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Zitiervorschlag

Aktuelle statistische Daten zur Kindertagesbetreuung

zusammengestellt von Martin R. Textor

 

Wie viele Kinder der verschiedenen Altersgruppen werden in Kindertageseinrichtungen oder durch Tagespflegepersonen betreut? Wie hoch sind die Versorgungsquoten? Wie viele Kinder werden halbtags, wie viele ganztags betreut?

Relevante statistische Daten finden Sie z.B. auf den Websites des Statistischen Bundesamtes, der Statistischen Landesämter und der zuständigen Bundes- bzw. Länderministerien. Dort sind sie aber oft schwer zu finden. Außerdem werden oft viele lange Tabellen präsentiert. Und Sie sind doch nur an einigen wenigen Zahlen interessiert, die irgendwo in dieser Unmenge von Daten versteckt sind!

Deshalb werden auf dieser Seite aktuelle Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamtes (und vereinzelt anderer Institutionen) aufgenommen, die einen Überblick über die wichtigsten Daten zur Kindertagesbetreuung bieten. Die Pressemitteilungen wurden zum Teil gekürzt.

 

In Deutschland fehlen immer mehr Betreuungsplätze

Viele Kommunen können dem in Deutschland geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht nachkommen. Obwohl die Zahl der unter Dreijährigen, die in einer öffentlich geförderten Kita oder bei Tageseltern betreut werden, seit 2015 von 693.000 auf 829.000 gestiegen ist, fehlen dieses Jahr 342.000 Plätze – rund 60 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Das zeigt eine neue IW-Studie.

Immer mehr Eltern geben ihr Kind die Kita

Ein Grund für den steigenden Bedarf ist, dass immer mehr Eltern ihr Kleinkind institutionell betreuen lassen wollen. 2019 meldeten 81 Prozent der Eltern für ihre Zweijährigen und 64 Prozent der Eltern für ihre Einjährigen einen Betreuungsbedarf an – deutlich mehr als noch vor fünf Jahren. „Lange galt insbesondere in Westdeutschland ein Alter von drei Jahren als geeigneter Betreuungsbeginn. Das hat sich vollkommen geändert“, sagt IW-Familienexperte Wido Geis-Thöne. In den vergangenen Jahren stiegen außerdem die Geburtenzahlen, allerdings ist dieser Trend gestoppt.

Große regionale Unterschiede

Nicht in allen Bundesländern fehlen Kitaplätze im gleichen Ausmaß. Relativ zur Gesamtzahl der unter Dreijährigen ist die Betreuungslücke, also die Differenz aus den erforderlichen und tatsächlich bereitgestellten Betreuungsplätzen, im Saarland, in Bremen und in Nordrhein-Westfalen am größten. Knapp 20 Prozent aller Kinder unter drei Jahren hatten dort keinen Betreuungsplatz, obwohl sich die Eltern einen wünschen. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen somit knapp 100.000 Plätze. In NRW kommt hinzu, dass Eltern bei Engpässen in den Kitas oft an Tageseltern verwiesen werden, bei denen die Qualifikationsanforderungen deutlich geringer sind als beim Kita-Personal.

Gut stehen Bayern, Baden-Württemberg und Ostdeutschland mit Ausnahme Berlins dar. Allerdings wollen in Bayern und Baden-Württemberg nicht so viele Eltern ihr Kind in eine Kita geben wie in anderen Bundesländern. „Nähert sich der Betreuungsbedarf wie zu erwarten den anderen Bundesländern an, werden auch in Bayern und Baden-Württemberg sehr viel mehr Kitaplätze benötigt“, sagt Studienautor Geis-Thöne.

Im Osten ist die Betreuungslücke zwar kleiner als im Westen, allerdings haben die Kindertagesstätten zu wenig Personal, um die Kinder gut zu betreuen. So kamen im Osten im Schnitt auf eine Betreuungsperson knapp sechs Kinder – in Westdeutschland sind es vier. Dementsprechend gäbe es auch im Osten trotz des guten Kita-Angebots Handlungsbedarf, so Geis-Thöne.

Quelle: Pressemitteilung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 11.10.2020 (gekürzt)

 

Betreuungsquote der unter 3-jährigen Kinder auf 35,0% gestiegen

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung ist zum 1. März 2020 gegenüber dem Vorjahr um rund 10.700 auf insgesamt 829.200 Kinder gestiegen. Damit waren 1,3% mehr unter Dreijährige in Kindertagesbetreuung als am 1. März 2019. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, lag die Betreuungsquote am Stichtag bundesweit bei 35,0% (2019: 34,3%).

Höhere Betreuungsquoten in Ostdeutschland

In Ostdeutschland waren durchschnittlich mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren in einer Tagesbetreuung (52,7%), im Westen knapp ein Drittel (31,0%). Im Vergleich der Bundesländer hatten am 1. März 2020 Sachsen-Anhalt (58,3%), Brandenburg (57,7%) und Mecklenburg-Vorpommern (57,6%) die höchsten Betreuungsquoten. Unter den westdeutschen Bundesländern erreichte Hamburg mit 46,7% die höchste Quote, gefolgt von Schleswig-Holstein (35,2%). Am niedrigsten lag die Betreuungsquote in Bremen (29,0%) und Nordrhein-Westfalen (29,2%).

