Teil- und Stieffamilien

Martin R. Textor

 

Teilfamilien sind eine weit verbreitete Familienform mit spezifischen Strukturen, Bewältigungsstrategien und Problemen. Sie bilden keine homogene Gruppe, sondern unterscheiden sich zum Beispiel hinsichtlich der Ursachen für die Unvollständigkeit, der finanziellen Lage, der Einstellung von Eltern und Kindern zu ihrer Lebenssituation, der Qualität der Entwicklungsbedingungen usw.

Allein erziehende Männer haben zumeist ein gutes Auskommen, einen hohen sozialen Status und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Im Vergleich zu allein erziehenden Müttern haben sie es zumeist weniger schwer, einen neuen Partner zu finden. So heiraten sie in der Regel bald wieder oder gründen eine nichteheliche Lebensgemeinschaft - generell wird für Alleinerziehende eine abnehmende Tendenz zur Wiederheirat festgestellt.

Allein erziehende Frauen haben sehr viel häufiger als Männer mit finanziellen Problemen zu kämpfen; viele sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die materielle Situation allein erziehender Mütter ist besonders schlecht, wenn sie ledig sind, keine Unterhaltsansprüche (geltend gemacht) haben, Unterhaltszahlungen nur unregelmäßig, unvollständig oder mit Unterbrechungen erhalten, arbeitslos sind oder mehrere Kinder zu versorgen haben.

Das niedrige Einkommen vieler allein erziehender Frauen führt dazu, dass sie auf Vorbehalte bei Vermietern stoßen, sich mit kleinen Wohnungen zufrieden geben müssen und diese nur einfach einrichten können, dass sie wenig Ersparnisse für Notfälle haben, sich häufig keine Urlaubsreisen leisten oder ihren Kindern keine kostspielige Ausbildung bieten können. Zumeist haben sie einen niedrigen sozialen Status, insbesondere wenn sie nicht berufstätig sind oder Sozialhilfe erhalten. Viele müssen auch einen Statusverlust verkraften, wenn sie früher mit einem gut verdienenden Partner zusammenlebten. So haben Alleinerziehende häufig ein negatives Selbstbild, entwickeln Minderwertigkeitsgefühle und halten sich Verheirateten gegenüber für benachteiligt. Sie leiden heute wohl weniger unter sozialer Diskriminierung als früher, stoßen aber noch immer auf Vorurteile.

Der Anteil berufstätiger Frauen liegt bei Alleinerziehenden um rund 20% höher als bei verheirateten Frauen (Swientek 1984). Alleinerziehende sind in der Regel vollerwerbstätig, erzielen aber oft nur ein unterdurchschnittliches Einkommen, da sie vielfach keine qualifizierte Ausbildung erhalten oder (nach der Geburt ihrer Kinder) mehrere Jahre lang ihre Berufstätigkeit unterbrochen haben. Häufig fühlen sie sich durch Erwerbstätigkeit, Haushalt und Kindererziehung überlastet.

Während manche Alleinerziehende sozial isoliert sind, empfangen andere Unterstützung innerhalb ihres gut funktionierenden und oft sehr großen Netzwerks. Dabei spielen ihre Eltern eine besondere Rolle. Sie bieten nicht nur Hilfe in Notlagen, sondern betreuen auch etwa doppelt so häufig ihre Enkel als bei vollständigen Familien. Da sie oft am Abend einspringen, ermöglichen sie ihren erwachsenen Kindern das Ausgehen. So können viele Alleinerziehende die in ihrem Netzwerk liegenden Möglichkeiten für befriedigende Sozialkontakte, die Partnersuche und die Selbstentfaltung nutzen. In diesen Fällen werden Kinder seltener als Hemmschuh für die eigene Selbstverwirklichung gesehen. Hier wird deutlich, dass es von großer Bedeutung für das Wohlbefinden von Alleinerziehenden ist, ob sie die in ihrer Situation liegenden Chancen wahrnehmen und wie sie diese nutzen.

