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- Online-Handbuch - Herausgeber: Martin R. Textor |
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| Intensivierung der Elternarbeit. Abschlußbericht zum Modellversuch in der Diözese Passau. München: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit 1997
Martin R. Textor (Redaktion)
zu Teil 1 Teil 2 4 Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung Martin R. Textor 5 Stellungnahme des Caritasverbandes für die Diözese Passau Waltraud Erb (Anhang fehlt)
4 Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung Martin R. Textor Der Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" wurde während seiner Laufzeit kontinuierlich seitens des Staatsinstituts für Frühpädagogik begleitet. Bei etwa monatlich stattfindenden Treffen mit den Projektmitarbeiterinnen Frau Blank und Frau Eder sowie der Referatsleiterin Frau Erb wurde der Projektverlauf reflektiert. Aufgrund des ausgeprägten Fachwissens, der Erfahrungen und Beratungskompetenzen der Projektmitarbeiterinnen mußten nur selten Fachfragen oder gar Probleme diskutiert werden. So ging es bei den Treffen zumeist um die Planung von Veranstaltungen, die Abstimmung von Erhebungsinstrumenten sowie die Besprechung von Manuskripten für Berichte, Fachzeitschriften und Bücher. Im letzten Projektjahr war die wissenschaftliche Begleitung vor allem durch die Evaluation des Modellversuchs gefordert. Die Ergebnisse der durchgeführten drei Untersuchungen sollen im folgenden referiert werden. Die Teilnehmerinnenbefragung Die Befragung der Kindergartenleiterinnen, Gruppenleiterinnen und pädagogischen Zweitkräfte, die an dem Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" teilnehmen, erfolgte im Januar 1997. Es wurden 344 Fragebögen versandt, von denen 228 zurückgeschickt wurden. Der Tabelle 2 kann entnommen werden, daß aber nur 219 Fragebögen ausgewertet werden konnten. Davon stammten 40 von Kindergartenleiterinnen, 76 von Gruppenleiterinnen und 103 von Pädagogischen Zweitkräften. Der Tabelle 3 kann entnommen werden, in welchem Umfang sich der jeweilige Kindergarten an dem Modellversuch beteiligt hat. Tabelle 2: Rücklaufkontrolle
Tabelle 3: Tätigkeit der befragten Fachkräfte und Umfang der Teilnahme am Modellversuch
Auf die zuvor geplante Differenzierung der Befragungsergebnisse nach Dauer der beruflichen Tätigkeit im jeweiligen Kindergarten wurde verzichtet, da nur 20 Befragte (9,2%) weniger als zwei Jahre in der Einrichtung arbeiteten. Wir können im folgenden also davon ausgehen, daß die weitaus meisten Befragten (90,8%) während des gesamten Projektzeitraums (174 Personen) oder den größten Teil desselben (weitere 24 Personen) in den beteiligten Kindergärten tätig waren und von der Teamberatung bzw. den Projektgruppentreffen profitieren konnten. Tabelle 4: Teilnahme am Modellversuch als Gewinn für die Einrichtung
Laut Tabelle 4 war für 31% der Befragten die Teilnahme am Modellprojekt uneingeschränkt ein Gewinn, für weitere 51% zum größeren Teil. Nur 4% der Befragten antworteten mit "kein Gewinn". Fachkräfte aus Kindergärten, die sowohl an der Teamberatung als auch an den Projektgruppentreffen teilnehmen, äußerten sich positiver als solche, deren Einrichtungen nur an den Projektgruppentreffen partizipieren. Diese Tendenz gilt auch für die weitaus meisten der folgenden Befragungsergebnisse. Eine weitere, zumeist durchgängige Tendenz ist, daß Kindergartenleiterinnen positiver antworteten als Gruppenleiterinnen und pädagogische Zweitkräfte. Laut Aussage der Befragten wurden folgende Veränderungen in ihrer Elternarbeit durch die Teilnahme am Modellversuch mitbedingt:
Diese Befragungsergebnisse verdeutlichen, daß der Modellversuch vor allem zu einer besseren Planung der Elternarbeit, einer stärkeren Einbindung von Eltern und einer Veränderung von Maßnahmen der Elternarbeit führte, weniger aber z.B. zu einer Vermehrung der Zahl der Angebote. Im Durchschnitt nannten die Befragten drei Angebote, die während des Projektes in ihrem Kindergarten neu eingeführt wurden (insbesondere Elterncafé, Basteln/Malen/Werken mit Eltern, Schnuppertage/Hospitationsmöglichkeiten, Familienwanderungen und Termingespräche). Tabelle 5: Veränderungen im Verhältnis zu den Eltern seit der Teilnahme am Modellversuch
