Aus: Handbuch Kindertageseinrichtungen, hrsg. Von Hildegard Rieder-Aigner, ergänzbare Sammlung. Regensburg: Walhalla 1998

Naturerkundungen mit Kindern

Herbert Österreicher

 

Kleinere oder größere Ausflüge mit Kindergruppen gehören zum Alltag der allermeisten Einrichtungen. Dabei stehen gemeinsame Besuche eines Obst- und Gemüsemarktes, eines Tierparks oder eines Feuerwehrhauses meist im Vordergrund des Interesses: Die Kinder erfahren neue und spannende Dinge aus dem Leben einer Stadt, über einen bestimmten Berufsstand oder über verschiedene Tiere. Daneben werden zwar auch immer wieder Park- und Waldspaziergänge durchgeführt, aber nicht zuletzt die Eltern der Kinder sehen in solchen Veranstaltungen eben nicht mehr als einen "Spaziergang von ErzieherInnen mit ein paar Kindern".

Wer sich aber in seiner pädagogischen Arbeit einmal näher mit den Aspekten und Möglichkeiten der Natur- und Umweltbildung beschäftigt hat, weiß, dass für die Kinder auch vermeintlich nachrangige "Spaziergänge" durch einen Park oder an einen Bach eine immens große Bedeutung haben können: Solche Ausflüge tragen nicht nur dem Bewegungsdrang und der Abenteuerlust der Kinder Rechnung, sondern bieten auch Anlass für vielfältige Entdeckungen und Fragen - Fragen, die manche Erwachsene rasch überfordern.

Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum sich viele ErzieherInnen im Fall solcher Ausflüge gerne auf das Sammeln von Blumen oder bunten Blättern beschränken: Hat man nämlich erst einmal das Interesse der Kinder für Einzelheiten und Besonderheiten von Landschaften, Pflanzen, Tieren geweckt, dann werden Fragen gestellt, die nicht selten auf ökologisch bedeutsame Zusammenhänge zielen und auch entsprechend beantwortet sein wollen.

Im Umgang mit solchen Fragen treten nun häufig zwei Schwierigkeiten auf: Entweder wird das Verständnis der Kinder für diese Zusammenhänge unterschätzt - was zu eher knappen und oberflächlichen Antworten führt - oder die Erzieherin/ der Erzieher reagiert mit spürbarer Verunsicherung, selbst nicht genügend zu wissen - was dann gerne mit irgendeinem Ablenkungsmanöver kaschiert wird. Für Kinder sind beide Reaktionen wenig befriedigend, und sie werden ihrerseits mehr und mehr darauf verzichten, den Erwachsenen derart und offensichtlich unwillkommene Fragen zu stellen.

Es ist klar, dass jede vernünftige Pädagogik auf den genau gegenteiligen Effekt zielt: die Kinder neugierig und erfinderisch zu lassen und ihnen dabei Anregungen zu geben und Mut zu machen. Kinder lieben zwar das eigenständige und zweckfreie Spiel im Wald oder am Wasser über alles, aber wenn sie etwas entdeckt haben, was ihnen Rätsel aufgibt und zu weiterer Erkundung reizt, sollten wir alles tun, um sie darin zu bestärken und uns - vielleicht am besten mit ihnen gemeinsam - auf die Suche nach Antworten machen.

Naturkundliches Wissen

Die Ausbildung von ErzieherInnen kann keinesfalls auch eine umfassende naturkundliche Unterrichtung beinhalten. Das erscheint auch nicht notwendig, denn die beste Annäherung an diesen riesigen Komplex an Fakten- und Erfahrungswissen ist auch für uns Erwachsene Neugier, Aufmerksamkeit und Interesse. Vergessen wir nicht, dass schon unsere (Kindheits-) Erinnerungen sehr viele elementare Naturerfahrungen bereithalten und wir oft nur einige Bindeglieder brauchen, um plötzlich den einen oder anderen Zusammenhang zu erkennen: Die Tatsache beispielsweise, dass innerhalb eines geschlossenen Baumbestandes (Wald, Baumgruppe oder Hecke) ein Kleinklima herrscht, das im Winter höhere, im Sommer niedrigere Temperaturen als die freie Landschaft aufweist, führt uns gleichermaßen in eine Kindheit des Höhlen- und Baumhäuser-Bauens wie später zum Verständnis für die Überwinterungsstrategien heimischer Wildtiere.

