Elternschaft aus Sicht von Müttern und Vätern

Martin R. Textor

 

In diesem Artikel geht es um die Frage: "Wie erleben Eltern Mutterschaft, Vaterschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Kindererziehung?" Diese Frage soll anhand von Befragungsergebnissen beantwortet werden. Dabei wird auf sieben repräsentative Umfragen aus den Jahren 2006 bis 2009 zurückgegriffen (siehe Literaturverzeichnis).

Bedeutung der Familie

Laut dem Familienmonitor 2008 ist die Familie für den allergrößten Teil der Bevölkerung das wichtigste Lebensfeld. So wurden als "sehr wichtig" bezeichnet:

  • Familie - 76% der Befragten
  • Freunde und Bekannte - 43%
  • Arbeit - 41%
  • Freizeit - 36%
  • Sich etwas leisten können - 29%

Rund 80% der Befragten berichteten von einem ziemlich engen oder sogar sehr engen Zusammenhalt in ihrer Familie; für 17% war er nicht so eng oder gar nicht eng. Zumeist bestehen regelmäßige Kontakte zwischen Herkunfts- und Zeugungsfamilie (häufig laut 72% der älteren Eltern und laut 60% der erwachsenen Kinder, gelegentlich laut 20% bzw. 22%), aber auch zwischen Großeltern und erwachsenen Enkeln (häufig laut 32%, gelegentlich laut 46% und selten laut 18% der Enkel).

Herkunfts- und Zeugungsfamilie unterstützen einander auch wechselseitig: Laut dem Familienmonitor 2008 gaben Eltern unter 45 Jahren Folgendes an:

  • Das haben meine Eltern/Schwiegereltern für mich getan:
    • Betreuung der Kinder, wenn ich/wir abends mal weggehe(n) - 75% der Befragten
    • Gute Ratschläge - 63%
    • Kauf von Kinderkleidung - 54%
    • Betreuung der Kinder, während ich/wir arbeiten gehe(n) - 47%
    • Hilfe in finanziellen Schwierigkeiten - 38%
  • Das habe ich für meine Eltern/Schwiegereltern getan:
    • Regelmäßige Besuche bei den Eltern - 70% der Befragten
    • Die Freizeit miteinander verbringen, z.B. am Wochenende - 47%
    • Mitarbeit im Haushalt/Garten - 46%
    • Hilfe beim Umgang mit technischen Geräten - 45%
    • Kleinere Arbeiten und Reparaturen in der Wohnung und am Haus - 44%

So zeigt sich der Zusammenhalt zwischen Herkunfts- und Zeugungsfamilie in (finanziellen) Leistungen und praktischen Hilfen, die füreinander erbracht werden.

Elternschaft heute

Bei der ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern" nannten die befragten erziehungsberechtigten Eltern mit Kindern unter 11 Jahren viele schöne Seiten am Elternsein: "Das Schönste im Leben mit Kindern ist,

  • dass ich sehen kann, wie meine Kinder sich entwickeln" - 60% der Befragten
  • dass ich durch meine Kinder eine Menge über mich selbst lerne und mich mit ihnen weiter entwickle" - 36%
  • dass ich weiß, dass ich in meinem Leben etwas Sinnvolles tue" - 30%
  • dass ich mich geliebt und gebraucht fühle" - 30%
  • dass ich mehr Spaß im Leben habe" - 22%
  • dass ich Traditionen und Erinnerungen aus meiner Kindheit wiederbeleben kann" - 13%

Allerdings wurde von den Eltern mit Kindern unter 11 Jahren auch auf Belastungen verwiesen, die in der Regel mit der Zahl der Kinder zunahmen:

 

1 Kind

2 Kinder

3 Kinder

Je größer die Kinder, desto größer die Probleme

44%

57%

59%

Es kommt häufig vor, dass ich durch die Arbeit, die die Kindererziehung mit sich bringt, erschöpft bin

46%

48%

49%

Es ist schwierig für mich, Beruf und Kinder zu vereinbaren

34%

42%

35%

Die Großeltern können uns bei der Betreuung der Kinder nicht unterstützen, weil sie weit weg wohnen

31%

35%

43%

Wegen der Kinder habe ich zu wenig Zeit für mich

26%

31%

35%

Bei der TNS Emnid-Studie wurden Frauen mit Kindern bis 18 Jahren gefragt, ob es für sie in der Rolle als Mutter Vorbilder oder Orientierungshilfen gibt. 87% der Frauen antworteten, dass sie vieles ganz intuitiv machen, 66%, dass ihnen der Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern hilft, 53%, dass sie sich vieles von ihrer eigenen Mutter abgeschaut haben, und 8%, dass sie Kurse (z.B. in einer Familienbildungsstätte) besucht haben.

