Zitiervorschlag

Konzept zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren im Kindergarten

Theresia Gerhard und Beate Schmidt

 

Vorüberlegungen

Begründung und Organisation der Aufnahme von Kindern unter drei Jahre

Bedarfsumfrage

Gespräch mit Verantwortlichen der Stadt Würzburg

Informationselternabend

Inhalte waren:

(zum Elternabend siehe Anlagen 1 und 2)

Literatur zur Vorbereitung

Däschner, G.: Miteinander im Kleinstkindalter. Luther-Verlag, Bielefeld 1992

Däschner, G.: Konzept für die Arbeit mit (Klein-) Kindern. Paritätische Familien-Bildungsstätte, München 1997

Däschner, G.: Bananenschale und Löwenzahn. Paritätische Familien-Bildungsstätte, München 1995

Die Anmeldung

Aufnahmegespräch und Formalitäten

Die Aufnahmemodalitäten entsprechen denen der Kinder ab 3 Jahre. Es findet ein Aufnahmegespräch statt, ein ärztliches Attest ist vorzulegen und ebenso die Einverständniserklärung für Aktivitäten außerhalb des Kindergartens, denn auch die Kleinen dürfen an Spaziergängen und kleinen Unternehmungen außerhalb der Einrichtung teilnehmen.

Gespräch über das Kind und seine bisherige Entwicklung

Einen besonderen Stellenwert hat das Anmeldegespräch. Mit Hilfe eines Formblattes informieren wir uns z.B. über mögliche Ablöseschwierigkeiten, über die bisherige Entwicklung des Kindes, über seine Lieblingsspielsachen, über das Spielverhalten sowie sprachliche Besonderheiten. Gleichzeitig lassen wir Informationen über unseren Kindergartenalltag in das Gespräch einfließen.

Thematisiert wird hier auch immer die Sauberkeitserziehung, wobei die Aufnahme eines Kindes auch mit Windeln möglich ist.

Anmeldeunterlagen

Formales u.a.

Pädagogische und konzeptionelle Inhalte

Besondere Ziele und Schwerpunkte

Damit sich die Kinder langsam an den Alltag im Kindergarten gewöhnen können, halten sie sich zunächst die meiste Zeit am Vormittag in der Kleingruppe "Bummistübchen" auf.

Die langsame und individuelle Ablösephase vom Elternhaus

Die Ablösephase muss für jedes Kind individuell gestaltet werden. Für die meisten Kinder bedeutet der Kindergartenbesuch auch gleichzeitig die erste Trennung von der häuslichen Bezugsperson.

Wesentliche Punkte für die Ablösephase:

Grundsätzlich gilt: Vom Kind verabschieden! - Pünktlich zum Abholen kommen (Vertrauen)!

Individuelle Eingewöhnungszeit

Selbstbestimmung und soziale Kompetenz als Voraussetzungen für den Alltag in der Großgruppe

Sprachliche Anregungen für die Kinder durch kleine, spielerische Angebote im Tagesablauf

Der Übergang in die Großgruppe

Wichtig: Langsamer Übergang!

Der Vormittag in der Kleingruppe "Bummistübchen"

Tagesablauf

ab 08.00 bis 09.00 Uhr: Bringzeit (Austausch mit den Eltern)

08.00 bis 09.00 Uhr: Freispiel

ab 09.00 Uhr: Körperpflege (auch Selbständigkeit - z.B. Hände waschen), gemeinsames Frühstück, individuelles Beenden der Brotzeit, Windeln wechseln

bis 10.20 Uhr: Freispiel, Beschäftigungsangebote mit einzelnen Kindern (z.B. Malen)

bis 10.45 Uhr: gemeinsames Aufräumen, Fingerspiel "Pinki" (tägliches Ritual), Obstfrühstück

10.45 bis 11.15 Uhr: gemeinsames Beschäftigungsangebot, z.B. Stuhlkreis, Turnen, Kreis- und Bewegungsspiele, Kneten, Spaziergang, Aufenthalt im Freien

ab 11.15 Uhr: Abholzeit (Austausch mit den Eltern)

Gruppenübergreifende Aktivitäten

Erste Erfahrungen aus dem Alltag mit den unter-3-jährigen Kindern

Unsere Ziele und Schwerpunkte haben sich im Alltag mit den Kindern unter drei Jahren bewährt und sollen daher auch in Zukunft im Wesentlichen beibehalten werden.

