Zitiervorschlag

"So kann ich es besser zuordnen". Ein Fachschulteam lernt in der Praxis oder: das "bewegte Team"

Eckehard Zühlke

 

Als Ausgangspunkt, eine typische Konferenzsituation

Zu Anfang des Schuljahres haben wir uns vorgenommen, die Inhalte in den verschiedenen Fächern praxisorientiert aufzubereiten und zu diskutieren, wie wir fächerübergreifend und in Form von Projekten unsere Arbeit und damit die sozialpädagogische Ausbildung verbessern können. Uns war es auch ein Anliegen die Medien- eher handlungsbezogenen Fächer mehr an die Sozialpädagogik, an Grundlagen und Konzepte, anzubinden.

Wir saßen in der Konferenz zusammen, unter anderem mit den Lehrplänen der Fachschule für Sozialpädagogik, die uns zum Teil abgehoben und veraltet erscheinen. Bei uns kommt noch hinzu, dass nicht nur das Kollegium in seiner Zusammensetzung, sondern die Fachschule selbst insgesamt neu ist. Die Lehrkräfte haben unterschiedliche Vor- und Ausbildungen. Die meisten haben ein klassisches Lehrstudium hinter sich mit spezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten in ihren Fächern und unterschiedlich tiefe Kenntnisse der sozialpädagogischen Tätigkeitsfelder. Andere sind aus der sozialpädagogischen Praxis, haben Unterrichtserfahrungen an Fachschule für Sozialpädagogik oder mit Vorpraktikanten. Es gibt Lehrbeauftragte direkt aus der Praxis ohne Unterrichtserfahrung. Von der Zusammensetzung sicherlich ein typisches Fachschulkollegium mit den vielfältigen Grenzen und Chancen einer Bündelschule.

Wir entscheiden, uns im ersten Schritt mit dem Kindergarten und dessen Pädagogik zu beschäftigen und fragen, was dort an Kompetenz von Erziehern abverlangt wird. Es stellt sich schnell heraus, dass die Frage richtig, doch die konkreten Erfahrungen oder Vorstellung vom Arbeitsfeld sehr unterschiedlich sind. So wird die Diskussion schnell mühselig und unverständlich. Es entwickelte sich der Gedanke, unseren Erfahrungsraum zu vereinheitlichen. Wir wollten nicht mehr nur debattieren, sondern uns einen gemeinsamen Erfahrungs- und Bezugsrahmen für weitere Gespräche schaffen. Wir überlegten uns als Einstieg einen pädagogischen Tag, der einen gemeinsamen Erfahrungsraum und weiteren Bezugsrahmen für pädagogische Planung bieten sollte. Außerdem war uns wichtig, dass wir als Gruppe von 8 KollegInnen erhofften, uns so vermehrt in Richtung Team zu entwickeln.

Planung

Zunächst war es gar nicht so einfach eine Einrichtung zu finden, die einerseits bereit ist, Einblick zu gewähren, Neugierde zuzulassen, ja und gerade noch ein Lehrerkollegium hereinzulassen. Auf der anderen Seite Ansprüchen genügt wie: die Einrichtung sollte eine moderne Kindergartenpädagogik vertreten und praktizieren und zwar insofern, als dass sie pädagogische Konsequenzen aus den sich verändernden Lebenswelten von Kindern und Familien ableitet. Die Einrichtung sollte nach dem situationstheoretischen Ansatz arbeiten und diesen auch darstellen können, integrativ im weiteren Sinne ausgerichtet sein und aktuelle Erkenntnisse der Wahrnehmungs- und Bewegungspädagogik in ihrer alltäglichen Praxis nutzen.

Im Evangelischen Kindergarten in Kirchbrombach fanden wir nicht nur diese Voraussetzungen gegeben sondern auch ein engagiertes KollegInnenteam, dass bereit war, uns Einblick zu gewähren.

Das, was die Einrichtung in Konzeption und Praxis ausmacht, wird am Schluß in der Auswertung der Erfahrungen nochmals deutlich.