Tabelle 5 verdeutlicht, daß sich das Verhältnis zu den Eltern für zwei Drittel und mehr der Fachkräfte seit der Teilnahme am Modellversuch nicht verändert hat. Die übrigen berichteten überwiegend von einer Verbesserung, insbesondere hinsichtlich der Mitarbeit von Eltern (35%), des Kontaktes zu ihnen (35%), bei den mit ihnen geführten Gesprächen über Erziehungs- und Familienprobleme (34%) sowie bezüglich der Offenheit zwischen beiden Seiten (31%). Eine Verschlechterung im Verhältnis zu den Eltern wurde bei den in Tabelle 5 genannten Dimensionen von weniger als 5% der Befragten festgestellt - mit einer Ausnahme: 13% der Fachkräfte berichteten von mehr Konflikten. Rund 94% der Befragten waren der Meinung, daß sie die Erwartungen der Eltern bezüglich einer Zusammenarbeit erfüllen. Etwa zwei Drittel der Fachkräfte meinten, daß die Eltern nun zufriedener mit der Elternarbeit ihrer Einrichtung seien. Sie selbst waren zu 40% mit der Zusammenarbeit mit den Eltern zufrieden; weitere 48% antworteten auf die entsprechende Frage mit "eher ja" (nur 4% waren gänzlich unzufrieden). Mit der Beteiligung der Eltern an ihren Angeboten waren aber nur 28% der Fachkräfte ganz und 44% mit Einschränkung zufrieden. Hingegen waren 6% ganz und 22% teilweise unzufrieden. Die zuletzt genannten Befragungsergebnisse verdeutlichen, daß sich der Modellversuch nach Meinung der Teilnehmerinnen nur wenig auf ihre Beziehung zu den Eltern ausgewirkt hat. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß dieses Verhältnis als gut bezeichnet werden kann - zumindest laut der Elternumfrage (s.u.) - und somit eine Verbesserung nur in Einzelfällen möglich zu sein scheint. Die meisten Fachkräfte waren aber mit ihrer Zusammenarbeit mit den Eltern und - mit Einschränkung - mit deren Resonanz auf ihre Angebote zufrieden. Erfahrungen mit der Teamberatung Besonders interessierte, wie diejenigen Fachkräfte, die an der Teamberatung teilgenommen hatten, diese Beratungsform erlebten und bewerten. Da viele Befragte nur von den Regionalgruppentreffen profitiert hatten, sank die Zahl der Antwortenden bei den folgenden Fragen auf rund 140 Personen. Tabelle 6 kann entnommen werden, daß für 35% der Befragten die Teamberatung uneingeschränkt, für weitere 45% zum größeren Teil die an sie gestellten Erwartungen erfüllt hat. Auch hier und bei den folgenden Fragen zeigte sich wieder die Tendenz, daß Kindergartenleiterinnen in der Regel positiver urteilten als Gruppenleiterinnen und diese wiederum positiver als Zweitkräfte. Tabelle 6: Erfüllung der Erwartungen durch die Teamberatung
Für 95% der Befragten wurde die individuelle Situation ihres Kindergartens und für 92% wurden ihre Probleme mit der Elternarbeit ganz oder größtenteils bei der Beratung berücksichtigt. 79% der Fachkräfte lernten neue Formen und Möglichkeiten der Elternarbeit kennen, 71% erfuhren, wie sie besser mit Eltern ins Gespräch kommen können, und 77% fühlen sich nun sicherer im Umgang mit Eltern. Allerdings bereiten Termingespräche weiterhin 40% der Befragten Probleme. Nur 45% der Befragten hätten die Teamberatung gerne noch fortgesetzt. 7% der Fachkräfte würden in Zukunft nicht erneut an einer Teamberatung teilnehmen, hingegen 24% wieder an einer zum Thema "Elternarbeit" und 58% an einer zu einem anderen Thema. Die Elternbefragung Die Elternumfrage wurde im Juni 1996 durchgeführt, also gegen Ende des vierten Projektjahrs. Die Erzieherinnen in 30 Projektkindergärten (Versuchsgruppe) und 30 am Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" nicht beteiligten Einrichtungen (Kontrollgruppe) wurden gebeten, einen Fragebogen an alle Eltern der von ihnen betreuten Kinder zu verteilen. Alle diese Kindergärten waren dem Caritasverband für die Diözese Passau e.V. angeschlossen. Der Tabelle 7 kann entnommen werden, daß 5 Kindergärten der Kontrollgruppe die Fragebögen nicht ausgaben. Insgesamt wurden 4.230 Fragebögen verteilt; 1.067 Eltern beantworteten sie. Tabelle 7: Rücklaufkontrolle
