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Zitiervorschlag

Rezension

Sabine Weinberger, Helga Lindner: Faszination Spiel. Wie wir spielend zu Gesundheit, Glück und innerer Balance finden. Wiesbaden: Springer 2020, 168 Seiten, EUR 19,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

 

Sabine Weinberger und Helga Lindner stellen in ihrem Buch die große Bedeutung des Spiels für Personen jeden Alters heraus. Für sie ist das Spiel ein Erfahrungsraum, „in dem sich der Mensch wieder neu entdecken und lebendig fühlen kann“ (S. IX), in dem er Freude und Glücksmomente empfindet, neue (Lern-) Erfahrungen macht und seine Beziehungen zu anderen Menschen vertieft. Während er in Schule und Beruf nur hinsichtlich seiner Leistungen „gesehen“ und bewertet wird, kann er sich im Spiel mit all seinen Facetten und Eigenarten einbringen - hier wird er in seiner Individualität und Einzigartigkeit „gesehen“.

Das gut lesbare sowie mit vielen Abbildungen (inkl. Cartoons) und interessanten Fallbeispielen versehene Buch besteht im Grunde aus zwei Teilen.

Im ersten Teil wird zunächst betont, dass Menschen im Spiel „Faszination“ erleben - eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die z.B. mit Staunen, „Flow“, Trance, Fantasie, Kreativität und Achtsamkeit zusammenhängt und das Leben einer jeden Person bereichert. Dann werden unterschiedliche Facetten des Spiels anhand entsprechender Ausführungen von Historikern, (Kultur-) Philosophen, Hirnforschern und Psychologen herausgearbeitet. Hier wird z.B. betont, dass der Mensch ein Leben lang spielt, dass das Spiel ein grundlegendes Element unserer Kultur ist und andere kulturelle Leistungen erst möglich macht, dass sich im Spiel viele menschliche Fähigkeiten entfalten und es zu einer Auseinandersetzung mit Dingen und anderen Personen kommt und dass der Mensch im Spiel viele Bedürfnisse befriedigen und sich selbst besser kennenlernen kann.

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Bedeutung des Spiels für verschiedene Altersgruppen: Babys, Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Die jeweiligen Kapitel haben eine einheitliche Struktur: „Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die jeweilige Altersstufe mit ihren spezifischen Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen folgen Ideen und Beispiele, wie die Faszination im jeweiligen Lebensabschnitt ‚ins Spiel‘ gebracht werden kann. Für Interessierte werden dabei einzelne Wissensgebiete vertiefend dargestellt (‚Spielball Wissen‘). Nach einer Zusammenfassung (‚Auf den Punkt gebracht‘) wird auf etwaige Bedenken (‚Ja, aber‘) eingegangen. Jeder Abschnitt endet mit dem Angebot, sich seine gegenwärtige Lebenssituation in Hinblick auf Faszination und Spiel gedanklich anzuschauen (‚Gedankenspiele‘). Die einzelnen Kapitel werden mit einigen ausgewählten Büchern zum Weiterlesen und DVDs zum Anschauen (‚Bücher- und Filmkiste‘) abgerundet“ (S. X).

Beispielsweise wird im zweiten Teil des Buches betont, wie wichtig das freie Spiel für Kleinkinder ist: Hier erforschen sie die Natur und ihre Lebenswelt, machen Sinneserfahrungen und entwickeln eine Vielzahl von Kompetenzen. Aber auch Schulkinder benötigen noch große Freiräume, in denen sie (miteinander) spielen können. Sehr interessant sind die Ausführungen über die Bedeutung des Spiels für jüngere und ältere Erwachsene sowie für Senioren, die rund ein Drittel des Buches umfassen. Auf sie soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, weil diese Rezension in erster Linie für sozialpädagogische Fachkräfte in Kitas verfasst wurde.

Nicht zu übersehen ist, dass Sabine Weinberger und Helga Lindner Psychotherapeutinnen sind: So enthält das Buch auch viele erziehungs- und lebensberaterische Ideen und Empfehlungen. Vielleicht lassen sie sich so zusammenfassen: Ein eher spielerischer Zugang zum Leben macht glücklicher...

Martin R. Textor

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