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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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| Konzeption der Spanisch-Deutschen Kindertagesstätte in Wuppertal
Spanisch-Deutsche und Kath. Kindertagesstätte St Joseph 1. Zielsetzung der Einrichtung In unserem Pfarrverband, dem drei Gemeinden mit vier Kindertagesstätten angehören, haben die Leiterinnen, der Pfarrer und der Fachberater aus Köln ein Pastoralkonzept für die Kindergarten-, Kindertagesstätten- und Hortarbeit erarbeitet. In Ergänzung zu diesem Konzept hat unsere Tageseinrichtung eine eigene pädagogische und inhaltliche Ausrichtung: Wir wollen den spanisch-sprechenden Immigrantenkindern und deren Familien sowie deutschen Kindern und Familien die Möglichkeit geben, sich in einem vertrauten Rahmen die kulturelle Identität zu bewahren und sich der fremden Kultur zu nähern. Als zentralen Punkt der kulturellen Identität sollen die Kinder die Erstsprache beherrschen und die Zweitsprache sicher sprechen können. Die Kinder sollen sich der Verschiedenheit ihrer Nationalität bewußt werden und die Eltern in unserer Einrichtung ein Forum finden, in dem sie mit ihrer Immigrationsproblematik und u.U. dem kulturellen Generationenkonflikt Gehör finden. Gemäß dem Pastoralkonzept sollen die Kinder eingebunden werden in die katholische Gemeinschaft und hierbei die Grundwerte des Glaubens erleben und erlernen. Weiterhin sollen die Kinder erleben, daß sie mit ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten Teil einer Gruppe sind, sicher im Umgang mit sich selbst und mit anderen werden, lernen, soziale Bezüge zu erkennen, selbst aufzubauen und zu erhalten, in den Übungen des tägl. Lebens zu Sicherheit und Selbständigkeit gelangen, lernen, ihre Grob- und Feinmotorik kontrolliert und gezielt einzusetzten. Die Familien sollen unsere Einrichtung als Familienergänzung erfahren und hier bedarfsgerechte Angebote und konkrete Hilfestellung im Einzelfall bekommen und erwarten können. 1.1 Begründung des Zweispracherwerbs Die spanischen Eltern der zweiten Generation unserer Kinder beklagen einen Identitätsverlust durch fehlende historische Wurzeln, durch das Fehlen einer eigenen Kultur. Die Immigranten aus Südamerika finden keinen Rückhalt, da es keine Immigrationszentren für sie gibt, in denen sie ihre Kultur pflegen könnten. Die deutschen Eltern unserer Kinder sehen einen Zweitspracherwerb für ihre Kinder als Chance, die sie selber nicht hatten. Diese unterschiedlichen Hintergründe bewegten uns dazu, uns mit Interkulturalität, Bilingualität, Immigration, Kultur, Spracherwerb, Integration u.s.w. auseinanderzusetzten. Durch die Geschichte der Einrichtung und die Geschichte der Spanier in Wuppertal hat es sich ergeben, daß bis auf wenige Ausnahmen nur spanische (oder südamerikanische) und deutsche Kinder in die Kindertagesstätte aufgenommen worden sind. Dabei ist der Erhalt der spanischen Sprache als kultureller Identitätsbaustein und der Erwerb der deutschen Sprache als Muß, um die deutsche Schule erfolgreich besuchen zu können, den Eltern immer ein besonderes Anliegen gewesen. Die Not der Eltern der ersten Generation, selbst kein deutsch sprechen zu können, nötigte sie dazu, sich auf das Einrichtungsziel einzulassen, alle ausländischen Kinder müssten deutsch lernen, immer in der Hoffnung, daß die spanische Sprache und die Kultur darüber nicht verloren gehen würde. Wir gehen jetzt -nach vielen Gesprächen mit Eltern und Großeltern unserer Kinder, Ehemaligen, und anderen Betroffenen- davon aus, das ohne historische Wurzeln, ohne das Wissen um die eigene Kultur, ohne das Wissen, zu einer bestimmten Gruppe zu gehören, kein Selbstbewußtsein entsteht, das handlungsfähig macht. Diese Argumentation ist von der Einsicht getragen, daß die Identitätsarbeit der jungen