Martin R. Textor (Red.): Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten. Abschlussbericht. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 2000


Inhalt

1. Vorwort (Simon Lehner)

2. Einführung (Martin R. Textor)

3. Konzeption für die Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten (Martin R. Textor)

4. Rückblick auf das zweite Projektjahr: Betreuung von Jugendämtern (Martin R. Textor)

5. Rückblick auf das zweite Projektjahr: Betreuung von Kindertageseinrichtungen (Dagmar Winterhalter-Salvatore)

6. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Jugendämtern (Martin R. Textor)

7. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Kindertageseinrichtungen (Dagmar Winterhalter-Salvatore)

8. Praxisberichte

8.1 Stadtjugendamt Hof (Hannelore Fischer)

8.2 Amt für junge Menschen und Familien Bad Kissingen (Franz Gundelach)

8.3 AWO-Kindergarten Würzburg/Schulkindergarten Heiligkreuz (Christine Schubert und Theresia Gerhard)

8.4 Städtischer Kindergarten "Haus der kleinen Strolche", Erlangen (Brigitte Czypull und Kirsten Jag-Reuter)

9. Teilnehmer/innenbefragung (Martin R. Textor)

10. Ausblick: Grundsätze für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten (Martin R. Textor)

 

1. Vorwort

Simon Lehner

Mit dem vorliegenden Bericht findet ein dreijähriger, bayernweit durchgeführter Modellversuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik zur "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" seinen Abschluss. Die Ergebnisse und Folgerungen sind für die qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Bayern, aber auch über seine Grenzen hinaus, von zentraler Bedeutung.

Obwohl allseits längst gefordert, ist eine Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit den jeweiligen Jugendhilfeeinrichtungen vor Ort erst in Ansätzen und bruchstückhaft realisiert. Überwiegend handelt es sich hierbei um punktuelle, einzelfallbezogene Maßnahmen. Der Abschlussbericht beschreibt nun die gesamte Breite der Vernetzungsmöglichkeiten der Kindertagesstätten mit den möglichen Kooperationspartnern und stellt die positiven Effekte koordinierter und vernetzter Prävention und Intervention bei Hilfemaßnahmen für Kinder und Jugendliche dar. Wie sehr dieses vernetzte Arbeiten auch deren Eltern zu gute kommt, muss nicht besonders hervorgehoben werden.

Es ist daher zu hoffen, dass dieser Abschlussbericht nicht nur in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt wird, sondern auch in die Hände möglichst vieler Träger sowie möglichst vieler sozialpädagogischer Fachkräfte von Kindertageseinrichtungen gelangt, damit er seiner Intention, Wegweiser für die Möglichkeiten vernetzten Arbeitens im Kindertagesstättenbereich zu werden, auch gerecht werden kann.

 

2. Einführung

Martin R. Textor

In dem vorliegenden Abschlussbericht wird über das zweite und dritte Projektjahr des Modellversuchs "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" des Staatsinstituts für Frühpädagogik berichtet. Dieses Projekt begann Mitte 1997 und dauerte bis Ende 2000. Angestrebt wurden eine bessere Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit Jugendämtern, Beratungsstellen und anderen psychosozialen Diensten, wobei Vernetzung den Informations- und Erfahrungsaustausch, die Verbesserung der Kooperation (allgemein und im Einzelfall), die gegenseitige Unterstützung und Beratung sowie die bessere, zügigere Weitervermittlung Hilfsbedürftiger umfassen kann.

Im Rahmen des Modellversuchs sollten verschiedene Vernetzungsaktivitäten und Kooperationsformen erprobt werden. Letztlich sollte durch die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten erreicht werden, dass hilfebedürftige Kinder und/oder Familien mit Problemen so früh wie möglich an den jeweils indizierten psychosozialen Dienst weitervermittelt werden und dort die in ihrem Fall notwendige Hilfe erfahren - möglichst mit kontinuierlichem Informationsaustausch zwischen der jeweiligen Kindertagesstätte und dem psychosozialen Dienst (Voraussetzung: Einwilligung der Sorgeberechtigten). Ferner sollten Erzieherinnen erfahren, dass sie im sozialen Netz auch für sich selbst Hilfe finden können (z.B. Beratung, Fallbesprechung, Supervision, Fortbildung).

An dem Modellversuch beteiligten sich 25 Jugendämter und 18 Kindertageseinrichtungen. In jedem der drei Projektjahre wurde ein Drittel der teilnehmenden Institutionen intensiver betreut, d.h., sie wurden von der/m Projektmitarbeiter/in Dagmar Winterhalter-Salvatore (zuständig für die Kindertageseinrichtungen; Mitarbeit ab dem zweiten Projektjahr) und Martin R. Textor (zuständig für die Jugendämter) ca. viermal aufgesucht und hinsichtlich einer besseren Vernetzung beraten. Ferner veranstaltete das Staatsinstitut vier Fachtagungen und bot eine Arbeitsgruppe "Vernetzung" für acht Jugendämter an, die sich einmal pro Jahr traf.

Das Konzept des Modellversuchs, eine Beschreibung des Verlaufs des ersten Projektjahres, Praxisberichte, Ergebnisse von Befragungen bayerischer Jugendamtsleiter/innen und Leiter/innen von Kindertageseinrichtungen sowie sieben Fachbeiträge über mobile Dienste für Kindertagesstätten befinden sich in dem 1999 veröffentlichten Bericht 7/99 des Staatsinstituts für Frühpädagogik "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten. Zwischenbericht" (Redaktion: Martin R. Textor), der inzwischen vergriffen ist.

Der vorliegende Abschlussbericht beginnt mit einem Grundsatzartikel über Ziele, Formen, Akteure und Methoden der Vernetzung, über vernetzungsfördernde und -hemmende Faktoren. Es folgt ein Rückblick auf das zweite und anschließend auf das dritte Projektjahr, wobei zwischen Kindertageseinrichtungen und Jugendämtern differenziert wird. Nach mehreren Praxisberichten und den Ergebnissen der Teilnehmerbefragung schließt der Bericht mit "Grundsätzen für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten".

 

3. Konzeption für die Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten

Martin R. Textor

Der Kindergarten ist die erste gesellschaftliche Institution, die von Kindern besucht wird; er erreicht inzwischen nahezu alle Drei- bis Sechsjährigen. Hier werden in der Regel Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsrückstände und Sprachstörungen zum ersten Mal "öffentlich", die zuvor im Schonraum der Familie weitgehend ignoriert oder mangels eines Vergleichs mit Gleichaltrigen nicht erkannt wurden. Nach verschiedenen Untersuchungen (zusammengefasst bei Mayr 1997, 1998) sind bis zu 25% aller Kindergartenkinder "auffällig"; zwischen 10 und 13% gelten als behandlungsbedürftig - wobei oft eine Beratung der Eltern (oder Erzieher/innen) ausreichend sein dürfte. Bei der Schuleingangsuntersuchung 1997 in Bayern wurden beispielsweise u.a. folgende Auffälligkeiten seitens der Gesundheitsämter dokumentiert:

  • Verhaltensauffälligkeiten: 4,3%
  • Teilleistungsschwächen: 5,9%
  • Hörstörungen: 5,8%
  • Lautbildungsstörungen: 10,8%
  • Satzbildungsstörungen (Dysgrammatismus): 2,3%
  • Sprechrhythmusstörungen: 0,9%
  • zerebrale Anfallsleiden: 0,2%
  • Diabetes Mellitus: 0,1%
  • Herzfehler/-krankheiten: 0,7%

Andere Studien zeigen laut Mayr (1997, 1998), dass z.B. im Kindergartenalter vorhandene Verhaltensauffälligkeiten bei einem großen Teil der Kinder fünf Jahre später fortbestehen (wenn nicht interveniert wurde) und dass auch ein Zusammenhang zu Störungsbildern im Jugendalter wie Drogenmissbrauch oder Kriminalität festgestellt werden kann. So sollte diesen Kindern möglichst frühzeitig geholfen werden - zumal Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsrückstände schon im Vorschulalter negative Auswirkungen auf das Leben des betroffenen Kindes haben. "Sie behindern die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts und belasten die Kontakte zu erwachsenen Bezugspersonen wie den Eltern oder den Erzieherinnen. Vor allem beeinträchtigen sie auch die Beziehungen zu den anderen Kindern: Sie wirken sich negativ auf die Stellung von Kindern in der Kindergartengruppe aus und führen zu einer geringeren Wertschätzung sowie zu Ablehnung und Zurückweisung durch die Altersgenossen" (Mayr 1998, S. 6). Es entspricht also dem Kindeswohl, wenn diese Kinder schon im Vorschulalter eine besondere Unterstützung erfahren, zumal frühzeitige Interventionen als effektiver und kostengünstiger gelten sowie oft eine Aussonderung - und damit Stigmatisierung - von Kindern unnötig machen. Aber auch den Erzieher/innen wird geholfen, für die der Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern die größte berufliche Belastung ist (z.B. nach Gleich 1993).

Suchen Eltern und/oder Erzieher/innen nach Hilfsangeboten für ein Kind oder die ganze Familie, werden sie mit einem unübersichtlichen System von Beratungsstellen, medizinischen, therapeutischen und sozialen Diensten konfrontiert. Nach Filsinger und Bergold (1993) entstand dieses System durch gesellschaftliche Modernisierungsprozesse, die (1) zu einer Ausdifferenzierung formaler Hilfesysteme verbunden mit Prozessen der Institutionalisierung und Professionalisierung, (2) zu einer Expansion psychosozialer Dienste, oft in Verbindung mit bestimmten "Themen- und Problemkonjunkturen", (3) zu einer Diversifikation dieser Dienste, also der Spezialisierung auf bestimmte Probleme, Adressatengruppen, Lebensphasen, Handlungskonzepte usw., sowie (4) zu einer Pluralisierung der Akteure führten - neben die großen Wohlfahrtsverbände und die öffentlichen Träger sind zunehmend Vereine, Selbsthilfegruppen, kleine (private) Träger und Projekte getreten. Negative Folgen dieser Entwicklung sind aber nicht nur die Unübersichtlichkeit des entstandenen Systems psychosozialer Dienste, sondern laut Filsinger und Bergold (a.a.O.) auch

  1. die oft unzureichende Passung zwischen Problem und Hilfsangebot: Viele Dienste erfassen aufgrund ihrer hochgradigen Spezialisierung, einer individuumszentrierten Orientierung oder der Verwendung standardisierter Diagnosen nur Ausschnitte der zumeist komplexen Problem- und Lebenslagen der Kinder bzw. Familien und reagieren nur auf diese Teilaspekte. Es ist offensichtlich, dass ihre Maßnahmen häufig auf Grenzen stoßen, wenn ganze Bereiche der Alltagswelt und zentrale Bestandteile der subjektiven Problemdefinitionen der Klient/innen ausgeblendet werden.
  2. die häufige Weitervermittlung und Mehrfachbehandlung von Klient/innen: Wird im Gespräch oder bei der Beratung, während der Diagnose oder Behandlung festgestellt, dass Probleme nicht oder nur teilweise von dem jeweiligen psychosozialen Dienst gelöst werden können oder zusätzliche Leistungen (z.B. eine finanzielle Unterstützung neben den angebotenen therapeutischen Maßnahmen) benötigt werden, muss das Kind bzw. seine Familie an andere Stellen überwiesen werden. Dann entsteht manchmal folgende Situation: "Die Dienste haben oft widersprüchliche Vorstellungen über Werte, Ziele und Strategien. So erhalten z.B. Familien oft von unterschiedlichen Institutionen widersprüchliche Ratschläge. Da diese oft mit Kontrollfunktionen ausgestattet sind, muss die Familie unter Sanktionsdruck mehreren widersprechenden Aufforderungen zugleich nachkommen" (a.a.O., S. 30).
  3. Legitimationsprobleme psychosozialer Dienste: Diese resultieren z.B. daraus, dass bestimmte Klientengruppen (wie Unterschichtangehörige) aufgrund ihrer unzureichenden Kenntnis des Systems, fehlender Suchstrategien oder hoher Schwellenangst (Zugangsbarrieren) nicht erreicht werden, viele Bedürfnisse und Wünsche von Klient/innen unbefriedigt bleiben, wegen der Spezialisierung oft nur Teilerfolge erzielt werden oder die durch Mehrfachbehandlungen entstehenden hohen Kosten nicht gerechtfertigt werden können.
  4. Planungs- und Steuerungsprobleme: Das stark ausdifferenzierte System psychosozialer Dienste wird auch von Entscheidungsträgern bei Bund, Ländern und Gemeinden nur unzureichend überblickt. So kommt es z.B. zu Ungerechtigkeiten bei der Finanzierung (wie der "Bevorzugung" etablierter Träger und des stationären Sektors gegenüber ambulanten Diensten, Projekten oder Selbsthilfegruppen), stoßen Versuche einer Veränderung oder "Steuerung" des Systems bald auf Grenzen (auch beispielsweise wegen der Zersplitterung von Zuständigkeiten und der Autonomie freier Träger).

Eine Strategie gegen diese hier nur kurz skizzierte Entwicklung ist die Vernetzung von psychosozialen Diensten, die in der Regel auf kommunaler Ebene angestrebt wird.

3.1 Zum Begriff "Vernetzung"

Durch die Verknüpfung - zumeist nur eines bestimmten Teils - der Beratungsstellen sowie der medizinischen, therapeutischen und/oder sozialen Diensten zu einem Netzwerk sollen die Nachteile von Diversifikation, Spezialisierung und Pluralisierung gemildert werden. Diese Form der Vernetzung, die schon seit langem im politisch-administrativen und im professionellen Bereich diskutiert und (ansatzweise) praktiziert wird, erfährt in dem hier vorliegenden Konzept eine Erweiterung: Es geht um die Vernetzung von psychosozialen Diensten einerseits und Kindertageseinrichtungen andererseits, wobei Letztere in erster Linie als Vermittler psychosozialer Dienstleistungen an (Kindergarten-, Krippen-, Hort-) Kinder bzw. deren Familien und nur in zweiter Linie als Nutzer solcher Dienste betrachtet werden.

3.2 Ziele der Vernetzung

Überragendes Ziel bei der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten sollte das Wohl des Kindes und seiner Familie sein. Letztendlich muss es immer (auch) darum gehen, wie (verhaltensauffällige, entwicklungsverzögerte, sprachgestörte, behinderte, von Behinderung bedrohte ...) Kinder, ihre Eltern bzw. Familien mit besonderen Belastungen die "passende" Hilfe erhalten. Dies sollte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt geschehen, da dann eine Behandlung bzw. Beratung in der Regel kürzer, effektiver und effizienter ist. Erzieher/innen sollten also erfahren, für welche Problemlagen welche psychosozialen Dienste die richtigen Ansprechpartner sind und wie sie Kinder bzw. Familien an diese Einrichtungen weitervermitteln können. Eine in vielen Fällen anzustrebende, aber nicht immer realisierbare Erweiterung dieser Zielsetzung wäre die Zusammenarbeit von Erzieher/in und Mitarbeiter/in eines psychosozialen Dienstes - mit Einwilligung der Eltern bzw. unter deren Einbindung - bei der Problemdefinition, der Auswahl und Planung geeigneter Maßnahmen sowie bei deren Durchführung, sodass die Erzieherin im Rahmen ihrer (begrenzten) Möglichkeiten die Maßnahme unterstützen und ergänzend auf das Kind bzw. die Familie einwirken kann (größere Erfolgswahrscheinlichkeit durch Synergieeffekte).

Ein weiteres wichtiges Ziel der Vernetzung ist, dass Erzieher/innen in Problemsituationen auch für sich selbst Hilfe durch psychosoziale Dienste erfahren. Die benötigte Unterstützung kann fallbezogen (Umgang mit einem bestimmten Kind bzw. einer Familie), allgemein (z.B. heilpädagogische Weiterqualifizierung), teambezogen (z.B. bei Konflikten mit Kolleg/innen) oder persönlich sein.

In einem engen Zusammenhang mit diesen beiden zentralen Zielen stehen weitere:

  • Informations- und Erfahrungsaustausch: Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste sollen die Lebens- und Arbeitswelt der jeweils anderen Seite kennen lernen (mehr Transparenz). Sind sie über die Arbeitsweise, Probleme, Bedürfnisse und Wünsche der anderen informiert, können sie diese bei einer Zusammenarbeit berücksichtigen (z.B. Anpassung von Verfahren).
  • Persönliches Kennenlernen: Kennen sich Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste, ist in der Regel mehr Vertrauen gegeben, fällt es leichter, bei Problemen Kontakt aufzunehmen oder Hilfsbedürftige zu überweisen.
  • Verbesserung der Kooperation im Einzelfall: Angestrebt werden eine bessere Früherkennung, die Verminderung von Entscheidungsunsicherheiten hinsichtlich einer Weitervermittlung (Vermeidung von Fehlvermittlungen und Mehrfachbetreuungen), eine verstärkte Nutzung der Beobachtungen und Erfahrungen der Erzieherin mit dem Kind bzw. der Familie, ein besseres Handlungskonzept durch ihre Einbindung in die Planung und Durchführung von Maßnahmen und damit eine größere Effektivität der Hilfsangebote.
  • Verwirklichung gemeinsamer Ziele: In der Kooperation zwischen Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste können Ziele wie Lebensweltorientierung, Hilfe zur Selbsthilfe, (Sucht-, Gewalt-)Prävention, Medienerziehung, Familienbildung u.Ä. realisiert werden.
  • Gegenseitige Unterstützung: Durch den fachlichen Austausch, die gegenseitige Hilfe beim Umgang mit Einzelfällen, die (kollegiale) Beratung bei Problemen u.Ä. soll es zu einem Kompetenzgewinn und einer höheren Qualität der geleisteten Arbeit kommen.

Schließlich kann mehr Verständnis für die Arbeit und die Probleme der jeweils anderen Seite dazu führen, dass sich Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste solidarisieren, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen - oder für bessere Lebensverhältnisse für Kinder und Familien.

Ein weiteres Ziel der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten ist die Erweiterung der Kenntnisse von Eltern über Hilfsangebote für Kinder und Familien - indirekt durch die Weitergabe entsprechender Informationen durch die Erzieher/innen. Auch wird erwartet, dass Schwellenängste bei Eltern reduziert werden, wenn Erzieher/innen besser über psychosoziale Dienste aufklären und ihnen persönlich bekannte Ansprechpartner benennen können. Hilfsangebote dieser Einrichtungen sollen immer mehr als alltägliche Dienstleistungen wahrgenommen werden.

Öffentliche und freie Träger der Wohlfahrtspflege, Politik und Verwaltung verbinden mit der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten auch die Erwartung, dass die vorhandenen (knappen) Ressourcen gezielter, effektiver und effizienter genutzt sowie verschiedene Hilfsangebote miteinander verzahnt und abgestimmt werden. Eher abgeschottet arbeitende Einrichtungen sollen besser in das Netzwerk der Dienste eingebunden werden. All dies soll zu einer Optimierung der Versorgung mit medizinischen, therapeutischen und sozialen Dienstleistungen führen.

3.3 Formen der Vernetzung

Eine Vernetzung kann sich auf zwei Einrichtungen beschränken und dann

  • unidirektional (z.B. "überweist" eine Kindertagesstätte Familien an eine Erziehungsberatungsstelle, diese hat aber keinen Kontakt zu den Erzieher/innen) bzw.
  • bidirektional sein (im vorgenannten Fall führen die Berater/innen ein Gespräch über die jeweilige Familie mit den Erzieher/innen oder halten auf andere Weise die Beziehung aufrecht - z.B. durch Referate bei Elternabenden)

oder sie kann mehrere Einrichtungen (z.B. eine oder mehrere Kindertagesstätten und mehrere bzw. einen psychosozialen Dienst) umfassen und multidirektional sein. Die Vernetzung kann horizontal (d.h. zwischen Einrichtungen auf der lokalen Ebene) und/oder vertikal (zwischen örtlichen und überregionalen Institutionen) erfolgen. Die Partner können gleichberechtigt sein, oder eine Institution mag die Führung übernehmen. Die Beteiligung an Vernetzungsbestrebungen kann auf Personen von der Leitungsebene beschränkt sein; es können aber auch (nahezu) alle Mitarbeiter/innen oder (nur) interessierte Einzelpersonen einbezogen werden. Eine Vernetzung kann informell und locker (z.B. in der Form unverbindlicher Gesprächsrunden, oft ohne Moderator oder Protokolle) oder formell und institutionalisiert sein (z.B. mit Vereinssatzung, Geschäfts- bzw. Tagesordnung). Sie kann kurzfristig (z.B. für die Dauer der Behandlung eines Kindergartenkindes) oder langfristig bzw. auf Dauer sein. Schließlich kann sie auf ein bestimmtes Thema bzw. Projekt begrenzt oder die ganze mögliche Themenvielfalt berücksichtigend sein (vgl. Altena 1997; Langnickel 1997).

3.4 Akteure der Vernetzung

Vernetzungsbestrebungen können von (einzelnen) Kindertageseinrichtungen oder (einzelnen) psychosozialen Diensten ausgehen, aber auch von Verbänden (insbesondere der Fachberatung für Kindertagesstätten bei den Wohlfahrtsverbänden) und Arbeitskreisen (einschließlich von Psychosozialen Arbeitsgemeinschaften, Stadtteilkonferenzen u.a., die sich für Kindertageseinrichtungen öffnen). Eine besondere Rolle kommt den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, insbesondere den Landkreisen und den kreisfreien Städten zu, da sie laut § 79 SGB VIII die Gesamtverantwortung für die (örtliche) Jugendhilfe haben, im Rahmen der Jugendhilfeplanung nach § 80 SGB VIII u.a. "ein möglichst wirksames, vielfältiges und aufeinander abgestimmtes Angebot von Jugendhilfeleistungen", das "insgesamt den Bedürfnissen und Interessen der jungen Menschen und ihrer Familien" entspricht, schaffen sollen, dazu laut § 78 SGB VIII auch Arbeitsgemeinschaften gründen können sowie generell eng mit freien Trägern der Jugendhilfe, mit Bildungseinrichtungen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst u.a. zusammenarbeiten sollen (z.B. §§ 71, 80, 81 SGB VIII). Die Jugendämter - Jugendhilfeausschuss und Verwaltung - sind gefordert, die Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten zu initiieren und zu koordinieren. Dabei können andere relevante Vernetzungspartner - z.B. Fachberater/innen für Kindertagesstätten der Wohlfahrtsverbände und der Regierungen, Fachakademien und Fachschulen für Sozialpädagogik - einbezogen werden.

3.5 Methoden der Vernetzung

Es gibt eine kaum noch überschaubare Anzahl von Vernetzungsaktivitäten, die hier - nur grob systematisiert - aufgelistet werden sollen:

  • Allgemeine schriftliche Informationen
  • Beratungsführer
  • Faltblätter, Programme, Rundbriefe, Handzettel, Broschüren, Jahresberichte usw.
  • Versand von für Erzieher/innen interessante Materialien (Fachartikel, Präventionsprogramme, Dokumentationen, Leitfäden usw.)
  • Rundschreiben, Informationsdienst für Kindertageseinrichtungen
  • Informationsveranstaltungen
  • Informationsveranstaltungen über die Aufgaben und Arbeitsweise des psychosozialen Dienstes/von mehreren Diensten, auch als Info-Börse mit Parallelveranstaltungen
  • Tag der offenen Tür, Kontaktnachmittag
  • Allgemeine persönliche Kontakte
  • allgemeine, informative Gespräche/Telefonate
  • allgemeine Besprechungen, Gesprächsrunden, Dienstbesprechungen
  • (wechselseitige) Besuche
  • aufgrund rechtlicher Verpflichtungen: im Rahmen der Trägerschaft, Aufsicht, Begehung, Erstellen von Statistiken, Berichte, Information über meldepflichtige Erkrankung usw.
  • (wechselseitige) Hospitationen (nicht fallbezogen)
  • Einladungen zu besonderen Anlässen (z.B. Feste, Jubiläen)
  • Teilnahme von Mitarbeiter/innen des psychosozialen Dienstes an Teambesprechungen
  • gemeinsame Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften/-kreisen
  • gemeinsame Teilnahme an Fortbildungen, Klausurtagungen u.Ä.
  • Mitwirkung/nicht fallbezogene Kooperation
  • Einbeziehung von Erzieher/innen in die Jugendhilfeplanung und Bedarfserhebung
  • gemeinsam geplante und durchgeführte Veranstaltungen
  • gemeinsame Aktionen und Projekte (z.B. zur Prävention sexuellen Missbrauchs, Medienerziehung)
  • Einbeziehung von Erzieher/innen in den Jugendhilfeausschuss und andere Gremien (z.B. Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft, Stadtteilkonferenz)
  • Unterstützung von Erzieher/innen (fallbezogene Besprechungen nur mit Einwilligung der jeweils betroffenen Eltern oder nur in anonymisierter Form)
  • Einzelfallsupervision
  • allgemeine, themenzentrierte oder projektbezogene Beratung
  • Einzel-/Gruppensupervision
  • Beobachtung einer Erzieherin in einer Kindertageseinrichtung zwecks Beratung
  • Angebote zur Selbsterfahrung
  • Teamsupervision/Beratung bei Teamkonflikten
  • Sprechstunden für Erzieher/innen im psychosozialen Dienst
  • Fortbildung für Erzieher/innen durch Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste
  • Fachtagungen
  • Gesprächskreis für Erzieherinnen, themenzentrierte Arbeitsgemeinschaft
  • Projektbegleitung und -beratung (z.B. zur Suchtprävention)
  • Fallbezogene Zusammenarbeit (nur mit Einwilligung der Eltern)
  • Vermittlung eines Kindes/einer Familie durch Empfehlung, Telefonat oder Begleitung, eventuell Übernahmeabsprachen
  • Fallbesprechungen, Austausch von Informationen über das Kind/die Familie
  • Beobachtung eines Kindes in der Kindertageseinrichtung (auch der Erzieherin-Kind-Beziehung, des Gruppengeschehens)
  • Untersuchung eines Kindes in der Tageseinrichtung
  • Einbeziehung der Erzieherin in die Diagnoseerstellung und Hilfeplanung bei einem Kind
  • Mitteilung von Behandlungsverlauf/-ergebnissen
  • Einladung der Erzieherin zu einem Behandlungstermin im psychosozialen Dienst
  • Behandlung eines Kindes in der Kindertageseinrichtung
  • Einbeziehung der Erzieherin in die Behandlung eines Kindes
  • Teilnahme von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste an Elterngesprächen
  • Vermittlung finanzieller Leistungen
  • gemeinsame Hausbesuche
  • Erstgespräche/Einzelberatung von Eltern in der Kindertageseinrichtung
  • Allgemeine Angebote für Eltern
  • Auslegen/Aushängen von Informationsmaterial psychosozialer Dienste in Kindertageseinrichtungen
  • Beiträge von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste zu Elternbriefen u.Ä.
  • Teilnahme von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste an Elternabenden/Gesprächsabenden (Referententätigkeit)
  • Offene Sprechstunde für Eltern in der Kindertageseinrichtung
  • Kontaktnachmittage
  • Eltern-/Mütter-/Alleinerziehendengesprächskreis unter Leitung von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste in der Kindertageseinrichtung
  • Gesprächskreis für "Kindergarteneltern" (-mütter) im psychosozialen Dienst
  • Mitwirkung bei der Ausbildung von Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen

Eine besondere Bedeutung kommt hier den mobilen (heil-, sonderpädagogischen) Diensten zu, die vielerorts von Frühförderstellen, Förderschulen, Erziehungsberatungsstellen oder anderen Institutionen speziell für die Betreuung von Kindertageseinrichtungen ausdifferenziert wurden. Die meisten mobilen Dienste behandeln auffällige Kinder mit Einwilligung der Eltern direkt in der Kindertagesstätte - nach Beobachtung, Diagnose und Fallbesprechungen mit den Erzieher/innen. Auf diese Weise werden Kinder erreicht, die von ihren Eltern aus verschiedenen Gründen (z.B. mangelndes Problembewusstsein, Vollerwerbstätigkeit, Schwellenangst, fehlender Pkw) nie bei einem psychosozialen Dienst vorgestellt werden würden. Aber auch manche Eltern sind in den vertrauten Räumen der Kindertageseinrichtung eher für eine Beratung zugänglich. Außerdem können Erzieher/innen leicht in die Behandlung des jeweiligen Kindes einbezogen werden und unterstützend wirken. Daneben gibt es (eine kleinere Zahl mobiler) Dienste, die sich auf die Beratung von Erzieher/innen spezialisiert haben. Neben Diagnosehilfen und Fallbesprechungen wird den Erzieher/innen hier auch das Angebot gemacht, ihr Verhalten in der Kindergruppe beobachten zu lassen, sodass es anschließend reflektiert werden kann. Dadurch - und durch die Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen - können die pädagogische Arbeit und der Umgang mit bestimmten Problemsituationen verbessert werden.

