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Zitiervorschlag

Die fundamentalen Irrtümer der Bindungstheorie

Heidi Keller

 

Die Bindungstheorie ist eine Erfolgsstory. Von einer Außenseiterperspektive, die zunächst scharfen Gegenwind erfuhr – z.B. von den Psychiatern der Royal Society of Medicine in Großbritannien – ist sie heute zu der populärsten Entwicklungstheorie geworden, oder wie der Bindungsforscher Alan Sroufe sagte: ‘perhaps the most important developmental construct ever investigated’ (Sroufe et al. 2005, S. 51). Die Bindungstheorie hat es geschafft zur Grundlage unzähliger wissenschaftlicher Untersuchungen in vielen Ländern und gleichzeitig in verschiedenen Anwendungsbereichen zum handlungsleitenden Paradigma zu werden (z.B. Teti & Kim 2014). Sie dominiert Familienberatung und Therapie, Sorgerechtsentscheidungen ebenso wie Interventionsstudien in aller Welt. Und sie ist zum Eckpfeiler pädagogischer Qualität geworden, insbesondere im elementar – und frühpädagogischen Bildungsbereich. „Keine Bildung ohne Bindung“ ist der Slogan dieser Bewegung (s. ausführlich zu diesen Punkten Keller, 2019a).

Die Bindungstheorie ist aber auch von Beginn an fundamental kritisiert worden. Außer den ursprünglichen Attacken aus dem eigenen Lager – John Bowlby war Mitglied der Royal Society of Medicine – gab es von Anfang an Kritik aus zwei Richtungen, politisch/gesellschaftlich und wissenschaftlich. Aus politisch/gesellschaftlicher Perspektive wurde die Bindungstheorie als Bilderbuchfall eines konservativen Programms betrachtet, wo unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Objektivität konservative Familienpolitik betrieben wurde.

Hewitt (2013) z.B. trug diese Kritik in den öffentlichen Diskurs, in dem er in der britischen Tageszeitung The Guardian, argumentierte, dass ‘parenting manuals based on Bowlby's attachment theory prioritise the bond between mother and child, sideline the father and keep women away from work.’ (s. dazu ausführlich Duschinsky, 2020). Heute wird diese Kritik besonders von der belgischen Psychologin Isabel Roskam weitergetragen (z.B. Mikolajczak & Roskam 2018), die die Bindungstheorie als verantwortlich für das „parental burnout“ sieht, das besonders Frauen als Haupterziehungspersonen auch in modernen Familien betrifft. Das parental burnout besteht in der vollständigen Aufgabe der eigenen Bedürfnisse, um den Ansprüchen optimalen elterlichen/mütterlichen Verhaltens, wie es in der Bindungstheorie z.B. mit dem Sensitivitätskonzept vorgegeben ist, zu genügen.

Aus wissenschaftlicher Sicht wurde die kulturelle Blindheit der Bindungstheorie bereits in ihren Anfängen von der Anthropologin Margret Mead direkt in gemeinsamen Seminaren an John Bowlby gerichtet, von diesem aber ignoriert (Mead, 1961). Weitergehende konzeptionelle und methodische Kritik wurde von Michael Lamb und Kollegen 1984 publiziert, aber ebenfalls nicht zur Kenntnis genommen, ganz im Gegenteil wurde als Reaktion auf diese Veröffentlichung Michael Lamb aus dem engeren Kreis der Bindungsforscher*innen ausgeschlossen (s. Karen, 1994). Fundamentale Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Bindungstheorie und der Belastbarkeit der Forschungsbefunde formulierte die Wissenschaftshistorikerin Marga Vicedo (2013). In den letzten Jahren ist die Kritik an der Bindungstheorie und ihren Anwendungen noch intensiver und lauter geworden und es kamen ethische Implikationen hinzu (z.B. Keller (2019a) und die Sammelbände von Quinn & Mageo, 2013; Otto & Keller, 2014; Keller & Bard, 2017). Als einer der ersten hatte der Pionier der kulturvergleichenden Sozialisationsforschung Robert LeVine darauf verwiesen, dass die Bindungstheorie immer ein moralisches Urteil über die Qualität elterlichen Verhaltens impliziere (s. zusammenfassend LeVine & LeVine, 2016).

Was ist also dran an der Bindungstheorie? Ist die Kritik berechtigt? In den folgenden Abschnitten werden die wissenschaftlichen Grundlagen der Bindungstheorie kritisch beleuchtet und ethische Implikationen aufgewiesen.

