"Das Geschlecht ist dabei doch egal". Geschlechtersensible Sprachförderung im Kita-Alltag

Kerstin Nitsche

 

Ein Klischee, was sicher jede/r kennt, lautet: Ein Mann, ein Wort! Eine Frau, ein Wörterbuch! Diese Redewendung lässt uns schmunzeln, aber was steckt genau dahinter? Reden Frauen mehr als Männer?

"Geschlechterbewusste Erziehung und Bildung" beginnt in vielen kleinen Alltagssituationen. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen Anregungen für eine geschlechtersensible Sprachförderung geben, die Sie leicht in Ihrer Kita umsetzen können.

Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung wird als eine Aufgabe von pädagogischen Fachkräften zu erfüllen versucht. Die Welt bietet für Kinder eine große Entdeckungsvielfalt; sie wollen sich in dieser Welt bewegen und sie mit gestalten. "Bei ihrer Welterkundung experimentieren sie mit Handlungen, Bewegungen und Sprachen und entwickeln dabei Fähigkeiten, Interessen und ihre individuelle Persönlichkeit. Greifen, laufen, sprechen ... und viele weitere Lernschritte ermöglichen es den Kindern, sich die Welt handelnd anzueignen" (Rabe-Kleberg 2007, S. 65).

Beobachtungen in der Kindergartenpraxis haben gezeigt, dass sich Erzieher/innen bemühen, den Kindern im Alltag, wie sie oft sagen, "geschlechtsneutral" zu begegnen, so als hätten die Kinder kein Geschlecht (vgl. Rabe-Kleberg 2007). Ziel geschlechterbewusster Pädagogik ist es, Kinder darin zu unterstützen, die Geschlechterrollen erweitern zu können, Neues zu entdecken und vielfältige Spiele und Tätigkeiten auszuprobieren. "Einengende Geschlechterstereotype führen jedoch dazu, dass Kinder bestimmte Entdeckungsreisen, Handlungen und Experimente frühzeitig abbrechen oder gar nicht erst ausprobieren" (Krabel et al. 2008, S. 3). Der wichtige Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung liegt dabei darin, Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, ihre individuellen Kompetenzen und Interessen zu entwickeln (Krabel et al. 2008, S. 4). Erzieher/innen kommt in Kindertageseinrichtungen die Aufgabe zu, Kinder genau darin zu unterstützen

Das Thema "Gender Mainstreaming" wird mittlerweile auch für den Kindergarten als Querschnittsthema anerkannt. In den Bildungsplänen und -programmen der Länder wird allerdings meist verallgemeinernd von "Kindern" gesprochen, konkrete Ideen für den Kita-Alltag sucht man ebenfalls meistens vergebens.

Was genau bedeutet "Gender" eigentlich? Der Begriff beschreibt das gesellschaftlich kodierte Verhältnis zwischen den Geschlechtern und bedeutet zunächst, dass "Kinder ja doch 'auch' Mädchen und Jungen sind, dass sie sich also in Bezug auf ihr Geschlecht unterscheiden" (Rabe-Kleberg 2007, S. 9). Diese zunächst überflüssig klingende Erklärung wird deutlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass eins der "wichtigsten 'Bildungsprojekte' von Kindern ... in den ersten Jahren die Formierung ihrer Geschlechtsidentität" ist (Rabe-Kleberg 2007, S. 65). Sie setzen sich mit den Chancen und den Möglichkeiten auseinander, was es für sie individuell bedeuten kann, sich zu einem, und nur zu einem Geschlecht zugehörig zu fühlen. "Ziel ist es, sich als Mädchen oder Junge zu fühlen, zu denken und zu handeln, als sei das Geschlecht identisch mit der eigenen Person" (Rabe-Kleberg 2007, S. 65).

Ab einem Alter von drei Jahren können Kinder meist Menschen nach weiblich oder männlich unterscheiden und sich auch selbst einem Geschlecht zuordnen. "In den ersten Jahren ihres Lebens merken Kinder dabei, dass Jungen bzw. Männer und Mädchen bzw. Frauen unterschiedliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Kinder machen jedoch immer wieder die Erfahrung, dass Mädchen und Jungen, die sie kennen und mit denen sie befreundet sind, diesen Zuschreibungen nicht oder eben nur in bestimmten Situationen entsprechen" (Krabel et al. 2008, S. 4).