Migranten oder Minderheitenangehörigen von der bikulturellen Situation bestimmt ist und darauf Bezug nehmen muß. Wir wollen daher unsere Einrichtung als Ort verstanden wissen, in dem Kinder und deren Eltern als Immigranten, Immigrantenkinder und Deutsche einen Rückhalt erhalten, der sie vor der Überforderung durch die Mischung von Vertrautem und Fremden bewahrt. Dabei wollen wir nicht unreflektiert aus der Heimat mitgebrachte Traditionen vermitteln, die hier keinen funktionalen Charakter mehr besitzen, sondern eine Brückenfunktion erfüllen, bei der die Eingliederung als gemeinschaftlicher Prozeß der kulturellen Transformation/Umgestaltung betrachtet wird. Dabei ist die Bewußtmachung der Immigrantenkultur im Unterschied zur Herkunftskultur ein emanzipatorischer Prozeß, in den wir alle (pädagogische Mitarbeiterinnen und Familien) involviert sind. Daher ist es für uns wichtig, auch die Herkunftskultur unserer Familien zu kennen, so wie es letztendlich für die interkulturelle Erziehung wichtig ist, daß entstandene Immigrantenkultur nicht mit der Herkunftskultur verwechselt werden darf. Wir sehen dabei die Zweisprachigkeit der Immigrantenkinder als Voraussetzung der Identitätsbildung an. Für alle unsere Kinder ist die Muttersprache unverzichtbar. Sie hat eine wichtige Rolle bei der Herausbildung und Stabilisierung der individuellen Identität des Kindes, dient als Kommunikationsmittel in der Familie und der Gruppe und trägt mit vielen anderen Gründen dazu bei, die sprachliche Handlungskompetenz des Kindes auf- und auszubauen. Um Muttersprache zu vermitteln sind Muttersprachler, sprich in unserem Fall SpanierInnen und Deutsche notwendig. Durch ein breites Spektrum an Fort- und Weiterbildung erhalten die Mitarbeiterinnen ein fundamentales pädagogisches Hintergrundwissen, durch das sie sich dem qualitativen Anspruch gewachsen zeigen. Die soziale Realität des Migrantenkindes ist eben durch zwei Kulturen gekennzeichnet. Daher müssen auch zwei Kulturen immer psychisch in Form der erlebten Identität representiert sein. 1.2 Begründung der pädagogischen Arbeitsweise Über die Spracherziehung hinaus ist es uns wichtig, den Kindern individuelle Angebote zu machen, sich selbst innerhalb ihrer außerordentlichen Situation über das Kennenlernen, Ausprobieren und Festigen bestimmter Fertigkeiten und Fähigkeiten kennenzulernen und darüber eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Diese Angebote erhält das Kind in spanisch und deutsch, so daß es eine echte Wahl hat, was es für sich in Anspruch nehmen will. Das GTK schreibt dazu in §2 III 2a) : "Im frühen Kindesalter kann Erziehung nur erfolgreich sein, wenn sie die individuelle Situation jedes einzelnen Kindes betrachtet. Das Gesetzt schreibt daher [...] vor, , daß die Lebenssituation jedes einzelnen Kindes zu berücksichtigen ist. Das bedeutet, daß die Förderung sich an der individuellen Entwicklungs- und Lerngeschichte eines jeden einzelnen Kindes orientieren muß. Die Erzieherin muß um die Kenntnis der individuellen Vorraussetzungen eines jeden Kindes bemüht sein. Dem Kind muß geholfen werden, seine Lebensmöglichkeiten zu entwickeln und durchzusetzen, insbesondere auch gegenüber unangemessenen Ansprüchen der Umwelt und der Gesellschaft. Dieses ist nur möglich in einer für das Kind überschaubaren Gruppe." Und in § 10 II 5: "[...] In derartigen Bezirken ist die Förderung im Kindergarten wie auch in den sonstigen Tageseinrichtungen im Interesse einer Förderung echter Chancengleichheit besonders dringlich." 