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Zitiervorschlag

Aus: Wassilios E. Fthenakis, Martin R. Textor (Hrsg.): Mutterschaft, Vaterschaft. Weinheim, Basel: Beltz 2002, S. 32-54

Mutterwerdung – Mutterschaft

Martin R. Textor

 

„Mutterschaft“ ist ein Thema, mit dem sich Wissenschaftler/innen seit langem auseinander setzen. So haben Völkerkundler/innen und Historiker/innen festgestellt, dass Mutterschaft kulturell bedingt, historisch variabel und in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen unterschiedlich ausgeprägt ist. Beispielsweise berichtet Hays (1998): „Die ethnologische Untersuchung einer Stichprobe von 186 gegenwärtig bestehenden Kulturen ergab, dass Mütter nur in 20 Prozent der Fälle die wichtigste Bezugsperson der Kinder sind (Weisner/ Gallimore 1977). In den meisten Gesellschaften werden die kleineren Kinder von mehreren Frauen oder von Frauen und älteren Kindern betreut“ (S. 41). Neben dem Stellenwert, der Müttern in der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder zukommt, unterscheiden sich gegenwärtig Kulturen u.a. auch darin, welche Einstellungen Mütter zu Mutterschaft und Kindererziehung haben, wie sie die Mutter- und die Frauenrolle konzeptualisieren, wie sie Mutterschaft und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren suchen und welchen sozialen Status sie haben (z.B. Ahnert et al. 1994; Bornstein et al. 1998; Herwartz-Emden 1995a, b; Quaiser-Pohl 1992).

Historische Studien belegen, wie unterschiedlich Mutterschaft in unserem Kulturraum während verschiedener Epochen gesehen und gelebt wurde (z.B. Ariés 1977; deMause 1992; Reif 1982; Textor 1993; Weber-Kellermann 1976). Im Mittelalter wurde die Frau dem Mann untergeordnet. Da die meisten Menschen Bauern waren und Subsistenzwirtschaft vorherrschte, stand bei Müttern die Arbeit auf dem Hof im Vordergrund – der Kindererziehung wurde wenig Zeit und Energie gewidmet. Da zumeist Großeltern, unverheiratete Verwandte und/oder Gesinde auf dem Hof lebten, gab es viele „Miterzieher“. So blieb bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Mutterschaft in Bauernfamilien zweitrangig. Ähnliches galt für den Adel und großbürgerliche Familien bis Anfang des 19. Jahrhunderts: Hier übernahmen Ammen, später Gouvernanten und Hauslehrer viele Aufgaben, die heute der Mutterrolle zugeordnet werden. In der neu entstehenden Arbeiterklasse mussten Mütter ihren Teil zum Lebensunterhalt der Familie beitragen – bei Arbeitszeiten von 12 und mehr Stunden am Tag spielte Mutterschaft nur eine geringe Rolle in ihrem Leben. Die Kinder wurden von älteren Geschwistern oder anderen Personen betreut; oft wurden sie vernachlässigt. Viele Kinder mussten bereits mit sieben oder acht Jahren in Bergwerken und Fabriken arbeiten.

Eine Sondersituation entstand im 19. Jahrhundert in dem immer größer und einflussreicher werdenden Bürgertum. Hier wurden (Ehe-) Frauen von jeglicher Form der Berufstätigkeit fern gehalten – ihr Arbeitsfeld war das „traute Heim“, als Privatsphäre von der Außenwelt abgegrenzt. Als „Lebensaufgaben“ von Frauen wurden Mutterschaft und Haushaltsführung definiert – wobei letzteres sich oft auf die „Führung“ beschränkte, da für die manuellen Tätigkeiten Hauspersonal bereit stand. Nachdem man im 17./18. Jahrhundert die Kindheit, den „Wert“ von Kindern und deren Erziehungsbedürftigkeit „entdeckt“ hatte, wurde nun Mutterschaft als „innerste Wesenserfüllung der Frau“ (Herwartz-Emden 1995a) verstanden, als Essenz ihrer Natur und zentrale Verantwortung ihrer Person: Mütter sollten Kindern emotionale Zuwendung und Liebe entgegenbringen, sie als einzigartige Persönlichkeiten achten, ihre Bedürfnisse berücksichtigen, ihre Entwicklung in allen Bereichen fördern und abweichenden Verhaltensweisen mit psychologischen Maßnahmen anstatt mit körperlicher Züchtigung begegnen. Ende des 19. Jahrhunderts begann zugleich eine „Verwissenschaftlichung“ (Hays 1998) der Mutterschaft: Kindererziehung erfolge nicht aus einer „natürlichen Begabung“ oder aus angeborenen „mütterlichen Fähigkeiten“ heraus, sondern müsse mit Hilfe von Fachliteratur und Ratgebern gelernt werden. Herwartz-Emden (1995b) ergänzt: „Dass Mütter eine unersetzliche Rolle im Leben ihrer Kinder spielen, ist somit eine moderne und relativ neue Ansicht sowie ein Ausdruck der Individualisierung von Kindheit. Mütter wurden nicht nur allein verantwortlich für die Erziehung und Aufzucht der Kinder gemacht, sondern zusätzlich fand eine Psychologisierung der Mutter-Kind-Beziehung durch die beteiligten Wissenschaften statt“ (S. 56). Diese „Ideologie der intensiven Bemutterung“ (Hays 1998) setzte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch und ist trotz der seit den 1970-er Jahren wieder zunehmenden Erwerbstätigkeit von Müttern immer noch vorherrschend (vgl. Glenn 1994, McMahon 1995).

Psychologie und Psychoanalyse haben sich in der Vergangenheit kaum mit Mutterschaft im engeren Sinn befasst. Vielmehr fokussierten sie auf die Mutter-Kind-Beziehung, und hier insbesondere auf Situation und Entwicklung des (Klein-) Kindes. Hinsichtlich der Psychoanalyse meint Ruddick (1994) etwas überspitzt: „Nicht nur ist die Stimme einer Mutter so gut wie abwesend in psychoanalytischen Texten; noch schlimmer ist, dass das von Psychoanalytikern enthüllte Kind oft ein Fremder für seine Mutter ist“ (S. 32). Laut der Psychoanalyse erreichen Frauen mit der Mutterschaft eine neue und zugleich essenzielle Phase in ihrer psychosexuellen Entwicklung. Haben sie einen „normalen“ Grad an Reife erreicht, entwickeln sie nahezu reibungslos eine Identität als Mutter und übernehmen dank instinkthafter Fähigkeiten fast problemlos die mit der Mutterschaft verbundenen pflegerischen und erzieherischen Aufgaben. Werden sie nach der Geburt ihres Kindes depressiv, erleben sie Mutterschaft als unbefriedigend oder haben sie Schwierigkeiten, den Bedürfnissen ihres Kindes zu entsprechen, so wird dieses von der Psychoanalyse als Fehlentwicklung und Anzeichen individueller Psychopathologie gesehen – wobei die Ursachen in ihren frühkindlichen Erfahrungen gesucht werden und nicht z.B. in den mit der Mutterwerdung verbundenen hohen Anforderungen, der für den Umgang mit Säuglingen fehlenden Kompetenz, der unbefriedigenden familialen Situation junger Mütter oder den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (McMahon 1995; Woollett/ Phoenix 1991). Auch für die kindliche Entwicklung beeinträchtigende Erziehungsstile wie Überbehütung, Dominanz, Zurückweisung (z.B. aus unbewusster Feindseligkeit) oder Vernachlässigung werden in erster Linie die Mütter verantwortlich gemacht (Hays 1998). Wiegand (1998) ergänzt: „Als ganze erwachsene Person, die mit der Mutterschaft einen bestimmten Abschnitt in ihrem Lebenslauf verarbeiten muss, in dem innere und äußere Existenz sich enorm verändern, wird die Mutter nicht gesehen. Die Art und Weise, wie sich mütterliche Fähigkeiten in einem prozesshaften Verlauf konstituieren und welche Bedeutung dies für die Persönlichkeit der Mutter in vielen Bereichen hat, wird ebenso nicht berücksichtigt“ (S. 44). Ihr Verständnis von Mutterschaft, das Erleben der Mutterwerdung, ihre Wahrnehmungen, Ängste, Gefühle und Identitätskonflikte werden weitgehend ausgeklammert. Ferner kritisiert Wiegand (1998) Folgendes: „Insbesondere die Vorstellung der frühen Mutter-Kind-Beziehung als Dyade oder Symbiose erscheint ... reduktionistisch. Mit Auflösung der mütterlichen Ich-Grenze gegenüber dem Säugling und mit mütterlichen Verschmelzungsgefühlen kann die psychische Situation der Mutter in der frühen Phase nicht einmal annähernd erklärt werden“ (S. 109).

Ähnliches gilt für die Bindungstheorie (Bowlby 1986): Auch hier wird die Mutter-Kind-Beziehung vor allem aus der Sicht des Kindes und unter Betonung seiner Bedürfnisse betrachtet – Perspektive, Wünsche und Probleme der Mutter spielen hingegen kaum eine Rolle (Bretherton/ Biringen/ Ridgeway 1991). Die Mutter wird dafür verantwortlich gemacht, dass eine sichere Bindung des Säuglings bzw. Kindes zu ihr entsteht – die dazu benötigten Fähigkeiten wie Feinfühligkeit, Liebe und Empathie seien bei Frauen von Natur aus gegeben. Ist dies nicht der Fall, wird von Psychopathologie auf Seiten der Mutter ausgegangen. Auch hier wird also die Vielfältigkeit der Reaktionen und Erfahrungen von (jungen) Müttern negiert, werden sie alleine für negative Entwicklungen bei Kindern verantwortlich gemacht (Woollett/ Phoenix 1991).

