Wie entwickeln wir ein pädagogisches Konzept im Kindergarten?

Arnulf Hopf

 

Vorbemerkung: Vielen Teams von Tageseinrichtungen gelingt es nur schwer oder lange Jahre auch gar nicht, ein pädagogisches Konzept selbst zu schreiben. Die nachfolgenden Ausführungen nennen "4 Phasen" und "8 Arbeitsschritte" einer Konzeptentwicklung, die Kindergarten-Teams als vielfach erprobte Handlungsanleitung dienen können, um ohne externe Hilfen erfolgreich zu sein.

Motto: Jeder Kindergarten besitzt ein Profil; über ein Konzept verfügen nur wenige. Das Profil eines Kindergartens "ist" durch die inneren und äußeren Gegebenheiten "da", unabhängig vom Gestaltungsbewusstsein der Beteiligten. Im pädagogischen Konzept halten die Fachkräfte fest, wie sie ihr Profil gestalten wollen. Das Konzept spiegelt dann die pädagogische Grundorientierung einer Einrichtung, mit der sie dem Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsauftrag besondere Wirkung verleihen will.

Prozess- und Produktentwicklung

Die Diskussion einer pädagogischen Konzeption geschieht unter zwei Gesichtspunkten:

a) als Prozessentwicklung
b) als Produktentwicklung

a) Prozessentwicklung: Bei jeder Konzeptentwicklung, die alle Mitglieder eines Teams beteiligt, entsteht innerhalb des Teams häufig ein lebhafter und spannungsreicher Prozess. Hier hat das Team Gelegenheit, vielleicht schon länger gewünschte Gespräche über pädagogische Ansichten und Zielsetzungen intensiv zu führen. Dieser Prozess, der auch als "Teamentwicklung" zu verstehen ist, führt die unterschiedlichen Persönlichkeiten im Team regelmäßig dichter zusammen. Die gemeinsame Arbeit wird danach meist homogener und bewusster. Die Fachkräfte eines Teams können dadurch mehr Selbstbewusstsein für ihre Arbeit entwickeln. Die Prozessentwicklung soll während der Diskussion eines pädagogischen Konzeptes nicht im Vordergrund stehen, ist aber doch bewusst wahrzunehmen und zu gestalten.

b) Produktentwicklung: Sie ist das eigentliche Anliegen aller Bemühungen. Am Ende steht hier das verschriftlichte und veröffentlichte Produkt, der pädagogische Orientierungsrahmen eines gesamten Kindergartens, das fertige pädagogische Konzept.

Im Regelfall tragen externe Hilfen (Supervision) wesentlich dazu bei, den gesamten Entwicklungsprozess einer pädagogischen Konzeptarbeit in relativ kurzer Zeit bei gleichzeitig intensiver Beteiligung aller Teammitglieder abschließen zu können. Im anderen Fall haben Erfahrungen verschiedener Kindergärten gezeigt, dass die selbständige Erstellung einer Konzeption länger dauern kann. Gelingt es allerdings einem Team, den gesamten Prozess gleichbeteiligt unter allen Mitgliedern zu verteilen und durchzuhalten, ist die Identifikation mit dem fertigen Konzept ebenso wie mit der gemeinsamen Arbeit meist außerordentlich gewachsen. Für dieses Vorgehen haben sich folgende Arbeitsschritte bewährt:

I. Erste Phase: Klärung der Rahmenvorgaben

Noch bevor das Team die eigentliche Arbeit aufnimmt, sind zwei Fragen zu klären:

  1. Wie sieht eigentlich die Lebenswelt der Kinder heute aus und welche Chancen haben sie im Einzugsbereich der Tagesstätte?
    Veränderte Kindheit bzw. die örtliche Kindheit berücksichtigen: Das Team kann sich fragen: welche Familiensituationen sind typisch für den Ort? Vor welchen Herausforderungen oder Belastungen stehen die Familien im Hinblick auf ihre Lebens-, Wohn- und Arbeitssituation?
  2. Welche Vorgaben aus Gesetzen, Erlassen und trägerspezifischen Papieren müssen berücksichtigt werden?
    In einigen Regionen bzw. Orten haben die Träger der Einrichtungen bzw. ihre Verbände und Ausschüsse für die Kindergärten besondere Richtlinien, Ordnungen o.ä. erstellt. Da jedoch das Profil einer bestimmten Tagesstätte damit nur sehr ungenau beschrieben wird, bedarf es einer pädagogischen Konzepterstellung pro Einrichtung auch dann, wenn derartige Trägerpapiere vorliegen.

