Kindergartenpädagogik
- Online-Handbuch -

Herausgeber: Martin R. Textor

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Nikolausfeier in einer Eltern-Kind-Gruppe

Michael Schnabel

 

Vorüberlegungen

Viele Fragen und Befürchtungen werden hitzig und emotional diskutiert, seit die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ankündigte, dass das Betreuungsangebot für Kinder unter drei erheblich ausgeweitet werden soll: Nehmen Kinder durch die frühe Betreuung außerhalb der Familien Schaden? Ist es unverantwortlich, wenn Mütter ihr zweijähriges Kind in eine Krippe geben? Wollen Eltern ihre Kinder in die Krippe geben?

Neben diesen Befürchtungen und Vorurteilen gibt es bereits konkrete Pläne, wie dieser Ausbau von Krippenplätzen realisiert werden solle. Auch die Kirchen wollen sich bei dieser Erweiterung des Betreuungsangebots engagieren. Dabei ergeben sich neue Herausforderungen: Wie kann mit Kindern unter drei religiöse Erziehung vor sich gehen? Wie erleben Kleinkinder religiöse Inhalte?

Vorbilder könnten Erfahrungen aus Eltern-Kind-Gruppen sein, in denen ganz bewusst auch Aktionen und Feiern zur religiösen Erziehung praktiziert werden. Die folgende Nikolausfeier enthält Elemente, wie sie auch in Kinderkrippen oder Kindergärten übernommen werden könnten.

Ablauf der Nikolausfeier

Die Gruppenleiterin aus der Pfarrei Herz Marien in Regensburg berichtet: "Einige Wochen vor dem Nikolaustag erzähle ich in meiner Gruppe: der hl. Nikolaus hat bald Namenstag. Ich erkläre den Kindern und Eltern: Nikolaus war ein Bischof, der in Myra gelebt hat. Als er noch lebte, hat er vielen Menschen geholfen und die Armen beschenkt.

Wie Nikolaus zum Bischof von Myra bestimmt wurde

Michael Schnabel

 

In der Stadt Myra war der Bischof gestorben. Deshalb haben sich die Bischöfe des Landes versammelt, um einen neuen Bischof auszuwählen. Der Leiter der Bischofsversammlung - ein alter und ehrwürdiger Mann, der im ganzen Land geachtet und verehrt wurde, forderte die versammelten Bischöfe auf, mit Sorgfalt und mit Hilfe Gottes den richtigen Mann zu bestimmen.

Jedoch die Bischofversammlung konnte sich nicht einigen: Immer wieder gab es neue Vorschläge, wurden Kandidaten abgelehnt, bildeten sich Gruppen, die einen anderen zum Bischof weihen wollten. Da hatte in der Nacht der Leiter der Bischofsversammlung einen Traum: Ein Engel gab ihm folgende Anweisung: "Wer Morgen in aller Frühe als erster die Kathedrale betritt, der soll zum neuen Bischof geweiht werden." Sofort stand er auf, obwohl es noch stockdunkle Nacht war, und wartete an der Pforte der Bischofskirche. Beim Morgengrauen ging Nikolaus zur Kirche, um beim ersten Gottesdienst zu beten. Als er die Kirchtüre öffnete, ging der Leiter der Bischofsversammlung zu ihm und fragte nach seinen Namen. Nikolaus antwortete: "Auf den Namen Nikolaus wurde ich getauft, und ich bin ein Diener und Knecht Gottes und seines Sohnes Jesus Christus." Der Bischof eröffnete ihm: "Du bist auserwählt als Bischof für die Stadt Myra!" Nikolaus wollte nicht annehmen und wehrte ab: "Ich kann die Aufgaben eines Bischofs nicht erfülle. Es gibt doch viele kluge Männer. Nehmt bitte einen anderen!" Der alte Bischof antwortete: "Nicht wir haben dich gewählt, sondern Gott selbst hat dich als Bischof bestimmt. Den Anruf Gottes soll der Mensch nicht abschlagen!"

