Kindergartenpädagogik
- Online-Handbuch -

Herausgeber: Martin R. Textor

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Rezension

Manfred Gerspach: Elementarpädagogik. Eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer/ Urban 2006, 192 Seiten, EUR 18,00 - direkt bestellen durch anklicken

 

Manfred Gerspach, Professor für Sozialpädagogik an der Hochschule Darmstadt, möchte in seinem Buch einen Beitrag zum Grundverständnis der Frühpädagogik leisten.

Zunächst skizziert der Autor die derzeitigen Debatte über eine Intensivierung der frühkindlichen Bildung, wobei er sich auf die PISA- und OECD-Studien bezieht und aktuelle politische Entwicklungen diskutiert. Gerspach befürchtet, dass es zu einer Verschulung des Kindergartens kommen könnte: So würden derzeit die kognitive Entwicklung der Kinder und der Wissenserwerb überbetont.

Rund die Hälfte des Buches ist dann wissenschaftlichen Erkenntnissen über die kindliche Entwicklung gewidmet, wie sie von Freud, Stern, Hüther, Leber, Katzenbach, Fonagy u.a. ermittelt wurden. Hier geht es z.B. um die psychosexuelle Entwicklung, die Entwicklung von Wahrnehmung, Sprache, Denken und Gedächtnis, die eigentätige Konstruktion von Selbst- und Weltbildern, die Ausdifferenzierung von Denk- und Handlungsschemata, den Aufbau innerseelischer Selbst- und Objektrepräsentanzen, die Entstehung von Bindungen sowie die emotionale und die Persönlichkeitsentwicklung. Ferner werden verschiedene Bildungsbegriffe geklärt, wird ausführlich auf die Mutter-Kind-Beziehung eingegangen, werden Charakteristika heutiger Kindheit skizziert.

Auf wenigen Seiten stellt Gerspach dann Konsequenzen vor, die aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen gezogen werden können: So würden Kinder verlässliche, stabile Beziehungspartner benötigen, sollten sie bei einer "Kultur der Fehler" auch Umwege machen dürfen, darf das Lernen in Kindertagesstätten nicht überwiegend fremdbestimmt sein, ist eine defizitorientierte Diagnostik abzulehnen, darf Lernen nicht rein auf Kognitives bezogen werden usw. Der Auftrag des Kindergartens sollte darin liegen, die Selbstbildungsprozesse von Kleinkindern zu fördern und ihnen Erfahrungen mit unterschiedlich alten und mit mehr oder minder begabten Kindern sowie mit Behinderten zu ermöglichen.

Dann befasst sich Gerspach mit verschiedenen Begriffen von Qualität in der Kindertagesbetreuung, mit dem Beobachten und der Bildungsdokumentation sowie damit, wie die verschiedenen Themen kindlicher Bildungsprozesse angemessen behandelt werden können. Etwas abrupt folgt im letzten Kapitel ein von Gerspach konzipiertes "Musterbeispiel eines Bachelor-Studienganges Elementarpädagogik" - wobei der Autor noch nicht sagen konnte, ob dieser Studiengang überhaupt an seiner Hochschule eingeführt wird. Trotzdem war ihm dieses Thema 40 Seiten wert...

Das Buch richtet sich an Studierende der Sozialpädagogik und an Erzieher/innen, die sich auf dem Gebiet der Elementarpädagogik weiterqualifizieren wollen. Allerdings werden überwiegend psychologische und allgemeinpädagogische Erkenntnisse referiert. Hingegen werden z.B. die Theorien von Fröbel, Montessori, Steiner, Krenz, Laewen u.a. gänzlich ignoriert, wird überhaupt nicht auf die Reggio-Pädagogik und den Sozialkonstruktivismus (Fthenakis: Bildung als ko-konstruktiver Prozess) eingegangen. So kann kein "Grundverständnis der Frühpädagogik" vermittelt werden! Und was hat die Konzeption eines Bachelor-Studienganges in einer "Einführung in die Elementarpädagogik" zu suchen?

Das Buch ist vom Layout her eine reine Bleiwüste - das einzige Gestaltungselement sind (seltene) Hervorhebungen einzelner Worte in kursiver Schrift. Der Preis (18,- EUR) steht somit in keinem Verhältnis zum Produkt: ein in einem besonders kleinen Format erschienenes Taschenbuch.

Martin R. Textor