Wenn Sie mit Kindern einen Erkundungsausflug in ein Waldstück oder durch eine Wiesenlandschaft machen, sollten Sie zumindest in groben Zügen über den betreffenden Naturraum Bescheid wissen - sowohl um den Fragen der Kinder gewachsen zu sein als auch um ihre Aufmerksamkeit auf die eine oder andere Besonderheit dieses Gebiets lenken zu können. Und bemühen Sie sich dabei, immer wieder auch die richtigen Namen und Bezeichnungen für die jeweiligen Beobachtungen, Pflanzen und Tiere zu nennen: Kinder finden nicht nur großen Gefallen an solchen, oft ungewöhnlichen Benennungen, sondern Sie ermöglichen ihnen damit von Anfang an einen verständnisvolleren Zugang zu dem Entdeckten und Beobachteten. Das auf diese Weise Erkannte bleibt gerade Kindern außerordentlich gut in Erinnerung und lässt sie viele Jahre später noch auf solche Erfahrungen zurückgreifen.

Ihre eigene nähere Beschäftigung mit naturkundlichen Fragestellungen kann sich vielerlei Blickpunkten zuwenden. Ein gewisses Grundwissen über Bäume und Blütenpflanzen, Waldtiere oder Wasserläufe hat vermutlich jeder von uns. Wenn dann ein bestimmtes Thema an Interesse gewinnt, so braucht man sicherlich das eine oder andere Buch, um sich näher zu informieren: Bestimmungsbücher oder ökologische Themenbücher, kurz gefasste oder umfassendere Fachbücher - im Anhang finden Sie einige besonders empfehlenswerte Bücher aufgelistet.

Eine Kartensammlung zum Lernen, Nachschauen und Zeigen

Wichtig und insbesondere für die Arbeit mit Kindern sinnvoll erscheint aber die Sammlung eigener Beobachtungen und Erfahrungen, vielleicht als eine Art Tagebuch oder - aus nahe liegenden Gründen noch wirkungsvoller - eine kleine Sammlung selbst angefertigter (!) "Erinnerungskarten". Darunter verstehe ich Notizen mit kleinen Skizzen zu bestimmten Themen bzw. Fragen, die bei Naturerkundungen mit Kindern häufig auftauchen und ihr Interesse wecken. Wenn Sie sich dazu Stichpunkte und kleine, anschauliche Skizzen auf handlichen Kartonkarten anfertigen - gegebenenfalls aus einem Buch oder einer anderen Vorlage übernommen -, bringt das eine Reihe verschiedener Vorteile:

  • Statt eines oder mehrerer, meist zu umfangreicher Bücher steht Ihnen eine sehr kompakte und entsprechend zutreffende Nachschlage- und Bestimmungsunterlage zur Verfügung.
  • Dadurch, dass Sie Themen und Inhalte der Karten selbst ausgewählt und gezeichnet/ geschrieben haben, haben Sie sich bereits sehr intensiv mit der Materie auseinander gesetzt und Hintergrundwissen erworben.
  • Und nicht zuletzt stehen Ihnen mit diesen Karten ein besonders für Kinder hervorragendes Anschauungs- und Vergleichsmaterial zur Verfügung, das auch in spielerischer Weise zum Vergleichen von Wirklichkeit und Abbildung auffordert - und den Weg freimacht zur Beschäftigung mit Bestimmungs- und anderen Sachbüchern.

Im Folgenden finden Sie Beispiele zu Inhalt und Gestaltung derartiger Karten, wobei Sie diese natürlich übernehmen können, gleichermaßen als Grundstock wie als Anregung für Ihre eigene Zusammenstellung und Schwerpunktsetzung. Übrigens, weitere Kartenthemen könnten sein: bestimmte Wiesenblumen, Pilze, Wildfrüchte, Sumpfpflanzen, Spinnenarten, Gehäuseschnecken, Getreidearten, Knospen von Bäumen und Sträuchern, typische Wuchsformen von Bäumen, Borkenkäfer-Fraßbilder u.v.a.m.

Naturerkundungen im Jahreslauf

Je nach Jahreszeit bietet ein Ausflug sehr unterschiedliche Entdeckungs- und Beobachtungsmöglichkeiten. Einige davon seien nachfolgend beschrieben, wobei die Einteilung nach Jahreszeiten selbstverständlich nur eine gewisse Orientierung bieten soll: Manche Erkundungen lassen sich über einen deutlich längeren Zeitraum als den einer bestimmten Jahreszeit machen, andere wiederum erfordern ein bisschen Glück, um den richtigen Moment zu erwischen...

Aus Platzgründen können hier nur wenige Sachverhalte aufgeführt werden, aber dafür seien besonders jene genannt, die für Kinder spannend sind.

Winter

Ein Waldspaziergang durch einen winterlichen Laub- oder Laubmischwald zeigt aufgrund der Lichtdurchlässigkeit der blattlosen Bäume ein völlig anderes Bild als im Sommer. Die Wuchsformen der einzelnen Bäume lassen sich jetzt besonders gut erkennen, in den Baumkronen entdeckt man Misteln oder auch die durch manche Pilze, Bakterien oder Milben verursachten so genannten "Hexenbesen".

Mehr noch als der Laubwald ermöglicht der Nadelwald die Erfahrung des "Waldklimas": Betritt man bei Frostwetter solche Wälder vom offenen Feld her, erscheint uns die Windstille des Waldes nahezu warm.

In dieser Jahreszeit finden überall Baumfällarbeiten statt, weil das Holz jetzt wasserarm und damit dauerhafter ist. Stammquerschnitte bieten sich zum Zählen der Jahresringe an: Jeweils ein dunkler und ein heller Ring bilden zusammen den Holzzuwachs eines Jahres, wobei eine einfache Probe mit dem Fingernagel zeigt, dass die hellen Ringe weiches, die dunklen härteres Holz haben. Außerdem aber lassen sich an der Enge oder Breite der Jahresringe, bestimmten Verwachsungen oder Verheilungen von Wunden ganze "Lebensgeschichten" ablesen.

Ein ganz eigenes Kapitel ist die Suche nach Tieren bzw. Tierspuren im Winterwald. Deutlicher als sonst zeigen sich im Winter vielerlei Fraß- und Nagespuren. An den Rinden von Bäumen und Sträuchern kann es sich dabei um Hasen, Kaninchen, Reh- und Rotwild sowie um die gut kletternde Rötelmaus handeln, bei bodennahen Nagespuren auch um Erdmaus oder Wanderratte.

Ganz eigene Spuren hinterlassen manche Insekten: die Fraßbilder verschiedener Borkenkäfer wie Buchdrucker, Kupferstecher oder Großer Waldgärtner. Daneben lassen sich unter einer lockeren Borke auch zahlreiche andere Hinweise auf Kleintiere und Niedere Pflanzen finden: Löcher von Holzwespen, Spinneneier, Pilzmyzelien u.a.m.

Bei Schnee finden sich unterschiedlichste Trittspuren, wobei es Kindern großen Spaß machen kann, selbst eine ganz eigene Spur zu erfinden und zu legen.

Etwa ab Februar wird es interessant, an einem größeren Weiher nach Wasservögeln Ausschau zu halten: Sie zeigen jetzt meist schon das viel buntere Sommerkleid, und die verschiedenen Entenarten schwimmen nun bereits paarweise, was die Unterscheidung zwischen den auffällig gefärbten Erpeln und den schlicht aussehenden Weibchen leicht macht. Unverkennbar geht der Winter zu Ende, macht einem oft föhnig warmen Vorfrühling Platz.

