×

Zitiervorschlag

Maker-Mentalität im Kindergarten - Das Potenzial ist bereits da

Klaus Thestrup

 

Jeder Kindergarten kann zum Makerspace werden. Es geht darum, das Spiel und die Experimente von Kindern zu unterstützen. Dies kann überall stattfinden: auf dem Spielplatz, in einer Ecke des Kindergartens und natürlich in Räumen, die zum Basteln bestimmt sind. Kinder, pädagogische Fachkräfte und andere können zusammen experimentierende Gemeinschaften bilden, in denen es darum geht, Fragen zu stellen, wie zum Beispiel: Wie wollen wir Technologien nutzen, verschiedene Materialien verwenden oder Erzählungen in unsere Aktivitäten einbeziehen? Ohne den genauen Verwendungszweck vorher festzulegen, wird gemeinsam überlegt und untersucht, wie und wofür Technik, Materialien und digitale Medien genutzt werden können.

Makerspaces – Offene Lern- und Spiellabore

Man könnte argumentieren, dass jeder Kindergarten bereits ein Makerspace ist oder das Potenzial hat, es zu werden, ohne viel in neue Werkzeuge und Materialien investieren zu müssen. Wenn auf dem Boden, in Ecken oder auf Tischen Platz für Aktivitäten im Innen- und Außenbereich vorhanden ist, ist der Makerspace möglicherweise bereits vorhanden. Wenn ein Kindergarten über Schere, Kugelschreiber, Papier, Farben und andere analoge Werkzeuge und Materialien verfügt und wenn die Kinder experimentieren und damit spielen dürfen, sind sie möglicherweise bereits Teil des eigentlichen Makerspaces. Kameras und Apps auf Mobiltelefonen, Tablets und Roboter können einem solchen Raum problemlos hinzugefügt werden.

Man kann über den Makerspace in einem Kindergarten als offenes Labor sprechen, in dem alle Materialien, alle Medien und alle Werkzeuge zusammen genutzt und untersucht werden können (Thestrup / Robinson 2016). Digital und analog stehen nicht im Widerspruch, sondern sind miteinander verflochten. Man könnte spezielle Räume innerhalb des Kindergartens für den Makerspace entwerfen, aber ein Makerspace wird nicht durch einen Raum oder durch die gewählten Technologien definiert, sondern durch die kreative, offene und forschende Herangehensweise der Kinder sowie der pädagogischen Fachkräfte. Dies kann überall stattfinden – auf dem Spielplatz, im Flur, unter einem Tisch – wenn die Beteiligten dies wünschen.

Experimentierende Gemeinschaften

Kinder haben in ihrer Spielkultur die Fähigkeit, fast gleichzeitig nachzuahmen und zu verändern. Spielen kann man als Formel sehen, nach der sie improvisieren. Daher gibt es auch immer eine andere, neue Möglichkeit, ein Erzählung oder analoge sowie digitale Technologie zu gestalten bzw. zu verwenden. Sie könnten in ihrem selbstorganisierten Spiel Ideen oder Wege finden, die Materialien um sich herum zu nutzen. Sie könnten sogar die einfallsreichsten pädagogischen Fachkräfte oder Forscher/innen in ihrer alltäglichen Praxis überraschen. Wenn Kinder von den für sie verantwortlichen pädagogischen Fachkräften den Raum und die Möglichkeit bekommen zu experimentieren, entwickeln sie viele wertvolle Fähigkeiten wie kreatives Denken, selbstorganisiertes Lernen und andere Problemlösungskompetenzen.

Man kann über den Makerspace in einem Kindergarten als Ort sprechen, an dem es leicht ist, eine Experimentiergemeinschaft zu gründen, in der Kinder und pädagogische Fachkräfte gemeinsam Fragen stellen und versuchen Antworten zu finden. Die Idee einer experimentierenden Gemeinschaft besteht darin, Dinge auszuprobieren, verschiedenste Technologien, Materialien oder Erzählungen zu verwenden und diese auf kreative und innovative Art und Weise für die Lösungssuche einzusetzen (Thestrup 2018a). Die Pädagog/innen können selbst als Teil des Prozesses gesehen werden, die ein persönliches und berufliches Interesse daran haben, Antworten auf die vielfältigen Fragen zu finden (Thestrup 2018b). Die Beziehung zwischen der experimentierenden Gemeinschaft und den Kindern in ihrem selbstorganisierten Spiel beruht auf Austausch und Inspiration.

Offenheit als Schlüssel für eine zukunftsorientierte Pädagogik

Das Implementieren von offenen Lern- und Spiellaboren und einer experimentierenden Gemeinschaft im Kindergarten liegt im eigenen Ermessen. Neue Technologien oder neue Variationen bestehender Technologien scheinen die einzige Konstante zu sein, auf welche die Pädagog/innen zählen können. Roboter, Virtual Reality, Blogs und Social Media sind nur einige Beispiele für bereits existierende und zukünftige Produktions- und Kommunikationstechnologien, die sich als Experimentier- und Spielmöglichkeiten erweisen könnten. Wenn die experimentierende Gemeinschaft auf dem Durchführen von Experimenten basiert und Fragen stellt, ist das Potenzial für Makerspaces im Kindergarten vorhanden.

Pädagogik muss offen sein für einen Methodenwechsel, für andere Antworten, offen für neue Technologien und für die Kommunikation mit der Welt außerhalb des Kindergartens. Nicht nur die Antworten dürften nicht vorgefertigt sein, sondern auch die Fragen müssten erst formuliert werden, wenn der pädagogische Prozess beginnt (Pedersen 2019, Thestrup / Pedersen 2019).

In einer globalen Welt kann jeder Kindergarten anfangen, mit anderen Kindergärten und Institutionen zu kommunizieren und zu spielen. Beides ist sowohl auf ethischer (Thestrup 2018c) als auch auf kommunikativer Ebene ohne besondere Vorkenntnisse möglich (Thestrup 2018d.). Ein Makerspace wird nicht durch sein physisches Territorium definiert, sondern wie Kinder und pädagogische Fachkräfte eine Untersuchung innerhalb oder außerhalb der physischen Grenzen des Kindergartens durchführen.

Literatur

Pedersen, L. H. (2019). Constructing open and closed pedagogy - a case study of the Global Makerspace-project inside the Danish field (Assignment). University of Copenhagen, Faculty of Humanities, Department of Media, Cognition and Communication, Section of Education. Unpublished. Contact: vsl264@alumni.ku.dk.
Thestrup, K. & Pedersen, L. H. (2019). Makeative Makerspaces - When the pedagogy is makeative. In Blum-Ross, A.; Kumpulainen, K. & Marsh J. (Eds.), Enhancing Digital Literacy and Creativity: Makerspaces in the Early Years. London: Routledge.
Thestrup, K. & Robinson, S. (2016). Towards an entrepreneurial mindset: Empowering learners in an open laboratory. Emerald Group Publishing Limited. Kap. 8, p. 147-166 (Advances in Digital Education and Lifelong Learning, Vol. 2).
Thestrup, K. (2018a). The Green-screen experiments. Localized 24.4.2019 at https://youtu.be/jSua22fSUBk.
Thestrup, K.  (2018b). The Participator. Localized 24.04.2019 at https://youtu.be/GdWU3YlDoHo.
Thestrup, K. (2018c). Ethics in action. Localized 24.04.2019 at https://youtu.be/5-jjJfOBS68.
Thestrup, K. (2018d). I am not Steven Spielberg – on how to communicate. Localized 24.04.2019 at https://youtu.be/SE0Edu1xpKI.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok