Zitiervorschlag

Rezension

Connor Boyack: Die Tuttle-Zwillinge und der Ärger um die Imbisswagen. Zeichnungen von Elijah Stanfield. Rastede: Kinder der Freiheit 2019, 60 Seiten, EUR 9,95 – direkt bestellen durch Anklicken

Die neunjährigen Tuttle-Zwillinge Emily und Ethan, die irgendwo in den USA leben, haben vor dem Haus ihrer Eltern einen Stand errichtet, um selbst gemachte Limonade zu verkaufen. Dort hält auch ihre Freundin Amy mit ihrem Imbisswagen an, den die Kinder besichtigen dürfen. Amy erzählt, dass sie am Samstag vor dem Tigers Stadion stehen wird.

Emily und Ethan bitten ihre Eltern, mit ihnen zu dem Footballspiel zu gehen. Als sie dort ankommen, sehen sie viele Imbisswagen und beschließen, erst einmal das zu essen, worauf jede/r von ihnen Hunger hat. So teilen sie sich auf. Die Tuttle-Zwillinge gehen zu Amy, die Pizzastücke verkauft. Sie hat an ihren Imbisswagen ein Schild „zu verkaufen“ befestigt. Emily und Ethan fragen sie verwundert, wieso sie auf einmal den Wagen verkaufen will, obwohl sie doch so viele Kunden hat. Da erzählt Amy, dass die Stadtverwaltung eine ganze Reihe von Vorschriften erlassen habe, deren Befolgung mit für sie zu hohen Kosten verbunden wäre. Warum es auf einmal diese Vorgaben gäbe, wüsste sie nicht.

So leihen sich Emily und Ethan die Liste mit den Vorschriften aus und gehen zu anderen Imbisswagen. Bei ihren Erkundigungen erfahren sie, dass nicht nur Amy ihren Stand verkaufen muss – und dass Bob, der Besitzer der Restaurantkette „Bob’s Big BBQ“, die Vorschriften über seinen Freund, den Bürgermeister, erwirkt hätte, um die billige (und bessere) Konkurrenz loszuwerden. Die Lage spitzt sich zu, als ein Polizist eine neue Verordnung verteilt, nach der von nun an Imbisswagen einen Abstand von 600 Metern zum nächsten Restaurant einhalten müssen. Sie dürften in Zukunft nicht mehr am Tigers Stadion stehen. Ein „Bob’s Big BBQ“ befindet sich ganz in der Nähe...

Die Tuttle-Zwillinge sind empört über diese Ungerechtigkeit und wollen Amy und den anderen Imbisswagen-Besitzern helfen. Was sie unternehmen – und ob sie Erfolg haben – soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden!

Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren werden nicht nur die spannende Geschichte lieben, die sie dank der großen Schrift gut lesen können, sondern auch viel über die freie Marktwirtschaft lernen: Im Grunde geht es hier ja um Wettbewerb, staatliche bzw. behördliche Regulierungen, Protektionismus usw. Die Kinder lernen, wie Unternehmen funktionieren, dass sie auf Kapital angewiesen sind und einen Gewinn erzielen müssen. Diese Begriffe werden in einem kurzen Glossar erklärt. Ferner enthält das Buch ein Nachwort von Henry Hazlitt, eines im Jahr 1993 verstorbenen, einflussreichen amerikanischen Journalisten, in dem er sich an Eltern richtet und sie bittet, sich mehr mit Wirtschaftspolitik zu befassen und protektionistischen Bestrebungen entgegenzutreten.

Bedenkt man, dass der Wohlstand unserer Gesellschaft von Unternehmen geschaffen wird, ist es verwunderlich, wie wenig Kinder und Jugendliche in der Schule über die Wirtschaft lernen. So sollten Eltern, Lehrer/innen und Horterzieher/innen das interessante Buch von Connor Boyack, das von Elijah Stanfield auf jeder Doppelseite mit großen plakativen Zeichnungen illustriert wurde, für die ihnen anvertrauten Kinder besorgen. Und vielleicht motiviert es auch zu einem Projekt, bei dem die Schul- bzw. Hortkinder selbst ein Unternehmen gründen und ihre Produkte verkaufen. Beispiele für solche Projekte werden Sie im Internet bzw. in der einschlägigen Literatur finden...

Martin R. Textor



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

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