In der Entwicklungspsychologie wird Mutterschaft ebenfalls nahezu ausschließlich aus der Perspektive des Kindes gesehen: Es wird untersucht, was das Kind von der Mutter benötigt, um sich „normal“ oder „positiv“ zu entwickeln, und durch welche Erziehungsstile und -praktiken der Mutter die kindliche Entwicklung beeinträchtigt wird. Mütter werden als die wichtigsten Personen im Leben von (Klein-) Kindern gesehen, die den weitaus größten Einfluss auf sie ausüben. Von ihnen wird Kindzentriertheit, Sensibilität und die Schaffung einer entwicklungsfördernden, stimulierenden Umwelt erwartet. Es ist auffällig, dass diese Vorstellungen dem kurz zuvor beschriebenen, im Bürgertum des 19. Jahrhunderts entstandenen Mutterideal entsprechen. Hier ist von einer Wechselwirkung auszugehen: Das gesellschaftlich dominante Leitbild prägte die Arbeit der Psycholog/innen; deren von Zeitschriften und in Ratgebern rezipierten Forschungsergebnisse beeinflussten das bürgerliche Konzept von Mutterschaft. Außerdem wurden überwiegend Mutter-Kind-Beziehungen in (weißen) Mittelschichtsfamilien untersucht; Differenzierungen nach Schicht, ethnischer Zugehörigkeit und Alter der Mutter, Zahl der Kinder, Familienstatus, Ausmaß der erzieherischen Mitwirkung des Vaters, Soziotop u.Ä. erfolgten erst in einigen neueren Studien (Phoenix/ Woollett 1991; Woollett/ Phoenix 1991). Die Bedürfnisse, Erfahrungen, Einstellungen und Sichtweisen von Müttern, ihre Identitätsentwicklung, ihre Gefühle gegenüber den Kindern, die Vereinbarkeit mütterlicher Aufgaben mit anderen Tätigkeiten (im Haushalt, im Beruf) und sozialen Beziehungen (zum Partner, im Freundeskreis), die Diskrepanz zwischen Mutterideal und Wirklichkeit, der pädagogische Einfluss des Vaters oder die erzieherischen Einwirkungen von Medien, Kindergarten, Schule und Gleichaltrigen wurden zumeist nur am Rande berücksichtigt (a.a.O.). Woollett und Phoenix (1991) sprechen sogar etwas überspitzt von der „Unsichtbarkeit der Mutter“ (oder von Müttern als „schattenhaften Figuren“) in vielen (entwicklungs-) psychologischen Studien, die somit nicht der Realität entsprechen würden, wie sie von vielen Müttern erlebt wird.

In der (Familien-) Soziologie und Sozialpsychologie wird Mutterschaft hingegen deutlicher wahrgenommen. Zumeist wird die Mutterrolle – die gesellschaftlichen Erwartungen an sie (Ideal) und ihre Ausübung (Realität) – untersucht, wobei es auch um Mutterschaft als soziale Konstruktion, um Leitbilder, Rollenwandel, Rollenkonflikte, die soziale Position von Müttern, die Funktion von Mutterschaft für die Gesellschaft u.Ä. geht. Ferner werden Sozialisationsprozesse erforscht, also der Erwerb der Geschlechts- und Mutterrolle sowie die Internalisierung von Werten und Normen. Da sich Soziolog/innen und Sozialpsycholog/innen vor allem mit gesellschaftlichen Strukturen, Systemen und Prozessen befassen, wird auch untersucht, wie diese Mutterschaft prägen und welche Unterschiede bei deren Ausgestaltung in verschiedenen Schichten, ethnischen Gruppen, Familienformen und Lebenslagen auftreten. Manche Wissenschaftler/innen beschäftigen sich ferner mit der Kosten-Nutzen-Analyse von Entscheidungen, die Frauen bezüglich Ehe, Mutterschaft oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf treffen. Vereinzelt wird auch auf der Grundlage des Symbolischen Interaktionismus untersucht, wie sich die Mutteridentität entwickelt und in welcher Beziehung sie zu anderen Identitäten (als Frau, als Ehefrau, als Berufstätige usw.) steht (Herwartz-Emden 1995b; McMahon 1995; Woollett/ Phoenix 1991). Kritisiert wird, dass in Soziologie und Sozialpsychologie das Erleben von Müttern sowie andere relevante psychische Zustände bzw. Prozesse vernachlässigt werden.

Feministische Wissenschaftlerinnen haben sich als Ziel gesetzt, die erwähnten Idealisierungen und anderen Mängel in der Mutterforschung seitens Psychologie, Psychoanalyse und Soziologie zu korrigieren. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stellten sie vor allem die negativen Aspekte von Mutterschaft heraus: die Abhängigkeit nicht erwerbstätiger Mütter von ihren Partnern und die damit verbundene Machtlosigkeit, die gesellschaftliche Benachteiligung, Unterdrückung und Abwertung von Familienfrauen, ihre soziale Isolation, ihr Ausschluss vom Arbeitsleben, die Kontrolle der Kindererziehung durch Institutionen und der Beitrag von Müttern zur Reproduktion der gesellschaftlichen Ungleichheit von Mann und Frau. Vor allem das bürgerliche Mutterideal wurde attackiert: Mutterschaft sei nicht die Essenz von Weiblichkeit; die Bedürfnisse und Interessen der Mütter dürften nicht denjenigen ihrer Kinder untergeordnet werden. Crouch und Manderson (1993) ergänzen: „Freiheit, Gleichheit und persönliche Autonomie wurden oft als Ziele dargestellt, denen das Gebären und Erziehen von Kindern diametral entgegengesetzt seien; ...“ (S. 4). Als Weg zur Selbstverwirklichung wurde vor allem die Erwerbstätigkeit gesehen; die Bedeutung der Geschlechtsunterschiede wurde minimiert (Crouch/ Manderson 1993; Glenn 1994; McMahon 1995; Richardson 1993; Woodward 1997).

Seit den 80er und 90er Jahren sehen Frauenforscherinnen die Mutterschaft wieder positiver: „Die Herausforderung, die sich der feministischen Analyse stellt, wurde nun die Wertschätzung der sozialen Kapazität von Frauen zur Sorge und/oder ihrer biologischen Fähigkeit zum Gebären und gleichzeitig der Widerstand dagegen, dass diese Kapazitäten als definitiv, ‚essenziell‘ oder als das Beste, was eine Frau ausmacht, bezeichnet werden“ (McMahon 1995, S. 9f.) Mutterschaft wird nun als wichtiger Bereich im Leben einer Frau und als Teil ihrer Identität gesehen; sie kann sich auf ihre psychische Entwicklung positiv auswirken. Die Kindererziehung gilt aber nur zum Teil als ihre Verantwortung; wichtige Rollen sollten auch der Vater, Kindertageseinrichtungen, Tagesmütter und andere Personen spielen. Es wird betont, dass Mütter Familie und Beruf erfolgreich miteinander vereinbaren könnten, wobei das hier entwickelte neue Mutterideal („berufstätige Supermutter“) in der letzten Zeit wieder in Frage gestellt wird. Frauen werden nun auch als stark genug gesehen, sich der „patriarchalischen Ideologie“ (McMahon 1995) zu widersetzen, soziale Veränderungen zu initiieren und eine „weibliche“ Kultur zu schaffen (vgl. Bassin/ Honey/ Kaplan 1994; Glenn 1994).

Der Prozess der Mutterwerdung

Die vorausgegangene kurze Literaturübersicht hat verdeutlicht, dass Wissenschaftler/innen je nach Fachdisziplin Mutterschaft von unterschiedlichen Standpunkten aus untersuchen und aufgrund der verschiedenen Perspektiven zu andersartigen, fachspezifischen Erkenntnissen kommen – das heißt, sie nehmen nur bestimmte Aspekte von Mutterschaft wahr. Entsprechend der von mir immer wieder betonten Notwendigkeit integrativer Theorien (z.B. Textor 1985, 1988a, b, 1995) kann man ein realitätsgerechtes Bild von Mutterschaft nur erlangen, wenn man diese verschiedenen Aspekte zu einem Ganzen vereint. Im Folgenden soll nun der Prozess der Mutterwerdung nicht einperspektivisch z.B. als Erwerb einer neuen Rolle, als Entwicklung einer symbiotischen Beziehung, als Entstehung einer Bindung, als Transition oder als kritisches Lebensereignis untersucht werden, sondern multiperspektivisch: Von ganz unterschiedlichen Standpunkten aus gewonnene Erkenntnisse und Forschungsergebnisse sollen miteinander integriert werden. Ich habe den Prozess der Mutterwerdung für diese Betrachtung nicht nur ausgewählt, weil sich besonders viele Wissenschaftsdisziplinen damit befasst haben, sondern auch, weil hier ein zentraler, einzigartiger Wendepunkt im weiblichen Lebenslauf vorliegt, ein radikaler Umbruch in der Biographie von Frauen: „Wie in der Adoleszenz geht es um einen intensiven biologischen, psychischen und sozialen Veränderungsprozess, der allerdings zeitlich stark verdichtet abläuft“ (Wiegand 1998, S. 180).

