Zitiervorschlag

Eltern geben Ganztagsschulen gute Noten

Bertelsmann Stiftung

 

Wenn Kinder an einer Ganztagsschule lernen, bewerten ihre Eltern die Schule insgesamt häufiger positiv als Eltern von Halbtagsschülern. Das zeigt eine neue repräsentative Studie der Bertelsmann Stiftung. 30 Prozent der Eltern von Halbtagsschülern sagen sogar, dass sie ihr Kind auf eine Ganztagsschule schicken würden, wenn sie jetzt nochmal entscheiden könnten. "Ganztagsschulen sind der beste Rahmen für die individuelle Förderung der Schüler. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Insgesamt sind Eltern sehr zufrieden mit den Lehrkräften ihrer Kinder: 84 Prozent aller Eltern loben die fachliche Kompetenz der Lehrer an Ganztags- und Halbtagsschulen. Einzelne Aspekte des Schulalltags bewerten Eltern von Ganztagsschülern jedoch häufiger positiv als Eltern, deren Kinder halbtags lernen:

Ganztag mit Teilnahmepflicht schneidet bei der individuellen Förderung am besten ab

Es gibt zwei Formen von Ganztagsschulen in Deutschland: Beim offenen Ganztag nehmen einzelne Kinder freiwillig am Nachmittagsprogramm teil. In der gebundenen Form lernen alle Kinder eines Klassenverbands gemeinsam über den ganzen Tag. Diese gebundene Form bewerten Eltern insbesondere in folgenden Punkten besser:

Hingegen schneiden offene Ganztagsschulen bei diesen Aspekten besser als die gebundene Form ab:

Die Eltern sind aber nicht mit allen Aspekten der Ganztagsschulen zufrieden. Die drei am häufigsten genannten Wünsche sind noch mehr Angebote zur individuellen Förderung (49%), eine Verbesserung der Personalausstattung (47%) und ein besserer Informationsfluss zwischen Schule und Eltern (46%).

Das Angebot wächst, reicht aber nicht: Mehr Eltern wollen Ganztagsschulen

Das Ganztagsangebot wächst in Deutschland - deckt allerdings nicht den Bedarf. 35,8 Prozent aller Schüler hatten im Schuljahr 2013/2014 einen Ganztagsplatz. Im Schuljahr 2014/2015 waren es schon 37,7 Prozent. Zugleich sagen 30 Prozent der Eltern von Halbtagsschülern, sie würden sich heute für das ganztägige Lernen entscheiden. Das Angebot reicht jedoch nicht aus: 32 Prozent der Eltern von Kindern an Halbtagsschulen geben an, dass es in ihrer Nähe keine Ganztagsschule gibt. "Wir brauchen mehr Ganztagsplätze. Den Ausbau können wir mit einem Rechtsanspruch auf Ganztag vorantreiben", sagt Jörg Dräger. In der Ganztagsqualität sieht Dräger eine zentrale Herausforderung für die weitere Entwicklung. Insbesondere der Ausbau von gebundenen Ganztagsschulen müsse vorangetrieben werden. Im Schuljahr 2014/2015 konnten nur 17,6 Prozent der Schüler diese Form der Ganztagsschule besuchen, die am meisten individuelle Förderung ermöglicht.

Zusatzinformationen

Infratest dimap hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung deutschlandweit 4.321 Eltern schulpflichtiger Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren befragt. Die repräsentative Befragung (Methode: CAWI - computergestützte Online-Interviews) wurde im Schuljahr 2014/15, vom 30. Januar bis 23. Februar 2015, durchgeführt. Die in der Studie berichteten Zahlen zum Ausbaustand der Ganztagsschulen in Deutschland und den Bundesländern beziehen sich ebenfalls auf das Schuljahr 2014/15. Sie entstammen der offiziellen Statistik der Kultusministerkonferenz und sind die zurzeit aktuellsten Daten zum Ausbaustand des Ganztagsschulwesens in Deutschland.

Quelle

Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 19.09.2016



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/paedagogik/1959