Zitiervorschlag

Dürfen Kinder arbeiten? Eine Projektarbeit zum Thema Kinderrechte 

Rebecca Schmitz

 

Kinder haben Rechte. Seit nun mehr 30 Jahren gelten die Kinderrechtskonventionen, der Vereinten Nationen, mit denen sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichten die Rechte von Kindern „zu achten, zu schützen und zu fördern“ (BMFSFJ 2021). Kinder als Trägerinnen und Träger von Grundrechten haben besondere Bedürfnisse hinsichtlich ihrer Förderung, ihrer Mitbestimmung, ihres Schutzes und ihrer Entwicklung. Mit der aktuellen Debatte um die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz, werden die Rechte der Kinder sowie der staatliche und gesellschaftliche Auftrag erneut politisch diskutiert.

Mit der Ratifizierung der Kinderrechte in Deutschland im Jahr 1992 haben Kinder grundsätzlich ein Recht auf Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, auf Bildung und Information, auf Privatsphäre, auf Meinungsfreiheit, auf Gleichheit, auf Leben und Identität, auf Fürsorge und Gesundheit sowie ein Recht auf Freizeit (vgl. BMFSJF 2019).

Mit der Anerkennung der Rechte von Kindern hat sich gesamtgesellschaftlich ebenfalls das Bild des Kindes hin zu einem vollwertigen Menschen sowie einem Träger von Grundrechten von Anfang an gewandelt (vgl. Maywald 2012, S. 20-37). Für die Umsetzung und Wahrung ihrer Rechte sind Kinder dabei auf die Unterstützung und Förderung signifikant Anderer angewiesen. Das Berliner Bildungsprogramm, als Grundlage für die frühpädagogische Arbeit in Berliner Kindertageseinrichtungen, formuliert Bildungsziele und Anforderungen an die sozialpädagogische Praxis unter Berücksichtigung der Kinderrechte (vgl. SenVerwa. 2014).

Projektarbeit zum Thema: Dürfen Kinder arbeiten?

Die Vorschüler eines Klax Kindergartens haben sich im mit dem Thema „Lebensabschnitte des Menschen“ befasst. In diesem Zusammenhang haben die Kinder gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften die Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen zusammengetragen.

Bei dieser Auseinandersetzung haben die Kinder verschiedene Rechte und Pflichten von Erwachsenen im Gegensatz zu Kindern besprochen und diskutiert. Die Kinder haben festgestellt, dass Erwachsene einer Berufstätigkeit nachgehen können und haben sich daher für das Thema ‚Berufe der Welt‘ entschieden. Der Projektfrage ‚Was wollen wir wissen?‘ näherten sich die Kinder durch eine Kinderkonferenz. Ergänzt wurde dies durch Beobachtungen der Pädagoginnen im Alltag.

Nach dem Schneefall Anfang des Jahres konnte beispielsweise beobachtet werden, dass die Vorschüler gemeinsam den Schnee beseitigen, wie sie es bei Räumungsarbeiten in der Umgebung sowie auf dem Kita Gelände bereits beobachten konnten. In Gesprächen untereinander haben die Kinder ihre Tätigkeit als Arbeit beschrieben und dabei die Frage diskutiert, ob Kinder arbeiten dürfen. An dieser Stelle knüpft diese Projektarbeit an. Unter Bezugnahme der Kinderrechte möchte ich gemeinsam mit den Vorschülern die Teilprojektfrage ‚Dürfen Kinder arbeiten?‘ beantworten.

In der fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema wird zunächst die Bedeutung der Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung dargelegt. Im Anschluss wird beschrieben, welches Ziel mit diesem Projekt verfolgt wird. Gerahmt wird dies durch den curricularen Vergleich zwischen den Stufenblattzielen der Klax-Pädagogik sowie den Anforderungen zur Gestaltung von Bildungsprozessen durch das Berliner Bildungsprogramm.

Darauf folgen die Gruppenanalyse sowie eine Darstellung des Ablaufs der Projektplanung unter Bezugnahme der Beobachtungs- und Planungsinstrumente der Klax-Pädagogik. Die Projektdurchführung wird nachfolgend erläutert. Abschließend folgt eine Reflexion der Umsetzung.