Bei der Vorwerk Familienstudie 2007 wurde danach gefragt, was Elternschaft für Mütter und Väter bedeutet. Nachstehende Tabelle zeigt, dass die Ansichten in hohem Maße übereinstimmten. Angesichts der zumeist begrenzten Beteiligung von Vätern an der Familien- und Hausarbeit ist es jedoch nicht überraschend, dass diese Elternsein weniger mit Stress und Verzicht verbanden als Mütter.

  Mütter sagen: Das bedeutet für mich, Mutter zu sein Väter sagen: Das bedeutet für mich, Vater zu sein
Faktor 1: Emotionale Gratifikationen
Verantwortung tragen

92%

91%

Gebraucht werden

91%

84%

Lieben und geliebt werden

89%

78%

Viel Freude

85%

78%

Faktor 2: Sinnerfülltes Leben
Ein erfüllteres Leben

72%

72%

Interessante neue Erfahrungen machen

66%

64%

Bewusster leben

60%

57%

Die Welt mit anderen Augen sehen

59%

56%

Viele neue Freunde kennen lernen

33%

26%

Eine Quelle von Selbstsicherheit

31%

28%

Faktor 3: Generationstransfer
Eigene Erfahrungen, eigenes Wissen weitergeben

76%

80%

Dass etwas von mir weiterlebt

69%

65%

Anerkannt werden

45%

43%

Einen Erben haben

31%

44%

Faktor 4: Stress und Verzicht
Einen "Rund-um-die-Uhr-Job" haben

54%

24%

Viel Stress

51%

38%

Wenig Freizeit

46%

31%

Auf vieles verzichten müssen

43%

34%

Wenig Zeit für mich selbst haben

40%

25%

Oft überfordert sein

30%

21%

Zu wenig Schlaf

30%

20%

Faktor 5: Finanzielle und soziale Opfer
Große finanzielle Belastungen

40%

45%

Von der Gesellschaft wenig anerkannt werden

15%

11%

Faktor 6: Emotionale Belastungen
Sorgen haben

74%

69%

Streit, Auseinandersetzungen

51%

45%

Einzelaussagen:
Ein Leben voller Überraschungen

78%

67%

Ein Geschenk Gottes

60%

44%

Nur 18% aller Deutschen ab 16 Jahre waren laut der Vorwerk Familienstudie 2007 der Meinung, dass die Arbeit, die Frauen im Haushalt und für die Familie leisten, in Deutschland ausreichend anerkannt wird - 67% waren nicht dieser Meinung. Allerdings waren 58% der Meinung, dass die Arbeit, die sie selbst im Haushalt und für die Familie leisten, von ihrem Partner genügend anerkannt wird. 20% würden dies nicht sagen (22% unentschieden).

Für das Selbstbewusstsein von Eltern waren allerdings andere Dinge wichtiger als die Familien- und Hausarbeit, wie folgende Tabelle verdeutlicht:

