Rezension

Koldo Izagirre, Antton Olariaga: Schmutzige Füße. Aschaffenburg: Alibri Verlag 2016, 28 Seiten, EUR 14,00 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Koldo Izagirre, einer der wichtigsten Vertreter der baskischen Literatur, schreibt über ein Mädchen, das von ihren Freundinnen "Schmutzige Füße" genannt wird und vermutlich ein Adoptivkind aus Südamerika ist. Sie geht nach dem Mittagessen auf einen Platz (wohl irgendwo in Spanien), wenn es den Einheimischen draußen zu heiß ist, um "Himmel und Hölle" zu spielen. In Wirklichkeit hört sie aber den Migrant/innen zu, die um diese Tageszeit Verwandte in anderen Regionen der Welt anrufen. Obwohl "Schmutzige Füße" nicht alles versteht, was sie sagen, so merkt sie doch, dass die Einwanderer die Daheimgebliebenen belügen - ihnen von Jobs, Freund/innen und Festen erzählen, die es gar nicht gibt.

"Schmutzige Füße" würde gerne Ingenieurin für Telekommunikation werden, um die Satelliten austricksen zu können, damit die Migrant/innen ihre Anrufe nicht bezahlen müssen. Auch würde sie gerne ihre leibliche Mutter anrufen - aber sie weiß noch nicht einmal, ob diese noch lebt, ob sie in dem fernen Land Brüder oder Schwestern hat...

Das von Mona Steigerwald aus dem Spanischen übersetzte und von dem baskischen Künstler Antton Olariaga mit kolorierten Grafiken versehene "Bilderbuch" macht die Leser/innen betroffen und rüttelt sie auf, wenn sie aus der Perspektive eines Kindes heraus mit der Lebenssituation von Einwanderern konfrontiert werden. Gleichzeitig erfahren sie von den Sehnsüchten eines Adoptivkindes, das eine (neue) Mutter und einen Vater hat, aber trotzdem an die unbekannte leibliche Mutter denkt. Ein Buch nicht nur für Grundschulkinder...

Martin R. Textor