Die Grundannahmen der Bindungstheorie

Die Bindungstheorie geht von 4 bzw. 5 Grundannahmen aus (s. dazu Mesman et al., 2016; Keller, 2019a). Die umfassendste Annahme ist die Universalitätsannahme.

Diese Annahme besagt, dass sich Kinder an eine oder mehrere spezifische Personen binden, wenn die Gelegenheit dazu vorhanden sind und wenn keine neurophysiologischen Schädigungen vorliegen, die die Bindungsentwicklung einschränken oder behindern könnten. Diese allgemeine Formulierung macht jedoch nicht deutlich, dass darin verschiedene spezifische Vorannahmen enthalten sind, die für selbstverständlich gehalten werden. Dazu gehört die Definition von Bindung als emotionalem Band, dass nur Erwachsene Bindungspersonen sein können und dass Bindung auf eine bestimmte, fest definierte Art entstehen soll. Dies ist in der Sensitivitätsannahme näher spezifiziert, die besagt, dass Bindungssicherheit abhängig ist von dem vorausgehenden Erziehungs – und Pflegeverhalten, insbesondere sensitive und prompte Reaktionen auf kindliche Signale. Dazu kommt seit einiger Zeit noch die Mentalisierung, das heißt die sprachliche Formatierung innerer Befindlichkeiten, wie Gefühle, Kognitionen und Intentionen. Dieses elterliche Verhalten soll in exklusiven dyadischen Interaktionssituationen gezeigt werden. Diese Definition elterlicher Qualität ist jedoch keineswegs universell, sondern spezifisch für die westliche Mittelschichtfamilie, die den entsprechenden Kontext für dieses Verhalten bereit stellt: Zeit, ökonomische Sicherheit, wenig Kinder pro Familie und höhere formale Bildung, die mit visuell/verbalem Verhalten und Mentalisieren einhergeht.

Die Normativitätsannahme besagt, dass die Mehrheit der Kinder sicher gebunden ist, wenn die Lebenskontexte nicht grundsätzlich das Überleben und die Gesundheit der Menschen bedrohen und gefährden. Diese Annahme beruht auf der sog. Standardverteilung von Bindungsqualitäten, die in der Baltimore Studie von Mary Ainsworth und Mitarbeiter*innen an 26 euroamerikanischen Mittelschichtfamilien erhoben wurde (Ainsworth et al., 1978). In dieser Untersuchung wurden 66 % der Kinder als sicher gebunden klassifiziert, 22 % als unsicher vermeidend und 12 % als unsicher ambivalent (zur Problematik dieser Untersuchung s. Vicedo, 2017; Keller, 2019a).

Der 4. Klassifikationstypus, die desorganisierte Bindung, war zu dieser Zeit noch nicht entwickelt. Häufig wird jedoch lediglich in sichere und unsichere Bindung unterteilt. Mit dieser Annahme wird die Normativität der sicheren Bindung postuliert. Nicht sichere Bindungsmuster finden sich demnach nur dort, wo das Überleben gefährdet ist, oder aber auch, wo die sozioökonomische Lage nicht der Mittelschicht entspricht, letzteres aufgrund der impliziten Annahme, dass eine unsichere ökonomische Lage gleichbedeutend mit defizitärem Elternverhalten sei. Und natürlich wird impliziert, dass sichere und unsichere Bindung inklusive ihrer Verhaltensäußerungen, wie sie in der Bindungstheorie definiert sind, kulturübergreifend gültig sind.

Die Kompetenzhypothese besagt, dass sichere Bindung zu positiven Entwicklungsergebnissen in verschiedenen Entwicklungsbereichen führt. Nachdem hier zunächst nur die sozialemotionale Entwicklung angesprochen wurde, werden inzwischen Voraussagen gemacht und Zusammenhänge untersucht, die sich nicht aus der Theorie ableiten lassen. Dies wird inzwischen auch von manchen Bindungsforschern so gesehen, wie z.B. Ross Thompson (2017, 2018).

Zuweilen wird die Explorations – Bindungsbalance als weitere Grundannahme formuliert. Diese Annahme postuliert die allgemeine Gültigkeit einer exklusiven Beziehung zwischen Bindungs - und Explorationsverhalten. Ist das Bindungssystem aktiv, d.h. das Kind mit Bindungsverhaltensweisen beschäftigt, ist das Explorationssystem inaktiv und umgekehrt – exploriert das Kind, ist das Bindungssystem inaktiv. Auch dieser Zusammenhang basiert auf einer impliziten Annahme, nämlich dass Exploration kulturübergreifend die gleiche Bedeutung und den gleichen Stellenwert für das Bindungssystem hat. Dass dies nicht der Fall ist, haben Fred Rothbaum und Kolleg*innen (2000) am Beispiel der japanischen Kultur demonstriert. Sie haben argumentiert, dass Anpassung (accomodation) für japanische Kinder anstelle der Exploration steht. Im Übrigen ist das Konzept der Exploration, wie es in der Bindungsforschung verwendet wird, sehr unsauber formuliert und entspricht nicht seinem sonst üblichen Gebrauch. In der Bindungstheorie geht es eher um allgemeines Spiel, was nicht identisch mit Exploration ist (Keller, 2019a).