Dies ist für mein Selbstbewusstsein sehr wichtig

Frauen

Männer

ein eigener Beruf, ein eigenes Einkommen

71%

84%

Lebensfreude, Optimismus, mich nicht so leicht unterkriegen lassen

66%

68%

gute Freunde haben

63%

59%

eine stabile Partnerschaft

62%

66%

gute Bildung, Wissen

61%

64%

gutes, gepflegtes Aussehen

54%

39%

Lebenserfahrung

50%

53%

Kinder haben

48%

41%

Erfolg im Beruf haben

46%

62%

keine finanziellen Sorgen haben, mir vieles leisten können

44%

52%

Anerkennung für das, was ich für die Familie leiste

39%

33%

beliebt sein, von anderen geschätzt werden

36%

31%

eine gute Figur haben, mit der ich mich wohl fühle

36%

24%

eine glückliche sexuelle Beziehung

33%

43%

Anerkennung für das, was ich im Haushalt leiste

29%

10%

gut kochen können

21%

8%

mich in der Freizeit für etwas ganz besonders einsetzen, für etwas engagieren

16%

19%

sportlich aktiv sein, im Sport etwas leisten

13%

20%

Ein eigener Beruf/ ein eigenes Einkommen und Erfolg im Beruf waren für Männer wichtigere Quellen ihres Selbstbewusstseins als für Frauen, spielten für Letztere - wie auch Bildung/ Wissen, gute Freunde, ein gepflegtes Aussehen - aber eine wichtigere Rolle als Kinder, Familienarbeit und Haushalt.

Familie und Beruf

Laut der TNS Emnid-Studie waren 55% der Frauen mit Kindern bis 18 Jahren der Meinung, Mütter sollten bis zum Kindergartenalter zu Hause bleiben. Diese Haltung wurde häufiger von den jüngeren als von den älteren Frauen (63% der 18- bis 29-Jährigen vs. 52% der 50- bis 60-Jährigen) sowie von weniger gebildeten Frauen vertreten (Volksschulbildung: 68%, mittlerer Bildungsabschluss: 56%, Abitur/ Universität: 43%). 27% aller befragten Mütter vertraten die Auffassung, dass beide Elternteile Elternzeit nehmen sollten, und 7% waren der Meinung, Mütter sollten ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen. Die letztgenannte Position wurde häufiger von ostdeutschen als von westdeutschen Müttern vertreten (16 vs. 5%). Nur 6% der Frauen meinten, Mütter sollten nicht berufstätig sein.

Väter waren laut der Vorwerk Familienstudie 2007 etwas konservativer eingestellt: Mit 71% fühlten sich die meisten dafür verantwortlich, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Während 53% es generell gut fanden, wenn sich eine Frau beruflich engagiert, waren es nur noch 19%, wenn es sich dabei um eine Mutter von kleinen Kindern handelt. 21% fanden es besser, wenn sich eine Frau ganz dem Haushalt und der Familie widmet.

Bei der ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern" nannten die befragten erziehungsberechtigten Eltern mit Kindern unter 11 Jahren folgende Formen der Arbeitsteilung in ihren Familien:

  • nur der Mann ist berufstätig, die Frau kümmert sich vorrangig um die Kinder - 30% der Befragten
  • andere Aufgabenverteilung - 6%
  • beide sind berufstätig, beide kümmern sich gleichermaßen um die Kinder - 29%
  • beide sind berufstätig, die Frau kümmert sich vorrangig um die Kinder - 28%
  • nur der Mann ist berufstätig, beide kümmern sich gleichermaßen um die Kinder - 7%

52% der Personen, die sich zur aktuellen Arbeitsaufteilung in ihrer Partnerschaft geäußert hatten, waren mit derselben sehr zufrieden und 40% eher zufrieden; nur 6% waren eher unzufrieden und 2% sehr unzufrieden.

Beim Familienmonitor 2008 gaben 81% der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren an, dass sie den größten Teil der Betreuungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen würden; bei 17% war es die Hälfte. Allerdings waren doppelt so viele Väter überzeugt, dass sie mindestens die Hälfte der Betreuungs- und Erziehungsaufgaben erledigen würden. 42% der Mütter waren der Auffassung, dass die Väter mehr an der Erziehung und Betreuung mitwirken sollten.

Bei Vollzeit berufstätigen Müttern beteiligten sich die Ehemänner mehr: Nur 62% der Frauen sagten, dass die Verantwortung für die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder überwiegend bei ihnen liegen würde.

Beim Familienmonitor 2009 gaben nur 61% der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren an (67% der Mütter bzw. 55% der Väter), dass sie genug Zeit für ihre Familie hätten - 34% hatten nicht ausreichend Zeit (5% unentschieden).

Laut dem Familienmonitor 2008 würden 56% der nicht berufstätigen Mütter von Kindern unter 18 Jahre gerne erwerbstätig sein. Von ihnen wollten 16% 30 Stunden und mehr, 30% 20 bis 30 Stunden und 46% unter 20 Stunden arbeiten.

Nichterwerbstätigkeit und Zeitmangel wurden oft darauf zurückgeführt, dass sich Beruf und Familie nur schwer miteinander vereinbaren ließen. Beispielsweise hielten 64% der berufstätigen Mütter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland für schlechter gelöst als in anderen Ländern. Und 33% der Deutschen glaubten, dass in den letzen 10, 15 Jahren trotz aller familienpolitischen Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwerer geworden sei; nur 32% sahen eine Verbesserung. Folgende Maßnahmen würden nach Meinung der Befragten am ehesten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern:

  • Wenn es in der Stadt/Gemeinde ausreichend Kindergartenplätze und Kinderhorte gibt - 74% aller Befragten (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 81%)
  • Wenn Kindergärten und Schulen verstärkt Ganztagsbetreuung anbieten - 65% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 76%)
  • Wenn Betriebe Kinderbetreuungsmöglichkeiten anbieten - 61% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 64%)
  • Wenn Betriebe flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitkonten anbieten - 57% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 71%)
  • Wenn sich Kindergärten und Schulen in ihren Betreuungszeiten stärker nach den Arbeitszeiten der Eltern richten - 50% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 64%)
  • Wenn es mehr Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren gibt - 48% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 51%)
  • Wenn ein Partner beruflich zurücksteckt, solange die Kinder klein sind - 47% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 44%)
  • Wenn Betriebe mehr Teilzeitarbeitsplätze anbieten - 44% (Berufstätige Mütter von Kindern unter 18 Jahre: 53%)

Laut dem Familienmonitor 2008 begrüßten 2007 etwa zwei Drittel der Bevölkerung den Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige. Jedoch fanden nur 44% eine Betreuung bereits vor Vollendung des dritten Lebensjahrs ohne Einschränkung gut. 38% sprachen sich dafür aus, dass im Idealfall erst Dreijährige fremdbetreut werden sollten (19% unentschieden). Von den Eltern unter 45 Jahre hielten allerdings bereits 58% eine Betreuung von Kindern unter drei Jahren für gut möglich. Zudem ändern sich die Einstellungen in der Gesellschaft sehr schnell. So sank zwischen 2007 und 2008 das Alter, ab wann nach Meinung der Deutschen Kleinkinder in Kinderkrippen oder Tagesstätten betreut werden könnten, bundesweit von 2,5 auf 2,3 Jahre (Westdeutschland: 2,7 auf 2,4 Jahre; Ostdeutschland: 1,8 auf 1,6 Jahre).

Aber auch die Unternehmen seien gefordert: 79% der Bevölkerung vertraten beim Familienmonitor 2008 die Auffassung, dass die Betriebe hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wesentlich mehr tun müssten. Eltern unter 45 Jahren antworteten auf die Frage, wodurch sich besonders familienfreundliche Unternehmen auszeichnen würden:

  • Flexiblere Arbeitszeiten (Gleitzeit, Arbeitszeitkonten usw.) - 90% der Befragten
  • Sonderurlaub, wenn ein Kind krank ist - 73%
  • Viele Teilzeitarbeitsplätze - 64%
  • Den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit erleichtern, z.B. durch Weiterbildungsangebote während der Elternzeit - 63%
  • Eine eigene Kinderbetreuung für die Kinder der Mitarbeiter - 60%
  • Die Möglichkeit, dass Väter oder Mütter auch von zu Hause aus arbeiten können - 58%
  • Wenn auch junge Väter ihre Berufstätigkeit zur Betreuung eines Kleinkindes problemlos für einige Zeit unterbrechen, Elternzeit nehmen können - 50%
  • Kurzfristige Unterstützung in Notfällen, z.B. durch eigene Tagesmütter - 48%
  • Sonderurlaub für die Väter nach der Geburt von Kindern - 39%

Während sich 36% der vollzeitbeschäftigten Eltern mit Kindern unter 18 Jahre eine Arbeitszeit unter ihrer jetzigen Arbeitszeit wünschten, würden 31% der Teilzeitbeschäftigten lieber mehr arbeiten. Zudem würden fast zwei Drittel der jungen Eltern anstatt einer täglich konstanten Arbeitszeit lieber zuweilen mehr arbeiten und zum Ausgleich an anderen Tagen frei nehmen können.

