der Konzeptionsentwicklung, an der Jahres-, Monats- und Projektplanung, an besonderen Aktivitäten usw. beteiligt werden. Eltern können in Beschäftigungen für Kinder als aktiv Mitwirkende einbezogen werden, wobei dies den Kindergartenalltag bereichert, Kindern neue Bildungsmöglichkeiten eröffnet und ihnen einen umfassenderen Einblick in die Erwachsenenwelt ermöglicht. Auch kann das Kindergartenpersonal Eltern motivieren, ihre besonderen Fähigkeiten (wie Schreinern, Töpfern, Weben) in den Kindergartenalltag einzubringen, Kinder an ihren Arbeitsplatz einzuladen, für sie ein Theater- oder Kasperlestück einzuüben, für sie einen Besuch im Museum, Rathaus, Theater, bei der Müllabfuhr usw. zu organisieren oder die Gruppe bei Ausflügen zu begleiten. Schließlich können die Eltern selbst Elternveranstaltungen planen und eigenständig durchführen.

Fachkräfte, die nach einer Erziehungspartnerschaft mit Eltern trachten, nehmen auch deren sozialen Bedürfnisse ernst. Harald Seehausen (1996) schrieb: "Eltern möchten nicht mehr als 'Zaungäste' des Kindergartengeschehens angesehen werden. Sie suchen nach Wegen der Begegnung und des Gedankenaustausches über Alltagserfahrungen mit anderen Familien, insbesondere über das Zusammenleben mit ihren Kindern und in der Partnerschaft. Kommunikation und Geselligkeiten werden gewünscht" (S. 71). Seehausen und andere Mitarbeiter/innen des Deutschen Jugendinstituts haben in den letzten Jahren immer wieder betont, dass Kindertageseinrichtungen den Gesprächsaustausch zwischen Eltern, die Entstehung sozialer Netze und die Familienselbsthilfe fördern sollen und können. Dadurch könnten Familien integriert und stabilisiert werden: "Die Befunde der modernen Netzwerkforschung zeigen, dass soziale Netzwerke das seelische und soziale Wohlbefinden von Eltern und Kindern unterstützen. Sie können vorbeugende, heilende und wiederherstellende Wirkungen persönlicher Bindungen anbieten" (Seehausen 1996, S. 72). In Einzelfällen kann dann auch eine Erziehungspartnerschaft zwischen zwei, drei Familien entstehen.

Elternarbeit in Kindergärten sollte also in Richtung auf eine Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften fortentwickelt werden. Dies ist nicht einfach zu erreichen. Auf der einen Seite haben Eltern z.B. nicht nur unterschiedliche, sondern oft auch widersprüchliche oder überhöhte Erwartungen, stehen den Vorstellungen und der Arbeit der Erzieherinnen manchmal kritisch gegenüber und wollen gelegentlich in zu hohem Maße mitbestimmen oder mitarbeiten. Außerdem werden sozialpädagogische Fachkräfte auch mit Eltern konfrontiert, die an einer Zusammenarbeit mit ihnen nicht interessiert sind und ihr Kind lediglich gut aufbewahrt wissen wollen. Auf der anderen Seite haben Erzieherinnen nicht selten an Eltern etwas "auszusetzen", haben Angst vor zu enger Kooperation oder werten Interesse der Eltern als Einmischung. Diese Situation führt also auf beiden Seiten zu Ängsten, Unsicherheiten, Hemmungen, Missverständnissen usw. Im Blick auf eine wünschenswerte Erziehungspartnerschaft gilt es, diese Ängste abzubauen. Insbesondere die sozialpädagogischen Aus- und Fortbildungsstätten sind gefordert, Erzieherinnen positive Einstellungen hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Eltern zu vermitteln und ihnen auch das nötige "Rüstzeug" mitzugeben. Die Fachkräfte selbst sollten schon bei den ersten Kontakten mit Eltern "neuer" Kinder eine positive Haltung gegenüber der Erziehungspartnerschaft wecken.

