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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2011 der Bertelsmann-Stiftung - Zusammenfassung durch die BDA Donate Kluxen-Pyta
Die Bertelsmann-Stiftung hat 2011 wieder den Ländermonitor "Frühkindliche Bildungsysteme" veröffentlicht. Aufgrund der Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, der Kinder- und Jugendhilfestatistik, der Kultusministerkonferenz sowie einer Befragung aller zuständigen Fachministerien der Bundesländer bietet der Monitor einen hervorragenden und einmaligen Überblick über die Entwicklung der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in den Bundesländern und im bundesweiten Durchschnitt. Er zeigt eine erhebliche Ausbaudynamik bundesweit, aber mit erheblichen Unterschieden in Angebotsform, Personalausstattung und Ausbildung zwischen den Ländern. Ganztagsbetreuung an der Grundschule mangelhaft Versäumnisse werden vor allem bei der flächendeckenden Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern angemahnt: Besuchen in den ostdeutschen Ländern drei Viertel (75,4%) der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot, war es in den westdeutschen Ländern nur gut jedes fünfte Kind (21,4%). In jedem ostdeutschen Bundesland nutzen mehr als 60% der Grundschüler ein Ganztagsangebot, in Berlin liegt der Anteil bei fast 70%. Im deutschlandweiten Vergleich liegen die Teilhabequoten von Hamburg (fast 48%), Bremen (knapp 37%), dem Saarland und Nordrhein-Westfalen (jeweils knapp 29%) im Mittelfeld. Nur etwas weniger als ein Viertel der Grundschüler nutzen in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hessen (jeweils 24%) ganztägige Angebote. Den größten Aufholbedarf haben Bayern (knapp 16%), Niedersachsen (knapp 15%) und Baden-Württemberg (knapp 13%). Während die Grundschulkinder in Ostdeutschland überwiegend in Horten betreut werden, ist im Westen die offene Ganztagsschule am weitesten verbreitet. Der Länderreport sieht in den Horten eine umfangreichere Betreuung und besser qualifiziertes Personal angeboten, insofern an vier bis fünf Tagen in der Woche bis mindestens 17 Uhr ein Angebot besteht und Mindeststandards für Anzahl und Qualifikation des Personals definiert sind. Als Ganztagsschule gilt - laut Kultusministerkonferenz - eine Schule bereits, wenn sie an mindestens drei Tagen in der Woche für täglich sieben Zeitstunden ein Angebot vorsieht. Gebundene Ganztagsschulen in Bayern, Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen sehen die Öffnung an mindestens vier Tagen zu je acht Stunden vor. Kinder und Eltern finden damit je nach Bundesland und Angebotsform vor Ort überaus unterschiedliche Optionen der Ganztagsbetreuung vor. Die Ganztagsangebote im Primarbereich sind zudem aufgrund der Heterogenität nur schwer einer systematischen Analyse zugänglich. Teilhabequoten an Bildung und Betreuung gestiegen, aber heterogen Generell besteht bundesweit ein Trend zu einer höheren Teilhabe der Kinder unter drei Jahren: Besuchten 2008 knapp 18% dieser Altersgruppe eine Kindertagesbetreuung, sind es 2010 bereits über 23%. Nach wie vor ist die Differenz zwischen Ost und West erheblich mit 48% der unter Dreijährigen in Kindertageseinrichtungen in den östlichen und lediglich etwas mehr als 17% in den westlichen Bundesländern:
