Aus: KiTa spezial 2005, Heft 3, S. 53-56. Mit Genehmigung des Verlages Wolters Kluwer Deutschland

Papilio - ein Programm im Kindergarten zur Primärprävention von Verhaltensproblemen und zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenz

Heidrun Mayer, Petra Heim, Herbert Scheithauer und Beatriz Barquero

 

Papilio ist ein Programm für Kindergärten, das Verhaltensprobleme vermindert bzw. verhindert und grundlegende sozial-emotionale Kompetenzen fördert. Internationale Studien belegen, dass dies langfristig der Entwicklung von Gewalt und Sucht vorbeugen kann. Papilio wurde auf der Basis aktueller pädagogischer und entwicklungspsychologischer Erkenntnisse 2002/2003 entwickelt und seine Machbarkeit und Wirksamkeit mit einer Studie bis Juli 2005 in der Modellregion Augsburg wissenschaftlich belegt.

Papilio setzt auf drei Ebenen an: Der Kind-, der Erzieherinnen- und der Elternebene. Zentrale Vermittlungsperson ist die Erzieherin, die Papilio im Kindergarten einführt und die Maßnahmen als alltäglichen Bestandteil der pädagogischen Arbeit fortlaufend nutzt.

Der nachfolgende Bericht gibt einen Einblick in die Theorie, auf der Papilio basiert. Er stellt die einzelnen Programmbausteine vor, die wissenschaftliche Studie, die Papilio-Fortbildung und die konkrete Umsetzung des Programms in der Praxis.

Die entwicklungsorientierte Präventionstheorie von Papilio

Das Programm Papilio basiert auf dem Konzept der entwicklungsorientierten Sucht- und Gewaltprävention (Prävention = Vorbeugung). Entwicklungsorientierte Prävention berücksichtigt wesentliche entwicklungspsychologische Erkenntnisse, z.B.:

  • Wissen um die "normgerechte", also normale Entwicklung eines Kindes
  • Unterschiede im Entwicklungsstand innerhalb einer Altersgruppe
  • Unterschiedliche Bedeutung von "Auffälligkeiten" in Abhängigkeit vom Alter (z.B. Grenzen austesten)
  • Einfluss wichtiger Entwicklungsschritte auf das Verhalten eines Kindes

Entwicklungsorientierte Prävention zielt darauf, Risikobedingungen zu reduzieren und Schutzbedingungen zu fördern, von denen man weiß, dass sie die (positive oder negative) Entwicklung eines Menschen beeinflussen.

Aus verschiedenen Längsschnittstudien sind diese Bedingungen heute hinreichend bekannt. Als ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Substanzmissbrauch, Gewaltproblemen, Delinquenz und anderen psychischen Störungen im Jugendalter gelten dabei Verhaltensstörungen (z.B. Aggression, intensive Schüchternheit) bei Kindern. Früh auftretende Verhaltensstörungen verfestigen sich im Alter von etwa acht Jahren. Das legt nahe, bereits im Kindergartenalter präventive Maßnahmen zu implementieren, denn in diesem Alter besteht die beste Chance, die Entwicklung von Kindern positiv zu beeinflussen und sie hinsichtlich ihrer psychosozialen Gesundheit zu unterstützen.

Ziele und Zielgruppen

Papilio richtet sich an drei- bis sechsjährige Kinder, deren Eltern und pädagogisches Fachpersonal in Kindergärten. Daraus ergeben sich die drei Hauptziele des Programms:

1. Risikobedingungen reduzieren/ verhindern. Risikobedingungen sind all jene Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Verhaltensstörungen und damit die Entwicklung von Sucht- und Gewaltverhalten erhöhen; dazu zählen z.B. ein ineffektiver Erziehungsstil oder die Ablehnung durch Gleichaltrige.

2. Schutz- und Resilienzfaktoren fördern. Bestimmte Bedingungen puffern die Wirkung von Risiken, die langfristig zu Sucht und Gewalt führen können, und minimieren die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von negativen Verhaltensweisen. Als Schutzbedingungen gelten beispielsweise positive Gleichaltrigenbeziehungen und positive Kindergartenerfahrungen. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Kindes, auch belastende Lebensumstände zu bewältigen und dabei weiterhin eine positive Entwicklung zu nehmen. Als Resilienzfaktoren gelten z.B. ein positives Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeitsüberzeugung und positives Sozialverhalten.