Wird eine intensive Zusammenarbeit angestrebt, darf sich Elternarbeit nicht in Tür- und Angel-Gesprächen, drei oder vier Elternabenden und ein oder zwei Festen erschöpfen. Vielmehr sind ganz verschiedene Angebote nötig, wenn den Bedürfnissen aller Eltern entsprochen werden soll (Textor 1997a). So ist es ganz selbstverständlich, dass nicht jede Mutter/jeder Vater auf jedes Angebot "anspringt". Erzieherinnen müssen - neben den Kindern - auch in den Eltern ihre "Kundschaft" sehen, also "kundenorientiert" arbeiten. Je bedarfsgerechter die Methoden der Elternarbeit sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Erzieherinnen mit allen "erreichbaren" Eltern in Kontakt kommen. Allerdings dürfen sie dann nicht enttäuscht sein, wenn bestimmte Eltern nur zu Bastelnachmittagen kommen, während andere einen Vortragsabend oder Gesprächskreis besuchen. Erzieherinnen müssen sich bewusst machen, dass Eltern unterschiedliche Bedürfnisse haben und deshalb verschiedene Angebote nutzen; prinzipiell sollten sie alle Angebote als gleichwertig betrachten. Sie dürfen sich aber nicht damit zufrieden geben, wenn viele Mütter erreicht werden; die Väter sind in der Erziehung ebenso wichtig. Die Kindertageseinrichtung braucht den Dialog mit Müttern und Vätern. Sie muss deshalb ganz individuelle Wege gehen und neue Formen der Zusammenarbeit erproben, wenn sie mehr Väter erreichen will.

Elternarbeit aus Sicht der Eltern

Die bisherigen Ausführungen über Erziehungspartnerschaft im Kindergarten sind nicht reine Theorie, sondern entsprechen zu einem großen Teil auch der Praxis. Wer aber die unzureichende Elternarbeit von Lehrer/innen kennt und beklagt, kann sich kaum vorstellen, dass diejenige von Erzieher/innen anders ist. Gerade im Bereich der Elternarbeit trennen Schul- und Kindertagesstättenbereich aber Welten; die sozialpädagogischen Fachkräfte sind hier den Lehrer/innen weit voraus.

Diese vielleicht etwas gewagte These soll nun anhand einiger Befragungsergebnisse begründet werden, die ich im vergangenen Jahr gesammelt habe und die noch unveröffentlicht sind. Befragt wurden mehr als 4.000 Eltern an 55 Kindergärten, die dem Caritasverband für die Diözese Passau e.V. angeschlossen sind. 1.067 Eltern beantworteten den Fragebogen, was einer für Umfragen "normalen" Rücklaufquote von 25% entspricht. Laut Tabelle 1 nahmen 30 dieser Kindergärten an dem Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" (Textor 1997b) teil, bei dem die einzelnen Kindergartenteams eine individuelle Teamberatung zum Thema "Elternarbeit" von insgesamt sechs bis acht Sitzungen erhielten. Außerdem entsandten sie eine Vertreterin in dreimal pro Jahr tagende Regionalgruppen, bei deren Treffen ebenfalls dieses Thema behandelt wurde. Die anderen 25 Kindergärten bildeten eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Kontrollgruppe. Überraschend ist, dass sich die Antworttendenzen bei den beiden Elterngruppen kaum unterschieden; die Teilnahme der 30 Projektkindergärten am Modellversuch zeitigte also fast keine Auswirkungen auf die Erfahrungen der Eltern mit der Elternarbeit "ihrer" Einrichtung. Bei den folgenden Tabellen werde ich deshalb immer nur das Gesamtergebnis referieren.

Tabelle 1: Rücklaufkontrolle

  Versuchsgruppe Kontrollgruppe Gesamtgruppe
Zahl der befragten Kindergärten 30 25 55
Zahl der verschickten Fragebögen 2 383 1 847 4 230
zurückerhaltene Fragebögen 583 484 1 067
Rücklaufquote 24,5 % 26,2 % 25,2 %

Tabelle 2 verdeutlicht, wie Eltern den Kontakt zu Erzieherinnen erleben. Schon der erste Blick zeigt, dass dieser überwiegend mit "sehr gut" oder "gut" bewertet wird; die "Durchschnittsnote" beträgt 1,56. Beim Kodieren der Fragebögen ergab sich aus deren Abfolge, dass sich die "schlechteren" Noten nicht in ein oder zwei Einrichtungen "ballten". Es ist somit davon auszugehen, dass es in nahezu allen an der Umfrage beteiligten Kindergärten einige wenige Eltern gibt, die mit dem Kontakt zu den Erzieherinnen unzufrieden bzw. wenig zufrieden sind. Die weitaus meisten Eltern sind aber höchst bzw. hoch zufrieden. Damit dürfte eine wichtige Voraussetzung für die Erziehungspartnerschaft gegeben sein.

