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Zitiervorschlag

Der Einsatz von Handpuppen in Krippe und Kindergarten

Vanessa Klingen

 

Darum geht es

Handpuppen sind Teil unseres Morgenkreisrituals. Wir Erwachsenen finden Handpuppen meist niedlich und verbinden in der Arbeit mit Kindern nur positive Dinge. Manche Kinder haben aber aus verschiedenen Gründen Angst vor Handpuppen und Puppentheatern. Deswegen ist ein sensibler und verantwortungsbewusster Umgang mit den Handpuppen wichtig, damit alle Kinder positive Erlebnisse mit der Begrüßung im Morgenkreis machen.

So geht’s

Wer?

Bezugspädagogin/Bezugspädagoge

Wie oft?

-Anwendung täglich

-Einführung der Handpuppen zu Beginn des Krippen- oder Kindergartenjahres

Wann?

Beim Morgenkreis

Womit?

Mit freundlichen Handpuppen aus der Lebensrealität der Kinder

Worauf achten?

-Mögliche Ängste von Kindern wahr- und ernst nehmen

-Handpuppen nicht zum Schimpfen oder Strafen nutzen

Abb. 1 "So geht`s" Übersicht zum Einsatz von Handpuppen im Morgenkreis

Checkliste zur Selbstevaluation

 

o

Sieht die Handpuppe freundlich aus und ist aus der Lebensrealität der Kinder? (Für die Krippe bspw. ein Kuscheltier, dass die Kinder kennen und für den Kindergarten ein Kinder Figur)

 

o

Ist die Handpuppe kein bedrohliches Tier wie ein Krokodil oder Wolf?

Ist die Handpuppe keine Fantasiefigur wie ein(e) Hexe, Clown oder Teufel?

 

o

Habe ich eine Einführungsphase gemacht in der allen Kindern die Handpuppe gezeigt und vorgestellt wird?

 

o

Lasse ich die Kinder selbst entscheiden, ob sie durch die Handpuppe begrüßt werden möchten?

 

o

Achte ich sensibel auf die Reaktion der Kinder?

o Habe ich im Team über den Einsatz der Handpuppe reflektiert?

Abb. 2 "Checkliste zur Selbstevaluation"

Umgang

Wir achten besonders sensibel auf den Einsatz von Handpuppen im Ritual zur Begrüßung der Kinder im Morgenkreis, weil Kinder Angst vor Handpuppen haben können. Deswegen wählen wir Handpuppen aus, die der Lebensrealität der Kinder nahe sind und führen eine Einführungsphase zu Beginn des Krippen- oder Kindergartenjahres durch. Bei der Einführung ist es wichtig den Kindern die Handpuppe zu zeigen und zu erklären, was mit der Handpuppe geschehen wird. Wir zeigen allen Kindern die Handpuppe und zeigen wie wir sie auf die Hand setzten und stellen sie den Kindern vor. Bevor wir die Kinder mit der Handpuppe begrüßen oder ein Kind diese Aufgabe übernehmen darf, fragen wir die Kinder, ob sie von der Handpuppe begrüßt werden möchten. Zeigt sich, dass mehrere oder auch nur ein Kind Angst vor der Handpuppe haben, findet das Morgenkreisritual zunächst ohne Handpuppe statt. Nach zwei bis drei Wochen kann ein erneuter Versuch stattfinden, die Handpuppe in das Morgenkreisritual zu integrieren. Auch kann versucht werden eine andere Handpuppe zu verwenden. Es ist im Umgang mit den Handpuppen wichtig gut auf die Reaktionen der Kinder zu achten.

Hintergrund

Doch warum können Kinder Angst vor Handpuppen haben? Das kann an verschiedenen Entwicklungsschritten liegen, welche die Kinder in der Krippe und im Kindergarten durchlaufen. Kinder beginnen ab etwa* zwei Jahren Tieren, Pflanzen und Objekten menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Kinder denken alle Lebewesen und Gegenstände haben Gefühle und Absichten. Das nennt man animistisches Denken. Kinder denken z.B. dass Wolken regnen, weil sie traurig sind. Diese Denkweise nimmt mit zunehmendem Alter ab, bleibt aber bis etwa zum Grundschulalter.

Etwas später ab etwa drei Jahren bis etwa fünf Jahren durchlaufen Kinder gleichzeitig die magische Phase. In diesem Zeitraum ist für Kinder in ihrer blühenden Fantasie alles möglich. Eine Unterscheidung zwischen der eigenen Fantasie und der Realität fällt in diesem Alter oft schwer. Das liegt daran, dass Kinder in dieser Phase innere Bilder wahrnehmen, aber noch nicht realisieren, dass diese nur in ihrem Kopf stattfinden. Es existieren beispielsweise Monster und Feen, das kann positive, aber auch negative Gefühle hervorrufen. Dieses Verhalten ist ganz normal. Kinder sind in diesem Alter oft kognitiv in der Lage sich die Welt logisch zu erklären und versuchen dies durch ihre Fantasie.

Die Angst vor Handpuppen, besonders in Fantasiegestalt oder bedrohlich wirkender Tiergestalt, kann mit diesen Entwicklungsschritten erklärt werden. Kinder können den Handpuppen menschliche Eigenschaften zuschreiben, diese können gut, aber auch schlecht sein. Außerdem können Kinder in der fantasievollen magischen Phase z.B. denken, dass sie die Krokodilhandpuppe vielleicht beißen kann oder die Hexenhandpuppe sie böse verwünscht. Aus diesem Grund verwenden wir Handpuppen, die der Lebensrealität der Kinder entsprechen. Für die Krippe setzen wir kuscheltierartige, freundlich aussehende und helle Handpuppen ein. Für den Kindergarten freundliche, kinderähnliche Handpuppen, gerne kann auch eine Jungen- und eine Mädchenhandpuppe verwendet werden. Durch die Achtsamkeit bei der Verwendung von Handpuppen bilden und erhalten wir die gute Bindung zwischen den Pädagogen und Pädagoginnen und den Kindern.

* Es wird keine genaue zeitliche Angabe in Monaten verwendet, weil jedes Kind sich in seinem eigenen Tempo entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Gebhard, U. (2020). Die Beseelung der Natur. In: Kind und Natur (S. 51-77). Wiesbaden: Springer VS.

Oesterdiekhoff G. (2012). Magie. In: Die Entwicklung der Menschheit von der Kindheitsphase zur Erwachsenenreife S. 157-167). Wiesbaden: Springer VS.

Autorin

Vanessa Klingen arbeitet in der KLAX- GmbH im Produktmanagement – Schwerpunkt: Frühkindliche Bildung.

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