Kindergartenpädagogik
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Herausgeber: Martin R. Textor

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Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten. Abschlussbericht. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik 2000 - Teil 2

Martin R. Textor (Redaktion)


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6. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Jugendämtern

Martin R. Textor

Im dritten Projektjahr sollten neun Jugendämter intensiver betreut werden. Bei den Erstgesprächen ergab sich jedoch, dass zwei Jugendämter bereits einen befriedigenden Stand hinsichtlich der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten erreicht hatten und keine intensivere Beratung benötigten. So berichtete das Kreisjugendamt Mindelheim von einer personell sehr gut ausgestatteten Frühförderstelle (15 Fachkräfte), die auch mobil in Kindertageseinrichtungen arbeitet. Daneben gibt es die Mobilen sonderpädagogischen Hilfen der Schulvorbereitenden Einrichtungen an den Sonderpädagogischen Förderzentren in Memmingen und Mindelheim, die mit vier Teilzeitkräften ausgestattet sind. Ferner sucht die Mobile Drogenberatung Kindertageseinrichtungen auf; in zwei Kindergärten hat sie das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" begleitet. Außerdem macht der Jugendschutzbeauftragte Angebote zur Medienerziehung in Kindertagesstätten. Die Erziehungsberatungsstellen in Mindelheim und Memmingen wurden als offen für die Belange von Kindertageseinrichtungen beschrieben; beide bieten Arbeitsgemeinschaften für Erzieher/innen an. Auch das Kreisjugendamt würde intensiv mit Kindertagesstätten kooperieren: Die Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes suchen oft - auch unabhängig von Einzelfällen - Kindertageseinrichtungen für Informationsgespräche auf; insbesondere der Stellvertretende Jugendamtsleiter stellt das Jugendamt häufig bei Elternabenden vor oder referiert dort zu Erziehungsfragen; ein Beratungsführer, das Verzeichnis "Fachdienste in Zusammenarbeit mit den Kindergärten" und der Tätigkeitsbericht des Jugendamtes wurden den Kindertagesstätten zugeschickt. Zweimal wurden "Info-Foren" durchgeführt, auf denen sich psychosoziale Dienste vorstellten. Schließlich bietet das Kreisjugendamt Mindelheim in Kooperation mit Fachleuten Vortragsreihen zur Elternbildung und in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltungsschule Fortbildungen für Erzieher/innen vor Ort an. Einige über diese Angebote hinausgehende mögliche Vernetzungsaktivitäten wurden bei dem Erstgespräch noch andiskutiert - eine zusätzliche Fortbildung über Gesprächführung mit Eltern, familienbildende Artikel für Elternbriefe bzw. Kindergartenzeitungen, Supervision für Erzieher/innen -, bei denen das Kreisjugendamt aber wenig Realisierungschancen bzw. keinen Bedarf für eine fachliche Begleitung durch den Projektmitarbeiter sah. Der Jugendamtsleiter fragte bei der nächsten Leiterinnenkonferenz (18.11.1999) nach, ob Interesse an familienbildenden Artikeln bestände (wurde bejaht) und ob darüber hinaus weitere neue Vernetzungsaktivitäten notwendig seien (wurde verneint). Es wurde nur gewünscht, dass sich psychosoziale Dienste immer wieder bei Leiterinnenkonferenzen vorstellen sollten. Aufgrund dieser Situation stimmten Jugendamtsleiter und Projektmitarbeiter darin überein, es bei dem Erstgespräch zu belassen.

Auch das Stadtjugendamt Straubing berichtete von vielen laufenden oder abgeschlossenen Vernetzungsaktivitäten: So trifft sich der Jugendamtsleiter alle acht bis zehn Wochen mit den Leiterinnen der Kindertagesstätten zum Informationsaustausch. Ferner wurden 15 Arbeitskreise für Erzieherinnen gegründet, die sich unterschiedlichen Fragestellungen widmen und an denen auch Fachkräfte aus dem Landkreis teilnehmen. Die Arbeitskreisteilnehmer/innen würden auch psychosoziale Dienste besuchen oder - mit finanzieller Unterstützung durch das Jugendamt - Referent/innen einladen. Daneben gibt es viele Fortbildungsangebote für Erzieher/innen vor Ort. Alle fünf kommunalen Kindergärten hatten vor ca. zwei Jahren Supervision erhalten. Im Jugendhilfeausschuss ist eine Erzieherin Mitglied; ansonsten nehmen öfters Erzieherinnen als Gäste an den Sitzungen teil. Die psychosozialen Dienste arbeiten zunehmend mobil - ihre Mitarbeiter/innen sind oft in Kindertageseinrichtungen anzutreffen. Besonders intensiv sei deren Zusammenarbeit mit den fünf integrativen Kindergartengruppen; hier treffen sich Erzieherinnen und Fachkräfte auch in einem eigenen Arbeitskreis. Daneben gibt es in Straubing einen Arbeitskreis "Sexueller Missbrauch" und einen "Sucht-Arbeitskreis", an denen Erzieherinnen teilnehmen; letzterer hat im Jahr 1999 dreimal spielzeugfreie Phasen in Kindergärten begleitet. Schließlich haben Erzieherinnen die Möglichkeit, Fallbesprechungen mit der Psychologin des Kinderschutzbundes durchzuführen; gelegentlich kämen sie zu diesem Zweck auch in das Jugendamt. Aufgrund dieses guten Vernetzungsstandes beschlossen Jugendamtsleiter und IFP-Mitarbeiter übereinstimmend, es bei dem Erstgespräch zu belassen. Der Jugendamtsleiter fragte bei der nächsten Leiterinnenkonferenz im Januar 2000 nach, ob die Entscheidung von den Erzieher/innen geteilt würde - was der Fall war.

Aber auch beim Kreisjugendamt Lindau blieb es bei dem Erstgespräch. Hier wurde zunächst die Situation ausländischer Kinder im Landkreis analysiert. So wird in Lindau ein Projekt zur Sprachförderung ausländischer Mütter und Kindergartenkinder durchgeführt. Aufgrund der andersartigen Zielsetzung konnte dieses Projekt jedoch nicht in den IFP-Modellversuch einbezogen werden. Vernetzungsaktivitäten des Jugendamtes sind u.a. Leiterinnentreffen unter Teilnahme von Vertreter/innen psychosozialer Dienste, Besuche der ASD-Mitarbeiter/innen in Kindertageseinrichtungen (mindestens einmal pro Jahr) und eine Arbeitsgemeinschaft "frühe Hilfen", an der neben Ärzten und anderen Fachleuten rund 20 Erzieherinnen teilnehmen. Für die kommenden Monate wurde eine Leiterinnenkonferenz geplant, auf der der IFP-Projektmitarbeiter ein Referat zum Thema "Vernetzung" halten sollte. Ferner wollte das Jugendamt erstmalig zwei Fortbildungen für Erzieherinnen organisieren. Schließlich wurde eine Info-Börse angedacht, bei der sich verschiedene psychosoziale Dienste den Erzieherinnen vorstellen sollten. Zu diesen Projektaktivitäten kam es jedoch aufgrund der Arbeitsüberlastung des Jugendamtsleiters nicht; sie sollen nun im Kindergartenjahr 2000/2001 stattfinden.

So blieben sechs Jugendämter, die im dritten Projektjahr intensiver betreut wurden. Von ihnen stellt das Amt für junge Menschen und Familien Bad Kissingen die durchgeführten Vernetzungsaktivitäten selbst vor (siehe Kapitel 8.2). Auffallend war, dass die Erstgespräche bei den sechs Jugendämtern anders abliefen als diejenigen in den beiden ersten Projektjahren: Die Jugendamtsleiter/innen bzw. -mitarbeiter/innen wussten aufgrund der durchgeführten Fachtagungen und dank des an sie verteilten Zwischenberichts, was für Erwartungen mit dem IFP-Projekt verbunden sind und was für Aktivitäten von den zuvor betreuten 14 Jugendämtern durchgeführt wurden. So berichteten sie von sich aus über den Stand der Vernetzung vor Ort und hatten bereits konkrete Vorstellungen, welche neuen Vernetzungsaktivitäten sie ausprobieren wollten. Auch hatten sie oft Leiterinnen von Kindertagesstätten oder Arbeitskreisen zum Erstgespräch eingeladen.

Eine im dritten Projektjahr besonders beliebte Vernetzungsaktivität waren Großveranstaltungen. So wurde mit dem Stadtjugendamt Ansbach eine Kontaktbörse geplant. Sie fand am 11.05.2000 von 09.00 bis 17.15 Uhr (1 Stunde Mittagspause) im Fränkischen Überlandwerk statt. Der Sitzungssaal war durch Trennwände in drei Räume aufgeteilt worden, in denen sich 15 psychosoziale Dienste, zwei Kindergärten und ein Hort mit Stellwänden und auf Tischen ausgelegten Materialien präsentierten - alle hatten die Stellwände sehr professionell mit Fotos, Plakaten u.Ä. gestaltet. In einem Raum führten Ergotherapeuten auch einen Videofilm über ihre Tätigkeit vor. Die drei Kindertageseinrichtungen beteiligten sich auf Wunsch der psychosozialen Dienste an der Ausstellung - diese wollten sich bei der Kontaktbörse über deren frühpädagogische Arbeit informieren, da ihr Kenntnisstand recht gering sei. Die Kontaktbörse begann mit einem Lied einer Kindergartengruppe, mit einer kurzen Eröffnung durch die Jugendamtsleiterin, einem Grußwort des Bürgermeisters und einem Grußwort des IFP-Mitarbeiters. Im Verlauf des Tages stellten die psychosozialen Dienste ihre Arbeit in ein bis Kurzreferaten vor, die zumeist am Vormittag und am Nachmittag gehalten wurden. Rund 40 Erzieherinnen besuchten die Kontaktbörse. Bei 21 Kindertageseinrichtungen in Ansbach bedeutet dies, dass wohl jede Einrichtung mit ein bis drei Fachkräften vertreten war. Die Vorträge hörten sich aber auch immer mehrere Mitarbeiterinnen von psychosozialen Diensten an. So führte die Kontaktbörse - unbeabsichtigt - auch zum Informationsaustausch zwischen den Fachdiensten. Zudem ergab sich eine Vielzahl persönlicher Kontakte; die vielen informellen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch wurden genutzt. Schließlich konnten die Erzieher/innen in einem Fragebogen u.a. von ihnen gewünschte Fortbildungsthemen auflisten und psychosoziale Dienste nennen, die sie gerne besuchen möchten.

Das für die Kontaktbörse zusammengestellte Präsentations- und Informationsmaterial der psychosozialen Dienste durchläuft seit Oktober 2000 als Wanderausstellung die Ansbacher Kindertagesstätten. Das Informationsmaterial jeweils einer Beratungsstelle wird im wöchentlichen Wechsel in immer einer anderen Tageseinrichtung ausgestellt. Mit dieser Aktion soll nochmals den sozialpädagogischen Fachkräften, vor allem aber den Eltern, Gelegenheit zur Information gegeben werden. Die Exponate können auch Anlass für Gespräche mit Eltern sowie für eine themenbezogene Diskussion im Team oder im Rahmen eines Elternabends sein.

Die Informationsbörse des Stadtjugendamtes Weiden i. d. OPf. fand an einem Samstag von 09.00 bis 12.00 Uhr im Kinderhaus Tohuwabohu statt. In fünf Gruppenräumen präsentierten sich mehr als 15 psychosoziale Dienste - inklusive Selbsthilfegruppen - mit Stellwänden und ausgelegten Materialien. Außerdem hatte die Fachakademie für Sozialpädagogik im Mehrzweckraum eine Ausstellung über Kinderrechte organisiert (unter Verwendung des Medienkoffers des Bundesjugendministeriums). Abgesehen von der Begrüßung durch den Jugendamtsleiter wurden im Mehrzweckraum zwei Fachvorträge angeboten: "Der Zappelphilipp - Hyperaktivität bei Kindern" (seitens der Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie) und "Keine Gewalt gegen Kinder - Signale sehen, Hilferufe hören" (seitens der Erziehungsberatungsstelle). An der Veranstaltung nahmen rund 150 Personen teil. Neben Erzieherinnen kamen auch einige Eltern, zum Teil mit ihren Kindern. Die meisten Besucher/innen blieben für mehr als eine Stunde. Bei der Nachbesprechung wurde die Meinung vertreten, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war. Die Mitarbeiter/innen der psychosozialen Dienste hätten sich ebenfalls sehr positiv geäußert - auch darüber, dass sie untereinander Kontakte aufbauen konnten. Insbesondere freie Praxen würden ansonsten sehr isoliert arbeiten.

Der Markt der Möglichkeiten des Kreisjugendamtes München fand am 09.03.2000 von 10.00 bis 16.00 Uhr im Festsaal des Landratsamtes statt. Circa zehn psychosoziale Dienste und Sachgebiete des Kreisjugendamtes hatten ihre Stände aufgebaut, die aus zwei L-förmig aufgestellten Tischen bestanden, auf denen Informationsmaterialien ausgelegt wurden. Während des ganzen Tages konnten Erzieher/innen vorbeikommen, um Informationsgespräche mit den Vertreter/innen der psychosozialen Dienste zu führen und Broschüren, Faltblätter, Stickers u.Ä. einzusammeln. Rund 60 Erzieherinnen machten von diesem Angebot Gebrauch. Bei einer Nachbesprechung, die eine Woche später erfolgte, zeigte sich das Kreisjugendamt sehr zufrieden mit der Info-Börse. Auch die Erzieher/innen hätten sich sehr positiv geäußert.

