Zukunftschancen für Kinder: Ich kann zwei Sprachen. Informationen zur Mehrsprachigkeit in Kindergarten und Grundschule für Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Lehrer

Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen FMKS e.V.

 

Kleine Kinder lernen eine Zweitsprache in der gleichen Mühelosigkeit wie die erste. Mehrsprachigkeit eröffnet große persönliche Chancen. Jeder Europa-Bürger sollte drei Sprachen beherrschen. Viele Arbeitgeber verlangen bereits mehrere. Etwa zwei Drittel aller Menschen auf der Welt sind mindestens zweisprachig. Mehrsprachigkeit hilft, Toleranz für anderssprachige Menschen und Kulturen zu entwickeln.

Was ist "Immersion"?

Immersion bedeutet so etwas wie "Sprachbad". Die neue Sprache ist Umgangs- und Unterrichtssprache. Alles in der neuen Sprache wird zu Anfang verstärkt und erklärt durch Zeigen und Bilder. Regeln und Vokabeln werden nicht zum Thema gemacht. Die Kinder lernen unbewußt. Zuerst verstehen sie, dann beginnen sie nach und nach zu sprechen - spielerisch. Kinder werden frei von Druck an die Sprache herangeführt. Sie verlieren die Scheu und gebrauchen die neue Sprache mit Spaß.

Immersion kommt dem natürlichen Weg, wie Kinder eine Sprache lernen, sehr nahe. Dies gelingt auch bei der zweiten Sprache. Es ist unproblematisch, daß die Muttersprache noch nicht richtig sitzt. Fehler sind normal, an ihnen kann man sogar den Lernfortschritt ablesen. Das Erlernen einer Sprache muß nicht abgeschlossen sein, damit eine weitere dazugelernt werden kann. Voraussetzung ist lediglich eine altersgemäße Entwicklung der Muttersprache durch regelmäßigen Gebrauch zu Hause.

Kindergarten und Grundschule

In Kindergarten und Schule arbeiten oft Muttersprachler, "native speaker", mit Deutschkenntnissen. Sie spielen und sprechen mit den Kindern nur in der neuen Sprache. Ein Kind kann sich aber in seiner Muttersprache an sie wenden.

Schon nach sechs Wochen läuft der Tagesablauf im Kindergarten in der neuen Sprache ab.

In der Grundschule werden - bis auf das Fach Deutsch - alle Fächer in der neuen Sprache unterrichtet. Dieser "bilinguale Unterricht" ist auf die Vermittlung der Sachinhalte der Fächer ausgerichtet, nicht auf die Sprache. Die Lehrkräfte gestalten die Lehrinhalte sehr verständlich. Sie stellen Dinge im Zusammenhang dar, zum Beispiel anhand von Bildern, Symbolen oder Handpuppen. Kinder nehmen die Informationen schnell auf und lernen mit großem Spaß. Innerhalb von nur wenigen Wochen verstehen sie das Wichtigste. Neue Fachbegriffe werden zum Teil in beiden Sprachen eingeführt. Langjährige Erfahrungen mit Immersion in anderen Ländern zeigen: Eventuelle Rückstände im Sachwissen sind im Verlauf der ersten beiden Jahre beseitigt.

Immersion in Kindergarten und Schule erfordert etwas mehr organisatorischen Vorlauf und Aufwand. Die Bereitschaft, sich auf Immersion einzulassen, muß vorhanden sein. Die Erziehungs- und Lehrkräfte müssen sehr gut Englisch können. Geeignetes Schulmaterial muß zur Verfügung gestellt werden. Wichtig für den Erfolg ist:

  • Es wird genug Zeit mit der neuen Sprache verbracht.
  • Der Sprachkontakt ist vielseitig und hält lange genug an.
  • Deswegen ist der Spracherfolg bei der Kombination von Kindergarten + Grundschule um Dimensionen größer als bei ein oder zwei Wochenstunden.

...und nach der Grundschule?

Langfristig ist der Weg zur Mehrsprachigkeit nur erfolgreich, wenn die weiterführenden Schulen am Kenntnisstand der Grundschule anknüpfen. Die erste Fremdsprache kann mit weniger Schulstunden als bisher üblich unterrichtet werden. Sie sollte aber bis zum Schulabschluß gefördert werden, um Sprachkompetenz und Schriftlichkeit weiter zu steigern. Die gewonnene Zeit wird frei für eine weitere Sprache. Das Kind bringt beste Voraussetzungen mit, auch diese sehr gut zu lernen. Die Immersionsmethode bilingualer Unterricht, also Sachfachunterricht in einer Fremdsprache, eignet sich besonders für das Erlernen von Fremdsprachen.

An manchen Schulen erwerben Kinder zusätzlich zum Abitur einen Abschluß mit Zugangsmöglichkeit zu ausländischen Hochschulen. Dieses "Internationale Baccalaureat" erfordert sehr gute Sprachkenntnisse (siehe im Internet http://www.ibo.org).

Chance für mein Kind - oder etwa Risiko?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt: Frühe Fremdsprachenkenntnisse fördern die geistige Entwicklung. Die Kinder sind sich generell bewußter über Sprache. Sie sind kreativer, wenn es um Lösungen von bestimmten Problemen geht. Sie lernen, flexibel zu denken, und suchen alternative Lösungsmöglichkeiten. Sie versuchen, sich gut auszudrücken und sich stärker in andere hineinzuversetzen, die nicht so gut verstehen wie sie selbst. Mit Immersion lernt ein Kind eine Sprache viel besser als mit herkömmlichem Sprachunterricht.

Leidet nicht das Deutsch der Kinder?

Für Kinder aus einem starken Sprachumfeld wie dem unsrigen ergeben sich keine sprachliche Nachteile. Die Muttersprache ist so stark besetzt, dass sie sich auch außerhalb der Schule normal weiterentwickelt. Weil die Kinder ihr Wissen über Sprache auch auf die Muttersprache übertragen, übertreffen sie mitunter sogar ihre Altersgenossen in der Muttersprachkompetenz.

Müssen Eltern selbst die neue Sprache können?

Immersion erfordert keine besondere Begabung. Sie eignet sich für Kinder aller sozialen Schichten. Die Eltern brauchen die Sprache selbst nicht zu sprechen.

Was passiert, wenn man umzieht?

Ein zweisprachig betreutes Kind kann jederzeit in eine normale Schule wechseln. Hört der Sprachkontakt auf, fällt das Kind in der Fremdsprache wieder etwas zurück, aber die Zeit war dennoch nicht umsonst. "Verschüttete" Sprache wird reaktiviert, wenn der Sprachkontakt später wieder hergestellt wird.

Was können Eltern tun?

Warum ist Immersion bei uns nicht weiter verbreitet? Immersion und bilingualer Unterricht sind vielen Menschen - auch in der Bildungspolitik - nicht richtig bekannt. Nach wie vor sind Vorbehalte, auch unter Lehrkräften, verbreitet, die Kinder könnten doch überfordert werden, sie müßten erst mal richtig Deutsch lernen und überhaupt sei diese Methode zu kompliziert. Eltern fürchten Schwierigkeiten, wenn sie sich für Immersion einsetzen. Mutlosigkeit führt dazu, daß Eltern oder engagierte Betreuungs- und Lehrkräfte aufgeben.

Lehrkräfte, die gleichzeitig ein Sachfach und die Fremdsprache unterrichten, können den Fachunterricht in der Fremdsprache abhalten, aber davor scheuen viele zurück.

In der internationalen Bildungsstudie PISA hat Deutschland extrem schlecht abgeschnitten. Es ist zu hoffen, dass mit PISA Rückenwind für bessere Bildung aufkommt und die Erfolge der Immersion zur Kenntnis genommen werden, damit mehr Kinder in Kindergärten und in allen Schultypen in den Genuß dieser ungemein erfolgreichen und kostengünstigen Methode zum Sprachenlernen kommen. In Ländern wie Kanada, Spanien, Frankreich und Finnland ist Immersion viel stärker verbreitet als bei uns. Es werden dort gute Erfolge damit erzielt.

Eltern können sich engagieren, indem sie andere informieren und für einen zweisprachigen Kindergarten und eine zweisprachige Schule werben und diese fordern. Ansprechpartner sind andere Eltern, Träger von Kindergärten, Schulverwaltung, Bildungspolitiker, Politiker, Erziehungs- und Lehrkräfte, Leitungen von Kindergärten und Schulen, Elternvertretungen, Wirtschaftsvertreter usw.. Eltern können die Presse um Hilfe bitten. Wichtig ist, sich Verbündete zu suchen: Diese können aus funktionierenden zweisprachigen Kindergärten und Schulen kommen, aus Elternvertretungen, aus der Wirtschaft - oder sie können Prominente sein. Wenn es um eine gute, zukunftsorientierte Ausbildung der eigenen Kinder geht, die obendrein kostengünstig ist, lohnt sich die Eigeninitiative.

Das kommt uns doch selbstverständlich vor...

  • Früher haben Kinder zuhause Platt gesprochen. In der Schule wurde auf hochdeutsch unterrichtet. Dies war selbstverständlich und unproblematisch.
  • Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache lernen heute in jedem Kindergarten deutsch. Diese Immersion kommt uns selbstverständlich vor. Sie ist Teil der Erziehungsarbeit, die in Kindergärten geleistet wird.
  • In Schleswig-Holstein gibt es dänische Kindergärten und Schulen, in denen bis auf das Fach Deutsch nur dänisch gesprochen wird.
  • Kinder, die mit ihren Eltern ins Ausland gehen müssen, lernen die neue Sprache mühelos.

Ein Fazit

Die Frühvermittlung von Fremdsprachen ist ausgesprochen erfolgreich, wenn Kindergarten und Grundschule zu einem Verbund zusammengefaßt werden. Die Methode "Immersion" verwendet die neue Sprache als Umgangssprache. Sie beginnt am besten mit 3 Jahren in einem bilingualen = zweisprachigen Kindergarten und wird in der gesamten Grundschulzeit weitergeführt. Der Umgang mit einer anderen Sprache macht den wißbegierigen Kindern viel Spaß. National wie international ist der Verbund von Kindergarten und Grundschule das erfolgreichste Modell. Mit herkömmlichen Sprachunterricht und 1-2 Wochenstunden in der Grundschule wird ein solch hohes Sprachniveau nicht annähernd erreicht.

Mit Immersion wird kein Kind überfordert. Immersion macht Spaß und ist obendrein kostengünstig, denn es werden keine zusätzlichen Unterrichtsstunden und keine zusätzlichen Lehrkräfte benötigt.

Ein Kind, das zwei Sprachen spricht, ist schöpferischer und bringt bessere intellektuelle Voraussetzungen mit, eine weitere Sprache zu lernen.

Wo bekommt man weitere Informationen?

Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen FMKS e.V.
A. Lommel (Vorsitz)
Steenbeker Weg 81
24106 Kiel
Tel.: 0431/3890479
Email:
info@fmks-online.de
Homepage: http://
www.fmks-online.de

Prof. Dr. Henning Wode (Vorstandsmitglied und wissenschaftliche Beratung)
Olshausenstr. 40
24089 Kiel
Tel.: (0431) 880-2245
Fax: (0431) 880-1512
Email: officeling@anglistik.uni-kiel.de
Homepage: http://ikarus.pclab-phil.uni-kiel.de/daten/anglist/linguist/start.htm