3. Altersgemäße Entwicklung fördern. Die erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben ist besonders wichtig für einen angepassten Entwicklungsverlauf. Zu den Entwicklungsaufgaben des Vorschulalters zählen beispielsweise das Erkennen von Gefühlen bei sich und anderen, eigene Gefühle und das Verhalten regulieren zu können, sich in andere einzufühlen, soziale Regeln zu lernen oder Mitglied einer Gruppe zu sein.

Kinder mit wenigen/ keinen Verhaltensauffälligkeiten und vermehrten prosozialen Fertigkeiten haben eine bessere Chance für eine weiterhin normale Entwicklung. Die Ziele des Programms sind zusammenfassend in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Ziele von Papilio

Übergeordnete Entwicklungsorientierte Präventionsziele:

  • Risikoerhöhende Bedingungen vermindern/ eindämmen
  • Risikomildernde Bedingungen fördern
  • Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben unterstützen

Grobziele des Programms:

bezogen auf die Erzieherinnen

  • Vermittlung von Basiswissen: Sensibilisierung und Förderung Problembewusstsein
  • Vermittlung von Handlungskompetenzen
  • Förderung der Selbstwirksamkeit
  • Förderung kollegialer Zusammenarbeit

bezogen auf die Erzieherinnen- Kind- Interaktion

  • Förderung positiven Erziehungsverhaltens
  • und einer positiven Erzieherinnen- Kind- Interaktion/ -Beziehung

bezogen auf die Kinder

  • Abbau sozial unerwünschten (Problem-) Verhaltens
  • Förderung emotionaler Kompetenzen
  • Aufbau sozial erwünschten Verhaltens

bezogen auf die Kind- Kind- Interaktion

  • Aufbau gruppenbezogenen, prosozialen Verhaltens beim Kind
  • Förderung sozialer Interaktionen
  • Integration von zurückgezogenen Kindern und "Einzelgängern"

bezogen auf die Eltern

  • Sensibilisierung und Förderung von Problembewusstsein
  • Erleichterung eines Transfers der erworbenen Fertigkeiten auf das häusliche Umfeld

Maßnahmen des Programms:

  • "Entwicklungs- förderndes Erziehungsverhalten"
  • "Paula und die Kistenkobolde"
  • "Meins- deinsdeins- unser- Spiel"
  • "Spielzeug- macht- Ferien- Tag"
  • Elternabende
  • Schulung und Begleitung der Erzieherinnen

Erzieherinnen als Multiplikatoren und Maßnahmen auf Erzieherinnenebene

Papilio arbeitet nicht mit externen Spezialisten, sondern bildet die Erzieherinnen als zentrale Vermittlungspersonen fort, damit diese Papilio im Kindergarten ein- und durchführen. Erzieherinnen nehmen für die Kinder eine wichtige Modellfunktion ein; Kinder orientieren sich am Verhalten der Erzieherinnen. Daher setzen sich die Erzieherinnen in der Papilio-Fortbildung unter anderem mit ihrem eigenen Interaktionsverhalten auseinander (z.B. Umgang mit Lob, Verbalisieren von Handlungsabfolgen und Umgang mit Regeln und unerwünschtem Verhalten reflektieren). Im entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten beginnen die Erzieherinnen, die angeeigneten und verbesserten Interaktionsstrategien im Kindergarten in konkreten Situationen umzusetzen.

Maßnahmen auf Kindebene

Die Erzieherinnen führen im Kindergarten drei Papilio-Maßnahmen für Kinder ein:

1. Spielzeug-macht-Ferien-Tag. An einem festgelegten Tag in der Woche bleibt das Spielzeug aufgeräumt, und die Kinder spielen ohne herkömmliches Spielmaterial. Die Kinder überlegen gemeinsam mit der Erzieherin, was sie ohne Spielmaterial miteinander spielen könnten. Die Maßnahme wird durch eine kurze Geschichte eingeführt. Anschließend entwickelt die Erzieherin mit den Kindern ein Ritual, woran die Kinder erkennen, dass heute das Spielzeug Ferien hat. Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag wird nach der Einführung einmal wöchentlich durchgeführt und entwickelt sich so zu einem festen Bestandteil im Programm der Kindergartengruppe. Die Kinder setzen sich so verstärkt mit anderen Kindern auseinander, gehen neue Beziehungen ein, werden in einem sozial kompetenten Umgang miteinander unterstützt und entdecken an sich und ihren Spielpartnern neue und andere Eigenschaften.