Abschließend ist festzuhalten, dass bei vielen Methoden der Vernetzung - immer wenn es um Sozialdaten geht - die Bestimmungen des Datenschutzes beachtet werden müssen (siehe Reichert-Garschhammer, in Druck). Ansonsten finden sich in den Kapiteln 4 bis 8 des hier vorliegenden Abschlussberichts viele Beispiele, wie die genannten Vernetzungsmethoden in der Praxis angewendet werden.

3.6 Vernetzungsfördernde und -hemmende Faktoren

Eine Vernetzung von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten wird oft durch die Rahmenbedingungen auf beiden Seiten erschwert: Beispielsweise können Erzieher/innen nur einen geringen Teil ihrer Verfügungszeit für Vernetzungsaktivitäten nutzen. Auch die weitaus meisten psychosozialen Dienste sind durch hohe Klientenzahlen (Wartelisten) so überlastet, dass kaum Zeit für den Kontakt mit Kindertageseinrichtungen bleibt. Hinzu kommt, dass insbesondere Freiberufler (Ärzt/innen, Psychotherapeut/innen, Logopäd/innen, Ergotherapeut/innen usw.) Vernetzungsaktivitäten mit Krankenversicherungen und anderen "Geldgebern" nicht abrechnen können. Vernetzungshemmend können auf beiden Seiten aber auch mangelndes Interesse und fehlende Motivation wirken. Eine besondere Bedeutung kommen hier auch dem Datenschutz und der Schweigepflicht zu, die eine einzelfallbezogene Kooperation erschweren, wenn keine (schriftliche) Einwilligungserklärung der Eltern vorliegt.

Bei Arbeitskreisen und -gemeinschaften stellt sich oft die Frage, welche bzw. wie viele Kindertageseinrichtungen und psychosoziale Dienste einbezogen werden sollen. Zum einen könnte die Gruppe zu groß (erschwertes Arbeiten, schwierige Entscheidungsfindung usw.) oder zu klein werden (keine Beteiligung potentiell wichtiger Kooperationspartner, geringe Breitenwirkung usw.), zum anderen können bei der zumeist sinnvollen räumlichen Begrenzung - z.B. auf einen Landkreis oder einen Stadtteil (bei Großstädten) - außerhalb des Gebiets sich befindende wichtige psychosoziale Dienste ausgegrenzt werden (so fehlen in manchen Landkreisen Anbieter wie beispielsweise Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen, Psychiater/innen oder Logopäd/innen). Besprechungen können sich als wenig nutzbringend erweisen, wenn keine Klarheit hinsichtlich der Aufgaben und Ziele des Arbeitskreises besteht oder wenn Teilnehmer/innen in den sie entsendenden Institutionen nur wenig Macht und Einfluss haben.

Ferner ist problematisch, wenn der Eindruck entsteht, dass der hohe Aufwand für Vernetzungsaktivitäten in keinem angemessenen Verhältnis zum "Ertrag" steht bzw. dass die aufgewendete Zeit und Energie bei zentraleren bzw. wichtigeren Aufgaben (z.B. Erziehung der Kinder, Elternarbeit, Betreuung und Beratung von Klient/innen) fehlen. Enttäuschungen können aber auch aus zu hohen Erwartungen resultieren (dass Erzieher/innen bei der Behandlung von Kindern als "Cotherapeut/innen" eingesetzt werden können, dass psychosoziale Dienste für sie viele Fortbildungs- oder Supervisionsangebote machen können usw.). Negativ kann sich ferner der Eindruck auswirken, dass sich Kindertageseinrichtungen durch Vernetzung aller schwierigen Kinder entledigen wollen oder dass in diesem Bereich notwendige Veränderungen (z.B. bessere heilpädagogische Qualifizierung von Erzieher/innen in Aus- und Fortbildung, intensivere Elternarbeit und -beratung) hinausgeschoben werden sollen.

Hingegen wirkt vernetzungsfördernd, wenn Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste einander offen und vertrauensvoll begegnen, einander als gleichberechtigt behandeln und nach einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit streben. Jede Seite sollte eine gefestigte berufliche Identität haben (Wissen um die eigenen Kompetenzen und Grenzen, Selbstvertrauen), die Fachlichkeit der anderen achten und deren Grenzen (z.B. wenig Zeit) akzeptieren.

Ferner wirkt sich positiv aus, wenn für die Vernetzung eine tragfähige Struktur - z.B. durch regelmäßig tagende Arbeitskreise - geschaffen wird. Die Partner müssen "zusammenpassen" (ähnliche Orientierungen, Werte, Leitideen usw.), klare Ziele verfolgen, gemeinsam Kooperationsfelder und -formen festlegen, einander vertrauen und kompromissbereit sein. Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften benötigen eine gute Leitung, die nicht Macht oder Druck ausübt, sondern mit diplomatischem Geschick unterschiedliche Interessen ausbalancieren und Konflikte einer für alle Seiten akzeptablen Lösung zuführen kann. "Solche Diskurs- bzw. Verhandlungssysteme dürften nur dann funktionieren, wenn Kooperation und Konflikt nicht als einander sich ausschließende Formen sozialer Beziehungen verstanden werden und die Akteure durch die Teilnahme an solchen Verhandlungen nicht in ihrer Autonomie bedroht werden" (Filsinger/Bergold 1993, S. 46).

Für Kindertageseinrichtungen darf Vernetzung auch kein Ziel in sich sein, sondern muss immer an das überragende Ziel der Gewährleistung des Kindeswohls (und der Unterstützung der Familie) zurückgekoppelt werden. Viele Vernetzungsaktivitäten sind nur von Erfolg gekrönt, wenn von den Erzieher/innen eine gute Elternarbeit praktiziert wird. So muss das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindertagesstätte so tragfähig sein, dass Eltern bei Auffälligkeiten ihrer Kinder motivierbar sind, die Hilfe psychosozialer Dienste einzufordern und zu nutzen. Auch werden sie nur über Familienprobleme und Erziehungsschwierigkeiten sprechen, wenn sie den Erzieher/innen vertrauen.

3.7 Vernetzung als Zeichen von Prozessqualität

Abschließend ist festzuhalten, dass Vernetzung ein Bereich neben anderen bei der Bestimmung von Prozessqualität in Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten ist. Wie alle Qualitätsmerkmale sollte sie regelmäßig evaluiert werden, und zwar anhand quantitativer (z.B. Häufigkeit von Überweisungen, Anzahl der Vernetzungsaktivitäten) und qualitativer Maßstäbe (z.B. persönlicher Nutzen, Kompetenzzuwachs). Beim IFP-Projekt "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" hat sich gezeigt, dass eine hohe Qualität von Vernetzung gesichert werden kann, wenn die in Kapitel 10 dieses Berichts beschriebenen Grundsätze befolgt werden.

3.8 Literatur

Altena, H.: Formen und Funktionen sozialräumlicher Vernetzung. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Qualitätssicherung durch Zusammenarbeit. Materialien zur Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendhilfe, Heft 10. Bonn: Selbstverlag 1997, S. 36-41

Filsinger, D./Bergold, J.B.: Entwicklungsmuster und Entwicklungsdynamik psychosozialer Dienste: Probleme und Perspektiven der Vernetzung. In: Bergold, J.B./Filsinger, D. (Hrsg.): Vernetzung psychosozialer Dienste. Theoretische und empirische Studien über stadtteilbezogene Krisenintervention und ambulante Psychiatrie. Weinheim, München: Juventa 1993, S. 11-47

Gleich, J.M.: Das Problem der Erzieherfluktuation - eine empirische Untersuchung zur Lage der Erzieherin in katholischen Kindergärten und Kindertagesstätten. Köln: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen 1993

Langnickel, H.: Patentrezept Vernetzung Zwischen Sparzwängen und Qualitätsansprüchen. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Qualitätssicherung durch Zusammenarbeit. Materialien zur Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendhilfe, Heft 10. Bonn: Selbstverlag 1997, S. 7-20

Mayr, T.: Problemkinder im Kindergarten - ein neues Aufgabenfeld für die Frühförderung. Epidemiologische Grundlagen. Frühförderung interdisziplinär 1997, 16, S. 145-159

Mayr, T.: Pädagogisch-Psychologischer Dienst im Kindergarten. Abschlussbericht. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 1998

Reichert-Garschhammer, E.: Sozialdatenschutz im Praxisfeld Kindertageseinrichtung. Ein Steuerungsinstrument auf dem Weg zu mehr Qualität. Eine Handreichung für Träger, Kindertageseinrichtungen und Ausbildungsstätten. Kronach, München, Bonn, Potsdam: Carl Link/Deutscher Kommunal-Verlag, in Druck

Textor, M.R. (Red.): Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten. Zwischenbericht. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 1999


4. Rückblick auf das zweite Projektjahr: Betreuung von Jugendämtern

Martin R. Textor

In zweiten Projektjahr wurden sieben Jugendämter betreut. Die Fachabteilung Krippen des Sozialreferats der Landeshauptstadt München, die sich ebenfalls in diesem Jahr intensiver am Modellversuch beteiligen sollte, wünschte aufgrund folgender Entwicklungen keine Beratung mehr: Jeder Kinderkrippe wurde ein Kinderarzt sowie eine Fachkraft einer Erziehungsberatungsstelle zugeordnet, sodass die medizinische und die psychologische Beratung sichergestellt seien. Ferner würde gerade das Schulreferat ein Konzept für die bessere Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit Frühförderstellen und für einen mobilen Fachdienst entwickeln. Die Umsetzung dieses Konzepts soll über drei Jahre hinweg wissenschaftlich begleitet werden. Eine zusätzliche Betreuung durch das IFP sei unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll. So beteiligte sich die Fachabteilung Krippen nur noch an den Großveranstaltungen im Rahmen des Modellversuchs.

Die Betreuung der Jugendämter im zweiten Projektjahr orientierte sich weitgehend an den im ersten Projektjahr gesammelten (positiven) Erfahrungen (Textor 1999). Beim ersten der vorgesehenen maximal vier Besprechungstermine wurden in der Regel folgende Themen behandelt:

  • Kurzinformation zum IFP-Projekt, bisher gesammelte Erfahrungen,
  • Kinderbetreuungsangebote im Jugendamtsbezirk,
  • Anteil auffälliger Kinder, Ausländerkinder, behinderter Kinder usw.,
  • Stand der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten im Jugendamtsbezirk,
  • Lücken und Engpässe im Versorgungssystem, örtliche Besonderheiten und Probleme,
  • mögliche weitere Vernetzungsaktivitäten, deren Vor- und Nachteile,
  • Umfang der Mitwirkung des IFP-Mitarbeiters sowie
  • Festlegung von Vernetzungsaktivitäten für das laufende Kindergartenjahr.

Durch diese Vorgehensweise konnte sichergestellt werden, dass die mit den jeweiligen Jugendamtsmitarbeiter/innen festgelegten Vernetzungsaktivitäten der besonderen Situation vor Ort entsprachen. Ein Zuschnitt der geplanten Maßnahmen auf den Bedarf im Jugendamtsbezirk wurde oft noch dadurch erleichtert, dass bereits am ersten Termin Leiter/innen von Kindertageseinrichtungen teilnahmen (z.B. Kreisjugendamt Würzburg).

Etwas anders lief der erste Termin in Rosenheim ab. Hier hatte das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien vorab einen Arbeitskreis von Erzieher/innen zu Vernetzungsfragen gegründet, der sich bereits dreimal zur Bestandsaufnahme, zur Ermittlung des Bedarfs und zur Abklärung von Erwartungen getroffen hatte. Am ersten Termin nahmen neben den Mitgliedern dieses Arbeitskreises auch Vertreter/innen psychosozialer Dienste und Eltern teil. Nach der Vorstellungsrunde wurde zunächst über den Stand der Vernetzung in der Stadt Rosenheim referiert. Auch wurde das Konzept des IFP-Projekts vorgestellt. Anschließend wurden die im Arbeitskreis gesammelten Gesprächsergebnisse vorgetragen. In der Diskussion wurden verschiedene Wünsche hinsichtlich von Vernetzungsaktivitäten geäußert. Das Treffen endete mit der Gründung eines interdisziplinären Arbeitskreises "Vernetzung".

Im zweiten Projektjahr wurden ganz unterschiedliche Vernetzungsaktivitäten durchgeführt. Beispielsweise wurden erstmals Informationsbörsen geplant und realisiert. So organisierte das Kreisjugendamt Augsburg an einem Nachmittag (14.00-18.00 Uhr) Parallelvorträge in drei Räumen des Landratsamtes, sodass sich Erzieher/innen und Vertreter/innen der Gemeinden des Landkreises über insgesamt 12 psychosoziale Dienste informieren konnten. Jeder Dienst hatte eine knappe Stunde Zeit, um seine Arbeit durch einen Vortrag mit anschließender Diskussion zu präsentieren. Auch konnten Stellwände genutzt und schriftliche Materialien verteilt bzw. ausgelegt werden. Zwischen 15 und 40 Teilnehmer/innen hörten sich die einzelnen Referate an. Insgesamt wurden rund 70 Erzieher/innen erreicht, die großes Interesse an den Präsentationen zeigten und auf Nachfrage die Informationsbörse sehr positiv bewerteten. Eine ähnlich gestaltete "Kontaktbörse" wurde vom Stadtjugendamt Hof durchgeführt (siehe Kapitel 8.1).

Ein Kennenlernen psychosozialer Dienste kann auch in deren Räumlichkeiten erfolgen. So boten z.B. die Frühförderstelle und die Erziehungsberatungsstelle in der Stadt Rosenheim Besuchstage für Erzieher/innen an. Die Resonanz war so groß, dass die Veranstaltungen wiederholt werden mussten. Sie sollen nun alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Die Mitglieder des Arbeitskreises "Vernetzung" des Kreisjugendamtes Würzburg (vier Leiterinnen, zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen), dessen Hauptaufgabe in der Erstellung eines Beratungsführers lag (s.u.), besuchten sieben psychosoziale Dienste, um persönliche Eindrücke zu sammeln.

Bei der Leiterinnenkonferenz des Kreisjugendamtes Würzburg konnten sich der Allgemeine Sozialdienst, der (mobile) Heilpädagogische Fachdienst der Frühförderstelle und eine Mobile Sonderpädagogische Hilfe von einer Förderschule vorstellen. Ferner hielt Martin R. Textor ein Kurzreferat zum Thema "Vernetzung".

Zur Information von Erzieher/innen über psychosoziale Dienste wurden ferner Beratungsführer erstellt (Stadtjugendamt Hof, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Rosenheim, Kreisjugendamt Würzburg). Bei den diesbezüglichen Besprechungen ging es darum, welche psychosozialen Dienste, Ärzt/innen, Selbsthilfegruppen usw. berücksichtigt werden und wie bzw. nach welchem Raster die notwendigen Daten erhoben werden sollen. Im Rosenheimer Arbeitskreis (s.u.) wurde auch eine Pressemitteilung erstellt, in der Fachtherapeut/innen und Selbsthilfegruppen gebeten wurden, sich zwecks Eintragung in den Beratungsführer zu melden. In allen Arbeitsgruppen wurden dann die eingegangenen Informationen gesichtet, auf Vollständigkeit überprüft und eventuell überarbeitet. Schließlich mussten Vorwort, Layout, Einband, Auflage, Druck und Kostenfragen geklärt werden. Es waren circa fünf Treffen notwendig, bis der Beratungsführer von einem Arbeitskreis verabschiedet werden konnte.

Das Kreisjugendamt Augsburg integrierte den Kindertagesstättenbereich in die seit langem bestehende Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG). So nahm im Projektjahr erstmals die zuständige Fachberaterin zusammen mit mehreren Leiterinnen an einer Sitzung der PSAG teil. Hier wurde ein Unterarbeitskreis "Vernetzung und Kooperation am Beispiel Kindertagesstätten" mit 14 Teilnehmer/innen gegründet. An einer Sitzung wirkte auch Martin R. Textor mit. Er stellte den Modellversuch "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" vor und sprach über die bisher gesammelten Erfahrungen. Ferner wurde bei dem Treffen über Erfahrungen von Erzieher/innen mit Vernetzung, über Diagnostik in Kindergärten, Helferkonferenzen, das Verhalten der Eltern von auffälligen Kindern u.Ä. gesprochen. Auch wurden mögliche Vernetzungsaktivitäten diskutiert (z.B. anonymisierte Fallbesprechungen, Fortbildungsveranstaltungen für Erzieher/innen, Teilnahme von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste an informellen Veranstaltungen in Kindergärten, "Tag der offenen Tür" bei psychosozialen Diensten, aktualisierter Beratungsführer).

Der bereits erwähnte Arbeitskreis "Vernetzung" des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien in Rosenheim umfasste einige Kindergartenleiterinnen aus dem zuvor aufgelösten Erzieherinnenarbeitskreis sowie Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste. Er traf sich mehrfach, um über mögliche Vernetzungsaktivitäten zu sprechen. Manche Wünsche wurden recht kontrovers diskutiert - z.B. Sprechstunden der Frühförderstelle für Eltern in Kindertagesstätten (die Frühförderer würden das Kind nicht kennen; eine Diagnostik sei nicht möglich; die Eltern müssten von selbst kommen) oder das Vorstellen von psychosozialen Diensten bei Elternveranstaltungen im Kindergarten (zu aufwendig; besser wenn Erzieher/innen so gut informiert werden, dass sie Eltern über die Dienste unterrichten können). Ferner wurden Themen wie Datenschutzfragen, Jugendhilfeplanung, die Schlüsselrolle von Ärzt/innen, die fehlende Abrechenbarkeit von Fallbesprechungen freiberuflich tätiger Fachleute mit Erzieher/innen, die ablehnenden Reaktionen einiger Eltern, der zu geringe Bekanntheitsgrad mancher Hilfsangebote u.Ä. besprochen. Der Arbeitskreis bildete später zwei Arbeitsgruppen; in der einen wurde ein Beratungsführer für Kindertageseinrichtungen in der Stadt Rosenheim (s.o.), in der anderen ein Konzept für einen mobilen Dienst erstellt (s.u.). Ferner wurden die von Martin R. Textor erstellten Grundsätze für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten diskutiert (siehe Kapitel 10). Diese wurden in einer leicht veränderten Fassung im Arbeitskreis verabschiedet und auf einer Leiterinnenkonferenz verteilt.

Im Landkreis Neumarkt i. d. OPf. wurde ein zeitlich befristeter Arbeitskreis gegründet, an dem das Referat Kindergarten, das Kreisjugendamt, das Gesundheitsamt, die Frühförderstelle, Kindergartenleiter/innen und Erzieher/innen teilnahmen. Letztere berichteten von ihren Problemen in der Zusammenarbeit mit (Kinder-)Ärztinnen (z.B. unterschiedliche "Qualität" der Vorsorge- und Eingangsuntersuchungen von Kleinkindern; keine Diagnose der im Kindergarten beobachteten Auffälligkeiten; kaum Gesprächsbereitschaft von Ärzt/innen bei Telefonanrufen von Erzieher/innen; Ablehnung von "etablierten" Behandlungen wie Ergotherapie). Deutlich wurde aber auch, dass die Erzieher/innen manche Probleme in der Kooperation selbst verursachen (z.B. "Überweisung" eines Kindes mit einer "Diagnose" und einem "Therapievorschlag"; schlechte Vorab-Information der Eltern, wenn sie diese mit ihrem Kind zum Arzt senden; kein Einholen einer schriftlichen Einwilligung). Schließlich wurde eine Veranstaltung für alle Kinderärzte im Landkreis und alle "Hausärzte" in den kleineren kreisangehörigen Gemeinden geplant.

Zu dieser Informationsveranstaltung kamen rund 35 Personen, darunter sieben Ärzte. Zunächst sollten die Teilnehmer/innen einen besseren Eindruck von der beruflichen Qualifikation von Erzieher/innen erhalten: In drei Kurzreferaten ging es um deren Ausbildung und pädagogische Arbeit (insbesondere die Einzelintegration behinderter Kinder), aber auch um die Kooperation mit Ärzt/innen. Ferner wurde die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen auf dem Gebiet der Prävention und Früherkennung betont. Dann stellten sich fünf psychosoziale Dienste vor - sie wollten vor allem den Ärzt/innen einen Eindruck von ihrer Arbeit vermitteln und ihnen verdeutlichen, dass - und wann - es sinnvoll ist, Kinder bzw. Familien an sie zu überweisen. In der allgemeinen Diskussion zum Schluss der Veranstaltung ging es um das begrenzte Heilmittelbudget der Ärzt/innen, die Unterversorgung mit psychosozialen Dienstleistungen im Landkreis und die Einzelintegration. Ferner musste nachträglich das IFP-Projekt vorgestellt werden.

Immer wieder wurde im zweiten Projektjahr der Bedarf an Mobilen Diensten für Kindertageseinrichtungen diskutiert (z.B. Stadtjugendamt Hof, Amt für Jugend und Familie Miesbach, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Rosenheim). So wurde im Landkreis Miesbach bereits 1995 ein Arbeitskreis "Mobile Beratung" gegründet. Seiner Arbeit war es zu verdanken, dass zum 01.12.1998 eine Psychologin halbtags als ABM-Kraft eingestellt werden konnte. Bei einer Besprechung mit den Arbeitskreismitgliedern und Vertreter/innen psychosozialer Dienste ging es darum, welche Aufgaben die Fachkraft übernehmen soll (vor allem die Beratung von Erzieher/innen und Eltern sowie diagnostische Tätigkeiten), wer ihr gegenüber weisungsberechtigt ist, wie ihre Stelle in das Netz bestehender psychosozialer Dienste eingebettet werden soll und wie eine Finanzierung auf Dauer sichergestellt werden kann. Auch wurden Fragen im Zusammenhang mit der Anerkennung eines Fördervereins "Mobile Beratung Miesbach" diskutiert. Dieser Verein wurde im Dezember 1998 gegründet; den Vorsitz übernahm der Stellvertretende Landrat, der selbst Träger von zwei Kindergärten ist. Bei einem zweiten Treffen, an dem weitere Vertreter/innen psychosozialer Dienste teilnahmen (insgesamt 28 Personen), wurde über den Wunsch des Jugendhilfeausschusses nach einem "Vernetzungspapier" diskutiert. In diesem Kontext erläuterte Martin R. Textor die Ziele des IFP-Projekts und erste Erfahrungen. Dann berichteten die anwesenden Vertreter/innen psychosozialer Dienste, wie sie mit Kindertageseinrichtungen kooperieren. In diesem Kontext wurden mit den Erzieher/innen die wechselseitigen Erwartungen abgeklärt. Ferner wurde behandelt, wie die Mobile Beratung mit den anderen Diensten zusammenarbeiten kann und was ihre originären Aufgaben sind. Schließlich wurden die von Martin R. Textor entworfenen Grundsätze für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten besprochen (vgl. Kapitel 10). Bei einem dritten Treffen wurden diese Prinzipien sehr kontrovers diskutiert, wobei es vor allem um die Rolle der Ärzt/innen und die Bedeutung der Diagnoseerstellung durch dieselben ging. Der Arbeitskreis entwickelte dann bei einer weiteren Sitzung eigene (ähnliche) Grundsätze.

Die Arbeitsgruppe "Mobiler Dienst" des bereits erwähnten Arbeitskreises "Vernetzung" in Rosenheim befasste sich mit den möglichen Aufgaben eines solchen Dienstes. Da eine Befragung von Erzieher/innen im Rahmen der Jugendhilfeplanung ergeben hatte, dass 32% aller Kinder in Tageseinrichtungen "auffällig" wären und insgesamt 134 dieser Kinder noch nicht psychosozial versorgt werden würden, wurde ein Arbeitsschwerpunkt in der Behandlung solcher Kinder gesehen. Ein weiteres Tätigkeitsfeld soll die Beratung von Erzieher/innen sein. So hatten bei der Umfrage im Rahmen der Jugendhilfeplanung nahezu alle Kindergartenleiter/innen einen Bedarf an (Einzelfall-)Beratung gemeldet. Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Rosenheim plant, in der zweiten Jahreshälfte 2000 einen Psychologen/eine Psychologin auf ABM-Basis einzustellen, der/die halbtags als Mobiler Dienst für Kindertageseinrichtungen tätig sein soll.

Als weitere Vernetzungsaktivitäten sind noch Fortbildungsveranstaltungen zu erwähnen. So führte das Kreisjugendamt Kronach eine Tagung mit rund 60 Erzieher/innen durch. Zunächst referierte eine Sonderschullehrerin über Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADS-Syndrom). Dann wurde das "Würzburger Trainingsprogramm zur Förderung phonologischer Bewusstheit bei Kindergartenkindern" vorgestellt. Zum Schluss referierte Martin R. Textor über die Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten.

Gelegentlich wurde auch ein Referat zu projektnahen Themen seitens des IFP-Mitarbeiters gewünscht. So sollte vor dem Kinder- und Jugendhilfeausschuss des Landkreises Augsburg ein Vortrag zum Thema "Verhaltensauffälligkeiten im Kleinkindalter" gehalten werden. Da der Projektmitarbeiter krankheitsbedingt ausfiel, übernahm sein Kollege Toni Mayr das Referat. Schließlich sind noch Umfragen bei Erzieher/innen als weitere Vernetzungsaktivitäten zu erwähnen (Kreisjugendamt Augsburg; Stadtjugendamt Hof, siehe Kapitel 8.1; Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Rosenheim).

4.1 Arbeitskreis "Vernetzung" der Jugendämter

Das zweite Treffen des Arbeitskreises "Vernetzung" fand am 18.03.1999 im Staatsinstitut für Frühpädagogik statt. Es nahmen sieben Mitarbeiterinnen von sechs Jugendämtern teil. Martin R. Textor begrüßte und gab einen Überblick über die derzeit laufenden Vernetzungsaktivitäten der von ihm individuell betreuten Jugendämter. Dann berichteten die Vertreterinnen der Jugendämter von Vernetzungsaktivitäten, die in den vergangenen 12 Monaten in ihren Jugendamtsbezirken durchgeführt wurden (z.B. Fortbildungsveranstaltungen für Erzieher/innen seitens psychosozialer Dienste, Veröffentlichung einer Sozialfibel, Vorstellung psychosozialer Dienste auf Leiterinnenkonferenz, Umfragen, Gründung mobiler Dienste, Sprachförderung für türkische Kinder in Kindergärten, Projekt "spielzeugfreier Kindergarten"). Anschließend wurden Ziele für das laufende Projektjahr aufgestellt und neue Vernetzungsaktivitäten geplant.

Am Nachmittag wurden den Teilnehmer/innen zwei Fortbildungsangebote seitens des Staatsinstituts für Frühpädagogik gemacht. Zuerst referierte Wilfried Griebel über "Altersmischung - neue Formen, erste Forschungsergebnisse" und anschließend Bernhard Nagel über "Qualität der Kinderbetreuung: Ansätze, Kriterien, Bewertung".

4.2 Jahrestagung zum IFP-Projekt

Die Jahrestagung fand am 27.10.1999 im Staatsinstitut für Frühpädagogik statt. Am Vormittag trafen sich die Mitarbeiter/innen von Jugendämtern und die Leiter/innen von Kindertageseinrichtungen in separaten Räumen. Dort wurden sie von Martin R. Textor bzw. Dagmar Winterhalter-Salvatore begrüßt. Es folgten dann Berichte der im zweiten Projektjahr betreuten Ämter bzw. Kindertagesstätten über die durchgeführten Vernetzungsaktivitäten (mit Diskussionsmöglichkeit). Am Nachmittag konnte zwischen drei Arbeitsgruppen gewählt werden:

  1. Datenschutz in der Zusammenarbeit mit anderen Fachdiensten (Leitung und Referentin: RDin Eva Reichert-Garschhammer, Staatsinstitut für Frühpädagogik)
  2. Hilfsangebote für Familien aus anderen Kulturkreisen (Leitung: Dagmar Winterhalter-Salvatore; Referent: Diakon Peter Klentzan, Ausländerarbeit im Evangelisch-Lutherischen Dekanat München)
  3. Zur Arbeitsteilung zwischen Erziehungsberatungsstellen sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (Leitung: Dr. Martin R. Textor; Referent: Dr. Wolfgang Dornette, Leiter der Psychologischen Beratungsdienste des Jugendamtes der Stadt Nürnberg, Vorsitzender der LAG Erziehungsberatung)

An der Veranstaltung nahmen 21 Mitarbeiter/innen von Jugendämtern und 18 Erzieher/innen teil.

4.3 Im zweiten Projektjahr gesammelte Erfahrungen

Bei den Besprechungen und Veranstaltungen vor Ort in den Jugendamtsbezirken wurde immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Erzieher/innen schlecht über psychosoziale Dienste informiert sind - sieht man einmal von Erziehungsberatungs- und Frühförderstellen ab, mit denen in der Regel ein intensiverer und langfristiger Kontakt besteht. Es wurde betont, dass den Erzieher/innen entsprechende Kenntnisse vermittelt werden müssten und dass sie auch Ansprechpartner/innen bei relevanten psychosozialen Diensten persönlich kennen lernen sollten. Zur Erfüllung dieser Wünsche haben sich im IFP-Projekt Beratungsführer und Informationsveranstaltungen (z.B. Kontaktbörse, Vorstellung psychosozialer Dienste auf Leiterinnenkonferenzen u.Ä.) bewährt.

Gibt es in einem Jugendamtsbezirk eine Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) oder einen Arbeitskreis mit vergleichbarer Zielsetzung, so sind in der Regel Kindertagesstätten nicht einbezogen. Dies ist sehr bedauerlich, bedenkt man die große Bedeutung von Kindertageseinrichtungen hinsichtlich Früherkennung, Prävention und Weitervermittlung auffälliger Kinder und hilfebedürftiger Familien (siehe Kapitel 3). So sollte zumindest eine Repräsentantin aus diesem Bereich an den Sitzungen teilnehmen.

Ähnliches gilt für die Jugendhilfeausschüsse. Selbst wenn Vertreter/innen aus dem Kindergartenbereich nicht qua Gesetz Mitglied des Jugendhilfeausschusses sein können (eine unverständliche Situation, wenn man bedenkt, dass zwei Drittel aller Jugendhilfeeinrichtungen Kindertagesstätten sind), so könnten sie doch zumindest als Gäste zu den Sitzungen eingeladen werden - wie dies z.B. im Landkreis Miesbach geschieht.

Im zweiten Projektjahr wurde immer wieder der Wunsch nach mobilen Dienstleistungen bzw. nach einem mobilen Dienst für Kindertageseinrichtungen deutlich. Erzieher/innen halten es für sehr sinnvoll, wenn auffällige Kinder in der Kindertagesstätte zwecks Diagnoseerstellung beobachtet und möglichst auch dort behandelt werden. Dann sind gemeinsame Fallbesprechungen möglich. Viele Erzieher/innen wünschen außerdem für sich selbst eine Beratung und Unterstützung durch Mitarbeiter/innen psychosozialer bzw. mobiler Dienste.

"Mobil" arbeiten auch die Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD). Im zweiten Projektjahr fiel erneut auf, dass sie wenig Kontakt zu Kindertageseinrichtungen haben. So ist anzustreben, dass sie - wie z.B. im Landkreis Miesbach oder in der Stadt Rosenheim - von sich aus Kontakt zu den Kindertagesstätten in ihren Bezirken aufnehmen. Oder jeder Mitarbeiter kann die Leiter/innen aus seinem Bezirk einmal im Jahr zu einer Besprechung einladen - wie im Landkreis Neumarkt i. d. OPf.

Häufig äußerten Erzieher/innen den Wunsch nach Fortbildungen über Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten, Behinderungen, Sprach-, Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen etc. Vor allem wollten sie wissen, wie sie Kinder mit solchen Problemen besser fördern können. Dieser Fortbildungsbedarf kann durchaus auch vor Ort durch psychosoziale Dienste abgedeckt werden. Neben Ganztags- und Halbtagsveranstaltungen können Informationsabende angeboten werden, die in den Räumen des jeweiligen Dienstes stattfinden können (z.B. wie in der Stadt Rosenheim). Hier sind die Anfahrtswege und Ausfallzeiten kurz, entstehen den Teilnehmer/innen in der Regel keine Teilnahmegebühren und kaum Fahrtkosten.

Deutlich wurde im zweiten Projektjahr schließlich der Bedarf an Sprachförderung für ausländische Kinder. Diese können oft kein Deutsch, sodass sie in den Kindergartengruppen isoliert oder die ganze Zeit mit Kindern aus dem gleichen Sprachraum zusammen sind. Vielen Erzieher/innen fehlt die Zeit, um ausländischen Kindern die deutsche Sprache zu vermitteln. Auch sind sie für diese Aufgaben nicht ausgebildet, gibt es keinen "Sprachkurs" für ausländische Kleinkinder, mangelt es an hilfreichen Materialien. So werden die Kinder schließlich mit sehr schlechten Sprachfähigkeiten eingeschult, ist ihr Scheitern in der Schule schon vorprogrammiert. Hier konnte im Rahmen des IFP-Projekts keine Abhilfe geschaffen werden, da es keine Institutionen für die Sprachförderung ausländischer (Klein-)Kinder gibt, mit denen Kindertageseinrichtungen hätten vernetzt werden können.

4.4 Literatur

Textor, M.R.: Rückblick auf das erste Projektjahr. In: Textor, M.R. (Red.): Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten. Zwischenbericht. Berichte 7/99. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 1999, S. 18-34

 

5. Rückblick auf das zweite Projektjahr: Betreuung von Kindertageseinrichtungen

Dagmar Winterhalter-Salvatore

Mit Beginn des Kindergartenjahres 1998/99 übernahm ich die Betreuung der am Modellversuch "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" teilnehmenden Kindertagesstätten. Im Folgenden beschreibe ich die Vernetzungsaktivitäten von vier Einrichtungen. Der AWO-Kindergarten und der Schulkindergarten Heiligkreuz, beide in Würzburg, stellen ihre Erfahrungen mit dem IFP-Projekt selbst vor (siehe Kapitel 8.3).

5.1 Rotmain Schlümpfe e.V., Altenplos

Die Rotmain Schlümpfe wurden als erstes Netz für Kinder im Jahre 1996 im Landkreis Bayreuth ins Leben gerufen. Die Eltern reagierten mit dieser Initiative auf den Mangel an Kindergartenplätzen. Ein weiterer Grund, ein Netz für Kinder zu gründen, war auch die weit über das Angebot anderer Kindergärten hinausgehende Betreuungsform für Kinder vom zweiten bis zwölften Lebensjahr.

Das Netz für Kinder befindet sich im alten Schulgebäude in Altenplos. Mit viel Elternengagement wurden die Räumlichkeiten ausgestattet, wurde Spielmaterial besorgt und ein Essensdienst eingerichtet. Fünfzehn Kinder besuchen täglich von 7.30 bis 15.00 Uhr die Einrichtung. Sie werden von einer Erzieherin betreut und gefördert; die Eltern leisten im Wechsel ihren Beitrag zur Betreuung und zum reibungslosen Alltagsablauf in der Gruppe.

Knapp zwei Jahre nach der Gründung wurde die Finanzierung eingestellt - den Rotmain Schlümpfen drohte das Aus. Die Eltern und die Erzieherin waren sich einig, dass sie Wege finden müssten, den Kindern ihre Einrichtung zu erhalten. Die Erzieherin reduzierte ihre Stundenzahl, Eltern verzichteten auf ihr Honorar für die geleistete Arbeit im Netz für Kinder, und es gab etliche Spendenaufrufe. Zu guter Letzt wurden die Beiträge aller Eltern mit deren Einverständnis erhöht. In dieser Zeit war der Vorstand sehr stark belastet: Seine Aufgabe war es, die ganze Finanzierung, Verwaltung und Planung zu organisieren. Anstatt die Anstrengungen und positiven Vorschläge der Einrichtung zu sehen, verhärteten sich die Fronten in der Gemeinde. Leider wurden in diese Auseinandersetzungen auch die benachbarten Institutionen einbezogen. Die zwei anderen Kindergärten erlebten plötzlich das Netz für Kinder als Konkurrenz und damit als Bedrohung der eigenen Arbeitsplätze. Auch die Schule zog sich zurück.

In erster Linie wollten die Eltern und die Erzieherin eine offene Diskussion mit der Kommune. So folgte eine Reihe von Aktivitäten:

  • Schnuppernachmittage für interessierte Eltern,
  • Tag der offenen Tür,
  • Flohmärkte, Feste etc., wozu der Bürgermeister, der Pfarrer und alle Vertreter der anderen Einrichtungen persönlich eingeladen wurden,
  • Veröffentlichungen in der Tagespresse und der Regionalzeitung,
  • Rundfunk- und Fernsehauftritte sowie
  • Erstellung eines Videos.
  • Zu guter Letzt sind die Rotmain Schlümpfe auch im Internet zu finden.

All diese Aktivitäten sollten die Öffentlichkeit über die Arbeit des Netzes für Kinder in Altenplos informieren. Dem Vorstand und der Erzieherin ging es in erster Linie darum, dass die Einrichtung nicht als Konkurrenz für den Kindergarten gesehen wird, sondern als Bereicherung in der Einrichtungs- und Betreuungslandschaft.

Aktivitäten in der Vernetzungsarbeit

Den Rotmain Schlümpfen ging es vor allem darum, durch die Öffnung nach außen Ressentiments abzubauen, ihre Arbeit und ihre Zielsetzungen für alle transparent zu machen und eine Nische in der Gemeinde zu finden, in der die Kinder und Eltern ihr Netz weiter leben dürfen. Die Beratungen vor Ort im Rahmen des IFP-Projekts konzentrierten sich auf zwei Schwerpunkte: Die Suche (1) nach Vernetzungspartnern und (2) nach Formen der Öffentlichkeitsarbeit, um die positiven Aspekte eines Netzes für Kinder herauszustellen.

Als Vernetzungspartner in Betracht kam die Grundschule, an der eine Mittagsbetreuung ("verlässliche Halbtagesschule") aufgebaut werden sollte. Der Vorschlag der Rotmain Schlümpfe war, die Organisation der Mittagsbetreuung zu übernehmen - also die Schulkinder in dieser Zeit mit der Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung und eines Mittagessens aufzunehmen. In Notfällen sollte eine längere Betreuung angeboten werden.

Des Weiteren wurden Kontakte zum Heilpädagogischen Zentrum in Bayreuth aufgenommen - mit dem Anliegen, behinderte Kinder aus der Gemeinde mit Unterstützung durch Fachdienste des Zentrums in das Netz für Kinder aufnehmen zu können.

Der zweite Schwerpunkt war eine intensivierte Öffentlichkeitsarbeit, um die positiven Aspekte eines Netzes für Kinder darzulegen, offene Kommunikationsstrukturen in der Gemeinde zu schaffen und als gleichberechtigter Partner zusammen mit den anderen Kindergärten ein breit gefächertes Betreuungsangebot zu gewährleisten. Der Vorstand und die Erzieherin versuchten,

  • durch Gespräche und öffentliche Veranstaltungen die Arbeit der Rotmain Schlümpfe transparent zu machen,
  • Informationen über Ziele und Wirkungsbereiche in Presse, Rundfunk und Regionalfernsehen zu geben,
  • aktiv bei Festen und Feiern in der Kommune und Kirchengemeinde mitzuwirken sowie
  • persönlich zu unterschiedlichen Institutionen und Gremien Kontakt aufzunehmen.

Ziel für die Zukunft ist es, Eltern alternative Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Krippen-, Kindergarten- und Hortalter zu bieten, wo sie ihre Kompetenzen einbringen und die Kontinuität einer bis zu zehn Jahren dauernden Betreuung in Anspruch nehmen können.

5.2 Kindergarten der Evangelischen Diakonissenanstalt, Augsburg

Der Kindergarten befindet sich im Gebäudekomplex der Diakonissenanstalt, der noch ein Krankenhaus, ein Altersheim und diverse Fachschulen, die Fachakademie für Sozialpädagogik und ein Tagungszentrum beherbergt. Im Einzugsgebiet gibt es einerseits Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Gärten und ausreichender Spielfläche in einer verkehrsberuhigten Zone, andererseits große Wohnblöcke (Sozialer Wohnungsbau) an den Hauptverkehrsstraßen. Die Kinder kommen somit aus sehr unterschiedlichen sozialen Milieus.

Entwicklung der Vernetzungsarbeit

Beim ersten Beratungstermin, an dem das gesamte Team teilnahm, wurde zunächst das pädagogische Konzept der Einrichtung vorgestellt. Ausgehend von den Leitgedanken, dass jedes Kind von Geburt an stark, aktiv und fähig ist sowie mit seiner ganz eigenen Biographie, mit seinen ureigensten Erfahrungen und seiner einzigartigen Entwicklung in den Kindergarten kommt, wird die Pädagogik definiert. Die individuellen Situationen und Bedürfnisse prägen die situations- und lebensweltorientierte Arbeitsweise. Die Erzieherinnen orientieren sich ferner an Leitsätzen von Maria Montessori und Loris Malaguzzi. Außerdem ist für sie die partnerschaftliche Kooperation mit den Eltern ein sehr wichtiges Anliegen. So stehen die Erzieherinnen bei Fragen oder Problemen jederzeit zur Verfügung. Sie gestalten ihre alltägliche Arbeit transparent für alle Eltern.

Seit mehreren Jahren bewährt sich die gute Zusammenarbeit mit einer Heilpädagogin, die der Mobilen Hilfe der Sprachbehindertenschule angegliedert ist. Sie besucht zweimal pro Woche den Kindergarten, um mit Kindern Spieltherapie, Motorik- und Sprachförderung durchzuführen.

Bei der Analyse der Probleme von Kindern und deren Familien wurde schnell klar, dass noch weitere Kooperationspartner in die Zusammenarbeit eingebunden werden müssten:

  • Einige Kindergartenkinder besuchen mit ihren Eltern die Erziehungsberatungsstellen der Umgebung, wovon sich eine in katholischer, die andere in evangelischer und die dritte in Trägerschaft des Kreidekreises Augsburg befindet. Die Erzieherinnen sind nur wenig informiert, welche Fachkräfte dort tätig sind und welchen therapeutischen Schwerpunkt die einzelnen Dienste haben.
  • Dringlich ist auch eine Zusammenarbeit mit der Sprachförderschule, da einige Kinder sie vormittags besuchen und dann am Nachmittag in den Kindergarten kommen. Erzieherinnen und Mütter beklagen die dürftige Information vonseiten der Therapeuten.
  • Ein weiterer Kontaktwunsch bezog sich auf die Frühförderstelle. Auch hier bestand das Anliegen, mehr über die einzelnen Fachdienste, die Therapien und mögliche Formen der gegenseitigen Unterstützung zu erfahren.
  • Schon vor geraumer Zeit öffnete in der Umgebung eine Physiotherapeutenpraxis, die großes Interesse signalisierte, sich und ihre Arbeit im Kindergarten vorzustellen.

Beim zweiten Beratungsgespräch konnte das Team über vielfältige neue Kontakte zu psychosozialen Diensten berichten. Folgende Vernetzungsaktivitäten wurden aufgenommen:

  • Kontakt zu einer schulvorbereitenden Einrichtung (SVE),
  • Begleitung der Eltern zum Aufnahmetest ihres Kindes in eine Diagnose- und Förderklasse,
  • gegenseitige Hospitationen von Kindergarten und Frühförderstelle,
  • Kontakte zum Mobilen Dienst des Förderzentrums,
  • intensiver Austausch und gegenseitige Hospitationen mit einer niedergelassenen Ergotherapeutin,
  • Treffen zum Erfahrungsaustausch in zwei Erziehungsberatungsstellen,
  • Kontakte zum Gesundheitsamt bezüglich der Seh- und Hörtests für die Einschulungsuntersuchung sowie
  • Teilnahme an einem Arbeitskreis des Kreisjugendamtes Augsburg unter Beteiligung von Kindergärten.

Das Team hatte bei allen Fachdiensten "offene Türen" mit ihren Kooperationswünschen eingerannt. In der kommenden Zeit sollte nun Kontinuität erreicht werden: So waren nach Rücksprachen alle psychosozialen Fachdienste bereit, sich in einem festgelegten Rhythmus mit dem Kindergarten zu treffen. Dieses Vorhaben wurde von der Elternschaft sehr begrüßt.

Kooperation mit der Erziehungsberatungsstelle

Bei Problemen und Fragen können sich Erzieherinnen des Kindergartens der Evangelischen Diakonissenanstalt an eine Ansprechpartnerin in der Erziehungsberatungsstelle wenden. Auf Wunsch begleiten sie ein Kind mit seinen Eltern zur Beratungsstelle. Sie haben einerseits die Aufgabe, das Kind während der Therapiestunde zu beobachten und andererseits Fragen zum Verhalten des Kindes in der Kindergruppe zu beantworten. So werden sie aktiv in den Therapieplan einbezogen. Von beiden Seiten wird diese Zusammenarbeit als wichtig bezüglich der Wahrnehmung des Kindes in seiner Ganzheit beurteilt.

Weitere Kontakte zwischen Kindergarten und Erziehungsberatungsstelle sollen die Kooperation festigen. Zu diesem Zweck wurde ein Katalog erstellt, nach dem folgende Inhalte abgeklärt werden sollen:

  • Vorstellung des Kindergartenpersonals, Erläuterung des pädagogischen Konzeptes des Kindergartens,
  • Vorstellung der Erziehungsberatungsstelle und ihrer Mitarbeiter/innen, Information über deren Berufsausbildung und die angebotenen Therapieformen,
  • Einblick in diagnostische Verfahrensweisen und verschiedene Therapieformen.

Um eine feste Vernetzungsstruktur aufzubauen, war es notwendig, sich über die Planung der zukünftigen Zusammenarbeit zu verständigen:

  • die Anzahl der Treffen,
  • den Turnus der Treffen,
  • die Kostenübernahme für den Mehraufwand,
  • das notwendige Zeitkontingent sowie
  • den Ort der Treffen.

Für das Team des Kindergartens war es wichtig zu erfahren, ob Möglichkeiten für eine Teamberatung zu spezifischen Fragestellungen bestehen und inwieweit der Kindergarten einen Beitrag zur Unterstützung der Therapien einzelner Kinder leisten kann. Mit Hilfe der neu erworbenen Kompetenzen könnten dann auch Kinder gefördert werden, die kleinere Schwächen in ihrer Entwicklung aufweisen, aber keinen Fachdienst besuchen.

In ähnlicher Weise wurden die Kontakte zu anderen Vernetzungspartnern wie z.B. der Frühförderstelle, dem Gesundheitsamt und der Mobilen Hilfe der Sprachförderschule ausgebaut. Ausgehend vom Engagement des Kindergartenteams konnte innerhalb kurzer Zeit ein stabiles Netz von Kooperationspartnern entwickelt werden, welches dank klarer Absprachen und detaillierter Planungen Kontinuität verspricht.

5.3 Gemeindekindergarten Holzkirchen

Im Gemeindekindergarten Holzkirchen werden circa 100 Kinder in vier Gruppen betreut. Die Arbeitsweise des Kindergartens orientiert sich am Situationsansatz. Die Kinder haben die Möglichkeit, in der Freispielzeit die offenen Angebotszonen zu nutzen. Durch die ideale Konstruktion des Kindergartens - ein wunderschön umgebautes Bauernhaus - lädt er mit seinen vielen Ecken und Nischen und seinem naturbelassenen Garten (alter Baumbestand) zum Spielen, Experimentieren und zum Wohlfühlen ein. Im gleichen Gebäude ist ein zweigruppiger Hort untergebracht. Das Umfeld des Kindergartens ist durch Ein- und Mehrfamilienhäuser geprägt.

Verlauf der Vernetzungsarbeit

Im Landkreis Miesbach gibt es seit mehreren Jahren vielerlei Aktivitäten bezüglich der Vernetzung von Kindergärten mit psychosozialen Diensten. Einige Arbeitskreise, an denen alle Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen teilnehmen, beschäftigen sich mit zwei Schwerpunktthemen: Das eine ist die Öffentlichkeitsarbeit und damit die Transparenz der Arbeit in den Einrichtungen, das andere betrifft die Gründung eines Mobiler Dienstes, der 40 Einrichtungen im Landkreis betreuten soll (vgl. Kapitel 4).

Beim ersten Beratungsgespräch ging es darum, anhand einer Bedarfsanalyse die möglichen Vernetzungspartner zu eruieren:

  • Aufgrund vieler Scheidungskinder wäre die Kooperation mit der nahe gelegenen Erziehungsberatungsstelle angezeigt.
  • Kontakte bestehen bereits zu einer Lehrerin der Sprengelschule, einer Kinderärztin, bei der viele Kindergartenkinder in Behandlung sind, und zu einer Ergotherapeutin, einer ehemaligen Kindergartenmutter.

Das Kernstück der Vernetzungsarbeit in Holzkirchen sollte der Gesprächsaustausch mit Eltern und Fachleuten über folgende Schwerpunktthemen sein:

  1. Übergang Familie - Schule: Entwicklungsdiagnostik, Förderschwerpunkte, Begleitung der Kinder durch die Kindergartenzeit unter Einbeziehung verschiedener Fachdienste.
  2. Übergang Kindergarten - Schule mit den Problembereichen frühzeitige Einschulung, Zurückstellung und Schulfähigkeit.

Dieser "Leitfaden" würde das Fundament für eine ganzheitliche Sichtweise der Entwicklung des Kinder aus pädagogischer, therapeutischer und medizinischer Sicht darstellen. Am runden Tisch kämen Pädagogen, Therapeuten und Lehrer ins Gespräch.

Beim zweiten Treffen wurden verschiedene Entwicklungstests, die Checkliste der U9-Untersuchung und unterschiedliche Beobachtungsbögen analysiert und auf ihre Anwendbarkeit hin untersucht. Für die Erzieherinnen war es wichtig zu erfahren, dass ihre Fachlichkeit hinsichtlich der Einschätzung des Entwicklungsstandes, der Sozialkompetenz, der Konfliktbewältigung sowie der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit fundamental bei der Entscheidung über die Einschulung eines Kindes ist. Vor allem die U-Untersuchungen legen einen Schwerpunkt auf die Gruppenfähigkeit und das Sozialverhalten des Kindes, was nur schwer von den Eltern und Ärzten beurteilt werden kann. Hier sind die Erzieherinnen in ihrer Kompetenz gefragt.

Motiviert durch die Vernetzung mit der Schule, den Kinderärzten und der niedergelassenen Ergotherapeutin wurde ein erster gemeinsamer Besprechungstermin vereinbart. An diesem Gespräch nahmen einige Erzieherinnen und eine Kinderärztin teil. Gemeinsam wurde überlegt, wie eine befriedigende Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und Kinderärztin gewährleistet werden kann. Im regelmäßigen Turnus wird sich dieser Kreis treffen, um sich über konkrete Fragen der Entwicklung und Förderung der Kinder auszutauschen. Wünschenswert wäre auch die Teilnahme einiger Grundschullehrer vor Ort.

Die Ärztin hatte ihrerseits einen Beobachtungsbogen zur Schulfähigkeit erarbeitet, den sie mit den Erzieherinnen und Eltern gemeinsam anwenden möchte. Bei dieser Angelegenheit kam das Gespräch auch auf den Datenschutz. Beim nächsten Besprechungstermin nahm dieser Punkt einen großen Raum ein. Vor allem der Kinderärztin lag es sehr am Herzen, dass die Eltern aktiv in diese Kooperation eingebunden werden und auch ihr generelles Einverständnis zum fachlichen Austausch zwischen Kindergarten und Arztpraxis erklären.

Ziel der Erzieherinnen ist es, Auffälligkeiten und Entwicklungsrückstände der Kinder frühzeitig zu erkennen und in Kooperation mit Therapeuten und Kinderärztin zu beheben. Gerade in den Bereichen der exakten Beobachtung der Kinder und des Wissens über Entwicklungspsychologie und Diagnostik sind sich Erzieherinnen zuweilen unsicher. Fortbildungen und der Austausch mit Fachdiensten wie Ergotherapie und Logopädie sind für eine bessere Förderung der Kinder unabdingbar.

Aber auch die Kenntnisse der Fachdienste, der Ärzteschaft und Lehrer über die pädagogische Arbeit des Kindergartens sind oft nur bruchstückhaft. Wichtig erscheint die Kontinuität der Vernetzungsarbeit (nicht nur auf sporadische Einzelkontakte beschränkt), um eine generelle und eine situationsbezogene Zusammenarbeit verschiedener Fachleute sicherzustellen. Ein stabiles Netz an Kooperationspartnern gewährleistet, dass präventiv Auffälligkeiten und Defizite bei den Kindern erkannt und durch die Fachdienste therapiert werden können. Dieses Netz schließt die Eltern in die Beratung mit ein und schafft eine Form der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Eltern, wobei der Kindergarten als erste Anlaufstelle für Eltern der Dreh- und Angelpunkt der Vernetzungsarbeit ist. Tatsache ist, dass meist erst auf Initiative des Kindergartens Eltern Kontakt zu psychosozialen Diensten aufnehmen und damit deren Motivierung, Information und Vorbereitung den bereits sehr belasteten Erzieherinnen obliegen.

5.4 Städtischer Kindergarten Parsberg

Das Team des städtischen Kindergartens in Parsberg orientiert sich am Konzept des Partizipations-Situationsansatzes in der Elementarpädagogik. Alle Erzieherinnen erwarben die Zusatzqualifikation zur Motopädagogin und richten ihr pädagogisches Handeln entsprechend aus. Die Ausstattung der Räumlichkeiten und der naturbelassene Garten regen die Kinder zu vielfältiger Bewegung an. Das Konzept der offenen und gruppenübergreifenden Arbeitsweise unterstützt die Kinder in ihrem Explorationsbedürfnis, in ihrer Selbstständigkeitsentwicklung und im Aufbau von Sozialkompetenzen.

Durch die Weiterbildung vor allem im entwicklungspsychologischen und therapeutischen Bereich hat sich der Blick der Erzieherinnen geschärft: Entwicklungsdefizite der Kinder werden frühzeitig diagnostiziert, und das pädagogische Handeln wird darauf abgestimmt. Schon seit langem wird die Notwendigkeit einer kooperativen Vernetzungsarbeit erkannt und dementsprechend schrittweise die Zusammenarbeit mit psychosozialen Fachdiensten verbessert. Dem Team des Kindergartens geht es um eine gleichberechtigte partnerschaftliche Kooperation unter den verschiedenen Fachleuten. Die Erzieherinnen verstehen sich als kompetente Pädagoginnen, die im Gegensatz zu den spezifischen Fachdiensten das Kind in seiner Ganzheit und Komplexität fördern und in seiner Entwicklung begleiten. Es ist ihnen wichtig, ihr Wissen über ein Kind den Fachdiensten weiterzugeben, sie zu "schulen", auch aus dem Blickwinkel der Pädagogik das Kind zu sehen, und Therapieansätze in die reale Welt der Kinder zu integrieren. Nicht der Kindergarten geht zu den Fachdiensten, sondern die Fachdienste kommen in die alltägliche Spiel- und Arbeitswelt der Kinder, an der selbstverständlich auch die Eltern aktiv teilnehmen.

Zielsetzung der Vernetzungsarbeit vor Ort

Allgemeine Ziele des Kindergartenteams sind der gegenseitige Erfahrungs- und Informationsaustausch zwecks Erreichen von Transparenz der unterschiedlichen Arbeitsgebiete, die Verbesserung der Kooperation durch effiziente Handlungskonzepte und das Streben nach gemeinsamen Aktivitäten in der Begleitung der Kinder und deren Familien, aber auch in Bezug auf strukturelle Veränderungen in der Gemeinde zum Wohle der Familien.

Bei der Vernetzung des städtischen Kindergartens in Parsberg mit psychosozialen Diensten geht es dem Team an erster Stelle darum, Entwicklungsauffälligkeiten frühzeitig zu erkennen, zu diagnostizieren sowie entsprechend therapeutisch und pädagogisch zu reagieren. Die Bedeutung der Früherkennung von Hör-, Seh- und Bewegungsschäden hinsichtlich der Vermeidung späterer Verhaltens- und Schulleistungsstörungen ist nach Meinung der Pädagoginnen noch viel zu wenig bekannt. Zu oft werden Auffälligkeiten erst im Vorschulalter oder sogar erst in der Schule erkannt, und dann sei eine wichtige Zeit in der Entwicklung des Kindes verpasst worden. Die Erzieherinnen setzen ihr Hauptaugenmerk auf drei Störungsbilder:

  1. die Verminderung der Hörfähigkeit, die daraus resultierende gestörte Sprachentwicklung und der negative Einfluss auf die Denkentwicklung,
  2. die Fehlsichtigkeit und die Probleme z.B. beim räumlichen Sehen, die das mathematische Verständnis in der Schule negativ beeinflussen können, sowie
  3. die Beeinträchtigung der Bewegung und damit der Gesamtmotorik, was eine Verminderung der Lern- und Leistungsbereitschaft zur Folge haben kann.

Die Zusammenarbeit des Kindergartens mit Fachärzten und psychosozialen Diensten garantiert eine fundierte Diagnose und Behandlung von Kindern mit Entwicklungsstörungen.

Ein weiteres Anliegen der Erzieherinnen ist es, zusammen mit Ärzten (vor allem Kinderärzten) die Initiative zur Neugestaltung bzw. Veränderung der U-Untersuchungen (U8 und U9) voranzutreiben. Ziel wäre die Kompetenzerweiterung der Ärzteschaft bezüglich der Entwicklungsdiagnostik bei Kleinkindern sowie die Zusammenarbeit derselben mit dem Kindergarten und einem psychosozialen Fachdienst bei folgenden Befundserhebungen:

  • nicht altersgemäße Sprachentwicklung, Aussprachestörungen,
  • Verhaltensauffälligkeiten, Störungen des sozialen Kontaktes, mangelhafte Konfliktbewältigung, Spiel-Arbeitsdefizite sowie
  • Auffälligkeiten im motorischen Bereich, sowohl in der Grob- als auch in der Feinmotorik.

