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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung - zwischen 2006 und 2008 um 725 Euro gestiegen!?Martin R. Textor
Das Statistische Bundesamt stellt eine Unmenge an Daten zur Kindertagesbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung. In Tabelle 1 wurden die Zahlen der 2006, 2007 und 2008 in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Tagespflege betreuten Kinder addiert (Bundesamt für Statistik 2007b, c; 2008a, b, c, d). Die Angaben über die reinen Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesstätten und über die Einzelförderung von Kindern in Einrichtungen und Tagespflege für die Jahre 2006, 2007 und 2008 wurden in dieser Form vom Bundesamt für Statistik (2007a, 2009a, b) veröffentlicht. In diesen Ausgaben sind die Elternbeiträge und Finanzierungsanteile der Träger der freien Jugendhilfe nicht enthalten. Auf dieser Grundlage wurden die Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung pro Kind berechnet, indem die Ausgaben addiert und durch die Zahl der betreuten Kinder dividiert wurden. Die ermittelten Werte ermöglichen einen Vergleich der Pro-Kopf-Ausgaben der einzelnen Bundesländer. Allerdings ist der Vergleich relativ grob, da z.B. Faktoren wie die unterschiedlichen Versorgungsquoten bei - teuren - Plätzen für unter Dreijährige und bei Ganztagsplätzen nicht berücksichtigt werden (vgl. Textor 2009).
Der zweiten Spalte der Tabelle 1 kann entnommen werden, dass zwischen 2006 und 2008 die Zahl der in Einrichtungen und Tagespflege betreuten Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren bundesweit leicht von 3.014.757 auf 3.103.968 anstieg. In den einzelnen Bundesländern verlief die Entwicklung aber ungleichmäßig: Während in den meisten Ländern die Zahl der betreuten Kinder zunahm, sank sie hingegen in Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland; der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote stagnierte in Rheinland-Pfalz und in Thüringen. Zu beachten ist, dass in der dritten und vierten Spalte der Tabelle 1 nur die reinen Kosten der Bundesländer und der Kommunen berücksichtigt wurden. Die Gesamtausgaben pro Kind sind somit höher, wenn man auch die Ausgaben der freien Träger von Kindertageseinrichtungen (z.B. Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbände, Vereine) und der Eltern einbeziehen würde. Deren Anteil an den Kosten ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich (zu den Elternbeiträgen vgl. Textor 2009). Veränderungen der Ausgaben pro Kind zwischen 2006 und 2007 Bei der fünften Spalte der Tabelle 1 fällt sofort ins Auge, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung sehr groß sind und sich innerhalb nur eines Jahres stark verändert haben. Bundesweit gesehen, stiegen die Pro-Kopf-Beträge von 3.464 Euro (2006) auf 3.880 Euro (2007) - also um 416 Euro. Allerdings verlief die Entwicklung bei den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich: Während elf Länder die Pro-Kopf-Ausgaben steigerten (Hessen um 727 Euro, Niedersachen um 484 Euro, Bayern um 347 Euro, Nordrhein-Westfalen um 346 Euro, Schleswig-Holstein um 211 Euro, Baden-Württemberg um 207 Euro, Rheinland-Pfalz um 151 Euro, Thüringen um 131 Euro, Bremen um 122 Euro, Sachsen um 77 Euro, Hamburg um 70 Euro), sanken sie in fünf Ländern - zum Teil extrem (Berlin um 606 Euro, Mecklenburg-Vorpommern um 113 Euro, Sachsen-Anhalt um 92 Euro, Saarland um 57 Euro, Brandenburg um 43 Euro). Während Berlin und das Saarland trotz des Rückgangs bei den Pro-Kopf-Ausgaben weiterhin über dem bundesweiten Durchschnitt von 3.881 Euro lagen, fielen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt dahinter (noch weiter) zurück. Veränderungen der Ausgaben pro Kind zwischen 2007 und 2008 In diesem Zeitraum stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung bundesweit gesehen von 3.880 auf 4.189 Euro, also um 309 