Gesundheitsförderung im Kindergarten - "Das Ich-bin-ich-Programm"

Christina Krause

 

Was will/kann Gesundheitsförderung?

Gesundheitsförderung will allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglichen und sie dadurch zur Stärkung ihrer Gesundheit befähigen (vgl. Ottawa Charta 1986). Die Herausbildung von gesundheitsförderlichem Verhalten kann nicht früh genug beginnen, denn grundlegende Einstellungen und Gewohnheiten entstehen in den ersten Lebensjahren und sind maßgeblich daran beteiligt, wenn später Gesundheitsprobleme wie zum Beispiel Sucht und Übergewicht auftreten. Zu den Zielen der Gesundheitserziehung im Kindes- und Jugendalter gehört, dass die Heranwachsenden lernen, ihre eigene Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Schwerpunktmäßig geht es dabei um folgende Inhalte:

  • Erziehung zur regelmäßigen Körperpflege und Sauberkeit,
  • Entwicklung eines gesunden Ernährungsverhaltens,
  • Erhaltung und Förderung der Freude an Bewegung,
  • Erziehung zum Engagement für eine gesunde Umwelt,
  • Befähigung zum Umgang mit den alltäglichen Stressoren,
  • Entwicklung von Widerstandsfähigkeit und Stärkung der Gesundheitsfaktoren,
  • Herausbildung eines starken Kohärenzgefühls.

Gesundheit und Wohlbefinden von Heranwachsenden hängen in hohem Maße von ihren gesellschaftlichen Chancen ab. Wenn die Grundvoraussetzungen, wie zum Beispiel Nahrung, Wohnung und ökonomische Sicherheit, nicht gegeben sind und Kinder unter sehr ungleichen Lebensbedingungen aufwachsen, wirkt sich das auf die Gesundheit und auf das Wohlbefinden von Heranwachsenden langfristig aus; ihre körperliche, psychische und soziale Entwicklung wird unterschiedlich verlaufen.

Die erste große, bundesweit angelegte Untersuchung zur Kindergesundheit (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts dokumentierte erstmals repräsentativ den Gesundheitszustand der deutschen Kinder und Jugendlichen (Ravens-Sieberer/ Ellert/ Erhart 2007). Danach steht einem Rückgang von akuten somatischen Krankheiten ein deutlicher Anstieg chronischer Erkrankungen und psychischer Störungen gegenüber. Die Untersuchung zeigte, dass sich Armut und soziale Benachteiligung - besonders wenn sie Heranwachsende mit Migrationshintergrund betreffen - stark auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken.

Die Forscher des Robert-Koch-Instituts unterstreichen die große Bedeutung von Selbstwertgefühl, Eigenaktivität, Verantwortungsgefühl, Konflikt- und Genussfähigkeit für ein gesundes Aufwachsen. Es ist das Anliegen von Gesundheitsförderung, diese Fähigkeiten gezielt zu entwickeln und zu stärken.

Für Bildungseinrichtungen ergibt sich daraus ein Auftrag, dessen Bedeutung noch deutlicher wird, wenn der Blick auf die ungleich verteilten Bildungs- und Entwicklungschancen gerichtet wird. Die Ergebnisse aller bisherigen PISA-Studien zeigen:

  • Deutschland ist im internationalen Vergleich das Schlusslicht bei der Integration von Migrantenkindern. Bei gleich guten Leistungen erhalten Kinder mit einer niedrigen sozialen Herkunft seltener eine Empfehlung für das Gymnasium.
  • Migrantenkinder der zweiten Generation liegen in ihrer kognitiven Entwicklung hinter ihren Mitschülern und Mitschülerinnen rund zwei Jahre zurück.
  • Es existiert keine geregelte Vorschulbildung, was sich als nachteilig besonders für Kinder aus sozialen Problemlagen und mit Migrationshintergrund erweist.

Was kann Gesundheitsförderung? Sie ist ein sinnvolles und machbares Anliegen, wenn bei den Kindern die wesentlichen Widerstandsressourcen, die ihnen auch noch im Erwachsenenalter bei der Bewältigung der alltäglichen Belastungen helfen, gefördert werden. Im Kindergarten besteht die reale Chance, alle Kinder gleichermaßen zu erreichen und Gesundheitsförderung als immanenten Bestandteil des Bildungs- und Erziehungsgeschehens zu realisieren. Es ist wichtig, diese Chance zu nutzen, auch wenn das Dilemma bestehen bleibt: Denn durch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung kann die Bildungsungerechtigkeit nicht abgeschafft, kann Armut nicht beseitigt und können die Fernsehsendungen nicht gewaltfreier werden.