Der Kindergarten, den die Kinder tagtäglich über mehrere Stunden besuchen, in dem sie grundlegende zwischenmenschliche Beziehungen knüpfen, im sozialen Kontext spielen und durch gezielte Angebote seitens der Erzieherinnen in ihrer Ganzheit gefördert werden, kann fundiertere Aussagen über die Entwicklung der Kinder machen als ein Kinderarzt, der das Kind nur sporadisch zur Behandlung hat. Eine im Kindergarten durchgeführte Elternbefragung zu den Erfahrungen bei den U-Untersuchungen zeigte außerdem, dass viele Ärzte die Bedeutung und den präventiven Aspekt dieser Untersuchung zu wenig wahrnehmen. Wie sonst wäre der Umstand zu erklären, dass teils die Sprechstundenhelferin die Befragung durchführte und teils durch die Pauschalantwort, dass alles in Ordnung sei, der Untersuchung Genüge getan wurde In partnerschaftlicher Kooperation mit den Ärzten und therapeutischen Fachdiensten möchten die Erzieherinnen auf die Wichtigkeit und die Brisanz dieser Untersuchungen hinweisen und gemeinsam mit den Ärzten nach Verbesserungen der bisherigen Praxis suchen.

Methoden der Vernetzungsarbeit

Um die Breitenwirkung der Vernetzungsarbeit von Kindergärten zu verdeutlichen, wurde eine Informationsveranstaltung von dem Kindergartenteam in Neumarkt organisiert. Diese Fachtagung richtete sich an Erzieherinnen, Studierende an Fachakademien und Fachschulen, verschiedenste Fachdienste und alle anderen Interessierten. Es referierten neben Fachärzten (Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Orthopäde) Vertreter/innen der Allgemeinen Ortskrankenkasse, der Psychologischen Beratungsstelle und der Frühförderstelle sowie eine niedergelassene Psychologin und eine Physiotherapeutin. Neben der Vorstellung der Fachdienste und ihrer Arbeitsweise vermittelte die Veranstaltung durch breit gefächerte Grundsatzreferate ein umfassendes Bild medizinischer und therapeutischer Ansätze zur Entwicklungsbegleitung und -förderung von Kindern. Die Fachleute gaben Einblicke in Themenkreise wie z.B.

  • Hörstörungen im Kindesalter,
  • Früherkennung aus der Sicht des HNO-Arztes,
  • Auswirkungen auf die Gesamtentwicklung, speziell die Sprachentwicklung des Kindes,
  • Auswirkungen nicht erkannter Sehschäden u.Ä. auf schulische und berufliche Leistungen und damit die Zukunft der Kinder,
  • Orthopädie - das aufrechte Kind: Entstehung von Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates,
  • Vorstellung der Kinderrichtlinien (U1 - U9) und der Jugendgesundheitsuntersuchung, Schutzimpfung und Prophylaxe,
  • fördernde Faktoren für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder unter besonderer Beachtung der Suchtprävention,
  • Kinesiologie: Methode und Anwendung,
  • Angebote und Förderablauf bei der Frühförderstelle Neumarkt,
  • Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche: Vernetzung der Erziehungsberatungsstelle mit dem Kindergarten, Verständnis von Vernetzung, Zusammenarbeit bei pädagogischen Inhalten.

Diese Großveranstaltung repräsentierte nur einen Teil der Bemühungen des städtischen Kindergartens, mit Fachdiensten aller Art intensiv und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.

Gezielte Pressearbeit, vor allem in der örtlichen Tagespresse, ist ein weiteres Anliegen des Kindergartens. Neben Artikeln zum Leben und Wirken der Kinder im Kindergarten werden von der Leiterin immer wieder Fachartikel zu medizinischen und therapeutischen Themen veröffentlicht. Es soll Interesse geweckt werden für die Belange der Kinder: Schwächen und Auffälligkeiten sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Immer wiederkehrende Informationen über die Entwicklungsphasen der Kinder sollen den Blick für Abweichungen schärfen. Die Schwellenangst, einen Fachdienst zu konsultieren, soll abgebaut werden.

Außerdem ist es ein Anliegen der Leiterin des Kindergartens, bereits Studierende in diese Thematik einzuführen. Noch viel zu wenig Wissen wird ihrer Meinung nach in den Fachschulen über Auffälligkeiten und Störungen bei Kindern, Probleme von Familien sowie deren Beratung und Therapie vermittelt. Es müsste im Interesse aller Fachdienste und Pädagogen sein, wenn in der Ausbildung entsprechende Kompetenzen erworben und praxisrelevante Konzepte erarbeitet würden. So bemüht sich der Kindergarten Parsberg, zukünftige Pädagoginnen auf das Praxisfeld vorzubereiten und u.a. die Wichtigkeit einer funktionierenden Kooperation mit den verschiedenen Fachdiensten bewusst zu machen. Durch Kontakte mit den Fachakademien, durch Fortbildungen und Veröffentlichungen vermitteln die Erzieherinnen des Kindergartens notwendiges Wissen an die Studierenden.

Vernetzung als Prozessqualität

Ein Anliegen der Erzieherinnen ist es, auch anderen Kindergärten Mut zu machen, sich mit ihrer Kompetenz an die Öffentlichkeit zu wagen. Durch Fachpublikationen, Teilnahme an Tagungen und ständigen Austausch mit Fachdiensten wird nicht nur die pädagogische Arbeit des Kindergartens für ein breites Publikum transparent, sondern die Erzieherinnen können auch ihre eigene Fachlichkeit erweitern. In der Kooperation mit psychosozialen und medizinischen Fachdiensten sind die Erzieherinnen gleichwertige Partner, die - im Einzelfall nur mit Zustimmung der Eltern - die andere Seite fachlich und offen informieren. Wichtig dabei ist, dass jede Profession ihre ausbildungs- und berufsbedingten Grenzen kennt und diese auch dem Gegenüber zugesteht. Ziel ist das gegenseitige Lernen voneinander zum Wohle der anvertrauten Kinder und ihrer Familien.

Die Qualität einer interdisziplinären Zusammenarbeit wirkt sich auch auf die Eltern aus. Je selbstverständlicher diese Kontakte ablaufen, desto weniger werden die Eltern mit Schwellenangst reagieren. Beratung und Therapie sind dann "natürliche" Bereiche in der Entwicklungsförderung von Kindern und Möglichkeiten, für Familienprobleme Hilfe zu erhalten.

Resümee der pädagogischen Arbeit

Der Kindergarten ist der bedeutendste Bereich der Jugendhilfe, mit dem fast alle Familien in Kontakt kommen. Die Erzieherinnen genießen ein hohes Maß an Vertrauen und Wertschätzung bei den Eltern. Durch die gute Einbindung in ein Netz von Kooperationspartnern kann der städtische Kindergarten in Parsberg sehr frühzeitig auf Auffälligkeiten und Probleme reagieren und die Kinder gegebenenfalls an andere Dienste weiterleiten. Meist haben sich Störungen bei Kindern in diesem Alter noch nicht verfestigt, sind Therapien effektiver, können Probleme schneller gelöst werden. Dieser Faktor schlägt sich auch in den Aufwandskosten nieder. Die qualifizierte pädagogische Arbeit der Erzieherinnen ist wichtig für die Prävention späterer Verhaltensauffälligkeiten, von Suchtproblemen und Konflikten. Die Erzieherinnen empfinden ihre Arbeitskonzeption als fachlich fundiert und wirkungsvoll. Sie erfahren dank ihrer vielseitigen und vernetzten Arbeit Wertschätzung, was allgemein zu Berufszufriedenheit führt.

 

6. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Jugendämtern

Martin R. Textor

Im dritten Projektjahr sollten neun Jugendämter intensiver betreut werden. Bei den Erstgesprächen ergab sich jedoch, dass zwei Jugendämter bereits einen befriedigenden Stand hinsichtlich der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten erreicht hatten und keine intensivere Beratung benötigten. So berichtete das Kreisjugendamt Mindelheim von einer personell sehr gut ausgestatteten Frühförderstelle (15 Fachkräfte), die auch mobil in Kindertageseinrichtungen arbeitet. Daneben gibt es die Mobilen sonderpädagogischen Hilfen der Schulvorbereitenden Einrichtungen an den Sonderpädagogischen Förderzentren in Memmingen und Mindelheim, die mit vier Teilzeitkräften ausgestattet sind. Ferner sucht die Mobile Drogenberatung Kindertageseinrichtungen auf; in zwei Kindergärten hat sie das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" begleitet. Außerdem macht der Jugendschutzbeauftragte Angebote zur Medienerziehung in Kindertagesstätten. Die Erziehungsberatungsstellen in Mindelheim und Memmingen wurden als offen für die Belange von Kindertageseinrichtungen beschrieben; beide bieten Arbeitsgemeinschaften für Erzieher/innen an. Auch das Kreisjugendamt würde intensiv mit Kindertagesstätten kooperieren: Die Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes suchen oft - auch unabhängig von Einzelfällen - Kindertageseinrichtungen für Informationsgespräche auf; insbesondere der Stellvertretende Jugendamtsleiter stellt das Jugendamt häufig bei Elternabenden vor oder referiert dort zu Erziehungsfragen; ein Beratungsführer, das Verzeichnis "Fachdienste in Zusammenarbeit mit den Kindergärten" und der Tätigkeitsbericht des Jugendamtes wurden den Kindertagesstätten zugeschickt. Zweimal wurden "Info-Foren" durchgeführt, auf denen sich psychosoziale Dienste vorstellten. Schließlich bietet das Kreisjugendamt Mindelheim in Kooperation mit Fachleuten Vortragsreihen zur Elternbildung und in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltungsschule Fortbildungen für Erzieher/innen vor Ort an. Einige über diese Angebote hinausgehende mögliche Vernetzungsaktivitäten wurden bei dem Erstgespräch noch andiskutiert - eine zusätzliche Fortbildung über Gesprächführung mit Eltern, familienbildende Artikel für Elternbriefe bzw. Kindergartenzeitungen, Supervision für Erzieher/innen -, bei denen das Kreisjugendamt aber wenig Realisierungschancen bzw. keinen Bedarf für eine fachliche Begleitung durch den Projektmitarbeiter sah. Der Jugendamtsleiter fragte bei der nächsten Leiterinnenkonferenz (18.11.1999) nach, ob Interesse an familienbildenden Artikeln bestände (wurde bejaht) und ob darüber hinaus weitere neue Vernetzungsaktivitäten notwendig seien (wurde verneint). Es wurde nur gewünscht, dass sich psychosoziale Dienste immer wieder bei Leiterinnenkonferenzen vorstellen sollten. Aufgrund dieser Situation stimmten Jugendamtsleiter und Projektmitarbeiter darin überein, es bei dem Erstgespräch zu belassen.

Auch das Stadtjugendamt Straubing berichtete von vielen laufenden oder abgeschlossenen Vernetzungsaktivitäten: So trifft sich der Jugendamtsleiter alle acht bis zehn Wochen mit den Leiterinnen der Kindertagesstätten zum Informationsaustausch. Ferner wurden 15 Arbeitskreise für Erzieherinnen gegründet, die sich unterschiedlichen Fragestellungen widmen und an denen auch Fachkräfte aus dem Landkreis teilnehmen. Die Arbeitskreisteilnehmer/innen würden auch psychosoziale Dienste besuchen oder - mit finanzieller Unterstützung durch das Jugendamt - Referent/innen einladen. Daneben gibt es viele Fortbildungsangebote für Erzieher/innen vor Ort. Alle fünf kommunalen Kindergärten hatten vor ca. zwei Jahren Supervision erhalten. Im Jugendhilfeausschuss ist eine Erzieherin Mitglied; ansonsten nehmen öfters Erzieherinnen als Gäste an den Sitzungen teil. Die psychosozialen Dienste arbeiten zunehmend mobil - ihre Mitarbeiter/innen sind oft in Kindertageseinrichtungen anzutreffen. Besonders intensiv sei deren Zusammenarbeit mit den fünf integrativen Kindergartengruppen; hier treffen sich Erzieherinnen und Fachkräfte auch in einem eigenen Arbeitskreis. Daneben gibt es in Straubing einen Arbeitskreis "Sexueller Missbrauch" und einen "Sucht-Arbeitskreis", an denen Erzieherinnen teilnehmen; letzterer hat im Jahr 1999 dreimal spielzeugfreie Phasen in Kindergärten begleitet. Schließlich haben Erzieherinnen die Möglichkeit, Fallbesprechungen mit der Psychologin des Kinderschutzbundes durchzuführen; gelegentlich kämen sie zu diesem Zweck auch in das Jugendamt. Aufgrund dieses guten Vernetzungsstandes beschlossen Jugendamtsleiter und IFP-Mitarbeiter übereinstimmend, es bei dem Erstgespräch zu belassen. Der Jugendamtsleiter fragte bei der nächsten Leiterinnenkonferenz im Januar 2000 nach, ob die Entscheidung von den Erzieher/innen geteilt würde - was der Fall war.

Aber auch beim Kreisjugendamt Lindau blieb es bei dem Erstgespräch. Hier wurde zunächst die Situation ausländischer Kinder im Landkreis analysiert. So wird in Lindau ein Projekt zur Sprachförderung ausländischer Mütter und Kindergartenkinder durchgeführt. Aufgrund der andersartigen Zielsetzung konnte dieses Projekt jedoch nicht in den IFP-Modellversuch einbezogen werden. Vernetzungsaktivitäten des Jugendamtes sind u.a. Leiterinnentreffen unter Teilnahme von Vertreter/innen psychosozialer Dienste, Besuche der ASD-Mitarbeiter/innen in Kindertageseinrichtungen (mindestens einmal pro Jahr) und eine Arbeitsgemeinschaft "frühe Hilfen", an der neben Ärzten und anderen Fachleuten rund 20 Erzieherinnen teilnehmen. Für die kommenden Monate wurde eine Leiterinnenkonferenz geplant, auf der der IFP-Projektmitarbeiter ein Referat zum Thema "Vernetzung" halten sollte. Ferner wollte das Jugendamt erstmalig zwei Fortbildungen für Erzieherinnen organisieren. Schließlich wurde eine Info-Börse angedacht, bei der sich verschiedene psychosoziale Dienste den Erzieherinnen vorstellen sollten. Zu diesen Projektaktivitäten kam es jedoch aufgrund der Arbeitsüberlastung des Jugendamtsleiters nicht; sie sollen nun im Kindergartenjahr 2000/2001 stattfinden.

So blieben sechs Jugendämter, die im dritten Projektjahr intensiver betreut wurden. Von ihnen stellt das Amt für junge Menschen und Familien Bad Kissingen die durchgeführten Vernetzungsaktivitäten selbst vor (siehe Kapitel 8.2). Auffallend war, dass die Erstgespräche bei den sechs Jugendämtern anders abliefen als diejenigen in den beiden ersten Projektjahren: Die Jugendamtsleiter/innen bzw. -mitarbeiter/innen wussten aufgrund der durchgeführten Fachtagungen und dank des an sie verteilten Zwischenberichts, was für Erwartungen mit dem IFP-Projekt verbunden sind und was für Aktivitäten von den zuvor betreuten 14 Jugendämtern durchgeführt wurden. So berichteten sie von sich aus über den Stand der Vernetzung vor Ort und hatten bereits konkrete Vorstellungen, welche neuen Vernetzungsaktivitäten sie ausprobieren wollten. Auch hatten sie oft Leiterinnen von Kindertagesstätten oder Arbeitskreisen zum Erstgespräch eingeladen.

Eine im dritten Projektjahr besonders beliebte Vernetzungsaktivität waren Großveranstaltungen. So wurde mit dem Stadtjugendamt Ansbach eine Kontaktbörse geplant. Sie fand am 11.05.2000 von 09.00 bis 17.15 Uhr (1 Stunde Mittagspause) im Fränkischen Überlandwerk statt. Der Sitzungssaal war durch Trennwände in drei Räume aufgeteilt worden, in denen sich 15 psychosoziale Dienste, zwei Kindergärten und ein Hort mit Stellwänden und auf Tischen ausgelegten Materialien präsentierten - alle hatten die Stellwände sehr professionell mit Fotos, Plakaten u.Ä. gestaltet. In einem Raum führten Ergotherapeuten auch einen Videofilm über ihre Tätigkeit vor. Die drei Kindertageseinrichtungen beteiligten sich auf Wunsch der psychosozialen Dienste an der Ausstellung - diese wollten sich bei der Kontaktbörse über deren frühpädagogische Arbeit informieren, da ihr Kenntnisstand recht gering sei. Die Kontaktbörse begann mit einem Lied einer Kindergartengruppe, mit einer kurzen Eröffnung durch die Jugendamtsleiterin, einem Grußwort des Bürgermeisters und einem Grußwort des IFP-Mitarbeiters. Im Verlauf des Tages stellten die psychosozialen Dienste ihre Arbeit in ein bis Kurzreferaten vor, die zumeist am Vormittag und am Nachmittag gehalten wurden. Rund 40 Erzieherinnen besuchten die Kontaktbörse. Bei 21 Kindertageseinrichtungen in Ansbach bedeutet dies, dass wohl jede Einrichtung mit ein bis drei Fachkräften vertreten war. Die Vorträge hörten sich aber auch immer mehrere Mitarbeiterinnen von psychosozialen Diensten an. So führte die Kontaktbörse - unbeabsichtigt - auch zum Informationsaustausch zwischen den Fachdiensten. Zudem ergab sich eine Vielzahl persönlicher Kontakte; die vielen informellen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch wurden genutzt. Schließlich konnten die Erzieher/innen in einem Fragebogen u.a. von ihnen gewünschte Fortbildungsthemen auflisten und psychosoziale Dienste nennen, die sie gerne besuchen möchten.

Das für die Kontaktbörse zusammengestellte Präsentations- und Informationsmaterial der psychosozialen Dienste durchläuft seit Oktober 2000 als Wanderausstellung die Ansbacher Kindertagesstätten. Das Informationsmaterial jeweils einer Beratungsstelle wird im wöchentlichen Wechsel in immer einer anderen Tageseinrichtung ausgestellt. Mit dieser Aktion soll nochmals den sozialpädagogischen Fachkräften, vor allem aber den Eltern, Gelegenheit zur Information gegeben werden. Die Exponate können auch Anlass für Gespräche mit Eltern sowie für eine themenbezogene Diskussion im Team oder im Rahmen eines Elternabends sein.

Die Informationsbörse des Stadtjugendamtes Weiden i. d. OPf. fand an einem Samstag von 09.00 bis 12.00 Uhr im Kinderhaus Tohuwabohu statt. In fünf Gruppenräumen präsentierten sich mehr als 15 psychosoziale Dienste - inklusive Selbsthilfegruppen - mit Stellwänden und ausgelegten Materialien. Außerdem hatte die Fachakademie für Sozialpädagogik im Mehrzweckraum eine Ausstellung über Kinderrechte organisiert (unter Verwendung des Medienkoffers des Bundesjugendministeriums). Abgesehen von der Begrüßung durch den Jugendamtsleiter wurden im Mehrzweckraum zwei Fachvorträge angeboten: "Der Zappelphilipp - Hyperaktivität bei Kindern" (seitens der Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie) und "Keine Gewalt gegen Kinder - Signale sehen, Hilferufe hören" (seitens der Erziehungsberatungsstelle). An der Veranstaltung nahmen rund 150 Personen teil. Neben Erzieherinnen kamen auch einige Eltern, zum Teil mit ihren Kindern. Die meisten Besucher/innen blieben für mehr als eine Stunde. Bei der Nachbesprechung wurde die Meinung vertreten, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war. Die Mitarbeiter/innen der psychosozialen Dienste hätten sich ebenfalls sehr positiv geäußert - auch darüber, dass sie untereinander Kontakte aufbauen konnten. Insbesondere freie Praxen würden ansonsten sehr isoliert arbeiten.

Der Markt der Möglichkeiten des Kreisjugendamtes München fand am 09.03.2000 von 10.00 bis 16.00 Uhr im Festsaal des Landratsamtes statt. Circa zehn psychosoziale Dienste und Sachgebiete des Kreisjugendamtes hatten ihre Stände aufgebaut, die aus zwei L-förmig aufgestellten Tischen bestanden, auf denen Informationsmaterialien ausgelegt wurden. Während des ganzen Tages konnten Erzieher/innen vorbeikommen, um Informationsgespräche mit den Vertreter/innen der psychosozialen Dienste zu führen und Broschüren, Faltblätter, Stickers u.Ä. einzusammeln. Rund 60 Erzieherinnen machten von diesem Angebot Gebrauch. Bei einer Nachbesprechung, die eine Woche später erfolgte, zeigte sich das Kreisjugendamt sehr zufrieden mit der Info-Börse. Auch die Erzieher/innen hätten sich sehr positiv geäußert.

Einen anderen Weg ging das Stadtjugendamt Fürth. Hier wurden - unter Einbeziehung einer Grafikerin der Stadtverwaltung - Stellwände mit Informationen über einzelne psychosoziale Dienste bestückt. Diese Stellwände wurden erstmals bei der Abschlusstagung zum IFP-Projekt in der Stadthalle Fürth ausgestellt. Anschließend soll immer eine Stellwand in einer Kindertagesstätte für eine bestimmte Zeit aufgestellt werden und dann durch eine andere ersetzt werden. Auf diese Weise sollen auch die Eltern (und das ganze Personal) die Möglichkeit haben, sich über die jeweiligen psychosozialen Dienste informieren zu können. Da immer nur einige wenige Dienste vorgestellt werden, werden die Eltern und Erzieher/innen nicht mit Informationen überfrachtet; durch das Austauschen der Stellwände wird immer wieder das Interesse am sozialen Netz bzw. an der Vernetzung geweckt.

Einige Kindertageseinrichtungen haben auf Vorschlag des Stadtjugendamtes Fürth eine Vernetzungsbeauftragte ernannt. Sie soll sich besonders um Vernetzungsfragen kümmern, also z.B. Veranstaltungen mit psychosozialen Diensten besuchen und Informationsmaterial sammeln. Auf diese Weise werden die Leiter/innen entlastet. Ansonsten sollen in jeder Kindertagesstätte Mappen bzw. Ordner angelegt werden, in denen Faltblätter, Broschüren und anderes Informationsmaterial von psychosozialen Diensten bzw. über Sozialleistungen gesammelt werden.

Auch im dritten Projektjahr wurden wieder Beratungsführer für Kindertageseinrichtungen erstellt, so vom Stadtjugendamt Ansbach und vom Stadtjugendamt Schwabach. Bei den diesbezüglichen Besprechungen wurde mit den Jugendamtsmitarbeiter/innen und anderen anwesenden Personen geklärt, welche psychosozialen Dienste aufgelistet werden, wie sich diese präsentieren sollen (z.B. entsprechend bestimmter Leitfragen), welches Layout gewählt wird und wie der Druck finanziert werden kann. Außerdem verteilte das Stadtjugendamt Fürth einen für eine andere Zielgruppe als Erzieherinnen erstellten Beratungsführer an Kindertagesstätten.

In mehreren Jugendamtsbezirken wurden Fortbildungen für Erzieher/innen durch psychosoziale Dienste organisiert. Das Stadtjugendamt Fürth, das seit langem Fortbildungen für Erzieherinnen anbietet, nahm in sein Fortbildungsprogramm 2000 eine Seminarreihe "Vernetzung von psycho-sozialen Diensten mit Kindertagesstätten" auf, die insgesamt 10 Veranstaltungen in den Räumen des jeweiligen Dienstes umfasste. Hier stand die Vorstellung der Arbeit der psychosozialen Dienste im Vordergrund. Weitere Seminare sind für das Jahr 2001 vorgesehen. Auch das Stadtjugendamt Ansbach organisierte Fortbildungsveranstaltungen für Erzieherinnen mit Fachleuten aus psychosozialen Diensten. Diese sollten möglichst in deren Dienststellen stattfinden, sodass Erzieher/innen die Räumlichkeiten und deren Ausstattung kennen lernen können. Ansonsten sollen die früher üblichen Halbtagsfortbildungen wiederbelebt werden, die seitens des Evangelisch-Lutherischen Dekanats angeboten wurden. Zunächst sind sechs Fortbildungen pro Jahr vorgesehen.

Das Kreisjugendamt München führte eine Umfrage bei allen Kindertageseinrichtungen im Landkreis durch. Die Erzieher/innen konnten auf dem Fragebogen ankreuzen, mit welchen psychosozialen Diensten sie mehr Kontakt haben möchten. Zumeist wurden die "klassischen" Dienste wie Erziehungsberatungsstellen und Frühförderstellen angekreuzt. Eine anders geartete Umfrage wurde von dem Stadtjugendamt Weiden i. d. OPf. initiiert und soll von der Leiterin des Kinderhauses Tohuwabohu durchgeführt werden. Hier geht es um die Erfassung des Fortbildungsbedarfs - ab dem Kindergartenjahr 2000/2001 will das Jugendamt eigene Fortbildungen anbieten.

Schließlich nahm der IFP-Mitarbeiter an zwei Leiterinnenkonferenzen teil. Bei der Veranstaltung des Stadtjugendamtes Schwabach hielt er einen Kurzvortrag zum Thema "Vernetzung". Anschließend stellten sich das Sonderpädagogische Förderzentrum, einschließlich der Schulvorbereitenden Einrichtung und der Mobilen sonderpädagogischen Hilfe, sowie das Heilpädagogische Kinderzentrum mit Frühförderstelle, Mobilem Dienst und Heilpädagogischem Kindergarten vor. Zum Schluss nutzten die meisten Erzieherinnen noch die Möglichkeit, die Räume des Sonderpädagogischen Förderzentrums zu besichtigen. Bei der Leiterinnenkonferenz des Stadtjugendamtes Weiden i. d. OPf. hielt der IFP-Mitarbeiter ein Referat "Öffnung des Kindergartens", in dem Vernetzungsfragen in einem umfassenderen Kontext behandelt wurden.

6.1 Arbeitskreis "Vernetzung" der Jugendämter

Das dritte und letzte Treffen des Arbeitskreises "Vernetzung" fand am 23.03.2000 im Staatsinstitut für Frühpädagogik statt. Es nahmen sechs Mitarbeiterinnen von fünf Jugendämtern teil. Nach der Begrüßung berichtete Martin R. Textor über den Verlauf des IFP-Projekts "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" seit Beginn des Kindergartenjahres 1999/2000. Dann stellten die Mitarbeiterinnen der Jugendämter die in den letzten 12 Monaten durchgeführten Vernetzungsaktivitäten vor (z.B. Präsentation psychosozialer Dienste bei Leiterinnenkonferenzen, Beratungsführer, Fortbildungen für Erzieher/innen bzw. Fallbesprechungen seitens psychosozialer Dienste, Großveranstaltung mit Ärzt/innen und Erzieher/innen zur Abklärung der Zusammenarbeit, Vorstellung von Mitarbeiter/innen des Sozialen Außendienstes in Kindertagesstätten). Es wurde deutlich, dass durch all diese Maßnahmen eine Verbesserung der Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten erreicht werden konnte.

Am Nachmittag wurden den Teilnehmerinnen zwei Fortbildungsangebote seitens des IFP gemacht. Zunächst referierte Martin R. Textor über "Erziehen für die Zukunft" (anhand des Wissens- und Bildungsdelphis, durchgeführt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie) und anschließend Wilfried Griebel über "Der Übergang vom Kindergarten zur Schule".

6.2 Abschlussveranstaltung

Das IFP-Projekt "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Dienste" endete offiziell mit einer Abschlusstagung am 15.11.2000 in der Stadthalle Fürth. Das Programm war wie folgt:

10.00-10.15 Uhr: Begrüßung und Einführung (Dr. Martin R. Textor, IFP)

10.15-10.45 Uhr: Grundsatzreferat zur Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern, Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten (Staatssekretär Georg Schmid, MdL)

10.45-11.30 Uhr: Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten: Projektverlauf, Erfahrungen, Probleme (Dr. Martin R. Textor, IFP)

11.30-12.00 Uhr: Praxisberichte von Jugendämtern (Josefine Siefert, Stadtjugendamt Fürth, Helga Böhme, Kreisjugendamt Miesbach, Cornelia Neun, Stadtjugendamt Ansbach)

12.00-12.15 Uhr: Beratung von Kindertageseinrichtungen: Erfahrungen mit Vernetzung (Dagmar Winterhalter-Salvatore, IFP)

12.15-12.30 Uhr: Praxisberichte von Kindertageseinrichtungen (Brigitte Grimm, Kindergarten Gustav Adolf, Schweinfurt, Theresia Gerhard, AWO-Kindergarten Würzburg, und Christine Schubert, Schulkindergarten Heiligkreuz, Würzburg)

12.30-13.00 Uhr: abschließende Diskussion

In der Stadthalle fand gleichzeitig die Ausstellung des Stadtjugendamtes Fürth über psychosoziale Dienste statt.

6.3 Schlussbemerkung

Das dritte Projektjahr verlief etwas anders als die beiden vorausgegangenen. Die sechs betreuten Jugendämter hatten bereits zum Zeitpunkt der Erstgespräche genaue Vorstellungen über Vernetzungsaktivitäten, die sie ausprobieren wollten. Diese wurden in der Folge auch weitgehend von den Jugendämtern selbst organisiert und durchgeführt. So fühlte sich der IFP-Mitarbeiter manchmal überflüssig. Dies ist aber als Erfolg des IFP-Modellversuchs zu bewerten: In den beiden ersten Projektjahren wurden neue Vernetzungsaktivitäten erprobt und so ausführlich dokumentiert bzw. bei den Fachtagungen vorgestellt, dass die erst im dritten Jahr intensiver betreuten Jugendämter auf detaillierte Vorinformationen bei der Planung ihrer Vorhaben zurückgreifen konnten. Es ist anzunehmen, dass Ähnliches auch für nicht am IFP-Projekt teilnehmende Jugendämter gilt: Durch die ihnen gebotene Möglichkeit, an der Einführungsveranstaltung, einer Fachtagung und der Abschlusstagung teilzunehmen, durch die Zusendung des Zwischen- und des nun vorliegenden Abschlussberichts sowie durch die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften (siehe Kapitel 11.3) dürften sie ausführliche Informationen erhalten haben, auf die sie bei der Planung eigener Vernetzungsaktivitäten zurückgreifen können.

Ansonsten zeigte sich auch im dritten Projektjahr, dass mit relativ geringem Aufwand die Vernetzung von Kindertagesstätten mit psychosozialen Diensten durch die Jugendämter verbessert werden kann. Hierzu kann jetzt auf eine ganze Palette von während des IFP-Projekts erprobten Maßnahmen zurückgegriffen werden. Es bleibt zu hoffen, dass viele Jugendämter nun motiviert sind, neue Vernetzungsaktivitäten anzugehen bzw. die bereits durchgeführten fortzusetzen.

 

7. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Kindertageseinrichtungen

Dagmar Winterhalter-Salvatore

Im dritten Projektjahr wurden sechs Kindertagesstätten intensiver betreut. Im Folgenden wird über die geplanten und durchgeführten Vernetzungsaktivitäten sowie über die bei fünf dieser Einrichtungen gesammelten Erfahrungen berichtet. Die sechste Kindertagesstätte - der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche" in Erlangen - stellt die erprobten Maßnahmen selbst vor (siehe Kapitel 8.4).

7.1 Kindergarten St. Michael, Amberg

Der viergruppige Kindergarten liegt am Stadtrand von Amberg. Eine Wohnanlage aus den 70er Jahren prägt das Umfeld. Der Flachbau des Kindergartens ist eingebettet in die Pfarrgemeinde. Erst beim zweiten Blick erkennt man die architektonischen Besonderheiten, sowohl in der Gestaltung des Gartens als auch in der Innenausstattung der Gruppenräume. Kunstvolle Einbauten, die von einem Kindergartenvater geschaffen wurden, eröffnen Nischen und Ecken für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder. Hier können die Kinder ihre Kreativität ausleben, sich zurückziehen oder ihrem Entdeckungsdrang nachgehen. Hundertwassers Naturhaus und ein orientalischer Tempel dienten z.B. als Vorbilder. Diese individuelle Gestaltung setzt sich im Garten fort: "Gewürzschnecken" laden zu einer Duftreise ein, und das "unwegsame" Gelände fordert den Abenteuergeist der Kinder heraus. Aber nicht nur die Gestaltung der Innen- und Außenräume vermittelt das Gefühl von Willkommensein. In den Fluren treffen wir Eltern und Großeltern wie auch Schulkinder, die zur Mittagsbetreuung kommen, - die sich alle wohl zu fühlen scheinen.

Die Pädagogik bedingt die Vernetzung

In der Konzeption des Kindergartens St. Michael heißt es: "Gerade durch die stark familienbedingte Arbeit stießen wir zunehmend an unsere fachlichen und persönlichen Grenzen. Wir machten uns deshalb vor über 10 Jahren auf die Suche nach Ansprechpartnern für die Unterstützung von Familien und uns Erzieherinnen:

  • Besuche bei den zuständigen Mitarbeiter/innen vom ASD im Jugendamt,
  • Einladen der zuständigen Sozialpädagogin in unser Team,
  • Kontakt zum kommunalen Jugendpfleger,
  • Kontakte zum Förderzentrum - Einfordern einer ambulanten Sprachtherapie für die Kinder der Einrichtung,
  • Kennenlernen der Therapeuten der Suchtberatungsstelle,
  • Kontakte zu den Vertretern vom Gesundheitsamt.

Das Kennenlernen der Ansprechpartner und ihrer Aufgabengebiete war gleichzeitig die Grundlage für weitere Kontakte und den Vertrauensaufbau. Durch die Einzelintegration von behinderten Kindern in unserer Einrichtung kam es ferner zur Vernetzung

  • mit Physiotherapeutin, Kinderärztin und Neurologin,
  • mit Mitarbeitern der Pädoaudiologischen Beratungsstelle.

Durch diese Aktivitäten erhielten wir immer mehr Informationsmaterial. Es reichte uns nicht mehr, dieses im persönlichen Gespräch an Betroffene weiterzugeben - wir wollten auch diejenigen erreichen, die sich nicht öffnen konnten oder wollten. So richteten wir im Eingangsbereich unseres Kindergartens einen Kommunikations- und Informationsbereich für Eltern ein. In einem weiteren Schritt machten wir uns an die Erstellung eines Beratungsführers."

Konkrete Arbeitsschritte während des Projektjahres

Der hohe Anteil allein erziehender Eltern und auch die Zunahme von Familiensorgen und -problemen wie

  • Aussiedlerfamilien mit sprachlichen und sozialen Integrationsproblemen,
  • Arbeitslosigkeit,
  • zunehmende Verschuldung,
  • Familien in Spannungssituationen (Trennung, Scheidung) sowie
  • Vernachlässigung von Kindern aus unterschiedlichen Gründen

wirken sich maßgeblich auf die Kinder und damit das Leben im Kindergarten aus. Schwerpunkte der weiteren Vernetzungsaktivitäten des Kindergartens waren

  • kontinuierliche Zusammenarbeit, fachlicher Austausch und gegenseitige Beratung mit der zuständigen Erziehungsberatungsstelle sowie
  • Entwicklung einer kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialarbeiter des ASD zur Unterstützung und zum gegenseitigen Informationsaustausch neben der bisherigen fallbezogenen Kooperation mit dem Jugendamt.

Die Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatungsstelle war nach anfänglichen Schwierigkeiten auf fruchtbaren Boden gefallen. Beim ersten Treffen wurde das Problem allein erziehender Eltern aus Sicht des Kindergartens thematisiert. Die Erzieherinnen berichteten über die positive Resonanz auf beiden Seiten und über das Erstaunen der Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle über die Fachlichkeit und Kompetenz des Kindergartenpersonals. Bei einem weiteren Treffen werden nun die Fachkräfte der Beratungsstelle über das Thema hypermotorische Störungen referieren. In einem festgelegten Turnus sollen diese gemeinsamen Treffen weitergeführt werden.

Die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialarbeiter des ASD war von Anfang an durch Effizienz und gegenseitige Wertschätzung getragen. Neben oft täglichen Telefonaten finden regelmäßige Besprechungen statt. Im Vordergrund der Gespräche stehen aktuelle Familienproblematiken, aber auch die Planung präventiver Maßnahmen für Kinder und Jugendliche im Stadtteil.

Durch die Zusammenarbeit mit dem ASD kam es zu Kontakten mit dem Amberger Kommunikationszentrum. Dieses wurde ursprünglich als Treffpunkt und Informationsbörse für Familien mit unterschiedlichen Anliegen aufgebaut. In der Zwischenzeit wird es fast ausschließlich von Aussiedlerfamilien genutzt. Die Mitarbeiterin dieses Zentrum ist an einer Zusammenarbeit mit dem Kindergarten St. Michael und dem ASD sehr interessiert. Es wird nun erwogen, gemeinsam Gesprächskreise zu initiieren, um Familien besser unterstützen zu können und die Angebote für Eltern und Kinder im Stadtteil zu erweitern.

Der Kindergarten St. Michael fungiert als Dreh- und Angelpunkt unter den verschiedenen Fachdiensten Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle, Kommunikationszentrum für Familien und Frühförderstelle. Die Resonanz dieser Einrichtungen in Bezug auf Kooperation und gegenseitige Unterstützung ist durchwegs positiv, und die Vernetzung wird auch weiterhin ein Schwerpunkt im Konzept des Kindergartens sein.

7.2 Gemeindekindergarten Eurasburg

Der neu erbaute und großzügig angelegte Kindergarten liegt in der kleinen Gemeinde Eurasburg im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen. Die Umgebung des dreigruppigen Kindergartens ist geprägt von Einfamilienhäusern mit Gärten, von Wiesen und Feldern. Die Kinder kommen zum größten Teil aus intakten Mittelschichtfamilien mit mehreren Geschwistern; der Anteil allein erziehender Eltern ist sehr gering. Der architektonisch gut gelungene Kindergarten besticht durch sein weiträumiges Platzangebot. Die Kinder haben hier vielfältige Möglichkeiten, sich über drei Ebenen Spielräume zu schaffen und sich ungestört zu bewegen, aber auch durch Rückzugsmöglichkeiten ihrem Bedürfnis nach Ruhe nachzukommen.

Aktivitäten in der Vernetzungsarbeit

Obwohl von Seiten der Eltern keine schwerwiegenden sozialen Probleme bestehen und auch bei den Kindern keine gravierenden Entwicklungsdefizite oder Verhaltensstörungen vorliegen, ist das Team des Gemeindekindergartens Eurasburg sehr gut in das Netz unterschiedlicher psychosozialer Dienste integriert:

  • Amt für Jugend und Familie: Die Fachberaterin ist eine wichtige Ansprechpartnerin für die Einrichtung. Sie berät und unterstützt das Team in allen Bereichen. So wurde z.B. in einem Treffen von Erzieherinnen und Kinderärzt/innen Entwicklungsraster vorgestellt und diskutiert.
  • Beratungsstelle für Eltern und Jugendliche: Mit dieser Beratungsstelle finden regelmäßige Treffen statt. Das Team wird bei Erziehungsfragen beraten, und es werden gemeinsame Elterngespräche durchgeführt.
  • Mobiler Heilpädagogischer Dienst: Einmal die Woche kommt eine Heilpädagogin in den Kindergarten, die vor allem Kinder vor dem Schuleintritt betreut. Sie berät und unterstützt das Team bei der Förderung einzelner Kinder und berät die Eltern bei Fragen der Schulfähigkeit.

Weiterentwicklung der Vernetzungsarbeit

Drei weitere Punkte waren dem Team des Gemeindekindergartens Eurasburg bei ihrer Vernetzungsarbeit wichtig:

  • Zusammen mit einer Physiotherapeutin wird im Kindergarten ein Projekt zur Rückenschulung für Vorschulkinder durchgeführt. Dieses Projekt stieß bei Kindern und Eltern auf große Resonanz und soll weitergeführt werden.
  • Für das gesamte Kindergartenteam wurde eine Fortbildung "Spracherziehung von Kindern" seitens der Heilpädagogin des Mobilen Dienstes durchgeführt. Dieser Förderaspekt soll in Zukunft durch die enge Zusammenarbeit beider Einrichtungen Schwerpunktthema bleiben.
  • Die positiven Ansätze in der Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der Grundschule sollen intensiviert und zu kontinuierlichen Treffen ausgebaut werden. Vier Lehrkräfte besuchten bereits den Kindergarten und zeigten großes Interesse an der pädagogischen Arbeit und den bestehenden Vernetzungsaktivitäten.

Beratungsführer für Eltern und interessierte Kolleg/innen

Ein Grund für die Erstellung eines Beratungsführers liegt in der geografischen Lage des Kindergartens begründet. Ein Großteil der psychosozialen Dienste ist nicht in Eurasburg selbst angesiedelt sondern weit verstreut in den Nachbarorten oder im fernen Bad Tölz. Diese Orte sind meist schlecht oder gar nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Oft sind die Eltern über die Existenz dieser Beratungsstellen oder über deren Angebote nur schlecht informiert. Die mangelnde Information verstärkt die Scheu vieler Eltern, sich an Fachdienste zu wenden.

Für die Vernetzungsarbeit des Kindergartens in Eurasburg schien es notwendig zu sein, einen Beratungsführer zu konzipieren, der die unterschiedlichen Beratungsstellen und ihre Erreichbarkeit aufzeigt, aber vor allem die verschiedenen therapeutischen und medizinischen Angebote erläutert. Die psychosozialen Fachdienste wie z.B. Erziehungsberatungsstelle, Frühförderstelle, Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatungsstelle sowie Sondereinrichtungen sollen ihre Arbeit und ihre Angebote für die Kinder und deren Familien im Kindergartenbereich vorstellen. Ferner soll eine Adressenliste der niedergelassenen Therapeuten und Ärzte angefügt werden. Der Beratungsführer soll Anfang Herbst in Druck gehen und kann dann allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

7.3 Kindergarten St. Elisabeth, Passau

Der Kindergarten St. Elisabeth ist im Erdgeschoss eines ehemaligen Einkaufszentrums untergebracht. Der Bau stammt aus den 60er Jahren; die Kindergartenräume wurden allerdings vor vier Jahren umgebaut und im Sinne der situationsorientierten Arbeitsweise der Erzieherinnen ausgestaltet.

Im Einzugsbereich des Kindergartens entstand in den letzten Jahren ein sozialer Brennpunkt mit sozial schwachen Familien. Besonders Familien mit mehrfachen Problemlagen wie Alkoholmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder Gewalttätigkeit sind in hoher Konzentration anzutreffen. Diese Probleme sind auch bei den Kindern im Kindergarten deutlich bemerkbar. Nach Aussagen der Leiterin braucht fast jedes Kind eine individuelle Förderung und Unterstützung in seiner Gesamtentwicklung; viele leiden unter Entwicklungsauffälligkeiten und Verhaltensstörungen. Aber auch viele Eltern benötigen Beratung und Hilfen für den Alltag.

Das schwierige Umfeld des Kindergartens verlangt eine gute Vernetzung mit unterschiedlichen Diensten. Nachdem ein Großteil der Eltern vom Jugendamt betreut wird, ist ein reger Austausch mit diesem gefordert. Der Mobile Dienst der Frühförderstelle betreut einen Teil der Kinder.

Auf Initiative der Leiterin des Kindergartens wurden alle kooperierenden Fachdienste mehrfach zu einem Gesprächsaustausch in den Kindergarten geladen. Alle Einrichtungen signalisierten Interesse, auch weiterhin zum Wohle der Kinder und zur Unterstützung der Eltern eng zusammenzuarbeiten. Leider kommen diese Gesprächsrunden immer nur durch das Engagement der ohnehin überlasteten Erzieherinnen zustande.

Planung einer Koordinierungsstelle

Schon beim ersten Treffen mit der IFP-Mitarbeiterin wurde von der Leiterin und dem Team der Wunsch geäußert, durch eine Anlaufstelle - die mit einem kompetenten Sozialpädagogen besetzt sein sollte - Entlastung von der aufwendigen Beratungs- und Koordinierungsarbeit zu erhalten. Diese Stelle könnte in enger Kooperation mit den Kindergärten und Horten des Stadtviertels präventiv und situativ auf Probleme und Belange der Kinder und deren Familien eingehen.

Bei zwei konstituierenden Sitzungen, an denen der Träger des Kindergartens und ein Vertreter der Caritas der Stadt Passau sowie (beim zweiten Treffen) die zuständige Fachberaterin teilnahmen, wurde über eine Koordinierungsstelle für den Stadtteil diskutiert. Allen Beteiligten war die schwierige Situation bekannt; untermauert wurde dies durch aktuelle Vorkommnisse von Gewaltdelikten, von denen auch in der Presse berichtet wurde.

Konzeptentwurf für eine Koordinierungsstelle

Ausgangslage:

Sozial schwache Familien - Situationsbeschreibung vom Multiproblemfamilien: Viele Familien und vor allem Teilfamilien sind von Arbeitslosigkeit und Verschuldung betroffen. Eine Zunahme von Gewaltdelikten, Drogenmissbrauch, Alkoholkonsum, Gewalt und Missbrauch von Kindern ist zu verzeichnen. Der Kindergarten kann alleine diesen vielfältigen Problematiken nicht gerecht werden; er ist aber erste oder oft einzige Anlaufstelle, an die sich die Eltern und Kinder vertrauensvoll wenden. Eine Koordinierungsstelle könnte präventive Maßnahmen anbieten und so voraussehbaren Einschnitten bei den Familien wie Heimunterbringung, Entzug der elterlichen Sorge etc. vorbeugen.

Grobziele:

(1) Prävention: Das Beratungsangebot könnte gebündelt und damit effizient an die Familien vermittelt werden. Ad hoc könnten Hilfen für die Alltagsbewältigung gewährt werden.

(2) Koordination: Die Komplexität der Problemlagen bedarf einer familiengerechten Strukturierung. Die unterschiedlichen Leistungen von Fachdiensten und Behörden müssen koordiniert werden und überschaubar für die Betroffenen sein.

(3) Ziele zur Verbesserung der Situation im Stadtteil:

  • Entlastung der Kindergärten in der oft nicht zu leistenden Arbeit mit Problemfamilien.
  • Kinder und Jugendliche sollen verstärkt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden. Unter Beteiligung unterschiedlicher therapeutischer und medizinischer Fachdienste sollen die Defizite in der Entwicklung der Kinder behoben werden.
  • Die Sozialkompetenz von Kindern und deren Familien soll gestärkt bzw. aufgebaut werden. Handlungsmuster und Konfliktlösungsstrategien sollen erlernt und ausprobiert werden.
  • Die verschiedenen Hilfsangebote sollen aufeinander abgestimmt werden und einander ergänzen.
  • Die Einflussnahme auf den sozialen Wohnungsbau, d.h. Renovierung der Wohnungen, Vermittlung größerer Wohnungen an kinderreiche Familien etc., soll effizienter werden.
  • Besonders Alleinerziehenden soll ihre Lebenssituation erleichtert werden, indem durch Kontaktangebote ihre Isolation aufgebrochen wird.
  • Die Koordinierungsstelle soll Anlaufstelle werden für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in akuten Krisen befinden.
  • Eltern sollen aber auch in ihrer Verantwortung für die Familie sowie für die Erziehung und Förderung ihrer Kinder unterstützt werden.

Aufgaben der Koordinierungsstelle:

  • enge Kooperation mit den Kindergärten und Horten zum Informationsaustausch und zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung,
  • Zusammenarbeit mit Ämtern, Behörden und Fachdiensten im Sinne der Bündelung von Angeboten,
  • Koordination der Hilfsangebote zur Vermeidung von Überversorgung,
  • Abbau von Schwellenangst sowie
  • Gewinnung von Ehrenamtlichen im Sinne der Verantwortung für die Gesellschaft.

Personelle und räumliche Ausstattung:

Wünschenswert wäre ein Sozialpädagoge, der bereits Erfahrung in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit besitzt. Für ihn sollte vorzugsweise eine Wohnung angemietet werden, die zentral im Stadtteil liegt. Der aufsuchende Charakter dieser Beratungsstelle soll die Nähe zu den Klienten untermauern und Schwellenängste vermeiden.

Hürden bei der Gründung der Koordinierungsstelle

Obwohl allen Beteiligten die Notwendigkeit einer solchen Anlaufstelle bewusst ist, liegt das Hauptproblem bei ihrer Finanzierbarkeit. Mit allen Gesprächspartnern wurden verschiedene Finanzierungsmodelle durchgesprochen. An erster Stelle wäre die Stadt Passau als Hauptkostenträger gefragt. Durch die Initiativen der Organisatoren konnten bereits auch Firmen und kleinere Betriebe von der Notwendigkeit überzeugt werden, als Sponsoren einen kleinen Betrag zur Deckung der Kosten beizutragen.

Die endgültige Gründung dieser Koordinierungsstelle wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Sie wird zeitlich nicht vor Abschluss des IFP-Projekts stattfinden.

7.4 Kinderhort St. Franziskus, Passau

Diese Einrichtung beherbergt einen Grund- und Hauptschulhort, der derzeit von ca. 40 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 15 Jahren besucht wird. Die Kinder werden in unterschiedlichen Schularten unterrichtet. Das Umfeld der Einrichtung ist einerseits vom sozialen Wohnungsbau und andererseits von Einfamilienhäusern geprägt. Die Anzahl arbeitsloser Eltern ist sehr hoch; es sind derzeit über 50% aller Eltern. Von diesem Problem sind in erster Linie die allein erziehenden Mütter schwer betroffen. Von ca. 40 Familien werden 32 vom Jugendamt betreut und gefördert. Die Armut in den Familien zeigt sich auch ganz gravierend in den Problemen der Kinder und Jugendlichen. So ist z.B. die Zunahme von Diebstählen in den beiden Hortgruppen eines der aus der Armut resultierenden Probleme.

Bestehende Vernetzungsaktivitäten

Derzeit wird mit dem Jugendamt und dem Allgemeinen Sozialdienst kooperiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich die Zusammenarbeit mit ihnen wesentlich verbessert. Der hohe Prozentsatz betreuter Familien macht eine kontinuierliche und effektive Kooperation unabdingbar. Die Jugendamtsmitarbeiter unterstützen die Erzieherinnen vor Ort, sind an Elterngesprächen beteiligt und beraten die Erzieherinnen bei spezifischen Problemfällen.

Auch mit dem Förderzentrum wird intensiv kooperiert; ein effektiver Informations- und Erfahrungsaustausch findet mit den Sonderschullehrern statt. Vor allem bei den Problemen Jugendkriminalität, Gewalt und Drogen bewährt sich der offene vertrauensvolle Kontakt. Das Förderzentrum praktiziert seit Jahren ein vorbildhaftes Modell, bei dem Vertrauenslehrer Schüler/innen, Eltern und Horterzieherinnen bei Problemen und Konflikten beraten.

Aufbau weiterer Vernetzungsaktivitäten

Ein großes Anliegen der Erzieherinnen wäre eine kooperative Zusammenarbeit mit der Grund- und Hauptschule des Sprengels. Leider war trotz vieler Versuche keine Resonanz bei der Lehrerschaft zu verzeichnen. Der Hort befürchtet auch, dass nach der Gründung einer Mittagsbetreuung an der Schule, die mit viel Negativwerbung bezüglich des Hortes eröffnet wurde, manche Eltern - auch aus finanziellen Gründen - ihre Kinder nicht mehr in den Hort schicken könnten. Die Erzieherinnen wünschen sich, dass sie an einem Tisch mit Lehrern und Betreuerinnen der Mittagsbetreuung die Belange der Kinder diskutieren und Zukunftsplanungen erörtern können.

Ein erster Schritt in diese Richtung war die Erstellung eines Flyers, in dem kurz und prägnant die pädagogischen Ziele und Förderinhalte des Hortes, die Rahmenbedingungen und die wichtigsten Vernetzungspartner dargestellt werden. Dieser Flyer soll Eltern, Fachdiensten und vor allem der Schule zur Erstinformation dienen. Die Leiterin möchte erreichen, dass der Hort z.B. bei der Schuleinschreibung und bei Festen genauso wie die Mittagsbetreuung die Möglichkeit erhält, sich als Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit einem eigenen pädagogischen Auftrag zu präsentieren. Dieser Flyer liegt im Rohentwurf vor und soll im Herbst in Druck gehen.

Bei allen Vernetzungsaktivitäten des Hortes kommt der von der Leiterin geäußerte Grundsatz zum Tragen, dass sich die Erzieherinnen selbst qualifizieren müssen. Jede einzelne Fachkraft muss ihre eigenen Kompetenzen ausbauen und Defizite ausmerzen. Bei einer so schwierigen Klientel wie in diesem Stadtteil ist es wichtig, in brenzligen Situationen Soforthilfe zu leisten. Lange Diskussionen oder langfristige Terminvergabe bei psychosozialen Fachdiensten würden vielen Konfliktsituationen nicht gerecht werden. Hier müssen die Erzieherinnen, zu denen die Kinder, aber auch die Eltern das meiste Vertrauen haben, schnell und kompetent handeln.

7.5 Kindergarten Gustav Adolf, Schweinfurt

Der Gustav-Adolf-Kindergarten liegt in einer traditionellen Arbeitersiedlung aus den 30er Jahren, zentral zur Stadtmitte. Durch die Umwandlung und Schließung von Kleinbetrieben wurden viele Arbeitnehmer arbeitslos und zogen in andere Gegenden. In der Zwischenzeit sind die Wohnblöcke hauptsächlich von Umsiedlerfamilien und ausländischen Mitbürgern bewohnt. Dementsprechend ist die Zahl ausländischer Kinder im Kindergarten sehr hoch. Nach Angaben der Erzieherinnen gelingt die Integration der Kinder und der Eltern sehr gut - trotz oft erheblicher Sprachprobleme.

Aufgrund der christlichen Prägung des Kindergartens liegt ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit auf der Vermittlung christlicher Grundwerte. An den Kirchenfesten nehmen auch Kinder mit anderer Religionszugehörigkeit teil, und deren Eltern engagieren sich ebenfalls. Beispielsweise gehen die muslimischen Eltern beim St. Martins-Umzug mit. Das gute Gelingen dieser Integration erklären die Erzieherinnen mit einer offenen Haltung, die geprägt ist von gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz.

Die Vernetzung mit psychosozialen Fachdiensten

Der Gustav-Adolf-Kindergarten praktizierte zu Beginn der Beratungen noch keine kontinuierlichen Vernetzungsaktivitäten. Gute Kontakte bestehen zur nahe gelegenen Grundschule, zum angrenzenden Hort und sporadisch zur Frühförderstelle und zum Jugendamt.

Von Anfang an zeigte sich das gesamte Team und der Träger, Herr Pfarrer Dr. Meyer, sehr motiviert, konstante Kooperationsformen mit psychosozialen Fachdiensten aufzubauen, um einerseits konkrete Hilfen für die Kinder und deren Eltern sowie andererseits Unterstützung zur eigenen Kompetenzerweiterung zu erhalten.

Verschiedene Modelle wurden diskutiert. Der Vorschlag der Leiterin, Kontakt zum Heilpädagogischen Zentrum "Haus Marienthal" aufzunehmen, wurde aufgegriffen - auch weil bekannt war, wie vorteilhaft die Zusammenarbeit für den Kinderhort "Mitte" ist. Bis zum nächsten Treffen sollte geklärt werden, ob die Fachdienste dieser Sondereinrichtung eventuell mit dem Kindergarten kooperieren könnten.

Beim zweiten Treffen waren anwesend:

  • der Träger des Kindergartens, Herr Pfarrer Dr. Meyer,
  • die Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm,
  • drei Gruppenleiterinnen,
  • der Leiter des Hauses Marienthal, Herr Schurz, sowie
  • der Fachbereichsleiter und Psychologe des Hauses Marienthal, Herr Bohn.

Von Anfang an wurde von allen Seiten die Bereitschaft signalisiert, in Zukunft kontinuierlich zusammenzuarbeiten. Das Haus Marienthal betreut Kinder und Jugendliche in ganz Schweinfurt, die von körperlicher oder seelischer Behinderung bedroht sind. Seit einem Jahr unterliegt ihm auch die Fachaufsicht für alle Horte im Stadtgebiet. Es erfolgt eine wöchentlich Beratung oder auch Supervision.

Bei diesem Treffen standen bereits Detailfragen zur Finanzierung und zum notwendigen Zeitkontingent - vor allem der Sondereinrichtung - im Mittelpunkt. Es wurde angezielt, einen festen Vernetzungskreis aufzubauen, der fachspezifisch kooperiert und den Familien stadtteilbezogen Hilfe und Unterstützung anbietet. Sinnvoll erschien es, den Hort "Mitte" und Ansprechpartner in der Grundschule für diesen Vernetzungskreis zu gewinnen. Bis zum nächsten Treffen sollten alle beteiligten Institutionen ihre Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume eruieren und konkrete Vorschläge für die Kooperation ausarbeiten.

Beim dritten Treffen berichtete die Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm, über die vielfältigen Initiativen der beteiligten Einrichtungen. Die Kooperation zwischen dem Kindergarten und dem Haus Marienthal wurde vorerst auf die Bereiche Diagnostik, Therapie, Übungsbehandlung, Beratung und Fortbildung beschränkt. Auch die zuständige Sprengelschule, die Friedrich-Rückert-Grundschule, signalisierte großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem "Vernetzungskreis".

