Aus: Kinderzeit 2000, Heft 2, S. 18-19

So feiern wir Pfingsten im Kindergarten!

Martin R. Textor


St. Martin, Nikolaus, Weihnachten, Ostern - nahezu jeder Kindergarten feiert diese Feste. Mit Pfingsten ist es anders, obwohl es viele Aktivitäten gibt, die mit Kindern durchgeführt werden könnten. Dieses Kirchenfest ist etwas schwerer zugänglich; auch ist viel Brauchtum verlorengegangen. Es kann aber ebenfalls Kindergartenkindern nahegebracht werden ...

Das Wort "Pfingsten" leitet sich von dem griechischen und später von den Römern übernommenen "pentecoste" ab, übersetzt "der 50. Tag". Das alte israelitsche Volk feierte am 50. Tag nach dem Beginn der Getreideernte ein Erntedankfest. Heute findet am 50. Tag nach Ostern das Pfingstfest statt. An diesem Tag wird die Gründung der Kirche Christi gefeiert - der Neue Bund:

Diesem Ereignis gedenken wir zu Pfingsten. Dieses Fest hat sich schon im 4. Jahrhundert nach Christi herausgebildet. Neben dem christlichen Hintergrund haben sich aber im Verlauf der Jahrhunderte weitere Elemente mit Pfingsten verbunden: So wurde früher in vielen Regionen nach dem Gottesdienst am Pfingstsonntag der Beginn der Weidezeit gefeiert - mit einem Pfingstgelage, bei dem gespeist, getrunken, getanzt und gespielt wurde. Häufig wurden Reiterspiele veranstaltet: Die Burschen ritten um die Wette, um als erster den an der Zielstange aufgehängten Preis zu erhaschen, oder es gab Ring- bzw. Kranzstechen. Wurde am nächsten Tag das Vieh auf die Weide oder Alm getrieben, schritt der festlich mit einer Blumenkrone geschmückte Pfingstochse voran. Die Hirten luden die Begleiter des Zuges zu einem kleinen Fest ein.

Eine alte Tradition ist der Pfingstquak, auch Pfingstlümmel, Maimann, Schnook oder Pfingstbutz genannt. Bei diesem Brauch wird ein hochgewachsener Mann, der mit Birkenzweigen, Tannenreisig, Farnkraut u.ä. umwickelt wurde, aus dem Wald in das Dorf geführt - der Frühling wurde in Form eines "Vegetationsgeistes" herbeigeholt. Diese Tradition kam vor allem in höhergelegenen Regionen vor, wo der Frühling erst recht spät einzieht.

Religiöse Erziehung

Eine schöne Legende, die wir unserer Kindern erzählen können, berichtet davon, wie es zu den ersten Pfingstrosen kam, die wir nun mit den Kindern in vielen Vorgärten betrachten können:

Da mit dem ersten Pfingsten die Kirche Christi gegründet wurde, können wir von der langen Geschichte der Kirche erzählen. Auch können wir uns mit der Taufe sowie der Firmung bzw. Konfirmation beschäftigen, durch die man zu einem Gemeindemitglied wird. Das kann zu einem Besuch in der Kirche mit Besichtigung des Taufsteins oder unter Umständen sogar zu der Teilnahme an einer Taufzeremonie führen (die Genehmigung des Pfarrers und der Eltern des Täuflings muß natürlich zuvor eingeholt werden).

Da zu Pfingsten die Jünger hinausgeschickt wurden, von Jesus Christus zu künden, können wir uns auch mit dem Missionieren befassen. Wir erzählen, daß noch immer Missionare in die Welt hinausziehen, um andere Menschen über das Christentum zu informieren und sie zu bekehren. In diesem Kontext sind ganz unterschiedliche Aktivitäten möglich:

  • Wir laden einen (ehemaligen) Missionar ein, indem wir z.B. mit umliegenden Klöstern Kontakt aufnehmen. Oft kann auch die Pfarrei einen Kontakt vermitteln. Der Missionar berichtet von seiner Tätigkeit, vom Leben der Menschen in seiner Region, von Entwicklungshilfeprojekten u.ä. Oft zeigt er Dias, Fotos oder Videoaufnahmen.
  • Wir besuchen einen Dritte-Welt-Laden und lassen uns vor allem Produkte zeigen, die im Rahmen kirchlicher Projekte entstanden. Manche Mitarbeiter/innen können uns genauer über die Projekte informieren.
  • Manche Klöster haben Ausstellungsräume mit Gegenständen aus aller Welt, die von Mitbrüdern/schwestern während ihrer Missionarszeit zusammengetragen wurden. Hier können wir mit Kindern hingehen und uns die Exponate erklären lassen.
  • Manche Pfarrereien haben eine Partnergemeinde in Ländern der Dritten Welt. Oft kann der Pfarrer über Besuche in der dortigen Gemeinde berichten und hierzu einige Bilder zeigen. Oder er kann Besucher/innen aus der Partnergemeinde an den Kindergarten weitervermitteln. Schließlich kann er einen Kontakt zu einem dortigen Kindergarten herstellen, mit dem wir dann "korrespondieren" und für den wir alte Spielsachen, Kleidung oder auch Geld sammeln.
  • Wir besorgen in der Bibliothek Bücher (vorzugsweise ältere Werke), die von Missionaren verfaßt wurden, und lesen Auszüge daraus vor, sprechen mit den Kindern über die Texte und zeigen ihnen eventuell abgedruckte Fotos. Daraus kann sich ein Rollenspiel ergeben ("Als Missionar bei den Zulus").

Spielerische Aktivitäten mit Kindern

Wir hängen im Kindergarten einen Pfingstbuschen auf: einen frischen Birkenzweig mit weißem Geschenkband und Tauben - Symbol des Heiligen Geistes - aus Salzteig.

Zum Ringstechen hängen wir einen kleinen Reifen zwischen zwei Ästen auf. Die Kinder erhalten Stäbe als Speere, "reiten" auf den Reifen zu und müssen vor einer Markierung versuchen, den Stab durch den Reifen zu werfen. Das Kind, dem dies als erstem gelingt, wird zum Pfingstkönig gekrönt. Ferner können wir ein Wettrennen veranstalten. Den Abschluß kann in kleines "Pfingstgelage" bilden, das von Müttern vorbereitet wurde.

Auch kann ein (größeres) Kind mit Reisig und Blumen als Pfingstquak geschmückt werden. Andere Kinder richten einen "Bollerwagen" mit frischem Grün und Blüten her. In ihm wird dann der Pfingstquak durch das Dorf bzw. Stadtviertel gezogen (Eltern als Begleitpersonen nicht vergessen! Ruhige Straße wählen). Der Umzug wird sicherlich viel Aufsehen erregen ...

Und haben Sie Lust bekommen? Vielleicht feiert in diesem Jahr Ihr Kindergarten nun auch das Pfingstfest ...