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Zitiervorschlag

Bildung im digitalen Zeitalter – Ideen für den Kindergarten

Reinhild Pieper

 

Einleitung

Dass digitale Medien Einzug erhalten haben in vielfältige Bereiche unseres Lebens, mag für keinen mehr verwunderlich klingen. Welche Rolle digitale Technologien in unserem täglichen Zusammenleben spielen und wie wir diese bewerten, hinsichtlich der Chancen und Herausforderungen, ist ein Bestandteil der Bildung im digitalen Zeitalter.
Für viele Familien, Kinder und pädagogischen Fachkräfte gehören digitale Technologien, wie beispielweise Handys, Tablets, Roboter und viele andere zum Alltag. Als Teil unserer Gesellschaft und unser Alltagswelt wird auch der Umgang mit Technologien zum Thema der frühkindlichen Bildung, um Kinder auf die Zukunft vorzubereiten.

Ideen für den Kindergarten der Zukunft

Mit der Frage, was wir in Zukunft lernen wollen, beschäftigt sich auch Lars Geer Hammershøj, Professor für Bildungsphilosophie an der Universität Aarhus in Dänemark.

„One of the main arguments for why digital technology media is relevant in kindergarten is that it is important for childern to understand digital technologies and to use them creatively [...] they have to be makers, but what is not so clear is why this is so important. Or how one promotes creativity in childern and these two questions actually opens up bigger questions. Acutally, I think the biggest question for education is „what is important to learn in the future?“. This question has alwalys been important for education“ (Hammershøj 2019, 1:28-2:04).

Heidi Ingemann Jensen (2020) greift diesen Gedanken auf und schreibt hierzu:
„Bildung wird in einer digitalisierten Welt wichtig, da die Grenzen zwischen Menschen und Technologie immer fließender werden. Das bedeutet, dass es wichtig wird, an der Bildung festzuhalten und sich darauf zu beziehen, was es bedeutet, heute Mensch zu sein – in einer digitalisierten Welt. Kreativität ist hier ein besonders wichtiger Bestandteil. "Die Fähigkeit, kreativ zu denken, wie Sie Probleme lösen, und die Fähigkeit, Ideen in die Welt zu tragen und damit Innovationen zu schaffen, wird in einer digitalen Zukunft von entscheidender Bedeutung" (Hammershøj 2017, S. 25, eigene Übersetzung)“ (S.o.).       
Hammershøj (2019) sowie Ingemann Jensen (2020) argumentieren, dass sowohl die Nutzung von digitalen als auch analogen Technologien ein wichtiger Bestandteil des Kindergartens sind. Die Nutzung beider Technologien hat zum Ziel einen forschenden, kreativen und innovativen Prozess zu initiieren, der Kinder ermächtigt. Mensch werden, wie Hammershøj (2017) es beschreibt findet in einer sich wandelnden Gesellschaft statt, in der wiederum auch Anforderungen und Kompetenzen sich stetig mitverändern. Dies betrifft auch die Pädagogik des Kindergartens und die Frage was wir in Zukunft lernen wollen.

Lifelong Kindergarten
In diesem Zusammenhang argumentiert Mitchel Resnick (2017) in seinem Buch "Lifelong Kindergarten", dass die Schule eher dem Kindergarten ähneln sollte. Um in einer sich schnell verändernden Welt von heute Erfolg zu haben, müssen Menschen jeden Alters lernen, kreativ zu denken und zu handeln. Der beste Weg dies zu tun, besteht darin, so Resnick (2017) sich mehr auf das Vorstellen, Erstellen, Spielen, Teilen und Reflektieren zu konzentrieren, wie es Kinder im Kindergarten tun. Dazu schreibt Resnick (2017) weiter,

„The shift to a creative society presents both a need and an opportunity. There is a pressing need to help young people develop as creative thinkers so that they’re prepared for life in a fast-changing world. At the same time, we use this transition as an opportunity to promote a more humane set of values in society. One of the best ways to help young people prepare for life in a creative society is to make sure that they have the chance to follow their interests, to explore their ideas, to develop their voices (S. 158).
Lernprozesse im Kindergarten nach Resnick (2017) werden durch die „creative learning spiral“ zu aktiven, spielerischen und kreativen Prozessen, vor dem Hintergrund digitaler Medien. Das charakteristische des Lernkreislaufs nach Resnick (2017) ist ein fragengeleitetes, forschendes Lernen anhand gemeinsam ermittelter Fragestellungen. Dabei spielt die Leidenschaft der Kinder eine große Rolle in der Umsetzung von Projekten.

