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Zitiervorschlag

Rezension

Veronika Demes, Judith Loske, Michael Graber-Dunow: Jori, Urma und Herr Brause. Ein Kinderfachbuch über Altenheime. Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag 2020, 57 Seiten, EUR 16,85 – direkt bestellen durch Anklicken

Das von der ehemaligen Erzieherin Veronika Demes verfasste und von Judith Loske ansprechend illustrierte Bilderbuch berichtet von Jori, der zusammen mit seiner Mutter die Urgroßmutter im Altenheim besuchen will. Zunächst malt er ein Bild, das er ihr schenken will, und denkt darüber nach, was eine Uroma ist. Da er das Wort noch nicht richtig aussprechen kann, sagt er stattdessen immer „Urma“. Dann wird der Besuch im Seniorenheim geschildert – wo die Menschen sehr alt, schwach, behindert und pflegebedürftig sind, aber alle ein eigenes Zimmer haben und Gemeinschaftsräume nutzen können. Jori begrüßt Urma, denkt über ihr Leben nach und lässt sich dann von seiner Mutter erzählen, dass seine Urgroßmutter früher auf einem Bauernhof lebte und dort schwer arbeiten musste.

Als die Mutter beginnt, aus der Zeitung vorzulesen, geht Jori auf Entdeckungstour. Zunächst trifft er auf Herrn Brause, der im Rollstuhl vor einem Käfig mit zwei Wellensittichen sitzt. Er hilft beim Füttern und überlegt, welchem Beruf Herr Brause wohl früher ausgeübt hat – war er Direktor eines Flohzirkus? Oder ein Rennwagenfahrer? Als Herr Brause beginnt, zu singen und dazu auf einer kleinen Harmonika zu spielen – war er vielleicht ein Musiker und sogar ein Superstar? –, kommt Frau König dazu, die einen Ring mit einem großen Edelstein trägt. War sie wohl eine echte Königin?

Nachdem Jori noch Bonbons geschenkt bekommen hat, verabschiedet er sich und geht zum Zimmer seiner Uroma zurück. Da diese inzwischen eingeschlafen ist, macht er sich gleich mit seiner Mutter auf den Heimweg. Jori freut sich schon auf den nächsten Besuch im Altenheim, denn dann darf er seinen Freund Mads mitnehmen und gemeinsam mit den Bewohner/innen Waffeln backen.

Das Bilderbuch von Veronika Demes und Judith Loske vermittelt Kleinkindern einen ersten Eindruck vom Leben in einem Seniorenheim. Es kann beispielsweise vorgelesen werden, wenn ein Verwandter in ein Altenheim gekommen ist oder wenn eine Kita-Gruppe dort einen Besuch machen will (nur mit einigen Kindern, wenn diese einzeln oder zu zweit Senior/innen in ihren Zimmern aufsuchen sollen – ansonsten mit der ganzen Gruppe, wenn das Seniorenheim besichtigt, den Bewohner/innen vorgesungen, im Speiseraum gemeinsam ein Stück Kuchen gegessen oder im Gemeinschaftsraum miteinander gespielt werden soll). So wissen die Kinder schon, wie sich die Menschen dort verhalten und dass sie mit ihnen beispielsweise darüber sprechen können, welche Berufe sie früher ausgeübt haben und wie sich das Leben vor 60, 70 Jahren von dem heutigen unterscheidet.

Neben dem Bilderbuchteil (47 Seiten) enthält das „Kinderfachbuch“ noch einen zweiseitigen Fragebogen, in den Kinder Angaben über eine in einem Altenheim lebende Person eintragen können, und einen längeren Artikel von Michael Graber-Dünow, der seit mehr als 30 Jahren als Heimleiter tätig ist. Hier wird beschrieben, was Erwachsene beachten sollten, wenn sie mit Kindern ein Altenheim aufsuchen, wie sie ungewöhnliche Verhaltensweisen (z.B. von Demenzkranken) mit ihnen reflektieren können und wie sie reagieren sollten, wenn sie bei wiederholten Besuchen feststellen, dass Bewohner/innen z.B. einen Schlaganfall erlitten haben oder verstorben sind. Ferner enthält der Artikel allgemeine Informationen über Seniorenheime und ihr Image, über Probleme wie den Pflegenotstand sowie über Kriterien, die ein gutes Altenpflegeheim kennzeichnen.

Martin R. Textor

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