Tabelle 2: Bewertung des Kontakts zu den Erzieherinnen

Frage: Den Kontakt zu den Erzieherinnen in unserem Kindergarten erlebe ich als... Versuchsgruppe Kontrollgruppe Gesamtgruppe
  n % n % n %
sehr gut 325 56,5 269 57,4 594 56,9
gut 190 33,0 164 35,0 354 33,9
befriedigend 39 6,8 26 5,5 65 6,2
ausreichend 15 2,6 8 1,7 23 2,2
mangelhaft 6 1,0 2 0,4 8 0,8
Gesamtzahl der Antworten 575 99,9 469 100,0 1 044 100,0
Durchschnittsnote 1,6   1,5   1,6  

Ferner zeigte die Umfrage, dass die Eltern im Durchschnitt 8,8 Angebote der Elternarbeit "ihres" Kindergartens in den letzten 12 Monaten persönlich nutzten - 9,4 Angebote in der Versuchs- und 8,1 Angebote in der Kontrollgruppe. Der Tabelle 3 kann entnommen werden, dass die Eltern zwischen einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Angebote auswählen konnten. Insgesamt wurden mehr als 120 verschiedene Nennungen in der Tabelle erfasst, weitere gingen in Sammelbegriffe wie "Feste/ Feiern" oder "Gottesdienste" ein. Festzuhalten ist, dass häufig neuere oder qualitativ hochwertige Formen der Elternarbeit genannt wurden. Dies trifft z.B. auf die verschiedenen Gesprächsformen zu - vom Termingespräch über das Anmelde- bis hin zum Tür- und Angelgespräch. Aber auch Hospitationsmöglichkeiten wurden relativ oft angeboten. Dasselbe gilt für Maßnahmen, die mit einer Aktivierung der Eltern verbunden sind, also z.B. für das Basteln oder Wandern - aber auch für Basare und Flohmärkte, die zugleich einen wichtigen Beitrag zur Familienselbsthilfe leisten. Traditionelleren Formen der Elternarbeit wie Elternabenden, Festen und Elternbriefen kommt weiterhin eine sehr große Bedeutung zu.

Tabelle 3: Häufigkeit von Formen der Elternarbeit

Formen der Elternarbeit Versuchsgrp. (n=583) Kontrollgrp. (n=484) Gesamtgrp. (n=1 067)
  n % n % n %
Elternbriefe/Kindergartenzeitschrift

Elternzeitschrift

396

45

67,9

7,7

319

12

65,9

2,5

715

57

67,0

5,3

Tür- und Angelgespräche 395 67,8 321 66,3 716 67,1
Elternabende/Vorträge

Gruppenelternabende

Einführungselternabend

Vorträge/Infoabende

Elternabend "Schulreife"

Kennenlernabend/-nachmittag

Elternabend "Verkehrserziehung"

Elternabend "Machtkampf"

Elternabend "Ergotherapie"

Ausspracheabend

"Papiabend"

Anmeldeinfoabend

324

71

46

45

38

31

16

13

11

-.-

-.-

-.-

55,6

12,2

7,9

7,7

6,5

5,3

2,7

2,2

1,9

-.-

-.-

-.-

248

18

52

58

34

-.-

43

-.-

-.-

11

2

1

51,2

3,7

10,7

12,0

7,0

-.-

8,9

-.-

-.-

2,3

0,4

0,2

572

89

98

103

72

31

59

13

11

11

2

1

53,6

8,3

9,2

9,7

6,8

2,9

5,5

1,2

1,0

1,0

0,2

0,1

Feste/Feiern

St. Martin/Laternenzug

Adventsfeier

Faschingsfeier/-umzug

Sommer(nachts)fest

Maifest/-tanz

Herbstfest

Erntedankfest/-essen

Muttertagsfeier

Nikolausfeier/-aktion

Einweihungsfeier

Kürbisfest

Familienfest

Schulkinderfest

Osterfest

162

265

161

136

122

57

51

50

41

38

-.-

8

-.-

6

5

27,8

45,5

27,6

23,3

20,9

9,8

8,8

8,6

7,0

6,5

-.-

1,4

-.-

1,0

0,9

80

270

113

119

202

22

-.-

6

136

46

31

-.-

8

13

3

16,5

55,8

23,4

24,6

41,7

4,6

-.-

1,2

28,1

9,5

6,4

-.-

1,7

2,7

0,6

242

535

274

255

324

79

51

56

177

84

31

8

8

19

8

22,7

50,1

25,7

23,9

30,4

7,4

4,8

5,3

16,6

7,9

2,9

0,8

0,8

1,8

0,8

Gottesdienste

Adventsgottesdienst

Adventskranzweihe

203

9

8

34,8

1,5

1,4

142

-.-

-.-

29,3

-.-

-.-

345

9

8

32,3

0,8

0,8

Termingespräche

Anmeldegespräch

Neuanfängergespräch

Termingespräch für Schulanfänger

185

177

34

14

31,7

30,4

5,8

2,4

61

180

-.-

-.-

12,6

37,2

-.-

-.-

246

357

34

14

23,1

33,5

3,2

1,3

Schnuppertage/Hospitation

Vorbesuche

176

39

30,2

6,7

132

-.-

27,3

-.-

308

39

28,9

3,7

Bastelnachmittage/-abende

Laternenbasteln

Vater-Kind-Basteln

Schultütenbasteln

161

170

93

74

27,6

29,2

16,0

12,7

178

31

19

37

36,8

6,4

3,9

7,6

339

201

112

111

31,8

18,8

10,5

10,4

Elternbeiratswahl (oft mit Vortrag/Infoabend) 143 24,5 87 18,0 230 21,6
Wanderungen/Schlittenfahrt