2. Paula und die Kistenkobolde. Im Rahmen einer interaktiven Geschichte (in fünf Einheiten gegliedert) setzen sich die Kinder mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Basisemotionen Traurigkeit, Ärger, Angst und Freude auseinander - personifiziert durch die Kistenkobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold, die dem Kindergartenkind Paula begegnen. Durch das ansprechende Bild- und Audiomaterial werden die Kinder angeregt, eigene Gefühle und die Gefühle anderer zu "entdecken", über ihre eigenen Gefühle zu sprechen und auf die Gefühle anderer Kinder einzugehen. Die Geschichte wurde in Kooperation mit der Augsburger Puppenkiste entwickelt. Für Erzieherinnen gibt es das Material zur Geschichte in der Paula-Box: Sie enthält Bildkarten, CDs mit den Koboldstimmen, eine Lieder- und Hörspiel-CD. Aktuell entsteht in der Augsburger Puppenkiste eine DVD-Produktion zur Geschichte.

3. Meins-deinsdeins-unser-Spiel. Kinder lernen in der Gruppe spielerisch den Umgang mit sozialen Regeln. Regelmäßig wiederkehrend sammeln die Kinder während einer Aktivität in Kleingruppen Punkte für das Einhalten einer sozialen Regel. Beispiel: Bei der Aktivität "ein gemeinsames Bild malen" könnte eine vereinbarte Regel lauten: "Ich bitte ein anderes Kind um eine Farbe, wenn ich sie brauche." Oder: "Ich lege die Farbe in die Mitte zurück, wenn ich sie nicht mehr brauche." Im Vordergrund stehen dabei die gegenseitige Unterstützung beim Einhalten der mit den Kindern gemeinsam vereinbarten Regeln und die Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Bearbeitung und Fertigstellung einer Aufgabe. Die erfolgreichste Gruppe darf sich am Ende etwas wünschen, was aber allen Kindern zugute kommt (z.B. Spiele im Stuhlkreis auswählen).

Einbeziehen der Eltern

Den Eltern werden die Inhalte und Ziele der Papilio-Maßnahmen im Rahmen von Elternabenden vermittelt, damit sie auf Rückmeldungen der Kinder eingehen können. In Vorbereitung ist der Elternclub, in dem die Eltern die Möglichkeit erhalten werden, ihr eigenes entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten zu reflektieren sowie im Umgang mit ihrem Kind Unterstützung zu erfahren. Ein Bilder- und Vorlesebuch mit Hörspiel-CD und pädagogischer Anleitung ist im Buchhandel erhältlich und kann Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder im Erkennen und im Umgang mit Gefühlen anzuleiten.

Umsetzung von Papilio in den pädagogischen Alltag

Die einzelnen Papilio-Maßnahmen bauen sinnvoll aufeinander auf und werden nicht einmalig durchgeführt, sondern regelmäßig wiederkehrend in den Kindergartenalltag integriert. Die langfristige Integration stellt sicher, dass die zu vermittelnden Fertigkeiten in ausreichendem Maße besprochen, geübt und reflektiert sowie Verhaltensweisen modifiziert werden können.

Papilio-Fortbildung für Erzieherinnen

Die Qualifikation für die Einführung von Papilio erfolgt über eine - ebenfalls im Rahmen des Modellprojekts entwickelte - Fortbildung. Die Fortbildung setzt eine abgeschlossene Ausbildung im pädagogischen Bereich voraus, z.B. als Erzieherin, Kinderpflegerin oder Sozialassistentin. Sie gliedert sich in ein Basis- und ein Vertiefungsseminar. Das Basisseminar besteht aus drei ganzen und vier halben Tagen. Tabelle 2 zeigt die inhaltliche Aufteilung der Fortbildung.

Tabelle 2: Inhalte der Papilio-Fortbildung

Säule 1

Theorie

  • Theoretische Kenntnisse zu Sucht, Gewalt, Prävention
  • Risiko und Schutzbedingungen von Verhaltensproblemen
  • Entwicklung von sozial-emotionaler Kompetenz
Säule 2

Entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten

  • Interaktion und Kommunikation mit dem Kind in der Gruppe
  • Kollegiale Beratung
Säule 3

Kindorientierte Maßnahmen

  • Spielzeug-macht-Ferien-Tag
  • Paula und die Kistenkobolde
  • Meins-deinsdeins-unser-Spiel
  • Umsetzung in die Praxis
Säule 4

Elternarbeit

  • Elternarbeit im Papilio-Projekt
  • Methodik/Didaktik
  • Grundlagen von Präsentation und Moderation

Das Vertiefungsseminar dauert zwei ganze Tage. Es erweitert die theoretischen Kenntnisse und bezieht konkrete Fälle und Erfahrungen aus der Praxis ein, um Theorie und Praxis eng miteinander zu verknüpfen. Die Rolle der Erzieherin in der Durchführung der Papilio-Maßnahmen steht im Vordergrund. Nach erfolgreicher Teilnahme am Basis- und Vertiefungsseminar, der Einführung und Erprobung der Maßnahmen in der Gruppe sowie der Teilnahme an zwei kollegialen Supervisionstreffen erhält die Teilnehmerin ein Zertifikat als Papilio-Erzieherin.