Mutterschaft ist für verheiratete bzw. in einer Partnerschaft lebende Frauen nicht mehr so unvermeidlich wie vor einigen Jahrzehnten: Dank der Verhütungsmittel können sie selbst bestimmen, ob sie schwanger werden wollen oder nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Frauen vor der Geburt ihres ersten Kindes neben den Alternativen „Hausfrau und Mutter“ sowie „erwerbstätige Mutter“ auch die Wahlmöglichkeit „Kinderlosigkeit“ in Betracht gezogen haben (McMahon 1995). Viele Frauen schieben Mutterschaft auch immer weiter hinaus, wofür es ganz unterschiedliche Gründe gibt – beispielsweise Vorrang beruflicher Interessen, zu geringe Tragfähigkeit der (früheren) Paarbeziehung, temporäre Sterilität bzw. Infertilität usw. (Engstler/ Lüscher 1991). Sie bekommen oft erst nach dem 35. Lebensjahr ihr erstes Kind.

Nahezu alle Frauen, die sich ein Kind wünschen, (und unerwünscht Schwangere nach Diagnose der Schwangerschaft) versuchen sich vorzustellen, wie Mutterschaft wohl sein wird. Weaver und Ussher (1997) berichten aus ihrer Studie über 13 Londoner Mütter: „Diese Vorstellungen basierten manchmal auf Informationen von Freunden oder ihren eigenen Müttern, oder vereinzelt auf ihren Erfahrungen mit Kindern anderer Leute. Es konnte auch belegt werden, dass die Frauen durch ein idealisiertes gesellschaftliches Bild der Mutterschaft aus dem Themenkreis ‚Mythos der Mutterschaft‘ beeinflusst wurden ...“ (S. 57). Viele Informationen über Mutterschaft und Kindererziehung werden ferner (Frauen-) Zeitschriften und Tageszeitungen entnommen. Auf diese Weise erwerben viele Frauen ein Vokabular und einen Kenntnisstand, die es ihnen ermöglichen, relevante Fragen kompetent zu diskutieren (Crouch/ Manderson 1993). Auch entwickeln sie bestimmte Erwartungen an Mutterschaft – die später oft enttäuscht werden (s.u.).

Die Entscheidung für ein Kind erfolgt aber letztlich nur in einem Teil der Fälle gänzlich aus freiem Willen. Abgesehen von der immer noch häufigen unerwünschten (ausgetragenen) Schwangerschaft (s.u.) berichten viele Frauen von sozialem Druck, insbesondere durch die eigenen Mütter (Richardson 1993) oder den Partner. Beispielsweise war bei einem Viertel der 599 schwangeren Frauen, die an einer Wiener Frauenklinik befragt wurden, der Mann die treibende Kraft gewesen (Wimmer-Puchinger 1992). Ein gewisser Druck geht auch vom internalisierten Geschlechtsrollenleitbild (Mutterschaft als Essenz von Weiblichkeit) und von Vorstellungen aus, dass Kinder dem Leben Sinn geben, die Paarbeziehung stabilisieren, Freude und Abwechslung bringen, einen Menschen jünger machen oder einem im Alter zur Seite stehen. Dies lässt Mutterschaft nahezu unvermeidbar erscheinen. Für Frauen aus unteren sozialen Schichten gibt es schließlich wenig sinnvolle, zu Selbstverwirklichung und einem positiven Selbstbild führende Alternativen: „Sie sehen Mutterschaft als etwas, was ihnen einen Status und ein Gefühl von Macht und Kontrolle verschafft, was sie in der Regel nicht durch bezahlte Arbeit erlangen würden“ (Richardson 1993, S. 73).

Deutlich wird, dass der Weg zur Mutterschaft für jede Frau ein individueller und einzigartiger ist, aber auch vom sozialen Umfeld und von der Gesellschaft geprägt wird. So stellte McMahon (1995) bei ihrer Studie über 59 Mütter aus dem Großraum Toronto fest: „Manche der Frauen wollten schon immer Kinder haben, andere hatten einst gewünscht, kinderlos zu bleiben, und weitere hatten wenig Gelegenheit, die eine oder andere Option zu reflektieren, bevor sie schwanger wurden. Einige wurden von einem idealisierten Bild über das ‚Haben eines Babys‘ angezogen; andere fanden die Mutterrolle nicht attraktiv, aber schwierig zu vermeiden. Für einige waren Kinder das Produkt der Dynamik ihrer Beziehung zu einem Partner; manche verhandelten strategisch über den von ihnen gewünschten Übergang zur Mutterschaft; und andere lehnten permanente Kinderlosigkeit ab, ohne aber Mutterschaft mit offenen Armen zu umfangen. Wieder andere beschrieben ihren Weg zur Mutterschaft als die unbeabsichtigte oder unvorgesehene Konsequenz ihrer Beziehungen zu Männern oder der Risiken, die sie bezüglich der Verhütung eingegangen waren. Die Teilnehmerinnen an dieser Untersuchung übernahmen nicht leicht oder reibungslos die Rolle der Mutter; für viele war der Weg versuchsweise, unvorhersehbar, unfamiliär und mit Problemen gepflastert. Obwohl die verschiedenen Routen schließlich bei all diesen Frauen zu dem Ergebnis führten, dass sie ein Kind bekamen, waren die Prozesse und Bedeutungen der Handlungen von der Erfahrung her unterschiedlich für die beteiligten Frauen“ (S. 265).

Empfängnis und Schwangerschaft

Der Kinderwunsch kann heute nicht mehr wie noch bis vor einigen Jahren nur durch Geschlechtsverkehr, Adoption oder Stiefelternschaft erfüllt werden, sondern auch durch künstliche Befruchtung, In-vitro-Fertilisation, eine Leihmutter (sofern rechtlich zulässig) u.Ä. (Woodward 1997). Bassin, Honey und Kaplan (1994) betonen, dass dies auch Konsequenzen für die Definition und das Erleben von Mutterschaft hat. Bezugnehmend auf die „Reproduktionstechnologien“ fragen sie etwas überspitzt, was überhaupt die Mutter sei: „Ist sie das Ei, das den genetischen Code enthielt, die Gebärmutter, die erhielt und nährte, oder die Person, die mütterliche Tätigkeiten ausübt?“ (S. 19).

Wie bereits erwähnt, sind trotz der heute vorhandenen Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung noch immer viele Schwangerschaften unerwünscht, weil entweder von diesen Mitteln kein Gebrauch gemacht wurde oder wenig verlässliche Verfahren praktiziert wurden (Richardson 1993). Beispielsweise ergab eine Befragung von 182 schwangeren Frauen aus dem Kanton Zürich, dass in 25% der Fälle die Schwangerschaft eher nicht oder gar nicht geplant worden war (Huwiler 1995). Und bei einer Untersuchung über 599 schwangere Frauen an einer Wiener Frauenklinik wurde festgestellt: „Für 18% trat die Schwangerschaft völlig ungeplant ein, und ein Drittel der Befragten bezeichnete sie als ungeplant, wobei jedoch die Möglichkeit einer Schwangerschaft hin und wieder mitbedacht wurde“ (Wimmer-Puchinger 1992, S. 50). So überrascht nicht, dass laut der letztgenannten Studie 23% der Schwangeren mit dem Gedanken an eine mögliche Abtreibung gespielt hatten. Zum Befragungszeitpunkt freuten sich aber die weitaus meisten Frauen über die Schwangerschaft – 84% laut der Studie von Huwiler (1995) und 89% laut Wimmer-Puchinger (1992).

In diese Freude mischen sich aber auch belastende Gedanken: Nach der Befragung von Wimmer-Puchinger (1992) beschäftigten sich Schwangere (sehr) stark damit, ob das Kind gesund ist (89%), ob sie eine „gute Mutter“ sein werden (44%), wie sich ihr Partner als Vater verhalten wird (36%), dass das Kind eine zusätzliche große Verantwortung bedeutet (34%), dass es nun Wohnungsprobleme gibt (27%), ob das Kind Beziehungen zu Familienmitgliedern ändern wird (22%), wie das Kind einen täglich in Anspruch nehmen wird (19%), ob genügend Zeit für einen selbst und den Partner bleibt (19%), wie sich die Schwangerschaft auf zukünftige berufliche Möglichkeiten auswirkt (18%), dass es finanzielle Schwierigkeiten geben kann (17%), dass die Hausarbeit belastender wird (14%) und dass die eigene Freiheit eingeschränkt wird (11%). Wenn man dies mit den Erfahrungen junger Mütter (s.u.) vergleicht, wird deutlich, wie unzureichend zukünftige Belastungen während der Schwangerschaft antizipiert werden. Hier scheint auch wenig zu nutzen, dass die von Huwiler (1995) befragten 182 schwangeren Frauen insgesamt 322 Kurse zur Säuglingspflege u.Ä. besucht und 88% sich ausführlich durch Bücher informiert hatten: Hier dürften pflegerische Aspekte oder die idealisierende Beschreibung von Mutterschaft im Vordergrund gestanden haben (vgl. Marshall 1991; Richardson 1993; Woodward 1997).