Betreuungsquoten steigen mit dem Alter der Kinder 

Bundesweit waren 1,8% der Kinder unter einem Jahr in einer Kindertagesbetreuung. Dagegen haben 37,5% der Einjährigen ein Angebot der Kindertagesbetreuung in Anspruch genommen, bei den Zweijährigen waren es schon fast zwei Drittel (64,5%). Seit dem 1. August 2013 gibt es für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz.

Bei der Betreuungsquote handelt es sich um den Anteil der in Kindertageseinrichtungen (zum Beispiel Kindertagesstätte) oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege (zum Beispiel öffentlich geförderter Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater) tatsächlich betreuten unter Dreijährigen an allen Kindern dieser Altersgruppe.

1,6% mehr Kindertageseinrichtungen und 4,5% mehr Personal als 2019

Am 1. März 2020 gab es bundesweit knapp 57.600 Kindertageseinrichtungen. Das waren knapp 900 Einrichtungen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (+1,6%). Die Zahl der dort als pädagogisches Personal oder als Leitungs- und Verwaltungspersonal beschäftigten Personen stieg um 4,5% auf rund 682.900. Die Zahl der Tagesmütter und -väter erhöhte sich leicht um 0,1% auf rund 44.800.

Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege1 am 1. März 2020 nach Bundesländern

Land

Betreute Kinder
unter 3 Jahren

Betreuungsquote2

Insgesamt

im Alter von … bis unter … Jahren

0 - 1

1 - 2

2 - 3

in %

Baden-Württemberg

98.546

30,0

2,0

30,8

56,8

Bayern

114.186

29,6

1,6

31,2

55,6

Berlin

52.407

44,9

1,6

53,6

78,9

Brandenburg

36.303

57,7

3,3

74,4

89,7

Bremen

6.007

29,0

0,9

30,0

56,5

Hamburg

28.429

46,7

2,1

57,2

81,0

Hessen

58.423

31,9

2,1

34,8

58,0

Mecklenburg-Vorpommern

22.674

57,6

3,5

76,6

90,0

Niedersachsen

73.853

32,9

1,3

36,1

60,3

Nordrhein-Westfalen3

151.736

29,2

1,1

26,0

59,6

Rheinland-Pfalz

35.831

31,2

1,1

19,8

70,9

Saarland

7.321

29,8

2,5

33,3

52,5

Sachsen

57.015

52,8

2,6

66,6

85,6

Sachsen-Anhalt

30.603

58,3

7,1

75,2

88,3

Schleswig-Holstein

27.038

35,2

1,7

39,1

63,2

Thüringen

28.791

54,8

2,3

68,2

89,5

Deutschland

829.163

35,0

1,8

37,5

64,5

Früheres Bundesgebiet

601.370

31,0

1,5

31,1

59,6

Neue Länder (einschließlich Berlin)

227.793

52,7

3,0

66,4

85,7

1: Die Ergebnisse zur Tagespflege beinhalten nur die Kinder, die nicht zusätzlich eine Kindertageseinrichtung besuchen (das heißt ohne Doppelzählung).
2: Anteil der betreuten Kinder an allen Kindern in dieser Altersgruppe. Die bei der Quotenberechnung verwendeten Einwohnerzahlen beruhen auf den Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung zum 31. Dezember 2019 auf Basis des Zensus 2011.
3: Aufgrund der zeitweiligen Schließung bzw. des eingeschränkten Betriebs der Kindertageseinrichtungen durch die Corona-Pandemie konnten einige Einrichtungen ihre Daten nicht rechtzeitig übermitteln. Bei den vorliegenden Daten muss von einer geringfügigen Untererfassung ausgegangen werden. Bei den insgesamt übermittelten Daten der Kinder in Kindertageseinrichtungen im Alter von unter 1 bis unter 14 Jahren wird eine Untererfassung von ca. 2.000 betreuten Kindern angenommen.

Quelle: Pressemitteilung Nr. 380 des Statistischen Bundesamtes vom 30.09.2020 (gekürzt)

 

Beschäftigte in Kindergärten und Vorschulen verdienten 2019 knapp 20 Euro brutto in der Stunde

Mit dem Ende der Sommerferien haben die meisten Kindergärten und Kitas den Regelbetrieb wieder aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, verdienten Beschäftigte in Kindergärten und Vorschulen im Jahr 2019 durchschnittlich knapp 20 Euro brutto in der Stunde.

Rund 94% des Personals in Kindergärten und Vorschulen waren Frauen, fast zwei Drittel der Beschäftigten (61%) arbeiteten in Teilzeit und mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten (69%) waren ausgebildete Fachkräfte. Arbeitete eine solche Fachkraft in Teilzeit, verdiente sie 2019 im Schnitt 2.374 brutto monatlich. Für Fachkräfte, die in Vollzeit arbeiteten, lag der Verdienst bei durchschnittlich 3.287 Euro brutto im Monat.

Methodischer Hinweis: In den Bruttoverdiensten sind keine Sonderzahlungen enthalten.

