Zitiervorschlag

Rezension

Virginie Aladjidi, Emmanuelle Tchoukriel: Mammut, Urmensch, Höhlenbär. Leben in der Steinzeit. Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2021, 88 Seiten, EUR 16,00 – direkt bestellen durch Anklicken

Das Sachbuch der Journalistin Virginie Aladjidi, die bereits rund 50 Kinderbücher verfasst hat, und der Illustratorin Emmanuelle Tchoukriel, die sich auf medizinische und wissenschaftliche Zeichnungen spezialisiert hat, genügt vom Text und von den Abbildungen her höchsten Ansprüchen. Fachlich fundiert wird ein umfassender Überblick über die Entwicklung der verschiedenen Arten von Hominiden bis hin zum Homo sapiens gegeben, die während dieser Zeitepochen lebenden und zum Teil inzwischen ausgestorbenen Tiere beschrieben und das Leben der ersten Menschen in den drei Phasen der Steinzeit skizziert. Dies geschieht weitgehend auf 46 „Tafeln“, die eine oder zwei gegenüberliegende Din A4-Seiten umfassen. Jede Tafel mit Überschriften wie „Homo habilis“, „Rothirsch“, „Wollnashorn“, „Häuser der Jungsteinzeit“ oder „Felsbilder“ umfasst einen anspruchsvollen Text und mindestens eine naturgetreue Zeichnung, die mit Tinte und Aquarellfarben gestaltet wurde. Hinzu kommt ein achtseitiges Vorwort zu den Themen „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, „Die drei wichtigsten Abschnitte der Urgeschichte“, „Die Wanderungen der Gattung Homo“, „Wie sich der Mensch entwickelte“ und „Die Erforschung der Steinzeit“. Den Abschluss bilden Listen von Museen zur Urgeschichte und von Höhlen, in denen Steinzeitmenschen gelebt haben.

Die hohe Qualität des Sachbuchs ist auch daraus ersichtlich, dass Jean-Luc Rieu, der Kurator des Museums für Urgeschichte in Nemours, das wissenschaftliche Fachlektorat bei der französischen Erstausgabe übernommen hatte und Prof. Dr. Thomas Terberger, Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen, den Gerstenberg Verlag bei der deutschsprachigen Ausgabe beriet. So ist es verwunderlich, dass Verlag und Buchhandel Kinder ab 5 Jahren als Zielgruppe benennen. Meines Erachtens verstehen Kinder im späten Kleinkind- bzw. frühen Grundschulalter die Texte auf den Tafeln nicht. Zudem bildet jede Tafel eine Einheit für sich; es gibt also keinen Handlungsstrang oder eine „natürliche“ Abfolge. So sehe ich als Zielgruppe des Buches Jugendliche, die die Texte selbst lesen und die Inhalte in ihr Vorwissen integrieren können. Selbst Erwachsene werden den Tafeln viele für sie neue Informationen entnehmen und sich an den naturgetreuen Illustrationen erfreuen.

Sozialpädagogischen Fachkräften und Grundschullehrer/innen kann das Buch z.B. als Grundlage für ein Projekt zum Thema „Leben in der Steinzeit“ empfohlen werden. Aber auch, wenn Kinder von Dinosauriern berichten, kann es hinzugezogen werden, um ihnen zu zeigen, dass auch andere Tierarten vor Jahrtausenden ausgestorben sind. Schließlich kann es im Unterricht verwendet werden, wenn es um die Evolution des Menschen geht.

Martin R. Textor



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

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