1.3 Begründung der Arbeit mit dem Pastoralkonzept Der Pfarrverband besteht seit Juni 1997 aus drei Gemeinden Wuppertal Elberfelds. die Möglichkeiten zu einer . Er setzt sich zum Ziel, in allen Bereichen der pastoralen Arbeit konstruktiv zusammen zu arbeiten, zu einem Konsens zu kommen und fordert gleichzeitig, daß die Eigenständigkeit der einzelnen Gemeinden gewahrt bleibt. Ende 1997 beginnt auf der institutionellen Ebene des Elementarbereichs eine intensive Auseinandersetzung über gemeinsame Ziele im Bereich der Kindergartenpastoral. Das so entstandene Pastoralkonzept für die Kindergarten-, Kindertagesstätten- und Hortarbeit im Pfarrverband wurde mit allen pädagogischen Mitarbeiterinnen, den Elternvertretern, den Pfarrgemeinderäten und den Kirchenvorständen diskutiert und im November 98 verabschiedet. Es dient als Arbeitsgrundlage im Bereich der religiösen Erziehung, die sich als bestimmte Werthaltung versteht und sich somit in der gesamten Arbeit mit Kindern, Familien, MitarbeiterInnen, usw. widerspiegelt. Durch diesen Konsens ist es für die einzelne Einrichtung nötig, sich ergänzend zu diesem Pastoralkonzept zu qualifizieren, um die bewußte Vielfalt der Christengemeinschaft den Familien anbieten zu können. 1.4 Begründung der Familienergänzung Für einen Großteil der Eltern ist die Tageseinrichtung für Kinder die erste Institution, mit der sie in Kontakt kommen, wenn es um ihr Kind geht. Sie geben ihr Kind nach drei oder mehr Jahren intensiver Beziehung ab und sollen vom Aufnahmedatum an darauf vertrauen, daß die Institution, die pädagogischen Mitarbeiterinnen, es sehen, wahrnehmen, betreuen, fördern und ihm selbstverständlich während dessen emotional zugewandt sind. Viele Eltern sind als Familie isoliert, haben kein funktionierendes soziales Netz, das sie im Falle von Krankheit der Eltern und / oder des Kindes oder bei auftretenden erzieherischen Problemen auffängt. Normen und Werte, die in der eigenen Kindheit gelernt wurden, können so nur schwer reflektiert und konstruktiv gelebt werden. Für unsere Eltern bedeutet daher Familienergänzung zu erfahren, daß sie sich hier angenommen, verstanden und durch den aktiven Gebrauch der Sprache in Wort und Schrift ein Stück weit zu Hause fühlen. Dabei greifen die bedarfsgerechten Angebote und konkreten Hilfestellungen von themenzentrierten Elternnachmittagen über die offene Abholzeit hin zur Übersetzung und Hilfestellung bei Ausfüllen von Formularen bis zur Begleitung zu Therapien der Kinder. In Gesprächen mit den Eltern werden auch Normen und Werte benannt und es werden gemeinsam Alternativen für die Familie erarbeitet im Konsens mit der Zielsetzung der Einrichtung. Da die Familienverhältnisse sich im Lauf der Zeit ändern, muß die Zielsetzung immer wieder überprüft werden, um der Situation angemessen zu sein. 2. Planung und Durchführung der pädagogischen Arbeit Die pädagogische Arbeit unserer Einrichtung beinhaltet einen zeitlichen Prozeß aufeinander bezogener Arbeitsschritte. Dabei ist uns der kommunikative und kooperative Ablauf zwischen den pädagogischen MitarbeiterInnen während dieses Prozesses wichtig, der die Zielsetzung der Einrichtung und die Lebenssituation der Kinder und deren Familien immer wieder in den Mittelpunkt stellt. Diese Form der Ziel- oder Entwicklungsplanung setzt eine weitgehende Autonomie der pädagogischen MitarbeiterInnen voraus beim Einsatz der erforderlichen Wege und Mittel. Problembewertung, Konsensbildung und Suche nach alternativen Lösungsmöglichkeiten sind die wichtigsten Merkmale unserer Planung und unerläßliche Voraussetzungen für eine längerfristige innovative Planung und durchdachte Zielvorstellung. 