Kommen wir zurück zum Thema der kindlichen Sprachentwicklung. Diese verläuft, wie an anderer Stelle bereits betont, immer individuell und je nach Persönlichkeit völlig unterschiedlich. Während einige Kinder völlig unbefangen und spielerisch mit Sprache umgehen und schnell aus wenigen Wörtern "Botschaften" zaubern, verhalten sich andere zurückhaltender. Dies geschieht zunächst unabhängig vom Geschlecht des Kindes. Aus entwicklungspsychologischer Sicht haben Jungen und Mädchen im Prozess des Spracherwerbs erst einmal die gleichen Startbedingungen (vgl. Jampert/Best u.a. 2005). Im Alltag von Kitas könnte man zwar den Eindruck bekommen, Mädchen haben einen größeren Wortschatz und Jungen seien in kombinatorischen Äußerungen schneller, beobachtbare Entwicklungsunterschiede sind aber ausgesprochen gering (vgl. Hoff-Ginsberg 2000).

Allerdings hat man herausgefunden, dass Erwachsene mit Jungen in der Tat anders sprechen als mit Mädchen. Laut einer Studie hören Jungen mehr Verbote als Mädchen, während diese häufiger durch Worte bestätigt werden. Der Sprachstil sei gegenüber von Mädchen kindgerechter, aber auch verniedlichender durch Gefühlswörter und Verkleinerungsformen wie beispielsweise "Hündchen" (vgl. Hoff-Ginsberg 2000).

Sprachentwicklung ist ein mehrdimensionaler Prozess, dessen Ergebnis die Fähigkeit ist, Sprache zu produzieren und zu verstehen. Andere Entwicklungsbereiche können sich erst aus dieser Fähigkeit heraus entwickeln: "Die verschiedenen Fähigkeiten eines Kindes entwickeln sich nicht als getrennte Elemente, sondern in Abhängigkeit und gegenseitiger Befruchtung" (Zehnbauer/ Jampert 2005, S. 34).

Im Sinne von ganzheitlicher Sprachförderung, die einen Schwerpunkt auf das Herstellen von kommunikativen Zusammenhängen legt, wird auch in diesem Artikel dem Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern, aber auch der Kinder untereinander, der wichtigste Part zu geordnet. "Damit dieser Dialog entwicklungsfördernd sein kann, brauchen Erwachsene eine hohe Sensibilität für die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und eine andere Aufmerksamkeit für Kindersprache" (Zehnbauer/ Jampert 2005, S. 35).

Geschlechterbewusste Erziehung und Bildung in Kitas kann Kinder darin unterstützen, sich in unser zweigeschlechtlichen Welt zu orientieren, dabei werden Widersprüche aufgenommen und Orientierungsmöglichkeiten für das Selbstbild gegeben, ohne in Stereotypen verhaften zu bleiben. Dabei können wir in Kindergärten und Kitas geschlechtssensibel mit Sprache umgehen, um Jungen wie Mädchen den kreativen und von Spaß geprägten Umgang mit Sprache möglich zu machen!

Im Folgenden möchte ich Ihnen verschiedene Anregungen geben, die Sie in Ihrem Alltag gut umsetzen oder mit welchen Sie die Sprachförderung in Ihrer Einrichtung erweitern könnten. Viele weitere interessante und spannende Anregungen und Denkanstöße finden Sie im Praxisbuch "Gender Loops" und in dem Buch "Jungen sind anders, Mädchen auch" von Melitta Walter. Die Vorschläge können je nach eigener Einschätzung und vor dem Hintergrund Ihrer Kindertageseinrichtung angewandt oder verändert werden. Neben den vielfältigen Lebenshintergründen, die die Kinder mit in Ihre Kindertageseinrichtungen bringen, bestimmen Sie mit Ihrem eigenen Konzept die Umsetzung von geschlechterbewusster Sprachförderung.

1. Auswahl des Materials

Wenn Sie sich das Spielzeug, die (Bilder-) Bücher in Ihrer Einrichtung oder die Medien ansehen, die Ihre Kinder tagtäglich verwenden oder mit denen sie spielen, gibt es dort geschlechtliche Äußerungen, die Ihnen auffallen? Wie "reden" die Jungen und Mädchen, die Männer und Frauen in den Büchern beispielsweise? Gibt es auch Figuren, die sich "untypisch" verhalten und die "untypisch" sprechen? Vielleicht achten Sie beim nächsten Bilderbuch oder beim nächsten Spiel darauf, wie sich der Held oder die Heldin ausdrückt und welche Eigenschaften dort als positiv dargestellt werden. Gehen Sie mit den Kindern darüber ins Gespräch.