Die Schwangerschaft ist eine zentrale Phase im Übergang zur Mutterschaft: „Die Entbindung ist der Höhepunkt dieser Periode, wobei die Stunden der Wehen und das Ereignis des Gebärens sowohl kulturell als auch physisch im Mittelpunkt stehen. Die Schwangerschaft führt allmählich auf diese Krise hin; ihr Verlauf wird nicht nur aus biologischen Gründen oder für medizinische Zwecke in Trimester unterteilt, sondern auch um der schwangeren Frau zu ermöglichen, sich in einer sinnvoll kalibrierten Phase auf Geburt und Mutterschaft vorzubereiten. Vielfältige Markierungspunkte können dann in diesen Zeitplan passend platziert werden: die Transition in Umstandskleider; der allmähliche Erwerb von Bekleidung und Ausstattung für den Säugling; der Besuch geburtsvorbereitender Kurse; die zunehmende Zahl der Arztbesuche; die Anmeldung in einer Frauenklinik; ein Rundgang durch die Entbindungsstation usw.“ (Crouch/ Manderson 1993, S. 28).

Im Verlauf dieses Prozesses entwickelt sich zum einen eine Beziehung zum ungeborenen Kind (Crouch/ Manderson 1993; Mercer 1995; Wimmer-Puchinger 1992). Oft beginnt diese Entwicklung mit dem Betrachten der ersten Bilder vom Fötus bei Ultraschalluntersuchungen oder mit der Wahrnehmung der ersten Bewegungen im Mutterleib. Das Kind wird immer weniger als Teil von einem selbst und immer mehr als separates Individuum empfunden. Auch werden erste Vermutungen hinsichtlich seines Wesens (z.B. Temperament) angestellt. Die Frau erlebt sich nun weniger als „Ich bin schwanger“ und mehr als „Ich bekomme ein Baby“. Die emotionale Bindung an den Fötus nimmt zu; die Geburt des Kindes wird sehnsüchtig erwartet.

Zum anderen beginnt die Schwangere, langsam eine neue soziale und personale Identität auszubilden (a.a.O.; Huwiler 1995; Ruddick 1994): „Am einschneidendsten ist zunächst, dass die Frau eine neue Identität als Schwangere (Übergangsidentität) und als Mutter finden muss, d.h. ein Übergang von der Identität als eigenverantwortliche, erwachsene Person zu einer Identität als Mutter“ (Wimmer-Puchinger 1992, S. 72). Sie setzt sich mit der Mutterrolle und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen, mit Idealbildern und realen „Müttermodellen“ (z.B. dem Vorbild der eigenen Mutter) auseinander. Ferner bedenkt die Schwangere in ihrer Fantasie, wie Mutterschaft in ihrem Fall sein wird oder sein sollte. Auch muss sie ein neues Körperbild entwickeln, also die mit der Schwangerschaft zusammenhängenden körperlichen und psychischen Veränderungen (s.u.) verarbeiten. Mercer (1995) betont: „Das kognitive Restrukturieren, das nötig ist, um die sich wandelnden Selbst-, Ideal- und Körperbilder ... miteinander zu vereinbaren, ist für Identitätstransitionen einzigartig. Die intime Entwicklung des Rollenpartners, die Unwiderruflichkeit der Rolle und die Veränderungen des Körperbildes tragen weiter zur Komplexität des Prozesses der Entwicklung der Mutteridentität bei ...“ (S. 61). Es ist nicht verwunderlich, dass hier auch Trauerarbeit notwendig ist, wenn der Verlust früherer Identitätsanteile (insbesondere der Identität als Berufstätige sowie als unabhängige Frau) und Lebensstile verkraftet werden soll. So treten häufig Emotionen wie Ambivalenz, Angst, Unsicherheit oder das Gefühl auf, wenig Kontrolle über die gerade ablaufenden Veränderungen zu haben.

Im Verlauf der Schwangerschaft gibt es in der Regel Phasen größerer und geringerer Belastung, von Konfliktanfälligkeit und Beruhigung. Insbesondere im ersten Trimester leiden viele Frauen unter Übelkeit und Erbrechen – z.B. laut der Untersuchung von Wimmer-Puchinger (1992) zwei Drittel der Schwangeren, mehrmals täglich sogar 23% (im ersten Trimenon). Hinzu kommen Schlafstörungen, Müdigkeit, Nervosität, Hitzewallungen, Schwindel, Unglücklichsein u.Ä. (Huwiler 1995; Wimmer-Puchinger 1992). Manche Frauen erleben Schwangerschaft als Invasion ihres Körpers (Ruddick 1994). Im zweiten Trimester erfahren viele Schwangere eine Stabilisierung ihres Zustandes und fühlen sich zumeist wohl. Das dritte Trimenon ist hingegen wieder anstrengender (Huwiler 1995; Mercer 1995; Wimmer-Puchinger 1992): Die meisten Schwangeren empfinden stärkere körperliche Belastungen, sind schwerfällig und unbeweglich, haben Schmerzen im Rücken oder in den Beinen. Viele klagen über Stimmungslabilität und Reizbarkeit. Schlafstörungen nehmen wieder zu; oft kommt es zu Alpträumen. Aufgrund der körperlichen Veränderungen (negatives Körperbild: mangelnde Attraktivität) ziehen sich viele Schwangere aus ihrem sozialen Umfeld zurück und bleiben daheim (Mutterschutz); manche müssen wegen Abortgefahr auch längere Zeit im Liegen verbringen. Viele Schwangere fühlen sich verletzlich und sind ängstlich. Häufig fürchten sie sich vor der Entbindung.

Neben diesen Belastungen berichten die meisten Schwangeren auch von Positivem – z.B. laut der Studie von Huwiler (1995) von intensiven Gefühlen zum Fötus oder zum Partner, von neuem Lebenssinn, vom Wohlfühlen im eigenen Körper oder von Entlastung bzw. Verwöhnung durch Dritte. Freude und Belastung werden unabhängig voneinander erlebt: „Weder verminderten größere Belastungen die Freude an den positiven Ereignissen während der Schwangerschaft, noch verbesserte eine psychisch und physisch problemlose Schwangerschaft das emotionale Erleben der Vorkommnisse, die damit verbunden waren“ (a.a.O., S. 108).

Zweite und dritte Schwangerschaften werden zumeist ähnlich wie die erste erlebt. Allerdings stellte Wimmer-Puchinger (1992) auch fest: „Frauen, die negativ auf ihre vergangene Schwangerschaft und Geburt zurückblicken, leiden im ersten Trimenon 4-mal so häufig unter täglichem Erbrechen und Übelkeit als Frauen mit positivem Schwangerschaftserleben“ (S. 97); sie geben dreimal so oft Schwangerschaftsbeschwerden an und sind außerdem viel ängstlicher. Ähnliches würde auch für das zweite und dritte Trimester gelten. Bei zweiten und weiteren Schwangerschaften belastet viele Mütter, wie früher geborene Kinder auf das neue Geschwisterchen reagieren werden, wie sich ihre Beziehung zu ihnen verändern wird, ob sie alle Kinder gleich lieb haben können, inwieweit sie die zusätzlichen Belastungen bewältigen können u.Ä. (a.a.O.; Mercer 1995).

Aufgrund des zunehmenden Durchschnittsalters bei der Geburt des ersten Kindes – 1996 in den alten Bundesländern bei 28,4 Jahren und in den neuen ein Jahr darunter liegend (Engstler 1999) – wurde auch der Frage nachgegangen, ob bisher kinderlose Frauen im Alter von 35 Jahren und darüber ihre Schwangerschaft anders erleben als jüngere. So berichten z.B. Windridge und Berryman (1996), dass bei ihrer Untersuchung nur ganz wenige Unterschiede auftraten: Die älteren Frauen waren weniger unzufrieden mit ihrem Körperbild und berichteten von weniger oder seltener auftretenden Symptomen in der späten Schwangerschaft, machten häufiger von vorgeburtlicher Diagnostik Gebrauch und beschäftigten sich mehr mit der Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs, falls bei ärztlichen Untersuchungen Abnormalitäten am Fötus festgestellt werden sollten.

Der vorausgegangene Satz hat nochmals verdeutlicht, dass Schwangerschaft (und Geburt) stark durch die Medizin geprägt wird – feministische Wissenschaftlerinnen sprechen sogar von einer „Kolonisierung des weiblichen Körpers“ durch Ärzte (Crouch/ Manderson 1993). Sie kritisieren, dass schwangere Frauen zu „Objekten“ ärztlicher Untersuchungen werden, wobei den Arzt der Zustand des Fötus bei weitem mehr interessieren würde als das physische und psychische Befinden der werdenden Mütter. Diese bekämen den Eindruck vermittelt, als ob Schwangerschaft ein unnatürlicher Zustand sei, eine Art „Krankheit“ oder „Störung“. Auch die Geburt wäre zu einem von Ärzten zu überwachenden Vorgang gemacht worden, der nun als „unnatürlich“ empfunden werde. Die Kritik von Seiten feministischer Wissenschaftlerinnen hat dazu beigetragen, dass in den beiden letzten Jahrzehnten den Schwangeren, ihrem Erleben, ihren Gefühlen und Präferenzen, wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, dass Entbindungsstationen umgestaltet wurden, dass eine „natürliche Geburt“ oder „Hausgeburt“ als Alternativen ermöglicht werden und dass die Partner bei der Entbindung anwesend sein können.

