Zitiervorschlag

Inhalte, Botschaften und Empfehlungen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe für unter 3-jährige Kinder

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V.

 

Zahnärztliche Untersuchung und Prophylaxemaßnahmen

Eine erste zahnärztliche Untersuchung der Mundhöhle ab Durchbruch des ersten Zahns ist sinnvoll und wissenschaftlich empfohlen. Sie sollte ebenfalls Bestandteil gruppenprophylaktischer Maßnahmen sein. Die Entscheidung über die Art der Befundung, der Förderung der Mundgesundheit sowie der Prophylaxe liegt in der zahnärztlichen Verantwortung und erfolgt in Abhängigkeit von der Kooperationsbereitschaft des Kleinkindes.

Ziele und Aufgaben des Gruppenprophylaxe-Teams

Gruppenprophylaxe-Teams differenzieren zwischen Zielen in der Arbeit mit dem Kita-Team und Zielen der Elternarbeit: Während in der Kita der gesundheitsförderliche Kompetenzerwerb im Fokus steht, zielt die Elternarbeit auf deren Verantwortung für die Mundgesundheit ihrer Kinder ab.

Das Gruppenprophylaxe-Team hat unter zahnärztlicher Verantwortung folgende Aufgaben:

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Gruppenprophylaxe für diese Altersgruppe liegt in der Erreichung der Eltern und deren Verhaltensunterstützung im Sinne der mundgesundheitlichen Prävention. Die Eltern werden dabei sowohl durch direkte Ansprache des Gruppenprophylaxe-Teams als auch von bestimmten Personengruppen erreicht: beispielsweise von Kinderkrankenpflegepersonal, Hebammen und Entbindungspflegern, Familienhebammen und -entbindungspflegern, in der interkulturellen Gesundheitsvermittlung Tätigen und pädagogischem Fachpersonal.

Arbeit des Gruppenprophylaxe-Teams in der Kita

Die Kernaufgabe des Gruppenprophylaxe-Teams für unter 3-jährige Kinder besteht in der (Überzeugungs-) Arbeit mit der jeweiligen Kita-Leitung und mit dem Kita-Team. Im Zentrum steht dabei, das Kita-Team für das tägliche gemeinsame Zähneputzen mit den Kindern zu gewinnen und ggf. durch Beratung bei der räumlichen und zeitlichen Umsetzung zu unterstützen. Des Weiteren geht es darum,

Die Arbeit mit dem pädagogischen Team kann durch Aktivitäten mit den Kindern ergänzt werden, die gemeinsam mit dem Bezugserzieher oder der Bezugserzieherin durchgeführt werden (siehe unten: Bildungsimpulse für das Kind).

Die Zusammenarbeit mit dem Kita-Team ist der Schlüssel zu kontinuierlicher, erfolgreicher Elternarbeit. Die Kita hat den gesetzlichen Auftrag, Eltern in der Wahrnehmung ihres Erziehungsauftrags zu unterstützen und dabei insbesondere den unterschiedlichen sozialen Lebenslagen von Familien Rechnung zu tragen.

Kernbotschaften für die Eltern

Kernbotschaften für die Kita

Hinweise zur Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern und pädagogischen Fachkräften

Ergänzend: Bildungsimpulse für das Kind

Das Gruppenprophylaxe-Team kann gemeinsam mit Bezugserzieher/innen einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen (maximal vier Kinder) Bildungsimpulse für die Mundgesundheit geben.

Aufgrund ihrer noch starken Ich-Bezogenheit gelingt Kindern unter drei Jahren i. d. R. die eigene Einordnung in eine Gruppe (noch) nicht. Kleinkinder benötigen in hohem Maß Nähe und Zuwendung, welche sie bei ihren Bezugspersonen aktiv suchen, um emotionale Sicherheit und Geborgenheit zu erhalten. Den Lebensmittelpunkt der Kinder in dieser Altersphase stellen seine Hauptbezugspersonen dar. Das Kind unter einem Jahr fühlt sich nur in der körperlichen Nähe seiner Bezugsperson sicher und geborgen; später kann es diese Sicherheit auch durch Sicht- und Hörkontakt erleben. Aus diesem Grund erfordert es die Kontaktaufnahme mit "Fremden" wie dem Gruppenprophylaxe-Team, dass während des gesamten Kontaktzeitraumes die Bezugsperson zwingend anwesend bleiben muss (Körper-, Sicht- oder mindestens Hörkontakt).

Gleichzeitig bilden Kleinkinder mit zunehmendem Alter immer stärker ein Erkundungsverhalten aus, mit dem sie ihre Umwelt eigenaktiv über Wahrnehmung und Bewegung erkunden. Rollentragende wie das Gruppenprophylaxe-Team mit spezifischen Merkmalen - z. B. Kleidung, Gegenstände, Tätigkeiten - sind für Kinder im Rahmen ihrer geschützten räumlichen und personalen Umgebung reizvolle neue Erkundungsziele.

Bildungsimpulse für Kleinkinder im Rahmen der Gruppenprophylaxe sollten sich an den nachfolgend beschriebenen Prinzipien orientieren:

Eine wichtige Aufgabe für Gruppenprophylaxe-Teams: Zusammenarbeit mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Vermeidung frühkindlicher Karies

Eine wesentliche Aufgabe der Gruppenprophylaxe ist die Beratung und Schulung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen. Ziel ihrer Arbeit kann zum einen die mundgesundheitsförderliche Gestaltung des Lebensumfelds der Kinder sein, zum anderen das Weitertragen der Kernbotschaften zur Prävention frühkindlicher Karies an Eltern kleiner Kinder sowie Fachpersonal der Kitas und der Tagespflege. Als Multiplikatoren und Multiplikatorinnen kommen vor allem in Frage:

Das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz bestimmt, dass für junge Eltern im Rahmen der sogenannten Frühen Hilfen ein koordiniertes und multiprofessionelles Unterstützungsnetzwerk in den Kommunen aufgebaut werden muss, das junge Eltern möglichst frühzeitig in Fragen rund um Geburt und gesunde Kindesentwicklung unterstützt. Den Familienhebammen und -entbindungspflegern kommt im Kontext der Frühen Hilfen eine besondere Bedeutung zu. Regionale Arbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege können ihre Inhalte und Angebote partnerschaftlich in den lokalen Netzwerken im Rahmen der Frühen Hilfen einbringen. Sie sollten aktiv ihre Mitarbeit in den Netzwerken vor Ort anbieten.

Endnoten

  1. Diese Regelung geht davon aus, dass die Eltern sich nach den Fluoridierungsempfehlungen (s.o.: Elternbotschaften) richten und einmal täglich mit einem dünnen Film fluoridierter Kinderzahnpaste putzen.
  2. § 21 Abs. 1 Satz 5 SGB V
  3. Dies geschieht insbesondere dann, wenn davon auszugehen ist, dass die Zahnpflege-Empfehlungen in den Elternhäusern nicht umgesetzt werden.
  4. In Einzelfällen könnte es dann ggf. zur dreimaligen Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpaste pro Tag kommen.

Adresse

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V.
Bornheimer Str. 35 a
53111 Bonn
Website: www.daj.de
Email: info@daj.de



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/gesundheits-und-ernaehrungserziehung-sinnesschulung/2360/