Die erste Phase wird vom Team mit der Frage beschlossen: Welche Adressaten haben ein Interesse am pädagogischen Konzept?

Diese Frage sollte sich zu Beginn der weiteren Arbeit an einem Konzept jedes Team unbedingt stellen. Wenn nach den Motiven gesucht wird, warum ein Konzept für eine Einrichtung "wichtig" ist, wird dabei eine Motivation und Aufmerksamkeit geweckt, die über das eigene Team und seine Interessen hinausgehen. Wenn an die nachfolgenden Gruppen gedacht wird, kann das Konzept von Anfang an adressatenorientiert entwickelt werden.

Zu den Bezugsgruppen, für die das Konzept "wichtig" sein kann, zählen:

  1. die Eltern
  2. der Träger
  3. das Team
  4. die Grundschule
  5. die Fachöffentlichkeit (Jugendamt, Sozialamt, Schulamt, Fachschule usw.)
  6. die allgemeine Öffentlichkeit

Diese Gruppen haben z.T. unterschiedliche Interessen an einem Konzept:

a) Warum ist ein Konzept für die Eltern wichtig? (Beispiele)

    • um sich bei einer Anmeldung für einen bestimmten Kindergarten entscheiden zu können,
    • um sich mit dem pädagogischen Konzept bzw. einzelnen pädagogischen Fragen auseinander zu setzen,
    • um die Arbeit vom Elternhaus zum Kindergarten transparent zu halten,
    • um die Mitarbeit der Eltern zu erlangen.

b) Warum ist ein Konzept für den Träger wichtig? (Beispiele)

    • um dem Träger Gelegenheit zu geben in der Öffentlichkeit den Kindergarten gut zu vertreten,
    • um die Schwerpunkte der Arbeit seiner Angestellten zu kennen,
    • um den Träger direkt und indirekt die Wichtigkeit der pädagogische Arbeit darstellen zu können,
    • um den Beruf der ErzieherInnen beim Träger aufwerten zu können,
    • usw.

II. Zweite Phase: Die acht Erarbeitungsschritte

Motto: Handeln nach dem Prinzip, "alle Teammitglieder sind gleichberechtigt zu beteiligen". Jede Erarbeitung einer pädagogis zeption setzt die Frage voraus, ob das gesamte Team, ob der Träger, ob die Leitung oder alle grundsätzlich dafür sind. Sollte allein der Träger seinen Gesetzesauflagen nachkommen wollen, ist ein Scheitern ebenso voraus zu sehen, als wenn die Leiterin einer Einrichtung die Herstellung der Konzeption allein durchführen möchte. Mit einem produktiven Prozess ist zu rechnen, wenn alle MitarbeiterInnen sich mit der selbsterstellten Konzeption identifizieren können. In jedem Team sind deshalb die Beweggründe aller Mitglieder dahingehend zu diskutieren, ob alle zu dieser anstrengenden Arbeit bereit sind oder welche Voraussetzungen dafür noch zu schaffen sind. Geklärt werden sollten in diesem Zusammenhang:

  • die Dauer der voraussichtlichen Diskussionszeit insgesamt (ca. 6 bis 9 Monate),
  • die Entscheidung: "wer" protokolliert "was",
  • die zeitliche Begrenzung der Zusammenkünfte,
  • die Möglichkeit, reguläre Mitarbeiterbesprechungen zu Konzeptentwicklungssitzungen "umzufunktionieren"; usw.

Es ist vorteilhaft, zunächst auf die Mitwirkung des Trägers bzw. von Eltern oder Elternbeiratsmitgliedern zu verzichten. Deren zum Teil anders gelagerten Interessen können den Verständigungsprozess unter den pädagogischen Fachkräften im Team so komplex und unhandlich werden lassen, dass eine Teamentwicklung sehr gehemmt wäre.

Arbeitsschritte:

1. Schritt: Sammlung: "Was alles soll in unserem Konzept enthalten sein?" Jede pädagogische Fachkraft des Teams schreibt auf je einen Karton/eine Aktionskarte oder ein DIN-A4-Blatt jeweils einen einzigen Vorschlag. Jeder darf so viele Vorschläge machen, wie er möchte, also so viele Blätter beschriften, wie er bzw. sie will.