Teilfamilien sind prinzipiell in ihrer Sozialisationsfunktion nicht defizitär. Viele Alleinerziehende stellen das Wohl ihrer Kinder in den Mittelpunkt ihres Lebens und kümmern sich intensiv um sie. Manche konzentrieren sich auch auf die Erziehung, um ihre diesbezüglichen Fähigkeiten ihrer sozialen Umwelt oder dem früheren Partner gegenüber zu beweisen. Andere handeln so, weil sie nach der Trennung oder nach dem Tod des anderen Elternteils ihre Kinder zunächst vernachlässigt haben und nun unter Schuldgefühlen leiden. In manchen Fällen entsteht eine sehr enge Mutter-Kind-Beziehung, sind die Mütter sehr fürsorglich und überbehütend. Dieses ist besonders dann der Fall, wenn die Kinder zu Ersatzpartnern gemacht werden und intensive Bedürfnisse nach Zärtlichkeit und Liebe befriedigen sollen oder wenn die Mütter in ihrer Kindheit schmerzhafte Trennungserfahrungen durchlebt haben.

Berufstätigen Alleinerziehenden steht generell nicht weniger Zeit für ihre Kinder zur Verfügung als erwerbstätigen verheirateten Müttern. Für beide Gruppen stellt sich das Problem der Kinderbetreuung in besonderer Schärfe, da es an Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen mangelt. Besonders große Schwierigkeiten entstehen auch in den Ferien, bei einer Erkrankung der Kinder oder aufgrund des unregelmäßigen Stundenplans von Grundschülern. So werden Kinder von Alleinerziehenden oft von verschiedenen Personen versorgt (Diskontinuität der Betreuung) oder bleiben längere Zeit ohne Aufsicht ("Schlüsselkinder"). Dementsprechend besteht vielfach die Gefahr der Vernachlässigung.

Insbesondere überlastete und gestresste Alleinerziehende praktizieren häufig einen autoritären Erziehungsstil und machen von Körperstrafen Gebrauch. Ein problematisches Erziehungsverhalten resultiert vielfach aber auch daraus, dass Kinder als Hemmschuh für die eigene Selbstentfaltung erlebt werden oder dass Aggressionen und andere negative Gefühle auf sie übertragen werden, die eigentlich früheren Partnern gelten. Sehr junge ledige Mütter besitzen oft noch nicht die notwendigen Kompetenzen für eine erfolgreiche Erziehung. Sie haben generell bescheidenere Pläne bezüglich des weiteren Lebenswegs ihrer Kinder, zeigen mehr Gleichgültigkeit und Unsicherheit. In Teilfamilien trägt eine Person die alleinige Verantwortung für die Erziehung der Kinder, es mangelt an einem Korrektiv aufgrund des Fehlens eines Partners. Ein gutes Drittel der Alleinerziehenden klagt, dass sich der andere Elternteil überhaupt nicht um sein Kind kümmere; 56% versuchen aber auch, ihn so weit wie möglich aus der Erziehung der Kinder herauszuhalten (Marbach et al. 1987; Wahl/ Stich/ Seidenspinner 1989).

Da nur ein Rollenmodell in der Familie vorhanden ist, erleben viele Kinder Schwierigkeiten bei der Übernahme der Geschlechtsrollen. Bei Vaterabwesenheit kann sich das Fehlen einer Autoritätsperson beziehungsweise eines Identifikationsobjekts vor allem auf die Entwicklung von Jungen negativ auswirken; so wurden eine geringere Ausprägung der Wettbewerbsorientierung, des Dominanzverhaltens, der Frustrationstoleranz und der Ausdauer sowie schwächere moralische Prinzipien und mehr Verhaltensauffälligkeiten bei ihnen festgestellt als bei Jungen aus vollständigen Familien. Kinder aus Teilfamilien scheinen auch schlechtere Schulleistungen zu erbringen und weniger leistungsfähig zu sein. Ferner wird häufiger von Delinquenz, Selbstmordgefährdung, Depressivität, Persönlichkeitsstörungen und psychischen Konflikten berichtet. Probleme der Kinder können auch aus Unerwünschtheit und Ablehnung durch Dritte (vor allem bei nichtehelicher Geburt), aus eingeengten Entwicklungsmöglichkeiten, symbiotischen Eltern-Kind-Beziehungen, Parentifizierung oder aus negativen Erwartungen von Lehrern und anderen Bezugspersonen (sich selbst erfüllende Prophezeiungen, Stigmatisierung) resultieren.