Während der Schwangerschaft verändert sich oft die Beziehung zum (Ehe-) Partner. Beispielsweise verbesserte sich deren Qualität laut der Studie von Wimmer-Puchinger (1992) in knapp einem Fünftel der Fälle; sie verschlechterte sich bei 3 bis 5% der Befragten. „13% der Frauen ... finden, dass ihre Partner zuwenig auf ihre Gefühle und Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Ebenso befürchten 12% der befragten Frauen, dass ihre Partner die körperlichen Veränderungen, die mit der Schwangerschaft einhergehen, unschön bzw. nicht positiv finden könnten“ (S. 50). Generell nimmt die sexuelle Aktivität während der Schwangerschaft immer mehr ab, wozu das von 40% der Schwangeren berichtete schwächere sexuelle Interesse beiträgt, aber auch z.B. körperliches Unbehagen und Angst, das Kind zu verletzen. Hier wirkt sich aus, dass in Ratgebern und Zeitschriften, bei geburtsvorbereitenden Kursen oder ärztlichen Routineuntersuchungen nur äußerst selten auf den Geschlechtsverkehr eingegangen wird. Diese Tabuisierung trägt zur Entsexualisierung der Schwangerschaft bei, obwohl ein Anstieg der Ausschüttungen von Androgenen und ein starker Wunsch nach Körperkontakt, Umarmung und Zärtlichkeit bei Schwangeren festzustellen ist (a.a.O.).

Häufig ändert sich auch die Beziehung der Schwangeren zu ihren eigenen Eltern, insbesondere der Mutter (Mercer 1995). Mutter und Tochter behandeln einander eher als Gleichgestellte, intensivieren ihre Beziehung und bewältigen alte Konflikte. „Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Bedeutung der Mutter-Tochter-Beziehung für den allgemeinen Gesundheitsstatus der schwangeren Tochter während der vorgeburtlichen Phase, für die Ausbildung ihrer Einstellungen zur Mutterschaft sowie für ihre Anpassung an die Mutterrolle und ihre Fähigkeit, ihren Säugling angemessen zu versorgen“ (Mercer 1995, S. 82f.). Natürlich ändern sich auch andere soziale Beziehungen, suchen Schwangere z.B. vermehrt den Kontakt zu anderen Schwangeren und jungen Müttern.

Geburt und das erste Jahr danach

Mit der Entbindung wird die Frau physisch und sozial zur Mutter; mit der Geburt erfolgt die Trennung vom Kind, das bisher Teil des eigenen Körpers war. Behavioral und psychisch hat die Frau aber noch einen langen Weg vor sich, bis sie die Mutterrolle angemessen ausübt, eine ausgeprägte Mutteridentität entwickelt und auch emotional eine Grenze zwischen sich und dem Kind gezogen hat (Mercer 1995; Ruddick 1994). Erschwerend kommt hinzu, dass es keine gesellschaftlichen Rituale gibt, die das Ereignis der Geburt markieren (Woodward 1997). Jedoch ist die Entbindung seit zwei, drei Jahrzehnten nicht mehr alleinige Angelegenheit der Frau: Sie wird nun als Teil der Paar- oder Familiengeschichte definiert (Crouch/ Manderson 1993). Dementsprechend ist der (Ehe-) Partner in der Regel bei der Geburt anwesend – z.B. in 92% der Fälle bei der Untersuchung von Huwiler (1995).

Viele Frauen beschäftigen sich gegen Ende der Schwangerschaft intensiv mit der Frage, wie die Entbindung verlaufen soll – auf möglichst „natürliche“ Weise (z.B. ohne Medikamente), unter bewusster Kontrolle der Frau usw. (Crouch/ Manderson 1993). Insbesondere für sie ist belastend, wenn anstatt einer Spontangeburt eine Zangen- oder Kaiserschnittentbindung erfolgt. Dann erleben sie oft Gefühle des Versagens oder der Schuld gegenüber dem Kind (Huwiler 1995). Ansonsten ist die Geburt eine anstrengende und schmerzhafte Angelegenheit: „54% der Frauen erlebten die Geburt körperlich schwieriger, 23% empfanden sie einfacher als erwartet. Das gefühlsmäßige Erleben war umgekehrt: 50% hatten sich die Geburt weniger schön vorgestellt; für 19% blieb sie gefühlsmäßig unter den Erwartungen (a.a.O., S. 115). Trotz dieser positiven Emotionen erlebten 28% der Frauen eine schwere und genauso viele eine schwache bis mittelschwere Wochenbettdepression. Laut Mercer (1995) ist die Antipathie der Frau gegenüber sich selbst, dem Erlebnis und dem Kind umso größer, je stärker der (ungelinderte) Schmerz bei der Entbindung war. Je weniger Kontrolle sie über diesen Prozess ausüben konnte (z.B. bei einer Zangen- oder Kaiserschnittentbindung), umso deprimierter und ängstlicher ist sie, umso geringer ist ihre Selbstachtung. Und je schwerer Wehen und Geburt verliefen, umso negativer ist ihre Reaktion auf den Säugling (selteneres Lächeln, weniger Interaktionsversuche, weniger Kompetenz im Umgang mit dem Neugeborenen).

In den ersten Wochen und Monaten nach der Entbindung stehen die Versorgung des Babys und der Aufbau einer Beziehung zu ihm im Mittelpunkt des Lebens der Mutter. Da nur wenige Erstgebärende viel oder etwas Erfahrung mit Säuglingen haben – z.B. nach der Studie von Huwiler (1995) nur 5 bzw. 30% der Befragten –, erleben die meisten den Alltag mit einem Baby zunächst als (sehr) anstrengend (rund 60% der jungen Mütter) und den Umgang mit ihm als (viel) schwieriger als erwartet (42% der Befragten). Wiegand (1998) ergänzt: „Die Angst, etwas verkehrt zu machen, und Selbstzweifel führen dazu, dass die Mütter sich bis zur eigenen Erschöpfung und weit darüber hinaus um die Kinder bemühen ...“ (S. 141). Sie halten sich ständig in der Nähe des Säuglings auf, beobachten ihn und versuchen, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Zunächst müssen die jungen Mütter lernen, die Signale des Säuglings zu verstehen, also Sensibilität, Empathie und Intuition entwickeln. Besonders schwer fällt es ihnen oftmals, auf die primärprozesshafte Reaktions- und Erlebnisstufe eines Babys zu regredieren. Laub (1992) ergänzt: „Die moderne Mutter hat innerpsychisch einen weiteren Weg zu ihrem Kind zurückzulegen als die Mütter unklarer Urzeiten“ (S. 4). Ferner müssen die Frauen lernen, angemessen auf die Signale ihres Kindes zu reagieren, also „mütterliche“ Fähigkeiten entwickeln (Mercer 1995; Richardson 1993; Wiegand 1998). Entgegen der gesellschaftlichen und der eigenen Erwartung, dass Mütter von Anfang an die Bedürfnisse ihres Kindes verständen, müssen sie zumeist erleben, dass dies nicht der Fall ist (Realitätsschock). So sind sie verunsichert und wissen nicht, was sie tun oder lassen sollen. Viele befolgen zunächst die Hinweise in Ratgebern oder orientieren sich an ihnen bekannten Rollenmodellen. Sie überprüfen deren Ratschläge oder „vorbildhaften“ Verhaltensweisen an der Realität mit ihrem Kind und experimentieren mit verschiedenen Reaktionen auf dessen Signale. Auf diese Weise entwickeln sie allmählich ein Repertoire an „mütterlichen“ Fertigkeiten und werden immer kompetenter, sicherer, gewandter und damit zufriedener. So überrascht nicht, dass bei der Studie von Huwiler (1995) vier Monate nach der Geburt nur noch 16% und ein Jahr danach nur noch knapp 5% der Mütter berichten, dass der Umgang mit dem Kind schwieriger als erwartet sei.

Zum Realitätsschock nach der Geburt eines Kindes gehört auch, dass in den meisten Fällen nicht die erwartete sofortige „Bindung“ an den Säugling erlebt wird (Crouch/ Manderson 1993). Viele Frauen erleben dies als belastend und entwickeln Schuldgefühle, insbesondere wenn sie glauben, dass sie aufgrund einer Kaiserschnittentbindung oder der großen Erschöpfung nach langen Wehen die „entscheidenden Augenblicke“ nach der Geburt verpasst haben. Wiegand (1998) stellt fest: „Kaum eine Mutter, die ich interviewt habe, schildert die erste Phase der Mutterschaft als Erleben der besonderen Verbundenheit oder besonders intensiven Glücks mit dem Kind. Im Gegenteil, die meisten Mütter erleben die erste Zeit als schwierig und mit höchst ambivalenten extremen Gefühlen verbunden“ (S. 139). Von einer spontan entstehenden Symbiose zwischen Mutter und Kind könne man keinesfalls sprechen (vgl. Ruddick 1994). Somit empfindet nur ein Teil der Frauen direkt nach der Entbindung Liebe und Zuneigung zum Säugling.

In vielen Fällen entwickeln sich also eine enge Beziehung zum Säugling und eine emotionale Bindung erst im Verlauf der ersten Tage und Monate (Crouch/ Manderson 1993; Mercer 1995; Wiegand 1998). Mutter und Kind müssen einander erst kennen lernen und näher kommen, was durch Berühren, Halten, Schmusen, Kuscheln und verschiedene Sinneserfahrungen geschieht. Dieser Prozess kann durch ihre Persönlichkeitscharakteristika, ihr Temperament, ihre Wahrnehmungen, ihre Anpassungsfähigkeit und andere Eigenschaften erleichtert oder erschwert werden. Beispielsweise wird der Bindungsprozess verlangsamt, wenn das Baby als „schwierig“ oder seine Betreuung als frustrierend erlebt wird. Manche Mütter berichten erst von positiven Emotionen für ihr Kind, wenn dieses auf sie reagiert, also sie z.B. anlächelt. Sie fühlen sich mit ihm innerlich verbunden, wenn sie sich mit ihm identifizieren, eigene Charakteristika oder solche von Angehörigen an ihm entdecken und es als neues Familienmitglied akzeptiert haben. Schon bald beginnen aber Mutter und Kind, sich voneinander langsam abzugrenzen. Sie nehmen einander immer mehr als separate Individuen mit eigenem Willen wahr.