Einen anderen Weg ging das Stadtjugendamt Fürth. Hier wurden - unter Einbeziehung einer Grafikerin der Stadtverwaltung - Stellwände mit Informationen über einzelne psychosoziale Dienste bestückt. Diese Stellwände wurden erstmals bei der Abschlusstagung zum IFP-Projekt in der Stadthalle Fürth ausgestellt. Anschließend soll immer eine Stellwand in einer Kindertagesstätte für eine bestimmte Zeit aufgestellt werden und dann durch eine andere ersetzt werden. Auf diese Weise sollen auch die Eltern (und das ganze Personal) die Möglichkeit haben, sich über die jeweiligen psychosozialen Dienste informieren zu können. Da immer nur einige wenige Dienste vorgestellt werden, werden die Eltern und Erzieher/innen nicht mit Informationen überfrachtet; durch das Austauschen der Stellwände wird immer wieder das Interesse am sozialen Netz bzw. an der Vernetzung geweckt.

Einige Kindertageseinrichtungen haben auf Vorschlag des Stadtjugendamtes Fürth eine Vernetzungsbeauftragte ernannt. Sie soll sich besonders um Vernetzungsfragen kümmern, also z.B. Veranstaltungen mit psychosozialen Diensten besuchen und Informationsmaterial sammeln. Auf diese Weise werden die Leiter/innen entlastet. Ansonsten sollen in jeder Kindertagesstätte Mappen bzw. Ordner angelegt werden, in denen Faltblätter, Broschüren und anderes Informationsmaterial von psychosozialen Diensten bzw. über Sozialleistungen gesammelt werden.

Auch im dritten Projektjahr wurden wieder Beratungsführer für Kindertageseinrichtungen erstellt, so vom Stadtjugendamt Ansbach und vom Stadtjugendamt Schwabach. Bei den diesbezüglichen Besprechungen wurde mit den Jugendamtsmitarbeiter/innen und anderen anwesenden Personen geklärt, welche psychosozialen Dienste aufgelistet werden, wie sich diese präsentieren sollen (z.B. entsprechend bestimmter Leitfragen), welches Layout gewählt wird und wie der Druck finanziert werden kann. Außerdem verteilte das Stadtjugendamt Fürth einen für eine andere Zielgruppe als Erzieherinnen erstellten Beratungsführer an Kindertagesstätten.

In mehreren Jugendamtsbezirken wurden Fortbildungen für Erzieher/innen durch psychosoziale Dienste organisiert. Das Stadtjugendamt Fürth, das seit langem Fortbildungen für Erzieherinnen anbietet, nahm in sein Fortbildungsprogramm 2000 eine Seminarreihe "Vernetzung von psycho-sozialen Diensten mit Kindertagesstätten" auf, die insgesamt 10 Veranstaltungen in den Räumen des jeweiligen Dienstes umfasste. Hier stand die Vorstellung der Arbeit der psychosozialen Dienste im Vordergrund. Weitere Seminare sind für das Jahr 2001 vorgesehen. Auch das Stadtjugendamt Ansbach organisierte Fortbildungsveranstaltungen für Erzieherinnen mit Fachleuten aus psychosozialen Diensten. Diese sollten möglichst in deren Dienststellen stattfinden, sodass Erzieher/innen die Räumlichkeiten und deren Ausstattung kennen lernen können. Ansonsten sollen die früher üblichen Halbtagsfortbildungen wiederbelebt werden, die seitens des Evangelisch-Lutherischen Dekanats angeboten wurden. Zunächst sind sechs Fortbildungen pro Jahr vorgesehen.

Das Kreisjugendamt München führte eine Umfrage bei allen Kindertageseinrichtungen im Landkreis durch. Die Erzieher/innen konnten auf dem Fragebogen ankreuzen, mit welchen psychosozialen Diensten sie mehr Kontakt haben möchten. Zumeist wurden die "klassischen" Dienste wie Erziehungsberatungsstellen und Frühförderstellen angekreuzt. Eine anders geartete Umfrage wurde von dem Stadtjugendamt Weiden i. d. OPf. initiiert und soll von der Leiterin des Kinderhauses Tohuwabohu durchgeführt werden. Hier geht es um die Erfassung des Fortbildungsbedarfs - ab dem Kindergartenjahr 2000/2001 will das Jugendamt eigene Fortbildungen anbieten.

Schließlich nahm der IFP-Mitarbeiter an zwei Leiterinnenkonferenzen teil. Bei der Veranstaltung des Stadtjugendamtes Schwabach hielt er einen Kurzvortrag zum Thema "Vernetzung". Anschließend stellten sich das Sonderpädagogische Förderzentrum, einschließlich der Schulvorbereitenden Einrichtung und der Mobilen sonderpädagogischen Hilfe, sowie das Heilpädagogische Kinderzentrum mit Frühförderstelle, Mobilem Dienst und Heilpädagogischem Kindergarten vor. Zum Schluss nutzten die meisten Erzieherinnen noch die Möglichkeit, die Räume des Sonderpädagogischen Förderzentrums zu besichtigen. Bei der Leiterinnenkonferenz des Stadtjugendamtes Weiden i. d. OPf. hielt der IFP-Mitarbeiter ein Referat "Öffnung des Kindergartens", in dem Vernetzungsfragen in einem umfassenderen Kontext behandelt wurden.

6.1 Arbeitskreis "Vernetzung" der Jugendämter

Das dritte und letzte Treffen des Arbeitskreises "Vernetzung" fand am 23.03.2000 im Staatsinstitut für Frühpädagogik statt. Es nahmen sechs Mitarbeiterinnen von fünf Jugendämtern teil. Nach der Begrüßung berichtete Martin R. Textor über den Verlauf des IFP-Projekts "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten" seit Beginn des Kindergartenjahres 1999/2000. Dann stellten die Mitarbeiterinnen der Jugendämter die in den letzten 12 Monaten durchgeführten Vernetzungsaktivitäten vor (z.B. Präsentation psychosozialer Dienste bei Leiterinnenkonferenzen, Beratungsführer, Fortbildungen für Erzieher/innen bzw. Fallbesprechungen seitens psychosozialer Dienste, Großveranstaltung mit Ärzt/innen und Erzieher/innen zur Abklärung der Zusammenarbeit, Vorstellung von Mitarbeiter/innen des Sozialen Außendienstes in Kindertagesstätten). Es wurde deutlich, dass durch all diese Maßnahmen eine Verbesserung der Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten erreicht werden konnte.

Am Nachmittag wurden den Teilnehmerinnen zwei Fortbildungsangebote seitens des IFP gemacht. Zunächst referierte Martin R. Textor über "Erziehen für die Zukunft" (anhand des Wissens- und Bildungsdelphis, durchgeführt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie) und anschließend Wilfried Griebel über "Der Übergang vom Kindergarten zur Schule".

6.2 Abschlussveranstaltung

Das IFP-Projekt "Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Dienste" endete offiziell mit einer Abschlusstagung am 15.11.2000 in der Stadthalle Fürth. Das Programm war wie folgt:

10.00-10.15 Uhr: Begrüßung und Einführung (Dr. Martin R. Textor, IFP)

10.15-10.45 Uhr: Grundsatzreferat zur Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern, Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten (Staatssekretär Georg Schmid, MdL)

10.45-11.30 Uhr: Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten: Projektverlauf, Erfahrungen, Probleme (Dr. Martin R. Textor, IFP)

11.30-12.00 Uhr: Praxisberichte von Jugendämtern (Josefine Siefert, Stadtjugendamt Fürth, Helga Böhme, Kreisjugendamt Miesbach, Cornelia Neun, Stadtjugendamt Ansbach)

12.00-12.15 Uhr: Beratung von Kindertageseinrichtungen: Erfahrungen mit Vernetzung (Dagmar Winterhalter-Salvatore, IFP)

12.15-12.30 Uhr: Praxisberichte von Kindertageseinrichtungen (Brigitte Grimm, Kindergarten Gustav Adolf, Schweinfurt, Theresia Gerhard, AWO-Kindergarten Würzburg, und Christine Schubert, Schulkindergarten Heiligkreuz, Würzburg)

12.30-13.00 Uhr: abschließende Diskussion

In der Stadthalle fand gleichzeitig die Ausstellung des Stadtjugendamtes Fürth über psychosoziale Dienste statt.

6.3 Schlussbemerkung

Das dritte Projektjahr verlief etwas anders als die beiden vorausgegangenen. Die sechs betreuten Jugendämter hatten bereits zum Zeitpunkt der Erstgespräche genaue Vorstellungen über Vernetzungsaktivitäten, die sie ausprobieren wollten. Diese wurden in der Folge auch weitgehend von den Jugendämtern selbst organisiert und durchgeführt. So fühlte sich der IFP-Mitarbeiter manchmal überflüssig. Dies ist aber als Erfolg des IFP-Modellversuchs zu bewerten: In den beiden ersten Projektjahren wurden neue Vernetzungsaktivitäten erprobt und so ausführlich dokumentiert bzw. bei den Fachtagungen vorgestellt, dass die erst im dritten Jahr intensiver betreuten Jugendämter auf detaillierte Vorinformationen bei der Planung ihrer Vorhaben zurückgreifen konnten. Es ist anzunehmen, dass Ähnliches auch für nicht am IFP-Projekt teilnehmende Jugendämter gilt: Durch die ihnen gebotene Möglichkeit, an der Einführungsveranstaltung, einer Fachtagung und der Abschlusstagung teilzunehmen, durch die Zusendung des Zwischen- und des nun vorliegenden Abschlussberichts sowie durch die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften (siehe Kapitel 11.3) dürften sie ausführliche Informationen erhalten haben, auf die sie bei der Planung eigener Vernetzungsaktivitäten zurückgreifen können.

Ansonsten zeigte sich auch im dritten Projektjahr, dass mit relativ geringem Aufwand die Vernetzung von Kindertagesstätten mit psychosozialen Diensten durch die Jugendämter verbessert werden kann. Hierzu kann jetzt auf eine ganze Palette von während des IFP-Projekts erprobten Maßnahmen zurückgegriffen werden. Es bleibt zu hoffen, dass viele Jugendämter nun motiviert sind, neue Vernetzungsaktivitäten anzugehen bzw. die bereits durchgeführten fortzusetzen.


7. Rückblick auf das dritte Projektjahr: Betreuung von Kindertageseinrichtungen

Dagmar Winterhalter-Salvatore

Im dritten Projektjahr wurden sechs Kindertagesstätten intensiver betreut. Im Folgenden wird über die geplanten und durchgeführten Vernetzungsaktivitäten sowie über die bei fünf dieser Einrichtungen gesammelten Erfahrungen berichtet. Die sechste Kindertagesstätte - der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche" in Erlangen - stellt die erprobten Maßnahmen selbst vor (siehe Kapitel 8.4).

7.1 Kindergarten St. Michael, Amberg

Der viergruppige Kindergarten liegt am Stadtrand von Amberg. Eine Wohnanlage aus den 70er Jahren prägt das Umfeld. Der Flachbau des Kindergartens ist eingebettet in die Pfarrgemeinde. Erst beim zweiten Blick erkennt man die architektonischen Besonderheiten, sowohl in der Gestaltung des Gartens als auch in der Innenausstattung der Gruppenräume. Kunstvolle Einbauten, die von einem Kindergartenvater geschaffen wurden, eröffnen Nischen und Ecken für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder. Hier können die Kinder ihre Kreativität ausleben, sich zurückziehen oder ihrem Entdeckungsdrang nachgehen. Hundertwassers Naturhaus und ein orientalischer Tempel dienten z.B. als Vorbilder. Diese individuelle Gestaltung setzt sich im Garten fort: "Gewürzschnecken" laden zu einer Duftreise ein, und das "unwegsame" Gelände fordert den Abenteuergeist der Kinder heraus. Aber nicht nur die Gestaltung der Innen- und Außenräume vermittelt das Gefühl von Willkommensein. In den Fluren treffen wir Eltern und Großeltern wie auch Schulkinder, die zur Mittagsbetreuung kommen, - die sich alle wohl zu fühlen scheinen.

Die Pädagogik bedingt die Vernetzung

In der Konzeption des Kindergartens St. Michael heißt es: "Gerade durch die stark familienbedingte Arbeit stießen wir zunehmend an unsere fachlichen und persönlichen Grenzen. Wir machten uns deshalb vor über 10 Jahren auf die Suche nach Ansprechpartnern für die Unterstützung von Familien und uns Erzieherinnen:

  • Besuche bei den zuständigen Mitarbeiter/innen vom ASD im Jugendamt,
  • Einladen der zuständigen Sozialpädagogin in unser Team,
  • Kontakt zum kommunalen Jugendpfleger,
  • Kontakte zum Förderzentrum - Einfordern einer ambulanten Sprachtherapie für die Kinder der Einrichtung,
  • Kennenlernen der Therapeuten der Suchtberatungsstelle,
  • Kontakte zu den Vertretern vom Gesundheitsamt.

Das Kennenlernen der Ansprechpartner und ihrer Aufgabengebiete war gleichzeitig die Grundlage für weitere Kontakte und den Vertrauensaufbau. Durch die Einzelintegration von behinderten Kindern in unserer Einrichtung kam es ferner zur Vernetzung

  • mit Physiotherapeutin, Kinderärztin und Neurologin,
  • mit Mitarbeitern der Pädoaudiologischen Beratungsstelle.

Durch diese Aktivitäten erhielten wir immer mehr Informationsmaterial. Es reichte uns nicht mehr, dieses im persönlichen Gespräch an Betroffene weiterzugeben - wir wollten auch diejenigen erreichen, die sich nicht öffnen konnten oder wollten. So richteten wir im Eingangsbereich unseres Kindergartens einen Kommunikations- und Informationsbereich für Eltern ein. In einem weiteren Schritt machten wir uns an die Erstellung eines Beratungsführers."

