Rezension

Gabriele Pohl: Angsthasen, Albträumer und Alltagshelden. Berlin, Heidelberg: Springer Spektrum 2016, 213 Seiten, EUR 19,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Kinder haben Angst, junge Menschen haben Angst, und Erwachsene ebenso. Angst zeigt sich in den unterschiedlichsten Facetten. Wie aber wird Angst bewältigt, was macht stark oder resilient gegen Angst?

Mit der vorliegenden Publikation greift Gabriele Pohl ein Thema auf, das - obwohl überall präsent - doch immer wieder verdrängt oder verleugnet wird. Die Autorin zeigt uns auf, auf welch unterschiedliche Art und Weise Kinder mit ihren Ängsten umgehen und wie sie sie insbesondere im freien Spiel verarbeiten. Sie spricht von Entängstigungsstrategien von Kindern und kennt viele Beispiele dazu. Im Erleben der Natur sieht sie ein Therapeutikum, das das Kind sich selbst finden und Hilfe für die Angstbewältigung fruchtbar werden lässt.

Mit vielen Fallbeispielen führt Gabriele Pohl Leser/innen an die Thematik Angst heran, an ihre Erscheinungsbilder, an Interventionsstrategien, an Angstübertragung usw. Ferner schreibt sie über Aspekte der Selbsthilfe, die Kinder anwenden. Wichtig sei die Rolle der Eltern: Zu schnell wollen sie beschwichtigen. Dabei ist es von größter Bedeutung, dass sie die Ängste des Kindes ernstnehmen und ihm gleichermaßen zutrauen, seine Ängste zu bewältigen.

Beim Lesen findet man immer wieder Parallelen zu kindlichem Verhalten, das einem beruflich oder in der Familie in irgendeiner Weise schon einmal begegnet ist. Durch die dargestellten Berichte und Geschichten der Kinder fühlen sich die Leser/innen motiviert, genauer und sensibel zu beobachten, was Kinder belastet, was sie ängstigt. Wichtige Informationen und einen gut verständlichen theoretischen Hintergrund liefert uns die Autorin mit ihren Einschiebungen.

So entstand ein Lesebuch, ein Fachbuch, ein Sachbuch - alles in einem. Es führt Leser/innen auf den Weg, nicht vorschnell nur nach Symptomen zu suchen, Zuschreibungen zu machen und durch Etikettierung den Weg zu Lösungen oder Hilfen zu verbauen.

Es wäre zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichen, wenn viele Menschen zu diesem Buch greifen würden. Eltern, Pädagog/innen und anderen Erwachsenen würde es die Augen öffnen, so manche Angst nehmen und zu mehr Verständnis für Kinder führen. Auch für die Ausbildung und Fortbildung aller in der Kinder- und Jugendhilfe tätigen Menschen liefern Frau Pohls Ausführungen unverzichtbares Wissen und Unterstützung!

Ingeborg Becker-Textor