Zu den Problemen, die mit der Anpassung an das Baby und dem Erlernen „mütterlicher“ Fähigkeiten verbunden sind, kommen oft weitere. Dazu gehören kindbezogene Belastungen: Manche Säuglinge sind anspruchsvoll und verlangen Dauerpräsenz, andere weinen oft und grundlos, einige schlafen nur schwer ein und wachen oft auf, andere wollen viel Körperkontakt und häufig getragen werden. Dazu können z.B. Probleme mit dem Stillen oder Krankheiten des Kindes kommen (Huwiler 1995). Green und Kafetsios (1997) stellten bei ihrer Studie über 1.285 Frauen aus Cambridge und Umgebung fest, dass die meisten sowohl positive als auch negative Wörter benutzten, um ihre Säuglinge zu beschreiben.

Aus den Verhaltensweisen des Babys resultieren besondere Belastungen für die Mütter wie Schlafmangel, Müdigkeit, Erschöpfung, Stress, Reizbarkeit, Frustration usw. (Huwiler 1995; Laub 1992; Richardson 1993; Wiegand 1998). Sind sie besonders stark ausgeprägt, kann dies das Verhalten gegenüber dem Säugling und die Bindungsentwicklung beeinträchtigen (Goldstein/ Diener/ Mangelsdorf 1996). Erst nach circa sechs Wochen verbessert sich der Zustand der jungen Mütter wieder; aber es dauert rund neun Monate, bis sie ihr früheres Maß an physischer und psychischer Energie erreicht haben (Mercer 1995). Die jungen Mütter müssen ihren gesamten Lebensrhythmus ändern und immer wieder Handlungen unterbrechen, um die Bedürfnisse des Säuglings zu befriedigen. Es bleibt kaum noch Freizeit oder Zeit zur Pflege persönlicher Belange, was sich oft auch in einer schlichteren Kleidung oder Frisur zeigt. Weaver und Ussher (1997) schreiben, dass Frauen in diesem Zusammenhang oft von Selbstaufopferung sprechen: „Dieses Thema war mit Abstand das häufigste und durchgängigste in dieser Studie: Es spiegelt das gesellschaftliche Bild von der Mutter als selbstlose Madonna wider, die bereit ist, ihre eigenen Bedürfnisse ihrem Kind zu opfern“ (S. 58).

Hinzu kommt, dass die jungen Mütter in den ersten Wochen nach der Entbindung an ihre Wohnung gebunden sind und kaum Zeit für Einkäufe oder andere Erledigungen haben. Weaver und Ussher (1997) stellten bei ihrer Befragung von 13 Londoner Müttern fest: „Ein Grund, warum das Leben so beengend für diese Frauen wurde, lag darin, dass sie nun den Säugling mit sich nehmen mussten, wo immer sie hingingen – außer sie hatten Babysitter, die aber entweder als zu teuer oder auch nur als zu schwer zu finden beschrieben wurden. Den Säugling mitzunehmen bedeutete eine gigantische Planungsarbeit“ (S. 59f.). Die Frauen erleben einen großen Verlust an Autonomie und Selbstständigkeit (Huwiler 1995; Laub 1992; Weaver/ Ussher 1997). Besonders belastend ist die aus der Bindung an die Wohnung resultierende soziale Isolation. Zumeist fallen die Kontakte am Arbeitsplatz weg; Treffen mit Freunden in Restaurants oder Kneipen, Theater- oder Kinobesuche, viele Hobbys und sportliche Aktivitäten entfallen. Manche Freundschaften lösen sich auf, was subjektiv als leidvoll erfahren wird (Herlyn et al. 1993; Richardson 1993; Weaver/ Ussher 1997; Wiegand 1998).

Viele Mütter trauern um den Verlust ihres früheren Lebensstils. Dies trifft besonders hart Frauen, die bisher (voll) erwerbstätig waren. Sie verlieren nicht nur die mit der Berufsausübung verbundene Anerkennung und Eigenständigkeit, müssen nicht nur Karriere- und Fortbildungswünsche aufgeben, sondern werden auch von ihren (Ehe-)Partnern finanziell – und wegen der Isolation zunehmend emotional – abhängig. Die jungen Mütter werden auf die Hausfrauenrolle zurückgeworfen, die gesellschaftlich wenig Wert hat und für deren Ausübung sie in der Regel nur wenig Anerkennung erfahren (Laub 1992; Mercer 1995). All dies trifft deutsche Frauen stärker als solche in Österreich, Südkorea, Südjemen und den USA, wie eine Vergleichsstudie mit 675 Eltern zeigte (Quaiser-Pohl 1992): „Auch hier nahm Deutschland im internationalen Vergleich eine Extremstellung ein: Während die deutschen Frauen vor der Geburt des ersten Kindes häufiger als in anderen Ländern berufstätig waren, war der Anteil berufstätiger deutscher Mütter extrem gering“ (S. 30). Jedoch gibt es auch Frauen, die nach der Geburt eines Kindes selbstverständlich und ohne Einbruchsempfinden den Beruf aufgeben (insbesondere wenn dieser eher negativ erlebt wurde) sowie mit der Hausfrauenrolle und traditionellen Arbeitsteilung zufrieden sind (Herlyn et al. 1993).

Durch den Wegfall ihres Einkommens erleben junge Mütter oft auch finanzielle Probleme – mitbedingt durch die neu auftretenden hohen Lebenshaltungskosten für den Säugling, die inzwischen im Durchschnitt mehr als 500 DM betragen. Außerdem mussten 1996 in den alten Bundesländern mehr als ein Fünftel aller Verheirateten mit Kindern und in den neuen Ländern mehr als ein Drittel mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 3.000 DM zurechtkommen (Engstler 1999).

Bei all den Anpassungsproblemen sowie psychischen, sozialen und materiellen Belastungen ist es nicht verwunderlich, dass bis zu 80% aller jungen Mütter in den ersten Wochen und Monaten nach der Entbindung deprimiert sind (Mercer 1995). Nach der Untersuchung von Green und Kafetsios (1997) über 1.285 englische Frauen waren sechs Wochen nach der Geburt laut der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) 13% klinisch depressiv. Feministische Wissenschaftlerinnen haben immer wieder kritisiert, dass diese Depressionen als ein rein medizinisches Phänomen betrachtet und behandelt würden (Marshall 1991; Richardson 1993; Woollett/ Phoenix 1991). Auf diese Weise werde negiert, dass viele äußere Umstände (Realitätsschock, Isolation, Veränderung des Lebensstils, mangelnde soziale Unterstützung, Abhängigkeit usw.) die Depressionen mitbedingen.

Der Fokus auf all den negativen psychischen und sozialen Veränderungen in den ersten Wochen und Monaten nach der Entbindung dürfte dazu geführt haben, dass Positives weitgehend übersehen wurde (Green/ Kafetsios 1997). Weaver und Ussher (1997) verweisen auch darauf, dass sich die negativen Seiten der Mutterschaft leichter beschreiben ließen, da es sich zumeist um praktische Probleme und Umstellungen handeln würde. Das Positive ist laut ihren Interviews mit 13 Londoner Müttern auf einige wenige Punkte beschränkt, die aber von größter Bedeutung seien: „Die Höhepunkte der Mutterschaft sind laut diesen Frauen die Freude, ihr Kind wachsen und sich entwickeln zu sehen, ihre tiefe emotionale Wärme und die Anteilnahme am Kind ... Die anfängliche Liebe und die wachsende Beziehung sind die Bereiche, durch die sich die Frauen für alle zuvor beschriebenen problematischen Veränderungen entschädigt fühlen“ (S. 60f.). Sie hatten den Eindruck, dass sie immer mehr Liebe von ihrem Kind zurückbekämen. Die Interviewer bei Huwilers (1995) repräsentativeren Untersuchung nahmen bei 91% der Frauen viel Freude am Kind wahr: „Unsere Einschätzungen stützten sich auf verschiedene Fragen zu den schönen und belohnenden Erlebnissen, die mit der Elternschaft verbunden sind. Ich bin nicht in der Lage, einen angemessenen Eindruck zu geben von den tief empfundenen, bewegenden Schilderungen der Mütter über ihr Zusammensein mit ihren kleinen Töchtern und Söhnen“ (S. 124). Green und Kafetsios (1997) berichten, dass sechs Wochen nach der Entbindung 79% der Frauen den höchsten Wert auf einer sechsstufigen Skala ankreuzten bezüglich des empfundenen Stolzes, eine Mutter zu sein, und 72% bei der Vorgabe, überhaupt nicht enttäuscht von der Mutterschaft zu sein. Die meisten Befragten meinten, dass sie gute Mütter wären.