2.1. Vermittlung der spanischen und deutschen Kultur Um über die Vermittlung zu sprechen, muß vorab klar sein, was Kultur ist: Kultur ist vom Menschen für den Menschen geschaffen worden und muß in einem Mindestmaß voneinander gelernt werden. Zur Kultur gehört die Sprache mit ihren Begriffen und Bedeutungen, die moralischen Normen und Verhaltensmuster, die emotionalen Ausdrucksweisen, die sozialen Organisationen, Gesetz und Politik, die Technik, die Kunst und die Wissenschaft, Spiel und Sport, Feste und Feiern, die Religionen. Also lebt der Mensch in und mit und unter Zuhilfenahme der Kultur. Ausgehend von dem Wissen, daß Sprache in allen Bereichen der Kultur vertreten ist, sei es durch Erklärungen, Beschreibungen, Ordnungen von Systemen, Gefühlen, Handlungen,... vermitteln die pädagogischen Mitarbeiterinnen vorrangig durch Sprache die Kultur. Dabei bleiben sie in ihrer Muttersprache, so daß die Kinder personenbezogen und modellhaft die Sprache kennenlernen und erlernen. Einbezogen in die Vermittlung sind alle oben genannten Bausteine der Kultur. Aufgrund der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessensschwerpunkte der einzelnen pädagogischen MitarbeiterInnen betonen diese einzelne Elemente, so daß durch die Begeisterung der Mitarbeiterin für ein Thema die Kinder / das einzelne Kind interessiert wird für ein neues Wissens- oder Erfahrungsgebiet. 2.2 Grundlagen der pädagogischen Arbeit Mit den folgenden Grundlagen der pädagogischen Arbeit lassen sich die Ziele der Einrichtung verwirklichen. Die Mittel und Wege der Ausgestaltung dieser Grundlagen liegen im Autonomiebereich der einzelnen pädagogischen MitarbeiterInnen, die sich gruppenintern oder -übergreifend darüber austauschen und miteinander abstimmen. Die Beobachtung von Gruppenprozessen und die Beobachtung der Entwicklung des einzelnen Kindes dienen unter Einbeziehung der persönlichen Lebensverhältnisse der Kinder der Planung und Reflexion. Familienähnliche Lebens- und Lernverhältnisse in einer für die Kinder überschaubare Gruppengröße zeigen dem Kind Grenzen und Freiheiten auf, z.B. große Kinder zeigen oder helfen den kleinen Kindern bei einzelnen Tätigkeiten, gemeinsames Essen. Die Entwicklung der Eigenständigkeit wird erreicht durch Selbsttätigkeit bei den Übungen des täglichen Lebens unter Beachtung individueller Entwicklungsphasen des einzelnen Kindes (Schleife binden, Hände waschen,...). Die Findung der Identität wird gefördert durch individuelle Lernprozesse, selbstbestimmtes Lernen/ Arbeiten/ Spielen und die Auseinandersetzung mit dem Anderen in der selbstgewählten Sprache deutsch oder spanisch. Das Kennenlernen und Erlernen bestimmter Verhaltensnormen und Werte, die für das Zusammenleben von Bedeutung und Notwendigkeit sind, wird in beiden Sprachen vermittelt, so daß spanisch und deutsch gleichermaßen emotional besetzt sind. Auseinandersetzung mit eigenen oder gruppendynamischen Probleme und Entwickeln von Lösungsstrategien tragen zu einem Prozeß bei, sich selbst und sich in der Gruppe wahr zu nehmen. 2.3 Schulaufgaben- und Freizeitbetreuung der Schulkinder In einer großen altersgemischten Gruppe müssen neben den Kindern von drei bis sechs Jahren auch Schulkinder aufgenommen werden. Für diese Kinder zählen aufgrund des entwicklungs-psychologischen Hintergrundes und der Schul-Pflicht andere Maßstäbe. Die Eltern der Schulkinder sind bis auf wenige Ausnahmen ganztags berufstätig. So ist die Hausaufgabenbetreuung, der Kontakt zur Schule, das gezielte Freizeitangebot einerseits eine Entlastung der Eltern in ihrer täglichen Arbeit und andererseits eine kindgerechte, fundierte Grundlage, mit der die Kinder eine selbständige Arbeitshaltung erlernen. Die Arbeit mit den Schulkindern steht auf vier Säulen: Die Kinder haben eine komplette Beaufsichtigung ihrer Hausaufgaben. Ziel dabei ist es, daß die Kinder lernen, zu überlegen, wie gehe ich mit meiner Zeit um, womit fange ich an, wo, bei wem und wie hole ich mir Hilfe, wie fordere ich sie ein, was ist die logische Konsequenz, wenn ich die HA nicht /nicht komplett/falsch/unordentlich gemacht habe, wie geht es mir, wenn ich es gemacht habe, so gut ICH es kann. Für die Eltern bedeutet dies, zu erkennen, daß ihr Kind einen großen Schritt in Richtung Selbständigkeit / Selbstverantwortung macht, ohne dabei unkontrolliert zu sein, zu erleben, wie sich