Quelle: Zahl der Woche Nr. 36 des Statistischen Bundesamts vom 01.09.2020 (gekürzt)

 

Schlechte Rahmenbedingungen erschweren die Bildungsarbeit der Kitas

Trotz der Investitionen in zusätzliche Kita-Plätze und Personal sind die Bedingungen für die pädagogische Arbeit vielerorts noch immer unzureichend. In einem Großteil der Kitas sind die Personalschlüssel und die Gruppengrößen nicht kindgerecht. Während sich die Personalschlüssel zwischen den Bundesländern langsam annähern, unterscheidet sich das Qualifikationsniveau des Personals noch stark.

Viele Kitas in Deutschland können ihren Bildungsauftrag nicht oder nur eingeschränkt umsetzen. Dies geht aus dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und einer zeitgleich veröffentlichten qualitativen Studie der FernUniversität in Hagen in unserem Auftrag hervor. Die Personalschlüssel, die Größen der Gruppen und das Qualifikationsniveau des Personals sind Gradmesser dafür, dass Bildungsarbeit in Kitas gelingen kann.

Bundesweit war der Personalschlüssel am 1. März 2019 für rund 1,7 Millionen Kita-Kinder nicht kindgerecht. Für 74 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen stand somit nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. In Ostdeutschland betraf dies 93 Prozent der Kinder, in Westdeutschland 69 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt bedeutet dies, dass 2019 rein rechnerisch in Krippengruppen eine Fachkraft auf 4,2 Kinder kam. In Kindergartengruppen waren es 8,8 Kinder.

Im Vergleich zu 2013 ist dies eine Verbesserung der Personalsituation. Damals lag in Krippengruppen der Personalschlüssel noch bei 1 zu 4,6 und in Kindergartengruppen bei 1 zu 9,6. Nach unseren Empfehlungen sollten in Krippengruppen rechnerisch drei Kinder auf eine Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen maximal 7,5. Die reale Personalsituation ist häufig noch angespannter, da Arbeitszeiten für Aufgaben ohne Kinder, Urlaubszeiten, unbesetzte Stellen oder fort- und weiterbildungsbedingte Abwesenheiten der Fachkräfte den Kita-Alltag noch erschweren.

Teils zu große Gruppen und zu unterschiedliches Qualifikationsniveau des Personals

Auch die Gruppengröße entspricht in vielen Kitas nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen. Gruppen für jüngere Kinder sollten nicht mehr als zwölf Kinder umfassen, für die Älteren nicht mehr als 18. Zu große Gruppen bedeuten für die Kinder und das Fachpersonal übermäßigen Stress, etwa durch Lautstärke. Dies kann dazu führen, dass pädagogische Aktivitäten, die für die kindgerechte Entwicklung wichtig sind, nicht ausreichend durchgeführt werden. So sind bundesweit gut 54 Prozent aller amtlich erfassten Kita-Gruppen zu groß. 

Darüber hinaus ist die Qualifikation des Kita-Personals bundesweit sehr unterschiedlich. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil des als Erzieherinnen und Erzieher ausgebildeten Personals mit 82 Prozent um 16 Prozentpunkte höher als in den westdeutschen Bundesländern (66 Prozent). In den westdeutschen Bundesländern arbeitet hingegen deutlich mehr Personal auf Assistenzniveau, beispielsweise als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin. Insbesondere bei einem Personalmangel steigt damit das Risiko, dass die Qualität der Bildung nicht kindgerecht ist. Hinsichtlich des Qualifikationsniveaus sollten sich die westdeutschen Bundesländer an den Kitas in Ostdeutschland orientieren. 

Für unseren Vorstand Jörg Dräger sind die aktuellen Daten ein Appell, den Ausbau der frühkindlichen Bildung nicht schleifen zu lassen: „Der Kita-Ausbau der letzten Jahre war beachtlich: Aber die Personalschlüssel und Gruppengrößen sind vielerorts nicht kindgerecht, es gibt keine bundeseinheitlichen Qualifikationsstandards für das Personal. Kitas können deshalb ihren Bildungsauftrag teilweise nicht wahrnehmen“ (Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung).

Wie sich der im Ländermonitoring aufgezeigte Personalmangel und die unzureichenden Kompetenzen des Personals in der pädagogischen Praxis auswirken, zeigt aktuell eine qualitative Studie der FernUniversität in Hagen in unserem Auftrag. Die darin bundesweit befragten Kita-Teams beschreiben, dass sie bei Personalmangel weniger auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können und deren individuelle Förderung in den Hintergrund treten muss. Unzureichende Qualifikationen des Personals erschweren eine gute Bildungsarbeit zusätzlich. Insgesamt sehen die Befragten die Umsetzung des Bildungsauftrags der Kitas oftmals gefährdet.

Bildungschancen hängen nach wie vor vom Wohnort ab

Die Ergebnisse des Ländermonitorings machen erneut deutlich, dass die Bildungschancen vom Wohnort abhängen – und das, obwohl es eine Annäherung zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern hinsichtlich der Personalschlüssel gegeben hat. So war 2019 in Bremen (1 zu 3,0) eine Fachkraft im Schnitt für drei Krippenkinder weniger verantwortlich als in Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 6,0). 2013 lag die größte bundesweite Differenz noch bei rechnerisch 3,5 Kindern im Vergleich von Bremen und Sachsen-Anhalt.