Abb 1 Phasen eines Lernkreislaufs Resnick 2017

Abb. 1: Charakteristische Phasen eines Lernkreislaufs/creative learning spiral (Resnick 2017, S. 10)

Die Nutzung vielfältiger digitaler und analoger Technologien kann dazu beitragen, Lernprozesse zu initiieren oder Entwicklungsaufgaben zu unterstützen. Dabei geht es nicht darum zu fragen, ob entweder digitale Technologien oder analoge Techniken verwendet werden sollen. Beispielsweise ob das Malen und Basteln mit narrativen Materialien, durch eine App ersetzt werden soll oder wie viel Zeit Kinder quantitativ mit digitalen Medien aufbringen sollten. Vielmehr geht es um die Reflexion, Aneignung und Bewertung dieser Technologien zur kreativen und innovativen Nutzung.

Zusammenfassung

Für die Pädagogik bedeutet dies Lernsituationen zu schaffen, in denen digitale Medien sinnvoll genutzt werden und Ansätze angeboten werden, mit denen Kinder ein Grundverständnis entwickeln können. Indem sie beispielsweise einen Stromkreis bauen oder durch Farben und Formen lernen, wie Coding funktioniert. Der Umgang mit Technologien sollte in der Lernbegleitung hinsichtlich der Aufklärung möglicher negativer und positiver Nutzen gemeinsam diskutiert und reflektiert werden. Inhalte sollten stets kritisch hinterfragt werden, sodass Kinder selbstständig, kreativ und innovativ agierende Produzenten von digitalen Medien werden.

Pädagogische Fachkräfte können in diesem Zusammenhang weiterhin vielfältige und zahlreiche Methoden verwenden, wie beispielsweise die Methode des Future Classroom Lab, des Selbstorganisierten Lernens, Inquiery Based Learning oder Design Thinkings, um innovative Lernprozesse zu initiieren (vgl. Bostelmann 2019). Kinder auf die Zukunft vorzubereiten, zu begleiten und zu fördern „in der kindlichen Entwicklung bleibt Kernziel des Kindergartens“ (Bostelmann 2019, S.o.) und dazu gehört auch die digitale Bildung.

Lernen im Kontext in der sozialen Gemeinschaft, wie Antje Bostelmann (2019) es weiterformuliert: „[…] ist ein soziales Paket! Lernen ist keine Einbahnstraße, sondern ein soziales Paket. […] Lernen braucht Zuversicht, Leidenschaft und Mut. Es braucht eine anregende Umgebung und regulierende Auseinandersetzungen. Wer lernt, bewegt sich, macht Fehler und muss Misserfolge verarbeiten“ (S.o.).

Literatur

Bostelmann, A. (2019): Kinder der Zukunft – Der Kindergarten in der digitalen Welt. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/medienerziehung-informationstechnische-bildung/kinder-der-zukunft-der-kindergarten-in-der-digitalen-welt-die-geschichte-vom-internet (31.01.2020).

Bostelmann, A. (2019): Bei uns lernt die Zukunft - Pädagogik im digitalen Zeitalter. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/medienerziehung-informationstechnische-bildung/bei-uns-lernt-die-zukunft-paedagogik-im-digitalen-zeitalter (31.01.2020).

Hammershøj, L. G. (2019, Juni 18). Über Spiel, Kreativität und Bildung im digitalen Zeitalter. [YouTube]. Abgerufen von: https://www.youtube.com/watch?v=pWdAT83sc18.

Jensen Ingemann, H. (2020): Bildung. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildung-erziehung-betreuung/bildung (31.01.2020).

Resnick, M., & Robinson, K. (2017). Lifelong kindergarten: Cultivating creativity through projects, passion, peers, and play. Cambridge/Massachusetts: MIT press.

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