Da willigte Nikolaus ein, und die versammelten Bischöfe waren hoch erfreut, einen so guten Bischof gefunden zu haben. Als dann Nikolaus in der Kathedrale zum Bischof gewählt wurde klatschten alle Leute und jubelten ihm zu. Denn Nikolaus war bereits in der ganzen Stadt bekannt, weil er vielen armen und einsamen Menschen geholfen hatte.

(Der Text ist erschienen in: Was + Wie. Kinder religionspädagogisch begleiten 2008, Heft 4, S. 113-134)

In den nächsten Treffen basteln wir Musikinstrumente, damit wir dem Nikolaus etwas vorspielen können. Wir üben mit diesen Instrumenten einige Nikolauslieder. In der Woche des Nikolaustags wird die Nikolausfeier gehalten. Die Eltern und Kinder treffen sich im Gruppenraum und schmücken den großen Tisch mit Kerzen und Zweigen. Ein Adventskranz steht in der Mitte des Tisches. Die Eltern haben Punsch, Tee, Kaffee und Kostproben aus der Weihnachtsbäckerei mitgebracht. Ich sammle vorher die Geschenktüten ein. Sie werden in einen großen Sack gesteckt, den dann der Nikolaus bringen soll. Nachdem alle gemütlich zusammensitzen, lese ich noch eine kurze Geschichte vom Nikolaus vor.

Dann kommt Herr Winter, der für uns den Nikolaus spielt. Er wird den Kindern und Eltern vorgestellt. Eltern und Kinder spielen zusammen mit Herrn Winter unsere Lieblingsspiele. So werden die Kinder mit dem angehenden Nikolaus vertraut. Er erklärt den Kindern, dass er gekommen ist, um mit uns das Nikolausfest zu feiern. Nikolaus lebte vor langer Zeit und war ein Bischof. Er hat den Menschen viel Gutes getan und hat die Kinder beschenkt. Zur Erinnerung an den guten Bischof Nikolaus spielen wir jedes Jahr an seinen Namenstag das Gleiche: Einer verkleidet sich als Nikolaus und beschenkt die Kinder."

Herr Winter erklärt: "Damit wir Nikolaus feiern können, muss ich mich erst verkleiden. Hier in dieser Schachtel sind die Sachen, die ein Nikolaus braucht. Wir schauen uns jetzt gemeinsam an, welche Kleider zu einem Nikolaus gehören." Die Kinder dürfen nun die Kleidungsstücke selbst herausnehmen und anprobieren. Nachdem die meisten Kinder Mitra, Handschuhe und Rock anprobiert haben, zieht sich Herr Winter an und die Kinder helfen ihm dabei. Die einzelnen Kleidungsstücke werden erklärt: "Ihr habt ja gehört, Nikolaus war ein Bischof. Nun schaut, was ein Bischof anzieht. Hier das große weiße Hemd. Wissen vielleicht die Eltern, wie dieses Hemd heißt? - Albe! Wer hat noch so ein Hemd an? - Der Priester in der Kirche! Jetzt kommt der Gürtel für das Hemd. Er heißt Zingulum. Jetzt ziehe ich den feierlichen Mantel an. Er heißt Rauchmantel, weil ihn der Priester bei ganz hohen Festtagen trägt und dabei ein Rauchfass benutzt. Dann kommen noch der Bart, die Mitra, die Handschuhe, der Bischofsstab und das goldene Buch. Jetzt können wir mit dem Nikolausspiel beginnen. Dazu gehe ich vor Tür, klopfe an die Tür, ihr singt Nikolauslieder, und ich verteile die Geschenke und lese aus dem Buch vor, in dem die Eltern aufgeschrieben haben, was ihr schon alles könnt."