Bedeutung der Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung

Mit dem Besuch eines Kindergartens und der aktiven Teilhabe an einer vielfältigen, sozialen Gemeinschaft außerhalb der Kernfamilie lernen die Kinder ihre eigenen Rechte kennen. Darüber hinaus üben die Kinder Rücksichtnahme zur Einhaltung und Wahrung der Rechte anderer Personen der sozialen Gemeinschaft. Die elementare Bildung legt damit zum einen den Grundstein für das Erleben und Ausprobieren der eigenen Rechte. Zum anderen wird eine Basis für die Persönlichkeitsentwicklung und das Demokratieverständnis geschaffen. Die frühkindliche Pädagogik nimmt somit eine Schlüsselfunktion in der Verwirklichung der Kinderrechtsziele ein, denn nur wer seine Rechte kennt, kann diese auch einfordern.

An die pädagogische Fachkraft im Elementarbereich ergibt sich daraus die Anforderung die Kinder in der Auseinandersetzung mit ihren Rechten zu fördern und diese im Alltag zu integrieren. Dabei übernehmen die Pädagogen für die Kinder die Rolle eines wegweisenden Begleiters in der Wahrnehmung, dem Ausleben und dem Ausprobieren ihrer Rechte.

Das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung

Die Artikel 32 und 34 der UN-Kinderrechtskonvention verlangen von den Vertragsstaaten den Schutz der Kinder vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung. Damit wird ein Schutz vor Kinderarbeit formuliert. Fragen sich die Vorschüler des Klax Kindergartens, ob Kinder arbeiten dürfen, so ist grundsätzlich zwischen der Mithilfe im häuslichen Umfeld und wirtschaftlich ausbeuterischer Kinderarbeit in anderen Ländern zu unterscheiden und vermitteln.

Projektplanung

Dieses Projekt verfolgt das Ziel gemeinsam mit den Vorschülern die Frage zu beantworten, ob Kinder arbeiten dürfen. Dabei soll den Kindern vermittelt werden, dass sie ein Recht auf Schutz vor Ausbeutung haben. Insgesamt sollen die Vorschüler durch die Lernangebote ihre Rechte kennenlernen und für diese sensibilisiert werden. Im Zusammenhang mit dem Monatsthema ‚Berufe der Welt‘ sollen die Vorschüler erfahren, dass sie im Erwachsenen Alter einer Erwerbstätigkeit nachgehen können.

Curricularer Vergleich des Berliner Bildungsprogramm und der Stufenblattziele der Klax-Pädagogik

Das Berliner Bildungsprogramm bildet die Grundlage für die pädagogische Arbeit im frühkindlichen Bereich. Der beschriebene Bildungsauftrag in verschiedenen Bereichen findet sich ebenfalls in der Klax-Pädagogik wieder.

Gezielte Lernangebote auf Basis der Stufenblattziele fördern die Kinder altersgerecht in den unterschiedlichen Bildungsbereichen. Die Auseinandersetzung mit den Zielstufenblättern der Klax-Pädagogik und den Grundsätzen elementarer Bildung des Berliner Bildungsprogramms verdeutlicht ebenfalls, dass das Projekt bildungsbereichsübergreifend umzusetzen und als eine ganzheitliche Förderung zu verstehen ist.

Projektdurchführung

Die Vorschüler haben zu dem Monatsthema ‚Berufe der Welt‘ bereits einige Lernangebote durchgeführt. Zur Einführung des Teilprojektes ‚Kinderarbeit‘ habe ich daher gemeinsam mit der Gruppe zunächst einen Gesprächskreis geplant.

Um für die Kinder eine Verbindung zu dem Monatsthema ‚Berufe der Welt‘ sowie einen Übergang in das Teilprojekt zu ermöglichen, habe ich in dem Gesprächskreis ein Wimmelbild Poster zu den Kinderrechten von der Bundeszentrale für politische Bildung als Medium hinzugezogen.

Kinderrechte

Abbildung 1. Vorder- und Rückansicht des Wimmelbild Posters der Bundeszentrale für politische Bildung.

Neben der visualisierten Darstellung der Kinderrechte gibt es ebenfalls eine Beschreibung der Rechte.