In der Vorbereitungsgruppe aus Fachschule und Kindergarten wurde für den pädagogischen Tag folgendes verabredet:

Wir waren sehr früh im Kindergarten. Erst wenige Kinder waren dort. Es war Zeit sich mit dem Team und den Räumlichkeiten vertraut zu machen. Erste Gesprächskontakte zwischen ErzieherInnen und LehrerInnen entwickelten sich. Vorher gespürte Unsicherheiten auf beiden Seiten verschwanden relativ schnell. Das Kollegium teilte sich in die vier Gruppen auf und es wurde die "Bringsituation" beobachtet.

Interessant, ich nehme viel mit

Nach dem Abholen der Kinder trafen wir uns alle, das gesamte Kindergartenteam und das Lehrerkollegium am runden Tisch zu folgenden Fragen:

Für die Lehrkräfte: was habe ich heute wahrgenommen, was ist mir wichtig gewesen?

Für das ErzieherInnenteam war die Fragestellung, welche Erfahrungen habe ich mit mir und den Kindern gemacht, wenn so viele Lehrkräfte dazukommen und "gucken".

Erfahrungen von Lehrkräften:

Aus dem ErzieherInnenteam wurde herausgestellt, dass alle gern diesen Besuch in ihrer Praxis wollten und als Chance sehen, ihre Arbeit darzustellen und zu legitimieren. Es waren sicher zu Anfang etwas eigenartige Gefühle vorhanden - man läßt sich nicht gern beobachten. Aber diese Gefühle verflogen schnell - und auch die Kinder haben sich darauf eingestellt. Manche Kinder haben natürlich auch die Chance genutzt, sich vermehrt auf die erwachsenen Lehrkräfte zu stürzen oder sie ins Spiel zu holen.

Die angesprochenen Themen der Lehrkräfte wurde vom Team aufgenommen und es wurde erläutert, welche sozialpädagogischen Gedanken dahinterstecken. Im situationstheoretischen Ansatz ist es selbstverständlich, Kinder zu beobachten, ihnen zuhören, herauszufinden, was deren Thema ist, um dann ganzheitlich mit allen Sinnen projektorientiert daran zu arbeiten. Nicht der Jahresplan zählt, sondern Themen von Kindern werden aufgegriffen. Die Planung ist offen und betrifft nicht immer die ganze Gruppe sondern ggf. nur Teilgruppen. Integration wird sehr weit verstanden: Integration von Kindern mit Behinderungen oder Auffälligkeiten, Integration von Kindern/Menschen verschiedener Nationalitäten, aber Integration der eigenen Person in das alltägliche Gruppenleben. Der situationstheoretische Ansatz wird flankiert durch ein Verständnis von Kreativität und Raumgestaltung sowie der Förderung der Wahrnehmung, das u.a. in der Reggio-Pädagogik grundgelegt wird. Aber auch Montessori Merkmale sind zu erkennen in der Sinnesschulung bei den Bewegungseinheiten, beim Tonen und an der Haltung, dass Kinder sich das Material wählen, das für ihre Entwicklung am wichtigsten ist. Allen 3 Ansätzen ist gemeinsam, dass sie eine hohe Wertschätzung der kindlichen Person, seiner Selbstfindung und Selbststeuerung besitzen. Diese Haltung ist in diesem Kindergarten Prinzip und Aufgabe zugleich.

Die Diskussion zum Schluss ließ erkennen, dass für das Lehrerkollegium darüber, allerdings unterschiedlich, viele sozialpädagogische Fragen geöffnet wurden. Es wurde ein Kindergartenkonzept und eine Praxis sichtbar, an dem/der vertieft weitergedacht werden kann und muss. Wie können wir in der Fachschule besser auf eine derartige Praxis vorbereiten?

Erste Ideen oder wir haben viel vor uns

Mit dieser ersten Praxiserfahrungen können wir uns weiteren Planungsdebatten besser zentrieren auf das, was praktisch relevant ist.

Die Notwendigkeit des fächerübergreifenden und projektorientierten Arbeitens wird deutlich sichtbar am Beispiel der Bewegungseinheiten. Wie sind die eher theoriegeleiteten Fächer und die eher handlungsorientierten Fächer konstruktiv miteinander zu verbinden?

Wie können wir in der Ausbildung auch eine pädagogische Haltung vermitteln, die dem situationstheoretischen Ansatz, der Reggio-Pädagogik oder auch der Montessori-Pädagogik entspricht, nämlich Kinder als Persönlichkeiten zu akzeptieren und wertzuschätzen?

Der situationstheoretische Ansatz scheint die verbindende Klammer, die Grundlage der sozialpädagogischen Arbeit zu sein. Wie ist dieser verbessert in die Ausbildung einzubringen? Wie können wir diesen Ansatz in der Ausbildung nicht nur vermitteln, sondern erfahrbar machen?

Insgesamt war es in Schritt in die richtige Richtung. Die Begegnung von Lernort Schule und Lernort Praxis als gegenseitige Öffnung wird weiter gehen.

 

Neue Wege gehen, sich öffnen

Gudrun Gutzeit, Ev. Kindergarten Kirchbrombach

 

Als feststand, dass in unserer nächsten Umgebung ab August 1998 eine Fachschule für Sozialpädagogik eingerichtet werden sollte, war für unser Team klar, dass wir von Anfang an auf irgendeine Art und Weise dabei sein wollten.

Eine Infoveranstaltung der Beruflichen Schulen Michelstadt im Juli brachte zwar nicht die erhofften Informationen, manifestierte eher eine sehr kritische Sichtweise einiger Praxisvertreterinnen, ob denn aus dieser Schule eine ernstzunehmende Fachschule für Sozialpädagogik entstehen werde. Wir bekundeten schriftlich unser Interesse an einer, wie auch immer gearteten Zusammenarbeit und stellten unsere Einrichtung vor.

Sehr erstaunt nahmen wir zur Kenntnis, dass sich zu Beginn des Schuljahres der neue Koordinator der Fachschule, mit der Bitte an uns wandte, ein Gespräch mit uns in unserer Einrichtung führen. Wir waren gespannt!

Es wurde dort der Wunsch und das dringende Bedürfnis geäußert, mit dem neuen Lehrerkollegium sich mehr an den Erfordernissen der sozialpädagogischen Praxis auszurichten. Wie kann das geschehen? Es wurde ein erster pädagogischer Tag in der Praxis verabredet in Form erweiterten Hospitation.

Diese Hospitation solle der weiteren Arbeit des Kollegiums einen gemeinsamen Erfahrungsraum schaffen, um so gemeinsame konzeptionelle Planung besser in Gang zu bringen.

Ein Brief von uns und der Austausch im Verlauf des Gesprächs über Konzept und Arbeitsweise unseres Kindergartens schienen Grund genug, nach einer konstruktiven Form der Zusammenarbeit zu suchen.

Wir freuten uns, aber es war uns auch klar, dass das gesamte Team "ja" sagen mußte. Während einer Teambesprechung wurde das Für und Wider der Hospitation abgewogen, auch über Ängste gesprochen und Unwohlsein geäußert bei dem Gedanken, dass einem u.U. mehrere Lehrer gleichzeitig über die Schulter sehen würden.

Schließlich überwog der Gedanke, dass es auch für unsere Einrichtung und das Team eine Chance bedeuten könne, sich zu öffnen, die eigene Arbeit auf unterschiedlichem Niveau reflektiert zu sehen. Die Zusage für den pädagogischen Tag erfolgte, und es wurden gemeinsam einige Regeln für den Ablauf des Tages erstellt. Dem Kindergarten-Team war es wichtig, dass es ein ganz normaler Tag sein sollte.

Ein Erzieher fehlte wegen Fortbildung, Vertretung in einer Gruppe war angesagt, aber auch das ist durchaus Alltag.

