Was heißt ADHS?
ADHS heißt Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung. Es handelt sich dabei um die häufigste Störung im Kinder- und Jugendalter. Betroffen sind ca. 4-12% aller Kinder. Davon sind ca. 6-8% der Jungen und ca. 3-4% der Mädchen betroffen. Exakte Angaben sind nicht möglich, da die Angaben in der wissenschaftlichen Literatur schwanken. Um von ADHS sprechen zu können, müssen Symptome, wie die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität bereits vor dem Alter von sieben Jahren aufgetreten sein und länger als ein halbes Jahr vorliegen. Die Störung existiert in allen Ländern und Schichten. Die Kernsymptome können variieren und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Auswirkungen aus der Sicht von Erzieherinnen und Erziehern
Die betroffenen Kinder und Jugendliche werden oft als nervig, quengelig, unruhig, zappelig, unaufmerksam, konzentrationsgestört, schwer einschätzbar, dumm usw. etikettiert. Man kann sich leicht vorstellen, dass Kinder und Jugendliche darunter leiden (Selbstwert). Diese damit verbundene Selbstwertproblematik kann sich bis zur Depression und suizidalen Absichten äußern.
Ursachen
Mit den neueren Erkenntnissen der Hirnforschung weiß man, dass die Ursachen von ADHS auf die grundlegenden Beeinträchtigungen neuronaler Netzwerke zurückgehen. Man vermutet genetische Veränderungen.
Grundsätzliche Hilfen
Um mit den Problembereichen zurechtzukommen, braucht das Kind und der Jugendliche einen „Dirigenten“, der im Orchester der Problembereiche Ordnung schafft. Wie bei einem Orchester kann der Dirigent den einzelnen Instrumenten (Problembereiche) ihre jeweiligen Stärken klar machen und die jeweiligen Instrumente dazu bringen, zu einem optimal möglichen klanglichen Ergebnis zu gelangen. Wenn dazu auch medikamentöse Hilfe nötig ist, sollte man sich als Erzieherin und als Erzieher nicht dagegen sperren.
Was nicht hilft
Keine Hilfe erfährt das Kind/der Jugendliche durch (leere) Drohungen, Vorhaltungen, Nichtbeachten, Warum-Fragen, schimpfen, rügen, kritisieren, Vorwürfe und Gewalt (schlagen).
Was hilft
Vor allem zunächst einmal eine Diagnostik durch Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten. Diese Diagnostik bezieht oftmals verschiedene Fachdisziplinen und auch die Beobachtungen der Erzieher mit ein. In der Therapie hat sich eine multimodale (ganzheitliche) Förderung bewährt.
Hilfen durch und für Erzieherinnen und Erzieher
Da sich Kinder und Jugendliche mit ADHS oft nicht an Regeln halten und im Alltag hyperaktives Verhalten zeigen, können einfache und klare Regeln, sowie ein strukturierter Tagesablauf hilfreich sein. Dabei sollen eher wenige, aber sorgfältig aufgestellte Regeln gemeinsam erarbeitet und vereinbart werden.
Oftmals sind Kinder und Jugendliche mit ADHS in Konflikte verwickelt. Aus diesem Grunde sollten Konfliktlösungsstrategien gemeinsam besprochen werden.
Die Raumgestaltung und das pädagogische Konzept (offene Planung kann schwierig sein) sollten auf die besonderen Belange dieser Kinder und Jugendlichen abgestimmt sein. Sie brauchen gezielte Förderung, die die jeweiligen Grenzen und Möglichkeiten berücksichtigen.
Kinder und Jugendliche mit ADHS haben nicht nur Defizite, sondern auch Stärken. Im Alltag soll daher auch Platz für das Positive und die individuellen Ressourcen gegeben sein.
Erzieherinnen und Erzieher dürfen sich im Handeln nicht beirren lassen, sondern müssen einen als richtig angesehenen Hilfe-Weg konsequent, klar und ruhig weitergehen.
Eltern brauchen neben dem Gespräch mit den Erziehern, auch eine gezielte Beratung und Begleitung durch ein Helfernetzwerk. Erzieherinnen und Erzieher können hierbei eine Lotsenfunktion übernehmen. Grundlage jedweder Hilfe ist eine positive Beziehung zum betroffenen Kind und Jugendlichen.
Erzieherinnen und Erzieher müssen generell der „Fels in der Brandung“ sein. Selbsterziehung und Reflexion des eignen Verhaltens sind der Schlüssel zu einer positiven Integration und Hilfe für das Kind und den Jugendlichen mit ADHS.
Schlussgedanke
Kinder und Jugendliche mit ADHS sind mehr als (s)eine Störung!