Im folgenden sollen nun die Ergebnisse der Elternbefragung aufgezeigt und erläutert werden. Der Tabelle 8 entnommen werden, daß der Kontakt zu den Erzieherinnen in der Versuchs- und in der Kontrollgruppe von jeweils 57% der Befragten mit "sehr gut" sowie von 33 bzw. 35% mit "gut" bewertet wurde. Die Note "mangelhaft" wurde von insgesamt 8 Befragten vergeben. Tabelle 8: Bewertung des Kontakts zu den Erzieherinnen
Laut Tabelle 8 sehen also die Eltern den Kontakt zu den Erzieherinnen sehr positiv: Die "Durchschnittsnote" beträgt 1,56. Die Unterschiede zwischen der Versuchsgruppe (Durchschnittsnote 1,59) und Kontrollgruppe (Durchschnittsnote 1,53) sind so gering, daß man ihnen keine Bedeutung beimessen kann. Beim Kodieren der Fragebögen ergab sich aus deren Abfolge, daß sich die "schlechteren" Noten nicht in ein oder zwei Einrichtungen "ballten". Es ist somit davon auszugehen, daß es in nahezu allen an der Umfrage beteiligten Kindergärten einige wenige Eltern gibt, die mit dem Kontakt zu den Erzieherinnen unzufrieden bzw. wenig zufrieden sind. Die weitaus meisten Eltern sind aber höchst bzw. hoch zufrieden. Rund 37% der Eltern der Versuchsgruppe nutzten zwischen einem und zwei Dritteln der Angebote der Elternarbeit im jeweiligen Kindergarten während der letzten 12 Monate; 40% nutzten mehr als zwei Drittel. In der Kontrollgruppe betrugen die entsprechenden Angaben 35 bzw. 40%. Es sind hier also keine nennenswerten Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe festzustellen. Dadurch, daß die Befragten in den Fragebögen die in den letzten 12 Monaten persönlich genutzten Formen der Elternarbeit eintragen mußten, konnte auch deren Anzahl ermittelt werden. Von den Eltern wurden zwischen 0 und 22 Angeboten genannt; am häufigsten war die Nennung "7 Angebote" (10,0%), am zweithäufigsten "10 Angebote" (9,8%) und am dritthäufigsten "9 Angebote" (9,5%). Die durchschnittliche Zahl der von den Eltern in den vergangenen 12 Monaten genutzten Angebote der Elternarbeit beträgt 8,8. Sie ist eher zu niedrig angesetzt, weil zu vermuten ist, daß z.B. einige Eltern genutzte Angebote vergessen haben oder nicht dem Bereich der Elternarbeit zugerechnet haben. Aber auch aus anderen Gründen kann der hier ermittelte Durchschnittswert nur als ein sehr grober Meßwert bezeichnet werden, der z.B. nicht die Zahl besuchter Veranstaltungen wiedergibt. Da diese Einschränkungen aber sowohl für die Versuchs- als auch für die Kontrollgruppe zutreffen, kann man durchaus die hier ermittelten Durchschnittswerte miteinander vergleichen. Sie betragen 9,4 versus 8,1. Dieser Unterschied ist durchaus als relevant einzustufen: Die Befragten in der Versuchsgruppe haben durchschnittlich ein Angebot der Elternarbeit mehr genannt als die Eltern in der Kontrollgruppe. Somit ist zu vermuten, daß die Teilnahme am Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" zu einer gewissen - wenn auch kleinen - Ausweitung der (genutzten) Angebote für Eltern geführt hat. Es war allerdings nicht Ziel des Modellversuchs, quantitative Veränderungen zu erreichen; vielmehr sollte die Qualität der Elternarbeit verbessert werden. Insgesamt wurden von den Eltern mehr als 120 verschiedene Angebote der Elternarbeit aufgelistet, weitere gingen in Sammelbegriffe wie "Feste/Feiern" oder "Gottesdienste" ein. Folgende Angebote der Elternarbeit wurden am häufigsten genannt (vgl. Tabelle 9):