Die Fortbildung für Erzieherinnen wird durch speziell geschulte und vom beta Institut zertifizierte Papilio-Trainerinnen durchgeführt, die die regional unterschiedliche Kindergartensituation kennen. Grundlage der Trainerinnen-Fortbildung sind der Papilio-Programm-Ordner und das Praxis- und Methodenhandbuch. Papilio-Trainerinnen begleiten und beraten die Erzieherinnen während der Implementierung des Programms, bieten hierzu regional Termine für kollegiale Supervision an und stehen telefonisch für Fragen zur Verfügung.

Studie und Pilotprojekt in der Modellregion Augsburg

Um die Wirksamkeit und Machbarkeit der Papilio-Maßnahmen zu überprüfen, wurde in der Region Augsburg ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt durchgeführt. Im Frühjahr 2003 wurden aus über 100 interessierten Kindergärten 25 Studien-Kindergärten ausgewählt. Insgesamt waren 700 Kinder, deren Eltern und über 100 Erzieherinnen beteiligt. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Kindergärten in Interventions- und Wartekontrollgruppe eingeteilt. Die Erzieherinnen der Interventionsgruppe erhielten die Fortbildung im Sommer 2003 und führten Papilio dann in ihren Gruppen ein, die Erzieherinnen der Wartekontrollgruppe entsprechend ein Jahr später. Informationen aus beiden Gruppen wurden parallel im Zeitraum der Studie erhoben. Die Erzieherinnen wurden dreimal und die Eltern zweimal über das Verhalten der Kinder mit Hilfe von standardisierten Fragebögen befragt. Die Kinder der Interventionsgruppe wurden von trainierten Interviewerinnen befragt, um die Einbindung der Kinder in ihre Gleichaltrigengruppe zu erfassen.

Mittlerweile haben weitere Seminare auch für Kindergärten stattgefunden, die ursprünglich nicht für die Studie ausgewählt worden waren. Zurzeit wird zudem eine vierte Befragung durchgeführt, bei der die im Herbst 2004 eingeschulten Kinder aus der Interventionsgruppe im Mittelpunkt stehen. Dabei soll überprüft werden, ob die positive Wirkung des Programms nach einem Jahr noch anhält. Die Frage ist zudem, ob das Programm Papilio langfristig dazu beitragen kann, dass die Kinder aufgrund verbesserter sozial-emotionaler Kompetenzen den Übergang in die Schule leichter bewältigen.

Ausgewählte Studienergebnisse zur Wirksamkeit der Maßnahmen

Nachfolgend werden ausgewählte Ergebnisse zur Wirksamkeit der Papilio-Maßnahmen angeführt, basierend auf einer ersten Auswertung der Erzieherinnenfragebögen:

  • Prosoziales Verhalten. Das prosoziale Verhalten der Kinder (Teilen, Helfen, z.B. gegenüber anderen Kindern, Eltern, Erzieherinnen) verstärkte sich bei allen Kindern signifikant, bei den Kindern der IG jedoch deutlicher - ein Beleg für die positive Wirkung der Papilio-Maßnahmen.
  • Sozial-emotionale Kompetenzen. Im Bereich sozial-emotionaler Kompetenzen (z.B. Gefühle bei sich und bei anderen erkennen können) erwiesen sich die Papilio-Kinder den Kindern aus der KG ebenso als überlegen.
  • Verhaltensauffälligkeiten. Der Gesamtproblemwert hinsichtlich der Verhaltensauffälligkeiten der Kinder (z.B. aggressives Verhalten) verringerte sich bei allen Kindern, bei den Kindern der IG jedoch deutlich stärker als bei den Kindern aus der KG. Dies ist ein eindeutiger Hinweis auf die positive Wirkung der Papilio-Maßnahmen. Bei der differenzierten Analyse einzelner Bereiche von Verhaltensauffälligkeiten ergaben sich verschiedene Ergebnisse. Beispielsweise konnte bei Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsproblemen nachgewiesen werden, dass die Papilio-Kinder weniger Probleme aufweisen als die der KG.