Freizeit / Feierabend ohne Druck (Schule, ...) erleben läßt, zu sehen, wie sich das Kind weiterentwickelt (entweder von mal zu mal ordentlicher oder wissender wird). Die Freizeitbetreuung findet in der Zeit bis zu den Hausaufgaben und danach statt. Dabei wird auch hier darauf geachtet, daß die Kinder eine individuelle Entspannungsphase erleben sowie in der Lage sind, miteinander über Projekte, freie Angebote und anderes zu kontakten . Die Kinder nutzen dabei auch die Möglichkeit, sich Schulfreunde einzuladen. Während der Schulferien wird mit den Kindern in Projektform gearbeitet. Motivation und Lernfähigkeit der Kinder werden dabei von den pädagogischen Mitarbeiterinnen besonders bedacht. Anregungen, Impulse, Bestärkungen und Unterstützung der vorhandenen Motivation, Ideen und Leistungen der Kinder stehen im Vordergrund der offen gehaltenen Planung. Die Altersmischung der drei- bis zehnjährigen Kinder findet während des gesamten Tagesablaufes mit Ausnahme der Hausaufgabenbetreuung statt. Das Zusammenleben bringt vielseitige Anregungen, verlangt aber auch Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen vor allem der älteren Kinder. Abgrenzung und Selbstwahrnehmung der Kinder sind wichtige Bestandteile auch dieser Säule der Arbeit. 2.4 Umgang mit Regeln im Kindergarten In unserer Einrichtung treffen jeden Tag bis zu 32 Kinder, deren Eltern und Geschwisterkinder, die Kolleginnen, Besucher und andere Leute aufeinander. Der Altersrahmen erstreckt sich von Säuglingen bis zu Rentnern. Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, gilt es, Regeln aufzustellen und einzuhalten. Dabei wird unterschieden nach Gesetztesregeln (GTK), Einrichtungsregeln (Personalschlüssel, Öffnungszeiten,...), Gruppenregeln (meine Freiheit endet da, wo die des anderen beginnt,....), individuellen Regeln für einzelne Kinder, Familien und Kollegen. Jede Regel wird, bevor sie aufgestellt wird, auf ihren pädagogischen und zielorientierten Wert überprüft. Diese Regeln werden entsprechend ihrer Auswirkung mit den verschiedenen Beteiligten besprochen. Werden Regeln nicht eingehalten, sollen natürliche/logische Konsequenzen folgen. Kindern, Eltern und Personal werden auf verschiedenen Ebenen Hilfen angeboten, zu lernen, wie man mit Regeln umgeht, auf deren Einhaltung achtet und immer wieder hinterfragt. 3.Organisationsstruktur 3.1 Kinder und ihre Familien (Stand 9/2000) Aufgrund der beengten Räumlichkeiten wird die Einrichtung besucht von 32 Kindern (17 Kinder im Alter von 3-6 und 15 Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren) Davon sind 7 Kinder deutsch, 10 Kinder spanisch, 15 Kinder spanisch/südamerikanisch deutsch. Alle Kinder bleiben über Mittag .Die Familienstruktur der 32 Kinder zeigt die Bandbreite möglicher Familien-Formen und ist in Bezug auf Elternschaft und Partnerschaft als Spiegelbild unserer Gesellschaft zu sehen. 90% der Eltern gehen einer Erwerbstätigkeit nach. 3.2 Personal 1 freigestellte Leiterin, Erzieherin 4 Erzieherinnen, davon zwei Spanierinnen 1 Jahrespraktikantin (Vor- oder Anerkennungsjahr) Wichtig ist die Ausgewogenheit der Nationalität beim Personal. Dies unterstützt das modellhafte Lernen der spanischen und deutschen Kultur. Die Sprache muß sehr gut und differenziert gesprochen werden, damit die Kinder diese erwerben bzw. vertiefen können. 