Zitiervorschlag

Rezension

Brigitte Weninger, Bine Penz: Gute Nacht kleines Schaf! Innsbruck, Wien: Tyrolia Verlag 2020, 22 Seiten, EUR 9,95 – direkt bestellen durch Anklicken

Vor mir liegt ein kleines Pappbilderbuch für Kinder ab ca. 18 Monaten, für Krippe und Familie. Wie soll ich meine Begeisterung für dieses Buch beschreiben? Es ist einzigartig, lustig, lehrreich, unterhaltsam und ansprechend, es fordert zum Mitmachen auf – eine Eigenschaft, die bei den meisten Bilderbüchern fehlt –, gibt Denkanstöße, weckt die Sprach- und Sprechfreude, und in der Wiederholung der Betrachtung versteckt sich noch eine besondere Würze! Zusammengefasst: Kinder, Eltern und Erzieher/innen brauchen dieses Buch!

Die wunderbaren, farbenfrohen Bilder von Bine Penz geben viele, viele Impulse. Durch das Büchlein führt das kleine Schaf. Es wird begleitet vom kleinen Bären, seinem Kuscheltier. Ein Kuscheltier ist etwas ganz Wichtiges, gerade wenn es um eine Gutenachtgeschichte geht.

Beim Sonnenuntergang schaukelt das kleine Schaf noch. Damit es nach Hause findet, wird das Kind aufgefordert: Zeig dem kleinen Schaf den Heimweg! Mit dem Finger kann das Kind den Weg von der Schaukel zum Haus nachfahren und dabei allerhand entdecken: Da steht noch der Sandeimer mit der Schaufel, das Dreirad ist am Wegrand geparkt, ein Schmetterling fliegt durch die Lüfte, eine Schnecke kriecht in Richtung des Hauses, der Sonnenball geht schon unter. Ob das kleine Schaf alle Spielsachen mit zum Haus nehmen wird? Ob es auch noch in den roten Briefkasten schaut? Wird es an der Klingelschnur ziehen, damit ihm jemand die Tür aufmacht? Da ist ein kleiner Vogel auf dem Dach des Hauses. Singt er vielleicht ein Abendlied? Alles Spekulationen, über die man mit dem Kind sprechen kann.

Auf der folgenden Seite bekommt der Betrachter Antworten auf einige dieser Fragen: Der Schmetterling hat sich auf dem Zaun niedergelassen, ein Marienkäfer fliegt an ihm vorbei, auf dem Briefkasten steht der Name Mäh – so könnte ja ein Schaf heißen. Das kleine Schaf ist nicht groß genug, um an die Klingelschnur fassen zu können. Wieder die Aufforderung: Hilf dem kleinen Schaf beim Klingeln! Und noch jemand ist auf dem Bild. Es ist grün. Wer ist es?

Auf der nächsten Doppelseite zeigt sich, dass das kleine Schaf hungrig ist. Wer stellt den Salat auf den Tisch?

Wie bei Kindern ist es auch beim kleinen Schaf: Es will nicht ins Bett, es ist noch nicht müde. Auch muss das Spielzeug noch aufgeräumt werden: Leg alle Spielsachen in die Kiste! Das betrachtende Kind kann diese benennen, vielleicht sogar schon zählen. Was sollte nicht in die Spielzeugkiste? Ganz sicher nicht der Bär, denn zum Einschlafen braucht man doch ein Kuscheltier. Und was ist mit dem Buch? Stecken da vielleicht Gutenachtgeschichten drin?

Mehr erfahren Sie jetzt nicht, schließlich sollen Sie sich ja das Buch besorgen, es betrachten und viel Freude daran haben. Und dann schauen Sie es erst mit dem Kind an! Es muss nicht das ganze Buch auf einmal sein. Es baut sich ja Spannung auf, und das Kind muss warten lernen. Wie wird es morgen weitergehen?

Wenn das ganze Buch betrachtet und gelesen wurde, dann fängt die Geschichte wieder von vorne an. Eine wunderbare Kommunikation entwickelt sich zwischen Kind und Erwachsenem durch die sich wiederholende Aufforderung zum Mitmachen, zum Helfen. Es handelt sich also nicht um ein Bilderbuch, das man einmal vorliest, und dann ist es quasi „verbraucht“. Im Gegenteil, es ist ein häufig einsetzbarer „Einschlafbegleiter“! Und bald wird das Kind dem Erwachsenen immer wieder die Geschichte erzählen...

Ideen zum weiteren Einsatz dieses und anderer Bilderbücher finden Sie zum Download auf: tyroliaverlag.at/schatzkiste

Ingeborg Becker-Textor



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

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