Checkliste: siehe unten

2. Geschlechtshomogene Gruppenarbeit

Eine Möglichkeit, geschlechtssensibel zu arbeiten, könnte außerhalb der "normalen" Kleingruppenarbeit liegen. Haben Sie schon einmal eine Gruppe gebildet, die nur von Mädchen oder nur von Jungen besucht war? Getrennte Gruppen können Kindern Orientierung bei der Identitätsfindung bieten, sie können auch als Schutzraum dienen.

Eine zeitweise Trennung könnte auch bestimmte Räume oder Ecken für geschlechtshomogene Gruppen freistellen. Was halten Sie zum Beispiel von einem "Mädchen-Bauecken-Tag" als Architektinnen-Projekt? Oder "Jungen-Puppenecke" als Elternzeit-Projekt?

Beispiel: Eine andere Alternative wäre es, mit Kindern in angeleiteten geschlechtshomogenen Gruppen bestimmte Angebote durchzuführen. In einer Kita in Barcelona wurde mit zweijährigen Mädchen und Jungen über einen längeren Zeitraum einmal in der Woche in geschlechtsgetrennten Gruppen gearbeitet. Die Jungengruppe beschäftigte sich mit Themen wie Gefühle, Berührungen und Pflegetätigkeiten, die Mädchen führten Tobespiele, Ballspiele und Übungen durch, die das Selbstvertrauen stärkten. Nach den Einheiten wurden die Jungen und Mädchen wieder zusammen geführt und ihnen die Gelegenheit gegeben, mit Worten und Bildern zu erklären, was sie gemacht haben und wie sie sich dabei gefühlt haben. Sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen waren positive Veränderungen zu beobachten, die sich auf den geschlechtsheterogenen Alltag der Kindertageseinrichtung auswirkten (Krabel et al. 2008, S. 27).

Bitte achten Sie darauf, dass Sie bei Angeboten mit geschlechtergetrennten Gruppen neben einer intensiven Reflexion auch immer wieder eine bewusste Zusammenführung der Kindergruppe (Jungen und Mädchen) einplanen. Die Beteiligung der Kinder an diesen Projekten und der Wunsch, sich überhaupt in homogenen Gruppen zu bewegen, sollten selbstverständlich Grundvoraussetzung für solche Gruppenarbeit sein (vgl. Rohrmann 2005, S. 154).

3. Geschlechtertausch

Spielen Sie mit den älteren Kindern (ab 5 Jahre) das "Was-wäre-wenn-Spiel" und lassen Sie erzählen, was die Kinder anders machen würden, wenn sie einen Tag lang zum anderen Geschlecht gehören würden. Stellen Sie ihnen dabei Fragen, die das Phantasieren erleichtern:

  • Wie würde dein Tag anfangen, wenn du ein Junge/Mädchen wärst?
  • Würden dich die Erwachsenen anders behandeln?
  • Wo würdest du im Kindergarten spielen? Mit wem?

Praxistipp I Rollenwechselspiel: siehe unten

4. Beobachtungen "austauschen"

Achten Sie innerhalb Ihrer Beobachtungen auch darauf, inwieweit das Geschlecht des beobachteten Kindes eine Rolle spielt. Tauschen Sie, wenn Sie im Team über ein bestimmtes Kind sprechen, doch mal die Rollen und machen Sie aus einem Jungen ein Mädchen. Vermutlich werden Sie überrascht sein, wie sehr sich die Einschätzungen/ Beurteilungen Ihrer Kolleg/innen auf einmal unterscheiden.