Für die anschaulichere Betrachtung des Posters im Gesprächskreis habe ich dies in kleine, DIN A4 große Teile zerschnitten und für die mehrfach Benutzung laminiert. Das Poster habe ich als besonders geeignet erachtet, da es neben den Kinderrechten auch zahlreiche Berufe abbildet.

Zu Beginn des Gesprächs wurden die DIN A4 großen Wimmelbilder nacheinander in die Mitte gelegt. Gemeinsam schauten wir uns jedes Bild einzeln an. Die Vorschüler beschrieben ohne meine Anleitung sofort was sie sehen. In den Gesprächen wurde von den Kindern zügig die Verbindung zu den abgebildeten Berufen sowie zu Dingen die sie aus ihrem Alltag kennen gezogen.

Die Kinder entdeckten ebenfalls eine eher düstere Darstellung auf dem Poster. In der unteren rechten Ecke sind dunkle Figuren abgebildet, die den Kindern augenscheinlich mit Gewalt drohen. F. äußerte „man darf Kinder nicht hauen!“. Als Moderatorin der Gesprächsrunde bestätigte ich die Aussage, dass Kindern keine Gewalt angetan werden darf, denn zum Schutz der Kinder gibt es die Kinderrechte. Zuerst haben wir uns der Frage gewidmet, was Rechte sind.

Um unsere Ergebnisse festzuhalten, haben wir uns darauf geeinigt, dass ich dies auf einem großen Plakat verschriftliche. Dieses Vorgehen zur Dokumentation ist den Kindern bereits aus der Projektarbeit vertraut. Ma. sagt „Rechte sind, wenn man recht hat.“, darauf sagt P. „es gibt auch Pflichten“, M. antwortet, „genau, es gibt Rechte und Pflichten“. Nach diesen Antworten haben wir zunächst festgestellt, dass Rechte nicht mit rechthaben im Zusammenhang zu müssen. Kinder haben jedoch ein Recht auf ein Zuhause, auf Kleidung, auf ein gesundes Leben, auf das Feiern von Festen und Spaß sowie ein Recht auf den Kindergarten- und Schulbesuch. Wie von den Vorschülern vorgeschlagen habe ich dies auf einem Plakat schriftlich festgehalten.

Spieleinführung für die Lerntheke

Im Freispiel war zu beobachten, dass die Kinder sich häufig über die Kinderrechte aus der Gesprächsrunde austauschten und diese diskutierten. Auch von den Eltern bekamen wir die Rückmeldung, dass sich die Kinder zu Hause mit diesem Thema befassen und mit den Familienmitgliedern besprechen. Um die Vorschüler in ihrer Auseinandersetzung mit dem Projektthema zu unterstützen, habe ich aus dem eingeführten Kinderrechte Wimmelbild Spiele für die Lerntheke entwickelt.

Die Spiele wurden während des Freispiels als offenes Angebot erstellt. Die Kinder, die Lust hatten, haben mich bei der Herstellung unterstützt. Durch die Integration des Themas in die Lerntheke, haben die Kinder die Möglichkeit, selbstreguliert und in Eigenregie das Thema zu erkunden. In einer gemeinsamen Runde wurden die Spiele anschließend eingeführt. Zu Beginn der Spieleinführung haben die Kinder freudig berichtet, welche Kinderrechte wir beim letzten Angebot auf den Bildkarten entdeckt haben. Aufgrund der wechselnden Gruppenzusammensetzung durch die Notbetreuung im Zuge der Corona-Pandemie war eine Wiederholung der Inhalte notwendig, da manche Kinder bei dem ersten Angebot nicht anwesend waren.

Für die Lerntheke wurde zum einen aus kleinen Bildausschnitten von den großen Bildkarten ein Kinderrechte Memory eingeführt. Die Regeln des Memory Spiels sind den Vorschülern bereits bekannt und bedurften daher keiner ausführlichen Einführung. Das Memory Spiel zum Thema Kinderrechte führt zu einer Auflockerung im Lernprozess.

Die Vorschüler können sich dem Thema durch die Anregung anderer Sinneswahrnehmungen nähern. Darüber hinaus ergibt sich die Möglichkeit, dass die Kinder durch die Details auf den Bildern erkennen, wie Kinderrechte sich im alltäglichen Geschehen äußern und können dadurch einen Transfer in die eigene Lebensrealität schaffen.