Stieffamilien

In Zweitfamilien besteht in der Regel ein größerer Altersunterschied zwischen Mann und Frau als in ersten Ehen. Auch sind die Mütter häufiger berufstätig, sodass die finanzielle Lage zumeist recht gut ist, sofern keine größeren Verpflichtungen gegenüber früheren Partnern und den bei ihnen lebenden Kindern bestehen. Generell ist bei zweiten Ehen das Scheidungsrisiko größer als bei ersten Ehen.

Stieffamilien treten in einer Vielzahl unterschiedlicher Formen auf: So können sie zum Beispiel nach der Scheidung oder Verwitwung eines oder beider Partner beziehungsweise nach der Geburt eines nichtehelichen Kindes entstehen, mögen ein oder beide Elternteile eigene Kinder in die Ehe einbringen, können gemeinsame Kinder in der Familie leben oder auch nicht. Im Gegensatz zu ersten Familien kommt es in Stieffamilien zu einer Überlagerung verschiedener Phasen des Familien-, Lebens- und Scheidungszyklus. So kann zum Beispiel ein Partner die Nachscheidungsphase bereits durchlaufen haben, während der andere den Tod seines früheren Partners noch nicht verarbeitet hat, können sich die Erwachsenen als Ehegatten in der Phase der "jungen Ehe" und als Eltern in dem Stadium der "Familie mit Schulkindern" befinden, können gleichzeitig Säuglinge und Jugendliche in der Familie leben.

Im Vergleich zu ersten Familien sind bei Stieffamilien auch die Grenzen des Familien- und Verwandtschaftssystems undeutlicher: So kann ein Elternteil starke Bindungen an die bei seinem früheren Partner lebenden Kinder haben und sich ihnen eventuell sogar mehr als den Stiefkindern verpflichtet fühlen, mögen diese häufige Besucher sein und fast wie Familienmitglieder behandelt werden, können noch intensive Kontakte zu geschiedenen Partnern und früheren Schwiegereltern bestehen. Die in der Stieffamilie lebenden Kinder empfinden häufig noch starke Gefühle für den abwesenden Elternteil sowie die Großeltern und besuchen sie regelmäßig. So bestehen vielfach starke Verflechtungen mit anderen Systemen. Aber selbst wenn es keinen Kontakt mehr gibt, können die abwesenden Partner einen starken psychologischen Einfluss auf die Beziehungen in der Stieffamilie ausüben, zum Beispiel als Negativfigur, Idealbild oder Vergleichsmaßstab.

Für Stieffamilien typische Probleme können aus der Überlagerung verschiedener Phasen der genannten Zyklen, die unklaren Grenzen, die Außenbeziehungen und das Nachwirken früherer Partnerschaften resultieren. Hinzu kommt, dass manchmal zweite Ehen aus problematischen Motiven geschlossen werden, also zum Beispiel der Scheidungsbewältigung oder der Flucht aus der belastenden Situation alleiniger Erziehungsverantwortung (unter schlechten materiellen Bedingungen) dienen. Häufig sind nach einer Scheidung auch die Ansprüche an neue Partner recht niedrig, da diese leicht den "schrecklichen" früheren Ehegatten übertreffen können und da Geschiedene sich aufgrund ihres negativen Selbstbildes oft eines besseren Partners nicht für würdig halten. Probleme können ferner daraus entstehen, dass die Scheidung beziehungsweise der Tod des früheren Ehegatten noch nicht verarbeitet wurde oder dass Konflikte aus der ersten Ehe in die zweite hineingetragen werden. Auch besteht die Gefahr der Wiederholung pathogener Beziehungsmuster. Zu negativen Entwicklungen kann es ferner kommen, wenn Probleme verleugnet werden, da die Partner nicht ein weiteres Mal mit ihrer Ehe scheitern wollen.