Euro. In allen Bundesländern wurden die Ausgaben erhöht - mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, wo sie stark sanken (um 872 Euro pro Kind). Dies wurde in der von mir erbetenen Stellungnahme des Statistischen Bundesamtes vom 30.12.2009 damit erklärt, dass die Daten für 2008 um Doppelmeldungen des überörtlichen Trägers bereinigt wurden - die Ergebnisse der Vorjahre seien also zu hoch gewesen. Die vier Bundesländer, in denen die Pro-Kopf-Ausgaben zwischen 2006 und 2007 sanken, haben wieder aufgeholt und gaben 2008 mehr Geld pro Kind aus als 2006. Das Saarland steigerte den Betrag von 2006 sogar um 673 Euro und Brandenburg um 314 Euro, während die Steigerung bei Sachsen-Anhalt mit 126 Euro und bei Berlin mit 34 Euro gemäßigter ausfiel. Der Anstieg der Pro-Kopf-Ausgaben zwischen 2007 und 2008 war in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich hoch - in folgender Reihenfolge: um 730 Euro im Saarland, um 640 Euro in Berlin, um 609 Euro in Bayern, um 497 Euro in Bremen, um 435 Euro in Nordrhein-Westfalen, um 363 Euro in Hamburg, um 357 Euro in Brandenburg, um 310 Euro in Rheinland-Pfalz, um 265 Euro in Hessen, um 264 Euro in Baden-Württemberg, um 218 Euro in Sachsen-Anhalt, um 190 Euro in Thüringen, um 170 Euro in Schleswig-Holstein, um 156 Euro in Sachsen und um 49 Euro in Niedersachsen. Unterschiede zwischen den Bundesländern: 2008 In acht Bundesländern waren die Ausgaben pro Kind für Kindertagesbetreuung laut Tabelle 1 im Jahr 2008 überdurchschnittlich:
Dementsprechend lagen in weiteren acht Bundesländern die Pro-Kopf-Beträge unter dem Durchschnitt:
Die Spannbreite der Ausgaben ist somit sehr groß: Berlin gab mit 7.116 Euro pro Kind mehr als doppelt so viel aus wie Mecklenburg-Vorpommern mit 2.698 Euro. Nachdem 2007 die Bandbreite im Vergleich zu 2006 geringer geworden war, hat sie sich 2008 wieder vergrößert; im Jahr 2006 lag sie zwischen 7.082 Euro (Berlin) und 2.925 Euro (Bayern). Was die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern erklären könnte, wurde bereits an anderer Stelle erörtert (siehe Textor 2009). Problematisch ist die Situation in den drei (ostdeutschen) Bundesländern, in denen die Pro-Kopf-Ausgaben weit unterdurchschnittlich sind. Dies trifft besonders auf Mecklenburg-Vorpommern zu, wo sich der Abstand zu den anderen Ländern weiter vergrößert hat - ein weiteres Zurückfallen gegenüber den anderen Bundesländern sollte also unbedingt vermieden werden. Kritische Anmerkungen Während die Ausgaben der Bundesländer für Kindertagesbetreuung bzw. die Pro-Kopf-Beträge Sinn machen, wenn man nur ein Jahr betrachtet, werfen sie bei dem in Tabelle 1 erfolgten Drei-Jahres-Vergleich viele Fragen auf. Schon ein Anstieg der bundesweiten Pro-Kopf-Ausgaben um 725 Euro innerhalb von nur drei Jahren ist nicht nachvollziehbar - geschweige denn eine Zunahme um 992 Euro wie in Hessen oder um 781 Euro wie in Nordrhein-Westfalen. So viele Halbtagsplätze für Kindergartenkinder können gar nicht in "teuere" Ganztagsplätze oder in Plätze für unter Dreijährige umgewandelt worden sein, als dass die Ausgaben pro Kind in diesem Maße angestiegen sein könnten. Und Qualitätsstandards wie Gruppengröße, Erzieherin-Kind-Schlüssel und Qualifikation der Fachkräfte können sich in drei Jahren auch nicht so sehr verändert haben, als dass man hier eine Erklärung für die Zunahme finden könnte. Nach derzeitigem Erkenntnisstand dürften vielmehr die Qualitätsstandards in den Bundesländern zwischen 2006 und 2008 weitgehend gleich geblieben sein. Da sich in den meisten Bundesländern auch die gesetzlichen Grundlagen zwischen 2006 und 2008 nicht nennenswert geändert haben, sind erst recht nicht die großen Schwankungen bei den Pro-Kopf-Ausgaben mancher Bundesländer zu erklären. Beispielsweise sollen sie in Berlin laut Tabelle 1 von 2006 auf 2007 um 606 Euro gefallen und von 2007 auf 2008 um 640 Euro gestiegen sein, während sie im