Naturerlebnisaktion

134

8

23,0

1,4

73

-.-

15,1

-.-

207

8

19,4

0,8

Eltern-/Stehcafé 118 20,2 45 9,3 163 15,3
Basar/Flohmarkt

Markttag

Elternbörse

Secondhandverkauf

Bücherflohmarkt

Kleider- und Spielzeugmarkt

Kauf und Tausch

103

18

14

10

8

3

-.-

17,7

3,1

2,4

1,7

1,4

0,5

-.-

43

-.-

-.-

-.-

-.-

-.-

1

8,9

-.-

-.-

-.-

-.-

-.-

0,2

146

18

14

10

8

3

1

13,7

1,7

1,3

0,9

0,8

0,3

0,1

Kindergartenbücherei 66 11,3 -.- -.- 66 6,2
Kochen/Backen/Frühstücksbüfett 63 10,8 20 4,1 83 7,8
Ausflüge/Besuche

Theaterfahrt/-besuch

56

44

9,6

7,6

14

19

2,9

3,9

70

63

6,6

5,9

Schwarzes Brett/Aushang

Rahmen-/Monats-/Wochenplan

Gruppentagebuch

51

9

2

8,8

1,5

0,3

21

23

-.-

4,3

4,8

-.-

72

32

2

6,8

3,0

0,2

Schriftliche Konzeption 46 7,9 22 4,6 68 6,4
Informationsbroschüren/Kurzinfos 44 7,6 5 1,0 49 4,6
Gartenarbeit/-aktion 34 5,8 5 1,0 39 3,7
Elternstammtisch/-nachmittage 24 4,1 13 2,7 37 3,5
Fastenaktion 22 3,8 -.- -.- 22 2,1
Kegelabende/-nachmittage 21 3,6 11 2,3 32 3,0
Erstellen eines Kinderkochbuchs 19 3,3 -.- -.- 19 1,8
Krippenspiel 5 0,9 19 3,9 24 2,3
Tag der offenen Tür 4 0,7 19 3,9 23 2,2
Eltern-/Mutter-Kind-Turnen 16 2,7 -.- -.- 16 1,5
Gruppenspezifische Angebote 15 2,6 -.- -.- 15 1,4
Buch-/Spieleausstellung 15 2,6 61 12,6 76 7,1
Schwimm-/Skikurs, Schwimmen 15 2,6 31 6,4 46 4,3
Vorlesen/Märchenerzählen 12 2,1 -.- -.- 12 1,1
Spielnachmittage 11 1,9 38 7,9 49 4,6
Workshop "Medical Service" 10 1,7 -.- -.- 10 0,9
unter 10 Nennungen:
Adressenaustausch, Anregung privater Treffen, Aschenauflegen, Bastelvorschläge für die Familie, besinnliches Beisammensein, Besuche mit Kindern in Familien, Einladung eines Psychologen, Eltern-/ Mutter-Kind-Gruppen, Elternessen, Elternseminar (drei Tage), Elternumfrage, Erste-Hilfe-Kurs, Film über Kindergartenalltag, Fronleichnamszug, Gebrauchtkleiderständer, Geburtstagsfeier, Gesprächskreis, Handarbeitsgruppe, Hilfe bei Kindergartenumgestaltung, Hilfsaktion Bosnien, Kartoffelfeuer, Kindergartenförderverein, Kirchenzug zu Palmsonntag, Krisensitzung, Märchenaufführung, Miniclub, Ordensjubiläum, Palmbuschenbinden, Projekte, Reparieren/ Handwerkergruppe, Rückenschule, Schafkopfturnier, Schattenspiel, schriftliche Korrespondenz, Singspiel, Spielplatzeinweihung, Sprachkurs (Italienisch), Stadtrally (mit Garteneinweihung), Sternstunden, telefonische Beratung, Töpfern, Tombola, Veranschiedung der Praktikantin, Weihnachtsvorbereitung, Zeltlager

Auf jeden Fall kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Eltern unter dieser Vielzahl von Angeboten der Elternarbeit solche vorfanden, die ihren individuellen Bed