Der Nikolaus kommt ins Gruppenzimmer und spricht: "Liebe Kinder und Eltern, ich bedanke mich recht herzlich für die Musik und den Gesang. Ihr Kinder wartet sicher schon auf eure Geschenke. Ich schlage jetzt mein Buch auf und rufe die einzelnen Kinder heraus. Ihr dürft dann zu mir herauskommen, und ich sage euch, was in diesem Buch aufgeschrieben wurde (die Eltern wurden angehalten, nur positive Verhaltensweisen der Kinder aufzuschreiben) und jedes Kind bekommt sein Geschenk."

Die einzelnen Kinder werden vom Nikolaus mit Handschlag begrüßt, und es werden die Taten aus dem Buch vorgelesen. Dann erhält jedes Kind seine Tüte. Wenn einige Kinder nicht allein zum Nikolaus kommen wollen, so werden sie von den Eltern begleitet.

Ein Tipp aus der Praxis: Wenn der Nikolaus in die Hocke geht und freundlich mit den Kindern spricht, so verlieren die meisten Kinder ihre Angst, und es kann sogar zu einem Gespräch kommen. Er soll sich für jedes Kind Zeit nehmen und feierlich und langsam das Geschenk überreichen. Bei den Gesprächen mit den Kindern stößt der Nikolaus auf besondere Fähigkeiten der Kinder: Ein Kind singt gerne, ein Kind turnt gerne, ein Kind kann zaubern und vieles mehr. Wenn die Kinder entsprechend ermuntert werden, ihr Können zu zeigen, so kommt die ganze Gruppe zum Singen und Spielen.

Nach der Verteilung der Geschenke singen Eltern und Kinder dem Nikolaus noch mal ein Lied. Dann setzen sich alle an einen Tisch und essen und trinken gemeinsam. Der Nikolaus sitzt im vollen Ornat unter den Eltern und Kindern. Manche Kinder werden dabei so zutraulich, dass sie beim Nikolaus auf dem Schoss sitzen wollen.

Am Ende der Feier verabschiedet der Nikolaus jedes Kind, jede Mutter und jeden Vater persönlich und wünscht schöne Weihnachten.

Religionspädagogische Überlegungen

Bei Kindern unter drei sollen vor allem die Handlungselemente der Nikolausfeier mit Sorgfalt gestaltet werden. Kinder in diesem Alter sind schnell überfordert von Erklärungen. Daher müssen Kleinkinder durchwegs etwas zu tun und zu beobachten haben. Mehr noch: Kinder unter drei brauchen Gelegenheiten zum Anfassen, zum Schmecken, Riechen, Essen und Trinken. Nur so wird die Feier zum Erlebnis und eine religiöse Aktion - nicht langweilig und von Ermahnungen zum Ruhigsein durchsetzt.

Und dennoch soll auch bei dieser Feier der Hinweis auf den Bischof Nikolaus, der geholfen hat und Gutes tat, nicht fehlen. In der hier beschriebenen Nikolausfeier werden die religiösen Inhalte durch das praktische Tun des Auspackens und Anprobierens der Nikolauskleider erlebnisnah vermittelt. Zugleich wird die Angst der Kinder vor dem Nikolaus erheblich gemindert. In Eltern-Kind-Gruppen besteht die Chance, auch das Wissen der Eltern in die Erläuterung einzubeziehen. So können viele Inhalte mit der Gruppe erarbeitet werden.

Wenn der Nikolausspieler sehr einfühlsam auf die Kinder zugeht, so kann es gelingen, dass eine freundliche und ansprechende Atmosphäre in der Gruppe entsteht. Viel trägt dazu auch das gemeinsame Essen und Trinken bei. Wenn dann der Nikolaus noch anwesend ist und sich beteiligt, finden die Kinder zu ihm einen freundschaftlichen Zugang.

Nicht jeder Vater ist geeignet, geduldig auf die Kinder einzugehen und einfühlsam und freundlich mit ihnen zu sprechen. Daher soll der Nikolausdarsteller (oder auch die Nikolausdarstellerin) sehr bewusst ausgewählt und seine Rolle möglichst genau festgelegt werden.