5. Einbeziehung männlicher Personen (Väter, Großväter, Partner und Brüder)

Lothar Klein hat in einem Artikel im Jahr 1999 eine Männer-Kita inszeniert: "Stellen Sie sich einmal vor, in einer Kindertageseinrichtung gäbe es nur Männer. Nehmen wir an, diese Einrichtung hätte 5 Gruppen und einen freigestellten Leiter. Die ca. 100 Kinder hätten es dort Tag für Tag mit neun Männern zu tun. Eine solche Einrichtung würde sich bestimmt von dem unterscheiden, was Sie kennen: In Rollenspielecken fände man neben Kleidern und Schleiern auch Schwerter, eine Rüstung, Polizeimützen, ein Lasso, einen Cowboygürtel, einen Bauarbeiterhelm, eine Kochmütze und eine Detektivausrüstung. Die Einrichtung besäße bestimmt einen 'echten DFB-Fußball' im Wert von ca. 100 DM und in den Gruppen fände sich ein Kicker oder ein Tipp-Kick-Spiel. Natürlich wären auch Feuerstelle und selbstgezimmertes Baumhaus vorhanden. In den Gruppenräumen wären ... bestimmt auch ein Schuhkarton mit Science-Fiction-Figuren und jede Menge Autos selbstverständliches Inventar. ... Im Tagesablauf wären sportliche Aktivitäten groß im Rennen. Die Erzieher hätten viel Spaß daran, dann und wann selbst mitzukämpfen, mitzurennen, sich gegenseitig auszutricksen und schließlich auch zu gewinnen. Auch an lautem Gebrüll würden sie sich freiwillig beteiligen".

Wenn Sie sich jetzt fragen, wie Sie die männliche Perspektive vielleicht auch für Ihre Einrichtung "einfangen" könnten, so überlegen Sie, welche Männer Ihnen dabei helfen könnten. Lassen Sie sich beispielsweise bei einem "Männertag" in Ihrer Einrichtung davon inspirieren, wie Väter, Brüder, Opas oder andere männliche Bezugspersonen der Kinder die Räumlichkeiten nutzen und/oder umgestalten. Laden Sie ein zu einem gemeinsamen Spielenachmittag oder Kindergartenfrühstück und bitten Sie gezielt um Hilfe. Vermutlich werden Sie überrascht sein, wie engagiert die angesprochenen Männer ihre Perspektive einbringen werden.

6. Thematisches Theaterspiel

Führen Sie ein kleines Theaterstück auf, welches die vorher von Ihnen beobachteten geschlechtsbezogenen Alltagsprobleme und -themen der Kinder aufgreift. Sprechen Sie anschließend mit den Kindern darüber, suchen Sie gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten und spielen gemeinsam Alternativen durch.

Praxistipp II Thematisches Theaterspiel: siehe unten

Geschlechtssensibel arbeiten?

Seien Sie sensibel für das Individuum, aber vergessen Sie dabei nie, dass dieses Kind auch ein Geschlecht hat. Trotz allen Engagements, das pädagogische Fachkräfte darauf verwenden sollten, geschlechtssensibel zu arbeiten und "Jungen und Mädchen" zu fördern, erscheit mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig zu sein, stets das einzelne Kind im Blick zu haben. Suchen Sie auch nach Gemeinsamkeiten zwischen Jungen und Mädchen; häufig sind die Unterschiede unter dem jeweiligen Geschlecht größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Anhang

1. Checkliste für Bücher und Spielmaterial

1. Gibt es Bilderbücher, in denen sich Mädchen und Jungen mit Themen rund ums Mädchen- und Junge-Werden beschäftigen?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

2. Gibt es Bilderbücher, in denen unterschiedliche Seiten von Jungen gezeigt werden, in den Jungen also beispielsweise stark, cool, frech, übermütig, abenteuerlustig und ängstlich, schwach, sensibel, kuschelig sind?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

3. Gibt es Bilderbücher, in denen die Hauptfigur ein Junge ist, der vor allem ängstliche und/oder traurige und/oder zurückgezogene und/oder "schwache" Seiten zeigt?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

4. Gibt es Bilderbücher, in denen unterschiedliche Seiten von Mädchen gezeigt werden, in den Mädchen also beispielsweise stark, cool, frech, übermütig, abenteuerlustig und ängstlich, traurig, zurückgezogen, kuschelig sind?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

5. Gibt es Bilderbücher, in denen starke Mädchen aufregende Abenteuer erleben und/oder ihre Interessen auch gegen den Willen der Eltern oder anderer erwachsener Bezugspersonen durchsetzen?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

6. Gibt es Bilderbücher, in denen Mütter fürsorglich, umsorgend und leistungsorientiert, erfolgreich (im Beruf) sind?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