Hinzu kommt, dass Erzieher/innen gegenwärtig nicht genügend auf diese Seite ihrer Tätigkeit vorbereitet sind. Sie brauchen Anregungen, Unterstützung und Qualifizierung, aber auch Anerkennung für ihre Leistungen. Gesundheitsförderprogramme, die flexibel einsetzbar sind und den Bedürfnissen der jeweiligen Einrichtung angepasst werden können, sind eine wertvolle Hilfe für die Praktiker/innen.

Gesundheitsförderung heißt, dass jene Faktoren, die das gesunde Aufwachsen gewährleisten, bewusst und zielgerichtet entwickelt werden. Es geht also um die Beantwortung der Frage: Was erhält Menschen gesund und hilft ihnen, mit Anforderungen gesundheitsförderlich umzugehen? Diese Frage wurde erstmals von Aaron Antonovsky gestellt, dessen Konzept der Salutogenese nicht mehr aus den Diskussionen um Gesundheitsförderung wegzudenken ist. Das Ich-bin-ich-Programm, das hier vorgestellt werden soll, beruht auf dem Gedanken der Salutogenese.

Die salutogenetische Frage nach den Quellen der Gesundheit

Antonovsky versteht Gesundheit als einen dynamischen Prozess der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. Jeder Mensch befinde sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens auf einem Kontinuum zwischen den Polen "maximale Gesundheit" und "maximale Krankheit bzw. Tod". Eine Klassifizierung von Menschen in entweder "krank" oder "gesund" lehnt Antonovsky ab. Er sagt: "Wir alle sind sterblich. Ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch Leben in uns ist, in einem gewiesen Ausmaß gesund" (1997, S. 23).

Antonovsky fragt danach, was einer Person hilft, trotz widriger Umstände gesund zu bleiben. Für ihn ist es ein salutogenes Wunder, dass es den meisten Menschen zu gelingen scheint, sich eher in Richtung Gesundheit als in Richtung Krankheit zu bewegen. Wie schwierig dies ist, das hat er mit einer einprägsamen Metapher erklärt: Wir alle befänden uns immer im gefährlichen Fluss des Lebens und könnten niemals sicher am Ufer stehen. "Wir alle, um mit der Metapher fortzufahren, sind vom Moment unserer Empfängnis bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Kante des Wasserfalls passieren, um zu sterben, in diesem Fluss" (Antonovsky 1993, S. 8 f.)

Antonovsky war der erste Gesundheitswissenschaftler, der den Blick von den krank machenden Risikofaktoren auf die gesund machenden Schutzfaktoren, die er auch "generalisierte Widerstandsressourcen" nennt, gerichtet hat. Wenn diese Schutz- bzw. Gesundheitsfaktoren bekannt sind, dann können neue Wege in der Gesundheitserziehung gegangen werden.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den Perspektivenwechsel von der Pathogenese zur Salutogenese:

Pathogenese Salutogenese

Dichotomie: Krankheit vs. Gesundheit

Kontinuum: Prozess zwischen den Polen "gesund" und "krank"

Was macht den Menschen krank?

Was erhält den Menschen gesund?

Prävention

Gesundheitsförderung

Risikofaktoren

Schutzfaktoren

Bei den generalisierten Widerstandsressourcen können körperliche Ressourcen, personale Ressourcen, materielle Ressourcen, soziale Ressourcen und gesellschaftlich-kulturelle Ressourcen unterschieden werden.

Die Gewährleistung und Förderung der personalen und sozialen Ressourcen gehört sicherlich zu den Schwerpunktaufgaben der Erziehung im Kindergarten. Deren Förderung ist das Ziel des Ich-bin-ich-Programms.

Selbstwert und Zugehörigkeit - die wesentlichen Gesundheitsfaktoren

Einerseits brauchen Kinder Bindung, Beziehung und Resonanz, so dass das Gefühl von Sicherheit und Dazugehören entstehen kann. Andererseits brauchen sie Akzeptanz und Bestätigung, so dass sie zu autonomen, selbstsicheren und sich selbst wertschätzenden Persönlichkeiten heranwachsen können.

Das Selbstwertgefühl ist die gefühlsmäßig verankerte Beziehung eines Menschen zu sich selbst und schließt die Akzeptanz der eigenen Person sowie Zuversicht in die eigenen Möglichkeiten ein. Es ist jenes Gefühl, das aus dem Erleben von Kompetenz, Partizipation und Anerkennung entsteht. Kinder mit einem starken Selbstwert sind risikobereit, kommunikativ, sicher, suchen sich Hilfe, und sie erleben Anforderungen eher als Herausforderung denn als Belastung (vgl. Krause 2009).

