Osnabrücker Erklärung

BeA, BAG KAE und BöfAE

 

Die Gemeinsame Vertretung der Bundesverbände der Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik ist der Zusammenschluss der drei Fachschulverbände BeA (Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik), BöfAE (Bundesarbeitsgemeinschaft öffentlicher und freier nicht konfessionell gebundener Ausbildungsstätten für Erzieher und Erzieherinnen) und der BAG KAE (Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher). Als Gemeinsame Vertretung repräsentieren die Fachschulverbände rund 450 Fachschulen und Fachakademien mit etwa 20.000 staatlich anerkannten Absolventen und Absolventinnen jährlich. In mehreren Verlautbarungen und Presseerklärungen hat sie sich regelmäßig zu den Rahmenbedingungen, der Qualität und den Standards von Ausbildung und Berufsbild geäußert.

1. Veränderte und gestiegene Anforderungen an den Beruf der Erzieherin und des Erziehers

Mit den gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen stehen die Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe in den letzten Jahren vor einem deutlichen quantitativen und qualitativen Aufgabenzuwachs. Bildung, Betreuung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen von Beginn an werden zunehmend als öffentliche Aufgabe formuliert und wahrgenommen, die Zusammenarbeit mit Eltern entwickelt sich zu einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.

Wir nehmen wahr, dass

  • mit dem deutlichen Ausbau der U-3 Einrichtungen in den letzten Jahren die Bedeutung frühkindlicher Bildung unterstrichen wird;
  • Kindertagesstätten heute anerkannt die 1. Bildungsinstitution in der Bildungsbiografie sind;
  • Ganztagesbetreuung von Anfang an eine Selbstverständlichkeit ist;
  • die Bildungspläne der Bundesländer diesem Bildungsverständnis und dem Bild vom Kind Rechnung tragen;
  • die Gestaltung der Übergänge zwischen Kindertagesstätte und Grundschule in der Kooperation mit Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe zunehmend wichtig wird;
  • Kindertagesstätten sich zu Familienzentren entwickeln und in den Sozialraum hinein Bedeutung tragen;
  • mit den Stichworten Diversity und Inklusion Aufgaben der multikulturellen und inklusiven Bildung verbunden sind;
  • nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Migration und Flucht die Aufgaben in allen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe wachsen;
  • die Qualitätsdiskussion fester Bestandteil der alltäglichen und konzeptionellen Arbeit ist.

2. Ausbildung auf hohem fachlichen Niveau

Die Ausbildung an den Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik hat sich diesen Herausforderungen und Veränderungen kontinuierlich gestellt.

Im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) wird die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung betont. Sowohl die fachschulische Ausbildung mit dem Ziel der staatlichen Anerkennung als Erzieherin bzw. als Erzieher wie auch hochschulische Studiengänge zur Kindheitspädagogin bzw. zum Kindheitspädagogen sind auf dem Level 6 eingeordnet.

Nicht der Ausbildungsort ist entscheidend, sondern die erworbenen Kompetenzen. Beide Wege ins Berufsfeld werden als zwar andersartig, aber gleichwertig eingestuft.

Der Beruf der Erzieherin und des Erziehers steht heute auf einer Stufe mit pädagogischen Bachelorabschlüssen. Bundesweit einheitlich wird dieses bereits seit 2012 durch das "Kompetenzorientierte Qualifikationsprofil für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an Fachschulen/ Fachakademien" der Kultusministerkonferenz manifestiert. Dieses ist verbindliche Basis und Qualitätsmaßstab der Ausbildung in allen Bundesländern. Umgesetzt wird dieses im länderübergreifenden kompetenzorientierten Lehrplan.

3. Gesamtgesellschaftliche Aufgabe - den Stellenwert und den Beruf der Erzieherin und des Erziehers wertschätzen und anerkennen

Bildung, Erziehung und Betreuung sind zentrale Zukunftsaufgaben der bundesdeutschen Gesellschaft. Die Grundlagen werden insbesondere von Erzieherinnen und Erziehern in der alltäglichen Arbeit gelegt.

Von allen Seiten wird die Arbeit der Erzieher und Erzieherinnen anerkannt. Allein, was fehlt, ist die gesamtgesellschaftliche Wertschätzung und Aufwertung des Berufes und seine angemessene Einordnung im System der Sozial- und Erziehungsberufe. Fachschulische und hochschulische sozialpädagogische Ausbildungen müssen gleich bewertet werden!

Die Fachschulverbände sind davon überzeugt, dass eine Investition in diesem Sinne letztlich eine gelungene Investition in die kommenden Generationen unserer Gesellschaft ist.