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Zitiervorschlag

Faszination Licht

Susanne Günsch

 

Einleitung

Am Herbstanfang steht die Sonne über dem Äquator und bei uns beginnt die dunkle Jahreszeit. Dann stehen unsere Feste – Laternenfest, Advent, St. Lucia, Weihnachten – im Zeichen des Lichts.

Nach der Wintersonnenwende, um den 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Was passiert am Frühlings- und Sommeranfang und wie können Kinder das konkret erfahren?

„Licht ist die Aktion des Weltalls“. Dieser Satz von Novalis (eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, 1772-1801) offenbart die komplexe Tragweite des Themas.

Aber auch in Kulturen spielt Licht eine bedeutende Rolle. Wir kennen Sätze wie: „Licht am Ende des Tunnels“, „Stelle dein Licht nicht unter den Scheffel“, „Nachts sind alle Katzen grau“, „Wende dich der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“ etc.

Unser Körper benötigt Licht, um Vitamin D zu bilden. Und im Herbst bekommen wir den Winterblues, sind schwermütiger aufgrund des fehlenden Lichts.

Wir haben einen kleinen Lichtkreislauf, der täglich mit Tag und Nacht beginnt. Dieser ist Grundlage für die frühe Zeitmessung. Der große Kreislauf verläuft jährlich, mit den bekannten Jahreszeiten.  

Selbst in der Architektur wird die Bedeutung des Lichts aufgegriffen, zum Beispiel in Stonehenge oder im Palast von Abu Simbel in Ägypten.

Licht als Schlüsselthema in der Reggio-Pädagogik

Licht und Schatten, Licht und Farbe, diese Themen sind in den kommunalen Reggio Emilia-Kitas Schlüsselthemen, sie dauern oft das ganze Kita-Jahr. Diese Alltagsphänomene sind für die Kinder täglich erlebbar. Die Auseinandersetzung damit ist in diversen Katalogen dokumentiert und auch im Band: „Alles hat einen Schatten außer den Ameisen“. In Reggio-Kitas gehört darum ein Overheadprojektor und Leuchtkasten zur Standardausstattung jeder Gruppe.

Dabei kommt man den Phänomenen der Optik auf die Spur und entdeckt den Zauber des Lichts in allen erdenklichen Variationen. Alle Altersgruppen können damit experimentieren. Während es für die Krippenkinder sicherlich noch magisch ist, forschen die Fünfjährigen sehr zielgerichtet damit. Sie stellen sich Fragen, haben Hypothesen, warum etwas so sein könnte, und gehen dem auf den Grund. Die Rolle der Erwachsenen besteht darin, Materialien und Lichtspielplätze zur Verfügung zu stellen.

Leuchtobjekte

Vielleicht wird man auch neugierig, die Laternenzeit anders zu gestalten. Wenn Kinder der Frage nachgehen, wie sie Licht ins Dunkel bringen können, entstehen sicherlich weitreichendere Ideen als die gebastelte Laterne, die die Erzieherin vorschlägt. In der Remida findet man jede Menge Materialien, aus denen sich Leuchtobjekte bauen lassen.

Mit Licht experimentieren in der Reggio-Pädagogik

Herbstthemen lassen sich gut ausweiten, auf das Experimentieren mit Naturmaterialien auf dem Leuchtkasten. Bei Blättern kann man auf diese Weise die Zellstrukturen erkennen. In der Biologie sorgt das Licht für die Fotosynthese.

Der Leuchtkasten bringt andere Phänomene hervor, als beispielsweise der Overheadprojektor, der durch Lichtplatz und Projektionsfläche auf eine andere Weise besticht.

Auf der Lichtfäche des Overheadprojektors lassen sich Materialien an der Wand beobachten, jedoch kann unklar bleiben, ob diese transluzent sind, sie also Licht teilweise durchlassen, aber nicht transparent, also blickdurchlässig, sind. Strukturen können überraschen und so entstehen neue Fragen: Woher kommt das? Warum ist das so? Was passiert, wenn…?

Beim Spielen, Gestalten oder Bauen im Lichtraum entstehen Schatten. Doch wie genau entsteht dieser Schatten? Wann wird mein Schatten größer, wann wird er kleiner? Kinder sammeln hier Erfahrungen mit Themen der Optik, wie der Lichtbrechung und additiver sowie subtraktiver Farbmischung. Das ist ästhetische Bildung und Lernen durch Sinneswahrnehmung.

Leuchtkästen, oder auch Leuchttonnen aus Rohrabschnitten können einfach mit Kindern konstruiert werden.

Auch Spiegel sind voller Faszination hinsichtlich des Lichts. Bewegliche Spiegelplättchen am Fenster, ähnlich einer Discokugel, reflektieren das Licht immer wieder anders – sie lassen es tanzen. Kinder lernen, dass sie mit Spiegeln Licht auch lenken können – dass das optische Phänomen Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel ist.

Diaprojektoren und respektive Beamer, als digitale Geräte werfen Bilder an die Leinwand, die vorher analog oder digital erstellt wurden. Ein Visualizer kann mittels einer Kamera das, was auf der Lichtfläche passiert, auf die Leinwand projizieren. Hierbei können Experimente mit Materialien in Echtzeit ausprobiert werden.

Das Loris-Malaguzzi-Zentrum in Reggio Emilia beherbergt u. a. ein Lichtatelier, das Atelier Ray of Light. In diesem Labor, voller Lichtspielereien, kann ausgiebig experimentiert werden. Ganz unterschiedliche Lichtquellen und Werkzeuge stehen dafür zur Verfügung. Hier verknüpfen sich Neugierde, Wissenschaft und die Lust am Lernen.

Weiterführende Literatur

Jansa, A.: Das Atelier als Werkstatt der 100 Sprachen – Licht und Schatten in der Reggiopädagogik. Betrifft Kinder, 2012.

Lange, U./ Stadelmann, T.: Am Anfang war das Feuer: das Feuerbuch für Kindergarten, Grundschule und Hort. Kiliansroda: Verlag Das Netz, 2007.

Di Reggio, E.: Alles hat einen Schatten, außer den Ameisen. Berlin: Cornelsen, 2006.

Pytka, M./T. Kügler, T.: Dino auf dem Polylux. Ästhetische Bildung in der Kita. Kiliansroda: Verlag das Netz, 2016.

„The wonder of Learning“, Reggio Children.

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