Konkrete Arbeitsschritte während des Projektjahres

Der hohe Anteil allein erziehender Eltern und auch die Zunahme von Familiensorgen und -problemen wie

  • Aussiedlerfamilien mit sprachlichen und sozialen Integrationsproblemen,
  • Arbeitslosigkeit,
  • zunehmende Verschuldung,
  • Familien in Spannungssituationen (Trennung, Scheidung) sowie
  • Vernachlässigung von Kindern aus unterschiedlichen Gründen

wirken sich maßgeblich auf die Kinder und damit das Leben im Kindergarten aus. Schwerpunkte der weiteren Vernetzungsaktivitäten des Kindergartens waren

  • kontinuierliche Zusammenarbeit, fachlicher Austausch und gegenseitige Beratung mit der zuständigen Erziehungsberatungsstelle sowie
  • Entwicklung einer kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialarbeiter des ASD zur Unterstützung und zum gegenseitigen Informationsaustausch neben der bisherigen fallbezogenen Kooperation mit dem Jugendamt.

Die Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatungsstelle war nach anfänglichen Schwierigkeiten auf fruchtbaren Boden gefallen. Beim ersten Treffen wurde das Problem allein erziehender Eltern aus Sicht des Kindergartens thematisiert. Die Erzieherinnen berichteten über die positive Resonanz auf beiden Seiten und über das Erstaunen der Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle über die Fachlichkeit und Kompetenz des Kindergartenpersonals. Bei einem weiteren Treffen werden nun die Fachkräfte der Beratungsstelle über das Thema hypermotorische Störungen referieren. In einem festgelegten Turnus sollen diese gemeinsamen Treffen weitergeführt werden.

Die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialarbeiter des ASD war von Anfang an durch Effizienz und gegenseitige Wertschätzung getragen. Neben oft täglichen Telefonaten finden regelmäßige Besprechungen statt. Im Vordergrund der Gespräche stehen aktuelle Familienproblematiken, aber auch die Planung präventiver Maßnahmen für Kinder und Jugendliche im Stadtteil.

Durch die Zusammenarbeit mit dem ASD kam es zu Kontakten mit dem Amberger Kommunikationszentrum. Dieses wurde ursprünglich als Treffpunkt und Informationsbörse für Familien mit unterschiedlichen Anliegen aufgebaut. In der Zwischenzeit wird es fast ausschließlich von Aussiedlerfamilien genutzt. Die Mitarbeiterin dieses Zentrum ist an einer Zusammenarbeit mit dem Kindergarten St. Michael und dem ASD sehr interessiert. Es wird nun erwogen, gemeinsam Gesprächskreise zu initiieren, um Familien besser unterstützen zu können und die Angebote für Eltern und Kinder im Stadtteil zu erweitern.

Der Kindergarten St. Michael fungiert als Dreh- und Angelpunkt unter den verschiedenen Fachdiensten Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle, Kommunikationszentrum für Familien und Frühförderstelle. Die Resonanz dieser Einrichtungen in Bezug auf Kooperation und gegenseitige Unterstützung ist durchwegs positiv, und die Vernetzung wird auch weiterhin ein Schwerpunkt im Konzept des Kindergartens sein.

7.2 Gemeindekindergarten Eurasburg

Der neu erbaute und großzügig angelegte Kindergarten liegt in der kleinen Gemeinde Eurasburg im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen. Die Umgebung des dreigruppigen Kindergartens ist geprägt von Einfamilienhäusern mit Gärten, von Wiesen und Feldern. Die Kinder kommen zum größten Teil aus intakten Mittelschichtfamilien mit mehreren Geschwistern; der Anteil allein erziehender Eltern ist sehr gering. Der architektonisch gut gelungene Kindergarten besticht durch sein weiträumiges Platzangebot. Die Kinder haben hier vielfältige Möglichkeiten, sich über drei Ebenen Spielräume zu schaffen und sich ungestört zu bewegen, aber auch durch Rückzugsmöglichkeiten ihrem Bedürfnis nach Ruhe nachzukommen.

Aktivitäten in der Vernetzungsarbeit

Obwohl von Seiten der Eltern keine schwerwiegenden sozialen Probleme bestehen und auch bei den Kindern keine gravierenden Entwicklungsdefizite oder Verhaltensstörungen vorliegen, ist das Team des Gemeindekindergartens Eurasburg sehr gut in das Netz unterschiedlicher psychosozialer Dienste integriert:

  • Amt für Jugend und Familie: Die Fachberaterin ist eine wichtige Ansprechpartnerin für die Einrichtung. Sie berät und unterstützt das Team in allen Bereichen. So wurde z.B. in einem Treffen von Erzieherinnen und Kinderärzt/innen Entwicklungsraster vorgestellt und diskutiert.
  • Beratungsstelle für Eltern und Jugendliche: Mit dieser Beratungsstelle finden regelmäßige Treffen statt. Das Team wird bei Erziehungsfragen beraten, und es werden gemeinsame Elterngespräche durchgeführt.
  • Mobiler Heilpädagogischer Dienst: Einmal die Woche kommt eine Heilpädagogin in den Kindergarten, die vor allem Kinder vor dem Schuleintritt betreut. Sie berät und unterstützt das Team bei der Förderung einzelner Kinder und berät die Eltern bei Fragen der Schulfähigkeit.

Weiterentwicklung der Vernetzungsarbeit

Drei weitere Punkte waren dem Team des Gemeindekindergartens Eurasburg bei ihrer Vernetzungsarbeit wichtig:

  • Zusammen mit einer Physiotherapeutin wird im Kindergarten ein Projekt zur Rückenschulung für Vorschulkinder durchgeführt. Dieses Projekt stieß bei Kindern und Eltern auf große Resonanz und soll weitergeführt werden.
  • Für das gesamte Kindergartenteam wurde eine Fortbildung "Spracherziehung von Kindern" seitens der Heilpädagogin des Mobilen Dienstes durchgeführt. Dieser Förderaspekt soll in Zukunft durch die enge Zusammenarbeit beider Einrichtungen Schwerpunktthema bleiben.
  • Die positiven Ansätze in der Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der Grundschule sollen intensiviert und zu kontinuierlichen Treffen ausgebaut werden. Vier Lehrkräfte besuchten bereits den Kindergarten und zeigten großes Interesse an der pädagogischen Arbeit und den bestehenden Vernetzungsaktivitäten.

Beratungsführer für Eltern und interessierte Kolleg/innen

Ein Grund für die Erstellung eines Beratungsführers liegt in der geografischen Lage des Kindergartens begründet. Ein Großteil der psychosozialen Dienste ist nicht in Eurasburg selbst angesiedelt sondern weit verstreut in den Nachbarorten oder im fernen Bad Tölz. Diese Orte sind meist schlecht oder gar nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Oft sind die Eltern über die Existenz dieser Beratungsstellen oder über deren Angebote nur schlecht informiert. Die mangelnde Information verstärkt die Scheu vieler Eltern, sich an Fachdienste zu wenden.

Für die Vernetzungsarbeit des Kindergartens in Eurasburg schien es notwendig zu sein, einen Beratungsführer zu konzipieren, der die unterschiedlichen Beratungsstellen und ihre Erreichbarkeit aufzeigt, aber vor allem die verschiedenen therapeutischen und medizinischen Angebote erläutert. Die psychosozialen Fachdienste wie z.B. Erziehungsberatungsstelle, Frühförderstelle, Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatungsstelle sowie Sondereinrichtungen sollen ihre Arbeit und ihre Angebote für die Kinder und deren Familien im Kindergartenbereich vorstellen. Ferner soll eine Adressenliste der niedergelassenen Therapeuten und Ärzte angefügt werden. Der Beratungsführer soll Anfang Herbst in Druck gehen und kann dann allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

7.3 Kindergarten St. Elisabeth, Passau

Der Kindergarten St. Elisabeth ist im Erdgeschoss eines ehemaligen Einkaufszentrums untergebracht. Der Bau stammt aus den 60er Jahren; die Kindergartenräume wurden allerdings vor vier Jahren umgebaut und im Sinne der situationsorientierten Arbeitsweise der Erzieherinnen ausgestaltet.

Im Einzugsbereich des Kindergartens entstand in den letzten Jahren ein sozialer Brennpunkt mit sozial schwachen Familien. Besonders Familien mit mehrfachen Problemlagen wie Alkoholmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder Gewalttätigkeit sind in hoher Konzentration anzutreffen. Diese Probleme sind auch bei den Kindern im Kindergarten deutlich bemerkbar. Nach Aussagen der Leiterin braucht fast jedes Kind eine individuelle Förderung und Unterstützung in seiner Gesamtentwicklung; viele leiden unter Entwicklungsauffälligkeiten und Verhaltensstörungen. Aber auch viele Eltern benötigen Beratung und Hilfen für den Alltag.

Das schwierige Umfeld des Kindergartens verlangt eine gute Vernetzung mit unterschiedlichen Diensten. Nachdem ein Großteil der Eltern vom Jugendamt betreut wird, ist ein reger Austausch mit diesem gefordert. Der Mobile Dienst der Frühförderstelle betreut einen Teil der Kinder.

Auf Initiative der Leiterin des Kindergartens wurden alle kooperierenden Fachdienste mehrfach zu einem Gesprächsaustausch in den Kindergarten geladen. Alle Einrichtungen signalisierten Interesse, auch weiterhin zum Wohle der Kinder und zur Unterstützung der Eltern eng zusammenzuarbeiten. Leider kommen diese Gesprächsrunden immer nur durch das Engagement der ohnehin überlasteten Erzieherinnen zustande.

Planung einer Koordinierungsstelle

Schon beim ersten Treffen mit der IFP-Mitarbeiterin wurde von der Leiterin und dem Team der Wunsch geäußert, durch eine Anlaufstelle - die mit einem kompetenten Sozialpädagogen besetzt sein sollte - Entlastung von der aufwendigen Beratungs- und Koordinierungsarbeit zu erhalten. Diese Stelle könnte in enger Kooperation mit den Kindergärten und Horten des Stadtviertels präventiv und situativ auf Probleme und Belange der Kinder und deren Familien eingehen.

Bei zwei konstituierenden Sitzungen, an denen der Träger des Kindergartens und ein Vertreter der Caritas der Stadt Passau sowie (beim zweiten Treffen) die zuständige Fachberaterin teilnahmen, wurde über eine Koordinierungsstelle für den Stadtteil diskutiert. Allen Beteiligten war die schwierige Situation bekannt; untermauert wurde dies durch aktuelle Vorkommnisse von Gewaltdelikten, von denen auch in der Presse berichtet wurde.

Konzeptentwurf für eine Koordinierungsstelle

Ausgangslage:

Sozial schwache Familien - Situationsbeschreibung vom Multiproblemfamilien: Viele Familien und vor allem Teilfamilien sind von Arbeitslosigkeit und Verschuldung betroffen. Eine Zunahme von Gewaltdelikten, Drogenmissbrauch, Alkoholkonsum, Gewalt und Missbrauch von Kindern ist zu verzeichnen. Der Kindergarten kann alleine diesen vielfältigen Problematiken nicht gerecht werden; er ist aber erste oder oft einzige Anlaufstelle, an die sich die Eltern und Kinder vertrauensvoll wenden. Eine Koordinierungsstelle könnte präventive Maßnahmen anbieten und so voraussehbaren Einschnitten bei den Familien wie Heimunterbringung, Entzug der elterlichen Sorge etc. vorbeugen.

Grobziele:

(1) Prävention: Das Beratungsangebot könnte gebündelt und damit effizient an die Familien vermittelt werden. Ad hoc könnten Hilfen für die Alltagsbewältigung gewährt werden.

(2) Koordination: Die Komplexität der Problemlagen bedarf einer familiengerechten Strukturierung. Die unterschiedlichen Leistungen von Fachdiensten und Behörden müssen koordiniert werden und überschaubar für die Betroffenen sein.

(3) Ziele zur Verbesserung der Situation im Stadtteil:

  • Entlastung der Kindergärten in der oft nicht zu leistenden Arbeit mit Problemfamilien.
  • Kinder und Jugendliche sollen verstärkt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden. Unter Beteiligung unterschiedlicher therapeutischer und medizinischer Fachdienste sollen die Defizite in der Entwicklung der Kinder behoben werden.
  • Die Sozialkompetenz von Kindern und deren Familien soll gestärkt bzw. aufgebaut werden. Handlungsmuster und Konfliktlösungsstrategien sollen erlernt und ausprobiert werden.
  • Die verschiedenen Hilfsangebote sollen aufeinander abgestimmt werden und einander ergänzen.
  • Die Einflussnahme auf den sozialen Wohnungsbau, d.h. Renovierung der Wohnungen, Vermittlung größerer Wohnungen an kinderreiche Familien etc., soll effizienter werden.
  • Besonders Alleinerziehenden soll ihre Lebenssituation erleichtert werden, indem durch Kontaktangebote ihre Isolation aufgebrochen wird.
  • Die Koordinierungsstelle soll Anlaufstelle werden für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in akuten Krisen befinden.
  • Eltern sollen aber auch in ihrer Verantwortung für die Familie sowie für die Erziehung und Förderung ihrer Kinder unterstützt werden.

Aufgaben der Koordinierungsstelle:

  • enge Kooperation mit den Kindergärten und Horten zum Informationsaustausch und zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung,
  • Zusammenarbeit mit Ämtern, Behörden und Fachdiensten im Sinne der Bündelung von Angeboten,
  • Koordination der Hilfsangebote zur Vermeidung von Überversorgung,
  • Abbau von Schwellenangst sowie
  • Gewinnung von Ehrenamtlichen im Sinne der Verantwortung für die Gesellschaft.

Personelle und räumliche Ausstattung:

Wünschenswert wäre ein Sozialpädagoge, der bereits Erfahrung in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit besitzt. Für ihn sollte vorzugsweise eine Wohnung angemietet werden, die zentral im Stadtteil liegt. Der aufsuchende Charakter dieser Beratungsstelle soll die Nähe zu den Klienten untermauern und Schwellenängste vermeiden.