1 Köchin, Spanierin 3.3 Aus- und Weiterbildung Von PraktikantInnen wird Eigenleistung erwartet in Form von Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Bereitschaft zur konstruktiven Planung und Reflektion. Es wird von der Einrichtung vorausgesetzt, daß die PraktikantInnen Eigeninitiative entwickeln, Freude an der Arbeit mitbringen und sich auf die Andersartigkeit dieser speziellen Einrichtung einlassen. Bei einer außerordentlichen Belastung der Einrichtung durch die PraktikantInnen behält sich die Einrichtung vor, das Ausbildungsverhältnis zu beenden. Die PraktikantInnen haben innerhalb der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Einrichtung die Chance, ihre Ausbildung umfangreich zu absolvieren. Laut "Anlage zur Dienstanweisung für Mitarbeiterinnen [...] in Tageseinrichtungen für Kinder", dem Tätigkeitskatalog, ist die Leiterin zur "Fortbildung aller [...] Mitarbeiterinnen" und die Gruppenleiterin zu "Fortbildungsveranstaltungen" verpflichtet. Der Fortbildungskatalog des Caritasverbandes Köln bietet jedoch nicht nur Gruppenleiterinnen Fortbildungen an, sondern auch allen anderen pädagogisch und leiterisch tätigen Kräften. Da externe Fortbildung zum einen die Möglichkeit bietet, sich mit anderen am selben Thema Interessierten auszutauschen, zum anderen den Mitarbeiterinnen Fachwissen verschafft, das in die Kindergartenarbeit mit eingebaut werden kann, haben die Kolleginnen bei solchen Veranstaltungen auch die Möglichkeit, aus ihrem "Alltagstrott" und ihrer Routine herauszukommen und so motiviert wieder ihre individuellen Möglichkeiten in die Kindergartenarbeit einzubringen. Daher ist die Teilnahme an Fortbildungs-Veranstaltungen für alle pädagogisch tätigen Kräfte, (mit Ausnahme der PraktikantInnnen) verpflichtend. Die Entscheidung wird mit der Leiterin im Sinne der Konzeption und nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Einrichtung und der Kolleginnen abgesprochen. Einmal im Jahr bietet die Leiterin die interne Fortbildung an. Weiterhin berät die Leiterin in jeder Dienstbeprechung, in Anleitungsgesprächen (neue Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen) und in sonstigen Fallbesprechungen die Mitarbeiterinnen und bietet ihnen konstruktive Lösungen oder Alternativen an und bildet so durch Weitergabe ihres Fachwissens die Mitarbeiterinnen fort. Zweimal im Jahr findet ein Personalentwicklungsgespräch statt. Jede Mitarbeiterin spricht mit der Leiterin in ca. 20 - 30 min. über die Arbeit (Arbeitsumfang, Auffälligkeiten, berufliche Aussichten u.a.m.) im vergangenen und im kommenden halben Jahr. Ergänzend zu den erstgenannten Punkten nutzt jede Mitarbeiterin auch andere Formen der Fortbildung. Dazu gehören die Hospitationen in anderen Einrichtungen, diverse Konferenzen, in denen den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit haben, Erfahrungen auszutauschen und neue Wege der Pädagogik kennen zu lernen, die Teilnahme an Vorträgen sowie die Inanspruchnahme der Erziehungsberatung, bei der in regelmäßigen Settings mit einem Psychologen besonders unklare Verhaltensweisen von Kinder, Eltern oder Kolleginnen von allen Seiten beleuchtet und ein anderes Verständnis für die Situationen entwickelt wird. 3.4 Öffnungszeiten und Ferienregelung Die Kindertagesstätte ist geöffnet: Montag: 7.00 - 16.00 Uhr, anschließend Dienstbesprechung bis 17.30 Uhr; Die Kinder werden gebracht in der Zeit von 7.00 bis 9.00 Uhr und abgeholt ab 14.30 Uhr. Nach Absprache werden die Kinder auch später gebracht und / oder eher abgeholt. In den Schul-Sommerferien ist die Kindertagesstätte für vier Wochen am Stück geschlossen, ebenso in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Bis November wird ein verbindlicher Plan an die Eltern ausgegeben, auf dem weitere Schließungszeiten vermerkt sind. Dieser wird in der ersten Kindergarten-Rat-Sitzung verabschiedet.
Dies ist ein gekürzter Auszug aus der Gesamtkonzeption der Spanisch-Deutschen Kindertagesstätte. Für Fragen, Anregungen und Kritik stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. © Die Konzeption ist Eigentum der Katholischen Gemeinschaftstagesstätte für spanische und deutsche Kinder. Jedwede Übernahme von Formulierungen, Sätzen, Kapiteln oder Teilen dieser Konzeption bedarf der ausdrücklichen Genehmigung. Dieses gilt für jede Form der Fotokopie oder einer anderen Form der Nutzung. |