Frühjahr

Das ideale Ziel für eine Erkundungswanderung im März ist ein artenreicher Laubwald, in dem jetzt zahlreiche Frühjahrsblüher wie Schneeglöckchen, Scharbockskraut, Milzkraut, Märzenbecher, Lerchensporn, Wildkrokusse, Primeln, Lungenkraut, Leberblümchen, Veilchen, Buschwindröschen und Bärlauch in Erscheinung treten. Schon bald darauf - nach dem Austrieb der Bäume - sind sie wieder verschwunden. Diese Pflanzen sind ganz speziell auf die kurze Zeit zwischen der lichtreicheren Frostperiode im Winter und der übrigen Zeit im Schatten der Bäume eingestellt: Sobald die Frühjahrssonne den dunklen Waldboden ausreichend erwärmt hat, treiben diese Frühjahrsblüher aus und bilden stellenweise richtige Blütenteppiche.

Sehr früh im Jahr sieht man auch schon die ersten Schmetterlinge fliegen, die als Falter überwintert haben: Zitronenfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs. Oft schauen sie ziemlich zersaust und mitgenommen aus. Sie suchen jetzt die Futterpflanzen ihrer Larven auf, wo sie Eier ablegen und dann sterben.

Besonders interessant ist es, Kröten bei ihrer Frühjahrswanderung zu den Laichplätzen zu beobachten. Etwa Anfang bis Mitte März, wenn die Tagestemperaturen auf über 10°C ansteigen, wandern die Tiere aus ihren Winterquartieren zu ihren angestammten Gewässern, meist krautreichen Tümpeln und flachen Weihern. Dort sind dann einige Tage lang zahlreiche Krötenpärchen zu sehen, die Männchen an den Weibchen klammernd, sowie noch wesentlich mehr einzelne Tiere: Das sind die überzähligen Männchen, die noch hoffen, ein Weibchen zu finden und nahezu alles umklammern, was ungefähr ihre Größe hat und sich bewegt. Der Laich der Erdkröten ist übrigens gut von dem anderer Amphibien zu unterscheiden: Er wird in langen Schnüren abgelegt, oft um vorjährige Schilfstängel oder im Wasser liegende Äste gewickelt. Die Tiere stehen völlig unter Schutz, weshalb auch weder ihr Laich noch später die Kaulquappen aus ihrem Lebensraum entfernt und mitgenommen werden dürfen.

Ein allgemein viel zu wenig beachteter Teil der verschiedensten Biotope und Landschaftstypen ist der Boden. Er trägt ja nicht nur all das, was wir üblicherweise wahrnehmen können, sondern in seiner ganz eigenen Entstehungsgeschichte und dem daraus resultierenden Aufbau bildet er eine wesentliche Voraussetzung für den jeweiligen Pflanzenwuchs, die dort sich entwickelnde Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren.

Es ist für Kinder spannend und eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, diesen Bereich einmal genauer zu erforschen. Sie brauchen dafür nur ein paar Schaufeln und eine einigermaßen geeignete Stelle, wo sich ein mindestens 60 cm tiefes Loch graben lässt. Sehr deutlich lassen sich dann die unterschiedlichen Schichten des so genannten Bodenprofils erkennen: unter der manchmal sehr stark belebten Streuschicht ein dunkler, humusreicher Bereich ("Humus-Horizont"), der zur Tiefe hin meist heller, lehmreicher und nährstoffhaltiger wird, in der Regel stark durchwurzelt, aber mit weniger Bodentieren ("Anreicherungs-Horizont"), sowie mehr oder weniger rasch der steinige Unterboden mit einzelnen, besonders tief reichenden Pfahlwurzeln ("Gesteins-Horizont"). Je nach Standort und Bewuchs gibt es in Materialzusammensetzung, Mächtigkeit, Färbung, Feuchte etc. die unterschiedlichsten Bodentypen, und das Ergebnis einer solchen Grabung wird vermutlich nicht nur für die Kinder interessant sein.