Ein fast normaler Tag

Am Hospitationstag verteilten sich Lehrer und Lehrerinnen nach einer Begrüßung und Hausführung auf die 4 Gruppen, beobachteten, führten in der Bringphase Gespräche mit den Erzieherinnen begleiteten eine Gruppe beim Waldtag und ließen sich natürlich von den Kindern in Spielsituationen einbinden.

Schnell wich bei uns allen ein gewisses Unbehagen. Wir konnten spüren, dass unsere Gäste ein wohlwollendes Interesse an unserer Arbeit hatten und wenig oder keine Unruhe in das Gruppengeschehen brachten.

Ein fast normaler Tag, wenn man einmal davon absieht, dass vielleicht unbewusst unser Eingehen auf die Kinder mehr als sonst geprägt waren von pädagogischen Verständnis und guten Nerven. Wer weiß?

Jeder Tag ist anders, Befindlichkeiten von großen und kleinen Menschen manchmal strapaziös, aber das wissen auch Lehrer. Die Atmosphäre war locker und wir fühlten uns gut.

Die anschließende Auswertungsrunde war notwendig und gut. Ich möchte mich in meiner Beschreibung auf Beobachtungen und Einschätzungen aus dem Team beschränken. Interessant und wichtig für uns wäre natürlich zu erfahren, welchen Eindruck wir hinterlassen haben.

Wir beobachteten, bzw. stellten fest und interpretierten aufgrund von Gesprächen und Fragen, dass:

Viele Fragen wären zu stellen:

Dass die Fachleute aus dem Kollegium an diesem Vormittag einen Einblick in unsere Arbeit bekommen haben, war uns klar. Eher im Dunkeln bleibt, welche Fragen bei den Lehrkräften aufgeworfen wurden, die die Medienfächer in die sozialpädagogische Praxis einbringen und welche Fragen bei anderen aufgeworfen wurden, die zum erstenmal einen solchen Einblick in die pädagogische Praxis hatten.

Und genau da wäre es spannend, gemeinsam weiterzuarbeiten und im Dialog zu bleiben: Im Interesse der Auszubildenden, die wir vielleicht bald als Praktikanten/innen haben. Im Interesse der Schule, der wir einen guten Start wünschen. Im Interesse der Kinder, die ein Recht auf qualifizierte ErzieherInnen haben und in unserem Interesse als Team, das den Dialog mit den Schulen sucht und sich in der eigenen Einrichtung auf den Weg gemacht hat, nicht am Kind zu arbeiten, sondern mit Kindern gemeinsam zu leben, zu lernen, zu forschen und nicht immer schnelle Antworten für jeden und jedes parat zu haben.

Wir freuen uns darauf, mit der Schule, den Lehrenden und Lernenden im Gespräch zu bleiben. "Es war wirklich der Beginn einer konstruktiven Zusammenarbeit, der sich bis heute hin eher vertieft hat" (Zühlke 1/2000)

 

Das "bewegte Team" in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen, in der Jugendarbeit

Eckehard Zühlke

 

Die bisherigen Praxiserfahrungen wurden vom Team sehr positiv aufgenommen. Es entstand der Wunsch weitere Praxisfelder kennen zu lernen, diese zu besuchen und konkret zu erfahren, was darin wichtig und brisant ist. Im Leitbild der Fachschule für Sozialpädagogik in Michelstadt wurde das "bewegte Team" verankert. Inzwischen war das Team oder Teile davon vier Mal in der Fachpraxis. Von der Fachpraxis wird das Interesse deutlich honoriert.

Die Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen

Besuchserfahrungen in einem Heim für Kinder und Jugendliche mit geistigen und mehrfachen Behinderungen. Zum Ablauf: Zunächst gab es einen Vortrag zur Geschichte des Hauses und der aktuellen pädagogischen Arbeit mit behinderten Kindern wurde dargestellt. Die Einrichtung "Haus Finkennest" für geistig behinderte Kinder ist eine familienersetzende Einrichtung. Neben der alltäglichen Arbeit mit den behinderten Kindern kommt die Elternarbeit und auch die Arbeit an und mit den Verhaltensauffälligkeiten der Kinder. Auch diesen Kinder zeigen Aggressionen, Depressionen, Essstörungen und anderes Mehr. Viele diese Störungen entstehen durch Nichtbeachten von Bedürfnissen.