Der Arbeitskreis "Vernetzung" besteht nun aus folgenden Mitgliedern:

  • Leiterin des Kindergartens und Gruppenleiterinnen,
  • Leiterin des Kinderhortes,
  • Ansprechpartner der Grundschule (anwesend war bisher der Rektor der Grundschule, Herr Wissmüller),
  • Fachbereichsleiter und Psychologe im Haus Marienthal sowie
  • der Träger des Kindergartens.

Zum Zustandekommen des Vernetzungskreises trug die bereits gute Kooperation zwischen Kindergarten, Schule und Hort bei. Die Lehrkräfte der Grundschule hospitieren im Kindergarten, um Kontakte zu den künftigen Erstklässlern aufzunehmen. An einem Jahresgespräch vor der Einschulungskonferenz nehmen neben allen Lehrkräften auch die Leiterinnen der benachbarten Kindergärten und des Hortes teil. Beim Besuch der Vorschulkinder in der Schule werden Patenschaften übernommen, und die Kinder lernen die zukünftigen Lehrer/innen kennen. Auftretende Schulprobleme werden von den Lehrkräften und den Pädagoginnen des Hortes gemeinsam besprochen.

Auf Wunsch des Kindergartenteams soll mit einem Kompakttraining durch den Fachdienst der Sondereinrichtung "Haus Marienthal" in Form eines Fortbildungsblockes begonnen werden. Schwerpunktthemen sollen sein:

  1. Erkennung von Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen,
  2. Umgang mit den betroffenen Kindern,
  3. Elternarbeit und Konfliktgespräche sowie
  4. fallbezogene Beobachtung und Auswertung.

Folgende Kooperationsformen sollen künftig als feste Bestandteile der Zusammenarbeit festgeschrieben werden:

  1. Zusammenarbeit von Friedrich-Rückert-Grundschule und Gustav-Adolf-Kindergarten: Treffen der Lehrer/innen der ersten beiden Jahrgangsstufen mit den Erzieherinnen zum gemeinsamen Austausch. Mehrere kleinere Treffen vor und nach der Einschulung (die bestehenden Formen bleiben somit weiterhin Bestandteil der Kooperation).
  2. Kontinuierliche Treffen des Vernetzungskreises unter verschiedener Themenstellung wie:
    • Übergangsbegleitung von Kindern,
    • frühzeitige Einschulung - neue Schulreform, Konsequenzen für den Elementar- und Schulbereich.

Vonseiten des Rektors kam auch der Vorschlag, relevante Themen zusammen mit dem Elementarbereich in die Lehrerfortbildung in Dillingen einzubringen. Ein wichtiger Punkt sei z.B. die Information der Kindergärten über unterschiedliche Schulformen wie z.B. Diagnose- und Förderklassen.

Neben dem gegenseitigen Gesprächsaustausch soll es auch zum Austausch von Materialien kommen: Gute Kinderbücher und Spiele aus der Kindergartenbücherei sollen vor allem den Erstklasslehrer/innen zur Unterrichtsergänzung ausgeliehen werden. Kindgerechte Arbeitsmaterialien zum ersten Rechnen, Lesen oder Schreiben soll den Pädagoginnen des Hortes und des Kindergartens zur Verfügung gestellt werden. Neue Lernmethoden und Lernmaterialien - vor allem zum Spracherwerb - sollen gemeinsam diskutiert werden.

Beim vierten und letzten Treffen wurde ein Zeitplan ausgearbeitet und die Vernetzungsarbeit als Teil des Konzepts von Kindergarten, Hort und Schule festgeschrieben.

Als Resümee muss gesagt werden, dass durch das große Engagement der Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm, und durch die ständige Präsenz und das Interesse des Trägers innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiger Vernetzungskreis etabliert wurde. Auch hier wurde - wie vielerorts - die positive Erfahrung gemacht, dass der Wunsch zur Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen auf großes Interesse und viel Entgegenkommen stößt.

 

8. Praxisberichte

8.1 Stadtjugendamt Hof

Hannelore Fischer

Im Rahmen der Kindergartenfachberatung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich, wie wenig Kooperationsformen zwischen Kindertagesstätten und sozialen Diensten tatsächlich bestehen. In der Praxis führte dies dazu, dass einerseits notwendige Hilfen für die Familien und Kinder nicht oder nur sehr spät angeboten wurden und andererseits sich die Mitarbeiter/innen in den Kindergärten und Horten vielfach allein gelassen und überfordert fühlten. Um hier Abhilfe zu schaffen, entschloss sich das Stadtjugendamt Hof zur Teilnahme an dem Modellprojekt des IFP, da die Ziele des Projekts genau auf diese Problemlagen zugeschnitten sind.

In der ersten Projektphase wurde der Stand der Vernetzung vor Ort abgeklärt und folgende Projektziele für die Stadt Hof entwickelt:

  1. Vermittlung von Kenntnissen über psychosoziale Dienste an alle Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen: Hintergrund war die Tatsache, dass sich bisherige Angebote nur an die Leiter/innen richteten, die Probleme und Fragen aber häufig bei den Fachkräften in den Gruppen auftreten und hier der Elternkontakt stattfindet.
  2. Vernetzung der vorhandenen Einrichtungen zur Schaffung eines mobilen heilpädagogischen Dienstes: Hintergrund hierfür war die laufend erhobene Bedarfsanmeldung aus den Kindertagesstätten nach einem derartigen Dienst, wobei allerdings noch nicht geklärt ist, ob von diesem Dienst in erster Linie eine Beratung des Fachpersonals bei schwierigen Kindern oder eine Förderung der betroffenen Kinder geleistet werden soll.

Um Informationen über den Kenntnisstand aller Mitarbeiter/innen (Leiter/innen, Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen, Praktikant/innen) der Kindertagesstätten über die in der Stadt Hof vorhandenen sozialen Dienste und den Grad der Zusammenarbeit zu erhalten, wurde ein Fragebogen entwickelt. Es wurde abgefragt, inwieweit die verschiedenen psychosozialen Dienste und Angebote des Jugendamtes bekannt sind und ob mit diesen Institutionen zusammengearbeitet wird.

Die Kolleg/innen der Kindergärten und Horte beteiligten sich mit Rücklaufquoten von 78,5 % im Kindergarten- und 64 % im Hortbereich sehr rege an der Umfrage. Die Auswertung ergab eine Zusammenarbeit mit den "klassischen" sozialen Diensten (Frühförderung, Psychologische Beratungsstelle, mobile sonderpädagogische Hilfen - Sprachförderung - ), während ein Großteil der übrigen psychosozialen Dienste nur dem Namen nach oder gar nicht bekannt war. Dies betraf sowohl die Hilfs- und Beratungsangebote des Jugendamtes als auch alle anderen sozialen Dienste in Hof.

Aus dieser Erkenntnis heraus entstand der Plan einer "Kontaktbörse", bei der sich die psychosozialen Dienste vorstellen und Verbindungen zwischen den Kindertageseinrichtungen und ihnen geknüpft werden sollten. Die Resonanz auf unser Anliegen war bei den psychosozialen Diensten sehr groß. An der Vorbesprechung beteiligten sich 15 Dienste sowie mehrere Kollegen vom Jugendamt aus unterschiedlichen Sachgebieten. Dabei wurde deutlich, dass auch die Dienste untereinander teilweise wenig Kontakte haben und hier ebenfalls ein Informations- und Vernetzungsbedarf besteht.

Um eine möglichst breite Darstellung des bestehenden Angebots an sozialen Diensten zu gewährleisten und den Fachkräften der Kindertageseinrichtungen eine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Auswahl zu ermöglichen, fand die Kontaktbörse parallel in mehreren Räumen des "Jugendzentrums Q" statt. Jeweils ca. 45 Minuten lang hatten die sozialen Dienste und Einrichtungen Zeit, sich vorzustellen, über Arbeitsschwerpunkte zu berichten, Kooperationsmöglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit darzustellen und den Mitarbeiter/innen der Kindergärten und Horte, aber auch interessierten Mitarbeiter/innen anderer Fachdienste und Lehrer/innen, für Fragen zur Verfügung zu stehen.

Zur Kontaktbörse eingeladen waren alle Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen und sonstigen Mitarbeiter/innen von Kindergärten, Horten und anderen Kindertageseinrichtungen, aber auch interessierte Mitarbeiter/innen von sozialen Einrichtungen, Elternbeiräte, Trägervertreter und Lehrer/innen. Aufgrund der Organisationsform der Veranstaltung war es möglich, sich gezielt über Dienste und Gruppen zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen. Damit soll zukünftig die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeiter/innen in den Kindergärten und Horten sowie den Fachleuten der sozialen Einrichtungen erleichtert und eine Weitervermittlung von Eltern und Kindern an die "richtigen" Hilfeeinrichtungen gefördert werden.

Folgende Einrichtungen und Dienste stellten sich am 21.06.1999 ein- oder mehrmals vor:

  • Gesundheitsamt: Beratung bei Schwangerschaft und Sexualfragen (finanzielle Hilfe, Ehe- und Paarberatung),
  • Gesundheitsamt: Psychosoziale Beratung von Erwachsenen (Suchtprobleme, psychische Auffälligkeiten, Alltagsprobleme),
  • Selbsthilfegruppe "Eltern von hyperaktiven Kindern",
  • niedergelassener Kinderarzt,
  • Sozialpsychiatrischer Dienst,
  • Hofer Selbsthilfebüro (Unterstützung von verschiedenen Selbsthilfegruppen im psychosozialen und medizinischen Bereich),
  • Gesundheitsamt: Mütterberatung, schulärztlicher Dienst (Einschulungsuntersuchung), amtsärztliche Begutachtung bei Frühförderung,
  • Heilpädagogische Tagesstätte (Schulbereich),
  • "Die Gruppe e.V.": Soziale Gruppenarbeit mit strafunmündigen Kindern,
  • Psychologische Beratungsstelle (Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Schwangerenberatung, Suchtberatung),
  • niedergelassene Logopädin,
  • Mobile sonderpädagogische Hilfen (Sonderpädagogisches Förderzentrum Hof),
  • Heilpädagogische Tagesstätten (Vorschulbereich),
  • niedergelassene Ergotherapeutin,
  • Jugendamt (Amtsvormundschaft, Beistandschaften, Unterhaltsvorschuss),
  • Jugendamt (Pflegekinderdienst),
  • Jugendamt (Trennungs- und Scheidungsberatung),
  • Jugendamt (Hilfen zur Erziehung, z.B. sozialpädagogische Familienhilfe, soziale Gruppenarbeit, Familienpflege),
  • Familienzentrum "Mütterclub e.V.",
  • Frauennotruf,
  • Kinderschutzbund (Hausaufgabenhilfe, Hort, Mittagsbetreuung an Schulen, Familienhilfe),
  • Frühförderung Hof,
  • Caritas-Beratungsstelle: Psychosoziale Beratung in verschiedenen Lebenssituationen, Kur- und Erholungsvermittlung, Familienpflege,
  • Caritas-Migrationsberatung für Aussiedler und Flüchtlinge,
  • Jugendhilfeambulanz: Therapeutische Angebote für Kinder, Legasthenietraining, Familienberatung, Beratung von Kindergärten usw. sowie
  • Integrativer Kindergarten.

Die Resonanz auf die Veranstaltung war durchwegs positiv. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag waren ca. 60 - 80 Personen bei den verschiedenen Foren anwesend. Die Darstellung der Arbeit der psychosozialen Dienste fand auf einem hohen Niveau statt, aber auch leicht verständlich und informativ. Ein reger fachlicher Austausch, von dem sowohl die anwesenden Erzieher/innen als auch die vorstellenden Fachdienste profitierten, machte die Notwendigkeit einer derartigen Veranstaltung deutlich. Mehrfach wurde der Wunsch nach einer Wiederholung geäußert.

Weitere Maßnahmen

(1) Beratungsführer: Als Ergänzung zur Kontaktbörse soll ein Beratungsführer über die psychosozialen Dienste in der Stadt Hof herausgegeben werden. Zielgruppe des Führers sind Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen in Kindergärten und Horten. Diese werden häufig im Rahmen ihres beruflichen Alltags mit den unterschiedlichsten Problemlagen von Kindern und Familien konfrontiert. Der Beratungsführer soll schnell und effizient Wegweiser zu den geeigneten sozialen Diensten sein sowie die Kinder- und Familienbroschüre des Stadtjugendamtes Hof ergänzen. Das Raster für den Beratungsführer wurde von Kindergartenmitarbeiter/innen entwickelt und ist damit speziell auf deren besonderen Bedürfnisse zugeschnitten. Der Führer soll Ende 1999 vorliegen. Die entsprechenden Vorarbeiten laufen bereits.

(2) Kontaktbörse: Aufgrund der guten Resonanz ist eine Wiederholung der Veranstaltung in Kooperation mit der örtlichen Fachakademie für Sozialpädagogik für das Kindergartenjahr 2000/2001 geplant.

(3) Schaffung eines mobilen heilpädagogischen Dienstes: Aufgrund des Modellprojekts erfolgen Gespräche mit der Frühförderung, die das Ziel haben, die Bemühungen zur Schaffung einer Stelle für einen mobilen heilpädagogischen Dienstes zu intensivieren. Erste Vorgespräche der Frühförderung mit dem Sozialministerium haben bereits stattgefunden.

Erfahrungen/Fazit

Die bisherigen im Verlauf des Modellprojekts gemachten Erfahrungen haben unsere Grundannahme bestätigt, dass ein hoher Bedarf an Informationen über bestehende soziale Dienste besteht. Sowohl bei den Mitarbeiter/innen in den Kindertageseinrichtungen als auch bei den psychosozialen Diensten ist die Bereitschaft zur Kooperation gegeben. Die Umsetzung scheitert aber vielfach an der Unkenntnis der möglichen Partner, aber auch an den begrenzten zeitlichen Ressourcen.

Der zeitliche Faktor wird auch zukünftig die weiteren Vernetzungsaktivitäten bestimmen - dies umso mehr, als die Fachberatung beim Stadtjugendamt nur mit einer begrenzten Stundenzahl wahrgenommen wird und der zeitliche Aufwand, der in der Modellphase geleistet wurde, nicht weiterhin erbracht werden kann.

Grundsätzlich darf Vernetzung nicht nur auf die Initiative von Fachberatungen und Jugendämtern zurückgehen, sondern muss auch ein zentrales Anliegen der einzelnen Kindertageseinrichtungen und sozialen Diensten werden, um den begonnenen Austausch zu vertiefen und in dauerhafte Aktivitäten umzuwandeln. Das Modellprojekt kann nur einen Anstoß dazu liefern.

8.2 Amt für junge Menschen und Familien Bad Kissingen

Franz Gundelach

Als das Jugendamt Bad Kissingen im August 1997 die Ausschreibung des Vernetzungsprojektes des IFP erhielt, bat mich der Jugendamtsleiter, daran teilzunehmen. Nachdem ich mir die Sache überlegt hatte, kam ich zu der Überzeugung, dass dieses Projekt eigentlich eine gute Sache sei. Wenn man es im Rahmen der Gesamtverantwortung betrachtet - der Verantwortung des Jugendamtes für die Kindertageseinrichtungen, Verantwortung der Kindertageseinrichtungen gegenüber den Eltern für deren Kinder - ist eine gute Vernetzung mit psychosozialen Diensten und Institutionen wie Schule, Polizei, Jugendamt etc. sehr wichtig. Es ist immer gut, wenn man möglichst viele von den vorgenannten Einrichtungen kennt, an die man sich bei Problemfällen wenden kann, und sei es auch nur zur Information. Durch die Teilnahme an diesem Vernetzungsprojekt erhoffte ich, eine bessere Beratungskompetenz zu erreichen, um dadurch die Kindertageseinrichtungen im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Bad Kissingen noch besser unterstützen zu können. Dies war meine Motivation, mich für das Vernetzungsprojekt anzumelden.

Stand der Vernetzung im Landkreis Bad Kissingen

Durch meine langjährige Tätigkeit in der Kindergartenaufsicht habe ich zu den Kindertageseinrichtungen im Landkreis Bad Kissingen gute Kontakte aufgebaut - auch zu den Trägern der Einrichtungen. Alle Informationen, die für die Kindertageseinrichtungen und für die Träger wichtig sind, werden an diese weitergeleitet. Über mich können auch Kontakte zu anderen Stellen im Landratsamt, wie z.B. ASD, Schuldnerberatung, Sozialamt, Wohngeldstelle etc. hergestellt werden.

Weiterhin findet einmal jährlich eine Veranstaltung mit dem Personal der Kindertageseinrichtungen statt. Hier werden rechtliche Angelegenheiten besprochen. Manchmal stellt ein Fachdienst seine Arbeit vor. Informationen über pädagogische Themen wie "Spielzeugfreier Kindergarten", "sprachliche Bewusstheit bei Kindergartenkindern" usw. sind ebenfalls Inhalte dieser Veranstaltungen.

Ich habe auch ständigen Kontakt zu den Fachberatern der Verbände und der Regierung von Unterfranken, zum Staatlichen Schulamt, zur Erziehungsberatungsstelle des Kreis-Caritasverbandes Bad Kissingen e.V., zur Frühförderstelle usw.

Seit Herbst 1998 besteht bei uns ein Arbeitskreis "Vernetzung sozialer, psychosozialer und medizinischer Dienste für Kinder und Familien". Mitglieder in diesem Arbeitskreis sind Jugendamt, drei Kindergartenleiterinnen, Erziehungsberatungsstelle, Staatliches Schulamt, Beratungslehrer, Schulpsychologin, Netzwerk für soziale Dienste e.V., Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Hoffmeyer, Pflegeelterninitiative "Pfad für Kinder" und das Gesundheitsamt. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr. In diesem Arbeitskreis werden anonymisierte Fälle besprochen. Es wird sozusagen "gelebte Vernetzung" praktiziert. Die Teilnehmer können erleben, mit welchen Stellen und Fachdiensten man sich bei Problemfällen vernetzen kann. Schwierigkeiten und Grenzen werden aufgezeigt. Die Teilnehmer lernen Fachdienste kennen und stärken ihre Beratungskompetenz. Sie dienen gleichzeitig als Multiplikatoren, indem sie ihre gewonnenen Erkenntnisse an andere weitergeben.

Stand der Vernetzung der Kindertageseinrichtungen im Landkreis Bad Kissingen

Bei der Durchsicht der Jahresplanungsberichte zum Punkt "Vernetzung" (Ziff. III.3 des Berichtsformulars) wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Es wurde festgestellt, dass die Kindertageseinrichtungen auf die unterschiedlichsten Weisen mit psychosozialen Diensten, Beratungsstellen, Institutionen u.Ä. vernetzt sind. Viele Kindertageseinrichtungen sind in diesem Bereich sehr aktiv und haben eine sehr gute Vernetzung aufgebaut. Viele haben aber nur sporadischen Kontakt und suchen erst im Bedarfsfall nach entsprechenden Hilfsmöglichkeiten. Dies wurde auch bei aufsichtlichen Begehungen der Kindertageseinrichtungen festgestellt. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur (Unsicherheit und Unwissenheit, Angst, Hemmungen, kein Bedarf etc.). Insgesamt gesehen kann das Vernetzungssystem der Kindertageseinrichtungen noch wesentlich verbessert werden.

Aktivitäten des Jugendamtes Bad Kissingen im Rahmen des Vernetzungsprojekts des IFP

Nach der Projektplanung war das Jugendamt Bad Kissingen im Kindergartenjahr 1999/2000 für die Beratung zum Aufbau einer besseren Vernetzung vorgesehen. Der Termin für das 1. Beratungsgespräch wurde für den 16.12.1999 um 14.00 Uhr festgesetzt. Er fand im Landratsamt Bad Kissingen statt. Für die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Vernetzungsaktivitäten bin ich alleine zuständig.

Aufgrund der Teilnahme am Vernetzungsprojekt des IFP wurde der Stand der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten verstärkt in Augenschein genommen. Es wurde festgestellt, dass die Vernetzungsaktivitäten des Jugendamtes Bad Kissingen, die bisher stattfanden, im Rahmen dessen sind, was die anderen am Projekt teilnehmenden Jugendämter auch durchführen. Die im Laufe des Vernetzungsprojektes erhaltenen Anregungen wurden zum Anlass genommen, die eigenen Maßnahmen zu überdenken und zu prüfen, ob weitere Maßnahmen sinnvoll sind.

Bei der Planung der Besprechung im Rahmen des Vernetzungsprojektes kam mir der Gedanke, die Leiterinnen der Kindertageseinrichtungen mit einzubeziehen. Auf diese Weise konnte am ehesten festgestellt werden, wo die Defizite im Aufbau eines guten Vernetzungssystems bei den Kindertageseinrichtungen liegen und welche Wünsche die Kindergartenteams diesbezüglich haben. Dies konnte natürlich nicht in einer großen Gesprächsrunde geschehen. Mir war bekannt, dass die Leiterinnen der Kindertageseinrichtungen fünf Arbeitskreise gebildet hatten, in denen sie die verschiedensten Themen, ihre Arbeit betreffend, erörtern. So lud ich nur die Leiterinnen der fünf Arbeitskreise zum 1. Beratungsgespräch ein. Alle fünf Erzieherinnen kamen.

Hauptthema des 1. Beratungsgesprächs war, den Stand der Vernetzung der Kindertageseinrichtungen zu ermitteln und die Schwerpunkte des Vernetzungsprojekts zu erörtern. Einmütig wurde festgestellt, dass doch größere Defizite vorhanden sind. Den Erzieherinnen ist zwar bekannt, dass es die verschiedensten Fachdienste und Institutionen gibt. Die Kontaktaufnahme erfolgt aber meistens nur in einem konkreten Fall. Dies gestaltet sich dann schwierig, weil die Ansprechpartner nicht bekannt sind und große Hemmschwellen bestehen.

Die meisten Kindertageseinrichtungen sind auf dem Land. Hingegen haben Fachdienste ihren Sitz hauptsächlich in den Städten. Wegen größerer Entfernungen und umständlicher Verkehrsverbindungen ist es für viele Eltern mit Problemkindern schwierig, zu den Fachdiensten zu kommen. Dies ist auch ein Grund, der eine Weitervermittlung erheblich erschwert.

Hauptsächlich haben die Kindergärten intensivere Kontakte und manche auch eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Frühförderstelle (betreute Kinder besuchen den Kindergarten), der Erziehungsberatung (Gestaltung von Elternabenden), dem Gesundheitsamt (dieses kommt regelmäßig zu den Vorschuluntersuchungen in die Kindergärten), dem Jugendamt (in meiner Person als Vertreter der Kindergartenaufsicht) und der Schule (mehr oder weniger gut) - selten hingegen zu Ergotherapeuten, Logopäden, Ärzten u.a.

Die Teilnehmer am 1. Beratungsgespräch waren sich darüber einig, dass eine Verbesserung der Vernetzung für alle Kindergärten ein Gewinn sei. Sie waren bereit, weiter mitzuarbeiten. Ich bat die Erzieherinnen, das Vernetzungsprojekt mit ihren Kolleginnen beim nächsten Arbeitskreistreffen zum Thema zu machen und Vorschläge für Vernetzungsaktivitäten zu erarbeiten. Folgende Zielvereinbarungen wurden getroffen:

  1. Die Erzieherinnen erarbeiten Vorschläge, mit welcher Maßnahme die Verbesserung der Vernetzung zwischen Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten begonnen werden soll. Meldung der Vorschläge bis zum 25.01.2000 an das Jugendamt.
  2. Ich bereite auf der Grundlage der eingegangenen Vorschläge das nächste Beratungsgespräch vor.
  3. Als Termin für das 2. Beratungsgespräch wurde Donnerstag, 17.02.2000, 14.00 Uhr, festgesetzt.

Die Arbeitskreisleiterinnen übersandten die erarbeiteten Vorschläge bis Ende Januar. Sie gingen alle in die gleiche Richtung: Im Rahmen einer Veranstaltung sollen verschiedene Fachdienste sich und ihre Arbeit vorstellen ("Info-Börse"). Vorgeschlagen wurde auch die Erstellung eines Beratungsführers, in dem möglichst viele für Kindertageseinrichtungen wichtige und interessante Fachdienste, Beratungsstellen, Institutionen usw. aufgenommen werden sollen.

Beim 2. Beratungsgespräch wurden die Ergebnisse aus den Arbeitskreisen von den Beteiligten besprochen. Die Arbeitskreisleiterinnen berichteten, dass bei den Erzieherinnen wie auch bei dem übrigen Kindergartenpersonal ein erheblicher Informationsbedarf besteht, was psychosoziale Dienste in unserer Region angeht. Mein Eindruck wurde bestätigt, dass auch große Hemmschwellen vorhanden sind.

Es wurde beschlossen, eine entsprechende Informationsveranstaltung zu organisieren, bei der verschiedene Fachdienste ihre Arbeit vorstellen und die Möglichkeit besteht, Fragen zur Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit zu erörtern. Damit soll das Wissen des Personals in den Kindertageseinrichtungen über die Fachdienste erweitert und die Kompetenz für die Beratung von Eltern mit Problemkindern und deren Weitervermittlung gestärkt werden. Ferner können vorhandene Hemmschwellen abgebaut werden. Die Veranstaltung soll an zwei Nachmittagen stattfinden. Auf Wunsch der Erzieherinnen sollten folgende Institutionen eingeladen werden:

  • Jugendamt,
  • Frühförderstelle,
  • Erziehungsberatungsstelle,
  • Gesundheitsamt,
  • Ergotherapeut,
  • Logopäde,
  • Diagnose- und Förderklasse,
  • Sprachheilschule und SVE.

Jeder Institution sollte ein Zeitrahmen von ca. 45 Minuten zur Verfügung stehen. Die Gesamtdauer der Informationsnachmittage wurde an beiden Tagen auf 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr festgelegt.

Wie beim 2. Beratungsgespräch beschlossen, habe ich nach der Faschingszeit mit der Organisation der Informationsnachmittage begonnen. Als Veranstaltungstage wurden Dienstag, 06.06.2000, und Mittwoch, 07.06.2000, ausgesucht. Veranstaltungsort war der große Sitzungssaal im Landratsamt Bad Kissingen. Die Buchung des großen Sitzungssaales für diese beiden Tage war unproblematisch.

Die Kontaktaufnahme mit den einzelnen Stellen hatte ich mir eigentlich schwieriger vorgestellt. Aber die Behörden und Fachdienste standen dem Vorhaben durchweg positiv gegenüber. Bei der Suche nach einem Ergotherapeuten, der bereit war, einen Informationsnachmittag mit zu gestalten, bekam ich jedoch zunächst zwei Absagen. Der Dritte erbat sich eine kurze Bedenkzeit aus. Jedenfalls hatte ich bis Ende März alle Zusagen - bis auf die Frühförderstelle. Diese sagte aus terminlichen Gründen ab. Die Absagenachricht erfolgte am 10.04.2000.

Da bekannt ist, dass die Zusammenarbeit zwischen vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen in unserem Landkreis nur auf ein Mindestmaß beschränkt ist und die Kontaktaufnahme nur einseitig und schwer möglich ist, entschloss ich mich, das Staatliche Schulamt Bad Kissingen zu bitten, im Rahmen der Informationsnachmittage einen Beitrag hinsichtlich einer besseren Vernetzung zu leisten - zumal das Staatliche Schulamt Mitinitiator des bestehenden "Vernetzungsarbeitskreises" ist. Die Kontaktaufnahme mit dem fachlichen Leiter des Staatlichen Schulamtes erfolgte noch am 10.04.2000. Er signalisierte seine Bereitschaft zur Teilnahme und schlug vor, die Leiterin einer Grundschule, in deren Sprengel drei Kindergärten sind und wo die Zusammenarbeit zwischen diesen und der Schule sehr gut verläuft, ebenfalls einzuladen. Er bat noch darum, Themenschwerpunkte festzulegen, damit man sich nicht "verzettelt". Ich überlegte mir umgehend drei Themen und teilte diese dem Staatlichen Schulamt mit:

  1. Erläuterung der Neuregelung des Verfahrens zur Aufnahme in die Grundschule, die ab dem Schuljahr 2000/2001 gültig ist.
  2. Wie kann eine produktive Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschule gestaltet werden - auch vor dem Hintergrund des Datenschutzes
  3. In Kindergärten werden zunehmend am Nachmittag Schulkinder betreut - ohne Garantie auf Ausführung der Hausaufgaben. Die Schulkinder nehmen an den Angeboten des Kindergartens teil. Wie kann hier eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule erfolgen

Die Zusage des Staatlichen Schulamtes zur Teilnahme an einem der Informationsnachmittage traf am 14.04.2000 ein. Danach erfolgten die zeitliche Einteilung und die Erstellung der Einladungen. Diese wurden am 20.04.2000 an die Kindertageseinrichtungen und an die psychosozialen Dienste und Institutionen verschickt, die die beiden Informationsnachmittage mitgestalten wollten. Überraschend war, dass die Fachdienste und Institutionen nicht irgendjemand für die Teilnahme an dieser "Kontaktbörse" abstellten, sondern dass die "Chefs" persönlich (und teilweise mit Mitarbeitern) kamen.