Kinder zwischen drei und sechs Jahren gingen im bundesweiten Durchschnitt zu über 93% in einer KiTa oder Kindertagespflege; in Ostdeutschland sind es über 95%, in Westdeutschland knapp 93%. Insofern ein erheblicher Teil der dreijährigen Kinder (fast 87%) in Deutschland in einer Kindertagesbetreuung ist, kann man davon ausgehen, dass Kinder bis Schulbeginn etwa drei Jahre lang in eine Einrichtung gehen. Bei der Teilhabequote von Migrantenkindern gibt es erhebliche Unterschiede mit 94% in Baden-Württemberg einerseits und 60% in Schleswig-Holstein andererseits. Im Saarland haben 91%, in Rheinland-Pfalz 89%, Nordrhein-Westfalen 88% und Hessen 86% der Kleinkinder mit Migrationshintergrund ein Betreuungsangebot; Nachholbedarf besteht in Berlin (80%), Niedersachsen (76%), Bayern und Bremen (jeweils 75%) sowie in Hamburg (72%). In Schleswig-Holstein besuchen 91% der drei- bis sechsjährigen Kinder ohne Migrationshintergrund eine Kita, aber nur 60% der Kinder mit Migrationsgeschichte; ähnlich sieht es in Bayern (95 zu 75%), Bremen (96 zu 75%) und Berlin (100 zu 80%) aus. Unterschiedliche Betreuungszeiten in der Kita Bei den Kindergartenkindern zeigt sich auch für die genutzten Betreuungszeiten im Bundesländervergleich ein heterogenes Bild: Während im März 2010 für die Mehrzahl der Kinder (über 72%) in Ostdeutschland mehr als 7 Stunden tägliche Betreuungszeit vereinbart sind, gilt dies in Westdeutschland nur für knapp 28%. Am häufigsten (über 36%) wird hier eine tägliche Betreuungszeit von mehr als 5 bis zu 7 Stunden genutzt. Die Halbtagsbetreuung (bis zu 5 Stunden täglich) nehmen in Ostdeutschland nur knapp 10% dieser Altersgruppe in Anspruch; demgegenüber ist dieser Betreuungsumfang in Westdeutschland 2010 noch für knapp ein Viertel dieser Gruppe vereinbart. Dabei sind Unterschiede auch zwischen westdeutschen Ländern erheblich: Nutzen in Baden-Württemberg knapp 5% diese Halbtagsbetreuung, sind es in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein mehr als 63% bzw. 51%. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in Ganztagsbetreuung ist in einigen Ländern höher als von Kindern ohne Migrationshintergrund, so in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Dies widerlegt die These, Familien mit Migrationshintergrund würden deutsche Kindertageseinrichtungen generell nur in geringerem Umfang nutzen. Ausgaben für frühkindliche Bildung und Betreuung gestiegen Für den Zeitraum von 2005 bis 2008 kann für fast jedes Bundesland festgestellt werden, dass die Ausgaben kontinuierlich gestiegen sind. Da die Ausgangsniveaus allerdings unterschiedlich sind, bestehen auch 2008 noch erhebliche Unterschiede zwischen den öffentlichen Ausgaben pro unter sechsjährigem Kind. Bundesweit hat Berlin in diesem Jahr mit 4.145 Euro die höchsten reinen Nettoausgaben pro unter Sechsjährigem. In den östlichen Bundesländern liegen in Sachsen-Anhalt mit 3.437 Euro und in Sachsen mit 3.341 Euro die Ausgaben ebenfalls vergleichsweise hoch. Deutlich niedriger sind sie in Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 2.611 Euro. In Westdeutschland ist es der Stadtstaat Hamburg, der mit 3.723 Euro die durchschnittlich höchsten Ausgaben hier tätigt, von den westlichen Flächenländern Rheinland-Pfalz mit 3.224 Euro. Deutlich niedriger - und am niedrigsten bundesweit - sind die Ausgaben in Schleswig-Holstein (2.180 Euro). Auch in Bayern (2.338 Euro) und Niedersachsen (2.385 Euro) sind die Ausgaben relativ niedrig. Mangels geeigneten Datenmaterials stehen auf Bundesländerebene keine verlässlichen Daten für die Kosten eines Platzes zur Verfügung. Zudem liegen - insbesondere für politische Entscheidungsprozesse - nach wie vor nur wenige Daten und Informationen zu den Kosten und Finanzierungsprinzipien von Kindertageseinrichtungen vor. Ausbildung des pädagogischen Personals: mehr Hochschulabsolventen Die Mehrheit des pädagogischen Personals verfügt über