Festzuhalten ist, daß häufig neuere oder qualitativ hochwertige Formen der Elternarbeit genannt wurden. Dies trifft z.B. auf die verschiedenen Gesprächsformen zu - vom Termingespräch über das Anmelde- bis hin zum Tür- und Angelgespräch. Aber auch Hospitationsmöglichkeiten wurden relativ oft angeboten. Dasselbe gilt für Maßnahmen, die mit einer Aktivierung der Eltern verbunden sind, also z.B. für das Basteln oder Wandern - aber auch für Basare und Flohmärkte, die zugleich einen wichtigen Beitrag zur Familienselbsthilfe leisten. Traditionelleren Formen der Elternarbeit wie Elternabenden, Festen und Elternbriefen kommt weiterhin eine sehr große Bedeutung zu. Einige Formen der Elternarbeit wurden häufiger in der Versuchs- bzw. in der Kontrollgruppe genannt. In zehn Fällen beträgt der Unterschied mehr als 10%. Geordnet nach der Gesamtzahl der Nennungen sind dies:
In sechs dieser Fälle ist der Prozentsatz der Nennungen in der Versuchsgruppe und in vier Fällen in der Kontrollgruppe höher. Ein Zusammenhang mit der Arbeit der Projektmitarbeiterinnen ist in allen Fällen anzunehmen: Termingespräche, die Schaffung von Eltern-/ Stehcafés und das Vater-Kind-Basteln wurden von ihnen forciert - aber auch die Kindergartenbücherei (in Kombination mit dem Elterncafé) aufgrund der positiven Erfahrungen, die mit ihr im vorausgegangenen Modellversuch "Familienunterstützende Maßnahmen im Kontext des Kindergartens" gemacht wurden. Im Modellversuch wurden alternative Feste betont; so ist es nicht verwunderlich, daß Laternenumzüge, Sommerfeste und Muttertagsfeiern in der Versuchsgruppe seltener, der Sammelbegriff "Feste/Feiern" (sowie Maifest, Herbstfest und Erntedankfeier) aber häufiger genannt wurden. Wurde ein traditionelleres Fest wie St. Martin durchgeführt, wurde zumindest versucht, die Eltern stärker einzubinden - dies zeigt sich in der häufigeren Nennung des Laternenbasteln seitens der Versuchsgruppe. Berücksichtigt man zusätzlich, daß neben der häufigeren Nennung von Termingesprächen ausschließlich in der Versuchsgruppe Neuanfängergespräche (für Eltern von Kindern, die erst vor kurzem in den Kindergarten aufgenommen wurden) und Termingespräche für "Schulanfänger" (d.h. Kinder im letzten Kindergartenjahr) genannt wurden, kann das Ziel einer größeren Verbreitung von Termingesprächen durch den Modellversuch als teilweise erreicht gelten - immerhin wurde dieses Angebot nun von fast der Hälfte der befragten Eltern genannt. Andere Auswirkungen des Modellversuchs sind weniger deutlich: Beispielsweise sollte der informelle Kontakt zwischen Eltern verstärkt werden. Dies zeigt sich in den häufigeren Nennungen von Gruppenelternabenden, Kennenlernabenden/-nachmittagen, Wanderungen, Flohmärkten und Ausflügen durch Eltern der Versuchsgruppe. Viele dieser Angebote erleichtern es auch den Erzieherinnen, mit Eltern in Kontakt zu kommen und insbesondere die ganze Familie kennenzulernen. Dies gilt natürlich auch für Feste und Feiern, die sowohl in der Versuchs- als auch in der Kontrollgruppe eine große Rolle spielen. Hier scheint der Modellversuch tendenziell zu einer Reduzierung der Zahl traditioneller Feste wie St. Martin, Sommerfest und Muttertagsfeier geführt zu haben - zugunsten weniger typischer Feste wie Maifest, Erntedankfeier oder Herbstfest. Die Betonung von Eltern-Kind-Aktivitäten im Rahmen des Projekts scheint zu einer etwas größeren Verbreitung von Bastelaktivitäten oder dem Kochen bzw. Backen mit Eltern geführt zu haben; Spielnachmittage wurden hingegen sehr viel seltener als in der Kontrollgruppe genannt. Ein zentrales Ziel der Elternbefragung war die Bewertung erlebter Formen der Elternarbeit durch die Eltern selbst. Die sieben, zu jedem Angebot zu beantwortenden Fragen bezogen sich auf zentrale Zieldimensionen der Elternarbeit:
