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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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| Von der ErzieherIn zur HeilpädagogIn: Ausbildung und Arbeitsfelder am Beispiel Bayerns
Barbara Ullrich
Die ErzieherInnen-Ausbildung findet heute auf hohem Niveau statt. Allerdings steigen die Anforderungen in den einzelnen Arbeitsfeldern ständig und lassen so bei vielen ErzieherInnen den Wunsch nach besserer Qualifikation wach werden. Manche/r ErzieherIn hat schon etliche Fortbildungen zu den verschiedensten Themenbereichen hinter sich, ehe sie/er sich zur beruflichen Weiterbildungsmaßnahme zur/zum staatlich anerkannten HeilpädagogIn entschließt und sich damit die Möglichkeit eröffnet, eine angehobene Berufslaufbahn einzuschlagen. Zugangsvoraussetzungen und Motivationslage von BewerberInnen Die HeilpädagogInnenausbildung baut auf der ErzieherInnenausbildung und einer mindestens zweijährigen (bayerische Regelung) beruflichen Tätigkeit im pädagogisch/heilpädagogischen Arbeitsfeld auf. Unter den BewerberInnen findet sich ein geringer Teil, der die Ausbildung nach Erfüllung der Mindestvoraussetzungen anstrebt. In der Regel sind das diejenigen, die schon während ihrer Erstausbildung eine Weiterqualifikation im Blick hatten und eine Alternative zum FH-Studiengang Sozialpädagogik suchten; andere nutzen die berufliche Pause der Kindererziehungszeit zur Weiterbildung, und wieder andere sehen sich nach jahrelanger Tätigkeit in einem oder mehreren Arbeitsfeldern an einem Punkt, der Neuorientierung und Erschließung neuer Arbeitsfelder - auch im Hinblick auf das eigene Älterwerden - notwendig macht. Somit findet sich unter den KollegInnen einer Ausbildungsgruppe in der Regel ein breites Spektrum von Lebens- und Berufserfahrung aus unterschiedlichen sozial- und heilpädagogischen Arbeitsfeldern. Dies ist Voraussetzung für ein lebendiges Lernklima, in dem die Kenntnisse aus der Grundausbildung zusammen mit der beruflichen Erfahrung als Basis für die heilpädagogische Ausbildung genutzt werden. Ausbildungssituation und -organisation in Bayern Derzeit gibt es in Bayern acht Fachakademien. An zwei Fachakademien wird die Ausbildung nur in zweijähriger Vollzeitform angeboten:
an fünf Fachakademien nur in vierjähriger Teilzeitform:
und in Vollzeit- und Teilzeitform:
Die zeitliche Organisation der Teilzeitausbildung ist an den einzelnen Fachakademien unterschiedlich (z.B. Blockwochen, Wochenendunterricht, ein Schultag pro Woche + gelegentliche Blockwochen), der Ausbildungsumfang von insgesamt 2.440 Stunden (Pflichtunterricht ohne Wahlfachangebote) gilt für beide Ausbildungsformen gleichermaßen. Ausbildungsinhalte Der Ausbildung liegt der bayerische Lehrplan zugrunde. Veränderungen in der Bildungslandschaft, aber auch in der Heilpädagogischen Theoriebildung und Praxis machten nach 17 Jahren einen neuen Lehrplan notwendig, der voraussichtlich ab dem Schuljahr 2001/02 Anwendung findet. Grundlegend ist das Menschenbild in der Heilpädagogik, das ganzheitlich ist und gleichermaßen für behinderte wie nicht behinderte Menschen gilt. Heilpädagogik versteht sich als Lebenshilfe für Menschen unter erschwerten Lebensbedingungen. Daraus werden die Ziele für die drei Säulen der Ausbildung, die Fachtheorie, den Fachpraktischen Unterricht und die Fachpraxis abgeleitet. Leitziel für die Fachtheorie ist der Erwerb von Wissenskompetenz, die zur "kritischen Auseinandersetzung mit Theorien des Systems Heilpädagogik und wissenschaftlichen Ansätzen aus den Nachbargebieten der Heilpädagogik" (Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung 2000) befähigen soll. Die Inhalte berücksichtigen jeweils den heilpädagogischen Handlungsbezug. Theoriebereiche: Heilpädagogik im Umfang von 320 Stunden mit den Teilbereichen
Psychologie im Umfang von 240 Stunden mit den Teilbereichen:
Medizin im Umfang von 120 Stunden Soziologie und Sozialmanagement im Umfang von 80 Stunden Rechtskunde im Umfang von 80 Stunden Leitziel für den fachpraktischen Unterricht: Für das Kennen- und Verstehen lernen sowie das Einüben von Heilpädagogischen Konzepten und Methoden im geschützten Rahmen des Unterrichts stehen insgesamt 800 Stunden zur Verfügung. Dieser Ausbildungsteil dient dem Aufbau heilpädagogischer Handlungskompetenz. Leitziel für die heilpädagogische Fachpraxis: Im Rahmen der heilpädagogischen Fachpraxis erfolgt die eigene Erprobung und Bewährung bei der Betreuung, Förderung, Begleitung von Menschen mit besonderem Bedarf im Einzel- und Gruppenbezug über einen längeren Zeitraum und/oder in zeitlich verdichteten Projekten. Durch Hospitationen und Exkursionen lernen die Studierenden weitere heilpädagogische Handlungsfelder kennen. Die Fachpraxis wird durch Anleitung/Beratung/Supervision begleitet und ist daher der bevorzugte Ort für die Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Auch hier geht es darum, heilpädagogische Handlungskompetenz zu erwerben. Diese drei Säulen sind während der ganzen Ausbildung miteinander verzahnt: Der Lernprozess ist in Form einer Spirale vorstellbar, in der sich Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl erweitern wie auch vertiefen. Die Heilpädagogin, die bei anderen Menschen Veränderungsprozesse in Gang setzen möchte, unterliegt selbst einem Entwicklungs- und Veränderungsprozess. Sie sollte zumindest die Bereitschaft haben, diesen bei sich zuzulassen. Die eigenen Persönlichkeitskompetenzen werden somit zu einem wichtigen Potential für die spätere berufliche Tätigkeit. Arbeitsfelder HeilpädagogInnen finden in den drei Bereichen der Behindertenhilfe, Jugendhilfe und Gesundheitshilfe interessante Tätigkeitsfelder. Die geforderten Aufgaben lassen sich auf der Basis einer heilpädagogischen Beziehung global beschreiben als Bildung und Unterrichtung, Erziehung, Beratung, Förderung, berufliche Eingliederung, Assistenz, Pflege. Hierbei können Heilpädagoginnen in der Einzelbetreuung, im Gruppendienst, im Fachdienst oder in Leitungspositionen (mittlere Managementebene) eingesetzt werden. Die folgende tabellarische Übersicht zeigt exemplarisch mögliche Tätigkeitsfelder der obengenannten Bereiche (alphabetisch geordnet) (Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung 2000):
Die besonderen Qualitäten von HeilpädagogInnnen liegen z.B. darin,
Die Ausbildung vermittelt somit eine breitgefächerte Grundlage zur Weiterentwicklung spezifischer beruflicher Interessensschwerpunkte. Literatur Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung: Lehrpläne für die Fachakademie für Heilpädagogik, Entwurf Dezember 2000 Autorin Barbara Ullrich siehe auch: http://www.stk-heilpaedagogik.de (Internetseite der Ständigen Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland) und http://www.heilpaedagogik.de (Internetseite des BHP - Berufsverband der Heilpädagogen) |