Hürden bei der Gründung der Koordinierungsstelle

Obwohl allen Beteiligten die Notwendigkeit einer solchen Anlaufstelle bewusst ist, liegt das Hauptproblem bei ihrer Finanzierbarkeit. Mit allen Gesprächspartnern wurden verschiedene Finanzierungsmodelle durchgesprochen. An erster Stelle wäre die Stadt Passau als Hauptkostenträger gefragt. Durch die Initiativen der Organisatoren konnten bereits auch Firmen und kleinere Betriebe von der Notwendigkeit überzeugt werden, als Sponsoren einen kleinen Betrag zur Deckung der Kosten beizutragen.

Die endgültige Gründung dieser Koordinierungsstelle wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Sie wird zeitlich nicht vor Abschluss des IFP-Projekts stattfinden.

7.4 Kinderhort St. Franziskus, Passau

Diese Einrichtung beherbergt einen Grund- und Hauptschulhort, der derzeit von ca. 40 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 15 Jahren besucht wird. Die Kinder werden in unterschiedlichen Schularten unterrichtet. Das Umfeld der Einrichtung ist einerseits vom sozialen Wohnungsbau und andererseits von Einfamilienhäusern geprägt. Die Anzahl arbeitsloser Eltern ist sehr hoch; es sind derzeit über 50% aller Eltern. Von diesem Problem sind in erster Linie die allein erziehenden Mütter schwer betroffen. Von ca. 40 Familien werden 32 vom Jugendamt betreut und gefördert. Die Armut in den Familien zeigt sich auch ganz gravierend in den Problemen der Kinder und Jugendlichen. So ist z.B. die Zunahme von Diebstählen in den beiden Hortgruppen eines der aus der Armut resultierenden Probleme.

Bestehende Vernetzungsaktivitäten

Derzeit wird mit dem Jugendamt und dem Allgemeinen Sozialdienst kooperiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich die Zusammenarbeit mit ihnen wesentlich verbessert. Der hohe Prozentsatz betreuter Familien macht eine kontinuierliche und effektive Kooperation unabdingbar. Die Jugendamtsmitarbeiter unterstützen die Erzieherinnen vor Ort, sind an Elterngesprächen beteiligt und beraten die Erzieherinnen bei spezifischen Problemfällen.

Auch mit dem Förderzentrum wird intensiv kooperiert; ein effektiver Informations- und Erfahrungsaustausch findet mit den Sonderschullehrern statt. Vor allem bei den Problemen Jugendkriminalität, Gewalt und Drogen bewährt sich der offene vertrauensvolle Kontakt. Das Förderzentrum praktiziert seit Jahren ein vorbildhaftes Modell, bei dem Vertrauenslehrer Schüler/innen, Eltern und Horterzieherinnen bei Problemen und Konflikten beraten.

Aufbau weiterer Vernetzungsaktivitäten

Ein großes Anliegen der Erzieherinnen wäre eine kooperative Zusammenarbeit mit der Grund- und Hauptschule des Sprengels. Leider war trotz vieler Versuche keine Resonanz bei der Lehrerschaft zu verzeichnen. Der Hort befürchtet auch, dass nach der Gründung einer Mittagsbetreuung an der Schule, die mit viel Negativwerbung bezüglich des Hortes eröffnet wurde, manche Eltern - auch aus finanziellen Gründen - ihre Kinder nicht mehr in den Hort schicken könnten. Die Erzieherinnen wünschen sich, dass sie an einem Tisch mit Lehrern und Betreuerinnen der Mittagsbetreuung die Belange der Kinder diskutieren und Zukunftsplanungen erörtern können.

Ein erster Schritt in diese Richtung war die Erstellung eines Flyers, in dem kurz und prägnant die pädagogischen Ziele und Förderinhalte des Hortes, die Rahmenbedingungen und die wichtigsten Vernetzungspartner dargestellt werden. Dieser Flyer soll Eltern, Fachdiensten und vor allem der Schule zur Erstinformation dienen. Die Leiterin möchte erreichen, dass der Hort z.B. bei der Schuleinschreibung und bei Festen genauso wie die Mittagsbetreuung die Möglichkeit erhält, sich als Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit einem eigenen pädagogischen Auftrag zu präsentieren. Dieser Flyer liegt im Rohentwurf vor und soll im Herbst in Druck gehen.

Bei allen Vernetzungsaktivitäten des Hortes kommt der von der Leiterin geäußerte Grundsatz zum Tragen, dass sich die Erzieherinnen selbst qualifizieren müssen. Jede einzelne Fachkraft muss ihre eigenen Kompetenzen ausbauen und Defizite ausmerzen. Bei einer so schwierigen Klientel wie in diesem Stadtteil ist es wichtig, in brenzligen Situationen Soforthilfe zu leisten. Lange Diskussionen oder langfristige Terminvergabe bei psychosozialen Fachdiensten würden vielen Konfliktsituationen nicht gerecht werden. Hier müssen die Erzieherinnen, zu denen die Kinder, aber auch die Eltern das meiste Vertrauen haben, schnell und kompetent handeln.

7.5 Kindergarten Gustav Adolf, Schweinfurt

Der Gustav-Adolf-Kindergarten liegt in einer traditionellen Arbeitersiedlung aus den 30er Jahren, zentral zur Stadtmitte. Durch die Umwandlung und Schließung von Kleinbetrieben wurden viele Arbeitnehmer arbeitslos und zogen in andere Gegenden. In der Zwischenzeit sind die Wohnblöcke hauptsächlich von Umsiedlerfamilien und ausländischen Mitbürgern bewohnt. Dementsprechend ist die Zahl ausländischer Kinder im Kindergarten sehr hoch. Nach Angaben der Erzieherinnen gelingt die Integration der Kinder und der Eltern sehr gut - trotz oft erheblicher Sprachprobleme.

Aufgrund der christlichen Prägung des Kindergartens liegt ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit auf der Vermittlung christlicher Grundwerte. An den Kirchenfesten nehmen auch Kinder mit anderer Religionszugehörigkeit teil, und deren Eltern engagieren sich ebenfalls. Beispielsweise gehen die muslimischen Eltern beim St. Martins-Umzug mit. Das gute Gelingen dieser Integration erklären die Erzieherinnen mit einer offenen Haltung, die geprägt ist von gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz.

Die Vernetzung mit psychosozialen Fachdiensten

Der Gustav-Adolf-Kindergarten praktizierte zu Beginn der Beratungen noch keine kontinuierlichen Vernetzungsaktivitäten. Gute Kontakte bestehen zur nahe gelegenen Grundschule, zum angrenzenden Hort und sporadisch zur Frühförderstelle und zum Jugendamt.

Von Anfang an zeigte sich das gesamte Team und der Träger, Herr Pfarrer Dr. Meyer, sehr motiviert, konstante Kooperationsformen mit psychosozialen Fachdiensten aufzubauen, um einerseits konkrete Hilfen für die Kinder und deren Eltern sowie andererseits Unterstützung zur eigenen Kompetenzerweiterung zu erhalten.

Verschiedene Modelle wurden diskutiert. Der Vorschlag der Leiterin, Kontakt zum Heilpädagogischen Zentrum "Haus Marienthal" aufzunehmen, wurde aufgegriffen - auch weil bekannt war, wie vorteilhaft die Zusammenarbeit für den Kinderhort "Mitte" ist. Bis zum nächsten Treffen sollte geklärt werden, ob die Fachdienste dieser Sondereinrichtung eventuell mit dem Kindergarten kooperieren könnten.

Beim zweiten Treffen waren anwesend:

  • der Träger des Kindergartens, Herr Pfarrer Dr. Meyer,
  • die Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm,
  • drei Gruppenleiterinnen,
  • der Leiter des Hauses Marienthal, Herr Schurz, sowie
  • der Fachbereichsleiter und Psychologe des Hauses Marienthal, Herr Bohn.

Von Anfang an wurde von allen Seiten die Bereitschaft signalisiert, in Zukunft kontinuierlich zusammenzuarbeiten. Das Haus Marienthal betreut Kinder und Jugendliche in ganz Schweinfurt, die von körperlicher oder seelischer Behinderung bedroht sind. Seit einem Jahr unterliegt ihm auch die Fachaufsicht für alle Horte im Stadtgebiet. Es erfolgt eine wöchentlich Beratung oder auch Supervision.

Bei diesem Treffen standen bereits Detailfragen zur Finanzierung und zum notwendigen Zeitkontingent - vor allem der Sondereinrichtung - im Mittelpunkt. Es wurde angezielt, einen festen Vernetzungskreis aufzubauen, der fachspezifisch kooperiert und den Familien stadtteilbezogen Hilfe und Unterstützung anbietet. Sinnvoll erschien es, den Hort "Mitte" und Ansprechpartner in der Grundschule für diesen Vernetzungskreis zu gewinnen. Bis zum nächsten Treffen sollten alle beteiligten Institutionen ihre Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume eruieren und konkrete Vorschläge für die Kooperation ausarbeiten.

Beim dritten Treffen berichtete die Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm, über die vielfältigen Initiativen der beteiligten Einrichtungen. Die Kooperation zwischen dem Kindergarten und dem Haus Marienthal wurde vorerst auf die Bereiche Diagnostik, Therapie, Übungsbehandlung, Beratung und Fortbildung beschränkt. Auch die zuständige Sprengelschule, die Friedrich-Rückert-Grundschule, signalisierte großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem "Vernetzungskreis".

Der Arbeitskreis "Vernetzung" besteht nun aus folgenden Mitgliedern:

  • Leiterin des Kindergartens und Gruppenleiterinnen,
  • Leiterin des Kinderhortes,
  • Ansprechpartner der Grundschule (anwesend war bisher der Rektor der Grundschule, Herr Wissmüller),
  • Fachbereichsleiter und Psychologe im Haus Marienthal sowie
  • der Träger des Kindergartens.

Zum Zustandekommen des Vernetzungskreises trug die bereits gute Kooperation zwischen Kindergarten, Schule und Hort bei. Die Lehrkräfte der Grundschule hospitieren im Kindergarten, um Kontakte zu den künftigen Erstklässlern aufzunehmen. An einem Jahresgespräch vor der Einschulungskonferenz nehmen neben allen Lehrkräften auch die Leiterinnen der benachbarten Kindergärten und des Hortes teil. Beim Besuch der Vorschulkinder in der Schule werden Patenschaften übernommen, und die Kinder lernen die zukünftigen Lehrer/innen kennen. Auftretende Schulprobleme werden von den Lehrkräften und den Pädagoginnen des Hortes gemeinsam besprochen.

Auf Wunsch des Kindergartenteams soll mit einem Kompakttraining durch den Fachdienst der Sondereinrichtung "Haus Marienthal" in Form eines Fortbildungsblockes begonnen werden. Schwerpunktthemen sollen sein:

  1. Erkennung von Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen,
  2. Umgang mit den betroffenen Kindern,
  3. Elternarbeit und Konfliktgespräche sowie
  4. fallbezogene Beobachtung und Auswertung.

Folgende Kooperationsformen sollen künftig als feste Bestandteile der Zusammenarbeit festgeschrieben werden:

  1. Zusammenarbeit von Friedrich-Rückert-Grundschule und Gustav-Adolf-Kindergarten: Treffen der Lehrer/innen der ersten beiden Jahrgangsstufen mit den Erzieherinnen zum gemeinsamen Austausch. Mehrere kleinere Treffen vor und nach der Einschulung (die bestehenden Formen bleiben somit weiterhin Bestandteil der Kooperation).
  2. Kontinuierliche Treffen des Vernetzungskreises unter verschiedener Themenstellung wie:
  • Übergangsbegleitung von Kindern,
  • frühzeitige Einschulung - neue Schulreform, Konsequenzen für den Elementar- und Schulbereich.

Vonseiten des Rektors kam auch der Vorschlag, relevante Themen zusammen mit dem Elementarbereich in die Lehrerfortbildung in Dillingen einzubringen. Ein wichtiger Punkt sei z.B. die Information der Kindergärten über unterschiedliche Schulformen wie z.B. Diagnose- und Förderklassen.

Neben dem gegenseitigen Gesprächsaustausch soll es auch zum Austausch von Materialien kommen: Gute Kinderbücher und Spiele aus der Kindergartenbücherei sollen vor allem den Erstklasslehrer/innen zur Unterrichtsergänzung ausgeliehen werden. Kindgerechte Arbeitsmaterialien zum ersten Rechnen, Lesen oder Schreiben soll den Pädagoginnen des Hortes und des Kindergartens zur Verfügung gestellt werden. Neue Lernmethoden und Lernmaterialien - vor allem zum Spracherwerb - sollen gemeinsam diskutiert werden.

Beim vierten und letzten Treffen wurde ein Zeitplan ausgearbeitet und die Vernetzungsarbeit als Teil des Konzepts von Kindergarten, Hort und Schule festgeschrieben.

Als Resümee muss gesagt werden, dass durch das große Engagement der Leiterin des Kindergartens, Frau Grimm, und durch die ständige Präsenz und das Interesse des Trägers innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiger Vernetzungskreis etabliert wurde. Auch hier wurde - wie vielerorts - die positive Erfahrung gemacht, dass der Wunsch zur Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen auf großes Interesse und viel Entgegenkommen stößt.

 

8. Praxisberichte

8.1 Stadtjugendamt Hof

Hannelore Fischer

Im Rahmen der Kindergartenfachberatung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich, wie wenig Kooperationsformen zwischen Kindertagesstätten und sozialen Diensten tatsächlich bestehen. In der Praxis führte dies dazu, dass einerseits notwendige Hilfen für die Familien und Kinder nicht oder nur sehr spät angeboten wurden und andererseits sich die Mitarbeiter/innen in den Kindergärten und Horten vielfach allein gelassen und überfordert fühlten. Um hier Abhilfe zu schaffen, entschloss sich das Stadtjugendamt Hof zur Teilnahme an dem Modellprojekt des IFP, da die Ziele des Projekts genau auf diese Problemlagen zugeschnitten sind.