Zum anderen wurde ein Zuordnungsspiel erstellt. Auf die Bildkarten habe ich gemeinsam mit den Kindern mit einem wasserfesten Stift Symbole gezeichnet. Die gleichen Symbole finden sich auf der Rückseite von kleinen Bildausschnitten wieder. Bei diesem Spiel müssen die Vorschüler die abgebildeten Kinderrechte auf den großen Karten wiederfinden und diese richtig zuordnen. Auch dieses Spiel orientiert sich an dem Interesse der Kinder und bietet einen Anreiz zur Auseinandersetzung mit den Kinderrechten.

Aufwachsen in anderen Ländern: Steckbrief von Ridoy

Nachdem die Frage, was Rechte sind und welche Kinderrechte es gibt, beantwortet wurde widmete sich das anschließende Angebot der Teilprojektfrage, ob Kinder arbeiten dürfen. Zum Einstieg in das Thema der Kinderrechte dienten wieder die Bildkarten als Medium. In einem Ausschnitt werden Kinder, die in einer Fabrik wahrscheinlich Teddybären herstellen abgebildet. Gemeinsam schauten die Vorschüler sich mit mir diesen Bildausschnitt an. Die Kinder erkannten zügig, dass die Kinder auf dem Bild einer Arbeit nachgehen. Die Darstellung in dunkleren Farbtönen ließ sie außerdem erkennen, dass es sich hierbei um etwas handelt, dass nicht gut für die Kinder ist. Durch die bereits stattfindende Auseinandersetzung mit den Berufen aufgrund des Monatsthemas berichteten die Vorschüler, dass die Kinder auf dem Bild als Schneider arbeiten.

In einer auflebenden Diskussion beschrieben die Vorschüler, dass das Nachgehen einer Erwerbstätigkeit erst im Erwachsenenalter möglich ist, weil man für das Ergreifen eines Berufs zunächst eine schulische Bildung benötigt. J. ergänzte, dass Kinder ein Recht auf das Lernen im Kindergarten und in der Schule haben. Die Vorschüler erkannten zudem, dass ihre Eltern als Kinder auch noch nicht gearbeitet haben, sondern dies erst seit dem Erwachsenenalter machen.

Nachdem eine Verbindung zu den Kinderrechten geschaffen wurde, bestätigte ich zunächst die Aussagen der Kinder zu dem Thema Kinderarbeit. Nichtsdestotrotz berichtete ich ihnen, dass es wie auf der Bildkarte dargestellt heutzutage dennoch Länder gibt, in denen Kinder arbeiten müssen, anstatt in die Schule oder den Kindergarten gehen zu können. Häufig machen sie dies, weil die Eltern nicht genug Geld für die Familie verdienen. Um das für die Kinder greifbarer zu machen, stellte ich ihnen auf dem iPad den Steckbrief des zwölfjährigen Jungens Ridoy aus dem Land Bangladesch vor.[1] „Bangladesch?“ fragte G. unglaubwürdig.

Gemeinsam betrachteten wir daher den Globus im Vorschulraum und schauten uns an, wo wir leben, und suchten dann das Land Bangladesch. Die Vorschüler erkannten, dass das Land sehr weit weg ist von Deutschland. Dies untermauerten sie mit der Erkenntnis, dass auf einem Globus die Länder viel kleiner abgebildet sind, denn „sonst würden wir alle gar nicht auf so einen kleinen Ball passen“, erklärte F. In dem Steckbrief von Ridoy erfahren die Vorschüler etwas über seine Familie, seine Hobbys und seinen Alltag. Außerdem gibt es Bilder zu entdecken, wie es in der Heimatstadt von Ridoy in Bangladesch aussieht.