Familienerziehung

Je jünger Erwachsene sind, umso positiver sehen sie ihre Eltern. Dies verdeutlicht das Generationenbarometer 2009:

Kindheitserfahrungen
16- bis 29-Jährige
30- bis 44-Jährige
45- bis 59-Jährige
60-Jährige und Ältere
Ich hatte eine glückliche Kindheit
67%
64%
55%
49%
Ich habe von meinen Eltern viel Aufmerksamkeit bekommen
61%
56%
39%
34%
Meine Eltern waren immer sehr liebevoll zu mir
60%
48%
37%
35%
Meine Eltern haben respektiert, dass ich meine eigenen Bereiche hatte
64%
51%
35%
25%
Meine Eltern haben mir viel geboten
53%
37%
26%
18%
Meine Eltern haben meine Interessen stark gefördert
51%
36%
25%
20%
Ich wurde als Kind von meinen Eltern oft gelobt
49%
41%
24%
19%
Ich durfte schon als Kind vieles selbst entscheiden
43%
28%
26%
15%
Für meine Eltern war es sehr wichtig, dass wir Kinder bei anderen Leuten einen guten Eindruck machten
42%
55%
68%
66%
Bei uns zu Hause war es nötig, dass ich als Kind richtig mithelfen musste
26%
41%
53%
69%
Ich bin ziemlich streng erzogen worden
23%
34%
50%
64%

Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten Kinder mehr in den Mittelpunkt des Familienleben gerückt sind, dass das Eltern-Kind-Verhältnis emotionaler geworden ist und dass Kinder immer mehr Rechte erhalten haben. Auch wird seltener körperliche Gewalt ausgeübt, wenn Kinder etwas angestellt haben: Während noch 48% der 60-Jährigen und Älteren von ihren Eltern eine Ohrfeige und 37% eine Tracht Prügel erhalten hatten, traf dieses nur auf 23% bzw. 7% der 16- bis 29-Jährigen zu. 67% der Jüngeren berichteten, dass ihre Eltern mit ihnen über das, was sie angestellt hatten, geredet hätten - gegenüber nur 34% der Älteren.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Erziehungsvorstellungen im Laufe der Zeit verändert haben. Laut der vom Institut für Demoskopie Allenbach für das Bundesfamilienministerium durchgeführten Umfrage vertraten Eltern bis 44 Jahre in den Jahren 1991 und 2006 folgende Erziehungsziele:

Kinder sollen vor allem im Elternhaus lernen...

1991

2006

sich durchsetzen, sich nicht so leicht unterkriegen lassen

75%

75%

Höflichkeit und gutes Benehmen

68%

89%

ihre Arbeit ordentlich und gewissenhaft tun

67%

80%

hilfsbereit sein, sich für andere einsetzen

-

79%

Andersdenkende achten, tolerant sein

62%

74%

gesunde Lebensweise

61%

65%

Menschenkenntnis, sich die rechten Freunde und Freundinnen aussuchen

60%

64%

Wissensdurst, den Wunsch, seinen Horizont ständig zu erweitern

55%

71%

sparsam mit Geld umgehen

44%

69%

Freude an Büchern haben, gern lesen

-

46%

Interesse für Politik, Verständnis für politische Zusammenhänge

33%

42%

sich in eine Ordnung einfügen, sich anpassen

28%

41%

technisches Verständnis, mit der modernen Technik umgehen können

23%

39%

Interesse, Offenheit für Religion und Glaubensfragen

-

37%

bescheiden und zurückhaltend sein

18%

26%

an Kunst Gefallen finden

13%

15%

festen Glauben, feste religiöse Bindung

13%

25%

Deutlich wird, dass die Eltern sowohl Primär- als auch Sekundär-Werte vertraten. Für sie waren Persönlichkeitseigenschaften ebenso wichtig wie Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Im Gegensatz zu 1991 wurden 2006 stärker gutes Benehmen, Gewissenhaftigkeit, Toleranz, Wissensdurst und Sparsamkeit genannt.