Mit Blick auf die älteren Kinder in Kindergartengruppen zeigt sich zwischen Baden-Württemberg (1 zu 6,9) und Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 12,9) die größte Kluft. Aber auch diese hat sich zwischen den Bundesländern seit 2013 um rechnerisch mehr als ein Kind verringert. Damals lag die größte Differenz zwischen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Gemeinsame Kraftanstrengungen um den Bildungsauftrag zu erfüllen

Aus Drägers Sicht ist für die frühkindliche Bildung entscheidend, dass alle politischen Ebenen in einer Gesamtstrategie sinnvoll zusammenwirken: "Dem Personalmangel müssen wir mit Bündnissen von Bund, Ländern, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften begegnen. Gemeinsam müssen sie attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen schaffen, eine angemessene Bezahlung durchsetzen und berufsbegleitend Unterstützungs- und Beratungsstrukturen anbieten."

Das Kita-Personal, so Dräger, müsse durch Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte entlastet werden. Zudem sei es unausweichlich, Kitas als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ausreichend zu finanzieren: "Auch wenn in den vergangenen Jahren schon viel für die Kitas gemacht wurde. Es reicht noch nicht. Gute pädagogische Arbeit für die Kleinsten geht nur mit zusätzlichen Mitteln und braucht auch die angemessene und dauerhafte Finanzierungsbeteiligung des Bundes."

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 25.08.2020 (gekürzt und ohne Abbildungen)

 

Betreuuungsquote 0 bis unter 3 Jahre

Mit einem neuen interaktiven Kartenangebot zeigen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder die Betreuungssituation von Kindern unterschiedlicher Altersgruppen in den Stadt- und Landkreisen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, gab es zum Stichtag 1. März 2019 in Sachsen-Anhalt die bundesweit höchsten Betreuungsquoten unter dreijähriger Kinder: An der Spitze lag der Landkreis Börde mit 62,4%, gefolgt vom Landkreis Wittenberg (62,3%) und dem Salzlandkreis (62,2%). Bei den zweijährigen Kindern hatte die kreisfreie Stadt Rostock mit 99,0% die höchste Betreuungsquote, bei den einjährigen Kindern der Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg mit 84,5%. Alle Ergebnisse aus dem neuen Kartenangebot stehen zum Download bereit und sind für eigene Analysen nutzbar.

Große Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Kreisen

In 68 der 77 ostdeutschen Landkreise und kreisfreien Städte (einschließlich Berlin) wurden mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren in einer Tageseinrichtung (z.B. Kindertagesstätte) oder in Tagespflege (z.B. Tagesmutter oder -vater) betreut. Dagegen wurde die 50%-Marke in keinem westdeutschen Kreis erreicht. In den westdeutschen Bundesländern gab es die höchsten Betreuungsquoten in den Städten Hamburg (46,6%), gefolgt von Heidelberg (46,1%) und Freiburg im Breisgau (44,2%).

Regionale Unterschiede auch bei den Einzelaltersjahren

Bei den Kindern im Alter von zwei Jahren hatten 73 von 77 ostdeutschen Kreisen eine Betreuungsquote von mindestens 80%, das heißt, vier von fünf Zweijährigen besuchten eine Kindertageseinrichtung oder Tagespflege. Dieser Wert wurde in Westdeutschland in 9 der insgesamt 324 Kreise erreicht, angeführt vom Landkreis Südliche Weinstraße (85,2%), Mainz-Bingen (83,8%) und dem Donnersbergkreis (82,4%) in Rheinland-Pfalz. Die bundesweit höchsten Anteile an zweijährigen Kindern in Kindertagesbetreuung an allen Kindern in diesem Alter gab es in der Stadt Rostock (99,0%), im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland (95,8%) und im Saale-Orla-Kreis in Thüringen (95,0%).

Bei den einjährigen Kindern lag in den ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten die Betreuungsquote am 1. März 2019 in allen Kreisen bei über 50%. Dagegen gab es insgesamt nur 4 westdeutsche Landkreise und kreisfreie Städte mit einer entsprechend hohen Quote, nämlich die Städte Hamburg (57,4%) und Heidelberg (57,3%), der Landkreis München (51,7%) und die Stadt Freiburg im Breisgau (51,1%). Die bundesweit höchsten Quoten bei den einjährigen Kindern wiesen der Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg (84,5%), der Landkreis Wittenberg (84,0%) und die Stadt Rostock (82,2%) auf.

Eine geringe Rolle spielte die Betreuung von Kindern unter einem Jahr. Hier lag die Betreuungsquote in Ostdeutschland bei 3,0% und in Westdeutschland bei 1,7%.

Weitere Informationen

Diese und weitere Informationen zur Kindertagesbetreuung (zum Beispiel Betreuungsquoten für drei- bis unter sechsjährige Kinder, Personal in Kindertageseinrichtungen, Anteil betreuter Kinder in Ganztagsbetreuung) zum Stichtag 1. März 2019 stehen als interaktiven Karten und Download-Dateien für alle 401 Stadt- und Landkreise in Deutschland zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung Nr. 318 des Statistischen Bundesamtes vom 20.08.2020 (gekürzt)

 

Höchststand beim Kita-Ausbau: Rund 790.000 Plätze deutschlandweit für die Kleinsten

Das zeigen die aktuellen Zahlen, die das Bundesfamilienministerium für die vierte Ausgabe der Publikation „Kindertagesbetreuung Kompakt“ zusammengestellt hat. Demnach wurden am Stichtag 1. März 2018 bundesweit 789.559 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder in der Kindertagespflege betreut. Das waren 27.198 mehr als im Vorjahr. Die Betreuungsquote stieg damit von 33,1 auf 33,6 Prozent.

