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Zitiervorschlag

Kindertagesbetreuung in Pandemiezeiten:

Die Corona-KiTa-Studie dokumentiert die Lage

 

Seit Mai 2020 untersucht die bundesweite Corona-KiTa-Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Robert Koch-Instituts (RKI) aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht, was die Pandemie für Kitas und Tagespflege sowie für Kinder und Eltern bedeutet. Welche Infektionsrisiken bestehen für die Personen in diesen Netzwerken? Vor welchen Herausforderungen stehen die Einrichtungen? Und welche Rolle spielt die Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2)? 

Diese und weitere Forschungsfragen beantworten die beiden Institute in insgesamt vier Modulen und auf einer breiten wissenschaftlichen Datenbasis. Die Ergebnisse werden fortlaufend veröffentlicht. Entscheidungsträgern liefern sie wichtige Informationen für ihre Beratungen und Beschlüsse zum Corona-Krisen-Management, etwa aktuelle Daten zu Schließungen und Infektionsfällen in Kindertageseinrichtungen.

KiTa-Register: Rund 14 Prozent der Kitas bundesweit nehmen teil

Das KiTa-Register in Modul 2 ist dabei das Herzstück der Studie: Es dokumentiert, wie die Kindertagesbetreuung in Pandemiezeiten funktioniert, wie die Einrichtungen die Herausforderungen managen und wie sich ihre Situation von Woche zu Woche ändert. Grundlage ist die regelmäßige Onlinebefragung der Kita-Leitungen und der Kindertagespflegepersonen. Abgefragt wird zum Beispiel, wie viele Kinder derzeit betreut werden, wie viele Erzieherinnen und Erzieher pandemiebedingt ausfallen und welche Hygienemaßnahmen umgesetzt werden. Für das KiTa-Register wurden alle Kindertageseinrichtungen bundesweit postalisch angeschrieben, auch die Kindertagespflegepersonen wurden kontaktiert und zum Mitmachen eingeladen. Mit Stand Ende November 2020 hatten sich rund 13.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet und knapp 10.000 die Erstbefragung ausgefüllt. Die Ergebnisse werden im Corona-KiTa-Dashboard auf www.corona-kita-studie.de aktuell aufbereitet und veröffentlicht.

Die Zwischenergebnisse zeigen, dass die Zahl der Verdachts- und Infektionsfälle in Kitas ab Mitte Oktober 2020 angestiegen ist und sich seit Mitte November auf erhöhtem Niveau einpendelt. Sowohl bei den Kitas als auch bei den Kindertagespflegestellen stiegen in diesem Zeitraum auch die Fälle von Gruppen- und Einrichtungsschließungen, wobei zunehmend eher einzelne Gruppen statt ganzer Einrichtungen geschlossen wurden. Seit Beginn der Pandemie bis zur ersten Novemberwoche haben zudem zwei von fünf Kitas (41%) ihr Gruppenkonzept hin zu einem weniger offenen, strikter gruppenbezogenen Konzept geändert. Insbesondere für große Einrichtungen war dieser Wechsel herausfordernd: Je strengere, festere Gruppenstrukturen das neue Konzept vorsah, desto größer die Probleme. Die Schwierigkeit, eine bedarfsgerechte Betreuung zu gewährleisten, bewerteten die Einrichtungsleitungen Ende Dezember 2020 auf einer Schulnotenskala mit durchschnittlich 3,0. Anfang September lag dieser Wert noch bei 2,3.

Monatliche Berichte dokumentieren Zwischenergebnisse

Die regelmäßigen Monats- und Quartalsberichte enthalten darüber hinaus aktuelle Zwischenstände der weiteren Module.

  • In Modul 1 (Corona KiTa Surveys, CoKiss) werden Kita-Leitungen, pädagogische Fachkräfte, Tagespflegepersonen und Eltern befragt, die über bestehende Stichproben aus DJI-Projekten ausgewählt wurden. Erhoben wird unter anderem, wie ihr Alltag während der Corona-Pandemie aussieht, vor welchen organisatorischen, pädagogischen und hygienischen Herausforderungen sie stehen und welche Lösungen sie entwickelt haben.
  • In Modul 3 (Corona-KiTa-Surveillance, CATS) wertet das RKI aus, wie häufig Kinder im Kita-Alter an COVID-19 erkranken, wie empfänglich sie für das Virus sind und wie die Krankheit bei ihnen verläuft. Grundlage sind zum Beispiel Meldedaten der Gesundheitsämter zu COVID-19 und die Syndromische Surveillance, zu der unter anderem das GrippeWeb des RKI zählt. Eine erste Auswertung der COVID-19-Ausbrüche in Kindertageseinrichtungen und Horten zeigte hier, dass ein Großteil der Betroffenen 15 Jahre und älter war, vermutlich also vor allem Erzieherinnen und Erzieher infiziert waren. Eine neu aufgesetzte Studienplattform in Modul 3 liefert zudem eine Übersicht über klinische und epidemiologische Forschungsansätze zu SARS-CoV-2 und COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen.
  • In Modul 4 (Corona – Anlassbezogene Untersuchungen in Kitas, COALA) werden Infektionsfälle in ausgewählten Kitas näher untersucht. Ein Team des RKI befragt die Einrichtungsleitungen und besucht die teilnehmenden Familien zu Hause, um dort unter anderem einen Abstrich zum SARS-CoV-2-Nachweis und einen Tropfen Blut zur Antikörpermessung zu entnehmen.

Notbetreuung: Befragung zeigt hohe Belastung der Kita-Leitungen

Regelmäßig bereiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Corona-KiTa-Studie spezielle Schwerpunktthemen auf: So wurde etwa die Situation der Kindertagespflegestellen und Kindertagespflegepersonen näher beleuchtet und die Literatur zur Infektiosität von Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Besonderes Augenmerk galt zudem der Situation der Kitas mit der Notbetreuung im Frühjahr 2020, die das DJI im Rahmen einer explorativen Befragung untersucht hat. Sie zeigt, wie die Kitas den Spagat von Betreuungsauftrag und Infektionsschutz gemeistert und in einer Situation der Unsicherheit die Fülle neuer organisatorischer Anforderungen bewältigt haben – was bei den Leitungen zu einer hohen zusätzlichen Belastung führte. Die Ergebnisse dieser Pilotbefragung sind in die Konzeption der Corona-KiTa-Studie und des KiTa-Registers eingeflossen.

Unter www.corona-kita-studie.de finden Sie wöchentlich aktualisierte Ergebnisse aus dem KiTa-Register. Einrichtungen, die noch nicht teilnehmen, können sich weiterhin registrieren. Die Corona-KiTa-Studie läuft bis Ende 2021. Das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium finanzieren die Studie.

DJI-Projektleitung: Dr. Susanne Kuger

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