Im Folgenden werden die impliziten, bzw. selbstverständlichen Annahmen näher ausgeführt, um daraus das zugrundeliegende Menschenbild und Erziehungsideal zu konstruieren.

Selbstverständliche Annahmen der Bindungstheorie[1]

Wie bereits gesagt, basiert die Bindungstheorie auf der Annahme, dass nur Erwachsene Bindungspersonen für kleine Kinder sein können. Das ist im Familienmodell der westlichen Mittelschicht begründet, wo kleine Kinder primär von der Mutter und in Vertretung auch vom Vater versorgt und betreut werden. Das ist deutlich anders in vielen Teilen der Welt, wo häufig Kinder in Kindergruppen aufwachsen und auch von Kindern versorgt und betreut werden. Dies trifft besonders auf Großfamilien in traditionellen Dörfern der nicht westlichen Welt zu, die immerhin einen geschätzten Anteil von 30-40 % der Weltbevölkerung ausmachen (s. ausführlich dazu Keller, 2019a; Keller & Chaudhary, 2017).

Eine weitere selbstverständliche Annahme ist, dass kleine Kinder eigentlich nur eine wichtige Bindungsbeziehung eingehen können, in jedem Fall aber nur wenige. Wenngleich die sog. Monotropieannahme (ein Kind kann nur eine bedeutsame Bindungsbeziehung entwickeln, in der Regel mit der Mutter) auch als hinfällig gilt, ist die Praxis jedoch so, dass in aller Regel die Mutter ungeprüft in Forschung und Anwendungszusammenhängen als Hauptbezugsperson angesprochen wird. Schmidt et al. (unter Begutachtung) identifizierten 49 Untersuchungen mit 6-24 Monate alten Kindern, in denen die Bindungsqualität der Kinder mit der Fremde-Situation oder dem Q-Sort-Verfahren in nicht westlichen Kontexten untersucht wurde. In 83 % der Stichproben wurde nur die Mutter als Bindungsperson untersucht und in sogar nur 15 % der Untersuchungen war die Mutter vorher als primäre Bezugsperson identifiziert worden. Die Beschränkung auf eine bzw. wenige Bezugspersonen wird damit begründet, dass die Toleranz für soziale Beziehungen bei kleinen Kindern sehr begrenzt sei und dass die Anwesenheit vieler Personen das kleine Kind überfordere und stresse.

Wenn mehrere Bindungspersonen angenommen werden, werden sie in eine Hierarchie gebracht und eventuell mit verschiedenen Bindungsfunktionen versehen. Dabei wird die Funktion der psychobiologischen Regulation als die wichtigste Funktion (in der Regel durch die Mutter ausgeführt) betrachtet, im Vergleich mit einer spielerischen und eher stimulierenden Funktion, die häufig Vätern zugeschrieben wird. Gaskins und Kolleg*innen identifizieren einen privilegierten Zugang zum sozialen Lernen als eine Bindungsfunktion, die von Bindungsforscher*innen in der Regel nicht als eigene Funktion betrachtet wird. Dieser Aspekt wird implizit angesprochen, wenn eine sichere Bindung als Voraussetzung für Bildung betrachtet wird, was in dem populären Slogan “keine Bildung ohne Bindung“ zum Ausdruck kommt.

Kinder, die in traditionellen dörflichen Großfamilien aufwachsen haben häufig Betreuungsnetzwerke, die in ihrer Größe variieren, ganz verschieden zusammengesetzt sein können und deren Rollen spezialisiert oder generalisiert sein können. In manchen Kontexten spielt die Mutter die wichtigste Rolle und wird von anderen Personen unterstützt, in anderen Kontexten ist sie möglicherweise eine unter mehreren, in anderen mag sie ihr Kind nur stillen und in manchen Kontexten kann sie auch wenig sichtbar im Beziehungsnetzwerk sein. Für alle diese und weitere Varianten gibt es dokumentierte Beispiele (s. mehr dazu Keller & Chaudhary, 2017; Otto & Keller, 2014; Quinn & Mageo, 2013).