Diesbezüglich ausgewertet wurden die Angaben der befragten Eltern über alle Formen der Elternarbeit, die mindestens 30mal genannt wurden. Dies sind insgesamt 46 Angebote der Elternarbeit. Bei der Datenerfassung konnte aus der Abfolge der Fragebögen ersehen werden, daß oft dieselbe Form der Elternarbeit in einem Kindergarten ganz unterschiedlich von verschiedenen Eltern bewertet wurde. Außerdem wurden auf den einzelnen Fragebögen die jeweils genannten Angebote zumeist recht differenziert benotet - wobei dies häufig auch für das einzelne Angebot galt: Auf die sieben Fragen (Zieldimensionen) hin wurden manchmal bei einer Form der Elternarbeit Noten zwischen 1 und 5 vergeben. Aus den auf die jeweiligen Fragen hin genannten Noten wurden "Durchschnittsnoten" für die sieben Zieldimensionen berechnet. Damit Verfälschungen durch fehlerhaft ausgefüllte Fragebögen keine größere Rolle spielen können, geschah dies aber nur dann, wenn mindestens ein Drittel der Eltern, die die jeweilige Form der Elternarbeit genannt hatten, eine Note auf die entsprechende Frage hin vergeben hatten. Dadurch wird zugleich erreicht, daß bei den seltener genannten Formen der Elternarbeit den Durchschnittsnoten mindestens 10 Einzelbewertungen zugrundeliegen, so daß hier eine größere Verläßlichkeit erreicht wird. Die 46 Formen der Elternarbeit wurden von den Eltern sehr positiv bewertet: Die ermittelten Durchschnittsnoten liegen zwischen 1,4 und 2,9. Am häufigsten wurde die Note 2,0 genannt, am zweithäufigsten die Note 2,2 und am dritthäufigsten die Note 2,1. Der Mittelwert liegt bei 2,14. Die Eltern sind somit sehr zufrieden mit den verschiedenen Formen der Elternarbeit. Das Ergebnis ist vergleichbar mit der noch etwas positiveren Bewertung des Kontaktes zu den Erzieherinnen seitens der Eltern (siehe Tabelle 8), wobei hier - wie dort - gilt, daß bei der Datenerfassung der Abfolge der Fragebögen zu entnehmen war, daß sich die unzufriedenen Eltern nicht in einzelnen Einrichtungen "ballen", sondern quer über die gesamte Stichprobe verteilt sind. Der Vergleich zwischen Versuchsgruppe und Kontrollgruppe ergibt kaum nennenswerte Unterschiede: So beträgt der Mittelwert aller Durchschnittsnoten 2,14 bei der Versuchs- und 2,15 bei der Kontrollgruppe. Auch der direkte Vergleich einzelner Durchschnittsnoten zeigt kaum größere Unterschiede zwischen beiden Gruppen: Einen Unterschied von mindestens 0,5 zwischen den Durchschnittsnoten der Versuchs- und der Kontrollgruppe gibt es in 5 von 75 möglichen Fällen: Bei Muttertagsfeiern wurde der Einblick in die pädagogische Arbeit mit 2,2 in der Versuchs- und 1,7 in der Kontrollgruppe bewertet, die Möglichkeit zur Mitarbeit im Kindergarten mit 2,8 versus 2,1. Bei Nikolausfeiern wurde der entstandene Kontakt zu anderen Eltern mit 2,8 versus 2,3 benotet. Und beim Elternabend "Schulreife" wurde die erfahrene Beratung bei Erziehungs- und Familienproblemen mit 1,8 versus 2,3 und der entstandene Kontakt zu anderen Eltern mit 2,3 versus 2,8 benotet. Tabelle 9: Bewertung von Formen der Elternarbeit laut der vorgenannten sieben Dimensionen
In Tabelle 9 werden die Durchschnittsnoten für die mindestens 30mal genannten Formen der Elternarbeit wiedergegeben, und zwar bezogen auf die Gesamtgruppe. Die "Durchschnittsnote der Durchschnittsnoten" - im folgenden als "Endnote" bezeichnet - in der letzten Reihe der Tabelle verdeutlicht, daß die zuvor unterschiedenen sieben Zieldimensionen der Elternarbeit unterschiedlich gut erreicht wurden. Zugleich wird offensichtlich, daß durch viele Formen der Elternarbeit nur einige der Ziele erfüllt werden:
Am besten wurden somit die Möglichkeiten zur Mitarbeit im Kindergarten und der Einblick in die pädagogische Arbeit der Einrichtung beurteilt. Falls man bei Noten um 2,3 überhaupt von einer Verbesserungsbedürftigkeit der Elternarbeit sprechen darf, so ist diese hinsichtlich der Förderung des Kontakts zu anderen Eltern, der Beratung bei Erziehungs- und Familienproblemen sowie der Hilfe bei Erziehungsfragen am ehesten gegeben. Ansatzweise besteht somit ein geringer Bedarf an einer Verbesserung von Angeboten der Elternbildung und -beratung sowie von Beratungskompetenzen auf seiten der Erzieherinnen, aber auch von animierenden Kompetenzen, durch die sich Kontakte zwischen Eltern intensivieren lassen. Aber - wie bereits gesagt - sind solche Empfehlungen bei Noten von 2,3 und besser von geringer Dringlichkeit. Durch die Elternbefragung wurden wenige Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe ermittelt, die zudem von ihrer Tendenz her nicht einheitlich sind. Hierfür kommen verschiedene Erklärungsmöglichkeiten in Betracht, zum Beispiel:
