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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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Elternschaft aus Sicht von Müttern und Vätern Martin R. Textor
In diesem Artikel geht es um die Frage: "Wie erleben Eltern Mutterschaft, Vaterschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Kindererziehung?" Diese Frage soll anhand von Befragungsergebnissen beantwortet werden. Dabei wird auf sieben repräsentative Umfragen aus den Jahren 2006 bis 2009 zurückgegriffen (siehe Literaturverzeichnis). Bedeutung der Familie Laut dem Familienmonitor 2008 ist die Familie für den allergrößten Teil der Bevölkerung das wichtigste Lebensfeld. So wurden als "sehr wichtig" bezeichnet:
Herkunfts- und Zeugungsfamilie unterstützen einander auch wechselseitig: Laut dem Familienmonitor 2008 gaben Eltern unter 45 Jahren Folgendes an:
So zeigt sich der Zusammenhalt zwischen Herkunfts- und Zeugungsfamilie in (finanziellen) Leistungen und praktischen Hilfen, die füreinander erbracht werden. Elternschaft heute Bei der ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern" nannten die befragten erziehungsberechtigten Eltern mit Kindern unter 11 Jahren viele schöne Seiten am Elternsein: "Das Schönste im Leben mit Kindern ist,
Allerdings wurde von den Eltern mit Kindern unter 11 Jahren auch auf Belastungen verwiesen, die in der Regel mit der Zahl der Kinder zunahmen:
Bei der TNS Emnid-Studie wurden Frauen mit Kindern bis 18 Jahren gefragt, ob es für sie in der Rolle als Mutter Vorbilder oder Orientierungshilfen gibt. 87% der Frauen antworteten, dass sie vieles ganz intuitiv machen, 66%, dass ihnen der Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern hilft, 53%, dass sie sich vieles von ihrer eigenen Mutter abgeschaut haben, und 8%, dass sie Kurse (z.B. in einer Familienbildungsstätte) besucht haben. Bei der Vorwerk Familienstudie 2007 wurde danach gefragt, was Elternschaft für Mütter und Väter bedeutet. Nachstehende Tabelle zeigt, dass die Ansichten in hohem Maße übereinstimmten. Angesichts der zumeist begrenzten Beteiligung von Vätern an der Familien- und Hausarbeit ist es jedoch nicht überraschend, dass diese Elternsein weniger mit Stress und Verzicht verbanden als Mütter.
Nur 18% aller Deutschen ab 16 Jahre waren laut der Vorwerk Familienstudie 2007 der Meinung, dass die Arbeit, die Frauen im Haushalt und für die Familie leisten, in Deutschland ausreichend anerkannt wird - 67% waren nicht dieser Meinung. Allerdings waren 58% der Meinung, dass die Arbeit, die sie selbst im Haushalt und für die Familie leisten, von ihrem Partner genügend anerkannt wird. 20% würden dies nicht sagen (22% unentschieden). Für das Selbstbewusstsein von Eltern waren allerdings andere Dinge wichtiger als die Familien- und Hausarbeit, wie folgende Tabelle verdeutlicht:
Ein eigener Beruf/ ein eigenes Einkommen und Erfolg im Beruf waren für Männer wichtigere Quellen ihres Selbstbewusstseins als für Frauen, spielten für Letztere - wie auch Bildung/ Wissen, gute Freunde, ein gepflegtes Aussehen - aber eine wichtigere Rolle als Kinder, Familienarbeit und Haushalt. Familie und Beruf Laut der TNS Emnid-Studie waren 55% der Frauen mit Kindern bis 18 Jahren der Meinung, Mütter sollten bis zum Kindergartenalter zu Hause bleiben. Diese Haltung wurde häufiger von den jüngeren als von den älteren Frauen (63% der 18- bis 29-Jährigen vs. 52% der 50- bis 60-Jährigen) sowie von weniger gebildeten Frauen vertreten (Volksschulbildung: 68%, mittlerer Bildungsabschluss: 56%, Abitur/ Universität: 43%). 