Die Konstellation von Personen in einem Beziehungsnetzwerk bestimmt die Kommunikationsstruktur, die ebenso vielfältig sein kann wie die Zusammensetzung des Netzwerkes. Die Bindungstheorie geht jedoch davon aus, dass die beste Kommunikationsform exklusiv dyadisch ist, in der sich die eine erwachsene Bezugsperson ausschließlich auf ein Kind konzentriert und prompt, angemessen und sensitiv auf alle kindlichen Signale reagiert. Impliziert ist eine Konzentration auf das face-to-face Verhalten und den Blickkontakt als Kommunikationskontext und Sprache im Modus eines quasi Dialogs. Der Verhaltensstil der Bezugsperson soll responsiv/reaktiv sein, d.h. das Baby äußert ein Verhalten und nach dessen Ende reagiert die Bezugsperson in einem intuitiven Zeitfenster von weniger als einer Sekunde. Das erlaubt dem Baby Kausalitätserfahrungen zu machen, d.h. sich als selbstwirksam zu erleben und die soziale Umwelt als vorhersagbar. 

In vielen kulturellen Kontexten, besonders traditionell dörflichen, ist das dyadische Kommunikationsformat unpopulär, da sozial gelungene Kommunikation multipel und polyadisch angelegt ist. Das bedeutet, dass verschiedene Personen gleichzeitig miteinander kommunizieren. In dieses Kommunikationsnetzwerk sind Kinder aktiv, indem sie auch kommunizieren und passiv, indem sie Kommunikation anderer Personen beobachten, eingebunden. Das (quasi) Dialog Format ist nicht das einzig mögliche, da z.B. Interesse an einem Gespräch in bestimmten hawaianischen Kontexten durch gleichzeitiges Sprechen ausgedrückt wird (s. dazu ausführlicher Keller, 2019a; Keller & Chaudhary, 2017). Synchrone anstelle abwechselnder (turn taking) zeitlicher Kommunikationsmuster ist auch bereits in Interaktionen mit wenige Wochen alten Säuglingen festgestellt worden, z.B. in Indien (Gratier, 2003) oder bei den kamerunischen Nso (Keller et al, 2008). Verhalten kann auch antizipatorisch sein, wenn z. B. bei den Nso bereits gestillt wird, bevor das Baby offen Anzeichen von Unruhe zeigt, während bei deutschen Mitteschichtfamilien z.B. das Baby zuerst deutliche Signale senden muss, die oft auch noch verbal kommentiert werden, bevor das Baby gestillt/gefüttert wird (Keller, 2007).

Der dominante Verhaltenskanal in diesem Kommunikationsmodell ist proximal, das heißt es gibt große Anteile von Körperkontakt und Körperstimulation. Das impliziert eine besondere Bedeutung nonverbaler Kommunikation. Die Aufmerksamkeitsstruktur ist häufig verteilt, d.h. der Aufmerksamkeitsfokus ist nicht auf ein Objekt/Situation ausgerichtet, sondern auf mehrere, da gleichzeitig mehrere Aufgaben bewältigt werden. Das ist dann so organisiert, dass die visuelle Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit ausgerichtet ist und die motorische Aufmerksamkeit auf das Baby. So werden viele körperliche Signale wahrgenommen und auch mit körperlichen Reaktionen beantwortet. Auf diese Weise machen Babys ebenfalls Kausalitätserfahrungen durch kontingente körperliche Reaktionen, wie Chapin (2013) z.B. in Sri Lanka gezeigt hat.

In verschiedenen dieser ländlichen Kulturen, z.B. in den Dörfern Madagaskars (Scheidecker, 2017) oder des Senegals (Rabain – Jamain, 2001) ist gezeigt worden, dass sich die Kommunikationsformen zwischen Kindern und zwischen Kindern und Erwachsenen deutlich voneinander unterscheiden. Interaktionen zwischen Erwachsenen und Kindern sind hierarchisch strukturiert und sozial stark formatiert, während die Kommunikation unter Kindern gleichberechtigt ist. So lernen Kinder aus diesen traditionellen dörflichen Kontexten mehrere Kommunikationsformate gleichzeitig.

Bindung wird allgemeinverbindlich als emotionales Band zwischen zwei Menschen definiert. Abgesehen davon, dass dies eine sehr unklare Definition ist (s. unten), gibt es große kulturelle Unterschiede in der Definition, dem Ausdruck und der Rolle von Emotionen in der Entwicklung und im Alltagsleben (Matsumoto & Hwang, 2019). Das selbstverständliche Verständnis der Bindungstheorie ist, dass Kinder überall auf der Welt Emotionen frei äußern und damit ihr Befinden ausdrücken. Das wird auch in dem Fremde-Situation-Test vorausgesetzt. Fremdenfurcht gehört aber z.B. nicht überall zum Verhaltensrepertoire kleiner Kinder.