Das Zugehörigkeitsgefühl ist die gefühlsmäßig verankerte Beziehung zu anderen Menschen und schließt Resonanz, Sicherheit und Verbundensein ein. Es ist jenes Gefühl, das aus dem Erleben von Angenommensein und Dazugehören entsteht. Das erste und grundlegende Gefühl von Zugehörigkeit entsteht in den familiären Beziehungen. Kinder, die sich geborgen und eingebunden fühlen, können jene Wurzeln ausbilden, die ihnen in ihrem Leben als stabile Verankerung die nötige Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Kräfte geben (vgl. Krause/ Lorenz 2009).

Es ist davon auszugehen, dass mit der Förderung dieser Widerstandsressourcen - Selbstwert und Zugehörigkeit - wichtige Voraussetzungen für die Bewältigung zukünftiger Anforderungen geschaffen werden und auf diese Weise jedes Kind gut auf die Stressoren des Lebens vorbereitet werden kann. Da die Schule ein nicht zu unterschätzender Stressor ist, kann mit Gesundheitsförderung im Kindergarten auch viel zur Vorbereitung auf die Schule und zum gesundheitsförderlichen Umgang mit Schulstress getan werden. "Das Ich-bin-ich-Programm - Selbstwertstärkung im Kindergarten" beinhaltet Anregungen und Material, mit deren Hilfe die Entwicklung dieser Ressourcen gefördert werden kann. Im Folgenden wird ein Überblick über Ziele und Inhalte des Programms gegeben.

"Das Ich-bin-ich-Programm"

Zielstellung

  • Förderung eines positiven Selbstwertgefühls und des Wohlbefindens der Kinder.
  • Förderung des Zugehörigkeitsgefühls, des Sich-Wohlfühlens in der Gruppe.
  • Erwerb von Konfliktlösefähigkeiten und Stressbewältigungsstrategien, um Belastungen besser bewältigen zu können.

Inhalt

Das Programm besteht aus acht Modulen mit jeweils zwei bis sechs Gesundheitstagen. Jeder Tag kann nach Ermessen der Erzieherin geplant werden; in der Regel nimmt er ein bis zwei Stunden in Anspruch.

Modul 1: Körpererfahrung und Entspannung

Ziele: Einführung in das Programm; Kennenlernen der Rituale; Erproben erster Entspannungsübungen; Bewunderung des menschlichen Körpers; Erkennen der Einmaligkeit jedes einzelnen Kindes.

Motto: "Mein Körper ist mein Haus, und darin fühle ich mich wohl."

  • Tag 1: Unser "Ich-bin-ich-Tag" (Einführung)
  • Tag 2: Ich entspanne mich
  • Tag 3: Meine Hände und meine Füße
  • Tag 4: Das bin ich

Modul 2: Bewegung

Ziele: Erleben des Wertes von Bewegung für das Wohlbefinden; Erfahren der Wirkung von Berührung am eigenen Körper; Ausprobieren verschiedener Bewegungsformen und Rhythmen; Spüren der Körperreaktion beim Tanzen.

Motto: "Ich bin fit und stark."

  • Tag 1: Die Reise nach Afrika
  • Tag 2: Die Reise zum Nordpol
  • Tag 3: Bei Emil zu Hause
  • Tag 4: Die Reise mit dem Heißluftballon

Modul 3: Kommunikation

Ziele: Erlernen und üben des aktiven Zuhörens; Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten.

Motto: "Wir sprechen und spielen gern miteinander."

  • Tag 1: Ich höre dir zu
  • Tag 2: Ich vertraue dir

Modul 4: Kreatives Spielen

Ziele: (Wieder-) Entdecken von Freude an Kinderspielen als Alternativen zum Fernsehen; Anregen der Fantasie und die Umsetzung eigener Spielideen.

Motto: "Was wir alles spielen können, um Spaß zu haben."

  • Tag 1: Mein Teich
  • Tag 2: Wir denken uns ein neues Spiel aus

Modul 5: Selbstreflexion

Ziele: Erkennen und Nutzen der eigenen Stärken; Wahrnehmen der Einzigartigkeit jedes Kindes; Reflektieren über die eigene Familie und Auseinandersetzen mit der Vielfalt von Familienformen und Familienkulturen.

Motto: "Ich bin Ich. So wie ich bin, bin ich okay."

  • Tag 1: So bin ich
  • Tag 2: So bin ich, so bist du
  • Tag 3: Ich und meine Familie (Teil I)
  • Tag 4: Ich und meine Familie (Teil II).