Dafür werden zwei Fragen gestellt:

  1. "Was kann ich gut, was mache ich gern, was ist in meiner Arbeit typisch?"
  2. "Was macht unsere Einrichtung Gutes, Typisches?"

Beide Fragen sollen nicht getrennt voneinander beantwortet werden, sie gehören zusammen. Dennoch soll durch die erste Frage gewährleistet bleiben, dass zunächst jedes Teammitglied wirklich an seine eigenen Fähigkeiten denkt, an die eigenen Vorlieben und Arbeitsschwerpunkte. Nur so kann in einem Team gesammelt und herausgestellt werden, was schließlich das unverwechselbare Profil der gesamten Einrichtung ausmacht.

2. Schritt: Die einzelnen Aktionskarten/Kartons bzw. Blätter werden ungeordnet an eine möglichst große Wand geheftet. (Dieser Schritt kann Teil einer bewussten Öffentlichkeitsarbeit werden, insofern den Eltern und Besuchern der Einrichtung Gelegenheit geboten wird, Fortbildungsinhalte in einer optisch meist beeindruckenden Vielfalt wahrzunehmen).

3. Schritt: Die einzelnen Nennungen werden zu "Klumpen", das sind inhaltlich zusammengehörende Themenbereiche, umgehängt: jeder/jede TeilnehmerIn des Teams hat Gelegenheit, vermeintlich zusammengehörende Nennungen nebeneinander zu heften. Dabei entstehende Meinungsunterschiede sind gewollt und sollten zur ersten Diskussion über den einzelnen Zuordnungsgesichtspunkt führen. Können sich Diskutanten nicht einigen, wird die selbe Nennung auf ein zweites Blatt geschrieben und an den anderen gewünschten Zuordnungsplatz gehängt. Größere Klumpen sollten im Gespräch in mehrere kleine zerlegt werden. Mögliche Dauer dieses Schrittes: zwischen 30 und 60 Minuten.

4. Schritt: a) Kurze gemeinsame Diskussion jeden Klumpens/Themenbereichs mit dem gesamten Team, um gegebenenfalls neu zu hängen (zu einem anderen Klumpen) oder einen weiteren Klumpen für eine Nennung einzurichten. b) Jeder "Klumpen" und die dazugehängten Einzelnennungen werden vom Team auf Stimmigkeit hin beurteilt und mit einem neu zu findenden Titel/Überschrift benannt. Einzelne Nennungen, die keinem Klumpen zugeordnet werden können, erhalten ebenfalls einen Titel. Nach diesem Schritt soll möglichst eine Woche lang Gelegenheit geboten werden, Ergänzungen nachzutragen, die Mitgliedern des Teams nachträglich einfallen!

5. Schritt: Alle Überschriften der einzelnen Klumpen werden auf einen großen Karton bzw. eine Wandzeitung mit durchgehender Nummerierung abgeschrieben.

6. Schritt: Jedes Mitglied des Teams vergibt individuell eine Anzahl Punkte an die gesammelten und nummerierten Überschriften. Die Frage, nach der die Punkte zu vergeben sind, lautet: "Welches Thema/welche Klumpenüberschrift halte ich für so wichtig für unsere Einrichtung, dass davon in unserem Konzept geschrieben werden soll?"

Die Anzahl der Punkte, die jedes Mitglied zu vergeben hat, beträgt etwas weniger als die Hälfte aller nummerierten Nennungen (also z.B. bei 22 nummerierten Überschriften sind höchstens 10 Punkte von jedem Teammitglied zu vergeben). Kumulieren ist nicht erlaubt, d.h. jede Person kann jedem Thema jeweils nur einen Punkt zuordnen.

7. Schritt: Die so entstandene Prioritätenliste der für das Konzept vorgesehenen Themen wird nun der Reihe nach abzuarbeiten sein. Aber so wie ein pädagogisches Konzept nie abgeschlossen ist, darf auch nicht die Prioritätenliste ganz abgearbeitet werden müssen. Die Prioritätenliste ist deutlich sichtbar während der gesamten Bearbeitungszeit auszuhängen (z.B. im Mitarbeiterzimmer oder Küche).

Alle Themen, die einmal von einzelnen Mitgliedern des Teams vorgeschlagen waren, sind optisch in Erinnerung zu halten, so dass die Möglichkeit ihrer Zuordnung zu einem der behandelten Hauptthemen bleibt. Es gilt das Prinzip: flexibel bleiben, sinnvoll arbeiten und nicht an starren Regeln hängen bleiben.