Zusammenfassung und erste Bewertung

Die bisherigen Analysen haben gezeigt, dass die Papilio-Maßnahmen dazu beitragen können, prosoziales Verhalten zu erhöhen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindergartenkindern zu reduzieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass verhaltensauffällige Kinder besonders vom Programm profitieren, dass sich Papilio aber nicht speziell an diese Zielgruppe wendet, sondern an alle Kindergartenkinder. "Aggressive Kinder finden neue Wege, mit ihrer Wut und/oder Angst umzugehen", so eine typische Erzieherinnen-Rückmeldung zu Papilio.

Häufig beobachtet wurde, dass zurückgezogene Kinder besser in die Gruppe integriert werden und dass die Eltern die Elternabende zu Papilio überdurchschnittlich interessiert und aufgeschlossen wahrnehmen.

Erzieherinnen berichteten weiterhin, dass sich mit der Einführung von Papilio die Kommunikation im Team verbesserte, sich ihre eigene Arbeitszufriedenheit gesteigert hat und sie sich in ihrer Berufsrolle bestärkt fühlen.

Papilio unterstützt die Entwicklung wesentlicher Basiskompetenzen, deren Förderung in den Bildungs- und Erziehungsplänen der Länder gefordert wird. Einige Beispiele aus den Bildungsplänen, die sich mit den Papilio-Zielen decken:

  • Personale Kompetenz, z.B. Selbstwertgefühl, positives Selbstkonzept, Resilienz, Selbstwirksamkeit.
  • Motivationale Kompetenz, z.B. Selbstregulation.
  • Kognitive Kompetenz, z.B. differenzierte Wahrnehmung, Kreativität.
  • Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext, z.B. gute Beziehungen, Entwicklung von Werten, Empathie, Rollenübernahme.
  • Lernmethodische Kompetenzen.

Zusammenfassend kann damit festgestellt werden, dass Primärprävention, mit dem langfristigen Ziel, der Entwicklung von Sucht und Gewalt vorzubeugen, ein wesentliches Anliegen des Programms ist, dass aber auch der Bildungsaspekt, der mit Pisa in die öffentliche Diskussion gerückt wurde, durch Papilio angesprochen wird.

Literatur

Barquero, B./Mayer, H./Heim, P./Scheithauer, H./Meir-Brenner, S./Koglin, U./Petermann, F./Erhardt, H.: Papilio â: Ein Programm zur Primärprävention von Verhaltensproblemen, zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Kindergarten und zur langfristigen Prävention von Sucht und Gewalt. In: Röhrle, B. (Hrsg.): Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche. DGVT-Verlag, in Druck

Barquero, B./Scheithauer, H./Mayer, H./Heim, P./Meir-Brenner, S./Erhardt, H.: Abschlussbericht zur Evaluation des Projekts Papilio. Unveröffentlichter Forschungsbericht. Augsburg: beta Institut gGmbH 2005

Mayer, H./Heim, P./Barquero, B./Scheithauer, H./Koglin, U.: Papilio â . Programm-Ordner (Band 1). Praxis- und Methodenhandbuch für Erzieherinnen (Band 2). Augsburg: beta Instituts Verlag 2004

Scheithauer, H./Mayer, H./Barquero, B./Heim, P./Koglin, U./Meir-Brenner, S./Mehren, F./Niebank, K./Petermann, F./Erhardt, H.: Entwicklungsorientierte Prävention von Verhaltensproblemen und Förderung sozial-emotionaler Kompetenz: Papilio - eine Programmkonzeption. In Ittel, A./ von Salisch, M. (Hrsg.): Lügen, Lästern, Leiden lassen - Aggressives Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Stuttgart: Kohlhammer 2005, S. 259-275

Scheithauer, H./Mehren, F./Niebank, K./Petermann, F.: Los für Kinder - Für ein Leben ohne Sucht und Gewalt im Kindergarten. Evaluationsstudie - Bericht zum Abschluss der Vorbereitungsphase. Unveröffentlichter Forschungsbericht. Bremen: Universität Bremen 2003

Ansprechpartner

Heidrun Mayer, Projekt- und Studienleitung Papilio, beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung, Website: http://www.papilio.de, Email: info@papilio.de

Prof. Dr. Herbert Scheithauer, Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Tel.: 030/838-56546, Email: hscheit@zedat.fu-berlin.de