Bei den Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 52.061 auf knapp 2,4 Millionen. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn des Berichtszeitraums im Jahr 2006 und entspricht einer Betreuungsquote von 93,3 Prozent.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 02.09.2019 (Auszug)

 

Kita-Qualität steigt - Gefälle zwischen Kreisen und Bundesländern ist enorm

Die Qualität der Kitas in Deutschland steigt. Dies zeigt sich vor allem an der positiven Entwicklung des Personalschlüssels. Kamen zum 1. März 2012 noch 4,8 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen, waren es im März 2016 rein rechnerisch 4,3 Kinder. In Kindergartengruppen verbesserte sich der Personalschlüssel von 9,8 auf 9,2 Kinder pro Fachkraft.

Innerhalb der Bundesländer erhebliche Unterschiede in der Kita-Betreuung

Erstmals hat die Bertelsmann Stiftung die Kita-Personalschlüssel der 402 Kreise und kreisfreien Städte ausgewertet. Die Unterschiede sind enorm. In einigen Gebieten Brandenburgs kommen knapp dreimal so viele Krippenkinder auf eine Fachkraft wie in bestimmten Kreisen Baden-Württembergs. Doch auch innerhalb der Bundesländer sind die Unterschiede groß. In Bayern liegt das landesweite Mittel bei 3,7 Kindern pro Fachkraft, zwischen den Kreisen gibt es jedoch eine große Spannweite bei der Betreuungsrelation: So liegt der Personalschlüssel mancherorts bei 1 zu 2,7, andernorts bei 1 zu 5,0. Vergleichbar ist die Situation in Rheinland-Pfalz, wo kreisabhängig eine Fachkraft 2,7 bzw. bis zu 4,7 Kinder betreut (landesweites Mittel 3,5 Kinder pro Fachkraft). Eine landesweit relativ einheitliche - wenngleich ungünstige - Betreuungsrelation bei den unter Dreijährigen erreicht Sachsen. Auch im Saarland gibt es bei einer deutlich besseren Betreuungsrelation kaum Abweichungen vom landesweiten Mittel pro Fachkraft.

In Kindergartengruppen unterscheiden sich die Personalschlüssel ebenfalls zwischen den Kreisen erheblich. Während in einigen Kreisen Baden-Württembergs 6,1 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es in Mecklenburg-Vorpommern teilweise bis zu 14,3 Kinder. Auch die Gefälle innerhalb der einzelnen Bundesländer sind erheblich. In Hessen kommt eine Fachkraft auf 9,6 Kinder. Allerdings schwankt der Personalschlüssel auf Kreisebene zwischen 1 zu 7,6 und 1 zu 11,9. In Sachsen ist die Betreuungsrelation bei einem mittleren Personalschlüssel von 1 zu 13,4 landesweit einheitlicher: Dort sind es mindestens 12,9 und maximal 14,0 Kinder, die von einer Fachkraft betreut werden. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht die große Spannweite innerhalb der Bundesländer kritisch: "Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland."

Ost-West-Gefälle beim Personalschlüssel bleibt bestehen

Wenngleich sich die Kita-Qualität bundesweit tendenziell verbessert, sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern nach wie vor gravierend. In westdeutschen Krippengruppen kümmert sich eine Fachkraft um deutlich weniger Kinder (1 zu 3,6) als in Ostdeutschland (1 zu 6,0). Allerdings befinden sich in Ostdeutschland 52 Prozent der unter Dreijährigen in Betreuung, während es in Westdeutschland lediglich 28 Prozent sind. Bundesweit sind fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Kindertagesbetreuung. Im Westen kommen dabei 8,5, im Osten 12,2 Kinder auf eine Fachkraft. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen qualitätssichernden Personalschlüssel von 1 zu 3,0 in Krippengruppen und 1 zu 7,5 in Kindergartengruppen. Mit Blick auf diese Empfehlung sticht Baden-Württemberg im direkten Ländervergleich positiv hervor. Bundesweite Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Gebraucht werden bundesweit einheitliche Standards und zusätzliches Kita-Personal

"Bund und Länder müssen einheitliche Qualitätsstandards umsetzen", fordert Dräger. Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zusätzlich 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte eingestellt und weitere 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitgestellt werden. Zusätzlicher Bedarf an Kita-Plätzen und Fachkräften entsteht zudem aufgrund der Trendwende bei den Geburtenzahlen und einer zunehmenden Anzahl an Kindern mit Fluchterfahrungen. Ohne attraktivere Rahmenbedingungen für das Kita-Personal wird es schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen. Der Ausbau in Qualität und Quantität erfordert einen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen und auch Eltern. Deshalb rät Dräger davon ab, kurzfristig auf die Elternbeiträge zu verzichten: "Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen." Die Beteiligung der Eltern darf dennoch keine Zugangsbarriere für Kinder werden. Deshalb sollten Kita-Beiträge einkommensabhängig gestaffelt und Familien mit besonders niedrigen Einkommen komplett entlastet werden. ...