8. Schritt: Diskussion und Bearbeitung der einzelnen ausgewählten Themen: Jetzt nimmt sich das Team die Themen in der Reihenfolge ihrer Nennungshäufigkeit zur Bearbeitung vor. Es gilt bei jedem einzelnen Thema eine Dreierschrittfolge für die Diskussion:

  1. "Was verstehe ich/ was verstehen wir unter diesem Thema?"
  2. "Welche Ziele wollen wir mit diesem Thema zu erreichen versuchen?"
  3. "Mit welchen Methoden/ auf welchen Wegen versuchen wir das?"

Die Diskussion jedes Themas in dieser Dreierfolge kann sicherstellen, das ein Team sich nicht zu rasch auf die Sammlung und Beschreibung von ausgeübten Methoden und Verfahren beschränkt, sondern zunächst das Selbstverständnis klärt. Die ersten beiden Fragen bei jeder Themenbehandlung geben also Gelegenheit, die häufig vernachlässigte Diskussion darüber zu führen, welche Meinungen zu einem Thema im Team vertreten sind (Frage 1) und zu welchen Zielorientierungen die einzelne Fachkraft, bzw. das Team neigt (Frage 2). Gerade hier entstehen oft anstrengende aber sehr produktive Diskussionen. Die Gesprächsleitung hat die wichtige Aufgabe, dabei nicht vorschnelles Wechseln zu Frage 3 zuzulassen. Zunächst sollte die "Arbeit am Begriff" geleistet sein (Frage 1 und 2).

III. Dritte Phase: Die Verschriftlichungsphase

Regelmäßig ist festzustellen, dass über die einzelnen Themen leichter zu sprechen als zu schreiben ist. Der Hintergrund dieser Erfahrung sind oft die im schriftlichen ungeübten Teams bzw. Erzieherinnen. Deshalb ist zu empfehlen, schon die ersten Diskussionen nach Bildung der Prioritätenliste (ab 7. Schritt) jeweils von einem bzw. zwei Mitgliedern des Teams protokollieren zu lassen. Diese ersten Niederschriften können besser als mündliche Beiträge daraufhin geprüft werden, ob Gesichtspunkte noch fehlen, ob Ausdruck und Verständlichkeit dem gewünschten Maßstab des gesamten Konzeptes entsprechen usw. Die rechtzeitige Verschriftlichung ist außerdem die beste Kontrolle des bisher geleisteten Entwicklungsprozesses und dient in jedem Fall dazu, den Gesamtüberblick zu behalten und die Arbeit möglichst effektiv fortführen und abschließen zu können. Dafür werden für jeden Themenbereich der Prioritätenliste (6. Schritt) ein oder zwei Personen benannt, so dass letztlich jedes Teammitglied mindestens ein bis zwei Mal) die Diskussion im Team mitschreiben sollte. Zu einem vereinbarten Zeitpunkt sind alle Protokolle für jedes Mitglied zu kopieren.

Die Überarbeitung eines Protokolls gelingt leichter, wenn zunächst das gesamte Schriftstück vorgelesen und dann erst Absatz für Absatz diskutiert und verändert wird. Zu einem weiter vereinbarten Zeitpunkt sind die überarbeiteten Protokolle von der jeweiligen Arbeitsgruppe wieder allen zugänglich zu machen (Kopien). Insgesamt zahlt es sich aus, wenn mindestens drei Verschriftlichungsdurchgänge pro Thema bzw. Kapitel eingeplant und realisiert werden.

IV. Vierte Phase: Herstellung und Veröffentlichung des Konzeptes

1. Schrift und Layout

Liegen alle Themen, die das endgültige Konzept enthalten soll vor, sollten bereits Bilder, Zeichnungen, Fotos usw. zur Auswahl gesammelt worden sind.

Aufgabe: Bereits ab der zweiten Phase werden in einem Kasten, der in der Küche bzw. im Mitarbeiterzimmer aufgestellt ist, Fotos, Bilder, Grafiken, Sprüche usw. gesammelt. Nach Abschluss der letzten Manuskriptkorrektur (dritte Protokolllesung) wird gemeinsam entschieden,

  • ob und welche Bilder eingefügt werden sollen,
  • Schrifttyp: a) Überschriften, b) allgemeiner Text,
  • Anwendung von Kursiv oder Fettdruck (möglichst nicht beides gleichzeitig!) zur Hervorhebung einzelner Worte,
  • Art der Bilder (eigene Fotos, Fotos aus Zeitschriften, Kinderzeichnungen usw.),
  • Anordnung der Texte und Bilder pro Seite usw.