Schwierigkeiten können außerdem aus dem in der Gesellschaft weit verbreiteten negativen Bild von Stieffamilien (siehe das Märchenmotiv von der "bösen" Stiefmutter) resultieren, das leicht dazu führen kann, dass diese Familienform als defizitär betrachtet wird - obwohl sie ebenfalls gute Entwicklungschancen bieten kann. Hinzu kommt, dass es für Stieffamilien im Vergleich zu ersten Familien kaum eindeutige Normen, Rollenerwartungen und Leitbilder gibt. Ja, es kann geradezu gefährlich sein, wenn sich die Mitglieder am Modell der "Normalfamilie" orientieren, da sie auf diese Weise die beschriebenen Besonderheiten von Stieffamilien ignorieren. Die Erwachsenen sind dann zum Beispiel geneigt, außenstehende Elternteile und Kinder auszugrenzen, eine der Realität entsprechende Identität als Stieffamilie abzulehnen und ihren Status geheim zu halten.

Bei der Entstehung von Stieffamilien muss sich der neue Partner an ein bereits lange bestehendes Elternteil-Kind-Subsystem anschließen, in dem die Beziehungen nach der Scheidung beziehungsweise dem Tod des anderen Elternteils oft sehr eng geworden sind und das eine eigene Geschichte sowie besondere Werte, Regeln und Interaktionsmuster besitzt. Diese Selbstverständlichkeiten werden häufig durch das neue Familienmitglied in Frage gestellt. Dann kommt es zu Konflikten bezüglich der Gestaltung von Innen- und Außenbeziehungen, bis schließlich neue Rollenvorschriften, Regeln und Interaktionsmuster etabliert werden. Dieser Anpassungsprozess ist vielfach sehr langwierig und gelingt oft nicht vollständig: So ist in manchen Stieffamilien die Beziehung zwischen dem leiblichen Elternteil und den Kindern stärker als die Ehedyade oder das Verhältnis zwischen Stiefelternteil und Kindern. In diesen Fällen werden dem Stiefelternteil nur geringe elterliche Rechte eingeräumt, mag er bei Konflikten regelmäßig auf eine Koalition zwischen dem leiblichen Elternteil und den Kindern stoßen. Er kann entweder diese Situation akzeptieren oder versuchen, sie in einem langwierigen Prozess zu verändern. Es ist offensichtlich, dass es zu ähnlichen Problemen der wechselseitigen Anpassung kommen kann, wenn beide Partner eigene Kinder in die Stieffamilie einbringen und zwei Systeme mit komplexen Netzwerken und verschiedenen Erfahrungshintergründen miteinander verknüpft werden müssen. Hier dauert es oft besonders lange, bis sich ein starkes Ehesubsystem ausdifferenziert und sich die Mitglieder als eine Familie erleben.

Für Stiefmütter kann sich eine besonders schwierige Situation ergeben, wenn sie plötzlich die Verantwortung für den Haushalt und die Kindererziehung übernehmen müssen, obwohl sie bisher kaum Erfahrungen auf diesen Gebieten gesammelt haben. Aber auch für Stiefväter ist die Übernahme von Erziehungsaufgaben eine problematische Angelegenheit. So müssen sich Stiefeltern mit unrealistisch hohen Erwartungen auseinander setzen - zum Beispiel glauben viele, dass sie umgehend ihre Stiefkinder lieben werden und bei ihnen sofort mit Liebe, Respekt und Gehorsam rechnen können. Oft wollen sie ideale Elternteile werden, welche die Stiefkinder für alle Belastungen der vorausgegangenen Jahre entschädigen und sie glücklich machen. Manche Stiefeltern leiden unter starken Misserfolgsängsten und befürchten, dass ihre Erziehungsbemühungen mehr durch Dritte kritisiert werden als diejenigen leiblicher Eltern. Auch erhalten sie in der Regel weniger Unterstützung durch ihr Netzwerk.