Die Erkundung eines feuchten Waldstücks oder Waldtümpels ab etwa Mai führt manchmal zur Entdeckung eines Feuersalamanders, für Kinder sicher eines der attraktivsten heimischen Tiere. Salamander findet man häufig bei regnerisch-trübem Wetter, und ein zahlreicheres Vorkommen kann durchaus als Zeichen für einen ökologisch einigermaßen intakten Lebensraum gewertet werden, da sie sehr empfindlich auf Umweltgifte und Störungen reagieren. Die Hautdrüsen des Tieres scheiden bei Berührung einen Stoff aus, der auf der Haut brennt; auch deshalb sollten die Kinder dieses Tier nicht anfassen.

Sommer

Ein Schwerpunkt sommerlicher Ausflüge können Wiesen sein, wobei es auch hier lohnend ist, unterschiedliche Wiesentypen miteinander zu vergleichen. Grundsätzlich sollte man dazu wissen, dass der Reichtum an Blütenpflanzen zunimmt, wenn eine Wiese nur wenig oder gar nicht gedüngt wird. Umgekehrt weisen alle - meist mit Jauche oder Gülle - kräftig gedüngten Futterwiesen eher dicht stehende "fette" Gräser auf.

Die Wiesen sollten in dieser Zeit möglichst nicht betreten werden, aufgrund bestimmter Vorschriften kann dies sogar wegen der nachfolgenden Mahd verboten sein. In den Randzonen bzw. entlang mancher Feldwege finden sich für unsere Naturerkundungen aber immer noch genügend Blumen, Gräser und Insekten. Vor allem die Doldenblütler wie Wilde Möhre, Wilder Fenchel, Wiesen-Bärenklau und viele, viele andere ziehen Dutzende verschiedener Käferarten und anderer Insekten an.

Ähnlich interessant, wenn auch mit einem oft völlig anderen Artenspektrum an Pflanzen und Tieren, sind viele Ackerraine, Ränder geschotterter Wege, Trockenmauern und ältere, von der Flurbereinigung verschonte Weinberge. Dazu gehören auch alte Plattenbeläge im Siedlungsbereich mit ihrer Ritzen- und Trittpflanzenvegetation. Und natürlich bieten aufgelassene Kies- und Schottergruben sowie alte Sandaufschüttungen ein reiches Betätigungsfeld für die Neugier und Entdeckerlust von Kindern. In diesen meist ziemlich trocken-warmen Biotopen gibt es besonders viele Käfer- und Schmetterlingsarten, aber auch Eidechsen lassen sich hier gut beobachten. Die seltener zu entdeckende Blindschleiche sollte übrigens nicht mit Schlangen verwechselt werden.

Es empfiehlt sich, neben Sammelbüchsen und Lupen zum vorübergehenden Aufnehmen und Beobachten von Kleintieren auch eine oder mehrere kleine Holzsteigen mitzunehmen: Die Kinder könnten dann darin mithilfe etlicher vorhandener und gesammelter Naturmaterialien etwa eine eigene Mini-Welt bauen, vielleicht für einen gerade entdeckten Käfer oder eine Spinne. Selbstverständlich werden diese Tiere nicht mitgenommen, sondern beim Verlassen des Geländes wieder freigelassen.

Achten Sie insbesondere bei aufgelassenen Steinbrüchen auf etwaige Gefährdungen der Kinder durch Steilhänge und Lockermaterial. Im Einzelfall wird man vielleicht eine Genehmigung zum Betreten des Geländes brauchen; wenn Sie aber von der Ungefährlichkeit des betreffenden Gebietes für die Kinder überzeugt sind, sollten Sie diese Mühe auf sich nehmen: Es gibt wenig reizvollere und auf engem Raum so abwechslungsreich strukturierte Natur-Lebensräume wie eine alte Kiesgrube.