Unabhängig davon, welche der möglichen Erklärungen zutreffen, ist festzuhalten, daß die Elternbefragung keinen großen Beitrag zur Evaluation des Modellversuchs "Intensivierung der Elternarbeit" leistet. Hingegen verdeutlicht die Umfrage sehr gut die gesamte Bandbreite praktizierter Formen der Elternarbeit. So erwies sich, daß Erzieherinnen individuell und kreativ auf ganz unterschiedlichen Wegen versuchen, Eltern zu erreichen. Dabei zeigen sie ein hohes Maß an persönlichem Einsatz. Befragung der ausgeschiedenen Einrichtungen Tabelle 1 konnte entnommen werden, daß im Verlauf des Modellversuchs 16 Kindergärten vorzeitig ausschieden, die sich für das Projekt angemeldet hatten. Dies waren überraschend viele der insgesamt 77 Projektkindergärten. Deshalb wurden im April 1997 durch eine Nachbefragung die Gründe für das vorzeitige Ausscheiden zu erfassen versucht. Der hierzu erstellte Fragebogen wurde von 10 Kindergärten zurückgeschickt. Von den übrigen 6 Einrichtungen wurden die Angaben nachträglich per Telefon ermittelt. 10 der 16 Kindergärten hatten keinerlei Teamberatung erfahren. In einem Fall gab es einen Beratungstermin. In einem anderen Fall war unbekannt, ob eine Teamberatung stattfand (in 4 Fällen fehlte eine Antwort). 2 Einrichtungen hatten an keinen Regionalgruppentreffen teilgenommen, 1 Einrichtung an einem, 2 Einrichtungen an zwei, 3 Einrichtungen an drei, 1 Einrichtung an vier, 1 Einrichtung an vier bis fünf und 1 Einrichtung an fünf bis sechs Treffen. In jeweils einem Fall wurde die entsprechende Frage mit "ja", "mehrmals" oder "unbekannt" beantwortet; zweimal fehlte eine Antwort. Deutlich wird, daß die Beteiligung am Modellversuch vor dem Ausscheiden zumeist sehr gering war und z.B. keine Erfahrungen mit Teamberatung gesammelt werden konnten. Die Gründe für das Ausscheiden waren vielfach. Genannt wurden:
Deutlich wird, daß nur in einem Fall das Ausscheiden aus dem Modellversuch auf Enttäuschung mit dem Projekt zurückzuführen ist. Inwieweit diese Unzufriedenheit berechtigt ist, läßt sich nicht ermitteln - die Einrichtung erfuhr keine Teamberatung; sie nahm nur an vier bis fünf Regionalgruppentreffen teil. In den übrigen Fällen handelte es sich überwiegend um einrichtungsinterne Gründe, insbesondere personeller, zeitlicher oder aufwandbezogener Natur. In vielen der 16 Kindergärten bestand letztlich aber auch kein Bedarf an einer Intensivierung der Elternarbeit. So waren 6 Einrichtungen mit ihrer Elternarbeit sehr zufrieden und 7 zufrieden; nur 2 beantworteten die entsprechende Frage mit "teils, teils" und 1 Einrichtung mit "unzufrieden". Abschließend läßt sich also festhalten, daß ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Modellversuch nicht als Zeichen der Unzufriedenheit mit dem Projektverlauf oder der Arbeit der Projektmitarbeiterinnen bezeichnet werden kann. Abschließende Stellungnahme Festzuhalten ist, daß die meisten sozialpädagogischen Fachkräfte mit der Teamberatung zufrieden waren und sie als bereichernd für die Praxis ihrer Elternarbeit erlebten. Nur die Durchführung von Termingesprächen erweist sich weiterhin für manche Fachkräfte als problematisch. Die Teamberatung kann somit als eine erfolgversprechende Methode zur Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und pädagogischen Zweitkräften bezeichnet werden. Durch den Modellversuch konnte eine Ausweitung der Zahl von Formen der Elternarbeit erreicht werden. Bedeutungsvoller ist aber, daß sich die Art der Angebote änderte. Beispielsweise wurden mehr Termingespräche und mehr "alternative" Feste durchgeführt. Insbesondere wurden die Kontakte zwischen Familien intensiviert und Eltern stärker hinsichtlich einer Mitarbeit aktiviert. Die meisten Fachkräfte waren gegen Ende des Modellversuchs der Meinung, daß sie die Erwartungen der Eltern erfüllen und diese mit ihren Angeboten zufrieden seien - ein