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 28.08.2017

 

5,2% der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung sind männlich

Nach wie vor ist der Anteil der Männer, die beruflich in der Kindertagesbetreuung tätig sind, relativ gering. Allerdings zog es in den letzten Jahren mehr Männer in diesen Beruf. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Kids‘ Day am 26. April mitteilt, waren im März 2016 in Deutschland 5,2% der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung männlich. Damit waren rund 30.500 Männer unmittelbar mit der pädagogischen Betreuung von Kindern in einer Kindertageseinrichtung befasst oder als Tagesvater aktiv. Vor fünf Jahren waren es noch 16.700 Männer gewesen (3,6%).

Quelle: Statistisches Bundesamt: Zahl der Woche vom 25.04.2017

 

Leitungsmangel in Kitas gefährdet Qualität

Leiter und Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen haben zu wenig Zeit für ihre Führungsaufgaben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Für Pädagogik, Personal, Budget und Elterngespräche fehlt den Leitungskräften durchschnittlich etwa die Hälfte der eigentlich notwendigen Zeit. In den Bundesländern wird unterschiedlich viel Wert auf die zeitliche Leitungsausstattung gelegt.

Lediglich 15 Prozent der mehr als 51.000 Kitas in Deutschland erfüllen derzeit die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung. Denen zufolge sollte jede Kita unabhängig von ihrer Größe idealerweise über eine Grundausstattung von 20 Stunden pro Woche für Führungs- und Leitungsaufgaben verfügen. Zusätzlich zu diesem Sockel sollten jeder Kita pro rechnerisch ganztags betreutem Kind 0,35 Stunden wöchentlich eingeräumt werden, um dem höheren Leitungsaufwand mit wachsender Kita-Größe gerecht zu werden. Die Leiterin einer Kita mit rechnerisch 30 ganztags betreuten Kindern hätte nach diesem Modell 30,5 Wochenstunden, innerhalb derer sie neben der klassischen Betriebs- und Personalführung das pädagogische Konzept weiterentwickeln und die Zusammenarbeit mit Eltern und externen Partnern gestalten kann. Fast doppelt so viele Leitungsstunden würden einer Einrichtung mit 115 ganztags betreuten Kindern zur Verfügung stehen.

Jeder zweiten Kita fehlt das Minimum an Leitungskapazität

Die Bedeutung dieser Aufgaben für die Qualität einer Kita ist laut Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, lange unterschätzt worden: "Eine gute Kita braucht kindgerechte Personalschlüssel und eine professionelle Leitung. Das verbessert die Qualität in den Kitas und hat einen positiven Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder", sagt Dräger. Zwar seien in Kita-Ausbau und bessere Betreuungsrelationen in den vergangenen Jahren erhebliche Summen investiert worden, die Ausstattung mit Leitungsressourcen sei allerdings zumeist vernachlässigt worden. "Die gestiegenen Ansprüche von Eltern, Gesellschaft und Politik kann eine Kita kaum erfüllen, wenn nicht wenigstens eine halbe Stelle für Leitungsaufgaben vorhanden ist", so Dräger.

Genau das trifft derzeit jedoch nur auf jede zweite Kita zu. Allen anderen knapp 25.000 Kitas in Deutschland steht noch nicht einmal der von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Sockel von 20 Leitungsstunden zur Verfügung. Fast 11 Prozent der deutschen Kitas haben sogar überhaupt keine zeitlichen Ressourcen für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Davon betroffen sind vor allem kleinere Einrichtungen. Jeder vierten Kita mit weniger als 40 Plätzen steht keinerlei Zeit für Leitung und Verwaltung zur Verfügung. "Die Null-Ausstattung für Leitung geht zu Lasten der Kinderbetreuung, des pädagogischen Konzepts und der Gesundheit der Leiterin", sagt Dräger.

Große regionale Unterschiede legen bundesweite Standards nahe

Ähnlich wie bei den Personalschlüsseln stellt sich die Lage in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich dar. Überhaupt keine zeitlichen Ressourcen haben in Bremen 28 Prozent der Kitas, in Sachsen-Anhalt und Thüringen hingegen nur knapp 1 Prozent. Und während in Hamburg jede zweite Kita die Empfehlung der Bertelsmann Stiftung erfüllt, erreichen in Thüringen nur 3 Prozent der Kitas den empfohlenen Wert. Nicht viel besser ist die Lage in Sachsen-Anhalt (4 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (5 Prozent) und Bayern (6 Prozent).

Für Jörg Dräger sind diese eklatanten Unterschiede zwischen den Ländern ein Beleg dafür, dass es eines bundesweit einheitlichen Standards bedarf. Mit einem solchen Standard kann die Zeit bemessen werden, über die Leitungskräfte verfügen sollten. "Die nötigen Ressourcen für die Leitung einer Kita sollten gesetzlich verankert und finanziell gesichert sein", fordert der Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Um das bestmögliche Maß an Professionalisierung zu erreichen, fehlen für die Leitungsebene umgerechnet 21.800 Vollzeitkräfte in Deutschland. Bundesweit bedeutet dies einen Anstieg der Personalkosten um jährlich bis zu 1,3 Milliarden Euro (das entspricht in etwa 5 Prozent der öffentlichen Ausgaben für die Kindertagesbetreuung). ...

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 06.03.2017

 

Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung: 2006 - 2015

Auf Grundlage der Jugendhilfestatistik, die vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt wird, lassen sich die Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung pro Kind berechnen (inklusive der investiven Aufwendungen). So ist ein Vergleich der Pro-Kopf-Beträge der einzelnen Bundesländer möglich.