Saarland und in Brandenburg zunächst um 57 bzw. 43 Euro sanken und dann um 673 bzw. 314 Euro anstiegen. Solche Schwankungen sind nicht nachzuvollziehen. Vergleich der Jugendhilfestatistik mit dem Bildungsfinanzbericht Die für die Berechnung der Pro-Kopf-Beträge verwendeten Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe beruhen auf Daten, die von den Kommunen geliefert wurden. Diese wurden von den Statistischen Landesämtern gesammelt, aufbereitet, ausgewertet und an das Statistische Bundesamt weitergeleitet. Offen bleibt, wie verlässlich die Daten der Kommunen sind. So wird behauptet, dass es oft Widersprüche zu den staatlichen und kommunalen Finanzstatistiken gäbe. So sollen nun die verwendeten Statistiken mit denen des Bildungsfinanzberichts (Statistisches Bundesamt 2009c) verglichen werden. Hier wurden "die Basisdaten den Haushaltsrechnungen von Bund, Ländern und Gemeinden entnommen, ggf. um bildungsfremde Leistungen bereinigt oder vervollständigt" (S. 14). Zurückgegriffen wurde vor allem auf Jahresrechnungs-, Haushaltsansatz- und Kassenstatistiken. Tabelle 2 verdeutlicht, dass es teilweise große Unterschiede zwischen den Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe einerseits und den Statistiken des Bildungsfinanzberichts andererseits gibt:
Vergleicht man in Tabelle 2 nur die Zahlen für 2006, die auch beim Bildungsfinanzbericht als endgültig gelten, und beschränkt man sich bloß auf Unterschiede im achtstelligen Bereich, sind trotzdem große Differenzen zwischen den Daten festzustellen. Laut den Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe gab Berlin knapp 103 Mio., Schleswig-Holstein fast 80 Mio., Mecklenburg-Vorpommern knapp 60 Mio., Baden-Württemberg über 57 Mio., Hessen fast 49 Mio., Saarland knapp 18 Mio. und Bremen über 10 Mio. Euro mehr für Kindertagesbetreuung aus als laut Bildungsfinanzbericht. Hingegen gaben Bayern über 677 Mio., Nordrhein-Westfalen über 131 Mio., Brandenburg knapp 18 Mio., Sachsen über 10 Mio. und Sachsen-Anhalt knapp 10 Mio. weniger aus. Die Werte für die gesamte Bundesrepublik lagen bei den Jugendhilfestatistiken um mehr als 456 Mio. unter denen des Bildungsfinanzberichts - also fast um eine halbe Milliarde Euro! Noch größer sind die Unterschiede bei den Ausgaben für Kindertagesbetreuung im Jahr 2007: Laut Bildungsfinanzbericht gaben Bund, Länder und Gemeinden 1,636 Mrd. Euro mehr für Kindertagesbetreuung aus als laut der Jugendhilfestatistik. Allerdings wurden die Daten des Bildungsfinanzberichts für 2007 als vorläufig bezeichnet. Offensichtlich ist, dass sich nach dem Bildungsfinanzbericht andere Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung ergeben als nach den Jugendhilfestatistiken: Sie betrugen 3.615 Euro für 2006 und 4.415 Euro für 2007 - ein Anstieg um 800 Euro. Nach den Jugendhilfestatistiken ergaben sich nur Pro-Kopf-Beträge von 3.464 bzw. 3.880 Euro; das waren also 151 bzw. 535 Euro weniger. Da die Zahlen des Bildungsfinanzberichts für 2007 noch vorläufig sind, könnten die "echten" Ausgaben natürlich unter den genannten Werten liegen - bei einem "vorläufigen Ist" sollten die Differenzen aber nicht allzu groß sein. Vergleich des Ländermonitors 2009 der Bertelsmann-Stiftung mit Jugendhilfestatistik und Bildungsfinanzbericht Solche Pro-Kopf-Ausgaben wurden von der Bertelsmann-Stiftung (2009) veröffentlicht, allerdings nicht auf der Grundlage des Bildungsfinanzberichts, sondern der Veröffentlichungen "Finanzen und Steuern. Rechnungsergebnisse der kommunalen Haushalte. Sonderauswertung der Dreisteller HUA 454 und 464 durch das Statistische Bundesamt nach dem Schema der Tabelle 4 der Fachserie 14, Reihe 3.3" und "Finanzen und Steuern. Rechnungsergebnisse der öffentlichen Haushalte für soziale Sicherung und für Gesundheit, Sport, Erholung. Fachserie 14, Reihe 3.5" des Statistischen Bundesamtes. Es wurden "reine Nettoausgaben der öffentlichen Haushalte (ohne Elternbeiträge