7. Gibt es Bilderbücher, in denen Väter neue, moderne (Hausmann, fürsorglich) oder auch durch Arbeitslosigkeit gekennzeichnete Lebensentwürfe verfolgen?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

8. Gibt es Bilderbücher, in denen die in der Gesellschaft immer häufiger vorzufindenden "Patchworkfamilien" repräsentiert werden? Dies können sein: allein erziehende Mütter oder Väter mit ihren Kindern; geschiedene oder verwitwete Mütter bzw. Väter, die sich wieder neu "verpartnern" und wo sich die Kinder mit dem neuen Stiefvater oder der neuen Stiefmutter und evtl. deren Kindern auseinandersetzen müssen; lesbische oder schwule Ehen bzw. Partnerschaften mit Kindern.

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

9. Gibt es Bilderbücher, in denen Tiere die Hauptfiguren der Geschichte darstellen und die nicht als weibliche oder männliche Tiere zu identifizieren sind?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Bilderbüchern.

10. Gibt es jungentypisches Spiel- und Dekorationsmaterial wie Werkzeuge, technikbasierte Bausteine, (laute) Rennautos, Poster von Fußballmannschaften und/oder typisch männliche Verkleidungsutensilien wie Arbeitshandschuhe, Bauhelme?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Materialien.

11. Gibt es mädchentypisches Spiel- und Dekorationsmaterial wie Schmink- und Frisierutensilien, pink- oder rosafarbene Bausteine und/oder Poster von Tieren?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Materialien.

12. Gibt es geschlechtsneutrales Spiel- und Bastelmaterial?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Materialien.

13. Gibt es in allen Spielbereichen/-ecken geschlechtsspezifisches Material für Jungen und Mädchen und zusätzlich geschlechtsneutrales Material?

□ Ja

□ Nein

□ Ich sehe (weiteren) Bedarf an solchen Materialien.

Raum für eigene Notizen:


 

 

Praxistipp I Rollenwechselspiel

Kurzbeschreibung

Geschlechtstypisches Verhalten wird in einem Rollenwechselspiel in Frage gestellt.

Beispiel

Eine Gruppe von Männern und Frauen spielt bei einem gemütlichen Zusammensein einmal durch, was sie anders?machen würde, wenn sie das biologische Geschlecht wechseln könnte. Besonders Frauen, die in Partnerschaften mit Männern leben, also im privaten Alltag männliche Selbstverständlichkeiten wahrnehmen, genießen die Vorstellung, einen Tag lang als Mann durch das Leben zu gehen. Folgende Aussagen sind häufig zu hören: "Ich würde nach Einbruch der Dunkelheit joggen gehen - Ich würde Motorrad fahren - Ich würde mich einmal total daneben benehmen - Ich würde eine Woche lang in der gleichen Jeans herumlaufen." Männer hingegen stellen häufig fest, dass sie vieles nicht so einfach tun oder lassen könnten, was für sie als Mann selbstverständlich war. Einige fantasieren aber auch, wie herrlich es sein muss, den ganzen Tag über "nichts" zu tun. Ihre Vorstellung vom Leben als Hausfrau und Mutter ist begrenzt.

Altersgruppe

Kinder im Alter ab 4 Jahren

Material

Ausreichend Platz für Gesprächskreis, eine ruhige Atmosphäre

Zeit/Dauer

Das Zeitfenster sollte mindestens 45 Minuten betragen.

Ziel

Sprechsituationen schaffen, Geschlechterstereotype thematisieren

Ausgangssituation

Die Kinder sollten mit Gesprächssituationen vertraut sein; ?insgesamt muss eine vertrauensvolle Beziehung herrschen, in der kein Kind Angst hat, über sich und seine Gefühle zu sprechen.

Beschreibung

Spielen Sie mit den älteren Kindern (5-6 Jahre) das "Was-wäre-wenn-Spiel" und lassen Sie erzählen, was die Kinder anders machen würden, wenn sie einen Tag lang zum anderen Geschlecht gehören würden. Stellen Sie ihnen dabei Fragen, die das Phantasieren erleichtern:

  • Wie würde dein Tag anfangen, wenn du ein Junge oder ein Mädchen wärst?
  • Würden dich die Erwachsenen anders behandeln?
  • Wo würdest du im Kindergarten spielen? Mit wem?
  • Was wäre, wenn du groß (erwachsen) wärst? Wo würdest du arbeiten?