Die Beziehungsarbeit steht im Vordergrund, Förderung von alltäglichen Fähigkeiten ist aber auch wichtig. Für eine Erzieherkompetenz erscheint es wichtig, beziehungsfähig zu sein, Bereitschaft zu ständigen Dazulernen aufzubringen und auch persönliche Eignung insbesondere auch die Belastbarkeit ist wichtig.

Kinder sind in dieser Einrichtung bis zum Alter von 27. Viele Schwierigkeiten ergeben sich in der Pubertät. Die Gruppen sind geschlechtsgemischt. Wichtig für den Alltag sind Klarheiten: Regeln, Rituale und Refugien sichern den Alltag ab. Als gestaltendes Moment für die Beziehung aber auch zur Förderung gelten Musik- und Bewegungspädagogik. Das Konzept legt allerdings den Schwerpunkt auf pädagogischen Begleitung der Menschen und weniger auf Therapien.

In den Gruppen wurde unserem LehrerInnenteam erfahrbar und konkret nahe gebracht, was es heißt, mit schwer geistig behinderten Kindern zu arbeiten. Snoezle Elemente, Filztechniken wurden gezeigt. Sterbebegleitung von behinderten Kindern gehört zum Alltag. Die Lehrergruppe konnte im Gymnastikraum praktisch erfahren, wie behinderte Menschen lernen eine Personenverständnis für sich entwickeln. "Ich bin eine Person", hieß die Übung, die mit geistig behinderten Menschen über Wochen läuft. Das interessant gestaltende Außengelände zeigt unterschiedliche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und auch des Rückzuges. Die Kontaktmöglichkeiten zu unterschiedlichen Tieren verschaffen Bezüge, Zutrauen oder gar Vertrauen. Wichtig ist dies, so zeigt die Erfahrung, z.B. für autistische Kinder.

Im gemeinsamen Schlusskreis aus ErzieherInnen, LehrerInnen und Leitung wurde deutlich, wie wichtig Kommunikation und Abstimmung im Team ist.

Für die Arbeit an der Fachschule wurden folgende Fragestellungen herausgestellt:

  1. Die Medienfächer, Musik, Werken, Bewegung brauchen für diesen Arbeitsbereich einen besonderen Zuschnitt, eher funktionsorientiert.
  2. Die Arbeit an der Beziehungsfähigkeit von Studierenden kann sich verstärkt in der Ausbildung entwickeln, auch geplant z.B. über Gesprächsführung, Entwicklung von Empathie und Deutlichkeit.
  3. Regeln, Rituale und Refugien als pädagogischen Gestaltungsmomente haben hier fördernden und verhaltenssichernden Charakter.
  4. Teamfähigkeiten
  5. Trennung, Tod und Sterben sind elementare Themen.
  6. Verständnis von verschiedenen Behinderungsarten, Mehrfachbehinderungen, Behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten.
  7. Behindertenarbeit und Sexualpädagogik

Sozialpädagogisches Arbeiten mit Jugendlichen

Einige wichtige Aspekte für das Fachschulteam: Um Jugendarbeit Vorort angemessen gestalten zu können, ist es wichtig eine Feldanalyse zu machen. In Brensbach ist das geschehen. Die Bedürfnisse und die Lebenssituation können so eher nachvollzogen werden es gibt Anknüpfungspunkte für sozialpädagogisches Handeln.