Im Zuge der Projektarbeit zu dem Thema Berufe haben die Vorschüler bereits einen eigenen Steckbrief hergestellt, daher war ihnen bekannt was ein Steckbrief ist und was dieser in der Regel beinhaltet. In dem Steckbrief erfuhren wir jedoch auch, dass Ridoy in einer Schuhfabrik arbeitet, weil seine Mutter nicht genug Geld für die Familie verdient. In der Fabrik arbeiten auch noch andere Kinder und in der Mittagspause spielen alle zusammen Fußball. Gemeinsam erkannten die Vorschüler, dass Ridoy gar nicht in die Schule gehen kann, wenn er in einer Fabrik arbeiten geht. Dies irritierte die Vorschüler sehr, da sie durch die anderen Angebote bereits gelernt haben, dass Kinder ein Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung und auf eine schulische Bildung haben. Ich erklärte den Kindern, dass es die Aufgabe von Erwachsenen ist sich für Kinder in der ganzen Welt einzusetzen, damit ihre Rechte eingehalten und umgesetzt werden.

In Ridoys Geschichte gibt es einen Mann von einer Hilfsorganisation, der den Kindern einen Platz in einer Schule verschafft und die Familien finanziell unterstützt. Daher muss Ridoy nun nicht mehr in der Fabrik arbeiten, sondern kann in die Schule gehen. Nach der Vorstellung von Ridoys Geschichte fragte ich die Kinder, ob sie auch ihre Eltern zu Hause unterstützten. Die Vorschüler berichten von kleinen Hilfstätigkeiten im Haushalt. „Ist das dann auch Kinderarbeit?“, fragte ich die Vorschüler. „Nein“, sagt F. „das ist zu Hause helfen, weil wir da auch wohnen“. Im Abschluss dieser Runde erfahren die Vorschüler, dass zu Hause helfen nicht das gleiche ist wie dem Nachgehen einer Erwerbstätigkeit von minderjährigen. Auch wenn man ein bisschen Taschengeld verdient, hilft man, weil Menschen dies für ein Zusammenleben festgelegt haben.

Zum Abschluss des Angebots gestalten alle Vorschüler ein Bild von Hilfstätigkeiten, die sie zu Hause übernehmen, um ihre Eltern und Familien zu unterstützen. Im Anschluss klebten wir die Fotos von Ridoys Steckbrief sowie die selbstgemalten Bilder der Vorschüler auf ein Plakat und stellen dies in der Projektecke aus.

Aufgabe für zu Hause: Videogestaltung „das möchte ich werden, wenn ich groß bin“

Da sich die Vorschüler auch zu Hause viel mit den Kinderrechten beschäftigt haben war für das nächste Lernangebot eine Aufgabe für zu Hause vorgesehen. Die Vorschüler sollten über das Wochenende gemeinsam mit ihren Eltern ein Video von maximal 15 Sekunden drehen, in dem sie beschreiben was sie werden möchten, wenn sie groß sind.

Das Lernangebot knüpft an der Erkenntnis aus dem letzten Lernangebot an, dass man erst im Erwachsenenalter einen Beruf erlernen kann, weil man zuerst eine schulische Bildung benötigt. Die Eltern wurden über die Aufgabe per Mail informiert und um ihre Mitarbeit gebeten. Die zugesendeten Videos haben wir dann gemeinsam mit der iMovie App zu einem Film geschnitten. Jedes Kind durfte das eigene Video an die richtige Stelle im Film ziehen. Wie der Film aussieht, wenn er fertig ist, habe ich den Kindern an dieser Stelle noch nicht verraten, da dies das Highlight für den Abschluss des Teilprojekts darstellen sollte.

Projektabschluss

Zum Abschluss des Teilprojekts versammeln wir uns vor dem Fernsehbildschirm im Vorschulraum. Die Kinder sind sehr gespannt, auf den gemeinsam erstellten Film. Diesen lasse ich dann über den Fernseher abspielen. Die Betrachtung des Films gefällt den Vorschülern so gut, dass wir diesen mehrmals wiederholen. Auf Bitten der Kinder wurde das Video per Mail an die Eltern verschickt. Nach der Filmbetrachtung konnten alle Kinder, die wollten zum Abschluss ihr Projektbuch vorstellen. In dem Projektbuch haben die Kinder parallel zu den Lernangeboten ihre Lernfortschritte festgehalten.