Variationen

Tipp fürs Team: Was würden Sie im beruflichen Alltag anders machen, wenn Sie ein Erzieher wären / eine Erzieherin?

Verkleideter Rollentausch:?Bereiten Sie ausreichend geschlechtstypische Verkleidungsstücke vor, wie es Kinder in der Gruppe gibt. Beachten Sie die Verteilung von Jungen und Mädchen in der Gruppe je spiegelverkehrt. Das Verkleidungsspiel zielt darauf ab, einen geschützten Raum zu bieten, in dem die Geschlechtergrenzen sozusagen spielerisch im Rahmen des Angebots überschritten werden können. Jedes Verkleidungsstück bekommt eine bestimmte Beschriftung oder einen Namen (Blaumann, Polizist, Hexe, Prinzessinnenkleid etc.), danach werden die jeweiligen Verkleidungen unter der Mädchen- und Jungengruppe verlost. Die Kinder ziehen für einen bestimmten Zeitraum die Kleidungen an und spielen in den ihnen zugewiesenen Rollen, im Anschluss können sie ihre Figur malen und mit Ihnen darüber sprechen, ob das Spiel ihnen gefallen hat.

Praxistipp II: Thematisches Theaterstück

Kurzbeschreibung

Geschlechtsspezifische Alltagsthemen der Kinder werden ?aufgegriffen und mittels Rollenspiel und Gespräch thematisiert.

Beispiel

Ein norwegischer Erzieher hatte beobachtet, dass die Jungen und Mädchen häufig in nach Geschlechtern getrennten Gruppen spielten. Diese Geschlechtertrennung ?wollten er und seine Kolleg/innen mit den Kindern zusammen besprechen. Sie erhofften sich, dass es den Kindern nach einer Rollenspieleinheit leichter fallen würde, Geschlechtergrenzen zu überschreiten und öfter gemeinsame Erfahrungen sammeln zu können.

In dem Rollenspiel, das die Erzieher/innen den Kindern vorspielten, spielten zwei Erzieherinnen zusammen ein Spiel. Ein Erzieher versuchte mitzuspielen, die beiden Frauen wiesen ihn aber immer wieder ab. Nach dem Rollenspiel spiegelte der Erzieher den Kindern seine Gefühle. Er erzählte ihnen, wie traurig ihn die Ausgrenzung gemacht habe. Anschließend fragte er die Kinder, was er und die anderen Erzieherinnen hätten anders machen sollen und wie sie selber in einer solchen Situation gehandelt hätten.

Im weiteren Verlauf sprachen die Kinder und Erzieher/innen darüber, in welchen Situationen Mädchen und Jungen zusammen spielen können und in welchen Situationen dies die Kinder lieber nicht wollten. Die Kinder waren mit großer Begeisterung dabei und beteiligten sich an dem Gespräch. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Kinder durchaus gewisse Vorstellungen darüber gewonnen hatten, wie Mädchen und Jungen zusammen spielen können, und sich darüber auch schon Gedanken gemacht hatten.

Die Erzieher/innen hatten auch den Eindruck, dass die Kinder in den folgenden Wochen das jeweils andere Geschlecht stärker in ihre Spiele integrierten als vorher.

Altersgruppe

Kindergruppen von 5 bis 15 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren

Material

Material für Rollenspiel, ausreichend Platz für Gesprächskreis

Zeit/Dauer

Das Zeitfenster sollte mind. 30 Minuten betragen.

Ziel

Sprechsituationen schaffen, Geschlechterstereotype thematisieren

Ausgangssituation

Die Gruppe sollte an Theater- oder Rollenspiele ebenso gewöhnt sein wie an gemeinsame Gespräche. Eventuell muss dies vorab eingeführt werden.

Vorbereitung

Beobachten Sie einige Tage gezielt die Kinder und suchen Sie dabei nach den "Geschlechterthemen". Beispiele für diese könnten sein,

  • dass Mädchen- und/oder Jungengruppen bestimmte Spielbereiche für sich allein beanspruchen oder häufig in nach Geschlechtern getrennten Gruppen spielen oder
  • dass bestimmte stereotype Verhaltensweisen vermehrt thematisiert werden seitens der Kinder: "Mädchen können doch gar nicht Fußball spielen, sind immer zickig" oder "Jungen weinen nicht, tragen keine Röcke".