27% aller befragten Mütter vertraten die Auffassung, dass beide Elternteile Elternzeit nehmen sollten, und 7% waren der Meinung, Mütter sollten ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen. Die letztgenannte Position wurde häufiger von ostdeutschen als von westdeutschen Müttern vertreten (16 vs. 5%). Nur 6% der Frauen meinten, Mütter sollten nicht berufstätig sein. Väter waren laut der Vorwerk Familienstudie 2007 etwas konservativer eingestellt: Mit 71% fühlten sich die meisten dafür verantwortlich, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Während 53% es generell gut fanden, wenn sich eine Frau beruflich engagiert, waren es nur noch 19%, wenn es sich dabei um eine Mutter von kleinen Kindern handelt. 21% fanden es besser, wenn sich eine Frau ganz dem Haushalt und der Familie widmet. Bei der ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern" nannten die befragten erziehungsberechtigten Eltern mit Kindern unter 11 Jahren folgende Formen der Arbeitsteilung in ihren Familien:
52% der Personen, die sich zur aktuellen Arbeitsaufteilung in ihrer Partnerschaft geäußert hatten, waren mit derselben sehr zufrieden und 40% eher zufrieden; nur 6% waren eher unzufrieden und 2% sehr unzufrieden. Beim Familienmonitor 2008 gaben 81% der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren an, dass sie den größten Teil der Betreuungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen würden; bei 17% war es die Hälfte. Allerdings waren doppelt so viele Väter überzeugt, dass sie mindestens die Hälfte der Betreuungs- und Erziehungsaufgaben erledigen würden. 42% der Mütter waren der Auffassung, dass die Väter mehr an der Erziehung und Betreuung mitwirken sollten. Bei Vollzeit berufstätigen Müttern beteiligten sich die Ehemänner mehr: Nur 62% der Frauen sagten, dass die Verantwortung für die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder überwiegend bei ihnen liegen würde. Beim Familienmonitor 2009 gaben nur 61% der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren an (67% der Mütter bzw. 55% der Väter), dass sie genug Zeit für ihre Familie hätten - 34% hatten nicht ausreichend Zeit (5% unentschieden). Laut dem Familienmonitor 2008 würden 56% der nicht berufstätigen Mütter von Kindern unter 18 Jahre gerne erwerbstätig sein. Von ihnen wollten 16% 30 Stunden und mehr, 30% 20 bis 30 Stunden und 46% unter 20 Stunden arbeiten. Nichterwerbstätigkeit und Zeitmangel wurden oft darauf zurückgeführt, dass sich Beruf und Familie nur schwer miteinander vereinbaren ließen. Beispielsweise hielten 64% der berufstätigen Mütter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland für schlechter gelöst als in anderen Ländern. Und 33% der Deutschen glaubten, dass in den letzen 10, 15 Jahren trotz aller familienpolitischen Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwerer geworden sei; nur 32% sahen eine Verbesserung. Folgende Maßnahmen würden nach Meinung der Befragten am ehesten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern:
Laut dem Familienmonitor 2008 begrüßten 2007 etwa zwei Drittel der Bevölkerung den Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige. Jedoch fanden nur 44% eine Betreuung bereits vor Vollendung des dritten Lebensjahrs ohne Einschränkung gut. 38% sprachen sich dafür aus, dass im Idealfall erst Dreijährige fremdbetreut werden sollten (19% unentschieden). Von den Eltern unter 45 Jahre hielten allerdings bereits 58% eine Betreuung von Kindern unter drei Jahren für gut möglich. Zudem ändern sich die Einstellungen in der Gesellschaft sehr schnell. So sank zwischen 2007 und 2008 das Alter, ab wann nach Meinung der Deutschen Kleinkinder in Kinderkrippen oder Tagesstätten betreut werden könnten, bundesweit von 2,5 auf 2,3 Jahre (Westdeutschland: 2,7 auf 2,4 Jahre; Ostdeutschland: 1,8 auf 1,6 Jahre). Aber auch die Unternehmen seien gefordert: 79% der Bevölkerung vertraten beim Familienmonitor 2008 die Auffassung, dass die Betriebe hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wesentlich mehr tun müssten. Eltern unter 45 Jahren antworteten auf die Frage, wodurch sich besonders familienfreundliche Unternehmen auszeichnen würden:
Während sich 36% der vollzeitbeschäftigten Eltern mit Kindern unter 18 Jahre eine Arbeitszeit unter ihrer jetzigen Arbeitszeit wünschten, würden 31% der Teilzeitbeschäftigten lieber mehr arbeiten. Zudem würden fast zwei Drittel der jungen Eltern anstatt einer täglich konstanten Arbeitszeit lieber zuweilen mehr arbeiten und zum Ausgleich an anderen Tagen frei nehmen können. Familienerziehung Je jünger Erwachsene sind, umso positiver sehen sie ihre Eltern. Dies verdeutlicht das Generationenbarometer 2009:
Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten Kinder mehr in den Mittelpunkt des Familienleben gerückt sind, dass das Eltern-Kind-Verhältnis emotionaler geworden ist und dass Kinder immer mehr Rechte erhalten haben. Auch wird seltener körperliche Gewalt ausgeübt, wenn Kinder etwas angestellt haben: Während noch 48% der 60-Jährigen und Älteren von ihren Eltern eine Ohrfeige und 37% eine Tracht Prügel erhalten hatten, traf dieses nur auf 23% bzw. 7% der 16- bis 29-Jährigen zu. 67% der Jüngeren berichteten, dass ihre Eltern mit ihnen über das, was sie angestellt hatten, geredet hätten - gegenüber nur 34% der Älteren. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Erziehungsvorstellungen im Laufe der Zeit verändert haben. Laut der vom Institut für Demoskopie Allenbach für das Bundesfamilienministerium durchgeführten Umfrage vertraten Eltern bis 44 Jahre in den Jahren 1991 und 2006 folgende Erziehungsziele:
Deutlich wird, dass die Eltern sowohl Primär- als auch Sekundär-Werte vertraten. Für sie waren Persönlichkeitseigenschaften ebenso wichtig wie Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Im Gegensatz zu 1991 wurden 2006 stärker gutes Benehmen, Gewissenhaftigkeit, Toleranz, Wissensdurst und Sparsamkeit genannt. Beim Familienmonitor 2009 wurde von Eltern mit Kindern unter 18 Jahren für ein gutes Aufwachsen von Kindern für besonders wichtig gehalten, dass:
Solche Voraussetzungen sind aber nicht in allen Familien gegeben. So gibt es in vielen Familien Schwierigkeiten. Beispielsweise wurden bei der ELTERN-Studie von forsa Eltern mit Kindern unter 11 Jahren nach Erziehungsunsicherheit und -problemen befragt. Geantwortet wurde:
Das Generationenbarometer 2009 zeigte, dass Erziehungsprobleme nach dem 10. Lebensjahr eines Kindes häufiger auftreten:
Trotz aller Erziehungsschwierigkeiten waren aber 80% der Eltern von Kindern unter 16 Jahren der Meinung, dass ihr eigener Einfluss auf ihre Kinder groß genug sei (11% nicht groß genug, 9% unentschieden). In der Gesamtbevölkerung glaubten jedoch nur noch 35% der Befragten, dass die Familie heute noch genug Einfluss auf Kinder und Jugendliche habe (39% nicht genug Einfluss, 26% unentschieden). Je älter die Kinder werden, umso kleiner wird jedoch nach Meinung der Eltern der eigene Einfluss und umso größer wird der Einfluss von Medien und Freunden. Den Lehrer/innen sprachen nur rund 5% der Befragten einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu... Literatur forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen: ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern". 11. August 2008. o.O., o.J. Institut für Demoskopie Allensbach: Einstellungen zur Erziehung. Kurzbericht zu einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Frühjahr 2006. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, o.J. Institut für Demoskopie Allensbach: Vorwerk Familienstudie 2007. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zur Familienarbeit in Deutschland. Wuppertal: Vorwerk & Co. KG, o.J. Institut für Demoskopie Allensbach: Familienmonitor 2008. o.O., o.J. Institut für Demoskopie Allensbach: Generationenbarometer 2009. Berlin, 8. April 2009 Institut für Demoskopie Allensbach: Familienmonitor 2009. Berlin, 14. Juli 2009 TNS Emnid: Frauen mit Kindern bis 18 Jahren. o.O., o.J. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||