Zwischen 2006 und 2015 stieg die Zahl der in Einrichtungen und Tagespflege betreuten Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren bundesweit von 3.014.757 auf 3.490.592 an. Im gleichen Zeitraum nahmen die Pro-Kopf-Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung von 3.464 auf 7.040 Euro zu. Dies verdeutlicht die großen Anstrengungen der Länder und Kommunen, mehr Plätze für unter Dreijährige zur Verfügung zu stellen und die Ganztagsbetreuung auszuweiten.

Auch zwischen 2014 und 2015 nahmen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung zu, und zwar um 372 Euro (von 6.668 Euro auf 7.040 Euro).

Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern bei den Ausgaben pro Kind sehr groß. Für 2015 ergibt sich folgende Reihenfolge der Länder:

  1. Berlin: 9.504 Euro
  2. Hamburg: 8.973 Euro
  3. Rheinland-Pfalz: 8.505 Euro
  4. Bremen: 8.277 Euro
  5. Nordrhein-Westfalen: 8.066 Euro
  6. Saarland: 8.007 Euro
  7. Hessen: 7.768 Euro
  8. Bayern: 7.753 Euro
  9. Baden-Württemberg: 7.362 Euro
  10. Niedersachsen: 6.385 Euro
  11. Thüringen: 6.329 Euro
  12. Schleswig-Holstein: 6.151 Euro
  13. Sachsen-Anhalt: 4.796 Euro
  14. Brandenburg: 4.613 Euro
  15. Sachsen: 4.516 Euro
  16. Mecklenburg-Vorpommern: 4.090 Euro

Sechs Bundesländer gaben mehr als 8.000 Euro pro Kind für Kindertagesbetreuung aus - vier Länder hingegen weniger als 5.000 Euro. Der Spitzenreiter, das Land Berlin, wandte mit 9.504 Euro pro Kopf mehr als doppelt so viel wie Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf.

In allen Bundesländern stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung zwischen 2006 und 2015 mehr oder minder stark an. Gegenüber 2014 erhöhten sich die Beträge in allen Bundesländern mit. Die höchsten Anstiege (in absoluten Zahlen) zwischen 2014 und 2015 verzeichneten Hamburg mit 1.151 Euro und Bayern mit 980 Euro pro Kind.

Detaillierte Angaben für die neun Jahre und Erklärungen zur Berechnung der Zahlen können unter www.kindergartenpaedagogik.de/1650a.pdf abgerufen werden.

Der Pro-Kopf-Betrag für Bayern ist etwas zu hoch, da - im Gegensatz zu den anderen Bundesländern - die Personalkostenzuschüsse sowie investive Zuschüsse für Kindertageseinrichtungen freier Träger im Ergebnis enthalten sind. Bei dem Betrag für Nordrhein-Westfalen ist zu beachten, dass bei den Einnahmen der öffentlichen Träger für eigene Einrichtungen der Kindertagesbetreuung die Einnahmen von Einrichtungen in freier Trägerschaft mit enthalten sind, da in Nordrhein-Westfalen Elternbeiträge von den öffentlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe mit vereinnahmt werden. Dieser Einnahmeanteil kann nicht separat ausgewiesen werden.

Ansonsten gilt, dass nur die reinen Kosten der Bundesländer und der Kommunen berücksichtigt wurden. Die Gesamtausgaben pro Kind sind somit höher, wenn man auch die Aufwendungen der Eltern (Elternbeiträge) und der freien Träger von Kindertageseinrichtungen (z.B. Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbände, Vereine) einbeziehen würde.

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Pädagogik und Zukunftsforschung vom 28.02.2017

 

Pro-Kopf-Ausgaben für frühkindliche Bildung höher als für Grundschüler/innen

Im Juni 2016 veröffentlichte der Grundschulverband das Gutachten "Finanzierung und Ausstattung der deutschen Grundschulen" von Klaus Klemm. Dieser ermittelte, dass im Jahr 2013 deutschlandweit rund 5.600 Euro je Schüler/in an Grundschulen ausgegeben wurde - im Gegensatz zu 7.500 Euro je Schüler/in an Gymnasien. Bei der Betrachtung der einzelnen Bundesländer ergab sich eine erhebliche Spannweite, die von 4.800 Euro (Nordrhein-Westfalen) bis zu 8.700 Euro (Hamburg) reichte.

Für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege gab die öffentliche Hand im Jahr 2013 mit 5.726 Euro pro Kind (um Investitionen bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben, siehe http://www.kindergartenpaedagogik.de/2316.pdf) 126 Euro mehr aus als für Grundschüler/innen - aber 1.774 Euro weniger als für Schüler/innen an Gymnasien. Auch hier konnte eine große Bandbreite bei den Ausgaben für frühkindliche Bildung zwischen den einzelnen Bundesländern festgestellt werden (ebd.).