und Anteile der freien Träger) für die FBBE (einschließlich Ausgaben für Hortangebote) pro unter 10-jährigem Kind" in den Bundesländern für das Jahr 2006 ermittelt (FBBE = frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung). In Tabelle 3 werden die Pro-Kopf-Ausgaben laut Ländermonitor 2009 mit denen auf Grundlage der Jugendhilfestatistik verglichen. Dazu mussten die in Tabelle 1 genannten Werte auf die Anzahl der unter 10-jährigen Kinder umgerechnet wurden. Dies geschah, indem für jedes Bundesland die "reinen Ausgaben für Kindertageseinrichtungen" laut Spalte 3 der Tabelle 1 und die Ausgaben zur "Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und in Tagespflege" laut Spalte 4 der Tabelle 1 - immer bezogen auf das Jahr 2006 - addiert und durch die Anzahl der unter 10-jährigen Kinder (Quelle: Bertelsmann Stiftung 2008) laut Spalte 2 der Tabelle 3 dividiert wurden. Analog wurden Pro-Kopf-Ausgaben für das Jahr 2006 nach dem Bildungsfinanzbericht berechnet, indem die Ausgaben der Bundesländer laut Spalte 3 der Tabelle 2 durch die Anzahl der unter 10-jährigen Kinder laut Spalte 2 der Tabelle 3 dividiert wurden.
Vergleich der Spalten 3 und 4: Die Ausgaben pro unter 10-jährigem Kind für das Jahr 2006 lagen laut Ländermonitor 2009 bei acht Bundesländern höher als die Pro-Kopf-Ausgaben laut Jugendhilfestatistik: bei Brandenburg um 156 Euro, bei Nordrhein-Westfalen um 111 Euro, bei Sachsen-Anhalt um 107 Euro, bei Hamburg um 102 Euro, bei Sachsen um 67 Euro und bei Rheinland-Pfalz um 51 Euro. Diese schon sehr hohen Unterschiede zwischen den Pro-Kopf-Ausgaben laut Ländermonitor bzw. laut Jugendhilfestatistik werden noch getoppt, wenn man in die andere Richtung schaut: Nach dem Ländermonitor gab Mecklenburg-Vorpommern 2006 sage und schreibe 461 Euro weniger pro unter 10-jährigem Kind aus als nach der Jugendhilfestatistik. Bei Bremen waren es 211 Euro und beim Saarland 174 Euro weniger. Vergleich der Spalten 3, 4 und 5: Die Ausgaben pro unter 10-jährigem Kind lagen beim Ländermonitor mit einer Ausnahme (Bremen: -22 Euro) immer über denen des Bildungsfinanzberichts, wobei die größten Unterschiede - um mindestens 50 Euro - bei Schleswig-Holstein (+261 Euro), Hamburg (+84 Euro), Hessen (+63 Euro), Brandenburg (+62 Euro), Rheinland-Pfalz (+51 Euro) und Sachsen-Anhalt (+50 Euro) auftraten (wobei Berlin wegen der unvollständigen Datenlage nicht berücksichtigt wurde). Bei der Jugendhilfestatistik ist das Bild weniger einheitlich: Neun Länder lagen über den Pro-Kopf-Werten des Bildungsfinanzberichts - um mindestens 50 Euro waren dies Mecklenburg-Vorpommern (+478 Euro), Berlin (+373 Euro), Schleswig-Holstein (+299 Euro), Saarland (+214 Euro), Bremen (+189 Euro), Hessen (+87 Euro) und Baden-Württemberg (+55 Euro). Fünf Länder (wobei Bayern wegen der unvollständigen Datenlage nicht berücksichtigt wurde) lagen darunter - um mindestens 50 Euro Brandenburg (-94 Euro), Nordrhein-Westfalen (-77 Euro) und Sachsen-Anhalt (-57 Euro). Die Werte für Rheinland-Pfalz waren identisch - was vermutlich nur ein Zufall ist. Schlusswort Seitens des Statistischen Bundesamtes wurden die großen Differenzen zwischen den Pro-Kopf-Ausgaben für das Jahr 2006 laut Jugendhilfestatistik, Bildungsfinanzbericht und Ländermonitor mit "Unterschieden in den methodischen Grundlagen der Erhebungen" erklärt (Stellungnahme vom 30.12.2009). Hinzu kämen Besonderheiten auf der Länderebene und die vielerorts erfolgte Umstellung der Haushaltsführung von Kameralistik auf Doppik (kaufmännische Buchführung). In einer Mail vom 08.01.2010 wurde vom Statistischen Bundesamt ergänzt, dass beim Ländermonitor der Bertelsmann-Stiftung die Daten der Finanzstatistiken von den Länderministerien überprüft wurden, wobei es teilweise zu Korrekturen der Ergebnisse gekommen sei. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt noch einmal die Spalten 3 und 5 in Tabelle 3, so muss man feststellen, dass einige Bundesländer die Finanzstatistiken bei der Überprüfung wohl ganz schön erhöht haben - schließlich lagen die Pro-Kopf-Ausgaben laut Ländermonitor um bis zu 261 Euro über denen des Bildungsfinanzberichts, der ebenfalls auf den Finanzstatistiken beruht. Die Erklärungen des Statistischen Bundesamtes wären akzeptabel, wenn sich die Unterschiede zwischen den Pro-Kopf-Ausgaben laut Jugendhilfestatistik und Bildungsfinanzbericht im einstelligen oder meinetwegen auch im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen würden. Dies ist aber nicht der Fall. Ferner sollten die Tendenzen stimmen, also z.B. die Ausgaben pro Kind auf Grundlage der Finanzstatistiken immer über denen der Jugendhilfestatistik liegen (bzw. umgekehrt). Auch das ist nicht der Fall. Bisher wurden Pro-Kopf-Ausgaben der Bundesländer für mehrere aufeinander folgende Jahre von mir nur anhand der Jugendhilfestatistiken berechnet. Hier dürften die großen Sprünge bei den Beträgen pro Kind innerhalb von nur drei Jahren - bei vier Ländern sogar in beide Richtungen! - nur schwer zu erklären sein. Fazit: Alle Veröffentlichungen über die Gesamtausgaben von Bundesländern und Kommunen für Kindertagesbetreuung sollten deshalb mit Vorsicht betrachtet werden! Anmerkungen Die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Kindertagesbetreuung und zu den Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe können auf www.destatis.de/publikationen aufgerufen werden. Dazu sind im Feld "Schnellsuche" die Begriffe "Tageseinrichtungen" bzw. "Tagespflege" oder "Ausgaben Jugendhilfe" einzugeben. Im November 2010 erschien - auch als Resonanz auf diesen Artikel - ein Beitrag von Franz-Josef Kolvenbach mit dem Titel "Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung" in der Zeitschrift "Wirtschaft und Statistik". In ihm wurden die Unterschiede zwischen Jugendhilfe- und Finanzstatistik sowie - bezogen auf das Jahr 2006 - die Gründe dafür herausgearbeitet. Literatur Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2008. Gütersloh: 2008 Bertelsmann-Stiftung: Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009. Hier: Tab. 21 | LM09 Reine Nettoausgaben der öffentlichen Haushalte (ohne Elternbeiträge und Anteile der freien Träger) für die FBBE (einschließlich Ausgaben für Hortangebote) pro unter 10-jährigem Kind 2001 bis 2006 in den Bundesländern (Angaben in Euro). http://www.laendermonitor.de/#id=2_3_6 (abgerufen am 18.12.2009) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Ausgaben und Einnahmen 2006. Revidierte Ergebnisse. Wiesbaden 2007a (S. 15-16, 25-26) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen am 15.03.2006. Revidierte Ergebnisse. Wiesbaden 2007b (S. 70-71) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 15.03.2006. Wiesbaden 2007c (S. 18-19) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen am 15.03.2007. Revidierte Ergebnisse. Wiesbaden 2008a (Tabelle LT2) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen am 15.03.2008. Wiesbaden 2008b (Tabelle LT2) Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 15.03.2007. Revidierte Ergebnisse. Wiesbaden 2008c (Tabelle LT1) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 15.03.2008. Wiesbaden 2008d (Tabelle LT1) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Ausgaben und Einnahmen 2007. Revidierte Ergebnisse. Wiesbaden 2009a (Tabellen LT1 und LT2.5) Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Ausgaben und Einnahmen 2008. Wiesbaden 2009b (Tabellen LT1 und LT2.5) Statistisches Bundesamt: Bildungsfinanzbericht 2009. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden 2009c (S. 108) Textor, M.R.: In Berlin ist ein Kleinkind doppelt so viel wert wie in Bayern: Zum Zusammenhang von Ausgaben, Qualitätskriterien, Betreuungsquoten und Elternbeiträgen. http://www.kindergartenpaedagogik.de/1764.html (03.04.2009) |
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