Bei den Beng an der Elfenbeinküste (Gottlieb, 2004) oder den Westkamerunischen Nso (Otto, 2014) kann Fremdenfurcht nicht beobachtet werden. Obwohl man sicher davon ausgehen kann, dass Kinder mit einer Prädisposition Fremdenfurcht zu entwickeln, ausgestattet sind, hängt es jedoch von den Sozialisationserfahrungen ab, ob diese auch ausgebildet wird. Das dichte Dorfleben und die hohe Fluktuation von Personen im Alltagsleben scheint eine Bedingung zu sein, die nicht zur Entwicklung von Fremdenfurcht führt. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass lediglich der Ausdruck durch Sozialisationserfahrungen unterdrückt wird, da Emotionsausdruck und Emotionserleben miteinander verknüpft sind. Sicherlich gibt es noch mehr als selbstverständlich erachtete Annahmen – die hier aufgeführten sind jedoch aus einer kulturvergleichenden Perspektive besonders bedeutsam.

Es ist wichtig festzuhalten, dass es nicht eine einzige alternative Strategie zur westlichen Mittelschicht Philosophie gibt. Die hier berichteten Beispiele entstammen überwiegend aus traditionell lebenden dörflichen Großfamilien der nicht westlichen Welt. Diese Gemeinschaften haben schon immer das Interesse von Kulturanthropolog*innen und – Psycholog*innen auf sich gezogen, sodass hier eine vergleichsweise gute Befundlage vorhanden ist. Einige wenige Untersuchungen liegen auch zu Sozialisationsprozessen bei Jägern und Sammlern und anderen kulturellen Gruppen vor (z.B. Hewlett, 2017; Morelli et al., 2014), die sich von denen der Bauernfamilien auf verschiedenen Dimensionen unterscheiden, allerdings liegen auch erhebliche Unterschiede zu den westlichen Mittelschichtfamilien vor. Insgesamt bedeutet dies, dass die Universalitätsannahme der Bindungstheorie nicht zutrifft. Das hat natürlich Auswirkungen auch auf die anderen Annahmen. Bindung, und Bindungssicherheit bedeutet Unterschiedliches in unterschiedlichen Kulturen (Normativitätsannahme), ebenso wie angemessenes bzw. unangemessenes Elternverhalten (Senstivitätsannahme). Die Kompetenzannahme müsste hinsichtlich der jeweiligen kulturellen Kompetenzdefinition, die mit Bindungssicherheit oder deren Äquivalent in Verbindung gebracht wird, ausgearbeitet werden. Es ist verschiedentlich gezeigt worden, dass der zeitliche und inhaltliche Entwicklungsverlauf, so wie er in Lehrbüchern ebenfalls als universell dargestellt werden, kulturell stark variiert (Keller & Kärtner, 2013).

Die Bindungstheorie ist also bei genauerer Betrachtung eine monokulturelle Konzeption, die zu Unrecht Universalität reklamiert. Die ungeprüfte und unkritische Anwendung der Bindungstheorie in Sorgerechtsentscheidungen bis zur Kitapraxis ist also irreführend und auch unethisch, da sie als besser als andere Erziehungsstrategien bewertet wird (Rosabal-Coto et al., 2017; Morelli et al., 2018). Die kulturelle Blindheit ist allerdings nicht das einzige Problem der Bindungstheorie, wie im Folgenden gezeigt wird.

Bindung: Theorie oder zufällige Annahmen?

Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob die Bindungstheorie tatsächlich eine Theorie im wissenschaftlichen Verständnis dieses Begriffs ist. Dazu muss man die Kriterien für eine gute wissenschaftliche Theorie anlegen. Die üblicherweise angelegten Kriterien (z.B. Cramer, 2013) werden im Folgenden in Bezug auf die Bindungstheorie geprüft.

Geltungsbereich/Weite

Ross Thompson (2017) argumentierte, dass die Bindungstheorie als eine Theorie mit großem Geltungsbereich eine löbliche Ausnahme in der Psychologie sei, wo thematisch engere themenspezifische Theorien vorherrschten. Er begründete seinen Standpunkt mit der Ausweitung vom Kleinkindbereich auf Erwachsene und ihre Beziehungsdynamik, den Einbezug der Psychopathologie, der Hirnforschung, verschiedenen Anwendungsbereichen und anderem mehr (S. 302). Allerdings sagt er dann später selbst, die Bindungstheorie wäre wie ein Schirm über Bindungsminitheorien in den genannten Bereichen.