In der ersten Projektphase wurde der Stand der Vernetzung vor Ort abgeklärt und folgende Projektziele für die Stadt Hof entwickelt:

  1. Vermittlung von Kenntnissen über psychosoziale Dienste an alle Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen: Hintergrund war die Tatsache, dass sich bisherige Angebote nur an die Leiter/innen richteten, die Probleme und Fragen aber häufig bei den Fachkräften in den Gruppen auftreten und hier der Elternkontakt stattfindet.
  2. Vernetzung der vorhandenen Einrichtungen zur Schaffung eines mobilen heilpädagogischen Dienstes: Hintergrund hierfür war die laufend erhobene Bedarfsanmeldung aus den Kindertagesstätten nach einem derartigen Dienst, wobei allerdings noch nicht geklärt ist, ob von diesem Dienst in erster Linie eine Beratung des Fachpersonals bei schwierigen Kindern oder eine Förderung der betroffenen Kinder geleistet werden soll.

Um Informationen über den Kenntnisstand aller Mitarbeiter/innen (Leiter/innen, Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen, Praktikant/innen) der Kindertagesstätten über die in der Stadt Hof vorhandenen sozialen Dienste und den Grad der Zusammenarbeit zu erhalten, wurde ein Fragebogen entwickelt. Es wurde abgefragt, inwieweit die verschiedenen psychosozialen Dienste und Angebote des Jugendamtes bekannt sind und ob mit diesen Institutionen zusammengearbeitet wird.

Die Kolleg/innen der Kindergärten und Horte beteiligten sich mit Rücklaufquoten von 78,5 % im Kindergarten- und 64 % im Hortbereich sehr rege an der Umfrage. Die Auswertung ergab eine Zusammenarbeit mit den "klassischen" sozialen Diensten (Frühförderung, Psychologische Beratungsstelle, mobile sonderpädagogische Hilfen - Sprachförderung - ), während ein Großteil der übrigen psychosozialen Dienste nur dem Namen nach oder gar nicht bekannt war. Dies betraf sowohl die Hilfs- und Beratungsangebote des Jugendamtes als auch alle anderen sozialen Dienste in Hof.

Aus dieser Erkenntnis heraus entstand der Plan einer "Kontaktbörse", bei der sich die psychosozialen Dienste vorstellen und Verbindungen zwischen den Kindertageseinrichtungen und ihnen geknüpft werden sollten. Die Resonanz auf unser Anliegen war bei den psychosozialen Diensten sehr groß. An der Vorbesprechung beteiligten sich 15 Dienste sowie mehrere Kollegen vom Jugendamt aus unterschiedlichen Sachgebieten. Dabei wurde deutlich, dass auch die Dienste untereinander teilweise wenig Kontakte haben und hier ebenfalls ein Informations- und Vernetzungsbedarf besteht.

Um eine möglichst breite Darstellung des bestehenden Angebots an sozialen Diensten zu gewährleisten und den Fachkräften der Kindertageseinrichtungen eine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Auswahl zu ermöglichen, fand die Kontaktbörse parallel in mehreren Räumen des "Jugendzentrums Q" statt. Jeweils ca. 45 Minuten lang hatten die sozialen Dienste und Einrichtungen Zeit, sich vorzustellen, über Arbeitsschwerpunkte zu berichten, Kooperationsmöglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit darzustellen und den Mitarbeiter/innen der Kindergärten und Horte, aber auch interessierten Mitarbeiter/innen anderer Fachdienste und Lehrer/innen, für Fragen zur Verfügung zu stehen.

Zur Kontaktbörse eingeladen waren alle Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen und sonstigen Mitarbeiter/innen von Kindergärten, Horten und anderen Kindertageseinrichtungen, aber auch interessierte Mitarbeiter/innen von sozialen Einrichtungen, Elternbeiräte, Trägervertreter und Lehrer/innen. Aufgrund der Organisationsform der Veranstaltung war es möglich, sich gezielt über Dienste und Gruppen zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen. Damit soll zukünftig die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeiter/innen in den Kindergärten und Horten sowie den Fachleuten der sozialen Einrichtungen erleichtert und eine Weitervermittlung von Eltern und Kindern an die "richtigen" Hilfeeinrichtungen gefördert werden.

Folgende Einrichtungen und Dienste stellten sich am 21.06.1999 ein- oder mehrmals vor:

  • Gesundheitsamt: Beratung bei Schwangerschaft und Sexualfragen (finanzielle Hilfe, Ehe- und Paarberatung),
  • Gesundheitsamt: Psychosoziale Beratung von Erwachsenen (Suchtprobleme, psychische Auffälligkeiten, Alltagsprobleme),
  • Selbsthilfegruppe "Eltern von hyperaktiven Kindern",
  • niedergelassener Kinderarzt,
  • Sozialpsychiatrischer Dienst,
  • Hofer Selbsthilfebüro (Unterstützung von verschiedenen Selbsthilfegruppen im psychosozialen und medizinischen Bereich),
  • Gesundheitsamt: Mütterberatung, schulärztlicher Dienst (Einschulungsuntersuchung), amtsärztliche Begutachtung bei Frühförderung,
  • Heilpädagogische Tagesstätte (Schulbereich),
  • "Die Gruppe e.V.": Soziale Gruppenarbeit mit strafunmündigen Kindern,
  • Psychologische Beratungsstelle (Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Schwangerenberatung, Suchtberatung),
  • niedergelassene Logopädin,
  • Mobile sonderpädagogische Hilfen (Sonderpädagogisches Förderzentrum Hof),
  • Heilpädagogische Tagesstätten (Vorschulbereich),
  • niedergelassene Ergotherapeutin,
  • Jugendamt (Amtsvormundschaft, Beistandschaften, Unterhaltsvorschuss),
  • Jugendamt (Pflegekinderdienst),
  • Jugendamt (Trennungs- und Scheidungsberatung),
  • Jugendamt (Hilfen zur Erziehung, z.B. sozialpädagogische Familienhilfe, soziale Gruppenarbeit, Familienpflege),
  • Familienzentrum "Mütterclub e.V.",
  • Frauennotruf,
  • Kinderschutzbund (Hausaufgabenhilfe, Hort, Mittagsbetreuung an Schulen, Familienhilfe),
  • Frühförderung Hof,
  • Caritas-Beratungsstelle: Psychosoziale Beratung in verschiedenen Lebenssituationen, Kur- und Erholungsvermittlung, Familienpflege,
  • Caritas-Migrationsberatung für Aussiedler und Flüchtlinge,
  • Jugendhilfeambulanz: Therapeutische Angebote für Kinder, Legasthenietraining, Familienberatung, Beratung von Kindergärten usw. sowie
  • Integrativer Kindergarten.

Die Resonanz auf die Veranstaltung war durchwegs positiv. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag waren ca. 60 - 80 Personen bei den verschiedenen Foren anwesend. Die Darstellung der Arbeit der psychosozialen Dienste fand auf einem hohen Niveau statt, aber auch leicht verständlich und informativ. Ein reger fachlicher Austausch, von dem sowohl die anwesenden Erzieher/innen als auch die vorstellenden Fachdienste profitierten, machte die Notwendigkeit einer derartigen Veranstaltung deutlich. Mehrfach wurde der Wunsch nach einer Wiederholung geäußert.

Weitere Maßnahmen

(1) Beratungsführer: Als Ergänzung zur Kontaktbörse soll ein Beratungsführer über die psychosozialen Dienste in der Stadt Hof herausgegeben werden. Zielgruppe des Führers sind Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen in Kindergärten und Horten. Diese werden häufig im Rahmen ihres beruflichen Alltags mit den unterschiedlichsten Problemlagen von Kindern und Familien konfrontiert. Der Beratungsführer soll schnell und effizient Wegweiser zu den geeigneten sozialen Diensten sein sowie die Kinder- und Familienbroschüre des Stadtjugendamtes Hof ergänzen. Das Raster für den Beratungsführer wurde von Kindergartenmitarbeiter/innen entwickelt und ist damit speziell auf deren besonderen Bedürfnisse zugeschnitten. Der Führer soll Ende 1999 vorliegen. Die entsprechenden Vorarbeiten laufen bereits.

(2) Kontaktbörse: Aufgrund der guten Resonanz ist eine Wiederholung der Veranstaltung in Kooperation mit der örtlichen Fachakademie für Sozialpädagogik für das Kindergartenjahr 2000/2001 geplant.

(3) Schaffung eines mobilen heilpädagogischen Dienstes: Aufgrund des Modellprojekts erfolgen Gespräche mit der Frühförderung, die das Ziel haben, die Bemühungen zur Schaffung einer Stelle für einen mobilen heilpädagogischen Dienstes zu intensivieren. Erste Vorgespräche der Frühförderung mit dem Sozialministerium haben bereits stattgefunden.

Erfahrungen/Fazit

Die bisherigen im Verlauf des Modellprojekts gemachten Erfahrungen haben unsere Grundannahme bestätigt, dass ein hoher Bedarf an Informationen über bestehende soziale Dienste besteht. Sowohl bei den Mitarbeiter/innen in den Kindertageseinrichtungen als auch bei den psychosozialen Diensten ist die Bereitschaft zur Kooperation gegeben. Die Umsetzung scheitert aber vielfach an der Unkenntnis der möglichen Partner, aber auch an den begrenzten zeitlichen Ressourcen.

Der zeitliche Faktor wird auch zukünftig die weiteren Vernetzungsaktivitäten bestimmen - dies umso mehr, als die Fachberatung beim Stadtjugendamt nur mit einer begrenzten Stundenzahl wahrgenommen wird und der zeitliche Aufwand, der in der Modellphase geleistet wurde, nicht weiterhin erbracht werden kann.

Grundsätzlich darf Vernetzung nicht nur auf die Initiative von Fachberatungen und Jugendämtern zurückgehen, sondern muss auch ein zentrales Anliegen der einzelnen Kindertageseinrichtungen und sozialen Diensten werden, um den begonnenen Austausch zu vertiefen und in dauerhafte Aktivitäten umzuwandeln. Das Modellprojekt kann nur einen Anstoß dazu liefern.

8.2 Amt für junge Menschen und Familien Bad Kissingen

Franz Gundelach

Als das Jugendamt Bad Kissingen im August 1997 die Ausschreibung des Vernetzungsprojektes des IFP erhielt, bat mich der Jugendamtsleiter, daran teilzunehmen. Nachdem ich mir die Sache überlegt hatte, kam ich zu der Überzeugung, dass dieses Projekt eigentlich eine gute Sache sei. Wenn man es im Rahmen der Gesamtverantwortung betrachtet - der Verantwortung des Jugendamtes für die Kindertageseinrichtungen, Verantwortung der Kindertageseinrichtungen gegenüber den Eltern für deren Kinder - ist eine gute Vernetzung mit psychosozialen Diensten und Institutionen wie Schule, Polizei, Jugendamt etc. sehr wichtig. Es ist immer gut, wenn man möglichst viele von den vorgenannten Einrichtungen kennt, an die man sich bei Problemfällen wenden kann, und sei es auch nur zur Information. Durch die Teilnahme an diesem Vernetzungsprojekt erhoffte ich, eine bessere Beratungskompetenz zu erreichen, um dadurch die Kindertageseinrichtungen im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Bad Kissingen noch besser unterstützen zu können. Dies war meine Motivation, mich für das Vernetzungsprojekt anzumelden.

Stand der Vernetzung im Landkreis Bad Kissingen

Durch meine langjährige Tätigkeit in der Kindergartenaufsicht habe ich zu den Kindertageseinrichtungen im Landkreis Bad Kissingen gute Kontakte aufgebaut - auch zu den Trägern der Einrichtungen. Alle Informationen, die für die Kindertageseinrichtungen und für die Träger wichtig sind, werden an diese weitergeleitet. Über mich können auch Kontakte zu anderen Stellen im Landratsamt, wie z.B. ASD, Schuldnerberatung, Sozialamt, Wohngeldstelle etc. hergestellt werden.

Weiterhin findet einmal jährlich eine Veranstaltung mit dem Personal der Kindertageseinrichtungen statt. Hier werden rechtliche Angelegenheiten besprochen. Manchmal stellt ein Fachdienst seine Arbeit vor. Informationen über pädagogische Themen wie "Spielzeugfreier Kindergarten", "sprachliche Bewusstheit bei Kindergartenkindern" usw. sind ebenfalls Inhalte dieser Veranstaltungen.

Ich habe auch ständigen Kontakt zu den Fachberatern der Verbände und der Regierung von Unterfranken, zum Staatlichen Schulamt, zur Erziehungsberatungsstelle des Kreis-Caritasverbandes Bad Kissingen e.V., zur Frühförderstelle usw.

Seit Herbst 1998 besteht bei uns ein Arbeitskreis "Vernetzung sozialer, psychosozialer und medizinischer Dienste für Kinder und Familien". Mitglieder in diesem Arbeitskreis sind Jugendamt, drei Kindergartenleiterinnen, Erziehungsberatungsstelle, Staatliches Schulamt, Beratungslehrer, Schulpsychologin, Netzwerk für soziale Dienste e.V., Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Hoffmeyer, Pflegeelterninitiative "Pfad für Kinder" und das Gesundheitsamt. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr. In diesem Arbeitskreis werden anonymisierte Fälle besprochen. Es wird sozusagen "gelebte Vernetzung" praktiziert. Die Teilnehmer können erleben, mit welchen Stellen und Fachdiensten man sich bei Problemfällen vernetzen kann. Schwierigkeiten und Grenzen werden aufgezeigt. Die Teilnehmer lernen Fachdienste kennen und stärken ihre Beratungskompetenz. Sie dienen gleichzeitig als Multiplikatoren, indem sie ihre gewonnenen Erkenntnisse an andere weitergeben.