eine Ausbildung; lediglich 2% haben keinen formalen Ausbildungsabschluss. Im Bundesdurchschnitt verfügen im März 2010 rund 72% des pädagogischen Personals über einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss, zumeist als Erzieherin. Der Bundesländervergleich zeigt Anteile des Personals mit Fachschulabschluss zwischen 52% und 91% (Anteil in Ostdeutschland 88%, in Westdeutschland 68%). Zweitgrößte Gruppe des pädagogischen Personals stellen die Kinderpflegerinnen mit einem Berufsfachschulabschluss (inkl. Assistentinnen im Sozialwesen). Im Bundesdurchschnitt liegt ihr Anteil bei 13% - mit 0,7% in Brandenburg und Thüringen bis gut 37% in Bayern, in den ostdeutschen Bundesländern insgesamt nur 1% und in westdeutschen Einrichtungen mit durchschnittlich 17%. Im März 2010 liegt der Anteil des pädagogischen Personals mit einem fachlich einschlägigen Hochschulabschluss im Bundesdurchschnitt bei knapp 4%. Bundesweit ist in gut jeder fünften Einrichtung (21%) eine pädagogische Fachkraft mit Hochschulabschluss tätig. Während in Hamburg in der Hälfte der Kitas mindestens eine Hochschulqualifizierte tätig ist, trifft dies im Saarland nur auf 9% zu. Personalschlüssel mit großer Spannbreite Für Krippengruppen, in denen nur Kinder unter drei Jahren betreut werden, besteht bei den Personalschlüsseln eine Spannbreite von 1:3,2 in Bremen bis 1:7,0 in Brandenburg. Im Ost-West-Vergleich zeigt sich für die ostdeutschen Bundesländer im Durchschnitt mit 1:6,1 ein erheblich schlechterer Personalschlüssel als in Westdeutschland mit 1:3,9. Auch die bundesweite Spannbreite bei Kindertageseinrichtungen für Kinder ab 3 Jahren bis Schuleintritt von 1:7,1 in Bremen bis 1:13,1 in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, dass die Rahmenbedingungen von Bildungseinrichtungen bundesweit auseinander klaffen. Viele Länderministerien erwarten in den nächsten Jahren einen erhöhten Personalbedarf, der sich aus geplanten Reformen ergibt wie Personalschlüsselverbesserung, Ganztagsbetreuung und Sprachförderung. Die Maßnahmen zur Bedarfsdeckung sehen eine Verbesserung der Personal-Gewinnung und Qualifizierung vor, weniger der Personal-Bindung. Ausführliche Tabellen und Grafiken der verschiedenen Bereiche für jedes Bundesland finden sich im Internet unter www.laendermonitor.de Bewertung Der Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2011 zeigt einmal mehr die Heterogenität der Ausgangsbedingungen, unter denen Bildungseinrichtungen in den verschiedenen Bundesländern arbeiten. Besteht in den neuen Ländern ein höheres Ausmaß an zeitlicher und früherer Betreuung, ist doch andererseits der Personalschlüssel deutlich geringer. Für die Qualitätsicherung ist aber ein ausreichendes und qualifiziertes Personal ebenso wichtig wie ausreichende Zeit in der Kindertageseinrichtung. Der immer noch beachtliche Anteil an Halbtagsangeboten in Kita und Grundschule zeigt, dass eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch ausreichende Betreuungsangebote noch keineswegs gewährleistet ist. Kinder und Eltern finden mit Schuleintritt zum Teil weniger Ganztagsangebote vor als im Kindergartenbereich. Erfreulich ist insbesondere, dass zunehmend Mitarbeiter mit Hochschulausbildung im frühkindlichen Bereich tätig sind, wenn dies auch insgesamt bundesweit - naturgemäß - noch wenige Personen sind. Kinder aus Migrantenfamilien besuchen im Durchschnitt immer noch zu wenig eine Kindertageseinrichtung, allerdings je nach Bundesland zu höchst unterschiedlichen Anteilen. Eine generelle Zurückhaltung der Migrantenfamilien liegt nicht vor. Autorin Dr. Donate Kluxen-Pyta |