Rechtzeitig ist eine Schreibmöglichkeit festzuhalten, die gewährleistet, dass auch nachträgliche Einfügungen möglich sind (z. B. Diskette aus dem Schreibbüro des Trägers).

2. Drucklegung

Aufgabe: Klären der Anzahl von benötigten Exemplaren: Wer soll alles ein fertiges Konzept erhalten? (z.B. jedes Mitglied des Teams, Elternvertreter und Vertreterinnen, Jugendhilfeausschuss, Sozial- und Jugendamtsleitung, gegebenenfalls Kinderärzte [Wartezimmer!] und andere wichtige Personen und Einrichtungen der Gemeinde). Bewährt hat sich, dass im Kindergarten selber pro Gruppe mindestens vier bis sechs Exemplare zum Ausleihen durch die Eltern vorhanden sind und weitere Exemplare für einen Selbstkostenpreis (ca. 1 bis 5 DM) von den Erziehungsberechtigten erworben werden können. (Achtung: "Was nichts kostet und wie Reklame gestreut wird, ist nichts wert!" heißt es ....)

3. Strategien zur Öffentlichkeitsarbeit mit dem pädagogischen Konzept

Zur offiziellen Information der Eltern und der Öffentlichkeit (Presse) wird ein geeigneter Termin zu suchen sein, an dem im Rahmen eines Festes, eines Elternabends oder ähnlichem das Konzept vorgestellt wird. Dazu sind die Presse einzuladen, die Vertreter des Trägers, des Jugendhilfeausschusses und andere VIPs ("wichtige Leute"). Mit der Vorstellung des Gesamtkonzeptes sollte behutsam umgegangen werden: nicht alle anwesenden Menschen werden immer Pädagogen sein und einer Verlesung der Kapitel folgen wollen. Es ist hinreichend, in einer kurzen Ansprache über die Existenz eines Konzeptes und über die Absicht zu informieren, mit diesem Konzept die künftige Arbeit begleiten zu wollen. Es können an Elternabenden einzelne Kapitel des Konzeptes erinnert werden, vorgelesen werden, in verteilten Rollen spielerisch "übersetzt" und diskutiert werden. Beim Einführungstreffen für Eltern mit neu angemeldeten Kindern wird in jedem Fall auf das Konzept hingewiesen.

V. Fünfte Phase: Fortschreibung eines bereits vorhandenen Konzeptes

Nach der Erstherstellung eines pädagogischen Konzeptes kann sich die Situation verändern: durch anderes Personal, neue Schwerpunkte usw. Daher ist es ratsam, etwa alle drei Jahre in einer Mitarbeiterbesprechung das vorliegende Konzept zu überprüfen, wie weit die Aussagen mit den aktuellen Ansichten und Arbeitsplatzverhältnissen noch übereinstimmen oder nicht. Im Einzelnen hat eine Fortschreibung des vorhandenen Konzeptes danach zu fragen:

  • Haben sich neue Arbeitsschwerpunkte herausgebildet (z.B. integratives Arbeiten)?
  • Welche Veränderungen sind in der Elternschaft in den letzten Jahren zu beobachten gewesen?
  • Welche Fähigkeiten und Interessen haben neue Teammitglieder eingebracht?
  • Ist in der Jugendhilfeplanung zur Gemeinde bzw. zum Stadtviertel eine Veränderung entstanden ( § 81 KJHG)?

Unter dem Aspekt neuerer Steuerungsmodelle zur Qualitätskontrolle wird bei der Fortschreibung des pädagogischen Konzeptes verstärkt auf Elemente der Qualitätssicherung zu achten sein. Es empfiehlt sich, dieser Diskussion nicht auszuweichen und sie bewusst und kritisch zu führen. (Eine Kurzfassung dieser Empfehlungen finden Sie auch in: Hopf, Arnulf: Eine Einrichtung mit Profil! In: Kindergarten heute, 9/1998, S.6-11)

Autor

Prof. Dr. Arnulf Hopf
C.v.O.Universität Oldenburg
Erziehungswissenschaftliches Institut
Ammerländer Heerstr. 104 - 110
26129 Oldenburg
Tel: 0441/798-2360 oder 04486/2060