Beschreibung

Führen Sie ein kleines Theaterstück auf, welches die beobachteten Alltagsprobleme und -themen der Kinder aufgreift. Kommen Sie anschließend mit den Kindern ?darüber ins Gespräch, suchen Sie gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten und/oder spielen Sie Alternativen durch. Stellen Sie den Kindern nach dem Rollenspiel Fragen wie: Was hättet ihr im Fall von Ole getan? Was würdet ihr den Rollenspielern jetzt raten? Habt ihr auch schon mal so etwas erlebt? Wie habt ihr euch dabei gefühlt?

Erzählen Sie den Kindern anschließend, welche Antworten Sie als hilfreich empfanden und welche weiteren Handlungen und Lösungen aus Ihrer Sicht noch möglich gewesen wären. Ermutigen Sie die Kinder, das Rollenspiel nachzuspielen bzw. weiterzuentwickeln.

Variationen

Diese Form der Bearbeitung bietet sich für jedwede Art von Alltagsthemen der Kinder an und ist nicht auf geschlechterbezogene Themen eingeschränkt.

Tipp

Stellen Sie im Rollenspiel Verbindungen zum täglichen Leben der Kinder her, indem Sie ihnen beispielsweise sagen: "Heute morgen habe ich Jens und Hasan zusammen spielen sehen, und dann kam Jenny, wisst ihr noch?"

Anmerkung

Dieser Artikel erschien in gekürzter und veränderter Fassung auf folgendem Medium: Berliner Institut für Frühpädagogik (Hrsg.): Sprache und Sprachförderung. Anregungen für die Sprachförderung im Kitaalltag. CD-Rom. Berlin 2009.

Literatur

Hoff-Ginsberg, Erika (2000): Soziale Umwelt und Sprachlernen. In: Grimm, Hannelore (Hrsg.): Sprachentwicklung. Bern, S. 463-494.

Jampert, Karin/Best, Petra/Guadatiello, Angela/Holler, Doris/Zehnbauer, Anne (Hrsg.) (2005): Schlüsselkompetenz Sprache. Sprachliche Bildung und Förderung im Kindergarten. Konzepte, Projekte und Maßnahmen. Berlin.

Krabel, Jens/Cremers, Michael (Hrsg.) (2008): Gender Loops. Praxisbuch für eine geschlechtergerechte und -bewusste Pädagogik in Kindertageseinrichtungen. Berlin.

Rabe-Kleberg, Ursula (2007): Gender Mainstreaming und Kindergarten. Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendhilfe. Berlin.

Rohrmann, Tim (2005): Geschlechtertrennung in der Kindheit: Empirische Forschung und pädagogische Praxis im Dialog. Abschlussbericht des Projekts "Identität und Geschlecht in der Kindheit". Braunschweiger Zentrum für Gender Studies. Braunschweig.

Rohrmann, Tim (2008): Zwei Welten. Geschlechtertrennung in der Kindheit. Forschung und Praxis im Dialog. Opladen.

Walter, Melitta (2005): Jungen sind anders, Mädchen auch. Den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung. München.

Zehnbauer, Anne/Jampert, Karin (2005): Sprachliche Bildung und Sprachförderung im Rahmen einer ganzheitlichen Elementarpädagogik. In: Jampert, Karin/Best, Petra/Guadatiello, Angela/Holler, Doris/Zehnbauer, Anne (Hrsg.): Schlüsselkompetenz Sprache. Sprachliche Bildung und Förderung im Kindergarten. Konzepte, Projekte und Maßnahmen. Berlin, S. 33-37.

Autorin

Kerstin Nitsche (Erziehungswissenschaftlerin M. A.) arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Evangelischen Fachhochschule Berlin im Studiengang Elementare Pädagogik und promoviert an der Goethe-Universität Frankfurt am Main bei Frau Prof. Dr. Friebertshäuser. Freiberuflich arbeitet sie als Dozentin und Beraterin im Bereich Frühe Kindheit mit den Schwerpunkten Medienpädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Raumgestaltung.

Kontakt über Evangelische Fachhochschule Berlin: nitsche@eh-berlin.de