Befragungsergebnis, das von den Eltern selbst eindrucksvoll bestätigt wurde. Hingegen waren die Fachkräfte nicht ganz so zufrieden mit der Kooperation mit Eltern, insbesondere mit deren Beteiligung an ihren Angeboten für Eltern. Besonders deutlich wurde, daß Eltern überaus zufrieden sind - zum einen mit den verschiedenen Formen der Elternarbeit und zum anderen mit der Beziehung zu den Erzieherinnen. Letztere wurde von den Eltern mit der Durchschnittsnote 1,6 bewertet, während die einzelnen Formen der Elternarbeit mit der Durchschnittsnote 2,1 beurteilt wurden. In den untersuchten Einrichtungen gab es somit nur ganz wenige unzufriedene Eltern. Damit wurden landläufige Meinungen über eine schlechte oder unzureichende Elternarbeit in Kindergärten korrigiert. Mit den Augen von Eltern betrachtet, ist somit eine hohe Qualität im Bereich der Elternarbeit gegeben. Dies sollte Konsequenzen für das Selbstverständnis pädagogischer Fachkräfte haben, die sich auf diesem Gebiet manchmal noch als unsicher und wenig erfolgreich erleben. Die Eltern sehen sie hingegen als Professionelle, die eine hervorragende Arbeit leisten. Abschließend ist festzuhalten, daß der Modellversuch aufgrund der Ergebnisse der Teilnehmerinnen- und der Elternbefragung als erfolgreich bezeichnet werden kann. 5 Stellungnahme des Caritasverbandes für die Diözese Passau Waltraud Erb Wenn wir jetzt, im Jahre 1997, den Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" abschließen, sehen wir auf einen langen Projektweg zurück, auf dem wir Kindergärten bei der Weiterentwicklung ihrer Elternarbeit begleiten konnten. Der Ausgangspunkt war in den 80er Jahren, als uns Kindergartenleiterinnen von einer zunehmenden Zahl von Kindern mit besonderen Bedürfnissen und von Familien in schwierigen Lebenslagen berichteten. Wir entschlossen uns, einen Modellversuch zur Verbesserung der Elternberatung und zur Unterstützung von Familien zu initiieren. 1987 trat der Caritasverband für die Diözese Passau an das Bayerische Sozialministerium mit der Bitte heran, dieses Projekt zu fördern. Der drei Jahre dauernde Modellversuch "Familienunterstützende Maßnahmen im Kontext des Kindergartens" diente der Klärung, inwieweit im Kindergarten längerfristige Familienberatung geleistet werden kann, Familien an soziale Dienste vermittelt werden können und die Elternarbeit intensiviert werden kann. Das Projekt wurde in zwei Passauer Kindergärten durchgeführt. Es verlief sehr positiv; die Projektziele konnten erreicht werden. Aber es zeigte sich auch, daß in den beiden Kindergärten ganz verschiedene Schwerpunkte gesetzt und daher auch sehr unterschiedliche Aktivitäten durchgeführt wurden. Dies bestätigte unsere Erfahrungen aus der Fachberatung, daß jeder Kindergarten seinen eigenen, bedarfsorientierten Weg in der Elternarbeit gehen muß. In den Projektkindergärten waren viele Möglichkeiten erprobt worden. Diese Erfahrungen wollten wir nun auch anderen Einrichtungen zukommen lassen. Im Rahmen der allgemeinen Fachberatung war dies jedoch nicht zu leisten. Wie sollte es weitergehen? Es war eine glückliche Fügung, so möchten wir es bezeichnen, daß das Bayerische Sozialministerium sich bereit erklärte, ein Anschlußprojekt für zunächst drei, und dann nochmals weitere zwei Jahre zu fördern. Im Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" hatten wir Voraussetzungen, wie man sie sich für Fachberatung nur wünschen kann: Es war eine Fülle erprobter, innovativer Ideen aus dem ersten Projekt vorhanden, und es stand Fachpersonal zur Verfügung, das genug Zeit hatte, um allen Kindergartenteams, die dies wünschten, eine Teamberatung anzubieten. Gerade solche Voraussetzungen sind im Rahmen von Fachberatung nicht gegeben. Häufig hat sie eine "Feuerwehrfunktion", d.h., sie wird zu einem aktuellen, brennenden Thema angefordert. Langfristige Beratung einzelner Einrichtungen ist in der Regel aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Gerade das Thema "Elternarbeit" erfordert aber eine intensive