Stand der Vernetzung der Kindertageseinrichtungen im Landkreis Bad Kissingen

Bei der Durchsicht der Jahresplanungsberichte zum Punkt "Vernetzung" (Ziff. III.3 des Berichtsformulars) wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Es wurde festgestellt, dass die Kindertageseinrichtungen auf die unterschiedlichsten Weisen mit psychosozialen Diensten, Beratungsstellen, Institutionen u.Ä. vernetzt sind. Viele Kindertageseinrichtungen sind in diesem Bereich sehr aktiv und haben eine sehr gute Vernetzung aufgebaut. Viele haben aber nur sporadischen Kontakt und suchen erst im Bedarfsfall nach entsprechenden Hilfsmöglichkeiten. Dies wurde auch bei aufsichtlichen Begehungen der Kindertageseinrichtungen festgestellt. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur (Unsicherheit und Unwissenheit, Angst, Hemmungen, kein Bedarf etc.). Insgesamt gesehen kann das Vernetzungssystem der Kindertageseinrichtungen noch wesentlich verbessert werden.

Aktivitäten des Jugendamtes Bad Kissingen im Rahmen des Vernetzungsprojekts des IFP

Nach der Projektplanung war das Jugendamt Bad Kissingen im Kindergartenjahr 1999/2000 für die Beratung zum Aufbau einer besseren Vernetzung vorgesehen. Der Termin für das 1. Beratungsgespräch wurde für den 16.12.1999 um 14.00 Uhr festgesetzt. Er fand im Landratsamt Bad Kissingen statt. Für die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Vernetzungsaktivitäten bin ich alleine zuständig.

Aufgrund der Teilnahme am Vernetzungsprojekt des IFP wurde der Stand der Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit psychosozialen Diensten verstärkt in Augenschein genommen. Es wurde festgestellt, dass die Vernetzungsaktivitäten des Jugendamtes Bad Kissingen, die bisher stattfanden, im Rahmen dessen sind, was die anderen am Projekt teilnehmenden Jugendämter auch durchführen. Die im Laufe des Vernetzungsprojektes erhaltenen Anregungen wurden zum Anlass genommen, die eigenen Maßnahmen zu überdenken und zu prüfen, ob weitere Maßnahmen sinnvoll sind.

Bei der Planung der Besprechung im Rahmen des Vernetzungsprojektes kam mir der Gedanke, die Leiterinnen der Kindertageseinrichtungen mit einzubeziehen. Auf diese Weise konnte am ehesten festgestellt werden, wo die Defizite im Aufbau eines guten Vernetzungssystems bei den Kindertageseinrichtungen liegen und welche Wünsche die Kindergartenteams diesbezüglich haben. Dies konnte natürlich nicht in einer großen Gesprächsrunde geschehen. Mir war bekannt, dass die Leiterinnen der Kindertageseinrichtungen fünf Arbeitskreise gebildet hatten, in denen sie die verschiedensten Themen, ihre Arbeit betreffend, erörtern. So lud ich nur die Leiterinnen der fünf Arbeitskreise zum 1. Beratungsgespräch ein. Alle fünf Erzieherinnen kamen.

Hauptthema des 1. Beratungsgesprächs war, den Stand der Vernetzung der Kindertageseinrichtungen zu ermitteln und die Schwerpunkte des Vernetzungsprojekts zu erörtern. Einmütig wurde festgestellt, dass doch größere Defizite vorhanden sind. Den Erzieherinnen ist zwar bekannt, dass es die verschiedensten Fachdienste und Institutionen gibt. Die Kontaktaufnahme erfolgt aber meistens nur in einem konkreten Fall. Dies gestaltet sich dann schwierig, weil die Ansprechpartner nicht bekannt sind und große Hemmschwellen bestehen.

Die meisten Kindertageseinrichtungen sind auf dem Land. Hingegen haben Fachdienste ihren Sitz hauptsächlich in den Städten. Wegen größerer Entfernungen und umständlicher Verkehrsverbindungen ist es für viele Eltern mit Problemkindern schwierig, zu den Fachdiensten zu kommen. Dies ist auch ein Grund, der eine Weitervermittlung erheblich erschwert.

Hauptsächlich haben die Kindergärten intensivere Kontakte und manche auch eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Frühförderstelle (betreute Kinder besuchen den Kindergarten), der Erziehungsberatung (Gestaltung von Elternabenden), dem Gesundheitsamt (dieses kommt regelmäßig zu den Vorschuluntersuchungen in die Kindergärten), dem Jugendamt (in meiner Person als Vertreter der Kindergartenaufsicht) und der Schule (mehr oder weniger gut) - selten hingegen zu Ergotherapeuten, Logopäden, Ärzten u.a.

Die Teilnehmer am 1. Beratungsgespräch waren sich darüber einig, dass eine Verbesserung der Vernetzung für alle Kindergärten ein Gewinn sei. Sie waren bereit, weiter mitzuarbeiten. Ich bat die Erzieherinnen, das Vernetzungsprojekt mit ihren Kolleginnen beim nächsten Arbeitskreistreffen zum Thema zu machen und Vorschläge für Vernetzungsaktivitäten zu erarbeiten. Folgende Zielvereinbarungen wurden getroffen:

  1. Die Erzieherinnen erarbeiten Vorschläge, mit welcher Maßnahme die Verbesserung der Vernetzung zwischen Kindertageseinrichtungen und psychosozialen Diensten begonnen werden soll. Meldung der Vorschläge bis zum 25.01.2000 an das Jugendamt.
  2. Ich bereite auf der Grundlage der eingegangenen Vorschläge das nächste Beratungsgespräch vor.
  3. Als Termin für das 2. Beratungsgespräch wurde Donnerstag, 17.02.2000, 14.00 Uhr, festgesetzt.

Die Arbeitskreisleiterinnen übersandten die erarbeiteten Vorschläge bis Ende Januar. Sie gingen alle in die gleiche Richtung: Im Rahmen einer Veranstaltung sollen verschiedene Fachdienste sich und ihre Arbeit vorstellen ("Info-Börse"). Vorgeschlagen wurde auch die Erstellung eines Beratungsführers, in dem möglichst viele für Kindertageseinrichtungen wichtige und interessante Fachdienste, Beratungsstellen, Institutionen usw. aufgenommen werden sollen.

Beim 2. Beratungsgespräch wurden die Ergebnisse aus den Arbeitskreisen von den Beteiligten besprochen. Die Arbeitskreisleiterinnen berichteten, dass bei den Erzieherinnen wie auch bei dem übrigen Kindergartenpersonal ein erheblicher Informationsbedarf besteht, was psychosoziale Dienste in unserer Region angeht. Mein Eindruck wurde bestätigt, dass auch große Hemmschwellen vorhanden sind.

Es wurde beschlossen, eine entsprechende Informationsveranstaltung zu organisieren, bei der verschiedene Fachdienste ihre Arbeit vorstellen und die Möglichkeit besteht, Fragen zur Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit zu erörtern. Damit soll das Wissen des Personals in den Kindertageseinrichtungen über die Fachdienste erweitert und die Kompetenz für die Beratung von Eltern mit Problemkindern und deren Weitervermittlung gestärkt werden. Ferner können vorhandene Hemmschwellen abgebaut werden. Die Veranstaltung soll an zwei Nachmittagen stattfinden. Auf Wunsch der Erzieherinnen sollten folgende Institutionen eingeladen werden:

  • Jugendamt,
  • Frühförderstelle,
  • Erziehungsberatungsstelle,
  • Gesundheitsamt,
  • Ergotherapeut,
  • Logopäde,
  • Diagnose- und Förderklasse,
  • Sprachheilschule und SVE.

Jeder Institution sollte ein Zeitrahmen von ca. 45 Minuten zur Verfügung stehen. Die Gesamtdauer der Informationsnachmittage wurde an beiden Tagen auf 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr festgelegt.

Wie beim 2. Beratungsgespräch beschlossen, habe ich nach der Faschingszeit mit der Organisation der Informationsnachmittage begonnen. Als Veranstaltungstage wurden Dienstag, 06.06.2000, und Mittwoch, 07.06.2000, ausgesucht. Veranstaltungsort war der große Sitzungssaal im Landratsamt Bad Kissingen. Die Buchung des großen Sitzungssaales für diese beiden Tage war unproblematisch.

Die Kontaktaufnahme mit den einzelnen Stellen hatte ich mir eigentlich schwieriger vorgestellt. Aber die Behörden und Fachdienste standen dem Vorhaben durchweg positiv gegenüber. Bei der Suche nach einem Ergotherapeuten, der bereit war, einen Informationsnachmittag mit zu gestalten, bekam ich jedoch zunächst zwei Absagen. Der Dritte erbat sich eine kurze Bedenkzeit aus. Jedenfalls hatte ich bis Ende März alle Zusagen - bis auf die Frühförderstelle. Diese sagte aus terminlichen Gründen ab. Die Absagenachricht erfolgte am 10.04.2000.

Da bekannt ist, dass die Zusammenarbeit zwischen vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen in unserem Landkreis nur auf ein Mindestmaß beschränkt ist und die Kontaktaufnahme nur einseitig und schwer möglich ist, entschloss ich mich, das Staatliche Schulamt Bad Kissingen zu bitten, im Rahmen der Informationsnachmittage einen Beitrag hinsichtlich einer besseren Vernetzung zu leisten - zumal das Staatliche Schulamt Mitinitiator des bestehenden "Vernetzungsarbeitskreises" ist. Die Kontaktaufnahme mit dem fachlichen Leiter des Staatlichen Schulamtes erfolgte noch am 10.04.2000. Er signalisierte seine Bereitschaft zur Teilnahme und schlug vor, die Leiterin einer Grundschule, in deren Sprengel drei Kindergärten sind und wo die Zusammenarbeit zwischen diesen und der Schule sehr gut verläuft, ebenfalls einzuladen. Er bat noch darum, Themenschwerpunkte festzulegen, damit man sich nicht "verzettelt". Ich überlegte mir umgehend drei Themen und teilte diese dem Staatlichen Schulamt mit:

  1. Erläuterung der Neuregelung des Verfahrens zur Aufnahme in die Grundschule, die ab dem Schuljahr 2000/2001 gültig ist.
  2. Wie kann eine produktive Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschule gestaltet werden - auch vor dem Hintergrund des Datenschutzes
  3. In Kindergärten werden zunehmend am Nachmittag Schulkinder betreut - ohne Garantie auf Ausführung der Hausaufgaben. Die Schulkinder nehmen an den Angeboten des Kindergartens teil. Wie kann hier eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule erfolgen

Die Zusage des Staatlichen Schulamtes zur Teilnahme an einem der Informationsnachmittage traf am 14.04.2000 ein. Danach erfolgten die zeitliche Einteilung und die Erstellung der Einladungen. Diese wurden am 20.04.2000 an die Kindertageseinrichtungen und an die psychosozialen Dienste und Institutionen verschickt, die die beiden Informationsnachmittage mitgestalten wollten. Überraschend war, dass die Fachdienste und Institutionen nicht irgendjemand für die Teilnahme an dieser "Kontaktbörse" abstellten, sondern dass die "Chefs" persönlich (und teilweise mit Mitarbeitern) kamen.

Einige Tage vor Beginn der "Kontaktbörse" wurde in der Presse auf diese Veranstaltung hingewiesen.

Am Dienstag, 06.06.2000, pünktlich um 13.00 Uhr eröffnete ich den 1. Teil der "Kontaktbörse" und übernahm die Begrüßung sowie die Moderation. Ich war hoch erfreut und sehr überrascht über die Anzahl der Besucher. Nahezu alle Kindertageseinrichtungen, die es im Landkreis Bad Kissingen gibt, schickten eine Teilnehmerin. So nahmen am 1. Nachmittag über 60 Besucherinnen teil, die von Beginn an da waren. Mit großem Interesse hörten sie den Ausführungen der jeweiligen Referenten zu. Dies galt für alle Referenten des 1. Nachmittags. Keine Besucherin verließ vorzeitig die Veranstaltung. Die Diskussion war teilweise sehr lebhaft.

Der 2. Teil der "Kontaktbörse" hatte den gleichen Programmablauf, nur mit anderen Referenten. Er war genauso gut besucht wie der 1. Teil. Alle Besucherinnen sind bis zum Schluss geblieben. Auch hier war die Diskussion teilweise sehr rege. Besonders hervorzuheben waren der Beitrag der Logopädin und der des Staatlichen Schulamts Bad Kissingen. Die jeweiligen Referenten bemühten sich sehr, die Erzieherinnen möglichst umfassend zu informieren und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Das mitgebrachte Informationsmaterial konnten die Erzieherinnen mitnehmen.

Im Laufe der Veranstaltung wurde aus der Mitte der Erzieherinnen der ausdrückliche Wunsch an die Logopädin Frau Sommer-Heske herangetragen, eine Broschüre über die Besonderheiten bei Sprachstörungen und insbesondere das rechtzeitige Erkennen von Sprachauffälligken (Lispeln, Stottern etc.) zu erstellen. Frau Sommer-Heske erklärte sich spontan hierzu bereit. Diese Broschüre könnte in das Vernetzungsprojekt mit einfließen und somit nicht nur im Landkreis Bad Kissingen, sondern auch bayernweit Verwendung finden.

Ein Kurzbericht über die Informationsveranstaltung wurde am 08.06.2000 in der Presse veröffentlicht.