Hinzu kommt eine große Rollenunsicherheit, da es für Stiefeltern keine Rollenmodelle, Leitbilder und Verhaltensnormen gibt. Zudem sind sie für Stiefkinder rechtlich nicht verantwortlich, werden also zum Beispiel von Erziehern und Lehrern nicht voll anerkannt. Ist ihr Partner geschieden, müssen sie die Elternrolle mit dem außenstehenden leiblichen Elternteil teilen, den sie oft als Konkurrenten erleben und aus der Zuneigung der Kinder auszuschließen versuchen - wobei derartige Bestrebungen natürlich auch von der anderen Seite ausgehen können. Aufgrund dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass Stiefeltern ihre Rolle auf höchst unterschiedliche Weise ausgestalten: Sie können für ihre Kinder zum Beispiel wie ein leiblicher Elternteil, ein Freund, ein distanzierter Vertrauter, ein "Onkel" oder ein Außenseiter sein.

Viele Kinder lehnen die Stiefeltern zunächst ab - insbesondere, wenn sie noch auf eine Versöhnung ihrer geschiedenen Eltern hoffen, den Abbruch der Beziehung zu dem außenstehenden leiblichen Elternteil befürchten oder (zum Beispiel aufgrund der Konkurrenz zwischen diesem und dem Stiefelternteil) starke Loyalitätskonflikte erleben. Hinzu kommt, dass sie sich oft ausgeschlossen und abgelehnt fühlen, da sich viele Partner zunächst auf die Paarbeziehung konzentrieren und damit den Kindern eine erneute Verlusterfahrung bereiten. Diese ist besonders stark, wenn die Kinder zuvor eine enge Beziehung zu dem allein erziehenden Elternteil entwickelt haben oder wenn ihnen zum Beispiel aufgrund von Parentifizierung oder Ersatzpartnerschaft eine große Selbständigkeit und viele Rechte zugestanden wurden. Auch erleben sie es als unakzeptable Zumutung, wenn von ihnen verlangt wird, den Stiefelternteil wie einen leiblichen Elternteil zu behandeln. In diesen Fällen versuchen viele Kinder, die Paarbeziehung zum Scheitern zu bringen. Sie mögen feindselig und widerspenstig sein, den Stiefelternteil provozieren oder verleumden, seine Annäherungs- und Erziehungsversuche ablehnen, sich zurückziehen oder Symptome entwickeln. Zumeist dauert es lange, bis Kinder ihre Stiefeltern tolerieren, wobei dieser Anpassungsprozess Jungen und älteren Kindern schwerer fällt als Mädchen und jüngeren Kindern. In der Regel muss sich erst eine tiefere Beziehung entwickelt haben, bevor sie die Erziehungsmaßnahmen von Stiefeltern akzeptieren. Aber noch lange nach der Wiederheirat können sie engere Bindungen zu dem leiblichen Elternteil empfinden und bei Konflikten mit ihm Bündnisse eingehen. Bringt der Stiefelternteil eigene Kinder in die Ehe ein, sind die wechselseitigen Anpassungsprozesse noch komplizierter. So fühlen sich viele Kinder verraten und reagieren mit Eifersuchtsszenen oder Verhaltensauffälligkeiten, wenn ihre leiblichen Eltern eine positive Beziehung zu Stiefgeschwistern entwickeln. Die Kinder erleben einander als Rivalen und reagieren ablehnend und feindselig aufeinander. Sie können aber auch sexuelle Anziehungskraft verspüren - in Stieffamilien sind die sexuellen Schranken generell weniger stark ausgeprägt als in ersten Familien. Zeugen die Eltern ein weiteres Kind, reagieren die Halbgeschwister oft erneut mit Verhaltensauffälligkeiten, da sie in dieser Situation große Ängste entwickeln und befürchten, von ihren Eltern nun weniger geliebt zu werden. Wenn die Anpassungsprozesse in der Gründungsphase einer Stieffamilie gelingen, verläuft die Entwicklung der Kinder zumeist besser als die Entwicklung von Kindern in Teilfamilien, aber etwas schlechter als in ersten Familien.