Hinzu kommt, dass sich die meisten Untersuchungen auf die ersten Wochen nach der Entbindung beschränken. So wird übersehen, dass viele negative Phänomene (z.B. Realitätsschock, Verunsicherung, Stress, Identitätskrise, Deprimiertheit) vorübergehender Natur sind. So waren beispielsweise nach der Untersuchung von Huwiler (1995) vier Monate nach der Geburt bereits 93,4% der jungen Mütter sehr oder weitgehend glücklich über die Veränderungen in ihrem Leben, die durch ihr Kind entstanden sind. Mehrere Monate nach der Entbindung sind die meisten Frauen zu einer der Wirklichkeit entsprechenden Definition der Mutterrolle gelangt und haben diese in ihr Selbstkonzept integriert (Mercer 1995; Weaver/ Ussher 1997; Wiegand 1998). Sie kommen nun ohne größere Probleme mit ihrem Kind zurecht – je besser sie es verstehen und je kompetenter sie mit ihm umgehen, umso besser fühlen sie sich und umso positiver ist ihr Selbstbild. Sie haben nun die mit der Mutterschaft verbundenen Konsequenzen (z.B. neuer Lebensstil, weniger Selbstbestimmung, mehr Abhängigkeit) akzeptiert. Auch gelingt es ihnen immer besser, negative Folgen zu kompensieren: So brechen sie beispielsweise aus ihrer Isolation aus, indem sie Verwandtschaftsbeziehungen intensivieren, Kontakte zu anderen jungen Müttern knüpfen oder sich Eltern-Kind-Gruppen anschließen.

Ob der Prozess der Mutterwerdung eher positiv oder eher negativ erfahren wird, hängt auch von der Paarbeziehung ab. Eine Studie über 675 Eltern in Deutschland, Österreich, Südkorea, Südjemen und den USA (Quaiser-Pohl 1992) ergab, dass deutsche Paare – vor allem vor der Geburt des ersten Kindes – die „modernsten“ Rolleneinstellungen besaßen. Auch ihr Rollenverhalten war besonders egalitär: Beide Partner waren in der Regel erwerbstätig, teilten die Hausarbeit untereinander auf und erlebten sich als gleichberechtigt (vgl. Crouch/ Manderson 1993). Dementsprechend erwarten Schwangere, dass sich ihr Partner intensiv um den Säugling bzw. das Kleinkind kümmern wird. So ergab Huwilers (1995) Befragung von 182 schwangeren Schweizerinnen: „90% aller Frauen mit Partnern nahmen an, dass sie mit deren Beteiligung an der Säuglingspflege und -betreuung mehrheitlich oder sehr zufrieden sein würden. Fast alle Frauen vermuteten, dass ihre Partner mehrmals wöchentlich mit dem Kind spielen würden, drei Viertel erwarteten die gleiche Beteiligung beim Wickeln, und über 60% glaubten, dass die Väter mehrmals pro Woche das Kind baden und mit ihm spazieren gehen würden“ (S. 112). Jedoch stellt sich nach der Geburt des ersten Kindes heraus, dass die Mitarbeit des Mannes bei der Hausarbeit und Säuglingspflege immer geringer wird. Quaiser-Pohl (1992) berichtet aus der vorgenannten internationalen Vergleichsstudie: „Auch direkt nach der Geburt des ersten Kindes beteiligten sich deutsche Väter noch in besonderer Weise bei der Betreuung des Säuglings. Ziemlich schnell jedoch ließ ihr Engagement nach, und es kam zu dem genannten Traditionalisierungseffekt, der wegen des sehr egalitären Ausgangsniveaus besonders massiv ausfiel“ (S. 28). Die jungen Mütter müssen immer mehr in die „klassische“ Hausfrauenrolle hineinwachsen und akzeptieren, dass ihre hohen Erwartungen an eine gerechte innerfamiliale Arbeitsteilung nicht erfüllt werden und der Beruf des Mannes den Vorrang vor ihren Tätigkeiten hat (Laub 1992; Mercer 1995). Während parallel dazu die Einstellungen der Väter wieder traditioneller werden, bleiben die Rollenauffassungen der Mütter egalitär (auch nach der Geburt eines weiteren Kindes). Für die Frauen klaffen somit Erwartungen und Realität immer weiter auseinander, was zur Belastung der Partnerschaft führt. Dementsprechend zeigte die internationale Vergleichsstudie, dass bei deutschen Eltern die Verschlechterung der Paarbeziehung nach Geburt des ersten Kindes am stärksten ausgeprägt war (Quaiser-Pohl 1992). Manche Frauen finden sich schließlich mit der geringen Mitarbeit des Mannes im Haushalt und bei der Kinderbetreuung ab und loben ihn sogar noch für sein „Engagement“ (Weaver/ Ussher 1997).

Die hohen körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes lösen bei jungen Müttern auch ein starkes Bedürfnis nach emotionalem Rückhalt aus (Laub 1992). Die Befragung von Huwiler (1995) ergab, dass sich vier Monate nach der Geburt 86% der Frauen als gefühlsmäßig gut unterstützt durch den Partner bezeichneten; bei 10% war die Unterstützung mittelmäßig und bei 4% gering. Bei der Untersuchung von Green und Kafetsios (1997) bewerteten 30% der Befragten die emotionale Unterstützung durch den Partner auf einer fünfstufigen Skala mit „5“ und 31% mit „4“; allerdings wählten auch 21% die niedrigen Werte „1“ und „2“. Goldstein, Diener und Mangelsdorf (1996) stellten bei ihrer Studie über 70 Frauen fest, dass die Zufriedenheit mit der gefühlsmäßigen Unterstützung durch den Partner drei Monate nach der Entbindung signifikant geringer war als im dritten Trimester. Manche jungen Mütter beklagen auch, dass sie weniger Zeit für Gespräche oder soziale Aktivitäten mit ihrem Partner haben, dass ihr sexuelles Verlangen vermindert ist oder dass sexuelle Funktionsstörungen auftreten (Weaver/ Ussher 1997; Wimmer-Puchinger 1992). Ein Jahr nach der Entbindung waren laut Huwiler (1995) jedoch immer noch 84% der Mütter mit der Ehe bzw. Partnerschaft mehrheitlich oder sehr zufrieden; 10% waren teilweise und 6% eher oder völlig unzufrieden.

Abschließend soll noch beschrieben werden, welche Faktoren den Prozess der Mutterwerdung beeinflussen. Huwiler (1995) legt ein von ihm empirisch geprüftes Pfadmodell für das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit mit der Mutterrolle vor. Letztere lasse sich zu 58% durch folgende Variablen erklären: (1) Gesundheit und Verhalten des Kindes als Stressfaktoren, (2) Wohlergehen des Kindes, (3) psychische Gesundheit und Belastbarkeit der Mutter, (4) Familieneinkommen und (5) Einschätzung der finanziellen Situation, wobei nur die drei erstgenannten Variablen von großer Bedeutung sind. Überraschenderweise wirkt sich die praktische und die emotionale Unterstützung durch den Partner kaum auf die Zufriedenheit mit der Mutterrolle aus. „Das legt die Interpretation nahe, dass die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau so weit etabliert ist, dass die Mutter für die Bewältigung innerfamiliärer und kindbezogener Aktivitäten wenig auf emotionale Unterstützung durch den Mann angewiesen ist“ (a.a.O., S. 173). An anderer Stelle heißt es: „Die Mutter-Kind-Beziehung bildet in gewissem Maße eine eigene Sphäre. Sie stellt einen Bereich dar, der aus der Optik der Mütter durch den Partner, Verwandte und Bekannte nur teilweise tangiert wird. Das Ausmaß an tatkräftiger Unterstützung, welche die Mütter erlebten, wirkte sich nicht auf ihre Rollenzufriedenheit aus, und auch die emotionale Unterstützung aus ihrem Umfeld zeigte einen geringeren Einfluss, als man hätte erwarten können“ (S. 208). Hingegen trug die emotionale Unterstützung durch den Partner zusammen mit der Zufriedenheit mit der Mutterrolle nach dem Pfadmodell in entscheidender Weise zum allgemeinen Wohlbefinden der Frauen bei.

Nach anderen Untersuchungen (zusammengefasst bei Mercer 1995) wirkt sich auf den Prozess der Mutterwerdung noch positiv aus, wenn die Frauen z.B. eine glückliche Kindheit erlebt haben, ein gutes Verhältnis zur eigenen Mutter haben, in einer guten Ehebeziehung leben, physisch und psychisch gesund sind, eine positive Einstellung während der Schwangerschaft zeigen, einen Säuglingspflegekurs besucht oder vor der Entbindung Erfahrungen mit Säuglingen gesammelt haben, klare Rollenerwartungen haben sowie empathisch, expressiv und sozial kompetent sind. Ferner wirke sich positiv aus, wenn das Kind gesund ist und keine Probleme beim Füttern macht, wenn Mutter und Kind hinsichtlich von Merkmalen wie Temperament u.Ä. übereinstimmen, wenn es der Mutter Freude macht, mit dem Säugling zu interagieren, und wenn sie diesen nicht als schwierig erlebt (vgl. Goldstein/ Diener/ Mangelsdorf 1996; Green/ Kafetsios 1997; Huwiler 1995).