Modul 6: Gefühle

Ziele: Wahrnehmen eigener Gefühle; Erkennen und Respektieren der Gefühle anderer Kinder; Erleben unterschiedlicher Gefühle und Reflektieren über deren Bedeutung; Herausarbeiten der Akzeptanz aller Gefühle.

Motto: "Ich erkenne und achte meine und deine Gefühle."

  • Tag 1: Ich bin glücklich
  • Tag 2: Ich bin traurig
  • Tag 3: Ich bin wieder glücklich
  • Tag 4: Die Welt der Gefühle
  • Tag 5: Manchmal habe ich Angst
  • Tag 6: Alle meine Gefühle sind wichtig, aber nicht alle sind schön

Modul 7: Konflikte und Konfliktlösung

Ziele: Erproben von unterschiedlichen Konfliktlösungen; Äußern von Gefühlen bei Konflikten; Erkennen der Folgen von Gewalt und das Üben von gewaltfreien Lösungen.

Motto: "Jeder ist anders. Ich akzeptiere dich so, wie du bist."

  • Tag 1: Lass mich spielen
  • Tag 2: Ich kann das besser
  • Tag 3: Sei nicht so gemein
  • Tag 4: Tu mir nicht weh

Modul 8: Ernährung

Ziele: Entwicklung von Bewusstsein über das eigene Essverhalten; Austausch über Essgewohnheiten; Erarbeiten des Zusammenhangs von Essverhalten und Wohlbefinden; Erleben von Freude am gemeinsamen Essen.

Motto: "Wir essen gern gemeinsam, und wir essen viel Obst und Gemüse."

  • Tag 1: Was ich gerne esse
  • Tag 2: Wir essen und feiern gerne gemeinsam

Organisation und Durchführung

Das Programm ist eine Fortführung und Modifizierung des Gesundheitsförderprogramms "Selbstwert stärken - Gesundheit fördern", das Unterrichtsvorschläge für alle vier Grundschuljahre enthält (vgl. Krause u.a. 2000/2001). Das Ich-bin-ich Programm für den Kindergarten ist für Kinder zwischen fünf und sieben Jahren, die in ein bis zwei Jahren eingeschult werden, konzipiert. Es stellt Ablaufpläne und die dazu benötigten Materialien bereit. Die Vorschläge sollen eine Anregung sein; sie können jederzeit nach eigenen Ideen und Vorstellungen modifiziert werden. Die einzelnen Gesundheitstage sind so vorbereitet (Arbeitsblätter, Kopiervorlagen, Abbildungen), dass die Erzieherin sofort starten kann. Der Verein KESS e.V. bietet jedoch auch Unterstützung, z.B. Fortbildungskurse, Einführungsveranstaltungen und Vorträge zu den Themen der einzelnen Module an (www.kess-ev.de).

Rituale sind ein wichtiger Bestandteil der "Ich bin Ich"-Tage. Dazu gehören:

  • Die beiden Projektmaskottchen: ein Elefant und eine Eisbärin
  • Das Projektlied
  • Die Entspannungsübung
  • Abschiedsritual "Das kleine Tschüss"
  • Die Gesundheitsmappe

Während der "Ich bin Ich"-Tage wird die Kommunikation der Kinder untereinander gefördert. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Unterstützung von Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung. So sind z.B. Rollenspiele in den Ablauf eingebaut, damit sich die Kinder in eine bestimmte Situation oder in andere Personen hineinversetzen können. Insgesamt soll das Programm von positiven Gefühlen begleitet sein, um das Vertrauen der Kinder in die eigenen Möglichkeiten zu stärken und den Lernerfolg zu unterstützen.

Erfahrungen aus der Implementation und der Evaluation

Das Ich-bin-ich-Programm ist in den Jahren 2006 bis 2009 in ca. 20 Kindergärten über ein Jahr lang begleitet worden. Es wurde in dieser Zeit in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen immanent überarbeitet und 2010 bei Cornelsen Scriptor veröffentlicht.

Zunächst fand die Programm- und Prozessevaluation statt. Dazu wurden die Erzieherinnen nach jedem Gesundheitstag interviewt. Gleichzeitig wurde ein Verfahren zur Messung der Befindlichkeit von Kindern entwickelt und erprobt. Gegenwärtig wird an der Validierung des Messinstruments und an der Ergebnisevaluation des Programms gearbeitet.