Beim Vergleich dieser Zahlen muss man beispielsweise berücksichtigen, dass Grundschulkinder mit 24,2 Unterrichtsstunden pro Woche ("Wochenpflichtstunden", deutschlandweiter Durchschnittswert laut Klaus Klemm) bei weitem kürzer gefördert wurden als Kleinkinder in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege: Im Jahr 2013 wurden 27,2% der unter Dreijährigen mehr als 25 und bis zu 35 Stunden sowie 51,9% mehr als 35 Stunden betreut; bei Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt waren es 40,4% bzw. 43,6% (vertraglich vereinbarte Betreuungszeit laut Bildungsbericht 2014). Selbst wenn Klaus Klemm in seiner Studie darauf verwies, dass die Pro-Kopf-Beträge auch die eingesetzten Ressourcen für die Finanzierung von Ganztagsschulen enthielten und im Schuljahr 2014/15 bereits 27,1% aller Grundschüler/innen Ganztagsschulen besuchten, wird deutlich, dass mit den 5.726 Euro pro Kind in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege eine bei weitem längere Bildungszeit finanziert wird.

Zudem wird - bedingt durch das Alter der Kinder - in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege eine personalintensivere Betreuung gewährleistet: Während in Grundschulen 16,3 Schüler/innen auf eine Stelle kamen (2014, laut Klaus Klemm), lagen die Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen zwischen 4,6 bei reinen Krippengruppen und 9,6 bei reinen Kindergartengruppen (2013; Median laut Bildungsbericht 2014). Tagespflegepersonen betreuten im Durchschnitt 3,2 Kinder.

Schon diese beiden Vergleiche verdeutlichen, wie "kostengünstig" die frühkindliche Bildung ist: Für einen minimal höheren Pro-Kopf-Betrag wird zum einen eine personalintensivere und individuellere Förderung (besserer Personalschlüssel) und zum anderen eine längere und umfassendere Förderung als in Grundschulen gewährleistet - sofern in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege wirklich Vorgaben wie die folgenden umgesetzt werden: "Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen" (§ 22 Abs. 3 SGB VIII).

Offensichtlich dürfte aber auch sein, dass eine längere Betreuungszeit je Kind und ein besserer Personalschlüssel durch die schlechtere Bezahlung von sozialpädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und von Tagespflegepersonen im Vergleich zu Grundschullehrer/innen "erkauft" werden. Zudem haben sozialpädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen kaum Verfügungszeit (z.B. für die Vorbereitung von Bildungsangeboten oder für die Dokumentation der Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder).

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Pädagogik und Zukunftsforschung vom 14.07.2016

 

Fast zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten weniger als 38 Stunden

Teilzeitbeschäftigung hat in Kitas einen hohen Stellenwert: Nahezu zwei Drittel des Personals arbeiteten 2015 weniger als 38,5 Stunden pro Woche. 1998 war es nur knapp die Hälfte. 2015 gingen rund 26% einer Tätigkeit im Umfang von 21 bis unter 32 Stunden nach, rund 18% hatten sogenannte vollzeitnahe Stellen mit 32 bis unter 38,5 Stunden und rund 16% solche mit unter 21 Stunden. Der vollzeitnahe Bereich ist in Ostdeutschland deutlich stärker ausgeprägt, während in den westdeutschen Ländern mehr Beschäftigte unter 21 Stunden in Kitas tätig sind. Das zeigen neue Auswertungen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

Die Zunahme von Teilzeit ist nicht zu Lasten von Vollzeitverträgen gegangen. Sie ist vielmehr auf einen Personalausbau zurückzuführen, der mehr Teilzeit- als Vollzeitstellen umfasst: Während zwischen 1998 und 2015 die Anzahl der Vollzeitjobs um +28% auf rund 223.000 gestiegen ist, haben sich die Teilzeitarbeitsplätze zeitgleich mehr als verdoppelt (+109%) auf rund 332.000. Der überproportionale Anstieg lässt sich für alle Formen der Teilzeit beobachten, insbesondere für Stellen mit 32 bis unter 38,5 Stunden (+183%). Den zweitgrößten Zuwachs hatten Stellen mit einer Wochenarbeitszeit von unter 21 Stunden (+139%), aber auch solche mit 21 bis unter 32 Stunden wurden ausgebaut (+65%).

Die große Bedeutung der Teilzeit hängt mit dem hohen Anteil an Frauen im Arbeitsfeld Kita zusammen (95%). Sie entscheiden sich für einen reduzierten Stellenumfang, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Dies legt der Mikrozensus für das Jahr 2013 nahe: Nur rund 14% der Erwerbstätigen in der Frühen Bildung, die weniger als 32 Stunden arbeiteten, gaben an, keine Vollzeitstelle zu finden. Die meisten Befragten nannten als Gründe für die Teilzeit die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen bzw. Menschen mit Behinderung (31%) sowie sonstige persönliche und familiäre Verpflichtungen (24%) - eine Aufgabe, die immer noch überwiegend von Frauen übernommen wird.

www.fachkraeftebarometer.de

Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung liefert auf Basis der amtlichen Statistik ausführliche Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Qualifizierung in der Frühpädagogik. Die Publikation wurde im November 2014 erstmals veröffentlicht. Als Beobachtungs- und Analyseinstrument erscheint sie zukünftig etwa alle zwei Jahre. Die Website präsentiert einen Überblick über Bundestrends und Entwicklungen in den Ländern. Darüber hinaus wird jeden Monat eine aktuelle Zahl vorgestellt, die die Analysen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung fortschreibt.

Quelle: Pressemitteilung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) vom 06.04.2016 (gekürzt)

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