Kuddelmuddel war da - Hodgeypodgey was here!

Klaus Schade

 

Dass sich ein Bildungskonzept im eigenen Land etabliert, weil es nicht nur wissenschaftlich belegt sondern auch alltagstauglich und - vor allem - konsequent vom Kind aus gedacht ist, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Eines, das auch international Erfolg hat, ist schon etwas Besonderes. "Komm mit ins Zahlenland" ist solch ein Konzept.

Die Geschichten, Lieder und Spiele rund um das Land, in dem die Zahlen und der freche Zahlenkobold Kuddelmuddel wohnen und wo es so viel zu tun gibt, begeistern seit 2003 Kinder ab circa vier Jahren, Eltern und Erzieher/innen. Und an der Begeisterung ist was dran: Die Wirksamkeit sowohl auf mathematisches Denken als auch auf die Sprache konnten der Pädagoge Gerhard Friedrich und der Schulpsychologe Friedrich Munz in einer vielbeachteten Studie nachweisen. Ca. 50.000 mal hat sich das dabei entstandene Handbuch "Komm mit ins Zahlenland" von Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy und Barbara Schindelhauer inzwischen verkauft. Mehrere tausend Erzieher/innen wurden über das Institut für vorschulisches Lernen (www.ifvl.de) geschult; auch Sonderpädagogen bedienen sich des Konzepts.

England, Texas, Estland, Polen, Rumänien, Türkei, Israel, Thailand: Auch hier reisen mittlerweile Kinder mit großem Spaß und Erfolg ins Zahlenland, denn das Konzept ist gleichsam ein roter Faden und lässt sich durch seine Flexibilität mühelos an die jeweilige Kultur und die unterschiedlichen Anforderungen anpassen. Lehrer der Swindon Village Grundschule im englischen Cheltenham tauschten sich kürzlich mit Kollegen über "Let's visit Numberland" aus. Lehrerin Alix Cleary berichtete, dass sich ihre Kinder auf jeden Besuch im Zahlenland mit seinem frechen Kobold Hodgeypodgey ungeduldig freuen und dass ihre Lernerfolge enorm zugenommen haben, auch sprachlich und in wichtigen anderen Kompetenzen. Linda Macdonald bestätigte: "Das Zahlenland hilft unseren vielen Kindern aus Osteuropa beim Abbau ihrer Sprachbarrieren". Davon konnten sich auch andere Lehrer überzeugen, als Barbara Schindelhauer das Konzept vorstellte und an verschiedenen Schulen den Kleinen erstmals den Weg ins Zahlenland wies, wo diese sich ohne Ausnahme sofort voll engagierten und intensiv kooperierten. Mit diesem Treffen wurde der Grundstein für eine enge künftige Zusammenarbeit gelegt.

In Estland fließt "Lähme Numbrimaale" bereits an den Hochschulen in die Erzieher/innenausbildung ein. In Texas wächst das Konzept in konzentrischen Kreisen: Carola Hauer-Berry, an deren Schule "Let's visit Numberland" fester Bestandteil des Vorschulkonzepts ist, schulte mehrfach Kollegen und stellt fest: "Ich habe Kinder noch nie so motiviert und begeistert beim Zahlenlernen erlebt". In Thailand reisen Kinder der gemeinnützigen Yaowawit School Kapong, einem Internat für Kinder aus armen oder zerrütteten Familien, mit selbst gestalteten Materialien ins "Numberland" und erlernen gleichzeitig die englische Sprache.

Das Konzept ist ebenso "simpel" wie schlüssig. Die Hirnforschung weiß längst, dass das Gedächtnis der Kinder insbesondere durch konkrete Situationen, gefühlsverknüpfte Erlebnisse und Empfindungen geprägt ist. Also werden die Zahlen zwischen null und zehn mit kindlichen Erfahrungswelten verknüpft: mit Zahlengärten, Zahlenhäusern, Zahlentürmen. In diesen wohnen und leben die Zahlen als Freunde der Kinder. Die Vier beispielsweise: Sie hat einen quadratischen Garten, ihr Haus hat vier Fenster, und ihr Turm ist vier Klötze hoch. Sie freut sich über Geschenke, die in irgendeiner Form mit ihr zusammenhängen (vier Stifte, vier Löffel, ein vierbeiniges Pferd usw.). Im zugehörigen Märchen wird die kranke Bewohnerin mit einem Tee aus vier Kräutern, gesüßt mit vier Löffeln Honig kuriert. Nur allzu konsequent, dass die Musikpädagogin, Viola de Galgózczy, das dazu passende Kinderlied im Viervierteltakt komponiert hat.

Dem Einfallsreichtum, der Kreativität aller, die sich im Zahlenland bewegen, sind dabei keine (Landes-) Grenzen gesetzt: weder den Identifikationsfiguren des Lernspiels, dem Zahlenkobold Kuddelmuddel, der immer alles durcheinander bringt, ebenso wenig der Zahlenfee Vergissmeinnicht, die den Kindern schnell wieder hilft, Ordnung in ihre Zahlenwelt zu bringen - aber auch nicht den Erzieher/innen, den Eltern, erst recht nicht den Kindern selbst. Abzählreime, Spielvorschläge, Zahlenlieder, Spiele auf dem Zahlenweg - das Begleitbuch mit der beiliegenden CD macht Vorschläge zuhauf, ermutigt aber ebenso zur eigenen Kreativität und macht Lust auf die Entdeckung der Mathematik in alltäglichen Situationen.

Den Kindern macht diese immer wieder neue, spielerisch-emotionale Begegnung mit ihren Freunden, den Zahlen, ganz offensichtlich Spaß. Das jedenfalls berichten unisono die Eltern und die Erzieher/innen, die sich mit den Kleinen teilweise schon lange vor deren schulischer "Auseinandersetzung" mit Rechnen bzw. mit Mathematik befassen. Auch Lehrer/innen spüren den Effekt von "Komm mit ins Zahlenland" auf ihre Erstklässler deutlich und begrüßen es als sinnvolle, spielerische Vorbereitung auf die Schule. Diese Erfahrungen bestätigen die Erkenntnisse der Hirnforschung, der Entwicklungspsychologie und der Mathematikdidaktik, die in "Komm mit ins Zahlenland" verarbeitet sind.

Förderung von Sprache, Motorik, Wahrnehmung, Musikalität, sozialer Kompetenz, Lernmotivation, Selbstvertrauen und Allgemeinwissen - wissenschaftliche Studien stimmen mit den Erfahrungen der Erwachsenen, die die Kinder im Zahlenland begleiten und beobachten, überein: Sie sind unstrittig positive Begleiterscheinungen dieser Reise ins Zahlenland.

Literatur

Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy, Barbara Schindelhauer: Komm mit ins Zahlenland (mit CD). Freiburg: Herder Verlag 2011