Auf Grund der bisherigen Erfahrungen lässt sich sagen:

1. Das Ich-bin-ich-Programm unterstützt die alltägliche Arbeit der Erzieherin. Es bietet einen sicheren Rahmen, um Neues auszuprobieren. Obwohl die im Programm angesprochenen Themen implizit in den Erziehungszielen verankert sind und schließlich in den Bildungs- und Erziehungsplänen auch explizit gefordert werden, ist ihre Realisierung im Kindergartenalltag schwierig. Mit Hilfe des Ich-bin-ich-Programms kann die Arbeit an der Umsetzung dieser Ziele systematisch und zielgerichtet erfolgen.

2. Die intensive Beziehung zu den Kindern, ihre Lernerfolge und die Übertragbarkeit der Inhalte des Programms auf den Kindergartenalltag werden als Bereicherung empfunden. Im Rahmen des Programms erfahren die Erzieher/innen mehr über die Kinder, über ihre Wünsche und Sorgen, über ihre Familie und deren Werte; und sie können mit diesem Wissen der Individualität des Kindes besser gerecht werden kann. Die Gesundheitstage bieten Raum und Zeit für gemeinsames Ausprobieren und gegenseitige Bestätigung. Das einzelne Kind steht während der Gesundheitsstunden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die meisten Erzieher/innen, die ein Jahr lang mit dem Programm gearbeitet haben, setzen es weiterhin ein, so dass letztendlich allen Kinder ihrer Einrichtung diese Gesundheitsförderung zugute kommt.

3. Die Selbstwertstärkung in der "Ich bin ich"-Gruppe ist erfolgreich, weil in einer kleinen stabilen Gruppe jedes Kind mit seinen Besonderheiten wahrgenommen und akzeptiert werden kann. Die Übungen, die zum Programm gehören, lassen sich gut umsetzen. Bei der Vorbereitung auf den Gesundheitstag fallen den Erzieher/innen oft weitere Varianten ein. Das ist auch so gewollt, denn die spezifische Situation in der Gruppe und das Entwicklungsniveau der einzelnen Kinder kennt die Erzieherin am besten, und deshalb wird sie auch entscheiden, bei welcher Übung sie länger verharrt, welche sie auslässt und welche Übung sie hinzunimmt. Das Selbstvertrauen der Kinder verändert sich während des Jahres, in dem die "Ich bin ich-Tage" stattfinden. Auch die Kinder, die sonst kaum sprechen, beteiligen sich zunehmend aktiv und lernen, ihre Stärken wahrzunehmen und diese in die Gruppe einzubringen. Sie werden risikofreudiger und sicherer.

4. Für die Zusammenarbeit mit den Eltern wurde ein Elternkurs erarbeitet (Krause 2008). Es hat sich als besonders effektiv erwiesen, wenn begleitend zu dem Kinderprogramm die Eltern regelmäßig zusammenkamen, um sich über die Themen des Ich-bin-ich-Programms auszutauschen.

Literatur

Antonovsky, A. (1993): Gesundheitsforschung versus Krankheitsforschung. In: Franke, A. und Broda, M.: Psychosomatische Gesundheit. Tübingen: Dgvt-Verlag, S. 3-14.

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: dgvt-Verlag.

Krause, C./Hannich, H.-J./Stückle, C./Widmer, C./Rohde, C./Wiesmann, U. (2000): Selbstwert stärken - Gesundheit fördern: Unterrichtsvorschläge für das 1. und 2. Schuljahr. Donauwörth: Auer.

Krause, C./Stückle, C./Widmer, C./Wiesmann, U. (2001): Selbstwert stärken - Gesundheit fördern. Unterrichtsvorschläge für das 3. und 4. Schuljahr. Donauwörth: Auer.

Krause, C./Wiesmann, U./Hannich, H.-J. (2004): Subjektive Befindlichkeit und Selbstwertgefühl von Grundschulkindern. Lengerich: Pabst Science Publishers.

Krause, C. (2008): Ohne Eltern geht es nicht! Handbuch zur Durchführung eines Elternkurses im Rahmen von Gesundheitsförderung. Heckenbeck: Verlag Gesunde Entwicklung.

Krause, C. (2009): Das Ich-bin-ich-Programm. Selbstwertstärkung im Kindergarten mit Pauline und Emil. Berlin: Cornelsen Scriptor.

Krause, C./Lorenz, R.-F. (2009): Was Kindern Halt gibt. Salutogenese in der Erziehung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ravens-Sieberer, U./Ellert, U./Erhart, M. (2007): Gesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, Heft 5/6, S. 810-818.

Kontakt

Prof. Dr. Christina Krause, ckrause@uni-goettingen.de; info@kess-ev.de