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Zitiervorschlag

Individuelle Förderung in der Ganztagsschule. Interview mit Mona Beyg

 

Individuelle Förderung ist ein wichtiges Thema für die Gestaltung des Unterrichtes, da letztlich auch Lernprozesse individuell sind. Zu diesem Thema befragen wir Mona Beyg die Leiterin der Betriebskindertagesstätte „BaFin Knirpse“ in Bonn ist. Sie ist Erzieherin und studierte Bildungs- und Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz.

Wie definieren Sie individuelle Förderung und was bedeutet dies für die Praxis in Ganztagsschulen?

Ganz kurz gesagt, bedeutet für mich individuelle Förderung Chancengleichheit. Die individuelle Förderung in Ganztagschulen definiere ich als Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen. Diese Berücksichtigung hilft den Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten und Interessen weiterzuentwickeln.

Wie können Lehrkräfte SchülerInnen im Klassenverband individuell fördern?

Durch differenzierte Lernangebote, neue Formen des Lehrens und eine zunehmende Selbststeuerung von Lernprozessen durch die SchülerInnen. Fakt ist, dass Ganztagsschulen die effektive Lernzeit durch die Ausdehnung der regulären Schulzeit bei der spezielle Förderangebote stattfinden, begünstigen können. Durch eine andere Form der Rhythmisierung des Schulalltags, bietet sich die Chance, mehr Zeit zum effektiven Lernen zur Verfügung zu haben. Dadurch können SchülerInnen selbstständiger arbeiten und besser individuell gefördert werden. Durch Binnenrhythmisierung, wie Nutzung veränderter Arbeitsformen oder Methodenwechsel, sowie Entspannungsphasen und Freiräume, lässt sich das Kernpensum besser entzerren und anders verteilen. Dadurch würde sich eine passende und angenehme Lernumgebung gestalten lassen. Das wichtigste für die Umsetzung eines guten Ganztagsystems, mit individueller Förderung der SchülerInnen, ist die Kooperation aller Beteiligten und ein gemeinsames Verständnis von individueller Förderung.

Wie können Eltern die individuelle Förderung in der Schule unterstützen?

Beispielsweise durch ehrenamtliche Tätigkeiten wie das Angebot an Musik-, Sport- und Kreativaktivitäten oder die Unterstützung bei der Begleitung der Hausaufgabenbetreuung.

Bei welchen Rahmenbedingungen kann eine individuelle Förderung an Ganztagsschulen gelingen?

Als Rahmenbedingung sehe ich vorerst eine gute Personalstruktur und -qualifikation, beispielsweise durch die Unterstützung der LehrerInnen bei der regulären Unterrichtszeit, durch eine pädagogische Fachkraft. Allgemein ist das Gelingen der individuellen Förderung stark davon abhängig, ob multiprofessionelle Kooperationen vorhanden sind.

Wird durch eine gezielte individuelle Förderung eine Chancengleichheit unter den SchülerInnen gefördert? Gibt es hierzu schon Forschungsergebnisse?

Wenn eine Art von Bildung angeboten wird, die den unterschiedlichen Bildungsbedürfnissen von Kindern gerecht wird, sei es aufgrund von Migration, unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten, Behinderungen etc. dann wird die Chancengleichheit unter der Schülerschaft gefördert. Es gibt hierzu keine konkreten Forschungsergebnisse. Die Studien legen den Fokus auf „Schüler in schwierigen Lebens- und Bildungssituationen“ oder „Kinder aus schwierigen Verhältnissen“. Natürlich ist es wichtig und auch sinnig gerade Kinder und Jugendliche aus sozialen, familiären Brennpunkten oder Kinder mit Migrationshintergrund eine besondere Zuwendung zu schenken. Nur so kann ihnen die Chance eröffnet werden, von Anfang an gute Bildung zu bekommen. Doch generell sollte die Individualität im Schulsystem einen größeren Stellenwert erhalten. Studien zur individuellen Förderung, die auf eine Chancengleichheit hindeuten sind: Projekt „Ganztätig bilden. Eine Forschungsbilanz“ (BMBF, 2012), sowie das Forschungsprojekt „Individuelle Förderung in Ganztagsschulen - inwiefern gelingt sie bei Kindern in schwierigen Lebenssituationen? Studie zu Chancen und Problematiken besonderer erzieherischer Förderung in Ganztagsschulen“ der Westfälische Wilhelms-Universität Münster mit der Laufzeit 2008 bis 2010.

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