Das stellt natürlich die Bewertung als weite Theorie infrage. Die Minitheorien sind häufig inhaltlich gar nicht mit den Kernannahmen der Bindungstheorie in Zusammenhang zu bringen, wie z.B. Bindungsqualität und risikoreiches Fahrverhalten (z.B. Meins, 2017). Weiterhin stehen die Minitheorien unverbunden nebeneinander und bilden kein geschlossenes System. Zum Beispiel kann man die Übertragung von der Bindungsrepräsentation der Mutter auf die Bindungsqualität des Kindes nicht erklären (transmission gap).

Ross Thompson sagt selbst, dass Bowlby’ s Theorie nicht immer klar sei und einige zentrale Konzepte nicht verschwommen definiert seien und daher verschieden ausgelegt werden können (2017 S. 303). Er kommt sogar zu dem Schluss, dass es schwierig sei zu sagen, was die Bindungstheorie eigentlich aussagen würde (2017, S. 303). Aufgrund all dieser Ungereimtheiten kann die Bindungstheorie nicht als Theorie mit einem großen Geltungsbereich bewertet werden.

Präzision und Testbarkeit

Diese Kriterien besagen, dass eine gute Theorie aus klar definierten Konzepten besteht, die eng miteinander verbunden sind und offen für Überprüfung und gegebenenfalls Falsifikation der abgeleiteten Hypothesen (s. Cramer, 2013). Die meisten der zentralen Konzepte der Bindungstheorie sind nicht klar definiert. Es fängt schon mit der Definition von Bindung an. Ist Bindung die erste wichtige Beziehung eines Kindes, wie ursprünglich von Bowlby konzipiert, oder ist es ein Konzept, das lebensspannenübergreifend ist, und auch auf romantische Beziehungen zutrifft (zu allen Aspekten s. Cassidy & Shaver, 2016).

Die Problematik der Definition von Bindung als emotionalem Band wurde bereits angesprochen. Am gravierendsten ist jedoch, dass Bindung als Persönlichkeitsmerkmal behandelt wird, das Voraussagen auf die spätere Entwicklung in verschiedenen Bereichen ermöglicht (Kompetenzannahme). Tatsächlich können sich Bindungsklassifikationen in relativ kurzen Zeitabschnitten (z.B. 6 Monaten) verändern. Bindung ist zudem von der Definition her ein Beziehungsmerkmal, das spezifisch für ein Kind und eine Bezugsperson ist. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Kind z.B. unterschiedliche Bindungsqualitäten mit Mutter und Vater haben kann (z.B. O´Connor, 2014).

Ein weiteres unklar definiertes Konzept ist das interne Arbeitsmodell als Repräsentation der Bindungsbeziehung, das mit 3-4 Jahren ausgebildet sein soll. Ross Thompson (2017) bemerkt, dass unter Bindungsforscher*innen keine Einigkeit darüber herrsche, was das interne Arbeitsmodell sei, wie es funktioniere und wie es sich entwickele. Er nennt u.a. ein psychoanalytisches Konzept eines dynamischen Unbewussten, oder ein vorsprachliches kognitives Wahrnehmungsschema, eine emotionale Grundeinstellung u.a. Weiterhin ist unklar, wie die möglichen unterschiedlichen Bindungsqualitäten mit verschiedenen Personen zusammenwirken und in einem Arbeitsmodell abgebildet sind.

Auch das Konzept der Sensitivität ist unklar, was auch von manchen Bindungsforschern auch gesehen wird (Thompson, 2017, 2018). Andere Bindungsforscher*innen halten an der Universalität des Sensitivitätskonzeptes fest. Judi Mesman und Kolleginnen (2017) z.B. argumentieren, dass in der ursprünglichen Ainsworth’chen Skala die Wärmedimension nicht enthalten sei und die Definition daher universell gültig. Wärme wird auch von diesen Autorinnen als kulturell variables Konzept betrachtet. Allerdings ist diese Argumentation sehr zweifelhaft, da es natürlich eigene Wärmeskalen gibt, die mitberücksichtigt werden müssen und in neueren Auslegungen des Sensitivitätskonzeptes Wärme immer explizit enthalten ist. Das Sensitivitätskonzept mit allen seinen Facetten ist im psychologisch autonomen Weltbild verortet mit der Primarität des Babywillens – und das ist offensichtlich keine universell gültige Annahme (s. dazu Keller et al., 2018).