Hinsichtlich der Erstellung eines Beratungsführers wurden noch keine Vorbereitungen getroffen. In diesem Punkt bin ich sehr skeptisch, ob der Arbeitsaufwand nicht umsonst wäre. Verschiedene, von anderen Stellen erstellte Beratungsführer habe ich den Kindertageseinrichtungen zukommen lassen. Rückmeldungen hierzu sind bisher nicht erfolgt. Auch wurde nicht weiter nachgefragt, dass beim 2. Beratungsgespräch vorgeschlagen wurde, einen Beratungsführer zu erstellen. Verschiedene Jugendämter, die am Vernetzungsprojekt teilnehmen, haben Beratungsführer für die Kindertageseinrichtungen erstellt, die jedoch schnell veralten. Eine ständige Aktualisierung wäre erforderlich.

Resümee

Als Ergebnis der Veranstaltung ist festzuhalten, dass die Kindertageseinrichtungen einen großen Informationsbedarf haben, was das Wissen über die verschiedenen psychosozialen Dienste und Institutionen betrifft. Dies hat das große Interesse der Besucherinnen gezeigt, die sehr zahlreich zu den beiden Informationsnachmittagen gekommen sind. Auch die psychosozialen Dienste und Institutionen, die die Veranstaltung mitgestaltet haben, waren sehr aufgeschlossen und an der Meinung der Erzieherinnen interessiert. Sie haben versucht, die Erzieherinnen umfassend über ihre Tätigkeit zu informieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Es ist festzustellen, dass der Aufbau einer Vernetzung insbesondere mit den Diensten, deren Leistung ärztlich verordnet werden muss (Ergotherapeuten, Logopäden), sehr schwierig ist. Hier ist insbesondere die mangelnde bzw. nicht vorhandene Kooperationsbereitschaft der Ärzte sehr hinderlich.

Hinsichtlich des Aufbaus einer Vernetzung mit den anderen Stellen wurde der Eindruck gewonnen, dass grundsätzlich die Bereitschaft für eine konstruktive Zusammenarbeit vorhanden ist. Es mangelt den Einrichtungen jedoch an Mut, aufeinander zuzugehen. Gründe hierfür sind sicherlich die Unwissenheit darüber, was die Stellen leisten können. Dies erzeugt Unsicherheit und Hemmungen bei der Kontaktaufnahme. Auf diese Weise liegt ein großes Potenzial an Hilfsmöglichkeiten für Problemkinder brach und wird nicht genutzt.

Ich hoffe, dass das Jugendamt Bad Kissingen mit der Durchführung dieser "Kontaktbörse" einen kleinen Beitrag geleistet hat, das Wissen des Personals der Kindertageseinrichtungen über verschiedene psychosoziale Dienste und Institutionen zu verbessern, Unsicherheiten und Hemmschwellen abzubauen und dadurch die Kontaktaufnahme, die Beratung und Weitervermittlung von Eltern mit problembelasteten Kindern sowie die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen zu erleichtern. Die Kindertageseinrichtungen und umgekehrt auch die psychosozialen Dienste und Institutionen werden ermutigt, aufeinander zuzugehen.

Aufgrund des großen Zuspruchs und der positiven Rückmeldungen fühle ich mich bestärkt, in ein, zwei Jahren wieder eine derartige Veranstaltung zu organisieren und damit zum Aufbau eines funktionierenden Vernetzungssystems beizutragen.

8.3 AWO-Kindergarten Würzburg/Schulkindergarten Heiligkreuz

Christine Schubert und Theresia Gerhard

Der Allgemeine Kindergarten mit Schulkindergarten der kath. Kirchenstiftung Heiligkreuz und der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Würzburg-Stadt e.V., arbeiten seit vielen Jahren vernetzt mit anderen Kindergärten, Schulen und psychosozialen Diensten zusammen.

Beide Einrichtungen liegen im Würzburger Stadtteil Zellerau, einem Stadtteil mit sehr unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur. Hier wohnen gut situierte Familien mit hohem Bildungsstand neben Familien, die in Armut mit geringem sozialen Status leben. Beide Einrichtungen erfassen zu 50 bis 100% Familien, die aus dem gesellschaftlich benachteiligten Wohngebiet dieses Stadtteils kommen.

Zu den Lebensbedingungen der Familien gehören z.B. Randgruppenzugehörigkeit (andere Nationalitäten, Sinti, Roma, Obdachlosigkeit), Armut in materieller, sozialer und emotionaler Hinsicht, beengte Wohnverhältnisse, Erziehungs- und Beziehungsprobleme, geringer Bildungsstand, Kriminalität, Suchtprobleme und Diskriminierung. Daraus resultierende Schwierigkeiten werden von den Kindern in die Einrichtungen gebracht und werden so auch zu Angelegenheiten der Kindergärten.

Bei der täglichen Arbeit zeigt sich rasch, dass viele Probleme der Familien nicht allein von den Kindergärten aufgefangen werden können. Sie erfordern eine Öffnung nach außen und somit eine enge Vernetzung. Von besonderer Bedeutung ist hier vor allem die räumliche Nähe der Vernetzungspartner im Stadtteil.

Vernetzungsrunden und Arbeitskreise

Im Laufe der Jahre ist eine Reihe von Vernetzungsrunden und Arbeitskreisen entstanden, an denen die beiden Kindergärten beteiligt sind:

  • Donnerstagsrunde: Die Teilnehmer/innen aus verschiedenen Kindergärten und psychosozialen Diensten treffen sich seit 18 Jahren dreimal im Monat (jeweils donnerstags von 12.30 bis 14.00 Uhr).
  • Arbeitskreis der Zellerauer Kindergartenleiter/innen: trifft sich drei- bis viermal im Jahr.
  • Gesprächsrunde Kindergärten/Psychosoziale Dienste/Schulen: Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde und Lehrer/innen von zwei Grundschulen und einer Schule zur individuellen Lernförderung treffen sich zweimal im Jahr.
  • Zellerauer Fachrunde: Gesprächskreis aus allen Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde und Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt Würzburg, der Horte, des Jugendzentrums, des Kinderspielzentrums, der anderen Kindergärten im Stadtteil und der Schulen; trifft sich zweimal im Jahr.
  • Einrichtungs- und trägerinterne Arbeitskreise.

Zur Geschichte der Donnerstagsrunde

Den wichtigsten Stellenwert im Rahmen der Vernetzung hat die Donnerstagsrunde. Sie wurde im Jahre 1982 von Sr. Marianne Klingspor, der damaligen Leiterin der Aufsuchenden Erziehungs-, Beziehungs- und Sozialberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF), initiiert. Zugrunde lag die Feststellung, dass Mitarbeiter/innen in Institutionen, die mit Familien aus dem sozial benachteiligten Wohngebiet arbeiten, gleiche oder ähnliche Erfahrungen im Erleben von Not und Armut machen und sehr schnell persönliche wie auch einrichtungsbezogene Grenzen erfahren. Die Erkenntnis, dass herkömmlich gelernte pädagogische, therapeutische und institutionelle Konzepte in der Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen nicht oder nicht ohne weiteres angewandt werden können, brachte es mit sich, dass die Mitarbeiter/innen nach Austausch mit Kolleg/innen aus anderen Einrichtungen trachteten. Neue Wege in der Begleitung von Kindern und Familien mussten gefunden werden. Wechselseitige Unterstützung, gegenseitiges Auffangen, gemeinsame Reflexion der Arbeit und die Tatsache, dass alle damaligen Mitarbeiter/innen am Anfang ihrer Tätigkeit mit dieser Zielgruppe standen, waren die wesentlichsten Gründe für den Beginn der Donnerstagsrunde.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren bestand die Vernetzungsrunde am Donnerstag aus Sr. Marianne Klingspor sowie zwei Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle. Bereits ab 1984 erweiterte sich die Runde, und weitere Mitarbeiter/innen der Frühförderstelle sowie die Leiter/innen des Kinderspielzentrums, des Städtischen Kindergartens, des Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt, des Allgemeinen Kindergartens mit Schulkindergarten Heiligkreuz, der Sozialpädagogischen Familienhilfe sowie der Kinder- und Jugendfarm kamen dazu.

In der Anfangszeit konnten vor allem diejenigen Fachkräfte an der Donnerstagsrunde teilnehmen, die bereit waren, sich auf die Lebenssituation sozial benachteiligter Menschen einzulassen, den Familien vorurteilsfrei zu begegnen und sich mit Solidarität auf die Seite der Benachteiligten zu stellen. Wesentliche Ziele waren damals,

  • eine "gemeinsame Sprache" zu finden,
  • eigene Erwartungen zu reduzieren,
  • Hilfe zur Selbsthilfe zu geben sowie
  • sozialpolitisch aktiv zu werden.

Zu den Inhalten der Donnerstagsrunde gehörten in erster Linie Fallbesprechungen. Darüber hinaus waren sozialpolitische Themen sowie persönliche Befindlichkeit und Anliegen der Teilnehmer/innen von Bedeutung.

Strukturiert wurde die Runde bis 1997 von Sr. Marianne Klingspor. Sie entschied über den Teilnehmerkreis, gab das Konzept vor und moderierte die Treffen in der Küche ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sr. Marianne Klingspor war "Herz" und "Motor" der Donnerstagsrunde.

Die Donnerstagsrunde heute

Nach dem beruflichen Ausscheiden von Sr. Marianne Klingspor findet die Donnerstagsrunde seit 1997 in neuen Diensträumen der Aufsuchenden Erziehungsberatung statt. Gleichzeitig veränderten sich die Strukturen. Die Teilnehmer/innen erweiterten das Konzept durch zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte und öffneten die Runde für weitere Einrichtungen, die Interesse zeigten. Voraussetzung für die Teilnahme ist heute neben der Arbeit mit sozial benachteiligten Familien:

  • kontinuierliche Anwesenheit,
  • aktive Mitarbeit durch Einbringen oder Vorbereiten von Themen,
  • persönliche Kooperationsbereitschaft,
  • Offenheit gegenüber den sozial benachteiligten Familien,
  • Akzeptanz der eigenen Grenzen,
  • Bereitschaft zur konzeptionellen Zusammenarbeit,
  • gegenseitige Unterstützung und Hilfe,
  • Angleichung der Grundhaltungen,
  • Moderation der Runde sowie
  • Übernahme von organisatorischen Aufgaben.

Zur Zeit nehmen 11 Mitarbeiter/innen aus acht verschiedenen Einrichtungen an den Treffen der Donnerstagsrunde teil. Die Einrichtungen sind:

  • Allgemeiner Kindergarten mit Schulkindergarten Heiligkreuz,
  • Aufsuchende Erziehungsberatung im Stadtteil Zellerau, SKF,
  • Interdisziplinäre Frühförderstelle, SKF,
  • Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Würzburg-Stadt e.V.,
  • Kindergarten St. Elisabeth,
  • Kinder- und Jugendfarm, SKF,
  • Sozialpädagogische Familienhilfe, SKF sowie
  • Städtischer Kindergarten Rotenhanstrasse.

Thematische Schwerpunkte der Donnerstagsrunde sind heute:

  • Austausch über die Konzepte der teilnehmenden Einrichtungen,
  • Abstimmung von Inhalten und Zielen,
  • Anliegen und Bedürfnisse der Teilnehmer/innen,
  • Diskussionen über sozialpolitische Themen,
  • Entwicklung von Projekten und Aktionen im Stadtteil,
  • anonymisierte Fallbesprechungen,
  • Austausch über Inhalte von Fortbildungen,
  • Terminabsprachen sowie
  • Bereitstellen von Informationsmaterial und Fachliteratur.

Viele Jahre Donnerstagsrunde haben deutlich gemacht, dass Vernetzung in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen hat. Neben dem besonderen Nutzen für Kinder und Familien bringt Vernetzung Vorteile für die einzelnen Institutionen, den Stadtteil und die berufliche Weiterentwicklung der Teilnehmer/innen mit sich. Vernetzung in der Donnerstagsrunde ermöglicht

  • interdisziplinäre Unterstützung für das Kind,
  • Hilfen für Familien in schwierigen Lebenslagen,
  • Kontinuität in der Begleitung von Eltern und Kindern,
  • Zugangsmöglichkeiten für die Familie und das einzelne Kind,
  • Blick über die eigene Einrichtung hinaus,
  • gegenseitige Ergänzung der Fachkräfte,
  • Nutzung der weiteren Zugangsmöglichkeiten der Vernetzungspartner,
  • Koordination der Arbeit im Stadtteil sowie
  • Erweiterung der persönlichen Fachkompetenzen.

Welche Bedeutung hat die Donnerstagsrunde für die einzelnen Vernetzungspartner/innen Hierzu Stimmen und Meinungen von

  • Renate Böhm (Aufsuchende Erziehungsberatung im Stadtteil Zellerau, SKF): "Bei den Teilnehmer/innen der Donnerstagsrunde weiß ich, dass sie wissen, wovon ich rede, da wir die gleiche Sprache sprechen. Dies entlastet mich persönlich und ermöglicht gemeinsame Projekte, die für die benachteiligten Lebenssituationen der Menschen positive Veränderungen mit sich bringen können."
  • Karin Ledig (Interdisziplinäre Frühförderstelle, SKF): "Zu gleichen Anliegen Ressourcen sammeln."
  • Sabine Eberwein (Städtischer Kindergarten Rotenhanstrasse): "Kennenlernen der einzelnen Vernetzungspartner und etwas über deren Arbeitsweisen/Ziele erfahren; vertraute Zusammenarbeit (erleichtert Eltern, Hilfen anzunehmen/Vertrauensbasis); schnellerer Zugriff auf Fachdienste; Unterstützung bei Problemen; größere Lobby."
  • Gisela Gradwohl (Sozialpädagogische Familienhilfe, SKF): "Sie ist für mich ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Rahmen kollegialer, fachübergreifender und zielorientierter Zusammenarbeit. Sie ist ein unbürokratischer 'Wegbereiter' für den Ausbau des Netzwerkes von Familien, mit denen ich arbeite, und von meinem Netzwerk als Fachkraft. Ein konzeptionelles Ziel der SPFH ist, auf gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich bedingte Missstände im Umfeld der Familien hinzuweisen und auf deren Beseitigung hinzuwirken. Die Donnerstagsrunde hat u.a. ortsbezogen eine ähnliche Zielsetzung, sodass hier für mich eine effektive Verknüpfung bei der Umsetzung stattfindet. Sie bietet auch Raum für schöne und interessante zwischenmenschliche Begegnungen, was eine Bereicherung für mich persönlich und für meinen Arbeitsalltag ist."
  • Edeltrudis Reitmaier (Kindergarten St. Elisabeth): "Über die Donnerstagsrunde haben wir positiven Kontakt zu den einzelnen Förderstellen und deren Fachpersonal, sprich Therapeuten, bekommen. Dadurch können wir gezielte Hilfen für die Eltern und Kinder anbieten. Zudem ist der gegenseitige Austausch über unsere pädagogische Arbeit von großer Wichtigkeit."
  • Astrid Sendke (Kinder- und Jugendfarm, SKF): "Für meine persönliche Berufstätigkeit und für meine Institution bewirkt die Donnerstagsrunde Horizonterweiterung, kurze Infowege, Veränderungen in der eigenen Sichtweise. Verhältnis von Zeitaufwand und Nutzen ist unterschiedlich, oft mühsam zu organisieren, aber die Regelmäßigkeit gibt einen guten Rahmen für die Planung. Als neue Teilnehmerin habe ich mich sehr schnell aufgenommen gefühlt; die Gruppe ist integrationsfördernd."