Kinder nicht überfordern

Um die kleinen Kinder nicht zu überfordern, ist der regelmäßige Aufenthalt in der Kleingruppe besonders wichtig. Hier sind Spielangebote, Kinderzahl und äußere Eindrücke überschaubar und speziell auf die Altersgruppe der unter-3-jährigen Kinder abgestimmt. Die Kleingruppe ermöglicht den Kindern, sich leichter zu orientieren.

Für manche Kinder würde die dauernde Anwesenheit in der Großgruppe eine Überforderung bedeuten. Sie verkraften z.B. die Lautstärke oder die Abläufe dort noch nicht.

Diese Überlegungen gewinnen zusätzlich an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass bei einem Großteil der Kinder, die unseren Kindergarten besuchen, die Gesamtentwicklung verzögert ist.

Alle Kinder, die den Kindergartenalltag zunächst über die Kleingruppe erleben konnten, haben deutlich weniger Probleme mit den Anforderungen in der Großgruppe. Trotzdem wären die Bedingungen noch günstiger, wenn für die Kleinstkinder auch zusätzliches Personal zur Verfügung stehen würde.

Ablösephase und Eingewöhnung

Um dem Kind die Ablösephase zu erleichtern und das Ziel "individuelle Eingewöhnung" tatsächlich umsetzen zu können, sollten nicht mehrere Kinder gleichzeitig neu aufgenommen werden:

Obstfrühstück

Wir konnten beobachten, dass manche Kleinkinder beim gemeinsamen Frühstück nur wenig von ihrer mitgebrachten Brotzeit essen möchten und am späten Vormittag dann wieder hungrig sind. Deshalb haben wir ein zweites Frühstück eingeführt, bei dem wir Obst anbieten, das wir im Kindergarten zur Verfügung haben. Dieses Obstfrühstück wird von den Kindern gerne angenommen und bietet zudem wichtige Erfahrungen für die Sinne: Fühlen, riechen, schmecken ... Es findet jeweils vor dem gemeinsamen Beschäftigungsangebot in der Kleingruppe statt.

Sauberkeitserziehung

Für viele Eltern ist schon beim Aufnahmegespräch das Thema Sauberkeitserziehung ein wichtiger Punkt. Oft gibt es Ängste, dass wir ein Kind eventuell nicht aufnehmen könnten, wenn es noch Windeln braucht. Umso überraschter sind die meisten Eltern, wenn sie spüren, dass Windeln für uns kein Problem sind.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich Kinder, die mit Windeln zu uns kommen, sehr schnell für die (Kinder-) Toiletten interessieren und ohne Druck sauber werden.

In der Regel beginnen wir nach der Eingewöhnungszeit damit, die Kinder beim Windelwechseln auf die Toilette zu setzen. Wenn die Windel schon längere Zeit trocken bleibt, lassen wir sie im Kindergartenalltag weg.

Bezüglich Sauberkeitserziehung gibt es immer wieder Absprachen mit den Eltern (Reservekleidung mitbringen; Windel auch zu Hause abmachen etc.), wobei wir nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Kind innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens sauber ist.

Was tun, wenn die Kleinen es noch nicht schaffen?

Wenn Kindern nach ca. 4 Wochen die Ablösung von der häuslichen Bezugsperson nicht möglich ist und der Aufenthalt im Kindergarten eine Überforderung bedeutet, behalten wir uns vor, den Kindergartenbesuch abzubrechen bzw. zu unterbrechen. Von bisher 23 aufgenommenen Kindern unter drei Jahren (von 2;0 bis 2;10 Jahre) konnten sich zwei Kinder nicht eingewöhnen. In Absprache mit den Eltern wurde der Kindergartenbesuch abgebrochen, und die Kinder werden noch einige Zeit zu Hause bleiben.

Anlage 1: Ergebnisse aus dem Informationsabend für die Aufnahme von Kleinstkindern (September 1998)

Wandbilder

Vorgabe: Ich wünsche mir Betreuung für mein zweijähriges Kind, weil:

Angaben der Eltern:

Vorgabe: Das wünsche ich mir für mein Kind in der Gruppe:

Angaben der Eltern:

Anlage 2: Elternabend September 1998 "Unter-3-jährige Kinder im Kindergarten"

Im Alltag bedeutet das:

Für die Kinder:

Für den Kindergarten:

Was wir nicht leisten können:

Adresse

Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Würzburg-Stadt e.V.
Weißenburgstr. 38
97082 Würzburg



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/krippen-bzw-hortpaedagogik/weite-altersmischung/106/