Einige Tage vor Beginn der "Kontaktbörse" wurde in der Presse auf diese Veranstaltung hingewiesen.

Am Dienstag, 06.06.2000, pünktlich um 13.00 Uhr eröffnete ich den 1. Teil der "Kontaktbörse" und übernahm die Begrüßung sowie die Moderation. Ich war hoch erfreut und sehr überrascht über die Anzahl der Besucher. Nahezu alle Kindertageseinrichtungen, die es im Landkreis Bad Kissingen gibt, schickten eine Teilnehmerin. So nahmen am 1. Nachmittag über 60 Besucherinnen teil, die von Beginn an da waren. Mit großem Interesse hörten sie den Ausführungen der jeweiligen Referenten zu. Dies galt für alle Referenten des 1. Nachmittags. Keine Besucherin verließ vorzeitig die Veranstaltung. Die Diskussion war teilweise sehr lebhaft.

Der 2. Teil der "Kontaktbörse" hatte den gleichen Programmablauf, nur mit anderen Referenten. Er war genauso gut besucht wie der 1. Teil. Alle Besucherinnen sind bis zum Schluss geblieben. Auch hier war die Diskussion teilweise sehr rege. Besonders hervorzuheben waren der Beitrag der Logopädin und der des Staatlichen Schulamts Bad Kissingen. Die jeweiligen Referenten bemühten sich sehr, die Erzieherinnen möglichst umfassend zu informieren und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Das mitgebrachte Informationsmaterial konnten die Erzieherinnen mitnehmen.

Im Laufe der Veranstaltung wurde aus der Mitte der Erzieherinnen der ausdrückliche Wunsch an die Logopädin Frau Sommer-Heske herangetragen, eine Broschüre über die Besonderheiten bei Sprachstörungen und insbesondere das rechtzeitige Erkennen von Sprachauffälligken (Lispeln, Stottern etc.) zu erstellen. Frau Sommer-Heske erklärte sich spontan hierzu bereit. Diese Broschüre könnte in das Vernetzungsprojekt mit einfließen und somit nicht nur im Landkreis Bad Kissingen, sondern auch bayernweit Verwendung finden.

Ein Kurzbericht über die Informationsveranstaltung wurde am 08.06.2000 in der Presse veröffentlicht.

Hinsichtlich der Erstellung eines Beratungsführers wurden noch keine Vorbereitungen getroffen. In diesem Punkt bin ich sehr skeptisch, ob der Arbeitsaufwand nicht umsonst wäre. Verschiedene, von anderen Stellen erstellte Beratungsführer habe ich den Kindertageseinrichtungen zukommen lassen. Rückmeldungen hierzu sind bisher nicht erfolgt. Auch wurde nicht weiter nachgefragt, dass beim 2. Beratungsgespräch vorgeschlagen wurde, einen Beratungsführer zu erstellen. Verschiedene Jugendämter, die am Vernetzungsprojekt teilnehmen, haben Beratungsführer für die Kindertageseinrichtungen erstellt, die jedoch schnell veralten. Eine ständige Aktualisierung wäre erforderlich.

Resümee

Als Ergebnis der Veranstaltung ist festzuhalten, dass die Kindertageseinrichtungen einen großen Informationsbedarf haben, was das Wissen über die verschiedenen psychosozialen Dienste und Institutionen betrifft. Dies hat das große Interesse der Besucherinnen gezeigt, die sehr zahlreich zu den beiden Informationsnachmittagen gekommen sind. Auch die psychosozialen Dienste und Institutionen, die die Veranstaltung mitgestaltet haben, waren sehr aufgeschlossen und an der Meinung der Erzieherinnen interessiert. Sie haben versucht, die Erzieherinnen umfassend über ihre Tätigkeit zu informieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Es ist festzustellen, dass der Aufbau einer Vernetzung insbesondere mit den Diensten, deren Leistung ärztlich verordnet werden muss (Ergotherapeuten, Logopäden), sehr schwierig ist. Hier ist insbesondere die mangelnde bzw. nicht vorhandene Kooperationsbereitschaft der Ärzte sehr hinderlich.

Hinsichtlich des Aufbaus einer Vernetzung mit den anderen Stellen wurde der Eindruck gewonnen, dass grundsätzlich die Bereitschaft für eine konstruktive Zusammenarbeit vorhanden ist. Es mangelt den Einrichtungen jedoch an Mut, aufeinander zuzugehen. Gründe hierfür sind sicherlich die Unwissenheit darüber, was die Stellen leisten können. Dies erzeugt Unsicherheit und Hemmungen bei der Kontaktaufnahme. Auf diese Weise liegt ein großes Potenzial an Hilfsmöglichkeiten für Problemkinder brach und wird nicht genutzt.

Ich hoffe, dass das Jugendamt Bad Kissingen mit der Durchführung dieser "Kontaktbörse" einen kleinen Beitrag geleistet hat, das Wissen des Personals der Kindertageseinrichtungen über verschiedene psychosoziale Dienste und Institutionen zu verbessern, Unsicherheiten und Hemmschwellen abzubauen und dadurch die Kontaktaufnahme, die Beratung und Weitervermittlung von Eltern mit problembelasteten Kindern sowie die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen zu erleichtern. Die Kindertageseinrichtungen und umgekehrt auch die psychosozialen Dienste und Institutionen werden ermutigt, aufeinander zuzugehen.

Aufgrund des großen Zuspruchs und der positiven Rückmeldungen fühle ich mich bestärkt, in ein, zwei Jahren wieder eine derartige Veranstaltung zu organisieren und damit zum Aufbau eines funktionierenden Vernetzungssystems beizutragen.

8.3 AWO-Kindergarten Würzburg/Schulkindergarten Heiligkreuz

Christine Schubert und Theresia Gerhard

Der Allgemeine Kindergarten mit Schulkindergarten der kath. Kirchenstiftung Heiligkreuz und der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Würzburg-Stadt e.V., arbeiten seit vielen Jahren vernetzt mit anderen Kindergärten, Schulen und psychosozialen Diensten zusammen.

Beide Einrichtungen liegen im Würzburger Stadtteil Zellerau, einem Stadtteil mit sehr unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur. Hier wohnen gut situierte Familien mit hohem Bildungsstand neben Familien, die in Armut mit geringem sozialen Status leben. Beide Einrichtungen erfassen zu 50 bis 100% Familien, die aus dem gesellschaftlich benachteiligten Wohngebiet dieses Stadtteils kommen.

Zu den Lebensbedingungen der Familien gehören z.B. Randgruppenzugehörigkeit (andere Nationalitäten, Sinti, Roma, Obdachlosigkeit), Armut in materieller, sozialer und emotionaler Hinsicht, beengte Wohnverhältnisse, Erziehungs- und Beziehungsprobleme, geringer Bildungsstand, Kriminalität, Suchtprobleme und Diskriminierung. Daraus resultierende Schwierigkeiten werden von den Kindern in die Einrichtungen gebracht und werden so auch zu Angelegenheiten der Kindergärten.

Bei der täglichen Arbeit zeigt sich rasch, dass viele Probleme der Familien nicht allein von den Kindergärten aufgefangen werden können. Sie erfordern eine Öffnung nach außen und somit eine enge Vernetzung. Von besonderer Bedeutung ist hier vor allem die räumliche Nähe der Vernetzungspartner im Stadtteil.

Vernetzungsrunden und Arbeitskreise

Im Laufe der Jahre ist eine Reihe von Vernetzungsrunden und Arbeitskreisen entstanden, an denen die beiden Kindergärten beteiligt sind:

  • Donnerstagsrunde: Die Teilnehmer/innen aus verschiedenen Kindergärten und psychosozialen Diensten treffen sich seit 18 Jahren dreimal im Monat (jeweils donnerstags von 12.30 bis 14.00 Uhr).
  • Arbeitskreis der Zellerauer Kindergartenleiter/innen: trifft sich drei- bis viermal im Jahr.
  • Gesprächsrunde Kindergärten/Psychosoziale Dienste/Schulen: Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde und Lehrer/innen von zwei Grundschulen und einer Schule zur individuellen Lernförderung treffen sich zweimal im Jahr.
  • Zellerauer Fachrunde: Gesprächskreis aus allen Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde und Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt Würzburg, der Horte, des Jugendzentrums, des Kinderspielzentrums, der anderen Kindergärten im Stadtteil und der Schulen; trifft sich zweimal im Jahr.
  • Einrichtungs- und trägerinterne Arbeitskreise.

Zur Geschichte der Donnerstagsrunde

Den wichtigsten Stellenwert im Rahmen der Vernetzung hat die Donnerstagsrunde. Sie wurde im Jahre 1982 von Sr. Marianne Klingspor, der damaligen Leiterin der Aufsuchenden Erziehungs-, Beziehungs- und Sozialberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF), initiiert. Zugrunde lag die Feststellung, dass Mitarbeiter/innen in Institutionen, die mit Familien aus dem sozial benachteiligten Wohngebiet arbeiten, gleiche oder ähnliche Erfahrungen im Erleben von Not und Armut machen und sehr schnell persönliche wie auch einrichtungsbezogene Grenzen erfahren. Die Erkenntnis, dass herkömmlich gelernte pädagogische, therapeutische und institutionelle Konzepte in der Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen nicht oder nicht ohne weiteres angewandt werden können, brachte es mit sich, dass die Mitarbeiter/innen nach Austausch mit Kolleg/innen aus anderen Einrichtungen trachteten. Neue Wege in der Begleitung von Kindern und Familien mussten gefunden werden. Wechselseitige Unterstützung, gegenseitiges Auffangen, gemeinsame Reflexion der Arbeit und die Tatsache, dass alle damaligen Mitarbeiter/innen am Anfang ihrer Tätigkeit mit dieser Zielgruppe standen, waren die wesentlichsten Gründe für den Beginn der Donnerstagsrunde.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren bestand die Vernetzungsrunde am Donnerstag aus Sr. Marianne Klingspor sowie zwei Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle. Bereits ab 1984 erweiterte sich die Runde, und weitere Mitarbeiter/innen der Frühförderstelle sowie die Leiter/innen des Kinderspielzentrums, des Städtischen Kindergartens, des Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt, des Allgemeinen Kindergartens mit Schulkindergarten Heiligkreuz, der Sozialpädagogischen Familienhilfe sowie der Kinder- und Jugendfarm kamen dazu.

In der Anfangszeit konnten vor allem diejenigen Fachkräfte an der Donnerstagsrunde teilnehmen, die bereit waren, sich auf die Lebenssituation sozial benachteiligter Menschen einzulassen, den Familien vorurteilsfrei zu begegnen und sich mit Solidarität auf die Seite der Benachteiligten zu stellen. Wesentliche Ziele waren damals,

  • eine "gemeinsame Sprache" zu finden,
  • eigene Erwartungen zu reduzieren,
  • Hilfe zur Selbsthilfe zu geben sowie
  • sozialpolitisch aktiv zu werden.

Zu den Inhalten der Donnerstagsrunde gehörten in erster Linie Fallbesprechungen. Darüber hinaus waren sozialpolitische Themen sowie persönliche Befindlichkeit und Anliegen der Teilnehmer/innen von Bedeutung.

Strukturiert wurde die Runde bis 1997 von Sr. Marianne Klingspor. Sie entschied über den Teilnehmerkreis, gab das Konzept vor und moderierte die Treffen in der Küche ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sr. Marianne Klingspor war "Herz" und "Motor" der Donnerstagsrunde.

Die Donnerstagsrunde heute

Nach dem beruflichen Ausscheiden von Sr. Marianne Klingspor findet die Donnerstagsrunde seit 1997 in neuen Diensträumen der Aufsuchenden Erziehungsberatung statt. Gleichzeitig veränderten sich die Strukturen. Die Teilnehmer/innen erweiterten das Konzept durch zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte und öffneten die Runde für weitere Einrichtungen, die Interesse zeigten. Voraussetzung für die Teilnahme ist heute neben der Arbeit mit sozial benachteiligten Familien:

  • kontinuierliche Anwesenheit,
  • aktive Mitarbeit durch Einbringen oder Vorbereiten von Themen,
  • persönliche Kooperationsbereitschaft,
  • Offenheit gegenüber den sozial benachteiligten Familien,
  • Akzeptanz der eigenen Grenzen,
  • Bereitschaft zur konzeptionellen Zusammenarbeit,
  • gegenseitige Unterstützung und Hilfe,
  • Angleichung der Grundhaltungen,
  • Moderation der Runde sowie
  • Übernahme von organisatorischen Aufgaben.

Zur Zeit nehmen 11 Mitarbeiter/innen aus acht verschiedenen Einrichtungen an den Treffen der Donnerstagsrunde teil. Die Einrichtungen sind:

  • Allgemeiner Kindergarten mit Schulkindergarten Heiligkreuz,
  • Aufsuchende Erziehungsberatung im Stadtteil Zellerau, SKF,
  • Interdisziplinäre Frühförderstelle, SKF,
  • Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Würzburg-Stadt e.V.,
  • Kindergarten St. Elisabeth,
  • Kinder- und Jugendfarm, SKF,
  • Sozialpädagogische Familienhilfe, SKF sowie
  • Städtischer Kindergarten Rotenhanstrasse.

Thematische Schwerpunkte der Donnerstagsrunde sind heute:

  • Austausch über die Konzepte der teilnehmenden Einrichtungen,
  • Abstimmung von Inhalten und Zielen,
  • Anliegen und Bedürfnisse der Teilnehmer/innen,
  • Diskussionen über sozialpolitische Themen,
  • Entwicklung von Projekten und Aktionen im Stadtteil,
  • anonymisierte Fallbesprechungen,
  • Austausch über Inhalte von Fortbildungen,
  • Terminabsprachen sowie
  • Bereitstellen von Informationsmaterial und Fachliteratur.

Viele Jahre Donnerstagsrunde haben deutlich gemacht, dass Vernetzung in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen hat. Neben dem besonderen Nutzen für Kinder und Familien bringt Vernetzung Vorteile für die einzelnen Institutionen, den Stadtteil und die berufliche Weiterentwicklung der Teilnehmer/innen mit sich. Vernetzung in der Donnerstagsrunde ermöglicht

  • interdisziplinäre Unterstützung für das Kind,
  • Hilfen für Familien in schwierigen Lebenslagen,
  • Kontinuität in der Begleitung von Eltern und Kindern,
  • Zugangsmöglichkeiten für die Familie und das einzelne Kind,
  • Blick über die eigene Einrichtung hinaus,
  • gegenseitige Ergänzung der Fachkräfte,
  • Nutzung der weiteren Zugangsmöglichkeiten der Vernetzungspartner,
  • Koordination der Arbeit im Stadtteil sowie
  • Erweiterung der persönlichen Fachkompetenzen.

Welche Bedeutung hat die Donnerstagsrunde für die einzelnen Vernetzungspartner/innen Hierzu Stimmen und Meinungen von

  • Renate Böhm (Aufsuchende Erziehungsberatung im Stadtteil Zellerau, SKF): "Bei den Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde weiß ich, dass sie wissen, wovon ich rede, da wir die gleiche Sprache sprechen. Dies entlastet mich persönlich und ermöglicht gemeinsame Projekte, die für die benachteiligten Lebenssituationen der Menschen positive Veränderungen mit sich bringen können."
  • Karin Ledig (Interdisziplinäre Frühförderstelle, SKF): "Zu gleichen Anliegen Ressourcen sammeln."
  • Sabine Eberwein (Städtischer Kindergarten Rotenhanstrasse): "Kennenlernen der einzelnen Vernetzungspartner und etwas über deren Arbeitsweisen/Ziele erfahren; vertraute Zusammenarbeit (erleichtert Eltern, Hilfen anzunehmen/Vertrauensbasis); schnellerer Zugriff auf Fachdienste; Unterstützung bei Problemen; größere Lobby."
  • Gisela Gradwohl (Sozialpädagogische Familienhilfe, SKF): "Sie ist für mich ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Rahmen kollegialer, fachübergreifender und zielorientierter Zusammenarbeit. Sie ist ein unbürokratischer 'Wegbereiter' für den Ausbau des Netzwerkes von Familien, mit denen ich arbeite, und von meinem Netzwerk als Fachkraft. Ein konzeptionelles Ziel der SPFH ist, auf gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich bedingte Missstände im Umfeld der Familien hinzuweisen und auf deren Beseitigung hinzuwirken. Die Donnerstagsrunde hat u.a. ortsbezogen eine ähnliche Zielsetzung, sodass hier für mich eine effektive Verknüpfung bei der Umsetzung stattfindet. Sie bietet auch Raum für schöne und interessante zwischenmenschliche Begegnungen, was eine Bereicherung für mich persönlich und für meinen Arbeitsalltag ist."
  • Edeltrudis Reitmaier (Kindergarten St. Elisabeth): "Über die Donnerstagsrunde haben wir positiven Kontakt zu den einzelnen Förderstellen und deren Fachpersonal, sprich Therapeuten, bekommen. Dadurch können wir gezielte Hilfen für die Eltern und Kinder anbieten. Zudem ist der gegenseitige Austausch über unsere pädagogische Arbeit von großer Wichtigkeit."
  • Astrid Sendke (Kinder- und Jugendfarm, SKF): "Für meine persönliche Berufstätigkeit und für meine Institution bewirkt die Donnerstagsrunde Horizonterweiterung, kurze Infowege, Veränderungen in der eigenen Sichtweise. Verhältnis von Zeitaufwand und Nutzen ist unterschiedlich, oft mühsam zu organisieren, aber die Regelmäßigkeit gibt einen guten Rahmen für die Planung. Als neue Teilnehmerin habe ich mich sehr schnell aufgenommen gefühlt; die Gruppe ist integrationsfördernd."

Abschließende Gedanken zur Vernetzungsarbeit

Aus unseren Erfahrungen lässt sich folgern, dass Vernetzung ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist. Die von Erzieherinnen immer wieder geäußerte Vorstellung, Vernetzung diene ausschließlich der Unterstützung der Arbeit im Kindergarten, können wir nicht teilen. Der Kindergarten trägt in gleichem Maße zur Ergänzung und Erweiterung der Arbeit der unterschiedlichen Fachdienste bei.

Ein wichtiges Kriterium für das Gelingen von Vernetzung ist, dass die Teilnehmer/innen sich nicht in kontrollierender Funktion begegnen, sondern kollegiale Beratung auf Wunsch praktizieren.

Im Kindergartenbereich ist es unerlässlich, dass Vernetzung vom ganzen Team mitgetragen wird. Wir beobachten, dass in der Regel die Leitung Vernetzung initiiert, aber ihre Abwesenheit während der Vernetzungstreffen, die Inhalte der Vernetzungsarbeit, die Umsetzung von Projekten u.v.a.m. tangieren letztendlich das gesamte Team. Mitarbeiterführung, Dienstplangestaltung, Transparenz, Lokomotions- und Kohäsionsfunktion sind wichtige Qualifikationen, die die Kindergartenleitung in diesem Zusammenhang für eine erfolgreiche Vernetzungsarbeit braucht.

Die Chancen der Vernetzung für Kinder und Familien, für die Einrichtung, für den Stadtteil und für die persönliche Berufstätigkeit lassen diese zu einem wesentlichen Qualitätskriterium für den Kindergarten werden. Vernetzung ist Qualität, die von der Basis kommt und ein Optimum an Ganzheitlichkeit ermöglicht.

Vernetzung, wie wir sie praktizieren, ist über viele Jahre gewachsen. Die Ziele und Schwerpunkte unserer Vernetzungsarbeit - die sich auf die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Familien beziehen -, die langjährige und kontinuierliche Mitarbeit der meisten Vernetzungspartner, die Offenheit und das persönliche Engagement können nicht ohne weiteres von anderen Einrichtungen übernommen werden. Vernetzungsarbeit erfordert Individualität, orientiert an den Bedürfnissen und Gegebenheiten vor Ort.

8.4 Städtischer Kindergarten "Haus der kleinen Strolche", Erlangen

Brigitte Czypull und Kirsten Jag-Reuter

Der Anger ist ein Stadtteil von Erlangen mit einer vielfältigen Bevölkerungsstruktur, die Nationen wie auch die Problemlagen der Menschen betreffend. Hier gibt es schon seit Jahren ein gut strukturiertes Netz aller sozialpädagogischen Einrichtungen - den AK Anger - mit der Zielsetzung, sich für die Bedürfnislagen der Menschen im Stadtteil einzusetzen und miteinander eine vielfältige Angebotspalette für alle Altersgruppen anzubieten. Städtische, kirchliche und freie Träger arbeiten hier Hand in Hand.

Neue Projekte, wie zum Beispiel HIPPY, können auf diese Strukturen zurückgreifen. Trotzdem besteht die Notwendigkeit, weitere Wege der Zusammenarbeit zu suchen. Die Projektmitarbeiterin des IFP war dabei sehr hilfreich. Frau Czypull, die Leiterin des städtischen Kindergartens "Haus der kleinen Strolche", legte hier einen Schwerpunkt auf die Vernetzung von Kindergarten und HIPPY.

Der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche"

Der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche" ist eine multikulturelle Einrichtung. Das bietet die Chance für ein positives Miteinander und das Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen. Eine besonders differenzierte pädagogische Arbeit ist hier notwendig, die durch eine zusätzliche Erzieherin (für Kleingruppenarbeit) gewährleistet wird. Der Ausländeranteil in diesem Kindergarten liegt bei ca. 62%. Es werden Kinder aus elf verschiedenen Nationen bei einer Gruppenstärke von vierundzwanzig Kindern betreut. Sie kommen oft mit wenig oder gar keinen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Immer wieder kommt es vor, dass kein Elternteil genug Deutsch spricht, um notwendige Angelegenheiten klären zu können. Sprache als verbales Ausdrucksmittel verarmt zusehends innerhalb der Familien. Daraus ergibt sich, dass die Kinder auch ihre Muttersprache nur unzureichend sprechen. Das wirkt sich auf die gesamte Entwicklung der Kinder sowie im Besonderen auf die Sprachentwicklung und damit auch auf das Erlernen der "Fremdsprache Deutsch" aus.

Das gut geschulte pädagogische Personal kann nicht alle Defizite und Schwierigkeiten der Kinder und ihrer Familien aufarbeiten. Da bietet die Vernetzungsarbeit mit anderen Einrichtungen und Institutionen zusätzliche intensive Unterstützung, Kooperation und fachlichen Austausch. Eine Vernetzung besteht derzeit mit:

  • Fachberatung der Erziehungsberatungsstelle der Stadt Erlangen
    • Qualitätssicherung in unserer Einrichtung
    • Was bieten wir schon Wo sind Veränderungen möglich Wie können wir Qualität, die gute Arbeit, die wir leisten, nach außen hin darstellen
    • Einzelfallbesprechungen - sehr wichtig, da wir sehr viele Kinder mit unterschiedlichsten Problematiken betreuen.
    • Teamsupervisionsgespräche
  • Frühförderstelle
    • Betreuung einzelner Kinder im Kindergarten, aber auch in den Räumlichkeiten der Frühförderstelle.
    • Angebot an die Eltern für eine wöchentliche Elternsprechstunde wurde nicht angenommen.
    • zusätzliche Kleingruppenförderung am Nachmittag für unsere Ganztageskinder.
    • eine Stunde pro Woche als Erziehersprechstunde für besondere Problemfälle.
  • Psychomotorikgruppe in unserem Kindergarten (neu ab September 2000): Hier haben auch Eltern aus unserer Einrichtung die Möglichkeit, ihre Kinder in einer solchen Gruppe unterzubringen. Montags und mittwochs werden zwei Gruppen mit jeweils sechs Kindern angeboten.
  • Deutschkurs für ausländische Kinder: Es ist fraglich, ob es ab dem neuen Kindergartenjahr noch Kurse geben wird. Aus unserer Einrichtung haben zwei Kinder an den Kursen teilgenommen, und wir konnten große sprachliche Fortschritte feststellen.
  • Gruppe für Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen (in Planung)
  • HIPPY

Was ist HIPPY ?

HIPPY ist die Abkürzung für "Home Instruction Program for Preschool Youngsters"; es wurde in den 70er Jahren von Frau Prof. Awima Lombard in Israel entwickelt. Als Spiel- und Lernprogramm für deutsche und ausländische Kinder von vier bis sechs Jahren und für deren Eltern hat es kindergartenergänzende und familienunterstützende Funktionen. Das Programm erstreckt sich über zwei Jahre. Teilnehmen können deutsche und ausländische Familien, die ihr Kind zusätzlich in seiner Entwicklung fördern möchten.

Eine pädagogische Fachkraft hat als Koordinatorin die Projektleitung. Ihre Aufgaben umfassen die Auswahl der Familien, die Programmüberarbeitung, die Elternbildungsarbeit, die Anleitung der Hausbesucherinnen und administrative Tätigkeiten. Jede Hausbesucherin betreut eine Gruppe von bis zu zehn Familien, die aus ihrem Kulturkreis stammen. Bei HIPPY Erlangen gibt es eine deutsche, eine türkische und eine vietnamesische Hausbesucherin. Für sie ist sind wöchentliche Praxisanleitung durch die Koordinatorin und die gemeinsame Reflexion verpflichtend.

Die Familien werden regelmäßig zu Hause besucht. Die Hausbesucherin stellt den Eltern, meistens der Mutter, das Lern- und Spielmaterial für eine Woche vor. In der darauf folgenden Woche beschäftigen sich Mutter und Kind 15 Minuten täglich mit diesem Material.

Alle zwei Wochen finden Gruppentreffen statt. Hier tauschen die Mütter ihre Erfahrungen aus. Probleme und Fragen zum Programm werden gemeinsam mit der Hausbesucherin und der Koordinatorin besprochen. Die Mütter erhalten auch Informationen zu Themen wie z.B. Erziehung, Schule oder Gesundheitsvorsorge.

Durch die frühzeitige Förderung werden die Kinder auf ihren Schulstart vorbereitet. Sie erfahren, dass Lernen Spaß macht. Für ausländische Kinder bietet das Programm einen guten Zugang zur deutschen Sprache. Die Eltern werden darin geschult, ihr Kind gezielt zu fördern und zu unterstützen. Die Gruppentreffen bieten ihnen zudem die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Müttern zu knüpfen. Im Einzelnen hat das Programm die Ziele,

  • die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder zu schulen und damit im Sinne einer aktiven Schulvorbereitung ihre Lernfähigkeit zu fördern,
  • die Deutschkenntnisse von Mutter und Kind zu verbessern,
  • präventive Kinder- und Familienarbeit zu leisten, dadurch die Erziehungskompetenz der Familien zu stärken und bestehende Lernmuster zu verändern,
  • eine Integrationshilfe für die Familien im Rahmen einer aktiven Erziehungshilfe zu bieten sowie
  • Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen und die Erziehung in der Familie nach §16 SGB VIII zu fördern.

Vernetzung von Kindergarten und HIPPY

Der gemeinsame Anknüpfungspunkt zwischen dem städtischen Kindergarten und HIPPY ist zum einen die Elternbildungsarbeit. Durch sie wird die Erziehungskompetenz in den Familien gestärkt und damit ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedürfnislage der Kinder geweckt. Zum anderen besteht das gemeinsame Interesse an einer Förderung der Sprachkompetenz der Kinder.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten als zweiter Sozialisationsinstanz nach der Familie hat HIPPY die Chance, möglichst viele Familien mit Kindern im Vorschulalter zu erreichen. Die Kindergartenleiterin und die Gruppenerzieherinnen als bekannte Ansprechpartnerinnen für die Familien empfehlen den Eltern die Teilnahme an HIPPY. Während des Projektverlaufs können sie den Eltern einen Erfolg ihrer Bemühungen bei HIPPY bestätigen (z.B. besseres Zurechtkommen in der Gruppe, Aufgeschlossenheit, Deutschkenntnisse). Diese Rückmeldung stellt eine wichtige Motivationshilfe für eine dauerhafte Teilnahme bei HIPPY dar.

Angeregt durch die Gespräche mit Frau Winterhalter-Salvatore haben der Kindergarten und HIPPY folgenden Kooperationsplan ausgearbeitet:

  • Erstellung von Infoplakaten,
  • Neuauflage eines Faltblattes in deutscher und türkischer Sprache sowie
  • Programmdokumentation durch ein Bilderbuch.

Durch einen Informationsstand direkt im Kindergarten wurden die Eltern mit dem Projekt bekannt gemacht. Dazu entwickelte die HIPPY-Koordinatorin Frau Jag-Reuter ein Bilderbuch, dass die Arbeit von HIPPY während eines Schuljahres dokumentiert, stellte Plakatwände auf und legte Informationsbroschüren in deutscher und türkischer Sprache aus. Die Materialien wurden den Eltern vormittags zur Bringzeit von den HIPPY-Mitarbeiterinnen vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit sprachen diese auch einzelne Familien an, und so konnten erste Kontakte bereits im Kindergarten geknüpft werden. Hemmschwellen konnten schnell abgebaut werden, da die Mütter von Frauen angesprochen wurden, die aus demselben Land stammen, die denselben kulturellen Hintergrund besitzen und eben auch dieselbe Sprache sprechen.

Die HIPPY-Koordinatorin und die Kindergartenleiterin standen auch weiterhin in engem Kontakt, um den Programmverlauf der teilnehmenden Familien auch vonseiten des Kindergartens zu reflektieren und frühzeitig Kontakte zu neuen Familien zu knüpfen, die an der Infoveranstaltung nicht teilgenommen hatten. Des Weiteren sind eine Videodokumentation und gemeinsame Elternabende über Spracherziehung geplant.

Aus der Sicht der HIPPY-Koordinatorin ist dies ein praktikables Modell, das auf die Zusammenarbeit mit allen Institutionen im Vorschulbereich übertragbar ist. Darüber hinaus bilden die erarbeiteten Materialien eine Grundlage für die Projektpräsentation und Öffentlichkeitsarbeit.

 

9. Teilnehmer/innenbefragung

Martin R. Textor

Im September 2000 wurden Fragebögen zur Evaluation des IFP-Projekts an alle 18 teilnehmenden Kindertageseinrichtungen und an 20 Jugendämter geschickt. Wohl nahmen 25 Jugendämter an dem Modellversuch teil, aber nachdem fünf von ihnen keine Beratung durch das IFP in Anspruch nahmen und keine besonderen Vernetzungsaktivitäten im Rahmen des IFP-Projekts durchführten, wurden sie in die Befragung nicht einbezogen (Kreisjugendamt Aschaffenburg, Amt für junge Menschen und Familien Lindau/Bodensee, Kreisjugendamt Unterallgäu in Mindelheim, Sozialreferat der Landeshauptstadt München - Fachabteilung Kinderkrippen -, Stadtjugendamt Straubing; vgl. Kapitel 4 und 6).

16 Jugendämter und 9 Kindertageseinrichtungen sandten die Fragebögen zurück. Dies entsprach einem Rücklauf von 80 bzw. 50%. So lagen 25 Fragebögen (66% aller Fragebögen) zur Auswertung vor. Aufgrund der geringen Anzahl der Fragebögen und der nicht zu gewährleistenden Anonymität eignet sich diese Befragung nur sehr begrenzt zur Evaluation des Modellversuchs.

Die ersten fünf Fragen bezogen sich auf die Angebote des IFP im Rahmen des Modellversuchs:

  • "Hat die Beratung durch das IFP Ihren Erwartungen entsprochen oder nicht " 72% der Befragten (81% der Jugendämter, 56% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "ja", 28% (19% der Jugendämter, 44% der Kindertageseinrichtungen) mit "teils, teils" und 0% mit "nein".
  • "War die Dauer der Beratung durch das IFP ausreichend oder zu kurz " 92% der Befragten (94% der Jugendämter, 89% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "ausreichend", 8% (6% der Jugendämter, 11% der Kindertageseinrichtungen) mit "weder/noch" und 0% mit "nicht ausreichend".
  • "Reichten die Ihnen vom IFP zur Verfügung gestellten Veröffentlichungen aus (z.B. Broschüre 'Hilfen für Kinder, Erzieherinnen und Eltern', Zwischenbericht, Kopien von Fachartikeln, Faltblätter und Broschüren über psychosoziale Leistungen) " 92% der Befragten (94% der Jugendämter, 89% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "reichten aus", 4% (6% der Jugendämter, 0% der Kindertageseinrichtungen) mit "teils, teils" und 4% (0% der Jugendämter, 11% der Kindertageseinrichtungen) mit "reichten nicht aus".
  • "Entsprachen die vom IFP durchgeführten Veranstaltungen Ihren Erwartungen " 40% der Befragten (63% der Jugendämter, 0% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "ja", 56% (38% der Jugendämter, 89% der Kindertageseinrichtungen) mit "teils, teils" und 4% (0% der Jugendämter, 11% der Kindertageseinrichtungen) mit "nein".
  • "Haben Sie dank des IFP-Projekts etwas Neues gelernt oder neue Fähigkeiten entwickelt " 64% (69% der Jugendämter, 56% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "ja", 28% (19% der Jugendämter, 44% der Kindertageseinrichtungen) mit "teils, teils" und 8% (13% der Jugendämter, 0% der Kindertageseinrichtungen) mit "nein".

Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass die weitaus meisten Befragten mit dem Angebot des IFP zufrieden waren, wobei die positive Tendenz der Antworten bei den Jugendämtern ausgeprägter war als bei den Kindertageseinrichtungen. Rund drei Viertel der Befragten meinten, dass die Beratung durch das IFP ihren Erwartungen entsprochen habe; nahezu alle hielten sie für lang genug (obwohl sie nur ca. vier Besprechungen vor Ort umfasste). Auch reichten nahezu allen Befragten die bei den ersten Fachtagungen verteilten Broschüren und Fachartikel aus. Neun Zehntel der Befragten hatten während des IFP-Projekts etwas Neues gelernt oder neue Fähigkeiten entwickelt.

Nur mit den Fachtagungen waren die Befragten weniger zufrieden: Mehr als die Hälfte von ihnen wählte die Antwortvorgabe "teils, teils", wenn auch nur 4% die Antwortvorgabe "nein" ankreuzten (hier muss man wie bei allen anderen Prozentangaben die geringe Stichprobengröße berücksichtigen: 4% steht für einen Fragebogen aus der gesamten Stichprobe; 6% für einen Fragebogen aus der Stichprobe der Jugendämter; 11% für einen Fragebogen aus der Stichprobe der Kindertageseinrichtungen). Bei der Bewertung der Fachtagungen war die Diskrepanz zwischen Jugendämtern und Kindertageseinrichtungen in der Antworttendenz besonders groß: So war die Mehrheit der Jugendämter (63%) mit den Veranstaltungen zufrieden - aber keine einzige Kindertageseinrichtung (89% wählten die Antwortvorgabe "teils, teils", 11% "nein"). Vermutlich entsprach die Gestaltung der Fachtagungen mit dem Vorherrschen von (Kurz-) Referaten und der großen Teilnehmerzahl zu wenig den Erwartungen der Erzieherinnen und ihren Erfahrungen mit Fortbildungen.

Besonders interessiert natürlich, ob die Teilnahme am IFP-Projekt vor Ort Auswirkungen hatte. So wurde gefragt: "Hat sich während der Beratung durch das IFP der Stand der Vernetzung in Ihrem Jugendamtsbezirk bzw. von Ihrer Kindertageseinrichtung verbessert oder nicht " 20% der Befragten (19% der Jugendämter, 22% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "sehr verbessert", 64% (75% der Jugendämter, 44% der Kindertageseinrichtungen) mit "etwas verbessert", 16% (6% der Jugendämter, 33% der Kindertageseinrichtungen) mit "gleich geblieben" und 0% mit "verschlechtert". Dieses Befragungsergebnis zeigt, dass ein seitens des IFP recht geringer Aufwand ausreichte, um vor Ort positive Veränderungen anzustoßen: Mehr als vier Fünftel aller Befragten berichteten von einer besseren Vernetzung.

Natürlich interessiert auch, ob nach Abschluss der Beratung durch das IFP Vernetzungsaktivitäten fortgeführt werden und ob die während der intensiven Projektphase erzielten Verbesserungen erhalten bleiben. Hierüber geben 19 Fragebögen (12 Jugendämter, 7 Kindertageseinrichtungen) Auskunft. Bei diesen Befragten lag die Beratung durch das IFP ein Jahr oder zwei Jahre zurück. Sie beantworteten folgende Fragen (nach der Vorbemerkung "Nur beantworten, wenn die Beratung durch das IFP im ersten oder zweiten Projektjahr [1997/98 bzw. 1998/99] erfolgte"):

  • "Wurden die Vernetzungsaktivitäten nach Abschluss der Beratung durch das IFP fortgeführt oder nicht " 74% der Befragten (83% der Jugendämter, 57% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "fortgeführt" und 26% (17% der Jugendämter, 43% der Kindertageseinrichtungen) mit "nicht fortgeführt".
  • "Wurden weitere/neue Vernetzungsaktivitäten nach Abschluss der Beratung durch das IFP erprobt oder eingeführt " 37% der Befragten (42% der Jugendämter, 29% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "ja" und 63% (58% der Jugendämter, 71% der Kindertageseinrichtungen) mit "nein".
  • "Hat sich der Stand der Vernetzung in Ihrem Jugendamtsbezirk bzw. von Ihrer Kindertageseinrichtung in dem einen Jahr bzw. in den zwei Jahren nach Abschluss der Beratung durch das IFP verändert " 53% der Befragten (58% der Jugendämter, 43% der Kindertageseinrichtungen) antworteten mit "verbessert", 47% (42% der Jugendämter, 57% der Kindertageseinrichtungen) mit "gleich geblieben" und 0% mit "verschlechtert".

Bei diesen Prozentangaben ist natürlich zu beachten, dass die zugrunde liegende Stichprobe mit 19 Fragebögen sehr gering ist. Die sich bei den Antworten zeigenden Tendenzen sind aber recht ermutigend: In immerhin drei Viertel der Fälle wurden die Vernetzungsaktivitäten ohne Begleitung durch das IFP selbstständig fortgeführt; in einem guten Drittel der Fälle wurden sogar neue Vernetzungsaktivitäten eigenständig eingeführt. Dementsprechend kam es in der Hälfte der Fälle zu einer weiteren Verbesserung der Vernetzung. Der nach Abschluss eines Modellprojekts häufig auftretende Effekt, dass die erzielten positiven Veränderungen wieder verschwinden, wurde kein einziges Mal berichtet. Allerdings zeigt sich auch hier, dass Jugendämter mehr von dem IFP-Projekt profitierten als Kindertageseinrichtungen: Ihre Antworttendenz war bei allen drei gerade genannten Fragen positiver.

Auf dem Fragebogen konnten die Befragten ferner "Anmerkungen/Kommentare" eintragen, die manche Befragungsergebnisse ergänzen. Einige (zum Teil gekürzte) Aussagen von Kindertageseinrichtungen waren:

  • "Ich hätte mir gemeinsame Veranstaltungen mit den beteiligten Jugendämtern gewünscht - mehr Einblick in die andere Sichtweise".
  • "Da während dieser Zeit in unserer Einrichtung kein Bedarf an Hilfe von 'außen' war, wurden die Kontakte auch nicht weiter in Anspruch genommen".
  • "Es gab keine aktuellen Anlässe, die Vernetzungsaktivitäten auszuweiten".
  • "Die psychosoziale Vernetzung ist gruppen- und personalmäßig von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Auf alle Fälle ist bei mir selbst das Bewusstsein gegenüber sozialen Schwierigkeiten gewachsen. Ich kann Standpunkte besser vertreten und praxisorientiert argumentieren. Das Modell hat beim Elternbeirat gute Ansätze zum Überdenken gegeben!"
  • "Die Betreuung im ersten Jahr fanden wir sehr gut. Diese Betreuung fehlte uns in den darauf folgenden zwei Jahren. Wir würden eine Betreuung in einem zusätzlichen Jahr sehr begrüßen. Trotzdem fanden wir das Projekt sehr interessant und würden uns freuen, wenn wir wieder einmal teilnehmen könnten".

Jugendämter merkten an:

  • "Wir haben nach der Beratung durch das IFP unseren Beratungsführer für Kindertagesstätten fertiggestellt. Da wir personelle Verstärkung erhalten haben, hoffen wir, unsere Aktivitäten in Richtung Vernetzung wieder aufnehmen zu können".
  • "Ich werde auch weiterhin bemüht sein, die Vernetzung von Kitas mit psychosozialen Diensten aufrechtzuerhalten und zu verbessern sowie Vermittlungs- und Hilfsangebote für Kitas mit Vernetzungsschwierigkeiten anzubieten. Im Großen und Ganzen ist im Landkreis ein relativ guter Vernetzungsstand vorhanden".
  • "Vernetzung, Bildung von Netzwerken im ländlichen Raum, wird noch erschwert durch infrastrukturelle Bedingungen. Kooperation mit Jugendhilfeplanung und Fachstelle für Prävention ist stark intensiviert. Mein Wunsch nach kleinräumiger, sozialraumorientierter Regionalisierung des Jugendamtes".
  • "Leider konnte ich mich - veranlasst durch dienstliche und private Ereignisse - nicht im gewünschten Maße im Projekt engagieren. Dennoch habe ich das Projekt als sehr wichtig und gelungen empfunden und - hoffentlich - einiges gelernt".
  • Zum erreichten Stand der Vernetzung: "In Bezug auf Modellpartner "etwas verbessert". Das Projekt hat einen Umdenkprozess in Gang gesetzt, der jedoch nur aufrechterhalten werden kann, wenn jemand auch weiterhin koordiniert und antreibt".
  • "Zeitmangel im Arbeitsalltag war der Grund, warum nicht noch größere Vernetzung initiiert werden konnte. Notwendigkeit und Sinn wurden immer gesehen. Aber auch Kooperationsbereitschaft auf den verschiedenen Ebenen war mit das Problem".
  • "Der Arbeitskreis 'Vernetzung' wurde nach Abschluss der Beratung durch das IFP in selbst organisierter Form durch die Kita-Leiterinnen und die Erziehungsberatungsstelle fortgesetzt, wobei das Jugendamt nur noch zeitweise beratend und begleitend eingeschaltet war. Leider zeigten weitere Kindertagesstätten bisher wenig Interesse an einer Einbeziehung".
  • "Während des Projekts konnte ein mobiler Beratungsdienst zunächst als ABM-Stelle und ab 01.11.2000 dauerhaft installiert werden, der eine zentrale Rolle in der Vernetzung einnimmt (Vermittlung von Kontakten und Hilfen, Koordination ...)".
  • "Ich hätte mir die Veranstaltungen in etwas kleinerem Rahmen gewünscht. Dadurch wäre mehr Kontakt möglich gewesen".

Deutlich wird, dass vereinzelt Zeit- und Personalmangel, persönliche Gründe, die Rahmenbedingungen im ländlichen Raum, ein mangelnder Problemdruck oder das Fehlen der Betreuung durch das IFP in einem weiteren Projektjahr eine noch intensivere Vernetzung verhinderten. An den Veranstaltungen im Rahmen des Modellversuchs wurde kritisiert, dass der Teilnehmerkreis zu groß sowie die Trennung von Erzieherinnen und Jugendamtsmitarbeiter/innen bei Arbeitsgruppen nicht immer sinnvoll war. Ansonsten wurden mehrere erfolgreich praktizierte Vernetzungsaktivitäten und positive Veränderungen auf der persönlichen Ebene (mehr Wissen, bessere Argumente u.Ä.) herausgestellt. Anzumerken ist noch, dass in der Rubrik "Anmerkungen/Kommentare" mehrfach die gute Zusammenarbeit mit der Projektmitarbeiterin und dem Projektmitarbeiter des IFP gewürdigt wurde.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass laut der Umfrage die weitaus meisten Befragten mit dem im Rahmen des IFP-Projekts erfolgten Angebot an Information und Beratung zufrieden waren und dass sich in vier Fünftel der Fälle der Stand der Vernetzung verbesserte. Letzteres ist ein besonders erfreuliches Befragungsergebnis, wenn man bedenkt, dass die "Intervention" seitens des IFP auf ca. vier Beratungsgespräche vor Ort und auf das Angebot von drei eintägigen Fachtagungen beschränkt war. Die eigentlichen Vernetzungsaktivitäten mussten letztlich von den teilnehmenden Jugendämtern und Kindertageseinrichtungen selbst geplant und durchgeführt werden. Somit konnten sie die erzielten Erfolge weitgehend sich selbst zuschreiben. Dies hat sicherlich zu der in der Umfrage deutlich werdenden Motivation beigetragen, Vernetzungsaktivitäten auch ohne eine weitere Betreuung durch das IFP fortzuführen und - zumindest in einem Drittel der Fälle - neue auszuprobieren. So ist das erfreulichste Ergebnis der Umfrage, dass sich in der Hälfte der Fälle der Stand der Vernetzung nach Abschluss der Beratung durch das IFP weiter verbesserte.

 

10. Ausblick: Grundsätze für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten

Martin R. Textor

10.1 Einführung

Im Zusammenhang mit der Beratung des Amtes für Jugend und Familie des Landkreises Miesbach sowie des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Rosenheim wurden nachstehende Grundsätze für die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten entwickeln. Sie verkörpern die Prinzipien, deren Befolgung nach den während des Modellversuchs gesammelten Erfahrungen eine gute Zusammenarbeit zwischen den genannten Institutionen sicherstellt. Den Teilnehmer/innen der von den beiden genannten Jugendämtern gegründeten Arbeitskreise wird für das kritische Feedback hinsichtlich der Grundsätze gedankt.

10.2 Die Grundsätze

Nachstehende Prinzipien beruhen auf den Wünschen und Forderungen von Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste, wie sie bei vielen Veranstaltungen und Besprechungen im Rahmen des IFP-Projekts "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" geäußert wurden. Das Befolgen dieser Grundsätze würde nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten erleichtern, sondern auch dem Wohl von Kindern und Eltern mit einem Beratungs- und Hilfebedarf dienen. Ein Realisieren der Prinzipien wird jedoch durch die Rahmenbedingungen auf beiden Seiten erschwert (z.B. geringe Verfügungszeit und große Kindergruppen aufseiten der Kindertagesstätten, lange Wartelisten und fehlende Finanzierung vieler wünschenswerter Leistungen aufseiten der psychosozialen Dienste), die dringend einer Korrektur bedürfen.

  1. Die Mitarbeiter/innen von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten sind bestrebt, die (staatlich anerkannten Fach-)Kompetenzen der jeweils anderen Seite als gleichwertig anzuerkennen und sie mit Achtung und Respekt zu behandeln. Sie nehmen wahr, dass die Kindertageseinrichtung und der jeweilige psychosoziale Dienst andersartige Systeme mit verschiedenen Organisationsstrukturen, Regeln und Begrenzungen sind.
  2. Beide Seiten sind gleichberechtigt. Sie streben nach Grundhaltungen wie Offenheit, Aufgeschlossenheit sowie Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft. Sie bemühen sich um das Vertrauen der jeweils anderen Seite.
  3. Jede Profession versucht, die Grenzen ihrer berufstypischen Vorgehensweise zu akzeptieren, und ist geneigt, von anderer Seite gelieferte Informationen zunächst einmal als wahr und richtig zu betrachten. Sie ist zu einem Gespräch mit der anderen Seite bereit, wenn sie zu einem anderen Ergebnis als diese kommt. Es wird anerkannt, dass sich Professionen und unterschiedliche Fachlichkeiten ergänzen und im Einzelfall oft ein Zusammenwirken unabdingbar ist (Interdisziplinarität).
  4. Die unter 1. bis 3. genannten Grundhaltungen und Einstellungen sind nur in einem langfristigen Prozess zu erreichen, der persönliche Kontakte voraussetzt.
  5. Beide Seiten informieren einander offen über ihre Zuständigkeiten, Aufgaben, Tätigkeiten, Arbeitsformen, Vorgehensweisen, Erfahrungen und Probleme - entweder auf annähernd regelmäßiger Basis oder auf Wunsch, eventuell auch durch Informationsveranstaltungen, "Tage der offenen Tür" usw. Falls vorhanden werden schriftliche Materialien zur Verfügung gestellt (z.B. Broschüren, Beratungsführer, Faltblätter, Kindergartenkonzeptionen). Relevante Informationen über psychosoziale Dienste werden von den Kindertageseinrichtungen an die Eltern weitergegeben (z.B. Aushängen von Faltblättern am schwarzen Brett, Auslegen von Broschüren, Beiträge in Elternbriefen).
  6. Beide Seiten streben nach persönlichen Kontakten, sodass zumindest in größeren Einrichtungen bekannte Ansprechpartner vorhanden sind. Gegenseitige Besuche und unter Umständen auch Hospitationen werden als sinnvoll erachtet. Kontinuierliche Kontakte - z.B. in Arbeitskreisen - werden angestrebt. Gemeinsame Fortbildungen können zu einem Angleichen des (unterschiedlichen) Informationsstandes zu relevante Themen (z.B. Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten, Diagnostik, heilpädagogische Behandlungsformen, systemisches Arbeiten) führen.
  7. Beratung - in welcher Form auch immer - ist eine allgemeine und alltägliche Dienstleistung. Erzieher/innen akzeptieren die Normalität von Beratung und vermitteln diese Grundhaltung an die Familien weiter. Zusammen mit den psychosozialen Diensten versuchen sie, durch eine entsprechende Aufklärung von Eltern Hemmschwellen abzubauen. Sofern möglich, versuchen deren Mitarbeiter/innen, sich den Eltern persönlich vorzustellen (z.B. durch die Teilnahme an einem Elternabend - möglichst einer gemeinsamen Veranstaltung mehrerer Kindertageseinrichtungen). Bei besonders großen Ängsten kann unter Umständen auch ein Beratungstermin in der Kindertagesstätte erfolgen oder die Erzieherin die Familie zum Erstgespräch in den psychosozialen Dienst begleiten.
  8. Von beiden Seiten wird eine möglichst frühzeitige Intervention angestrebt, damit sich Verhaltensauffälligkeiten, Sprachstörungen, Probleme u.Ä. nicht verfestigen können. Beide Seiten wirken darauf hin, dass die "Verantwortlichen" (z.B. Sozialamt, Therapien verschreibende Ärzte, für wirtschaftliche Erziehungshilfe zuständige Mitarbeiter/innen des Jugendamtes) erkennen, dass frühzeitige Behandlungen kostengünstiger und damit wirtschaftlicher sind.
  9. Frühzeitige Interventionen und präventive Maßnahmen lassen sich nur realisieren, wenn Erzieher/innen das Vertrauen der Eltern besitzen. Der Elternarbeit kommt somit eine zentrale Bedeutung zu; sie sollte zu einer "Erziehungspartnerschaft" zwischen Eltern und Erzieher/innen führen. Kindertageseinrichtungen und psychosoziale Dienste achten die Elternrechte und beziehen die Eltern bei Problemen der Kinder frühestmöglich und bei jeder geeigneten Gelegenheit in ihre Maßnahmen ein. Sie sind bestrebt, in ihnen "Fachleute" für ihr Kind zu sehen, ihre Kompetenzen zu achten und sie immer ernst zu nehmen. Auch im Rahmen von Beratung, Behandlung und Therapie werden Eltern als Partner gesehen.
  10. Wird ein Kind bzw. eine Familie an einen psychosozialen Dienst oder an einen Arzt weitervermittelt, bemühen sich sowohl die Kindertagesstätte als auch der Dienst (bzw. Arzt) um die (schriftliche) Einwilligung der Eltern mit auf ihren Fall bezogenen Kontakten zwischen beiden Einrichtungen. Wird das Kind oder die Familie von dem psychosozialen Dienst ohne Wissen der Kindertagesstätte betreut, bemüht sich dieser um die Einwilligung der Eltern in eine Kontaktaufnahme mit der zuständigen Erzieherin. Wenn es sinnvoll zu sein scheint, werden die Eltern auch gefragt, ob sie mit der Weitergabe von (ärztlichen) Untersuchungs- und Testergebnissen oder von schriftlichen Berichten (z.B. Gutachten) einverstanden sind. Unter Umständen wird die zuständige Gruppenleiter/in zu einem einzelnen Beratungs- oder Behandlungstermin eingeladen.
  11. Im Sinne der Kinder und seiner Eltern ist sicherzustellen, dass Behandlungen und Beratungen von qualifizierten und kompetenten Fachleuten (z.B. Ärzt/innen, Psycholog/innen, Sozialpädagog/innen, medizinische Hilfsberufe) durchgeführt werden und dem Bedarf entsprechen.
  12. Erweist es sich in den genannten Fällen als notwendig, werden gemeinsam Fallbesprechungen, Hilfeplangespräche oder Helferkonferenzen durchgeführt - möglichst mit den Eltern (auf jeden Fall aber mit deren Einwilligung). So können Erzieher/innen - und Eltern - wichtige Informationen beisteuern, werden sie in die Behandlung einbezogen, können Vorgehensweise und Verhalten gegenüber dem jeweiligen Kind bzw. seinen Eltern abgestimmt werden.
  13. Falls nötig und sinnvoll werden Diagnosen gemeinsam von Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste, Erzieher/innen und Eltern erstellt, da nur so verschiedene Perspektiven und unterschiedliche Erfahrungen mit dem jeweiligen Kind in seinen Lebenswelten miteinander verknüpft werden können. Ziel der Diagnose ist das Verstehen des individuellen Kindes in seiner Entwicklung und unter Einbeziehung seines Umfeldes. Die Diagnose wird nicht als einmalige Momentaufnahme verstanden, sondern als ein Prozess.
  14. Haben Erzieher/innen Probleme, den Entwicklungsstand oder das Verhalten eines bestimmten Kindes richtig einzuschätzen, stellen psychosoziale Dienste (bzw. Ärzte) Diagnosehilfen zur Verfügung (z.B. Beobachtungsbögen). Ferner stehen sie nach Möglichkeit für anonymisierte Fallbesprechungen - insbesondere im Vorfeld von Elterngesprächen - zur Verfügung. Auch können sie nach Einwilligung der Eltern eine Fachkraft in die Kindertageseinrichtung zwecks Diagnoseerstellung entsenden. Erzieher/innen sind damit einverstanden, dass dies auch passiert, wenn Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste ein zur Behandlung angemeldetes Kind in der "natürlichen" Umwelt der Kindertageseinrichtung bzw. in seiner Beziehung zu den pädagogischen Fachkräften beobachten wollen.
  15. Können Familien psychosoziale Dienste nicht aufsuchen, bemühen sich die Fachkräfte, durch mobile Dienstleistungen dieser Situation zu entsprechen. Sie behandeln die Kinder in der Kindertagesstätte und beraten auch ihre Eltern dort. Ähnliches gilt für Fälle, bei denen Eltern psychosoziale Dienste nicht aufsuchen wollen, aber mit einer Behandlung ihres Kindes in der Tageseinrichtung einverstanden sind.
  16. Lassen es die personellen Kapazitäten eines psychosozialen Dienstes zu, können auf Wunsch offene Sprechstunden für Eltern, Kontaktnachmittage, Gesprächskreise für Mütter u.Ä. in Kindertageseinrichtungen angeboten werden. Auf diese Weise werden zugleich Aufgaben nach §16 SGB VIII (allgemeine Beratung, Familienbildung) übernommen. Ferner werden Schwellenängste abgebaut.
  17. Bei Behandlungen von Kindern durch psychosoziale Dienste in Kindertageseinrichtungen erhalten Erzieher/innen die Möglichkeit zur Teilnahme. Sie werden im Umgang mit dem jeweiligen Kind angeleitet und können auf diese Weise ihre heilpädagogischen Kompetenzen erweitern.
  18. Da manche Erzieher/innen einen Beratungsbedarf haben und zusätzliche Qualifikationen benötigen, stellen psychosoziale Dienste hierfür personelle Kapazitäten zur Verfügung (z.B. für Beobachtungen in der Kindertageseinrichtung, für Fallbesprechungen, Supervision, Teamfortbildungen u.Ä.). Damit verbunden ist das Ziel einer Weiterqualifizierung der Erzieher/innen, damit sie mehr präventive Aufgaben übernehmen und durch die Verhütung oder die Reduzierung von Auffälligkeiten psychosoziale Dienste entlasten können.
  19. Bei allen fallbezogenen Kontakten werden immer die Bestimmungen des Sozialdatenschutzes beachtet (siehe Reichert-Garschhammer, in Druck).

Damit diese Grundsätze umgesetzt werden können, wirken Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen psychosozialer Dienste darauf hin, dass die Träger und Trägerverbände eine Zusammenarbeit zulassen und fördern (z.B. durch entsprechende Fortbildungen, Genehmigung von Dienstreisen und Besuchen, Übernahme eventueller Kosten, Kommunikations- und Kooperationsräume). Schließlich gilt es, die Finanzierung von hier genannten Leistungen sicherzustellen, die bisher nicht erstattet werden (z.B. Fallbesprechungen mit Erzieher/innen oder deren Beratung durch freiberuflich tätige Psychotherapeut/innen, Ärzte, Logopäd/innen, Ergotherapeut/innen usw.).

10.3 Literatur

Reichert-Garschhammer, E.: Sozialdatenschutz im Praxisfeld Kindertageseinrichtung. Ein Steuerungsinstrument auf dem Weg zu mehr Qualität. Eine Handreichung für Träger, Kindertageseinrichtungen und Ausbildungsstätten. Kronach, München, Bonn, Potsdam: Carl Link/Deutscher Kommunal-Verlag, in Druck

(Anhang fehlt!)