Wie Sie sicherlich schon oft erlebt haben, stellt Wasser - einerlei, in welcher Form - für Kinder das verführerischste Element dar. Sommerausflüge sollten auch schon aus diesem Grund zu einem Bachlauf, einem Weiher oder wenigstens an einen interessanteren Tümpel führen. Abgesehen von der hier besonders notwendigen Unfallvorsorge gibt es hier für Sie eigentlich wenig Grund, sich darüber Gedanken zu machen, ob die Kinder wohl etwas mit sich bzw. dem Gelände anfangen können. Trotzdem lässt sich der Erlebniswert vielleicht nicht unerheblich steigern, wenn Sie sich mit den Kindern auf die Suche nach den eher unscheinbaren Aspekten dieses Lebensraumes machen: auf die Suche und Erforschung der dort lebenden Kleinlebewesen.

Ganz nebenbei führt nämlich gerade die Beschäftigung mit diesen wenig auffälligen Organismen für die Kinder zu einer außerordentlich wichtigen Erfahrung: Wir leben in einer Welt, deren Zusammenhalt und Gleichgewicht ganz entscheidend vom Kleinen, Unscheinbaren, scheinbar Unbedeutenden abhängt. Nehmen Sie sich Zeit, darüber mit den Kindern zu sprechen, ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken und Fragen zu wecken. Ein Tag am Ufer eines Flusses oder Stillgewässers sollte vielleicht auch dafür Gelegenheit bieten.

Wenn es den Kindern gelingt, mithilfe mitgebrachter Kescher einzelne Wassertiere zu fangen, können diese übrigens am besten in einem kleinen, leichten Plastikaquarium beobachtet werden. Wichtig ist dabei, die Tiere in diesem beschränkten Raum nicht der Sonne auszusetzen und baldmöglichst wieder zurück in das Wasser zu geben.

Herbst

Im Zentrum einer Herbst-Wanderung steht sicherlich erst einmal das Sammeln bunter Blätter und bestimmter Früchte wie Kastanien und Eicheln. Achtet man ein bisschen auf die jeweiligen Baumarten, so wird man rasch entdecken, dass die herbstliche Laubfärbung von Gehölz zu Gehölz sehr unterschiedlich und charakteristisch ist: Birken und Pappeln zeigen sich dann hell goldgelb, Ahorn je nach Art gelb, orange oder rötlich leuchtend, Eichen braun (nur die nordamerikanische Roteiche wird feuerrot). Einige Gehölze wie Erle, Esche und Holunder verfärben sich allerdings nicht und werfen im Lauf des Herbstes ihr grüngebliebenes Laub ab.

Das Falllaub auf Wegen und Plätzen, im Wald oder auf dem Rasen kann uns aber auch wieder zur Beschäftigung mit dem Boden führen: Das Laub wird von zahlreichen Kleintieren sowie durch Witterungseinflüsse zersetzt und trägt so entscheidend zur Humusbildung bei. Dabei lässt sich gut beobachten, dass sich bestimmte Laubarten wie jene von Rosskastanie, Walnuss oder Magnolie nur sehr schwer und langsam zersetzen, während die Blätter von Ahorn, Esche oder Ulme aufgrund ihrer raschen Verrottung auch einen guten und nahrhaften Humus ergeben. Die Kinder könnten versuchen, Blätter unterschiedlichen Zersetzungsgrades zu finden und mit einer Lupe diese Reihe und die jeweiligen Veränderungen zu verfolgen.