Weiterhin muss auf die Jugendlichen in unterschiedlichen Weise zugegangen werden. In der Jugendarbeit gibt es ein Holaspekt. Es reicht nicht aus, nur über die regionale Presse Gruppenstunden publik zu machen und zu hoffen die Jugendlichen kämen. Viele Jugendliche brauchen auch persönliche Beratung zu unterschiedlichen Fragen wie Liebe, Partnerschaft und Sexualität, aber auch zu familiären Fragen, zu Fragen von Arbeitslosigkeit u.a. Andere Jugendliche kommen einfach so in den Jugendraum und reden oder spielen, je nach Lust und Laune. Ein eigener Jugendraum ist wichtig. Jugendarbeit in ländlichen Regionen muss sich auch mit den Angebote der Vereinen befassen, um nicht unnötige Konkurrenz zu machen.

Themen für den Wahlpflichtbereich "Sozialpädagogische Arbeit mit Jugendlichen" sind:

  1. geschlechtsspezifischen Jugendarbeit;
  2. aufsuchenden Jugendarbeit und Jugendstationen;
  3. Jugendarbeit als Beratungsarbeit in unterschiedlichsten Bereichen, Sorgentelefon u.a.;
  4. Jugendarbeit mit rechten Jugendliche (akzeptierende Arbeit);
  5. Jugendarbeit mit benachteiligte, arbeitslosen Jugendlichen;
  6. Jugendarbeit und Jugendförderung;
  7. Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendarbeit;
  8. Jugendarbeit als Konkurrenz zur Vereinsarbeit;
  9. Partizipation in der Jugendarbeit; Modelle der Beteiligung von Jugendlichen (HGO);
  10. Gewalt an Jugendlichen, sexuelle Ausbeutung;
  11. die Bedeutung eines eigenen Jugendraumes;
  12. gewaltbereite Jugendliche, Modelle gewaltfreier Konfliktlösung
  13. u.a.m

Schlüsselqualifikationen für Pädagogen in der Jugendarbeit sind:

Was bringen die gemeinsamen Erfahrungen der Lehrerteams in der Fachpraxis?

Es werden sozialpädagogische Praxisfelder auf der Erfahrungsebene z. T. wahrgenommen oder wiederentdeckt.

Wichtige sozialpädagogische Ansätze, insbesondere lebensweltorientierte Anätze, werden in ihr Praxisrelevanz erfahren und verstanden.

Der für den Kita-Bereich wichtige Situationstheoretische Ansatz wird als umfassender pädagogischer Ansatz sichtbar, der eine anspruchsvolle Sach- und Dialogkompetenz der Fachkräfte Vorort verlangt.

Der Einbezug der Medienfächer wird jeweils auf das konkrete Arbeitsfeld bezogen deutlich.

Es werden aber auch aktuelle Fragen wie z.B. die der Belastung von Fachkräften, von Qualitätsbemessungen und auch Fragen wie zur Integration, zur Konzeptionsentwicklung, zur Zusammenarbeit mit den Fachschulen u.v.a. mehr konkret greifbar.

Es werden klare Bedürfnisse an inhaltlicher Kompetenz aus der Praxis vorgetragen, in Form von Themen oder Fähigkeit oder Schlüsselkompetenzen.

Für das Team ist auf der Beziehungsebne die gemeinsame Erfahrung stark verbindet. In viele Fach- und Planungsgesprächen tauchen gemeinsame Erfahrungsmomente als Bezugspunkte auf - sie erleichtern Fachgesprächen, machen Verständigung eher möglich.

Die Fachpraxis meldet durchweg Positives zurück. Die Praxis erfährt sich als diejenige, die den Lehrer etwas zeigt, mit ihnen spricht, den LehrerInnen etwas vermittelt oder nahe bringt.

Aus den Besuchen entstehen Kontakte und Kontrakte, Besuche in Arbeitskreisen und Mithilfe im Unterricht und in Projekt.

Insgesamt ein gute Möglichkeit sich zu vernetzen, zu verbinden und regional Sozialpädagogik erfahrungsbezogen, gemeinsam und konkret zu gestalten.



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/ausbildung-studium-beruf/erzieher-in-ausbildung-an-fachschulen/242