Der Treffpunkt für die Forscher von morgen: Das "Open Lab" an der Johannes Kepler Universität in Linz

Brigitte Rametsteiner

 

Die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines Forschungslabors zu blicken, die Kinder und Jugendliche (von fünf Jahren bis zur Matura) seit 2006 in Wien geboten wird (nach einem Konzept von Prof. Dr. Josef Penninger, Institut für molekulare Biotechnologie), gibt es nun auch in Linz: Das Open Lab an der JKU Linz wurde in Kooperation mit dem Land Oberösterreich, der Borealis und der JKU ins Leben gerufen und am 18. Jänner 2013 im Beisein des Landeshauptmannes Dr. J. Pühringer und Vertretern der Landesregierung von Oberösterrreich, dem Rektor der JKU Prof. Dr. R. Hagelauer mit einem Stab seiner Professoren, OMV-GD Dr. G. Roiss, zahlreichen Vertretern aus Wirtschaft, Pädagogik usw. eröffnet.

"Ziel: Naturwissenschaften erleben und begreifen.
Angebot: Spannende Experimente für jedes Alter.
Das JKU Open Lab sieht sich als außerschulischer Lernort, in dem Schülerinnen und Schüler im Rahmen schulischer Veranstaltungen die Möglichkeit erhalten, sich durch eigenes Experimentieren mit modernen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Ergänzend zum bereits in der Schule erworbenen theoretischem Wissen, möchten wir den Schülern mit dem Bearbeiten von lebensnahen Problemstellungen ein besseres Verständnis für die praktische Anwendung ihres erworbenen Grundwissens vermitteln. Wir möchten ihnen zeigen, wie interessant, vielseitig und spannend Naturwissenschaften sind und wie sie uns im alltäglichen Leben rund um die Uhr begleiten" (Aus dem Folder des Open Lab von Dr. Silke Renger, Leiterin des Labors).

Hier kann man durch eigenständiges Handeln, Experimentieren, Forschen, Beobachten, Staunen, Entdecken, Erfahren, Erkennen, Verstehen von Phänomenen aus Wasser, Luft, Kohlendioxid, Farben, Kunststoffen, Lebensmitteln… in die Welt der Chemie eintauchen. Dabei stehen den Kindern kompetente "Betreuer" - allen voran die Leiterin des Open Lab, eine promovierte Chemikerin, Frau Dr. Silke Renger - zur Seite.

Kinder erforschen die Welt auf ihre Weise, und es müsste allen Pädagogen ein Anliegen sein, diesem Forschergeist Rechnung zu tragen. Leider gibt es in den naturwissenschaftlichen Bereichen noch zu viele Berührungsängste. Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889-1951) bemerkte schon zu seiner Zeit, dass er sich eine Philosophie aus lauter Fragen vorstellen könnte, und der italienische Pädagoge Loris Malaguzzi aus Reggio Emilia (1920-1994) sagte einst "Das Auge schläft, bis der Geist es mit einer Frage weckt."

Im JKU Open Lab haben die Kinder Gelegenheit, durch praktisches Arbeiten Antworten auf ihre Fragen zu finden. Die Programme werden altersgerecht aufbereitet, lebendig und ansprechend gestaltet und vermittelt.

Herr Dr. Gerhard Roiss, der die Idee zu diesem offenen Labor hatte, bemerkte, dass die Nachwuchskräfte in den Naturwissenschaften und in der Technik fehlen: "...wenn man das Problem lösen will, dann muss man sehr früh beginnen und bei den Kindern Begeisterung für Chemie und Naturwissenschaften wecken." Ich meine, dass die Begeisterung der Kinder vorhanden ist; man muss etwas tun, um sie zu erhalten. Mit dem Open Lab wurde in diese Richtung ein Meilenstein gesetzt.

Weil man Kinder frühzeitig an die Naturwissenschaften heranführen will, möchte das Open Lab bewusst Kinder ab fünf Jahren ansprechen und begeistern. Selbstverständlich müssen die Kinder dann dort abgeholt werden, wo ihr Erfahrungsschatz endet.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit unzähligen naturwissenschaftlichen Projekten nach der Konzeption der Reggio-Pädagogik (eine erfolgreiche, bemerkenswerte und innovative Erziehungsphilosophie aus Reggio Emilia/ Italien) mit Kindergartenkindern, wurde ich zur Mitarbeit eingeladen. So kann ich nun aufzählen, was Kinder unter 10 Jahren im Open Lab erwartete, was sie erlebten, kennenlernten, erforschten, begeisterte:

  • In weißen (oft viel zu großen) Labormänteln,
  • mit Schutzbrillen,
  • vorangegangenen Informationen über Sicherheitsvorkehrungen,
  • in einem echten Labor
  • mit chemischen (ungefährlichen) Substanzen, Indikatoren...,
  • aber mit echten Laborgefäßen: Bechergläsern verschiedener Größen - Messzylinder - Steilbrustflaschen - Trichter - Laborfilter - Glasstäben - Mörser mit Pistill - Eprouvetten - Pipetten - Rührstäbchen - Spateln - Messkolben - Erlenmeyerkolben - Petrischalen - Uhrgläsern - Kristallisierschalen - Sieben - Pinzetten - ...
  • aktiv werden... experimentieren... Neues und Interessantes entdecken... durchschauen... staunen... Erfahrungen sammeln über das
  • Experimentieren mit H2O & Co:
    • Wasserberge und schwimmende Dinge
    • Oberflächenspannung
    • Wasser als Lösungsmittel
    • Trennen von Lösungen
    • Verdunsten
    • Untersuchung des Dampfes
    • verunreinigtes Wasser reinigen
    • Entfärben von Wasser mit Aktivkohle
    • Seifenblasen
    • sauer - oder was? Gemüsesaft als Indikator am Beispiel von Blaukraut
    • Erkennen von Säuren und Basen: Säure oder Lauge?
    • Geheimbotschaften
    • heftige Reaktionen aus Säuren und Basen - Backpulver, Zitronensäure und Essig
    • Untersuchung der Bestandteile von Brausepulver
    • Kohlenstoffdioxid - ein Gas mit Wirkung
    • Kohlenstoffdioxid und Trockeneis
    • Herstellung von Eis unter Verwendung von flüssigem Stickstoff...

Das Open Lab - eine Chance für Kinder, Lehrer und unsere Gesellschaft

Es geht nicht vordergründig darum, Kinder schon frühzeitig für einen naturwissenschaftlichen Beruf zu konditionieren, sondern vielmehr darum, ihnen die Möglichkeiten zu öffnen, die eine sich rasch ändernde Welt in der Zukunft für sie bereit hält. Welch nachhaltiger Effekt wäre es, würde nur eine/r aus jeder Klasse/ Gruppe im Open Lab entdecken würde, wo seine/ihre wahre Begeisterung liegt!

Kontakt

Dr. Silke Renger
Leiterin JKU Open Lab
TN-Turm (Erdgeschoss)
Altenbergerstraße 69
4040 Linz
Tel.: +43 (732) 2468 1590
Email: silke.renger@jku.at
Website: www.openlab.jku.at

Autorin

Brigitte Rametsteiner
Reisingerweg 4
4040 Linz
Tel.: +43 664 215 47 47
Email: buk.rametsteiner@aon.at