Das Kriterium der Testbarkeit bezieht sich auf die Genauigkeit der Instrumente, die das Konstrukt messen sollen. Auch dieses Kriterium ist nicht erfüllt, da durchaus nicht immer Einigkeit bei der Vergabe von Bindungsklassifikationen unter Bindungsforscher*innen herrscht. Dazu kommt ein grundsätzliches Problem, nämlich der Konfundierung von Theorie und Methode. Bindungsforscher*innen akzeptieren als Bindungsforschung nur solche Untersuchungen, die mit den von ihnen entwickelten Methoden durchgeführt wurden. Das ist z.B. der Fremde-Situation-Test, der von Mary Ainsworth und Mitarbeiter*innen auf der Grundlage von intensiven häuslichen Beobachtungen entwickelt worden war. Ainsworth selbst war enttäuscht, dass das Verfahren naturalistische Beobachtungen gänzlich verdrängte (s. dazu Keller, 2013).

Ein weiteres populäres Verfahren ist das Attachment Q-Sort (Vaughn & Waters, 1990), wo Beobachtungen in natürlichen Situationen anhand eines Sets definierter Verhaltensweisen, die aus der Bindungstheorie abgeleitet sind, beurteilt werden. Zuweilen werden auch Familienzeichnungen von Kindern anhand vorgegebener Kriterien in Bezug auf Bindungssicherheit beurteilt (Fury et al., 1997).

Bei allen Verfahren wird kulturunabhängige Gültigkeit angenommen. Dass dies eine falsche Annahme ist haben Gernhardt und Kolleg*innen (2017) anhand kindlicher Familienzeichnungen demonstriert. Sie konnten zeigen, dass die vorgegebenen Kriterien dazu führten, dass fast alle kamerunischen Kinder als unsicher gebunden hätten klassifiziert werden müssen. Ihre Zeichnungen waren allerdings im Einklang mit dem kulturell normativen Personenkonzept. 

Sparsamkeit

Eine Theorie ist sparsam, wenn sie aus wenigen Annahmen besteht, die untereinander und mit dem infrage stehenden Konstrukt verknüpft sind. Dieses Kriterium soll die Falsifizierbarkeit einer Theorie erleichtern. Die Bindungstheorie hat wenige Kernannahmen, die aber nicht logisch miteinander verknüpft sind. Wie bereits ausgeführt, haben die Bindungsforscher*innen auch kein Interesse daran, die Theorie zu falsifizieren, um sie dann weiter zu entwickeln, sondern sind hauptsächlich daran interessiert, ihre Gültigkeit zu bestätigen (s. Mesman et al., 2016).

Empirische Gültigkeit

Dieses Kriterium betrifft die Güte der Kontrolle und Vorhersage von Verhalten, das mit dem Konstrukt in Beziehung steht. Cramer (2013) argumentiert, dass das Widerlegen einer Theorie wissenschaftlich bedeutsamer sei als ihre Bestätigung, da nur so Weiterentwicklung möglich sei. In diesem Sinne zitierte Urie Bronfenbrenner, der Begründer der ökologischen Wende in der Psychologie seinen Lehrer W. F. Dearborn: "Bronfenbrenner, wenn Sie etwas verstehen wollen, müssen sie versuchen, es zu ändern" (Bronfenbrenner 1981, S. 54). Daran haben Bindungsforscher*innen überhaupt kein Interesse. Ganz im Gegenteil, Ergebnisse, die nicht in die Theorie passen, werden auf ungenaue Durchführung oder Auswertung der standardisierten Verfahren zurückgeführt.

In der Summe der Betrachtung dieser Kriterien, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Bindungstheorie keines der Kriterien für eine wissenschaftlich fundierte Theorie erfüllt. Es handelt sich vielmehr um eine Sammlung von Annahmen, die auf zufälligen und/oder falschen Annahmen beruhen. Das betrifft auch die evolutionäre Verankerung, die Adaptivität und Schimpansen als Modell der menschlichen Entwicklung, was im nächsten Abschnitt diskutiert wird.

Bindungstheorie: Vergangenheit und Zukunft

Die Bindungstheorie ist, wie jede Theorie, in einem bestimmten soziohistorischen Zusammenhang entstanden (Vicedo, 2013). Sie stellte ohne Zweifel einen bedeutsamen Perspektivenwechsel in der Betrachtung der kindlichen Entwicklung dar. Diese historische Bedeutung wird immer bleiben. Allerdings ist sie, anders als jede andere Theorie, mit der Zeit nicht weiterentwickelt oder verändert worden. Bindungsforscher*innen bestehen nach wie vor auf der uneingeschränkten Gültigkeit der ursprünglichen Annahmen (z.B. Cassidy, 2016; Mesman et al., 2016).

