Rezension

Margy Whalley und das Pen Green Centre Team: Eltern als Experten ihrer Kinder. Das "Early Excellence"-Modell in Kinder- und Familienzentren. Berlin: Dohrmann Verlag 2008, 246 Seiten, EUR 18,90 - direkt bestellen durch Anklicken

 

In diesem Sammelband wird die inzwischen weltweit bekannte pädagogische Arbeit des Pen Green Centre in Corby (England) beschrieben. Davon ausgehend, dass jedes Kind "exzellent" ist und seine Eltern als erste Erzieher die Experten ihres Kindes sind, hat sich die Einrichtung zu einem Familienzentrum gewandelt und sich zum lokalen Umfeld hin geöffnet. Das Pen Green Centre ist aber nicht vergleichbar mit deutschen Familienzentren. Das wird schon deutlich, wenn man liest, dass es über 110 Mitarbeiter/innen hat, zu denen auch Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen, Hebammen und Beschäftigte des Gesundheitsdienstes gehören, und dass es mehr als 1.200 Familien betreut. Inzwischen bietet es neben Kindertagesbetreuung auch familienunterstützende Angebote, Erwachsenenbildung, Gemeindeentwicklung und Ausbildung von Fachkräften für frühkindliche Entwicklung an. Auch besitzt es eine eigene Forschungsabteilung.

In den 12 Beiträgen des Buches, ergänzt um Vor- und Nachworte, werden beschrieben:

  • die Entstehung des Pen Green Centre,
  • die Familiensituation der Kinder,
  • die zunehmende Einbeziehung von Eltern in die pädagogische Arbeit,
  • Methoden zur Einbindung von Vätern und anderen schwer zu erreichenden Elterngruppen,
  • Formen der Kooperation (z.B. Ideenaustausch über das Curriculum, tägliche Gespräche zwischen Eltern und dem Family Worker ihres Kindes und seinen Erzieher/innen, Besprechung des Tagebuchs, das Eltern über das Verhalten ihres Kindes in der Familie schreiben),
  • themenspezifische Workshops,
  • die Studiengruppen, in denen Eltern und Fachkräfte Videos der Kinder anschauen sowie über deren Entwicklung und Förderung diskutieren,
  • die Vermittlung effektiver pädagogischer Strategien,
  • die gemeinsame Erziehung des Kindes (z.B. mit Hilfe ständiger Feedback-Loops, von Dokumentationen und Portfolios),
  • die "Growing Together-Gruppen" von Eltern und unterdreijährigen Kindern,
  • die von den Eltern und Fachkräften gesammelten Erfahrungen,
  • viele, zum Teil sehr ausführliche Fallbeispiele bzw. -studien,
  • die Ausweitung von Elternangeboten auf Grundschulen (z.B. der Studiengruppen und des wechselseitigen Informationsflusses),
  • eigene Forschungsergebnisse,
  • u.v.a.m.

Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild von der pädagogischen Arbeit des Pen Green Centre und von der Kooperation zwischen Eltern und Fachkräften. Ganz deutlich werden die vielen positiven Auswirkungen auf das (Familien-) Leben der in einem sozialen Brennpunkt lebenden Menschen.

Das recht lange Buch ist in einem fachlich-anspruchsvollen, aber nicht wissenschaftlichen Stil verfasst worden. Im Vorwort von Annette Lepenies wird gezeigt, dass viele der im Pen Green Centre entwickelten Ideen bereits in Deutschland umgesetzt werden (können).

Martin R. Textor