Abschließende Gedanken zur Vernetzungsarbeit

Aus unseren Erfahrungen lässt sich folgern, dass Vernetzung ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist. Die von Erzieherinnen immer wieder geäußerte Vorstellung, Vernetzung diene ausschließlich der Unterstützung der Arbeit im Kindergarten, können wir nicht teilen. Der Kindergarten trägt in gleichem Maße zur Ergänzung und Erweiterung der Arbeit der unterschiedlichen Fachdienste bei.

Ein wichtiges Kriterium für das Gelingen von Vernetzung ist, dass die Teilnehmer/innen sich nicht in kontrollierender Funktion begegnen, sondern kollegiale Beratung auf Wunsch praktizieren.

Im Kindergartenbereich ist es unerlässlich, dass Vernetzung vom ganzen Team mitgetragen wird. Wir beobachten, dass in der Regel die Leitung Vernetzung initiiert, aber ihre Abwesenheit während der Vernetzungstreffen, die Inhalte der Vernetzungsarbeit, die Umsetzung von Projekten u.v.a.m. tangieren letztendlich das gesamte Team. Mitarbeiterführung, Dienstplangestaltung, Transparenz, Lokomotions- und Kohäsionsfunktion sind wichtige Qualifikationen, die die Kindergartenleitung in diesem Zusammenhang für eine erfolgreiche Vernetzungsarbeit braucht.

Die Chancen der Vernetzung für Kinder und Familien, für die Einrichtung, für den Stadtteil und für die persönliche Berufstätigkeit lassen diese zu einem wesentlichen Qualitätskriterium für den Kindergarten werden. Vernetzung ist Qualität, die von der Basis kommt und ein Optimum an Ganzheitlichkeit ermöglicht.

Vernetzung, wie wir sie praktizieren, ist über viele Jahre gewachsen. Die Ziele und Schwerpunkte unserer Vernetzungsarbeit - die sich auf die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Familien beziehen -, die langjährige und kontinuierliche Mitarbeit der meisten Vernetzungspartner, die Offenheit und das persönliche Engagement können nicht ohne weiteres von anderen Einrichtungen übernommen werden. Vernetzungsarbeit erfordert Individualität, orientiert an den Bedürfnissen und Gegebenheiten vor Ort.

8.4 Städtischer Kindergarten "Haus der kleinen Strolche", Erlangen

Brigitte Czypull und Kirsten Jag-Reuter

Der Anger ist ein Stadtteil von Erlangen mit einer vielfältigen Bevölkerungsstruktur, die Nationen wie auch die Problemlagen der Menschen betreffend. Hier gibt es schon seit Jahren ein gut strukturiertes Netz aller sozialpädagogischen Einrichtungen - den AK Anger - mit der Zielsetzung, sich für die Bedürfnislagen der Menschen im Stadtteil einzusetzen und miteinander eine vielfältige Angebotspalette für alle Altersgruppen anzubieten. Städtische, kirchliche und freie Träger arbeiten hier Hand in Hand.

Neue Projekte, wie zum Beispiel HIPPY, können auf diese Strukturen zurückgreifen. Trotzdem besteht die Notwendigkeit, weitere Wege der Zusammenarbeit zu suchen. Die Projektmitarbeiterin des IFP war dabei sehr hilfreich. Frau Czypull, die Leiterin des städtischen Kindergartens "Haus der kleinen Strolche", legte hier einen Schwerpunkt auf die Vernetzung von Kindergarten und HIPPY.

Der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche"

Der städtische Kindergarten "Haus der kleinen Strolche" ist eine multikulturelle Einrichtung. Das bietet die Chance für ein positives Miteinander und das Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen. Eine besonders differenzierte pädagogische Arbeit ist hier notwendig, die durch eine zusätzliche Erzieherin (für Kleingruppenarbeit) gewährleistet wird. Der Ausländeranteil in diesem Kindergarten liegt bei ca. 62%. Es werden Kinder aus elf verschiedenen Nationen bei einer Gruppenstärke von vierundzwanzig Kindern betreut. Sie kommen oft mit wenig oder gar keinen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Immer wieder kommt es vor, dass kein Elternteil genug Deutsch spricht, um notwendige Angelegenheiten klären zu können. Sprache als verbales Ausdrucksmittel verarmt zusehends innerhalb der Familien. Daraus ergibt sich, dass die Kinder auch ihre Muttersprache nur unzureichend sprechen. Das wirkt sich auf die gesamte Entwicklung der Kinder sowie im Besonderen auf die Sprachentwicklung und damit auch auf das Erlernen der "Fremdsprache Deutsch" aus.

Das gut geschulte pädagogische Personal kann nicht alle Defizite und Schwierigkeiten der Kinder und ihrer Familien aufarbeiten. Da bietet die Vernetzungsarbeit mit anderen Einrichtungen und Institutionen zusätzliche intensive Unterstützung, Kooperation und fachlichen Austausch. Eine Vernetzung besteht derzeit mit:

  • Fachberatung der Erziehungsberatungsstelle der Stadt Erlangen
    • Qualitätssicherung in unserer Einrichtung
    • Was bieten wir schon Wo sind Veränderungen möglich Wie können wir Qualität, die gute Arbeit, die wir leisten, nach außen hin darstellen
    • Einzelfallbesprechungen - sehr wichtig, da wir sehr viele Kinder mit unterschiedlichsten Problematiken betreuen.
    • Teamsupervisionsgespräche
  • Frühförderstelle
    • Betreuung einzelner Kinder im Kindergarten, aber auch in den Räumlichkeiten der Frühförderstelle.
    • Angebot an die Eltern für eine wöchentliche Elternsprechstunde wurde nicht angenommen.
    • zusätzliche Kleingruppenförderung am Nachmittag für unsere Ganztageskinder.
    • eine Stunde pro Woche als Erziehersprechstunde für besondere Problemfälle.
  • Psychomotorikgruppe in unserem Kindergarten (neu ab September 2000): Hier haben auch Eltern aus unserer Einrichtung die Möglichkeit, ihre Kinder in einer solchen Gruppe unterzubringen. Montags und mittwochs werden zwei Gruppen mit jeweils sechs Kindern angeboten.
  • Deutschkurs für ausländische Kinder: Es ist fraglich, ob es ab dem neuen Kindergartenjahr noch Kurse geben wird. Aus unserer Einrichtung haben zwei Kinder an den Kursen teilgenommen, und wir konnten große sprachliche Fortschritte feststellen.
  • Gruppe für Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen (in Planung)
  • HIPPY

Was ist HIPPY ?

HIPPY ist die Abkürzung für "Home Instruction Program for Preschool Youngsters"; es wurde in den 70er Jahren von Frau Prof. Awima Lombard in Israel entwickelt. Als Spiel- und Lernprogramm für deutsche und ausländische Kinder von vier bis sechs Jahren und für deren Eltern hat es kindergartenergänzende und familienunterstützende Funktionen. Das Programm erstreckt sich über zwei Jahre. Teilnehmen können deutsche und ausländische Familien, die ihr Kind zusätzlich in seiner Entwicklung fördern möchten.

Eine pädagogische Fachkraft hat als Koordinatorin die Projektleitung. Ihre Aufgaben umfassen die Auswahl der Familien, die Programmüberarbeitung, die Elternbildungsarbeit, die Anleitung der Hausbesucherinnen und administrative Tätigkeiten. Jede Hausbesucherin betreut eine Gruppe von bis zu zehn Familien, die aus ihrem Kulturkreis stammen. Bei HIPPY Erlangen gibt es eine deutsche, eine türkische und eine vietnamesische Hausbesucherin. Für sie ist sind wöchentliche Praxisanleitung durch die Koordinatorin und die gemeinsame Reflexion verpflichtend.

Die Familien werden regelmäßig zu Hause besucht. Die Hausbesucherin stellt den Eltern, meistens der Mutter, das Lern- und Spielmaterial für eine Woche vor. In der darauf folgenden Woche beschäftigen sich Mutter und Kind 15 Minuten täglich mit diesem Material.

Alle zwei Wochen finden Gruppentreffen statt. Hier tauschen die Mütter ihre Erfahrungen aus. Probleme und Fragen zum Programm werden gemeinsam mit der Hausbesucherin und der Koordinatorin besprochen. Die Mütter erhalten auch Informationen zu Themen wie z.B. Erziehung, Schule oder Gesundheitsvorsorge.

Durch die frühzeitige Förderung werden die Kinder auf ihren Schulstart vorbereitet. Sie erfahren, dass Lernen Spaß macht. Für ausländische Kinder bietet das Programm einen guten Zugang zur deutschen Sprache. Die Eltern werden darin geschult, ihr Kind gezielt zu fördern und zu unterstützen. Die Gruppentreffen bieten ihnen zudem die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Müttern zu knüpfen. Im Einzelnen hat das Programm die Ziele,

  • die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder zu schulen und damit im Sinne einer aktiven Schulvorbereitung ihre Lernfähigkeit zu fördern,
  • die Deutschkenntnisse von Mutter und Kind zu verbessern,
  • präventive Kinder- und Familienarbeit zu leisten, dadurch die Erziehungskompetenz der Familien zu stärken und bestehende Lernmuster zu verändern,
  • eine Integrationshilfe für die Familien im Rahmen einer aktiven Erziehungshilfe zu bieten sowie
  • Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen und die Erziehung in der Familie nach §16 SGB VIII zu fördern.

Vernetzung von Kindergarten und HIPPY

Der gemeinsame Anknüpfungspunkt zwischen dem städtischen Kindergarten und HIPPY ist zum einen die Elternbildungsarbeit. Durch sie wird die Erziehungskompetenz in den Familien gestärkt und damit ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedürfnislage der Kinder geweckt. Zum anderen besteht das gemeinsame Interesse an einer Förderung der Sprachkompetenz der Kinder.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten als zweiter Sozialisationsinstanz nach der Familie hat HIPPY die Chance, möglichst viele Familien mit Kindern im Vorschulalter zu erreichen. Die Kindergartenleiterin und die Gruppenerzieherinnen als bekannte Ansprechpartnerinnen für die Familien empfehlen den Eltern die Teilnahme an HIPPY. Während des Projektverlaufs können sie den Eltern einen Erfolg ihrer Bemühungen bei HIPPY bestätigen (z.B. besseres Zurechtkommen in der Gruppe, Aufgeschlossenheit, Deutschkenntnisse). Diese Rückmeldung stellt eine wichtige Motivationshilfe für eine dauerhafte Teilnahme bei HIPPY dar.

Angeregt durch die Gespräche mit Frau Winterhalter-Salvatore haben der Kindergarten und HIPPY folgenden Kooperationsplan ausgearbeitet:

  • Erstellung von Infoplakaten,
  • Neuauflage eines Faltblattes in deutscher und türkischer Sprache sowie
  • Programmdokumentation durch ein Bilderbuch.

Durch einen Informationsstand direkt im Kindergarten wurden die Eltern mit dem Projekt bekannt gemacht. Dazu entwickelte die HIPPY-Koordinatorin Frau Jag-Reuter ein Bilderbuch, dass die Arbeit von HIPPY während eines Schuljahres dokumentiert, stellte Plakatwände auf und legte Informationsbroschüren in deutscher und türkischer Sprache aus. Die Materialien wurden den Eltern vormittags zur Bringzeit von den HIPPY-Mitarbeiterinnen vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit sprachen diese auch einzelne Familien an, und so konnten erste Kontakte bereits im Kindergarten geknüpft werden. Hemmschwellen konnten schnell abgebaut werden, da die Mütter von Frauen angesprochen wurden, die aus demselben Land stammen, die denselben kulturellen Hintergrund besitzen und eben auch dieselbe Sprache sprechen.

Die HIPPY-Koordinatorin und die Kindergartenleiterin standen auch weiterhin in engem Kontakt, um den Programmverlauf der teilnehmenden Familien auch vonseiten des Kindergartens zu reflektieren und frühzeitig Kontakte zu neuen Familien zu knüpfen, die an der Infoveranstaltung nicht teilgenommen hatten. Des Weiteren sind eine Videodokumentation und gemeinsame Elternabende über Spracherziehung geplant.

Aus der Sicht der HIPPY-Koordinatorin ist dies ein praktikables Modell, das auf die Zusammenarbeit mit allen Institutionen im Vorschulbereich übertragbar ist. Darüber hinaus bilden die erarbeiteten Materialien eine Grundlage für die Projektpräsentation und Öffentlichkeitsarbeit.

zu Teil 3