Begleitung. Deshalb war es gut, daß im Projekt entsprechende Rahmenbedingungen vorhanden waren. Im Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" wollten wir nicht nur inhaltliche Schwerpunkte und Fertigkeiten vermitteln, sondern es ging uns vor allem darum, daß Kindergärten ein neues Miteinander mit den Eltern finden. Es mußten dabei Grenzen in den Köpfen überwunden werden: hier die "Erziehungsprofis" im Kindergarten, dort die Eltern als "Laien". Es mußten Wege gefunden werden, welche die gegenseitigen Wünsche und Vorstellungen berücksichtigen. Daß derartige Entwicklungen in Projektkindergärten tatsächlich gelangen, hängt damit zusammen, daß im Rahmen der Teamberatung die Einstellungen der einzelnen Mitarbeiter zu den Eltern hinterfragt wurden, daß sich die Auseinandersetzung mit dem Thema "Elternarbeit" über einen langen Zeitraum erstreckte und somit auch Raum zur persönlichen Weiterentwicklung vorhanden war. Viele Kindergärten, die Teamberatung in Anspruch nahmen, haben so neue Erziehungspartnerschaften mit den Eltern aufgebaut. Aber was ist mit den anderen Einrichtungen? Uns war von Anfang an wichtig, auch solche Kindergärten, die nicht an einer Teamberatung teilnehmen konnten oder wollten, am Projekt zu beteiligen. Deshalb gab es im Modellversuch drei Zielgruppen:
Rund ein Drittel der Kindergärten in der Diözese Passau nahm am Projekt teil. So entstand diözesanweit ein Netzwerk von Einrichtungen, die sich intensiv mit der Verbesserung ihrer Elternarbeit auseinandersetzten. Alle übrigen Kindergärten wurden durch verschiedenste Maßnahmen in die Diskussion um die Elternarbeit einbezogen. Dies war sicher eine gute Ausgangsposition, um möglichst breit innovativ wirken zu können. Die Nachhaltigkeit des Projektes wird sich nun daran zeigen, wie die Kindergärten ihre neuen Konzepte der Elternarbeit weiterverfolgen und weiterentwickeln. Selbstverständlich ist auch Fachberatung gefordert, diese Einrichtungen weiterhin zu begleiten. Jetzt, in der Schlußphase des Modellversuchs, legen wir unseren Schwerpunkt darauf, daß die Projektmitarbeiterinnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen an das Fachberaterteam weitergeben. Es ist unserem Fachreferat ein großes Anliegen, daß am Thema Elternarbeit weitergearbeitet wird. Darüber hinaus knüpft sich für uns eine Weiterführung des Themas in Hinblick auf die Öffnung der Kindergärten auf die Gemeinden hin an. Zusammen mit dem Referat Caritas und Pastoral werden wir hierzu ein neues Konzept entwickeln. Acht Projektjahre zum Thema Elternarbeit gehen nun zu Ende. Ich will nicht behaupten, daß wir Berge versetzt haben. Aber es gelang, in vielen Kindergärten ein neues Verständnis und Miteinander mit den Eltern zu entwickeln und das Thema "Elternarbeit" in allen uns angeschlossenen Einrichtungen neu zu bearbeiten. Sehr hilfreich war für uns während der gesamten Projektzeit die wissenschaftliche Begleitung, die Herr Dr. Martin R. Textor dynamisch und einfühlsam durchführte. Letztendlich haben nicht nur die Kindergärten vom Projekt profitiert, sondern auch die Fachberaterinnen. Wir im Referat Kindertagesstätten konnten Erfahrungen in der Teamberatung und Teamfortbildung sammeln und lernten beide Methoden als wichtige Instrumente zur Innovation in Kindertageseinrichtungen schätzen. Der Modellversuch hat uns letztlich dazu veranlaßt, unser Fachberatungskonzept neu zu überdenken. Auch sind wir jetzt mitten in der Diskussion, welche bisherigen Aktivitäten zugunsten des Ausbaus von Teamberatung reduziert werden könnten. Das Projekt war aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Wir danken allen, die dazu beigetragen haben, daß der Modellversuch "Intensivierung der Elternarbeit" durchgeführt werden konnte, und auch denen, die daran teilnahmen. Unser besonderer Dank gilt dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit für die Förderung des Projektes und die Genehmigung der wissenschaftlichen Begleitung. |
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