Mutterschaft bei Kleinkindern

Im Kleinkindalter muss die Mutter ihre Beziehung zum Kind entsprechend seiner neuen (Autonomie-)Bedürfnisse und Entwicklungsfortschritte immer wieder verändern. Es kommt zu einer verstärkten Individuation und Selbstabgrenzung des Kindes (Machtkämpfe), was von manchen Müttern als schmerzhaft erlebt wird (Bassin/ Honey/ Kaplan 1994; Bretherton/ Biringen/ Ridgeway 1991; Wiegand 1998). Viele Mütter sind aufgrund mangelnder Erfahrung und widersprüchlicher Ratschläge verunsichert, wie sie ihre Kinder erziehen sollen (Bornstein et al. 1998). Zurückgreifend auf Erziehungsratgeber und Elternzeitschriften orientieren sie sich laut Hays (1998) an der in unserem Kulturkreis vorherrschenden „Ideologie der intensiven Kindererziehung“: Sie betrachten das Kleinkind als ein reines, unschuldiges Wesen, das geliebt, bemuttert, emotional unterstützt und in allen Entwicklungsbereichen (gezielt) gefördert werden muss (vgl. Bretherton/ Biringen/ Ridgeway 1991). Zugleich versuchen sie, ihren Kindern große Freiräume zum Erforschen der Umwelt zu geben und ihr Spielen vielfältiger zu gestalten (Richardson 1993). Die Mütter übernehmen allmählich mehr Rollen gegenüber dem Kleinkind, werden z.B. zu Spielpartnerinnen, Lehrerinnen, Vermittlerinnen sozialer Normen und Strafende, wenn das Kind Regeln verletzt (Grossmann 1995). Je älter das Kind wird, umso eher betrachten sie negative Verhaltensweisen als beabsichtigt und reagieren dann härter auf sie (Dix/ Ruble/ Zambarano 1989; Mills/ Rubin 1992). Und als Lohn für all ihre Bemühungen reichen ihnen „die Freude zu teilen, die Liebe, die sie empfinden, und die Verheißung, dass sie die Liebe von ihren Kindern zurückbekommen“ (Hays 1998, S. 173).

Studien über Mütter aus verschiedenen Kulturkreisen in Deutschland und internationale Vergleichsstudien zeigen, dass sich Haltungen gegenüber dem (Klein-) Kind, Erziehungseinstellungen, Attribuierungen und Erziehungsverhalten von Müttern in einem Land bzw. zwischen verschiedenen Ländern stark unterscheiden. Beispielsweise favorisieren Aussiedlerinnen aus Russland und in Deutschland lebende Türkinnen einen kontrollierend-autoritären Erziehungsstil, während westdeutsche Mütter diesen eindeutig ablehnen und einen permissiven bevorzugen. Letztere planen auch mehr die tägliche Erziehungspraxis (Herwartz-Emden 1995a).

Eine deutsch-russische Vergleichsstudie (Ahnert et al. 1994) ergab, dass russische Mütter stärker kindzentriert sind und mehr Einfluss auf die Entwicklung des Kleinkindes nehmen, das als formbar angesehen wird. Beobachtungen des mütterlichen Interaktionsverhaltens zeigten, „dass russische Mütter mehr Informationen und Hinweise geben sowie mehr Vorschläge (Einleitungen) für gemeinsames Interagieren machen, als dies deutsche Mütter tun. Insbesondere aber setzen sie mehr ‚Ausgestaltungen‘ ein, um die Interaktionsangebote des Kindes durch zusätzliche Impulse zu bereichern oder begonnene Interaktionen zu verlängern. Russische Mütter bestätigen ihre Kinder auch öfter und führen dies zumeist durch Mimik und sprachliche Information deutlich emotional betont aus“ (S. 105). Die deutschen Mütter waren gelassener im Umgang mit ihrem Kleinkind und erwarteten für nahezu jede der künftig vom Kind zu erwerbenden Fertigkeit einen späteren Entwicklungszeitpunkt. Ihre Erziehungskonzepte waren eher rational-pragmatisch ausgerichtet, die der russischen Frauen eher moralisch-emotional.

Eine Vergleichsstudie über 214 Mütter 20 Monate alter Kinder aus Argentinien, Belgien, Frankreich, Israel, Italien, Japan und den USA (Bornstein et al. 1998) ergab, dass bezüglich der Selbstbewertungen und Attribuierungen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten bestanden. Beispielsweise hielten sich Israelis und US-Amerikanerinnen in der Kindererziehung für sehr kompetent; argentinische, belgische und französische Mütter bewerteten sich nicht ganz so positiv, aber besser als italienische und japanische Frauen. Belgische und US-amerikanische Mütter waren mit der Kindererziehung sehr zufrieden; weniger hohe Werte gaben argentinische, französische, israelische und italienische Mütter an; die Japanerinnen waren am wenigsten zufrieden. Dafür waren sie zusammen mit den italienischen und US-amerikanischen Frauen bereit, in die Kindererziehung besonders viel Zeit und Energie zu investieren – mehr als die belgischen, argentinischen und israelischen Mütter und viel mehr als die Französinnen. Ein Erziehungserfolg wurde von italienischen und – in geringem Maße – von französischen und israelischen Frauen eher den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben, von den japanischen Frauen eher dem Verhalten des Kindes. Die Auswertung von rund 40 Untersuchungen ergab viele weitere Unterschiede zwischen Müttern aus den genannten Ländern (a.a.O.).

Bis zur Aufnahme des Kindes in den Kindergarten sind in Deutschland die weitaus meisten Frauen auf die Hausfrauenrolle festgelegt. In dieser Zeit verfestigt sich die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Ehepartnern: Bei einem Kind unter sechs Jahren in der Familie wendet der Mann im Durchschnitt 58 Minuten pro Tag für die Kinderbetreuung und 1 Stunde 19 Minuten für Hausarbeit auf – gegenüber 2 Stunden 35 Minuten (Kinderbetreuung) und 4 Stunden 4 Minuten (Hausarbeit) seitens der Frau. Bei zwei und mehr Kindern, von denen das Jüngste unter sechs Jahren alt ist, sind es 54 Minuten für die Kinderbetreuung und 1 Stunde 30 Minuten für Hausarbeit beim Mann versus 2 Stunden 37 Minuten bzw. 4 Stunden 50 Minuten bei der Frau (Engstler 1999). Auch die emotionale Unterstützung nimmt in der Regel nach der Geburt eines zweiten oder dritten Kindes nicht zu (Laub 1992). Die Belastung der Mutter steigt; sie ist besonders hoch, wenn das letztgeborene Kind gerade dem Säuglingsalter entwachsen ist (Weaver/ Ussher 1997).

Der Eintritt des (jüngsten) Kindes in den Kindergarten ist für viele Mütter der Zeitpunkt, zu dem sie wieder erwerbstätig werden. Das ist viel später als vor der Geburt gewünscht – und viel später als in den USA, wo mehr Frauen kurz nach der Entbindung wieder berufstätig werden (Quaiser-Pohl 1992). Aus der Notwendigkeit, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, resultieren neue Belastungen für die Frauen. Insbesondere nicht erwerbstätige Mütter nutzen den durch die Fremdbetreuung ihrer Kinder gewonnenen Freiraum, um an alte Gewohnheiten und Vorlieben anzuknüpfen, sich neuen Hobbys zu widmen oder den Freundeskreis auszuweiten. Der Lebensstil der Mütter ähnelt nun wieder mehr der Zeit vor der Geburt ihrer Kinder; dementsprechend erleben sie auch eine Wiederbelebung früherer Aspekte ihres Selbst. Erst jetzt ist für Wiegand (1998) der Prozess der Mutterwerdung abgeschlossen, da nun Mutterrolle und Mutteridentität mit anderen Rollen und Identitäten in Einklang gebracht worden sind.

Ausblick

Analog zur Entwicklung des Kindes zum Schulkind, Jugendlichen, jungen Erwachsenen usw. verändern sich auch Mutterrolle, Mutteridentität, Erziehungseinstellungen, Verhaltenserwartungen, Erziehungsstil u.Ä. (Dix/ Ruble/ Zambarano 1989; Mercer 1995). Immer mehr Frauen werden wieder berufstätig – und die anderen oft immer unzufriedener mit ihrem Hausfrauendasein und der traditionellen Mutterrolle (Herlyn et al. 1993; Herlyn/ Vogel 1994). Selbst wenn Frauen irgendwann nach ihrem 40. Lebensjahr ihre „Kinder“ nicht mehr versorgen und erziehen müssen, weil diese erwachsen geworden sind und einen eigenen Haushalt gegründet haben, bleiben sie Mütter, obwohl sie kaum noch „mütterliche“ Aufgaben erfüllen. Mutterschaft ist somit nie konstant, sondern fortwährend im Wandel.

In diesem Kapitel sollte verdeutlicht werden, dass Mutterschaft kulturell bedingt und historisch variabel ist. Es handelt sich um ein sehr komplexes Phänomen mit einer Unmenge von Ausprägungen in der jeweiligen Gesellschaft bzw. in verschiedenen Ländern. Eine Annäherung an Mutterschaft ist somit nur möglich, wenn ein interdisziplinärer Zugang gewählt wird bzw. Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaften zu einer integrativen Zusammenschau vereint werden. Das wurde am Beispiel der Mutterwerdung verdeutlicht, wobei zugleich aufgezeigt werden sollte, dass der Übergang zur Mutterschaft ein einschneidendes Ereignis im Leben einer Frau ist – von viel größerer Bedeutung als z.B. die erste Sexualbeziehung, der Eintritt in die Arbeitswelt oder die Eheschließung.

Literatur

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Autor

Dr. Martin R. Textor studierte Pädagogik, Beratung und Sozialarbeit an den Universitäten Würzburg, Albany, N.Y., und Kapstadt. Er arbeitete 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Von 2006 bis 2018 leitete er zusammen mit seiner Frau das Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF) in Würzburg. Er ist Autor bzw. Herausgeber von 45 Büchern und hat 770 Fachartikel in Zeitschriften und im Internet veröffentlicht.

Homepage: https://www.ipzf.de
Autobiographie unter http://www.martin-textor.de