Beim näheren Untersuchen der Blätter fallen sicherlich immer wieder einige sehr sonderbare Gebilde auf: rundliche oder stäbchenförmige, glattschalige oder schuppige Auswüchse an Blättern, Blattstielen oder Zweigen. Es handelt sich um so genannte Pflanzengallen, Wucherungen, die meist durch Gallmücken oder Gallwespen verursacht werden. Manche Bäume und Sträucher stellen für sehr viele verschiedene Arten dieser Insekten wichtige Wirtspflanzen dar; so kann man auf Eichen bis zu 40 verschiedene Gallentypen finden. Die jeweiligen Tiere stechen dabei bereits im Frühjahr oder Frühsommer die Blätter des Baumes an und legen dabei ihre Eier ab. Ein kompliziertes chemisches Wechselspiel führt nun zu einem verstärkten Zellwachstum an dieser Stelle, wodurch die sich im Inneren entwickelnde Insektenlarve einerseits Nahrung, andererseits Schutz erhält. Für die Bäume bedeuten diese "Untermieter" in der Regel keine Gefahr, für viele Vögel aber eine zusätzliche Nahrungsquelle.

Wildfrüchte, essbare wie ungenießbare und giftige, sind ein weiteres Thema von Herbst-Ausflügen mit Kindern. Es ist zwar so, dass die Kinder heute aus vielerlei Gründen kaum jemals versucht sind, von irgendwelchen Bäumen oder Sträuchern Früchte zu pflücken, um sie zu essen - viele weigern sich schon im Vorfeld, auch nur von einem Wildapfel abzubeißen -, aber wenn Sie mit Kindern solche Ausflüge machen, sollten Sie wenigstens die wichtigsten fruchttragenden Gehölzen dort kennen. Am besten machen Sie durch dieses Gelände kurz vor dem geplanten Ausflug mit den Kindern einen vorbereitenden Erkundungsgang mit einem guten Bestimmungsbuch oder einer fachkundigen Begleitung. Dann können Sie den Kindern vielleicht auch wirklich Lust auf die eine oder andere Geschmacksprobe machen - und ihnen vermutlich noch viele bemerkenswerte Dinge erzählen.

Nachbemerkung: Ausrüstung für naturkundliche Ausflüge

Grundsätzlich sollte für die angesprochenen Ausflüge so wenig Gepäck wie möglich mitgenommen werden; erfahrungsgemäß wird es dann immer noch zu viel und vor allem zu schwer. Dennoch halte ich einige einfache und sehr variabel einsetzbare Hilfsmittel für sinnvoll:

  • eine Auswahl der selbst angefertigten "Erinnerungskarten" und/oder ein/zwei entsprechende Bestimmungsbücher,
  • ein leichtes Fernglas, etwa im Bereich 8 x 25 bis 10 x 20,
  • zwei oder drei Lupen mit unterschiedlichen Vergrößerungen,
  • einen Notizblock mit Stift,
  • Fotoapparat, wenn möglich mit Makroobjektiv,
  • einige Kescher zum Fang von Wassertieren und
  • ein kleines Plastikaquarium (gegebenenfalls einige Klarsichttüten) für Beobachtungen "unter Wasser",
  • einige Haarpinsel und Pinzetten.
  • ein Allzweck-Taschenmesser,
  • ein paar Becher mit Deckel, gegebenenfalls Schraubdeckelgläser,
  • einige Sammeltüten (Beim Sammeln von Pflanzen bzw. Pflanzenteilen sind die Bestimmungen des Natur- und Artenschutzes zu beachten; Tiere sind niemals mitzunehmen).

Treffen Sie aus dieser Auflistung je nach Jahreszeit und Ausflugsziel Ihre persönliche Auswahl - die geeignete Kleidung einschließlich entsprechend fester Schuhe (bei Bach-Exkursionen gegebenenfalls Gummistiefel) vorausgesetzt. Becher, Lupen, Kescher sollten am besten auch die Kinder selbst mitnehmen.

Autor

Herbert Österreicher, Dipl. Ing. (FH), ist als freiberuflicher Planer für Außenanlagen an Kindertageseinrichtungen verschiedener Träger sowie als Weiterbildungsreferent im Bereich der Umweltbildung und Naturkunde tätig. Kontakt über: http://www.kinderfreiland.de