Projektdokumentation

Die Dokumentation der Projekte dient der Visualisierung der Lernfortschritte. Die Projektecke wurde vermehrt in den digitalen Raum übertragen, da die Eltern aufgrund der neuen Hygienemaßnahmen die Einrichtung nicht mehr betreten dürfen. Durch die Digitalisierung des Projektverlaufs können die Eltern dennoch an dem Geschehen und den Fortschritten in der monatlichen Projektarbeit teilhaben. Für die Vorschüler haben wir dennoch eine Projektecke eingerichtet, damit ihre Lernfortschritte für sie sichtbar in der Einrichtung aushängen.

Neben der Projektausstellung gestaltete jedes Kind ein Projektbuch. Dazu nutzten wir die Projektbuchvorlage. Die Vorschüler erhielten dadurch die Möglichkeit ihr neues Wissen zu dokumentieren und die Angebote zu reflektieren. Um die Erkenntnisse in ihrem Projektbuch festzuhalten haben die Kinder gemalt, geschnitten und geklebt. Am Ende des Projekts konnten die Kinder das Projektbuch den anderen vorstellen und mit nach Hause nehmen. Durch die Gestaltung des Projektbuchs haben die Kinder ein positives Erfolgserlebnis erfahren, wodurch ihre intrinsische Motivation nach Entdecken und Forschen sowie ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden konnten. Die erreichten Lernfortschritte wurden ebenfalls im Portfolio für die Kinder dokumentiert.

Reflexion

Die Planung und Umsetzung der Projektarbeit zur Beantwortung der Teilfrage, ob Kinder arbeiten dürfen, hat mir große Freude bereitet. Als Einrichtungsleitung war ich für die Projektarbeit mit den Vorschülern insbesondere auf den gemeinsamen Austausch und die Beobachtungen der anderen Pädagoginnen angewiesen. In der Einrichtung leben wir eine offene Kommunikationskultur, weshalb dieser Austausch regelmäßig stattfand.

Wichtig waren die Absprachen ebenfalls für die bildungsbereichsübergreifende Umsetzung des Teilprojekts sowie dem Aufgreifen der Interessen der Kinder. Als besonders herausfordernd habe ich die wechselnde Gruppenzusammensetzung im Zuge der Notbetreuung empfunden. Durch die Wiederholung bereits gelernter Inhalte zu Beginn eines weiteren Lernangebots konnten die Kinder zwar erfahren, was bereits gelernt wurde, jedoch fiel es mir dadurch schwer andere Umsetzungsformen zu gestalten.

Die Vorschüler des Klax Kindergartens hatten ein großes Interesse an gemeinsamen Gesprächskreisen und brachten sich bei Diskussionen und Gesprächsanregungen ein. Zukünftig verfolge ich in dem Fachbereich Gesellschaft jedoch das Ziel einen flexibleren und abwechslungsreicheren Umgang in der Umsetzung zu erarbeiten. Dies ist meines Erachtens auch vor dem Hintergrund komplexe Inhalte für jüngere Kinder anregend und altersentsprechend zu gestalten wichtig.

In der Rolle als pädagogische Fachkraft habe ich durch dieses Teilprojekt ein weiteres Mal erleben dürfen, dass ein ehrlicher und authentischer Umgang auch bei schwierigen Themen für Kinder wichtig ist. Besonders die Vorschüler forderten sich ehrliche Antworten auf ihre Fragen zu dem Weltgeschehen ein. Die Angebote sowie Beobachtungen im Zuge des Teilprojekts haben verdeutlicht, dass die Vorschüler das Thema Kinderrechte weiter interessiert.

Endnoten

[1] https://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung103760.html

Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2021). Kinderrechte ins Grundgesetz. (Abgerufen am 08.02.2021, von https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-undjugend/ kinderrechte/kinderrechte-ins-grundgesetz/115436)

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2019). Die Rechte der Kinder. Von logo! einfach erklärt.

Maywald, J. (2012). Kinder haben Rechte! Kinderrechte kennen – umsetzen

– wahren. Weinheim/ Basel: Beltz Verlag.

Kika von ARD und ZDF (2018). Ridoy Kinderarbeit für Fußballschuhe. (Aufgerufen am 23.02.2021, von https://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung103760.html)

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2014). Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege. Weimar/ Berlin: Verlag das Netz.

Bundeszentrale für politische Bildung – Arbeitsmaterialien zum Thema Kinderrechte



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/projektarbeit-projekte/duerfen-kinder-arbeiten