Beim Familienmonitor 2009 wurde von Eltern mit Kindern unter 18 Jahren für ein gutes Aufwachsen von Kindern für besonders wichtig gehalten, dass:

  • die Eltern sich gut verstehen - 81% der Befragten
  • die Familie viel gemeinsam unternimmt - 79%
  • die Eltern in sicheren finanziellen Verhältnissen leben - 78%
  • die Eltern sich viel Zeit für ihre Kinder nehmen - 75%
  • sie viel Kontakt zu Gleichaltrigen haben - 71%
  • sie engagierte Lehrer haben - 70%
  • es in der Familie einen regelmäßigen Tagesablauf gibt - 69%
  • es viele Freizeitangebote gibt - 53%

Solche Voraussetzungen sind aber nicht in allen Familien gegeben. So gibt es in vielen Familien Schwierigkeiten. Beispielsweise wurden bei der ELTERN-Studie von forsa Eltern mit Kindern unter 11 Jahren nach Erziehungsunsicherheit und -problemen befragt. Geantwortet wurde:

  • "Ich habe eine klare Vorstellung von der Erziehung und setze sie meistens problemlos um" - 47% der Befragten
  • "Ab und zu habe ich Zweifel und suche Rat bei Freunden, Familienmitgliedern oder in Erziehungszeitschriften und -büchern" - 41%
  • "Ich habe einige Probleme mit den Kindern, und ich würde mir auch Rat von professionellen Erziehungsexperten holen" - 3%
  • "Ich habe einige Probleme mit den Kindern und habe mir bereits professionellen Rat von Erziehungsexperten geholt" - 5%

Das Generationenbarometer 2009 zeigte, dass Erziehungsprobleme nach dem 10. Lebensjahr eines Kindes häufiger auftreten:

Das Kind/die Kinder ...
Eltern von Kindern unter 10 Jahre
Eltern von 10- bis 15-Jährigen
sind mir zu unordentlich
34%
49%
sehen zu viel fern
25%
43%
sitzen zu viel vor dem Computer oder der Spielekonsole
14%
42%
haben teilweise Schwierigkeiten in der Schule
13%
39%
sind zu egoistisch, denken teilweise nur an sich
15%
27%
haben häufiger Konzentrationsschwierigkeiten
18%
26%
ernähren sich häufig ungesund, essen zu viel Süßes bzw. Fast Food
21%
24%
machen ihre Hausaufgaben nicht regelmäßig
5%
18%
bewegen sich zu wenig
9%
18%
sind öfter aggressiv
16%
16%
haben keine Lust, am Familienleben teilzunehmen
6%
15%
geben zu viel Geld aus
4%
10%
rauchen
1%
8%
schwänzen manchmal die Schule
unter 0,5%
6%
lassen sich von anderen zum Alkohol trinken verleiten
1%
6%

Trotz aller Erziehungsschwierigkeiten waren aber 80% der Eltern von Kindern unter 16 Jahren der Meinung, dass ihr eigener Einfluss auf ihre Kinder groß genug sei (11% nicht groß genug, 9% unentschieden). In der Gesamtbevölkerung glaubten jedoch nur noch 35% der Befragten, dass die Familie heute noch genug Einfluss auf Kinder und Jugendliche habe (39% nicht genug Einfluss, 26% unentschieden). Je älter die Kinder werden, umso kleiner wird jedoch nach Meinung der Eltern der eigene Einfluss und umso größer wird der Einfluss von Medien und Freunden. Den Lehrer/innen sprachen nur rund 5% der Befragten einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu...

Literatur

forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen: ELTERN-Studie "Das Lebensgefühl junger Eltern". 11. August 2008. o.O., o.J.

Institut für Demoskopie Allensbach: Einstellungen zur Erziehung. Kurzbericht zu einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Frühjahr 2006. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, o.J.

Institut für Demoskopie Allensbach: Vorwerk Familienstudie 2007. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zur Familienarbeit in Deutschland. Wuppertal: Vorwerk & Co. KG, o.J.

Institut für Demoskopie Allensbach: Familienmonitor 2008. o.O., o.J.

Institut für Demoskopie Allensbach: Generationenbarometer 2009. Berlin, 8. April 2009

Institut für Demoskopie Allensbach: Familienmonitor 2009. Berlin, 14. Juli 2009

TNS Emnid: Frauen mit Kindern bis 18 Jahren. o.O., o.J.