Das ist umso erstaunlicher, da Bowlbys Annahmen auf einer sehr selektiven Verarbeitung von Erkenntnissen in verschiedenen Bereichen gehörten (meist bezog er sich auf Personen, die er kannte und schätzte), die zudem unklar oder falsch wieder gegeben wurden (s. ausführlich dazu Keller, 2019a). Hier sollen kurz drei Aspekte erwähnt werden, das falsche Verständnis der evolutionären Theorien und des Konzeptes der Adaptation, sowie die Fehlinterpretation der Rolle und Funktion von Schipansen für die menschliche Entwicklung.

Die evolutionäre Sichtweise, auch der menschlichen Entwicklung ist auf Reproduktionserfolg ausgelegt. Wohlbefinden oder Sicherheit sind keine Konzepte, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Belsky et al. (1991) und Chisholm (1999) haben deutlich gemacht, dass auch unsichere Bindung eine optimale Strategie zu optimalem Reproduktionserfolg sein kann, ohne dass diese Erkenntnisse in eine Reformulierung der Theorie aufgenommen wurden. Der Kontext, der die Reproduktionsstrategie bestimmt, findet in der Bindungstheorie nur Eingang mit dem Konzept der Sensitivität, das jedoch in seiner Definition festgelegt ist. Bei all der dokumentierten Unterschiede von Kontexten, kann nicht eine Definition von Sensitivität die optimale Lösung für alle sein, zumal die zuvor genannten Autor*innen unterschiedliche Entwicklungspfade zu sicherer und unsicherer Bindung, vermittelt durch unterschiedliche elterliche Strategien, aufgewiesen haben. Auch die Annahme, dass sichere Bindung, die am weitesten verbreitete sei (Normativitätsannahme) übersieht die vorhandene kontextuelle Variabilität.

Das hängt auch mit dem Missverständnis bezüglich des Konzeptes der Adaptation zusammen – was adaptiv ist, sollte universell gültig sein. Dies ist aber nicht der Fall, wie z.B. die Sichelzellenanämie zeigt. Sie ist nur in Malariagebieten adaptiv, in anderen Umwelten ist sie eine schädliche Bedingung.

Bowlby ist davon ausgegangen, dass Schimpansen, die eine starke Mutter – Kind Bindung aufweisen, das Modell für die menschliche Entwicklung darstellten. Damit griff er willkürlich eine Art aus den Hunderten vorhandener nicht menschlicher Primatenarten mit einer großen Variabilität der Aufzuchtsmodelle, heraus (s. dazu ausführlich Myowa & Butler, 2017). Obwohl einige Bindungsforscher diese Probleme durchaus sehen, finden sie keinen Eingang in die Kernannahmen der Theorie.

Die Bindungsforscher, die große Veränderungen der Theorie über die letzten 50 Jahre konstatieren, beziehen sich auf die vorne erwähnen Minitheorien, die thematische Erweiterungen enthalten, nicht aber auf die Kernannahmen. Insbesondere Ross Thompson (2017; 2018) und Robbie Duschinsky und Kollegen (2018) haben viele der vorher kritisch diskutierten Aspekte ebenfalls moniert, konstatieren aber große Veränderungen über die letzten Jahrzehnte und halten an der Gültigkeit der ursprünglichen Theorie fest, was Marga Vicedo (2017) zu der berechtigten Frage veranlaßte “But what is attachment today?”

Schlußfolgerung

Bei kritischer Betrachtung bleibt also nicht viel von der Bindungstheorie übrig. Sie repräsentiert die Ideologie der westlichen Mittelschicht. Das wäre kein Problem, würde nicht wissenschaftliche Fundierung und universelle Gültigkeit reklamiert. Die Bindungstheorie ist die am weitesten verbreitete Grundlage für Familienberatung und Therapie, Sorgerechtsentscheidungen, pädagogische Programme, Interventionsstudien in aller Welt. Damit stellen sich substanzielle ethische Fragen. Familien und elterliches Verhalten werden auf der Grundlage der Bindungstheorie bewertet und verurteilt und damit viel Leid angerichtet (s. Rosabal-Coto et al., 2017; Gaskins et al., 2017; Gaskins, Keller, 2019; Keller, 2019). Zum jetzigen Zeitpunkt wird keine alternative Theorie benötigt, sondern eine Ausweitung der empirischen Basis für kontextuell begründete Bindungskonzeptionen und Entwicklungen. Ein Modell kann nicht für alle Kinder und Familien mit den vielfältigsten Lebensbedingungen das Beste sein.

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[1] Der folgende Text ist in Anlehnung an Keller 2019b verfasst

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